Tracy Chevalier - Das Mädchen mit dem Perlenohrring / Girl with a Pearl Earring

  • Von Tracy Chevalier habe ich zuerst "Der Kuss des Einhorns" gelesen, das fand ich richtig gut und danach dann dann "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" und das hatte mir sogar noch einen Tick besser gefallen. Besonders die ganze Atmosphäre und auch die Ruhe sind mir noch gut im Gedächtnis.
    Die Verfilmung habe ich mir auch angesehen, allerdings finde ich, dass der Film nur in Verbindung mit dem Buch sehr schön ist. Hätte ich z.B. das Buch noch nicht gelesen gehabt, hätte mich der Film sicherlich nicht so überzeugen können. Aber dennoch fand ich Scarlett Johansson ganz toll in der Rolle als Grit.


    :winken:

  • Habe das Buch heute beendet, und mein Eindruck war von Anfang bis Ende sehr positiv. Die Geschichte, sowie der Schreibstil der Autorin haben mir sehr zugesagt. :thumleft:
    Dennoch hat mir etwas in der Geschichte gefehlt, allerdings weiß ich bis jetzt noch nicht was. :-k Irgendwie so der letzte Funken, so wie es in der Geschichte Griet mit dem Bild ging... :wink:
    Ich vergebe vier Sterne: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: !
    Nun werde ich mir noch den Film zulegen, bin schon sehr darauf gespannt.

    "Books line the walls like a thousand leather doorways to be opened into worlds unknown."

  • Ich habe das Buch sehr gerne und interessiert gelesen.


    Natuerlich hat es durch den beruehmten Vermeer eine eigene Wirkkraft durch die Betonung von Farben und Licht. Die Kenntnis darum teilt ja die Dienerin Griet und zeichnet sich dadurch aus, ja steht quasi ueber so genannten standeshoeheren Menschen.


    Aber ueber diese Aspekte des Malens hinaus ist das Buch ein beeindruckendes Beispiel fuer soziale Ungerechtigkeit der Vergangenheit: Griet wird teils ihrer Habe beraubt, dann auch ihres Rufes, ihrer Wuerde, ihrer Unschuld, obwohl sie eine durch und durch positive Gestalt ist. Vermeer scheint - zumindest in DIESEM Buch, ueber das Malen, das Objekt die Person zu vergessen. Letztlich steht er nicht zu den von Griet verlangten Opfern und laesst sie allein.
    Insofern ein Buch, das sich durchaus mehrschichtig lesen laesst...

  • Ich habe das Buch vor etwa zwei Tagen beendet- was ich ihm als erstes anrechne, ist das man während des lesens kaum noch wirklich aufhören kann. :wink: Ebenso haben mir die teilweise ziemlich intressanten und tiefschichtigen Charaktere gefallen wie zB. Catharina und Maria Thins, Vermeer selbst und vielleicht auch noch Tanneke und Cornelia.


    Gerade Vermeer und Catharina waren für mich intressante Persönlichkeiten, vielleicht auch deswegen...



    Am Anfang habe ich allerdings ein klein wenig über die Figur von Cornelia gestutzt:

    , aber im Laufe des Buches hat es mich immer mehr überzeugt, dass es schlicht ihr Charakter ist und der halt relativ aussergewöhnlich, um es so zu sagen.


    Insgesamt ist es für mich ein grossartiges Buch, ich konnte wunderbar mit Griet mitfühlen und -bangen mit einer wunderbar bittersüssen Liebesgeschichte- was grosses Potential hat, zu einem meiner Lieblingsbücher aufzusteigen. :thumright: :love:


    Klare :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: von mir an das Buch.

    Things need not have happened to be true. Tales and dreams are the shadow-truths that will endure when mere facts are dust and ashes, and forgot.

    Neil Gaiman


    :study: T.R.Richmond - What she left




  • Das Buch gefällt mir sehr gut, es hat mir ein paar angenehme, leichte Lesestunden bereitet.


    Über den Maler Vermeer, der schon mit 43 Jahren starb, ist wenig bekannt, das meiste davon aus Rückschlüssen auf historisch bekannte Fakten seiner Zeit und die Malerei seines Jahrhunderts. Nach den neueste Forschungen können ihm nur 37 Gemälde eindeutig zugesprochen werden.
    Es gefällt mir daher, dass die Autorin die Person des Malers ein wenig im Dunkeln lässt, dass sie nur solche Details aus seinem Alltag verwendet, die belegbar sind: Die Personen seiner Familie, seine Tätigkeiten außer Haus, seine wenigen Gemälde.
    Erst nach seinem Tod nennt Griet ihn beim Namen, bis dahin ist der "der Herr" oder einfach nur "er". Die unweigerlich zwischen einem Maler und seinem Modell aufbrechende erotische Spannung nimmt Griet mit dem Blick eines unbedarften jungen Mädchen wahr, das das Knistern eigentlich nicht zu deuten weiß.
    Obwohl die Autorin sich selbst die Steilvorlage zu einer in historischen Romanen gern erzählten Liebesgeschichte liefert, schildert sie statt dessen ein real mögliches Leben.


    Einziger Wermutstropfen: Die allzu plakativ und flach angelegten Gegenspielerinnen Catherina und Cornelia.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Die Geschichte beginnt im Jahr 1664. Nach dem ihr Vater durch einen tragischen Unfall erblindet ist, muss die junge Griet für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Als Dienstmagd beginnt sie ihre Arbeit für den Maler Jan Vermeer und seine Familie.


    Leicht hat es Griet nicht. Tanneke, ebenfalls eine Dienstmagd behandelt sie eher von oben herab. Auch ihrer Herrin Catharina ist sie eher ein Dorn im Auge. Harte Arbeit wartet auf Griet, die sie stillschweigend erledigt.


    Von den Gemälden ihres Herrn ist Griet jedoch fasziniert. Als Griet Vermeers Atelier täglich sauber machen muss, wird sie Zeuge von der Entstehung dieser Gemälde. Auch Griet scheint auf Vermeer eine anziehende Wirkung zu haben. Sie wird im Atelier zu seiner Gehilfin und als er beginnt, sie zu malen, ahnt keiner, dass dies der Beginn einer nahenden Tragödie ist.


    Nur zufällig ist mir dieses Buch in die Hände gefallen und mit den Worten "Ich les mal rein" habe ich es von einer Kollegin geliehen. Das berühmte Gemälde kannte ich, aber das war es dann auch schon. Und was soll ich sagen, für mich ist dieser Roman das Highlight des Monats.


    Ich habe mir die anderen Gemälde von Vermeer angeschaut und ich kann nachvollziehen, dass gerade bei diesem Bild der Gedanke kommen kann, wie es wohl entstanden ist. Es hebt sich von seinen anderen Bildern ab und ich bin mir sicher, dass dieses Mädchen eine besondere Bedeutung in Vermeers Leben hatte.


    Ich habe den Schreibstil als sehr ruhig empfunden. Dennoch ist die Geschichte, die in der Ich-Form aus Griets Sicht geschrieben ist, keine Seite langweilig. Ich war gefesselt von der Geschichte um die Entstehung dieses Bildes. Sogar die Beschreibung der Malerei, die Entstehung der Farben, die Arbeit mit den Farben und dem Gemälde werden hochinteressant und gefühlvoll geschildert.


    Griet ist eine Person, die ich von Beginn an mochte. Ihre Art, ihre Gedanken, ihre Gefühle - ich konnte mich gut in sie herein versetzen. Lediglich mit Cornelia hatte ich ein Problem. Als siebenjährige legt sie ein berechnendes Verhalten an den Tag, das nicht dem Alter entspricht. Wäre sie ein paar Jahre älter, hätte dies meiner Meinung nach besser gepasst. Das ist allerdings die einzige Kritik, die ich habe.


    Ein wunderschöner Roman, den ich nur empfehlen kann. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Hab das Buch gebraucht für nur einen Euro kaufen können und hauptsächlich deshalb gekauft, weil ich die Bilder des Künstlers sehr mag. :wink:
    Das Buch hat mir sehr gut gefallen, besonders der ruhige Schreibstil. Eigentlich ist die Handlung ja nicht sehr komplex aber man wird trotzdem von der Geschichte und den Beschreibungen gefesselt. Ich fands toll mir die jeweiligen Bilder im Internet anzusehen, wenn ihre Entstehung im Roman gerade beschrieben wurde. Ich werde in Zukunft nie mehr Wolken weiß sehen :lol:

    "Eine ganze Stunde der Seligkeit! Ist das etwa wenig, selbst für ein ganzes Menschenleben?" - Dostojewski

  • Historisches ist nicht so mein Fall und ich kenne mich da auch nicht gut aus, genauso wenig wie bei Malern.
    Auf Vermeer wurde ich nur aufmerksam, weil der Kater meiner Nachbarin so heisst :uups:
    Nichtsdestotrotz hat mir das Büchlein gut gefallen. Es war eine angenehme und leichte Lektüre.


    Die Protagonistin habe ich sofort ins Herz geschlossen. Ich hätte sie am liebsten manchmal etwas bemuttert und verwöhnt.
    Es war interessant, aber zuweilen auch recht traurig, zu erfahren, wie das Leben in dieser Epoche war,


    Das Buch fand ich recht nüchtern geschrieben, ohne grosse Dramatik - man nahm meistens alles einfach so hin, wie es war.
    Die Menschen waren sehr arm, jedoch auch sehr stolz.


    Die Autorin hat das Ganze sehr gut rübergebracht und ich gebe dem Buch :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    ☆¸.•*¨*•☆ ☆¸.•*¨*•☆ La vie est belle ☆¸.•*¨*•☆☆¸.•*¨*•☆

  • Die sensible und scheue junge Griet, Tochter eines Delfter Fliesenmalers, wird nach dessen unfallbedingter Erblindung als Magd ins Haus Vermeer verdingt und gerät dort bald zwischen alle Stühle: Angestellt für die umfangreiche niedrige Hausarbeit, u.a. auch das Putzen des Ateliers, spannt der egozentrische Maler sie bald ohne das Wissen seiner eifersüchtigen Gemahlin für verschiedene Hilfsdienste ein und macht sich Griets intuitives Gespür für Farben und Bildkomposition zunutze. Ob unterdessen in der Küche das Essen anbrennt oder die eingeweichte Wäsche grau wird, ist ihm gleichgültig. Dass über die junge Magd geredet wird und sie sich der Übergriffe seines umschmeichelten Mäzens erwehren muss, ist ihr eigenes Problem.


    Griet wird nun die Verantwortung dafür zugeschoben, zwischen den verschiedenen, von allen Seiten an sie herangetragenen und zum Teil einander widersprechenden Ansprüchen und Interessen zu jonglieren – und sie soll die Schuld auf sich nehmen, wenn das trotz aller Schufterei, trotz erzwungener Heimlichkeiten und teils schmerzhafter Opfer ihrerseits nicht funktioniert. Dabei wird nicht mit Druck, Appellen an ihr Gewissen und ihre Moral sowie dreisten Manipulationen gespart, die das junge, lebensunerfahrene Mädchen nur ansatzweise durchschaut. Griets teils völlig verquere Vorstellungen davon, wer wann in wessen Schuld steht, und wie sie sich innerlich den verschiedensten Menschen verpflichtet fühlt, die sie ihrerseits nur gedankenlos oder böswillig ausnutzen, haben mich tief geschmerzt und streckenweise an die Einstellungen des Butlers in „Was vom Tage übrig blieb“ erinnert.


    Doch Griet zeigt oft auch einen erstaunlichen klaren Blick auf ihre Situation und den bedrückenden Umstand, dass sie nicht viel daran zu ändern vermag. Schlimme Zeiten waren das, wo man so über eine Dienstmagd verfügen konnte (und sie sind in Zeiten moderner Sklaverei nicht vorbei) und eine Magd sich noch nicht einmal der Hoffnung ergeben konnte, dass es ihr in einem anderen Dienstverhältnis besser ergehen und sie ihren Herrschaften weniger schutzlos ausgeliefert sein würde.

    Auch Griet begehrt zunächst nicht auf, sondern ergibt sich in ihr Schicksal. Man kann buchstäblich zusehen, wie das Netz um sie herum sich immer enger zuzieht, wie sie von allen Seiten benutzt, verraten und verkauft wird und der vielleicht einzig mögliche Ausweg für sie keiner ist…


    Mehr möchte ich zum Fortgang der Handlung jetzt nicht verraten.


    Ich mag es sehr, wenn eine Geschichte ohne unnötige Zeitsprünge von vorn nach hinten erzählt wird; dies tut die Autorin in einer schlichten und dennoch schönen und charakteristischen, für die Hauptfigur sehr angemessenen Sprache. Der Roman kommt ruhig und unaufgeregt daher; sein Spannungsbogen wird von der Geschichte selbst getragen, von den gut eingefangenen Charakteren und Stimmungen. Eindringlich und intensiv bleibt er stets sehr nah an der Hauptfigur, wofür die gewählte Ich-Form ja keine automatische Garantie darstellt – doch hier habe ich diese Erzählform als absolut gelungen wahrgenommen und jede Seite genossen. Als einzigen Kritikpunkt möchte ich die im Laufe des Geschehens mehrfach behauptete, aber selten ausreichend pointiert dargestellte Eifersucht und daraus resultierende Feindschaft von Vermeers Gattin der jungen Magd gegenüber erwähnen. Hier sind für mich einige Fragen offen geblieben, aber ich konnte das Buch dennoch zufrieden beenden.


    Diese zeitlos tragische und berührende Geschichte von einer jungen Frau, die versucht, sich in einem Umfeld von egoistischen und teils sogar einfach nur schäbigen Menschen nicht brechen und zerstören zu lassen, wird noch länger in mir nachklingen. Gleichzeitig werde ich nie wieder Vermeers Gemälde vom „Mädchen mit dem Perlenohrring“ betrachten können, ohne an die junge Griet zu denken, deren Schicksal Tracy Chevalier so feinfühlig ersonnen hat.


    Der Roman kann derzeit bei NetGalley angefragt werden! :winken:


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    :study: I. L. Callis - Doch das Messer sieht man nicht

    :study: Nadia Murad - Ich bin eure Stimme

    :musik: Asako Yuzuki - Butter (Re-???)

    :montag: Deb Olin Unferth - Happy Green Family (Reread)





  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Tracy Chevalier - Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ zu „Tracy Chevalier - Das Mädchen mit dem Perlenohrring / Girl with a Pearl Earring“ geändert.
  • Ich bin Dank Sarange ´s Beitrag in "Welche Bücher habt ihr gelesen-Thread" aufmerksam geworden. Danke dafür. :winken: Hört sich interessant an. Das Buch habe ich auf die Merkliste gepackt. Aber wo ich lachen musste :D , das war der Satz von freddoho

    Auf Vermeer wurde ich nur aufmerksam, weil der Kater meiner Nachbarin so heisst :uups:

    finde ich köstlich. Das nenne ich eine Inspiration. :) Bei mir kommt es aber auch häufig vor, dass ich auf den verschlungenen Wegen zu den Büchern komme.

    2024: Bücher: 100/Seiten: 43 976

    2023: Bücher: 189/Seiten: 73 404

    --------------------------------------------------

    Mein Blog: Zauberwelt des Lesens
    ------------------------------

    "Das Nicht-Wahrnehmen von Etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz "

    Dalai Lama

    ------------------------------

    Lese gerade:

    Adrian, Lara - Hüterin der Ewigkeit

  • Das Buch hat mir sehr gut gefallen und in diesem Fall war ich auch vom Film nicht enttäuscht.

    Ich kenn ja nur den Film und kann nicht beurteilen, wie gut die Verfilmung per se ist. Aber ich fand ich richtig gut und überzeugend und kann ihn nur weiterempfehlen. Hach ja, die Wunschliste und Regale sind so voll und die Lesezeit so begrenzt :uups:

    viele Grüße vom Squirrel



    :study: Kai Seyfarth - Entscheidung in Aleppo: Walter Rößler, Helfer der verfolgten Armenier


  • Delft, 1664: Wegen der Arbeitsunfähigkeit ihres Vaters muss die junge Griet als Dienstmagd in den Haushalt des Malers Johannes Vermeer eintreten. Dort erwartet sie nicht nur harte Arbeit, sie erweckt auch das Interesse des Hausherrn, der sie Hilfsdienste in seinem Atelier verrichten lässt.

    Als Vermeer sie schließlich mit den Perlenohrringen seiner Frau malt, beschwört er damit deren Zorn herauf, der sich allein gegen Griet richtet.


    Anfangs hat mir die Geschichte, an die ich mit sehr hohen Erwartungen herangegangen bin, auch ganz gut gefallen. Das Alltagsleben einer Dienstmagd in einem bürgerlichen Haushalt mit vielen Familienmitgliedern wird sehr anschaulich und lebendig geschildert. Dabei kommen die charakterlichen Eigenheiten der Protagonisten mit ihren Vorlieben und Abneigungen, ihren Eifersüchteleien, manchmal sogar intrigantem Verhalten sehr gut zur Geltung.

    Mit dahinschwindender Seitenzahl, das nahende Ende vor Auge, nahm meine Enttäuschung jedoch unweigerlich zu. Viel Aufregendes blieb ja nicht mehr zu erhoffen, nicht einmal eine überraschende Wende hat die Geschichte zu bieten. Eigentlich nimmt sie den erwarteten Verlauf, wenn Dienstherren ihre Mägde für ihre Zwecke einspannen. Dabei hatte Griet ja noch ein nicht unbedeutendes Ass im Ärmel, einen Vorteil, der hier natürlich nicht genannt werden kann. Das Ende der Geschichte konnte mich ebenfalls nicht überzeugen.

    Stilistisch hat mir der Roman nicht schlecht gefallen, inhaltlich fand ich ihn einfach nur langweilig und allzu vorhersehbar.

  • Geschichtliches lese ich ja eigentlich am liebsten in Biografien, nicht in historischen Romanen. Aber bei Tracy Chevalier musste ich zumindest in das Buch reinlesen, gehört sie doch zu meinen Lieblingsschriftstellerinnen.


    Und sie hat mich nicht enttäuscht. Es war wieder ein absoluter Lesegenuss, den ich erleben durfte.


    Die siebzehnjährige Griet erzählt hier ihre Geschichte. Nach einem Arbeitsunfall ihres Vaters, bei dem er das Augenlicht verlor, lebt die Familie in einer ärmlicheren Gegend in Delft. Der Sohn ist in der Lehre, das Geld reicht vorne und hinten nicht mehr. So wird sie in den Haushalt des angesehenen Malers Johannes Vermeer gegeben. Dort muss sie als Dienstmagd arbeiten und darf als einzige sein Atelier betreten, um es zu putzen. Der Grund dafür ist, dass Vermeer ihren Blick für Farben und die Anordnung von Gegenständen bemerkt hat.


    Griet schuftet von morgens bis abends, nur sonntags hat sie frei und darf zu den Eltern.


    Vermeer hat eine große Familie, und sie wird immer größer. Die beste Geldquelle für ihn ist ein reicher Kunde, der ihm immer wieder ein Bild abkauft. Als der auf Griet aufmerksam wird, stellt er ihr nach und verlangt schließlich, dass Vermeer sie malen muss. Für Griet bedeutet das nichts Gutes, darf die Hausherrin doch nichts davon erfahren.


    Warum ist dieses Bild so etwas Besonderes? Einerseits durften Models früher nicht die Augen auf den Maler richten. Und es gehörte sich auch nicht, den Mund so geöffnet zu haben. Das galt als unschicklich. Und erst die Perle. Wo Griet doch eine Dienstmagd ist. Recht war ihr das alles nicht. Doch sie war auf den Dienst angewiesen.


    Ja, sie war wohl ein bisschen verliebt in den Maler, obwohl das Wort Liebe nie fiel und sie auch keine Beziehung hatten. Spürte er ihre Gefühle für ihn? Wenn ja, ließ er sich nichts anmerken. Doch er merkte sowieso kaum, was um ihn herum geschah, wenn man ihn nicht mit der Nase drauf stieß. Er spürte ja nicht mal, in was für eine Lage er Griet mit diesem Bild brachte. Oder wusste er es genau und es war ihm egal? Nur das Ergebnis zählte und dass er es verkaufen konnte.


    Ein Happy End in unserem Sinne gibt es für Griet nicht. Es hätte sie zwar schlechter treffen können, aber ich bin überzeugt, dass sie ihr Leben so nicht verbringen wollte.


    Einen halben Stern Abzug für das fehlende Happy Ende. Ich weiß, das ist nicht realistisch und gibt die Geschichte irgendwie auch nicht her. Was solls, ich liebe Happy Ends.
    Und bisher bin ich mit den 5 Sternen auch recht großzügig umgegangen. Eine Lieblingsschriftstellerin bleibt sie mir trotzdem.

    Denn ich, ohne Bücher, bin nicht ich. - Christa Wolf


    2022 - 64

    2023 - 84 von 80 - geschafft :)