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Ehe die Spuren verwehen

Buch von Christine Brückner

Bewertungen

Ehe die Spuren verwehen wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 3,8 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Ehe die Spuren verwehen

    Klappentext:
    Ein Mann in mittleren Jahren überfährt eine junge Frau. Hat sie den Tod gesucht, oder war sie nur unaufmerksam? So unaufmerksam wie der Fahrer des Autos, der nun den Spuren dieses Lebens nachgeht, das er schuldlos-schuldig ausgelöscht hat? Wo hat sie gelebt? Woher stammt sie? Wen hat sie geliebt? Am Ende seiner Reise in die Vergangenheit der geheimnisvollen Toten verliebt auch er sich in sie. (Amazon)
    Zur Autorin:
    Christine Brückner (1921 - 1996) zählt zu den renommiertesten Schriftstellerinnen Deutschlands. Sie verfasste Romane, Erzählungen, Kommentare, Essays, Schauspiele, auch Jugend- und Bilderbücher. Besonders mit der Poenichen-Trilogie wurde sie einem großen Publikum bekannt. (Amazon)
    Allgemeine Informationen:
    Erstmals veröffentlicht 1954
    Aus der Ich-Perspektive des Unfallfahrers erzählt
    224 Seiten
    Persönliche Meinung:
    Mit 32 Jahren schrieb Christine Brückner ihren Erstling, dieses Buch. Sie schlüpft in die Haut eines Mannes in den mittleren Jahren, Familienvater und Chef einer Bankfiliale. Rudolf ist ein überaus korrekter Mann, dem sein Prestige, sein gesellschaftlicher Status und das funktionierende Familienleben das Wichtigste im Leben sind. Immer sorgfältig gekleidet, immer pünktlich, immer im gleichen Alltags-Rhythmus fühlt er sich wohl. Seine Kinder Jochen und Ingrid sind bereits im jugendlichen Alter; seiner Frau Hanna, im Hauptberuf Hausfrau und Mutter, erlaubt er eine kleine Nebentätigkeit als Betreuerin einer Ratgeber-Kolumne in der örtlichen Zeitung. Kontrolle heißt sein Tagesgeschäft, nicht nur bei seinen Untergebenen, der Verwaltung der Kundengelder und der Familienmitglieder, sondern vor allem im Hinblick auf sein eigenes Verhalten. Bis zum Bruchteil einer Sekunde, an die er sich später nicht mehr erinnern kann: Eine Frau läuft in sein Auto (mit dem er schleichend unterwegs ist) und wird getötet. Er kümmert sich um die Beerdigung, regelt den Nachlass (wäre heute vermutlich rechtlich nicht mehr möglich) und macht es sich zur Aufgabe, die Personen im Notizbuch der Toten aufzuspüren und ihnen persönlich die Todesnachricht zu überbringen.
    Er schießt übers Ziel: Bald fühlt er sich in der Wohnung der Toten mehr zuhause als in seinem eigenen Heim, bald ist sie ihm näher als die eigene Frau, bald erfüllt sie jeden seiner Gedanken, und sein gesamtes Handeln scheint von ihr beeinflusst. Letztendlich nimmt er Urlaub, um ihrer Vergangenheit nach zu spüren.
    Der Protagonist erzählt in einer distanzierten, von Emotionen abgewandten Art, die seinem Wesen gänzlich entspricht. Sogar in verzweifelten, von Gefühlen wie Hoffnung, Sehnsucht und Liebe erfüllten Momenten erlaubt er sich zwar Tränen oder Mitleid oder Schmerz auch mit sich selbst, dennoch kommt dies nur in gefilterten, präzise formulierten und reservierten Worten zum Ausdruck. Trotzdem kann der Leser seinen Weg verfolgen: Vom oben geschilderten Pedanten über den Suchenden, der sein bisheriges Leben riskiert, bis zum „Gewandelten“, der einen neuen Platz gefunden hat.
    Was erschreckend ist: Das Denken eines Mannes in den 1950er Jahren. – Ich hoffe, es finden sich nicht mehr allzu viele Exemplare dieser Sorte in unserer Mitte. – ER ist der Familienvorstand; nach ihm haben sich die anderen in ihrer Zeiteinteilung und ihren persönlichen Angelegenheiten zu richten; er erwartet (und erhält) unabdingbaren Gehorsam von Weib und Kindern; er hält Wohl und Wehe der Familie und der Bank in seinen Händen; …
    (Es ist mir durch dieses Buch wieder bewusst geworden, dass in Westdeutschland eine Frau erst ab 1969 als geschäftsfähig angesehen wurde, und erst 1977 das Gesetz verabschiedet wurde, nach dem eine Ehefrau nicht mehr die Einwilligung ihres Mannes braucht um zu arbeiten! )
    Brückners Sprache ist einfach und leicht lesbar; Schwierigkeiten macht höchstens die umständliche Art ihres Protagonisten, wenn er sein Tun und Handeln zu erklären und zu rechtfertigen sucht.
    Als Zeitdokument ist das Buch ebenso lesenswert wie als Entwicklungsroman.
    Mit Dank an @mofre , die den Roman neulich bei einer der 365 Fragen genannt hat.
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Ausgaben von Ehe die Spuren verwehen

Taschenbuch

Seitenzahl: 224

E-Book

Seitenzahl: 276

Hardcover

Seitenzahl: 282

Besitzer des Buches 11

Update: