Matt Haig - Wie man die Zeit anhält / How to Stop Time

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Wie man die Zeit anhält

4.4|7)

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 384

ISBN: 9783423281676

Termin: April 2018

  • ISBN: 3423281677


    Originaltitel: How To Stop Time


    Der Autor (Quelle: Amazon)

    Matt Haig wurde 1975 in Sheffield geboren und hat bereits eine Reihe von Romanen und Kinderbüchern veröffentlicht, die mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet und in über 30 Sprachen übersetzt wurden. In Deutschland bekannt wurde er mit dem Bestseller ›Ich und die Menschen‹.


    Produktinformation

    Gebundene Ausgabe: 384 Seiten

    Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. April 2018)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 3423281677

    ISBN-13: 978-3423281676

    Originaltitel: How To Stop Time


    Spannend geschrieben

    Vor über hundert Jahren hatte Hendrich ihm beigebracht wie die erste Regel lautete…

    Er war alt, sehr alt. Es war eine besondere Veranlagung…

    Wieder einmal waren acht Jahre herum gewesen und er musste für Hendrich seine Pflicht tun, eine Aufgabe erledigen… Alle acht Jahre musste er sich eine neue Existenz aufbauen….

    Eigentlich wollte er nicht mehr, doch wieder überredete ihn Hendrich, denn da war auch noch Marion, die sie immer noch nicht gefunden hatten…

    Nun war er Lehrer, Geschichtslehrer in London, und er musste daran denken, wie seine Mutter ermordet worden war…

    In der neuen Schule traf er Camille, und er durfte sich doch nicht verlieben…

    Immer wieder dachte er an die Zeit mit Rose zurück, vor vielen, vielen Jahrzehnten…

    Und an Omai, seinen Freund, der war wie er…

    Wie lautete die erste Regel lt. Hendrich? Wieso war er so furchtbar alt? Und was war das für eine Veranlagung, die er hatte? Warum musste er für Hendrich eine Aufgabe erledigen? Und wie sah diese Aufgabe aus? Worum ging es dabei? Wieso musste er sich immer wieder eine neue Existenz aufbauen? Warum gab er Hendrich nach? War dieser so überzeugend? Hatte er recht? Und was war das mit Marion? Wer war diese Frau? Warum suchte er nach ihr? Würde er sie finden? Warum musste er immer wieder daran denken, wie seine Mutter ermordet worden war? Was war passiert? Wer hatte sie ermordet? Hatte er sich in Camille verliebt? Warum durfte er das nicht? Wer war Rose für ihn gewesen? Und wer war Omai? Alle diese Fragen – und noch viel mehr – beantwortet dieses Buch.


    Meine Meinung

    Das Buch ließ sich leicht und flüssig lesen. Der Schreibstil ist unkompliziert, was bedeutet, dass ich mich nicht fragen musste, was mir dieses oder jenes Wort sagen soll. In der Geschichte war ich schnell drinnen. Sie ist praktisch in drei Zeitebenen geschrieben: sehr ferne Vergangenheit und nähere Vergangenheit, die natürlich weiter in Richtung Gegenwart geht und Gegenwart. In die Protagonisten konnte ich mich gut hineinversetzen. Tom, wie der Mann hieß, tat mir leid, weil er immer wieder aufpassen musste, was er sagte. Nie konnte er groß aus seiner Vergangenheit erzählen, denn niemand durfte wissen, dass er schon so alt war. Das konnte sehr gefährlich werden.. Bliebe er an einem Ort, würde auffallen, dass er nicht alterte. Und es gab noch mehr, denen es genauso erging. Um nicht aufzufallen sollten sie in eine Gesellschaft eingegliedert werden. Und im Gegenzug wollte Hendrich ihm helfen Marion zu finden. Das Buch war von Anfang an spannend. Zwar gab es hie und da auch einen kleinen Spannungabbau, aber sie ging nie ganz weg. Es ist natürlich keine Krimi- oder Thrillerspannung, aber auch hier wollte ich letztendlich wissen, wie diese Geschichte ausgeht. Ob Tom seine Camille vielleicht doch noch bekommt. Was mit einem Mann passiert, der sich mit 439 Jahren in eine Frau verliebt, die 400 Jahre jünger ist. Auf jeden Fall hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Zwar musste ich immer aufpassen, wegen des Wechsels der Zeiten, aber das wurde sehr gut kenntlich gemacht. Es geschah nicht, wie ich schon in anderen Büchern erlebt habe, durch einen einfachen Absatz, sondern durch ein neues Kapitel mit der entsprechenden Überschrift. Da es nicht übermäßig viele Personen gibt, deren Namen man sich merken muss, ist es auch nicht so schlimm, dass ein Personenregister fehlt. Ich gebe diesem Buch eine Lese-/Kaufempfehlung, sowie vier von fünf Sternen bzw. acht von zehn Punkten.

    1. (Ø)

      Verlag: dtv Verlagsgesellschaft


  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Matt Haig - Wie man die Zeit anhält“ zu „Matt Haig - Wie man die Zeit anhält / How to Stop Time“ geändert.
  • Inhalt:


    Tom Hazard sieht aus wie vierzig, doch er ist alt, uralt. Er ist im Jahre 1581 geboren.

    Er besitzt die Gabe -oder den Fluch- nur sehr, sehr langsam zu altern. Wenn das andere Menschen mitbekommen, kann es gefährlich für ihn werden und für die, die er liebt. Besonders in den Zeiten der Hexenverfolgung.


    Daher lautet die oberste Regel: "Du darfst dich niemals verlieben. Niemals!"

    So muss er alle 8 Jahre seine Identität wechseln. Unterstützt wird er dabei von einer Gesellschaft mit Menschen, die so sind wie er.

    Doch wie kommt man damit klar, keine Bindungen eingehen zu dürfen?

    Und wie geht man mit dem Schmerz um, dass man geliebte Menschen seit Jahrhunderten hinter sich lassen musste?


    Tom kommt damit nur schwer klar. Geplagt wird er von schrecklichen Kopfschmerzen, Erinnerungsschmerzen, Flashbacks.


    Abwechselnd erzählt er aus der Gegenwart und der Vergangenheit.

    In der Gegenwart erfährt er zum ersten Mal seit Jahrhunderten den Wunsch, einer bestimmten Frau näher zu kommen.

    Er schildert, was damals geschah, als deutlich wurde, dass er nicht altert.

    Er erzählt von seiner großen und einzigen Liebe, vom Lauf der Zeit.


    Meine Meinung:


    Es hat mich leider nicht komplett überzeugt.

    Die Grundidee ist super, doch Tom ging mir stellenweiße ganz schön auf die Nerven. Ganz besonders in der Gegenwart, wo er nur am Jammern war. Ständig hatte er Kopfschmerzen, begab sich aber auch immer wieder in Situationen, die ihn getriggert haben. Also an alte Zeiten erinnert haben und dadurch eine Flut von Emotionen auslösten.

    Er war mit den Regeln der "Albas", der Gesellschaft von Gleichgesinnten, unzufrieden, tat aber weiterhin, was der Chef ihm sagte.


    Die Kapitel, die in der Vergangenheit spielten, haben mir sehr gut gefallen, auch wenn ich vorher die Hoffnung hatte, es würde geschichtlich etwas tiefer gehen. Eigenheiten der verschiedenen Jahrhunderte werden nur im Rahmen dessen angesprochen, wie es ihn persönlich oder seine frühere Familie betraf.

    Das was er im Mittelalter erleben musste, ging mir nahe.


    Die Liebesgeschichte zu seiner ersten Liebe hat mir sehr gefallen. Diese Frau mochte ich unheimlich gerne.


    Immer wieder streut Matt Haig philosophische Gedanken ein, die mir zwar durch die Reihe hinweg gut gefallen haben, mir aber manchmal doch zu platt waren. Ja, das ist vielleicht ein Widerspruch, aber diesen Widerspruch empfand ich auch. Vielleicht war es der Punkt, dass die tiefgehenden Gedanken nicht so recht zu Tom gepasst haben, dem in seiner Darstellung als Charakter doch Tiefe fehlte.


    "Auch eine Welle kann dich umbringen. Oder du reitest sie. Manchmal ist es gefährlicher, sich wegzuducken. Du kannst nicht dein ganzes Leben lang Angst haben, Tom. Du musst dich trauen, aufs Brett zu steigen und auf die Füße zu kommen. Wenn du im Tunnel bist, musst du die Angst ignorieren. Du musst im Moment sein. Du musst einfach surfen. Wenn du Angst kriegst, fällst du vom Brett und zertrümmerst dir den Schädel."


    Das erinnert mich an Sergio Bambaren, den ich nicht sonderlich leiden kann, weil mir das alles etwas zu platt ist.


    Fazit:


    Ein Buch, mit einer wundervollen Idee, die aber alles in allem mehr Tiefe hätte vertragen können. Tiefe erreicht man halt nicht, in dem man nur ein paar philosophische Gedanken einstreut.


    Die Bewertung fällt mir unheimlich schwer.

    3,5 Sterne finde ich zu schlecht, 4 Sterne zu gut. Aber im Zweifel entscheide ich mich immer für den Autor, daher werde ich auf den anderen Plattformen, wo ich Sterne vergeben muss, 4 Sternen wählen.

  • DIE MACHT DER LIEBE
    Dieses Buch hat mich begeistert. Ich war hin und weg von der Idee und der Umsetzung. Das beginnt schon mit dem sehr schönen Cover. Ein Mann liegt sinnierend in lässiger Haltung vor dem Zifferblatt einer riesigen Uhr. Eine passende Darstellung zum Titel „Wie man die Zeit anhält“!

    Der britische Autor Matt Haig erzählt in fünf Teilen, im ständigen Wechsel der Orte auf mehreren Kontinenten und über verschiedene Jahrhunderte, eine wundersame, aber zu Herzen gehende Geschichte eines sehr, sehr langsam alternden Menschen. Eine besondere genetische Veranlagung läßt ihn sehr gemächlich altern, etwa 1:15 zu den normalen Sterblichen, den sogenannten Eintagsfliegen. Es ist die beeindruckende Story von Tom Hazard, so lautet sein modernisierter abgekürzter Name. Er wurde als Adliger im Jahr 1581 in einem kleinen französischen Château geboren...

    Doch er war immer einsam in den über 400 Jahren, nachdem er seine große Liebe verlor. Tom muss beizeiten den schmerzlichen Verlust geliebter Menschen durch Aberglaube, Hexenverfolgung, unbändigen Haß und Krankheit erdulden. Eine Bürde, die ihn in den folgenden Jahrhunderten niederdrückt und schwer belastet.

    Hendrich Pietersen, selbst über 700 Jahre alt, fordert von Tom, um sich zu schützen, aller acht Jahre seine Identität und sein Umfeld zu wechseln. Das hat Tom bis in die Gegenwart getan. Doch das möchte er nicht mehr, möchte zur Ruhe kommen. Er will keine Regeln mehr einhalten müssen. Die erste und wichtigste Regel lautet: Du darfst nicht lieben. Niemals! Er will eine neue Identität als Lehrer für Geschichte in London, in der Nähe des Stadtteils, wo er mit seiner einzigen großen Liebe in seinen realen jungen Jahren Anfang des 17. Jahrhunderts lebte...


    Wird es ihm gelingen die erste Regel zu durchbrechen? Ist ihm ein normales Leben in unserer Zeit vergönnt? Und werden seine schlimmen Kopfschmerzen und die Flashbacks abnehmen? Das Gewicht der Gedanken und die Erinnerungen werden Tom zuviel. Findet er die neue Liebe, die ihm gut tut? Und wird er sie festhalten können?


    Ich fand dieses Buch sehr interessant. Für mich war es eine schöne, fiktive Geschichte, die mich mit der großen Frage zurückließ, was wäre, wenn es tatsächlich unter uns Menschen gibt, die ein Methusalemalter erreichen können? Darüber läßt sich gut philosophieren. Die Suche nach der Liebe und dem Sinn des Lebens sind Themen, die immer Bestand haben.

    Es bereitete mir jedenfalls großes Vergnügen den jungen Alten durch die Jahrhunderte zu folgen, in denen er u. a. mit prominenten Persönlichkeiten zusammentraf.


    Für mich war es ein Lesehighlight des Jahres 2018. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Wenn Liebe die Zeit besiegt.

    Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles...(Klappentext)


    ღღღღღღღღღღ


    ">>Wenn wir nur einen Weg fänden, die Zeit anzuhalten<<, sagte ihr Mann.
    >>Daran müssen wir arbeiten. Für den kurzen Moment, wenn das Glück vorbeiflattert. Dann schwingen wir unser Netz und fangen es ein wie einen Schmetterling und bewahren den Moment für immer.<<
    (S. 212)


    Tom Hazard ist alt, sehr alt. Genauer gesagt ist er 439 Jahre alt. Menschen wie er, gehören der Albatros-Gesellschaft an und sie nennen sich selbst "Albas". Ja, es gibt mehrere von ihnen und sie haben sich den Regeln dieser Gesellschaft zu fügen.

    Alle 8 Jahre muss ein Alba ein neues Leben beginnen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein neues Leben mit einer neuen Identität an einem neuen Ort. Die wichtigste Regel jedoch ist: sich niemals zu verlieben, geschweige denn irgendeine Bildung zu anderen Menschen einzugehen.

    Doch was ist ein Leben ohne Liebe und Freundschaft?


    Man reist mit Tom Hazard durch sein Leben und somit gleichzeitig auch durch die Jahrhunderte und die Geschichte.

    Man begegnet Shakespeare und tritt mit den Lord Chamberlain's Men im London des 16. Jahrhunderts auf.

    Mit Captain Cook begibt man sich auf Südseereise, reist im Jahr 1890 nach New York und sieht die Freiheitsstatue wie sie einst war. Man trinkt 1928 in Paris mit Scott Fitzgerald und Zelda an der Bar eine Bloody Mary und erlebt die "Roaring Twenties".


    Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge, sondern je nachdem wie die Erinnerungen auf Tom einstürmen und von diesen gibt es viele.

    Sein ständiger Begleiter - die Einsamkeit. Seine ständige Angst - die Zeit. Seine Mission - die Suche nach Freiheit und seiner Tochter.


    "Ich war Menschen, die ich gehasst habe, und Menschen die ich bewundert habe.
    Ich war aufregend und langweilig und glücklich und unendlich traurig.
    Ich war auf der richtigen und ich war auf der falschen Seite der Geschichte."


    Diesem Buch mit einer Rezension gerecht zu werden fällt mir schwer.

    Ich könnte so viel daraus erzählen und zitieren, so viel von der Weisheit weitergeben, die ich für mich entdeckte. Doch jeder wird aus diesem Buch unterschiedliche Dinge für sich mitnehmen, jeder wird es anders empfinden und für jeden bedeutet auch Zeit etwas anderes.


    Matt Haig thematisiert in diesem Roman die vielen Facetten des Lebens, erzählt von Einsamkeit und Ängsten, von Freiheit und Mut und natürlich von der Liebe, Gedanken über die Menschlichkeit und das Mensch-Sein, über die Zeit und die Angst davor, die Beschleunigung, welche Bedeutung und Stellung die Zeit für uns einnimmt. Die Zeit im Wandel der Zeit.

    Dies alles verpackt in einer wunderschönen Geschichte mit melancholischen Klängen, die wie ein Echo nachhallen und sich in einem verankern.

    Während des Lesens erkennt man Nichtigkeiten, die einem wichtig erschienen und die es doch nicht sind und, dass das wirklich Wichtige die ganze Zeit vor einem war und man selbst dem einfach nur blind gegenüber stand.


    "Du hast keine Wahl, wo du geboren wirst, du kannst dir nicht aussuchen, wer bei dir bleibt, du kannst über vieles nicht entscheiden.
    Das Leben folgt bestimmten Gezeiten, wie die Menschheitsgeschichte auch.
    Aber trotzdem gibt es Raum für Entscheidungen. Dinge, bei denen du die Wahl hast."
    (S. 181)


    Fazit:

    Es ist ein Roman voller Gefühl und wunderbarer Zitate, die einem ein Lächeln in das Gesicht zaubern. Darin zu lesen ist ein wachgerüttelt werden und ein sich darin Verlieren gleichzeitig. Es ist ein Buch zum Träumen, Nachdenken und immer wieder Lesen, sowie ein Buch für Suchende und Finder.

    Matt Haig hat es geschafft, dass ich die Karten meiner Prioritäten neu mischte und die Augen auf das Schöne und Wichtige öffnete. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    © Pink Anemone

  • Eine schöne Idee mit Tiefgang, Gefühl und toller Botschaft


    Klappentext

    „Keiner lehrt Geschichte so lebendig wie er ‒ und das hat einen guten Grund: Tom Hazard, Geschichtslehrer und verschrobener Einzelgänger, sieht aus wie 40, ist aber in Wirklichkeit über 400 Jahre alt. Er hat die Elisabethanische Ära in England, die Expeditionen von Captain Cook in der Südsee, die Literaten und Jazzmusiker der Roaring Twenties in Paris erlebt und alle acht Jahre eine neue Identität angenommen. Eines war er über die Jahrhunderte hinweg immer: einsam. Denn die Nähe zu anderen Menschen wäre höchst gefährlich gewesen. Jetzt aber tritt Camille in sein Leben. Und damit verändert sich alles.“


    Gestaltung

    Das Cover übt auf mich etwas Anziehendes aus, denn die Farben finde ich schön aufeinander abgestimmt. Dadurch, dass das Ziffernblatt der Uhr in helleren Farben gehalten ist, die von dunklen Blautönen umrahmt werden, wirkt es so, als wäre es nachts und die Uhr würde von innen beleuchtet werden, während ein Mann davor liegt. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass die Männerfigur nur als Schattenumriss erkennbar ist. Dies gefällt mir sehr gut. Auch mag ich die über das Cover fliegenden einzelnen Papierblätter, da sie den Titel sehr schön umrahmen.


    Meine Meinung

    Schon lange wollte ich ein Buch von Matt Haig lesen, da ich viel über seine besonderen Bücher gehört habe und mich bisher auch alle inhaltlich sehr angesprochen haben. Nun habe ich mir das Erscheinen seines neusten Werkes zu Herzen genommen und endlich zu einem Haig-Buch gegriffen. Was soll ich sagen? Ich bin total geflasht und nun dem Autor total verfallen! Der Schreibstil hat mich sofort verzaubert und die Idee fand ich auch richtig klasse!


    In „Wie man die Zeit anhält“ geht es um Tom. Tom altert nur sehr, sehr langsam und so sieht er mit über 400 Jahren noch aus wie 39 Jahre. Diese Idee fand ich super, auch wenn sie in abgewandelter Form schon in Filmen vorkam, so fand ich es dennoch toll, wie Matt Haig die Geschichte aufbereitet hat. Die „Albas“, also Menschen, die lange leben, bzw. ihre Gesellschaft, überleben sogenannte „Eintagsfliegen“, also Normalsterbliche, um Jahrhunderte. So kommt es, dass Tom auch seine große Liebe Rose überlebt und sich in einem Leben ohne sie zurechtfinden muss.


    Romantisch wird es, als Tom nach hunderten von Jahren Camille trifft und sich in sie verliebt. Doch wie stellt man es am besten an, ihr nahe zu kommen, wenn man so lange nicht geflirtet hat? Wenn man seit 400 Jahren Single ist und keine Ahnung mehr hat von den Regeln der Liebe?

    Die Idee der „Albas“ und dass sie eine Art Gesellschaft mit Regeln für das Überleben in den Jahrhunderten darstellen, fand ich klasse, da ich fasziniert war von den Lebensweisheiten und der Art zu leben dieser Menschen. Sie müssen immerhin mit einigen Bürden und Verlusten klarkommen. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich gerne mehr über sie erfahren hätte. Am Rande erfuhr ich etwas über die anderen „Albas“, aber da der Fokus auf Tom lag, blieben sie leider etwas blass, was ich schade fand.


    Die Handlung ist wirklich sehr ruhig und seicht und hätte für mich ruhig etwas dramatischer oder überraschender auslaufen können, denn hauptsächlich dreht sich alles darum, dass Tom leidet und Rose vermisst oder dann darum, wie er sich nach Camille und der Liebe sehnt. Ich fand die Gefühle gleichzeitig aber auch schön beschrieben, da ich doch des Öfteren eine Gänsehaut auf den Armen hatte oder Toms Gefühle und Bedrückung selber gespürt habe. Diesbezüglich hat der Autor also ganze Arbeit geleistet. Auch die bittersüße Liebesgeschichte des Buches konnte mich überzeugen, da auch hier die Gefühle sehr authentisch waren und für mich als Leser spürbar.


    Zudem mochte ich die philosophischen Züge des Buches. Es gibt immer wieder kleine Denkanstöße hinsichtlich des Lebens, der Vergänglichkeit und der Zeit an sich. Diese poetischen Verse gingen mir direkt unter die Haut und haben mich nachdenklich gestimmt. So etwas mag ich bei einem Buch gerne, da ich über die Zeilen hinaus noch etwas für mich mitnehmen kann. Besonders gefiel mir auch die Botschaft der Geschichte, die mir vermittelt hat, dass es darauf ankommt, das Leben zu genießen und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft zu verweilen.


    Fazit

    „Wie man die Zeit anhält“ ist ein gefühlvoller Roman über das Leben und die Zeit, der dem Leser eine wichtige und schöne Botschaft mitgibt. Wer gerne Bücher liest, die einen verzaubern und die einem die Gefühle der Figuren vermitteln, der ist hier genau richtig. Toms tiefgründige Gedanken über das Leben, seine Bedrückung und seine Sehnsucht springen auf den Leser über. Gleichzeitig hat das Buch auch poetisch-philosophische Ansätze, die mir eine Gänsehaut beschert haben und die mich zum Nachdenken angeregt haben. Dies habe ich sehr genossen und geliebt, da ich viel aus der Geschichte für mich mitnehmen konnte!

    4 von 5 Sternen!

    4ratten

    Reihen-Infos

    Einzelband

  • Meine Meinung:

    Matt Haig ist mir bekannt von seinen "Weihnachtsbüchern". Nachdem ich von "Wie man die Zeit anhält" eine Leseprobe gelesen habe, war ich begeistert und freute mich, als ich das Buch bei mir hatte und weiterlesen konnte.


    Meine anfängliche Begeisterung verschwand leider schon bald. In Tom Hazards Erzählung, in dem Tom von dem Geschehen in der Gegenwart - neue Stelle als Geschichtslehrer in einer Londoner Schule - in seine 439jährige spannende Vergangenheit blickt, wirkt er je länger je nicht nur melancholisch, sondern regelrecht depressiv. Irgendwie steht ihm das auch zu, nachdem er seine erste und einzige grosse Liebe an die Pest verloren hat, seine Tochter verschwunden ist und er soviel durchgemacht hat. Aber diese bedrückende Stimmung schlug sich schnell auf mich nieder. Ich sass bei schwülheissen 30° auf dem Balkon und wollte was Erheiterndes lesen, doch Leichtigkeit sucht man in "Wie man die Zeit anhält" vergebens. Toms einziges Ziel ist, seine Tochter Marion zu finden, doch bei dieser Suche ist er der passive Part.


    Wäre der Roman nicht durch diese Schwere und die öfters auftretenden selbstmörderischen Gedanken durchsetzt, könnte man es glatt als zusätzliche Geschichtslektüre in den Schulen empfehlen. Matt Haig bewies schon in den Weihnachtsbüchern, dass er historisch gut bewandert ist. Er weiss auch wie er geschichtliches Wissen auf eine lockere Art seinen Romanen beifügen kann. Diese Verbindung von Historie und Gegenwart hat mir gut gefallen. Auch die Idee der Alba-Menschen, die fast ewig leben, fand ich spannend. Sie erinnerte mich aber stark an die amerikanische TV-Krimiserie "Forever", dessen Hauptfigur Dr. Morgan viel Gemeinsamkeiten mit Tom Hazard hat.


    All die Szenen mit den Berühmtheiten, die Tom im Laufe der Geschichte begegnete, fand ich gelungen. Garantiert werde ich, wenn ich diesen Sommer am Londoner Globe Theater vorbeigehe, an den Tom zuzwinkernden Shakespeare und an Rose und Grace denken.


    Gut gefallen hat mir die Figur von Omai, der viel gelassener durchs Leben geht als Tom. Dabei musste ich unweigerlich an das Lied "Ga fische" von Peter Reber denken. Doch gerade im Bezug auf Omai stellte sich mir die Frage, wieso Tom seit Jahrzehnten keine Kontakt mehr mit ihm hat. Warum Tom kaum anderen Albas begegnete fand ich unschlüssig. Das hätte doch auch im Sinne der Albatros-Gesellschaft sein müssen. Eigentlich könnte man durch ihre spezielle Eigenheit eine enge Verbundenheit erwarten, aber die fehlt. Eine Freundschaft existiert maximal zu Omai.


    So toll die Romanidee herkommt - am Schluss, der mir zu schnell und plötzlich erschien, bleibt nur ein Fazit, das uns spätestens aus "Der Club der toten Dichter" bekannt ist.


    Fazit: Eigentlich eine aussergewöhnliche und sehr interessante Romanidee, doch die durchgehende Schwermütigkeit überschattet leider alles.

    3 Punkte. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Mir erging es ähnlich wie Smartie : die Bewertung viel mir auch schwer, im Gegensatz zu ihr habe ich nach zwei Tagen drüber nachdenken meine 3.5 abgerundet, der platte und zu schnelle Schluss war schlussendlich ausschlaggebend.

  • Wundervoll


    Wenn man sich den Klappentext durchliest, mein man, dass es sich bei „Wie man die Zeit anhält“ um eine romantische Liebesgeschichte. Dabei ist das Buch so viel mehr. Und das meine ich absolut positiv – ja, die Liebe spielt eine zentrale Rolle in dem neuesten Werk von Matt Haig, aber auch, wie Tom Hazard damit umgeht, ein so viel längeres Leben zu führen als die meisten anderen Menschen, die ihm auf seinem Weg durch sein langes, langes Leben bisher begegnet sind. Eine zentrale Frage, die Tom durch seine Überlegungen, Verhaltensweisen und zum Teil offene Verzweiflung in den Raum stellt, ist die, ob es sich bei seiner besonderen Veranlagung um einen Segen oder einen Fluch handelt. Aus der Perspektive des Ich-Erzählers Tom beleuchtet Matt Haig diese Thematik sehr schön. Zudem spielt die Handlung nicht ausschließlich in der heutigen Gegenwart. Toms Erlebnisse der letzten Jahrhunderte werden durch Kapitel, die in der Vergangenheit spielen, werden einem dadurch wirklich gezeigt. Ich fand das großartig gemacht und das Buch hätte mir wahrscheinlich weniger gut gefallen, wenn nur hin und wieder eine Anspielung auf vergangene Erlebnisse vorgekommen wäre.


    Die Geschichte liest sich flüssig und der Autor schafft es unglaublich schnell, dass einem das Schicksal von Tom am Herzen liegt und man seine emotionale Achterbahnfahrt wirklich miterlebt. Dabei driftet Matt Haig meiner Meinung nach nie ins Kitschige ab, was für mich sehr wichtig ist. Für mich ist „Wie man die Zeit anhält“ bisher definitiv eines meiner Highlights im Lesejahr 2018 und ich kann es definitiv weiterempfehlen. Von mir erhält das Buch daher auch 5 von 5 Sternen.


  • Das Leben von Tom Hazard


    Wie geht man mit dem Wissen um, dass man selbst eine wirklich große Lebensspanne vor sich hat, während die Menschen, die einem ans Herz wachsen oder die man einfach nur kennenlernt im Vergleich dazu kurze Leben führen werden? Geht man Bindungen ein, wenn man weiß, dass das eigene Leben viel länger sein wird als das der Freunde und Partnerinnen? Und wie gefährlich ist es für Menschen, die aufgrund einer Veranlagung einfach viel, viel langsamer altern als andere Menschen? Das sind einige der Fragen, mit denen sich „Wie man die Zeit anhält“ von Matt Haig beschäftigt.


    Als Leser begleitet man Tom Hazard durch sein Leben, das im Jahr 1581 begonnen hat. Tom erzählt seine Geschichte selbst. Dabei erfährt man viel über die traumatischen Erlebnisse, die ihn geformt haben. In seiner „aktuellen“ Rolle als Geschichtslehrer kann er aufgrund seiner großen Lebenserfahrung tatsächlich aus erster Hand über bestimmte Ereignisse berichten. Aber er muss auch ständig auf der Hut sein, nicht zu viel von sich preis zu geben und zu verraten, wie alt er wirklich ist. Das hat zur Folge, dass Tom eigentlich ziemlich einsam ist.


    Ich fand das Buch spannend und emotional berührend. Man sollte meinen, dass einen die Aussicht auf ein nahezu endlos erscheinendes Leben das pure Glück ist. Doch Tom hadert zum Teil mehr mit seiner Gabe. An dieser Stelle möchte ich nicht zu viel verraten, nur so viel, das Leben war auch für Tom nicht einfach. Interessant sind einige seiner Begegnungen mit historisch bedeutenden Personen . Geschichte wird durch Tom's Erzählungen aus „erster Hand“ tatsächlich lebendig. „Wie man die Zeit anhält“ ist ein wunderschönes Buch, das zum Teil nachdenklich stimmt und ein bisschen philosophisch angehaucht ist und dass ich mit vollen fünf Sternen bewerte.

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