Sarah Moss - Wo Licht ist/Bodies of Light

  • Buchdetails

    Titel: Wo Licht ist


    Verlag: Mare Verlag

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 336

    ISBN: 9783866482333

    Termin: September 2015

  • Bewertung

    3.8 von 5 Sternen bei 2 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Wo Licht ist"

    »Dieser Roman ist ein Spiegel der weiblichen Seele.« The Times Manchester, Mitte des 19. Jahrhunderts: Ally ist die Tochter von Eltern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: der Vater, Alfred Moberley, ein bekannter Maler, warmherzig, sinnlich und mit einem unbestechlichen Blick für das Schöne; die Mutter, Elizabeth, eine unbeugsame Christin, die sich entschlossen für die Rechte von Armen und Außenseitern einsetzt – sich selbst jedoch kasteit und den beiden Töchtern vorlebt, dass religiöse und politische Prinzipien wichtiger sind als der eigene Hunger, Gefühle und die Sehnsucht nach Wärme. Während die jüngere Tochter May (bekannt aus »Schlaflos«) früh den Absprung schafft und auf eine schottische Insel zieht, verharrt Ally in einem aussichtslosen Kampf um die Liebe und Anerkennung ihrer Mutter. Doch selbst als sie ein Stipendium erhält und als eine der ersten weiblichen Studentinnen für ein Medizinstudium an der Universität London angenommen wird, zeigt Elizabeth sich kaum beeindruckt. Da begreift Ally, dass es auch für sie an der Zeit ist, die familiären Fesseln zu sprengen und ihren eigenen Weg zu gehen. Farbintensiv, psychologisch glaubwürdig und mit großem Gespür für den Zeitgeist und die Zwänge des 19. Jahrhunderts schildert Sarah Moss das Aufeinanderprallen zweier viktorianischer Milieus – verkörpert durch die hart arbeitende, aber lieblose Mutter auf der einen und den Kunst liebenden Vater auf der anderen Seite – und erzählt die Geschichte einer klugen, sensiblen Frau, die sich auf der Suche nach Bildung und Liebe von beiden befreien muss.
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  • Alethea "Ally" Moberley und ihre Schwester May sind die Kinder eines recht ungewöhnlichen Paares. Der Vater Alfred ist ein bekannter Maler und Innenarchitekt, nicht zuletzt berühmt für seine Tapetenmuster, ein liberaler, lebenslustiger Mann, während seine Frau Elizabeth streng und puritanisch das Regiment über die beiden Mädchen führt. Sie ist eine leidenschaftliche Kämpferin gegen Armut und gegen die Unterdrückung der Frau, schießt mit ihren Methoden jedoch bei den eigenen Kindern häufig über das Ziel hinaus, um sie nur ja nicht zu verweichlichen.


    Ally wächst zu einem ernsten, nachdenklichen Mädchen heran, dessen Strebsamkeit eigentlich jede Mutter freuen müsste, doch für Elizabeth ist es nie genug, egal, was Ally tut, selbst als sie als eine der ersten Frauen überhaupt gegen alle möglichen Widerstände ein Medizinstudium beginnt. In ihren Augen ist ihre Tochter schwach und hysterisch. Dass Allys gelegentliche Zusammenbrüche aus purer Überforderung entspringen, kommt ihr nicht in den Sinn, sie soll sich gefälligst zusammenreißen.


    Sarah Moss ist ein Name, den ich mir ab sofort unbedingt merken muss. Dieser Entwicklungsroman über eine junge Frau im viktorianischen England ist keine herkömmliche historische Frauengeschichte, allein schon durch die äußerst treffende Sprache nicht. Sie schafft es, gleichermaßen die damaligen Lebensumstände und engstirnigen Denkweisen zu skizzieren, die erst ganz allmählich aufzubrechen beginnen, wie auch Allys Lebensweg packend zu schildern.


    Wie sehr die die verqueren Ansichten ihrer Mutter verinnerlicht hat und sich dabei selbst das Leben noch schwerer macht, lässt uns aus heutiger Sicht immer wieder den Kopf schütteln, doch gerade das ist das Glaubhafte an diesem Buch. Alle sind Kinder ihrer Zeit und niemand ist schwarzweiß gezeichnet, allen voran Elizabeth, die einerseits so viel Gutes tut und mit so viel Herzblut und Einsatz für ihre Überzeugungen kämpft und andererseits so gar kein Verständnis für die Nöte ihrer Töchter aufzubringen vermag.


    Eine sehr gelungene Emanzipationsgeschichte, gerade weil sie sich nicht mit einem großen Knall, sondern in kleinen, schmerzhaften Schritten vollzieht.

    Why say 'tree' when you can say 'sycamore'?
    (Leonard Cohen)