Eine Geschichte des Lesens - Alberto Manguel

  • Buchdetails

    Titel: Eine Geschichte des Lesens


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 480

    ISBN: 9783596175154

    Termin: August 2012

  • Bewertung

    5 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

    100% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Eine Geschichte des Lesens"

    Für den Leser ist die wahre Heimat das Buch, das Paradies eine Bibliothek. Mit Charme, Witz und Verve führt uns Alberto Manguel durch die Seiten, die die Welt bedeuten. Vor dem staunenden Leser entwirft Manguel ein Panorama der Passionen: von den Anfängen der Schrift bis zur Bibliothek des blinden Borges. »Ein Liebesbrief an das Lesen«. The New Yorker
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  • Hier schreibt einer, den wir nur zu gut verstehen dürften. Bücher- und leseverrückt seit der Kindheit.
    Mir gefällt das Buch sehr gut. Man erfährt sehr viel über den Autor selbst, aber auch jede Menge über die Geschichte des Lesens und was Bücher für uns bedeuten. Für Interessierte kann ich es auf jeden Fall empfehlen


    Kurzbeschreibung
    "Lesen ist wie atmen", sagt Alberto Manguel, selbst ein Lesebesessener von Kindheit an. In seinem Buch begibt er sich auf die Spuren dieser Leidenschaft und liefert uns eine Geschichte des Lesens, des Buchdrucks, der Buchkunst und der Literatur durch die verschiedenen Epochen, mal mit wissenschaftlichem Ernst, mal im Plauderton.Alberto Manguel, geboren 1948 in Buenos Aires, wirkte unter anderem in Buenos Aires, Paris, London, Mailand und Toronto als Verlagslektor und Literaturdozent. Er übersetzte zahlreiche Bücher und ist Herausgeber von Anthologien und Kurzgeschichten. Er lebt vorwiegend in Toronto und Paris und ist seit 1988 kanadischer Staatsbürger. Für sein Buch "Eine Geschichte des Lesens" wurde er mit dem Prix Médicis ausgezeichnet.

  • Anlässlich der gestrigen Lesenacht zum Welttag des Buches habe ich dieses Buch ausgewählt und bin begeistert! :thumleft: Es wurde mir von einer ehemaligen Kollegin empfohlen, die mir sagte, das Buch sei eine Liebeserklärung an das Lesen...


    "Eine Geschichte des Lesens" beginnt mit einem Vorwort, in dem Alberto Manguel viele Themen anspricht, die wir hier im Forum auch schon angeführt haben:


    Wie sortiere ich meine Bücherregale? Wie finde ich neue Lektüre? Kaufen, leihen oder stehlen? Wie lese ich: schnell und hastig, von Ereignis zu Ereignis springend oder ruhig und genau auf Worte, Inhalte und zweite Bedeutungen achtend? Wann wähle ich welche Methode? und und und..


    Jede Seite macht Lust auf mehr. Die unabhängigen Kapitel eignen sich insbesondere dafür, rein nach Interesse statt chronologisch zu lesen.


    Im Vorwort erzählt Manguel z.B. von der Bibliothek seines Vaters, in der er als Junge stöberte. Sie diente eher der Repräsentation als der Benutzung und so kaufte die Sekretärin des Vaters Bücher meterweise ein, ließ sie beim Buchbinder passend zur Höher der Regalfächer binden und zerstörte so das Lesevergnügen des jungen Alberto, der dadruch Bücher vorfand, deren erste Zeilen oder Kolumnen dem Messer zu Opfer gefallen waren... Geschockt Graus! Bei der Schilderung standen mir die Haare zu Berge!
    Sehr anrührend erzählt ist die Episode, in der er für den Schriftsteller Jorge Luis Borges Vorleser sein durfte.


    Im Anschluss an das Vorwort folgen diverse Kapitel von ca. 15 Seiten Umfang, die sich z.B. mit dem Sehen und seiner Bedeutung für das Lesen, dem Stillen Lesen u.a. auseinandersetzen. Es kommen noch sehr viele Kapitel auf mich zu, die ich langsam und in lockerer Folge lesen werde:


    Lesen lernen
    Bilder lesen
    Vorlesen
    Buchgestaltung
    Einsames Lesen
    Metaphern des Lesens
    Das Lesen der Zukunft
    Bücher stehlen
    Verbotenes Lesen
    Lesen hinter Mauern


    Da Hiyanah im Thread der Lesenacht explizit nach Dem Kapitel "Bücher stehlen" fragte, hier eine kurze Zusammenfassung:


    Es geht darum, dass es zwei Arten des Buchdiebstahls gibt: einmal den Diebstahl ganzer Bibliotheken durch Eroberungen, Umstürze oder Revolutionen. Als Beispiel wird die Eroberung Griechenlands durch die Römer genannt und die Auflösung der Privatbibliotheken während der Französischen Revolution. Die Bücher der Adligen sollten allen Bürgern zugänglich gemacht werden - leider ließ sich der Plan nicht so umsetzen, wie die Revolutionäre sich dies vorstellten. Die Bücher kamen nach der Beschlagnahmung erstmal in Depots, in denen abscheulihe Verhältnisse herrschten:
    Feuchtigkeit, Ungeziefer, nicht sachgerechte Lagerung usw. (jedem Buchliebhaber muss bei dem Anblick weh ums Herz geworden sein).


    Die zweite Art des Diebstahls bezieht sich auf Buchliebhaber, die für sich selbst Büche klauen: Beispiel hierfür ist der toskanische Adlige Guglielmo Bruto Icilio Timoleone, Conte Libri-Carucci della Sommaia (kurz: Graf Libri, einer der gößten Bibliokleptomane aller Zeiten!). Bevor ich die Geschichte hier nacherzähle, verweise ich euch auf folgende Webseite, die die ganze Geschichte besonders schön zusammengefasst hat: König der Diebe (IB Weblog)


    Liebe Hiyanah: du siehst, kurzzeitig kannst du glücklich werden, aber letztendlich zahlt es sich doch mehr aus, für die Bücher zu bezahlen! Auch wenn es im 17. Jhd. jemanden gab, der die Auffassung vertrat, dass ein Bücherdiebstahl, der nicht dem Weiterverkauf dient, gar kein Verbrechen ist, so haben wir inzwischen doch andere Zeiten! ;)

    She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
    - Jane Austen "Pride and prejudice" - +

  • Hast mich richtig neugierig gemacht und ich habe das Buch gleich auf meinem Wunschzettel notiert.
    Vielen Dank für den Tipp.


    lg Pandämonium

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)

  • Erst einmal vielen, lieben Dank für die Erklärung! :thumleft:


    Wie wir ja hier wohl Alle wissen, geht unsere Büchelust auf Dauer ganz schön ins Geld - zumindest dann, wenn man (wie ich) seine Lektüre unbedingt selber besitzen muss, weil man ja irgendwann auf die Idee kommen könnte sie noch einmal lesen zu wollen. (Ich lese Bücher oft zwei oder dreimal).
    Da klang dieses "Bücher stehlen" schon recht vielversprechend *zwinker*


    Nein, Spaß beiseite:
    Ein (gutes) Buch zu schreiben ist eine grandiose Leistung und in meinen Augen zollt man dem Autor eine gewisse Achtung indem man sein Werk kauft.
    Ich glaube, ich hätte irgendwie ein schlechtes Gewissen beim Lesen, wenn ich das Buch nicht rechtmäßig mein Eigen nennen könnte... :uups:


    Aber apropos Geld für Bücher:
    Irgendwann habe ich in unserer Tageszeitung einen Bericht über "Booknapping" gelesen:
    Da verstecken Leser ihre gelesenen Bücher an bestimmten öffentlichen Plätzen, damit sie von anderen Leuten gefunden und gelesen werden können anstatt daheim im Regal zu verstauben. Auf diese Weise kommt man immer kostenlos an Bücher - wenn man weiß wo man suchen muss (und natürlich auch selber seine gelesenen Bücher auslegt, denn sonst funktioniert das Prinzip ja nicht).
    Allerdings habe ich keine Ahnung, wo diese Plätze sind und Goooooogle gibt beim Stickwort "Booknapping" auch so gut wie nichts her.


    Na ja, aber wie schon geschrieben, möchte ich die Bücher die ich lese auch selber besitzen, von daher wäre dieses "Booknapping" für mich eh hinfällig.
    Da spare ich lieber weiterhin oder lasse mir meine Bücher zu Weihnachten und co. schenken.... *seufz*


    Ganz liebe Grüsse,
    Jenny


    P.s.:
    Du hast mich mit Deiner Buchbeschreibung übrigens auch neugierig gemacht.
    Besagtes Buch steht nun neben "Venuswurf" von Tanja Kinkel auf meiner Wunschliste ganz oben. :mrgreen:

    Ich :study: gerade: Als die Welt stehen blieb von Maja Lunde

    Einmal editiert, zuletzt von Hiyanha ()

  • Hiyanha:
    Versuchs mal mit dem Suchbegriff "Bookcrossing" oder "Bücher aussetzen". Da gibt es Webseiten auf denen man eintragen kann, wo man das Buch hingelegt hat.


    Aber ich glaube das ist in Großstädten verbreiteter, da ich aber eher ländlich wohne gibt es hier eigentlich niemanden der daran teilnimmt. :(


    Und ich denke, das einige es auch ausnutzen und das Buch dann behalten und kein neues aussetzen.

    Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt.
    (Jorge Luis Borges)

  • Inzwischen habe ich zwei weitere Kapitel gelesen:


    1. Der Autor als Leser --> über die Ursprünge öffentlicher Autorenlesungen, ihrer Regeln und Motive


    2. Die Gestalt des Buches --> Ursprünge literarischer Texte als Tontafeln, Schriftrollen, Codices (Bücher aus Pergament oder Papyrus), die Bedeutung und Gründe verschiedener Formate, Einbangdgestaltung u.ä.


    Ich fand es interessant, denn es frischte mein Wissen um vieles, das ich bereits kannte, wieder auf. Ob diese Themen allerdings für jeden von Interesse sind, weiß ich nicht. :?::scratch:


    Dadurch, dass die Kapitel relativ kurz sind, sind ihre Inhalte sehr komprimiert zusammengefasst. Teilweise fehlt dadurch einfach das "gewisse Etwas". Ich hoffe, das die folgenden Kapitel wieder so toll sind wie die ersten!


    Auf der sehr ( :!: ) informativen Webseite Leipziger Bücherlei gibt es eine Seite, die sich mit Bücherklau beschäftigt (um nochmal auf das Kapitel "Bücher stehlen" zurück zu kommen). Die Seite war einige Monate nicht erreichbar, wurde nun aber wieder reaktiviert! [-o<
    Eine Webseite, ideal zum Stöbern rund um das Thema "Bücher".

    She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
    - Jane Austen "Pride and prejudice" - +

  • Und zur Ergänzung noch meine Rezi:


    Der argentinischen Essayisten, bibliophilen Globetrotter, Lektor und Literaturdozenten Alberto Manguel schreibt gerne über seine Leidenschaft. "Eine Geschichte des Lesens" erschien im Jahr 1998, noch vor seinem "Tagebuch eines Lesers" und "Bibliothek bei Nacht". Gerade wer letzteres Buch gelesen und geschätzt hat, wird auch mit diesem keinen Fehlkauf tätigen.
    Was uns zum ersten Minuspunkt bringt: das Buch ist im Moment vergriffen und daher nicht sehr preiswert zu erhalten. Die gute Nachricht: es wird im Herbst eine (ebenfalls nicht billige) Neuauflage geben, die als "große illustrierte Ausgabe" beworben wird, was in mir die Hoffnung weckt, die reichlichen Bilder könnten in dieser Ausgabe dann farbig sein - was den Genuss des Buchs sicher erhöht.
    Viel mehr Minuspunkte habe ich im Folgenden nicht mehr anzubringen - ich schätze den Autor, ich schätze diese Buch.


    Manguel hat nicht den Versuch unternommen eine chronologische Geschichte des Lesens zu schreiben. Zwar hält er in manchen der thematisch gegliederten Kapitel eine zeitliche Abfolge ein, meistens orientiert er sich aber an inhaltlichen Strukturen. Da gibt es Kapitel, die sich mit "Vorlesen" beschäftigen (naheliegend für den ehemaligen Vorleser Jorge Borges'), mit der äußerer Erscheinungsform des Buchs, wie sich Autoren und Übersetzer als Leser verhalten. Wie aus dieser zufälligen Auswahl ersichtlich: er bleibt nicht allzu eng an seinem Kerngegenstand, dem Lesen, sondern schweift gerne auch ins nahe Umfeld ab. So füllt er über 400 Seiten, die genaue Quellenangaben mit persönlichen Eindrücken verbinden. Seine Betonung liegt so weit möglich auf einzelnen Menschen statt auf Verallgemeinerungen - ein anekdotenreiches Buch, das an manchen Stellen etwas unstrukturiert wirken mag, dafür aber umso lebendiger ist. Bilder, Portraits, Bücher, Gegenstände, die im Text erwähnt sind, werden auch abgebildet und ergeben so ein abgerundetes Buch, dessen breiter Rand einlädt eigene Beobachtung einzutragen.
    Ein Buch zum Durchlesen, zum Nachschlagen (leider nur ein Personenregister), zum Wiederlesen. Ein Buch eines leidenschaftlichen Leser für leidenschaftliche Leser.


    Katia

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