Beiträge von drawe

    entsteht eine gewisse Spannung zwischen Axl und Beatrice, welche uns der "Erzähler" immer nur als liebevolles Paar präsentiert hat.

    Ich habe das so gelesen, dass das hysterische Verhalten der Dorfbewohner - siehe weiter oben - auf Axl abfärbt: ihre Angst springt teilweise auf ihn über und führt zu seinem etwas ruppigen Verhalten. Beatrice scheint mir die Ruhigere und vor allem Überlegtere zu sein.


    was bei mir zuerst eine Assoziation zu Don Quixote de la Mancha hervor gerufen hat.

    Bei mir auch, und diese Assoziationen sind offensichtlich gewollt. Dieser Ritter ist aus der Zeit gefallen, und sein Kampf gegen den Drachen ebenso.

    Offenbar - so verstehe ich das - ist es nun so, dass man den Drachen nicht mehr mit einem Ritter besiegen kann. Diese Zeiten sind vorbei.


    Der Drache (für mich immer mehr das Symbol des Vergessens) muss anders besiegt werden.

    Bundesweiter Tag des Friedhofs in Deutschland


    Ich gehe für mein Leben gern auf historische Friedhöfe, und wenn ich alle Führer hier posten würde, käme vielleicht niemand anders mehr zu Wort :lol: .

    Daher nur diesen einen, ein Geschenk.

    Aber vielleicht fand er die Sache genauso verstörend wie ich.

    Du meinst diesen Aberglauben, vermute ich, dass jemand durch den Biss eines Unholds selber zum Unhold wird? Das erinnert an Vampire und Zombies :) .


    Ich denke auch, dass er diesen Aberglauben ablehnt, eben weil er einen anderen Werdegang bzw. eine andere Sozialisation hinter sich hat: er ist, obwohl er Sachse ist, bei seinem Feind aufgewachsen und hat viel von ihm übernommen.

    Eben z. B. auch die ablehnende Haltung gegenüber diesem Aberglauben.


    Die Dorfbewohner sind offenbar derart verschreckt und verängstigt, dass sie den Jungen nicht selber zum nächsten Sachsendorf bringen wollen.

    Von seinen Eltern ist nicht die Rede. ?(

    Der Drache steht als Symbol für das Heidentum im Allgemeinen (heiliger Georg um

    280 n.Chr.) Man kennt die Darstellung in der er den Drachen tötet.

    Genau, so ist ja auch diese oben erwähnte Mariendarstellung zu verstehen.

    Die Sagen um den Hl. Georg werden wiederum zu Rittersagen ausgebaut, und da wären wir wieder bei Artus. Wobei der Kampf gegen die Ungläubigen, sprich: den Drachen, nicht zu den hochmittelalterlichen Tugenden zählte. (Kreuzzüge - das ist etwas anderes...)

    Erinnerst du dich an Burnside, der an diese alten Rituale in seinem

    Heimatland berichtete?

    Aber natürlich erinnere ich mich an dieses schöne Buch, das ich ab und an zur Hand nehme und ein bisschen drin lese. Ich erinnere mich auch noch an eine Studienreise durch Schottland, bei der uns eine sehr ambitionierte Reiseleiterinin die keltische Mythologie einführte.


    Aber:

    Ist diese religiöse Komponente hier gemeint?

    Sie spielt mit, ohne Zweifel, aber ich habe den Eindruck, dass wir unseren Blick verengen, wenn wir nur diese religiöse/mythische Symbolik betrachten.


    Für mich hat das Vergessen etwas mit einer kollektiven Schuld, die im Drachen symbolisiert wird. Und die Reise der beiden Alten ist eine Art Pilgerreise mit dem Ziel, diese kollektive Schuld wieder ins Bewusstsein und damit zu einer individualisierten Schuld zu machen - und damit den Lebensweg zu beenden.

    Ist nur Spekulation.

    den Drachen, der die Kraft der Erde in

    sich trägt und so nicht nur Teil, sondern Mittelpunkt der alten Naturreligion ist.

    Stirbt der Drache, vergeht die Religion und ist nur noch dem Vergessen überlassen.

    Interessant. Das deckt sich mit der Ikonografie, was die christliche Gottesmutter Maria angeht (eine "Sonderform" der Mondgöttin), die dem Drachen den Kopf zertritt.


    Aber verstehe ich das jetzt richtig: der Drache ist also das Symbol einer vorchristlichen Naturreligion? Ein Symbol, das gefürchtet und zugleich verehrt wird?

    Zu Kapitel 3

    Hier spürt man dass Axl - eine aufflammende Erinnerung „verbannt“ - er ist noch nicht bereit sich damit zu befassen.

    - und damit wären wir wieder beim Tabuisieren.

    es habe etwas damit zu tun, dass auch Gott bestimmte Dinge vergessen habe, scheint mir doch sehr löchrig. Ich bin nicht wirklich religiös, aber es wäre ja doch recht seltsam (und fatal), wenn ein allmächtiger Gott auf einmal vergessen würde.

    Ich fand es interessant, wie dem Vergessen hier eine andere Bedeutung zugewiesen wird. Das Vergessen ist keine Strafe Gottes, sondern eine Folge davon, dass Gott etwas vergessen will - eine Untat seiner Geschöpfe, für die er sich so schämt, dass er sie vergessen und sich nicht mehr daran erinnern will.

    Das ist ein anderes Gottesbild als das des Christentums. Ich finde es auch seltsam.


    Ich habe mich spontan an den Zustand des sog. zwîvel im "Parzival" von Wolfram von Eschenbach erinnert: das ist der Zustand der Abwesenheit von Gott. Das scheint mir hier aber anders zu sein - oder?


    Beatrice Gesundheitszustand scheint mir viel ernster zu sein, als sie zugibt.

    Den Eindruck habe ich auch. Sie spielt es herunter, und Axl glaubt es ihr gerne.


    Wenn wir wieder an das Märchenmuster denken, taliesin, wir hatten schon mal kurz das Gespräch darüber, dann ist es hier ja nicht so, dass ein junger Mensch sich bewährt, um ins Leben zu gehen, sondern es sind zwei Alte.

    Ist das Ganze vielleicht die Reise in den Tod? Und tritt deswegen der schaurige Fährmann schon zu Beginn der Reise auf? Auch hier im 3. Kapitel wird er erwähnt.

    eine gewisse emotionale Verbindung.

    Es scheint ein gewisses Erkennen zwischen Wistan und Axl zu geben, doch keiner von beiden kann den anderen zuordnen - vielleicht der verlorene Sohn?

    Besteht die Verbindung nicht einfach darin, dass Wistan, ein Sachse, ein "Heide", bei den christianisierten Britanniern aufgewachsen ist und ihnen sehr viel verdankt? Ist er damit so eine Art Wanderer zwischen zwei verfeindeten Welten?

    Im Jungen Edwin würde sich das Schicksal Wistans wiederholen: Wistan will Edwin nicht, wie das Dorf es will, in einem sächsischen Dorf unterbringen, sondern bei den Britanniern, in einem "christlichen Dorf" (s. 108). Edwin würde damit zu jüngeren Ausgabe Wistans.

    Ich habe mich bei dieser Stelle gefragt, wieso Wistan bei den Britanniern aufwuchs? Was war da los? Ist er eine Kriegswaise?


    Das Verhalten der Dorfbewohner ist mir noch aufgefallen.

    Sie reagieren aggressiv auf Fremde, und unser altes Paar fürchtet um sein Leben. Der alte Ivor bezeichnet sie als "kopflos vor Angst" (S. 83), mit Vernunft kommt man ihnen nicht mehr bei, sie rotten sich zu Haufen zusammen und halten sich nicht an Gebote (hier: Wache zu schieben).

    Das kennt man ja...

    Immer wenn ich danach Ausschau hielt, war er mir zu teuer. Daher kennen wir den noch nicht.

    22 € kostet die Neuauflage, an die 400 Seiten, ohne Illustration - also ein reines Vorlesebuch. Richtig: ein Anthro-Klassiker :lol: !


    Paul Biegels "Tullezwerge" und andere "Biegeleien" werden auf alle Fälle bei uns einziehen, weil sein "untiges" Buch ein durchschlagender Erfolg bei uns war, bei den Kindern, aber auch bei uns "Alten". Und einfach wunderschöne Illustrationen dazu. Ich habe es während der Weihnachtsferien vorgelesen, und die Kinder erzählen die Geschichten immer noch nach.


    Paul Biegels Erzählung vom tausendjährigen König Mansolin ist ein literarisches Meisterwerk für Groß und Klein: tief und umfassend angelegt und dabei alltäglich-einfach in den geschilderten Situationen, bald skurril, bald schaurig-schön, bald traurig und bald fröhlich. Der uralte König Mansolin lebt mit dem Hasen, seinem letzten Diener, von allen Untertanen vergessen in der kupfernen Burg. Nun wird er sterben, wenn er das heilende Schlüsselkraut nicht rechtzeitig bekommt. Während der Arzt sich auf den Weg macht, um das Kraut zu holen, kann Mansolin nur dadurch am Leben erhalten werden, dass man ihm Geschichten erzählt. Da erscheint täglich ein Tier mit einer Geschichte vor dem Burgtor – wird aber wirklich jeden Tag eines zur Stelle sein, bis das Schlüsselkraut da ist? Ein hervorragendes Vorlesebuch dieses preisgekrönten, äußerst vielseitigen niederländischen Autors.

    Aber der Lesespaß beim abendlichen Vorlesen ist auch etwas ungleich ausgefallen.

    Offenbar nicht nur beim Vorleser, sondern auch beim Hörer :) , und letzteres ist wohl bei einem Vorlesebuch entscheidend.

    Wir haben hier während des Sommers den umgekehrten Fall erlebt: die Kinder haben ergriffen gelauscht und waren sehr angetan, wollten unbedingt mehr hören, während ich einige der Geschichten doch ein bisschen sehr betulich fand. Aber eines brachten alle Geschichten, die ich vorgelesen habe, fertig: sie gingen den Kindern in positiver Weise ans Gemüt.


    Diese Geschichtensammlung hat im Laufe der Jahre den Status eines
    Klassikers erlangt. Georg Dreißig fasst darin tiefe Wahrheiten in
    zauberhafte Bilder, die den Kindern unvergesslich bleiben, und lässt so
    Glanzlichter einer verborgenen Welt sichtbar werden. Auf vielfachen
    Wunsch wird die Sammlung nun neu aufgelegt.