Mick Herron - Slow Horses

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Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb

4.2|5)

Verlag: Diogenes

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 480

ISBN: 9783257070187

Termin: August 2018

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  • Kurzbeschreibung (Amazon):

    River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef.


    Über den Autor (Amazon):

    Mick Herron, geboren 1963 in Newcastle-upon-Tyne, studierte Englische Literatur in Oxford, wo er auch lebt. Seine in London spielende ›Jackson-Lamb‹-Serie wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem CWA Gold Dagger for Best Crime Novel, dem Steel Dagger for Best Thriller und dem Ellery Queen Readers Award.


    Allgemeine Information:

    Wenn ich es richtig überblicke, gibt es im Englischen bislang 5 Bände dieser Reihe klick, von der nun der erste Teil in deutscher Übersetzung vorliegt.


    Meine Meinung:

    Die Geschichte beginnt furios, legt auf den ersten Seiten ein derart atemloses Tempo vor, dass ich mich höllisch konzentrieren musste. Aber nach dem „Vorspiel“ findet sie ihr „eigentliches Tempo“, ruhig, hintersinnig, eine ganze Weile etwas vage und kryptisch, die Spannung eher subtil, bevor am Ende die Fädchen sauber und irgendwie schon genial verknüpft werden.


    Schon vom äußeren Anschein her herrscht in Slough House Tristesse, passend zu dem Trupp von tatsächlichen oder vermeintlichen Versagern, die aus Regents Park zu den Slow Horses verbannt wurden. Ein zusammengewürfelter Haufen von „ausgemusterten“ Agenten, die einander nicht besonders mögen und zwischen denen nur ein Mindestmaß an Kommunikation besteht. Desillusioniert und frustriert, weil beschäftigt mit sinnlosen Beschäftigungen, und bei den seltenen Kontakten von ihren Ex-Kollegen mit kaum erträglicher Arroganz behandelt.


    Leben kommt in die Bude als die Videos mit dem jungen Pakistani ins Netz gestellt werden. Zwar werden die Einzelgänger nicht umgehend zu einer Einheit geschmiedet, aber die Sprachlosigkeit hat ein Ende. Es bewegt sich was, die erstarrten Strukturen in Slough Hause brechen auf und man darf gespannt sein, ob und was sie gemeinsam auf die Beine stellen. Schließlich verfügen alle „Slow Horses“ über spezielle Fähigkeiten, die ihnen einmal so etwas wie eine Karriere beschert bzw. versprochen haben – in den heiligen Hallen von Regents Park.


    Für mich hat die Geschichte bis dahin mehr von der sprachlichen Eloquenz gelebt, aber nun zieht die Spannung an und zwar auf mehreren Ebenen. Sie gewinnt an Brisanz, wird politischer, aktueller, mit erstaunlichen Entwicklungen und faszinierenden Wendungen. Ich hatte lange keine Ahnung, worauf es am Ende genau hinauslaufen würde, was bei mir nicht allzu oft vorkommt.

    Dieser erste Fall für die Slow Horses wirft einen klugen Blick auf die heutige Gesellschaft und ihre Auswüchse, und einen kritischen auf die Anmaßung und den Opportunismus von Geheimdienstleuten, die den Bezug zur Realität und ihren Aufgaben verloren zu haben scheinen. Zu Zeiten des kalten Krieges war es wohl irgendwie einfacher als heutzutage. Manches kam mir überspritzt vor, fast ein bisschen persiflierend im Hinblick auf die Geheimdienste und ihre Arbeit, hier speziell der britische MI5. Ob das Geschehen den Realitäten entspricht – keine Ahnung. Aber für mich wirkte es durchaus vorstellbar (leider).


    Mick Herron ist eher mit britischem Understatement unterwegs, auch in den (raren) von Spannung und Action dominierten Szenen. Ich mag das total. Aber er nimmt auch kein Blatt vor den Mund und kann sehr direkt sein. Gerade in den Dialogen. Die sind wirklich herausragend, knapp und pointiert, da sitzt jedes Wort. Ich mochte auch wie er seine Figuren einführt. Zunächst erscheinen sie so farblos und trist wie die Umgebung, in der sie auftreten, doch nach und nach gewinnen sie an Konturen und Persönlichkeit. Da war jetzt niemand, dem spontan mein Herz zugeflogen ist, schon gar nicht Jackson Lamb, mit dem ich lieber nicht für länger in einem Raum sein wollte *gg*, aber ich habe sie schätzen gelernt und kann es kaum erwarten, dass der nächste Teil in Übersetzung erscheint.


    Nur dieser „von-außen-drauf-Blick“, mit dem die Geschichte eingerahmt wurde, hat mir nicht so gefallen. Auch wenn es hier ganz gut passt, mag ich dieses Stilmittel nicht besonders, wirkt auf mich fast immer gekünstelt.


    Kein Agententhriller im Stil eines James Bond, aber spannende und intelligente Unterhaltung. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Mick Herron - Slow Horses: Ein Fall für Jackson Lamb/Slow Horses“ zu „Mick Herron - Slow Horses“ geändert.
  • Huhu Squirrel , hab ich das so richtig verstanden (damit ich es in Zukunft richtig mache):


    Den "Untertitel" soll man in der Threadüberschrift weglassen, immer?

    Und den mit Schrägstrich abgetrennten Originaltitel ebenfalls, aber nur hier, weil er gleichlautend mit dem deutschen ist?

    Ansonsten wäre es korrekt gewesen, ihn dort zu nennen? (Hab ich mir nämlich in anderen Threads abgeschaut :geek:)

  • hab ich das so richtig verstanden

    das hast Du absolut richtig verstanden :thumleft:

  • Verwirrender Schreibstil, anstrengend zu lesen - absolut nicht mein Fall


    Das Buch beginnt aus der Sicht von River Cartwright, der eine Zielperson verfolgt, um einen Anschlag zu verhindern. Bald wird jedoch klar, dass er die falsche Person im Blick hat. Weißes T-Shirt, blaues Hemd oder blaues T-Shirt, weißes Hemd? Hatte er die Beschreibung falsch in Erinnerung oder wurde sie ihm falsch weitergegeben? Klar wird jedenfalls, er hat den Einsatz vermasselt. Daher wird er in eine Abteilung abgeschoben, die genau für solche Fälle gegründet wurde: Agenten, die sich schwerwiegende Fehler geleistet haben und die mit unbefriedigenden Aufgaben so lange beschäftigt werden bis sie von selbst kündigen: die Slow Horses mit ihrem Chef Jackson Lamb.

    Ich war bereits vor einiger Zeit über eine sehr gute Rezension der Agentenserie mit Jackson Lamb gestolpert und wollte daher gern eins der Bücher lesen. Dann hat es mich jedoch leider sehr enttäuscht. Ich werde auf jeden Fall keine weiteren Bände lesen. Selten habe ich mich bei einem „Krimi“ so gelangweilt und war so genervt über den Schreibstil. Etwa nach der Hälfte des Buches war ich sogar kurz davor, es beiseite zu legen, was bei mir nur sehr selten vorkommt. Im ersten Drittel des Buches passiert – abgesehen von dem zunächst spannenden Einstieg – eigentlich nichts, außer dass die Slow Horses einer nach dem anderen vorgestellt werden. Ein besonders klares Bild hatte ich aber danach trotzdem nicht von ihnen. Dann kommt ein Drittel, in dem mehrere, eigentlich spannende Handlungsstränge nebeneinander ablaufen. Diese sind jedoch so dargestellt, dass ständig von einem zum anderen gesprungen wird und jeder nur maximal über eine Seite verfolgt wird. Bei jedem Sprung muss man sich wieder neu einfinden: Welcher Strang ist dies jetzt, welche Personen sind beteiligt, was war zuvor passiert? Dies empfand ich als sehr nervig. Im dritten Drittel wurde es dann glücklicherweise wieder etwas besser, die Handlung und die Personen haben mich dennoch nicht wirklich überzeugt.

    Hochgelobte Agentenserie, die offensichtlich ihre Anhänger hat, mein Fall war das Buch nicht.

  • very British
    'Tongue in the cheek' nennt es die englische Sprache, wenn eine Aussage nicht unbedingt für bare Münze genommen werden soll, und nach diesem Motto funktioniert dieser Geheimdienst-Thriller! Atemlos verfolgt der Leser die Eingangszene, in der ein Fehler der Einsatzkräfte einen Terroranschlag von ungeheurem Ausmaß ermöglicht - um im nächsten Kapitel darüber aufgeklärt zu werden, dass das Ganze nur ein Trainingseinsatz für einen MI5-Agenten gewesen ist, der daraufhin ausgemustert und den als lahme Gäule diffamierten Mitarbeitern in Slough House zugeordnet wird. Und diesem Prinzip folgt der ganze Roman: einmal erscheint die Mannschaft als hoffnungslose Gurkentruppe, dann entpuppt sie sich als Ansammlung origineller und schlagkräftiger Individuen. Selbstverständlich, dass auch der Handlungsfaden dieses großartigen Romans einem perpetuierten Vexierspiegel entspricht.

    In voller Überzeugung: 5 Sterne!

  • Das Buch fängt rasant an. Ein mutmaßlicher Terrorist soll festgesetzt werden. Nur geht das gründlich schief. Obwohl es nur eine Übung war, wird River als Verantwortlicher ins Slough House abgeschoben. Hier sind sie nur noch mit scheinbar sinnlosen Aufgaben betraut.
    Die nächsten 100 Seiten passiert absolut nichts. Es werden die Mitarbeiter im Slough House ausführlich vorgestellt. Gut es ist der Beginn einer Reihe, aber hier ist Durchhaltevermögen gefragt, zumal kein roter Faden zu erkennen war. Erst mit Auftauchen des Videos kommt etwas Bewegung in die Handlung bis sich dann die Ereignisse überschlagen.
    Nach ca. 100 Seiten hätte ich das Buch am liebsten weggelegt. Es hat mich aufgrund der Figurenvielfalt nur verwirrt, zumal keine Handlung ersichtlich war. Da die Handlung aus Sicht von verschiedenen Personen erzählt wird, muss man am Buch dranbleiben um nicht den Überblick zu verlieren.
    Ab Mitte des Buches entsteht eine spannende Handlung, die sich bis zum Schluss steigert. Nur das letzte Kapitel hätte man sich sparen können.

    Fazit
    Das Buch beginnt zäh, steigert sich aber. Da es der Startband einer Reihe ist, ist die ausführliche Vorstellung der Protagonisten verzeihlich. Ich werde auf alle Fälle den nächsten Band, wenn er auf deutsch erscheint, lesen bevor ich mir ein abschließendes Urteil über die Reihe bilde.

    Sub: 5382:twisted: (Start 2017: 5312)

    gelesen 2019: 34

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten

    gelesen 2017: 86 / 4 abgebrochen / 33551 Seiten
    gelesen 2016: 101 / 6 abgebrochen / 40098 Seiten


    :montag: Andreas Gößling - Wolfswut

    :study: Matthias Boll - Mord am Mandela Square

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Spannender Spionagethriller


    River Cartwright ist ein “Slow Horse“, ein aufgrund eines fatalen Fehlers ausgemusterter MI5-Agent. Seine tägliche Arbeit besteht darin, sinnlose Transkriptionen zu verfassen, Müllsäcke zu durchforsten und im Büro zu hocken. Dafür ist er kein Agent geworden, er will richtige Arbeit leisten. Er wähnt seine Chance gekommen, als ein britischer Student mit pakistanischem Migrationshintergrund entführt wird. Doch als River zu recherchieren beginnt, stößt er auf viel Widerstand und liefert sich ein Wettrennen gegen die Zeit.


    Das Cover ist nicht unbedingt mein Fall, mir wäre etwas mit mehr Spannung lieber gewesen.


    Der Schreibstil ist angenehm und die Geschichte lässt sich flüssig lesen. Durch die vielen Beschreibungen fühlt man sich, als wäre man selbst vor Ort und würde alles hautnah miterleben. Der Fall ist aufregend, wenn er auch manchmal ein bisschen schleppend vorankommt. Dies wird aber durch die vielen unerwarteten Spannungsmomente wieder wett gemacht. Die Charaktere sind authentisch dargestellt und wecken Sympathie als auch Abneigung.

    Die Auflösung ist sehr überraschend, was mir sehr gut gefällt.


    Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen und gebe 4,5 Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

  • Einer für alle, alle für einen


    Aus großartigem Thrill zum Einstieg, der einen atemlos zurücklässt, wird danach ein eigenwilliger britischer Geheimdienst-Krimi. Um das Buch weiterhin zu genießen, darf man da dem Anfang nicht zu sehr hinterhertrauern. Die Geschichte die dann beginnt ist gut, unterhaltsam und dreht sich um (ehemalige) Mitglieder des Geheimdienstes die alle auf ihre Art Fehler machten und dafür aufs Abstellgleis, ins Slough House, kommen.


    Zwischen den aktuellen Entwicklungen um einen politischen Entführungsfall stehen die abgehalfterten Top-Agenten im Fokus. Mit viel Gefühl und Ausdauer zeichnet der Autor die so unterschiedlichen Charaktere, die wenig gemeinsam haben und dennoch alle im gleichen Boot sitzen. Er zeigt anschaulich, dass auch die von außen schroff und professionell wirkenden Persönlichkeiten so ihre Päckchen zu tragen haben, ohne um Mitleid zu buhlen.


    Als der MI5 der Gruppe in Slough House ein misslungenes Manöver anhängen will, werden die mittlerweile demoralisierten und gelangweilten “Slow Horses” eine Einheit wider Willen. Sie graben ihre lange nicht benötigten Fähigkeiten und ihren Spürsinn aus und wehren sich dagegen, die Pläne des MI5 hinzunehmen, wie sie das bisher taten.


    Eine kleine Gruppe von Musketieren rebelliert gegen den übermächtigen Agenten-Apparat. Somit nimmt der Krimi nach Vorstellung aller gegen Mitte des Buches mehr Fahrt auf und kann mit der einen oder anderen kleinen Wendung durchaus überraschen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Klappentext:

    River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef.


    Über den Autor (Quellen: Wikipedia und Portrait im Buch):

    Mick Herron, geboren 1963 in Newcastle upon Tyne, studierte Englische Literatur in Oxford. Er veröffentlichte seit 2003 gut zwei Dutzend Kriminalromane, von denen die Slough-House-Reihe die Hälfte ausmacht. Seit 2009 war er für diverse Preise nominiert und gewann unter anderem zweimal den Last Laugh Award.


    Persönlicher Eindruck:

    Slow Horses ist der erste Band der Slough-House-Reihe und der einzige, der bislang ins Deutsche übersetzt wurde. Die Geschichte startet mit einem typischen Szenario um einen abgehalfterten Detektiv oder Agenten, der sich mehr schlecht als recht über Wasser hält. Mick Herron nimmt sich viel Zeit, die Figuren einzuführen, schafft es aber trotzdem, einige ihrer Geheimnisse bis zum Schluss zu bewahren. Die erste Hälfte des Buchs kommt daher eher gemächlich daher, gibt dem Leser aber gleichzeitig das Gefühl, dass es nicht mehr lange so bleiben kann. Etwa ab der Mitte überschlagen sich dann die Ereignisse, und es gibt nur noch wenige Atempausen.

    Zu den hervorstechenden Stilmitteln, die der Autor verwendet, gehört ein mitunter bissiger Humor, der fließend in Sarkasmus übergeht. Das passt zu den Figuren, die ihr Los wahrscheinlich nicht ohne Zynismus ertragen könnten. Zur Spannung tragen außerdem die häufigen Perspektivwechsel bei, die oft so gesetzt sind, dass man zur nächsten Figur springt, wenn es gerade den Anschein hat, dass sich einige Rätsel im nächsten Moment auflösen werden.


    Fazit:

    Ein vielschichtiger und spannender Krimi mit einer guten Portion Sarkasmus. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

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