Joseph Roth - Juden auf Wanderschaft

  • Buchdetails

    Titel: Juden auf Wanderschaft


    Verlag: dtv

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 128

    ISBN: 9783423134309

    Termin: Februar 2006

  • Bewertung

    4.1 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Juden auf Wanderschaft"

    Mit diesem Essay gewährt Roth Einblick in die ostjüdische Kultur und das Leben in den neuen Heimatorten Eine liebevolle, oft auch ironische Zeichnung der ostjüdischen Kultur, vor allem aber auch des Elends, das so viele in die Welt hinaustrieb, und eine fesselnde Beschreibung der neuen Heimatorte, der Judenviertel in Wien, Berlin, Paris und New York. In seinem 1927 erschienenen Essay ›Juden auf Wanderschaft‹ stellt Roth, selbst aus Ostgalizien stammend, die Frage, für wen das Buch bestimmt sei. Im Vorwort schreibt er: »Der Verfasser hegt die törichte Hoffnung, dass es noch Leser gibt, die Achtung haben vor Schmerz, menschlicher Größe und vor dem Schmutz, der überall das Leid begleitet; Westeuropäer, die auf ihre sauberen Matratzen nicht stolz sind; die fühlen, dass sie vom Osten viel zu empfangen hätten und die vielleicht wissen, dass aus Galizien, Russland, Litauen, Rumänien große Menschen und große Ideen kommen; aber auch (in ihrem Sinne) nützliche, die das feste Gefüge westlicher Zivilisation stützen und ausbauen helfen – nicht nur die Taschendiebe, die das niederträchtigste Produkt des westlichen Europäertums, nämlich der Lokalbericht, als ›Gäste aus dem Osten‹ bezeichnet.«
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  • Autor: Joseph Roth
    Titel: Juden auf Wanderschaft, erschien erstmals 1927
    Seiten: 128 Seiten
    Verlag: dtv
    ISBN: 9783423134309


    Der Autor:
    Joseph Roth, 1894 in Brody (Ost-Galizien) geboren, entstammt einem bürgerlichen Elternhaus galizischer Juden, studierte Literaturwissenschaften in Wien und Lemberg und nahm am Ersten Weltkrieg als Soldat teil. Ab 1918 arbeitete er als Journalist in Wien, dann Berlin, 1923-1932 war er Korrespondent der renommierten Frankfurter Zeitung. Am 30. Jan 1933, dem Tag von Hitlers Machtergreifung, verliess Roth Deutschland und emigrierte nach Paris. Dort starb er im Mai 1939 im Alter von nur 45 Jahren.
    In seinen beiden wohl bekanntesten Werken "Radetzkymarsch" und "Kapuzinergruft" schildert Roth den Untergang der österreichischen k.u.k. Monarchie als Sinnbild für eine verloren gegangene Heimat.


    Inhalt: (Klappentext)
    Mit diesem Essay gewährt Roth Einblick in die ostjüdische Kultur und das Leben in den neuen Heimatorten.
    Eine liebevolle, oft auch ironische Zeichnung der ostjüdischen Kultur, vor allem aber auch des Elends, das so viele in die Welt hinaustrieb, und eine fesselnde Beschreibung der neuen Heimatorte, der Judenviertel in Wien, Berlin, Paris und New York.
    In seinem 1927 erschienenen Essay ›Juden auf Wanderschaft‹ stellt Roth, selbst aus Ostgalizien stammend, die Frage, für wen das Buch bestimmt sei. Im Vorwort schreibt er: »Der Verfasser hegt die törichte Hoffnung, dass es noch Leser gibt, die Achtung haben vor Schmerz, menschlicher Größe und vor dem Schmutz, der überall das Leid begleitet; Westeuropäer, die auf ihre sauberen Matratzen nicht stolz sind; die fühlen, dass sie vom Osten viel zu empfangen hätten und die vielleicht wissen, dass aus Galizien, Russland, Litauen, Rumänien große Menschen und große Ideen kommen; aber auch (in ihrem Sinne) nützliche, die das feste Gefüge westlicher Zivilisation stützen und ausbauen helfen – nicht nur die Taschendiebe, die das niederträchtigste Produkt des westlichen Europäertums, nämlich der Lokalbericht, als ›Gäste aus dem Osten‹ bezeichnet.«


    Meinung:
    Dieser Essay gehört wohl zu den Höhepunkten in Joseph Roths Schaffen! Er beschreibt hier die Entwurzelung der Juden generell, insbesondere aber jener aus Galizien. Wie ist das Leben der Ostjuden im Westen? Wie muss man sich das jüdische Leben in Wien, Berlin und Paris vorstellen? Mit welchen Hoffnungen gehen die Juden dorthin und was erwartet sie dort? Ist es wirklich eine Ankunft und werden die assimilierten Juden tatsächlich aufgenommen? Ist es in Amerika oder Russland anders?


    Diese und andere Fragen thematisierte Joseph Roth 1927 und machte auf die Aussichtslosigkeit des jüdischen Lebens aufmerksam, und das nicht in einem Roman, sondern in einem sauber gegliederten Essay. Diese Form schafft es einen «objektiven, sachlichen» Blick auf die Situation der Juden zu geben, die bereits 1927 hoffnungslos schien. Als dieser Essay 1937 in erweiterter Form als Buch erscheinen sollte, schrieb Roth bereits ein umfangreiches zweites Vorwort (und Nachwort), in dem er die damaligen Schilderungen aktualisierte. Und hier ist die Hoffnungslosigkeit noch bestürzender. Joseph Roth sah 1927 schon recht klar, aber zehn Jahre später war es offensichtlich, dass die Juden weder von der Bevölkerung, noch von anderen Ländern, noch von der katholischen Kirche Unterstützung erhalten würden. Die Katastrophe, Flucht und Unterdrückungen waren überwältigend.


    Es ist ein erschütterndes Zeitdokument. Allerdings war ich auch überrascht von der Aktualität. Denn das Thema, die Vorwürfe und die beschriebene Situation kann man leicht auf heutige Flüchtlinge und Menschen in Not übertragen. Von daher kann ich die Lektüre nicht nur Joseph Roth-Fans empfehlen, sondern ist generell ein eindringlicher Aufruf an Menschlichkeit, damit die hier beschriebenen Zustände nicht wieder aufkommen.

  • Ich las den Essay in diesem Sammelband und hoffe, dass das 2. Vorwort und das Nachwort ebenfalls in oben verlinkter Ausgabe enthalten ist.

    Laut Inhaltsverzeichnis nur das alte Vorwort und ein Nachtrag aus dem Nachlaß, kein zweites Vorwort.


    Danke für die Rezension, du hattest mich ja die Tage schon neugierig gemacht, ich werde den Essayband wohl auch demnächst lesen.

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    (Aulus Gellius)

    :study: Rote Kreuze - Sasha Filipenko

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  • Vielen Dank fürs Nachschauen comnenos ! Wieviele Seiten umfasst denn der Nachtrag aus dem Nachlass? Evtl ist dies ja doch das 2. Vorwort? Es ist ein Text mit 10 Abschnitten und umfasst in meiner Ausgabe 12 Seiten...

    Schön, dass ich Dich kürzlich darauf neugierig machen konnte; meine Rezi zu Zipper und seinem Vater möchte ich diese Woche auch noch erstellen - dieses Büchlein hast Du Dir ja auch schon zugelegt :wink:

  • Du hast Recht, der Nachtrag ist das Vorwort für die 1937 geplante Auflage.


    Und auf Roth neugierig geworden bin ich sowohl durch deine Beiträge hier als auch durch die Autobiographie Carl Zuckmayers, die ich ja die Tage erst gelesen habe. Er war ja mit Joseph Roth und Stefan Zweig befreundet.

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