Beiträge von drawe

    Zitat

    Jens Wonneberger ist ein leiser, behutsamer Autor.

    SZ

    In einer sehr positiven Rezension der Süddeutschen Zeitung zu Wonnebergers neuem Roman Mission Pflaumenbaum habe ich zum ersten Mal den Namen Wonneberger gelesen.

    Mich interessiert dieser ältere Roman.

    Es sind durchaus die Frauen und Witwen sein welche in den Schlachten ihre Männer verloren haben. Gequälte Seelen welche den Verlust noch nicht überwunden haben, einen Schuldigen suchen und diesen in Gawain finden. Er dem es nicht gelang gemeinsam mit andern Rittern die Querig zu töten. Denn auch sie sind dem kostbaren was wichtig wäre um gemeinsam mit ihrem Mann den Übergang zu machen beraubt worden, den Erinnerungen.

    Ich habe sie "nur" als Klageweiber aufgefasst, die Gawain attackieren, weil sie ihn für den Tod ihrer Männer verantwortlich machen.

    Aber Du hast Recht: sie machen Gawain für den Verlust ihres Liebsten im Diesseits UND beim Übergang verantwortlich.


    Ich bin sehr neugierig, wie das Fährmann-Motiv, dem wir immer wieder begegnen, entwickelt wird.

    Allerdings war er nicht allein, somit ihm allein die Schuld zuzuschieben scheint mit nicht ganz richtig.

    Das machen die Klageweiber vermutlich, weil sie froh sind, einen von den drei Überlebenden erwischt zu haben.

    Gawain ist Artus' Neffe? Ist das auch in der Vorlage so?

    In der mittelhochdeutschen Artus-Epik ist er der Neffe Artus´ und das Idealbild eines Ritters.

    Gawain wird von seinen Taten eingeholt, dem Scheitern, die Drachin zu töten und den Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung im Krieg. Zumindest bei Letzterem scheint er nicht direkt anwesend gewesen zu sein, das kann aber natürlich auch eine Lüge sein. Dennoch rechtfertigt er, was passiert ist (Kinder werden auch einmal zu Kriegern etc. -

    Du bringst Gawains Situation sehr schön auf den Punkt!


    Was die Massaker an den Zivilisten angeht: mir fällt die Situation im Tunnel ein. Beatrice spricht beim Anblick der Knochen ständig von Kindern (wie kommt sie darauf? Was hat sie selber erlebt?), und Gawain verwahrt sich vehement dagegen, auch Kinder getötet zu haben. Das hatte Beatrice allerdings auch nicht behauptet. Außerdem bezieht er den Ausdruck "Untier" direkt auf sich und verwahrt sich ebenfalls.


    Was ich damit sagen will: meiner Meinung nach war er nicht nur anwesend, sondern hat auch fleißig mitgemacht.

    Vor allem hier bedient sich der Autor ausgiebig bei

    wobei Cervantes wiederum das Ritterideal der Artus-Epik persifliert (bzw. die herrschende Mode der Ritterromane) - und dazu gehört auch die christliche Tugend, Schwache zu schützen. Ich könnte mir denken, dass Ishiguro als Brite der Artus-Epik näher steht.


    Zu Kapitel 9


    Vom Sprachlichen her hat mir das Kapitel sehr gut gefallen. Ishiguro bzw. der Erzähler behält genau den Ton bei, in dem Gawain schon vorher gesprochen hat.


    Um auf serjena s Hinweis zurückzukommen: der tapfere Ritter beschützt hier nicht die Witwen und Waisen, sondern die Witwen fallen wie ein bösartiger Hornissenschwarm über ihn her und er ist es, der sich selber schützen muss. So eine Szene könnte ich mir bei Don Quijote auch vorstellen :lol: . Sie treten auf wie ein antiker Chor der Klageweiber und verfluchen ihn für seine Feigheit.

    War er feige, weil er die Begegnung mit der Drachin überlebt hat?


    Es sieht so aus, als hätte er sich damals aus dem Staube gemacht... In diesem Kapitel rühmt er sich aber, dass er das unterirdische Untier erschlagen habe - das hat er aber nicht.

    So ein Angeber!


    Edra: wirklich eine holde Maid, beseelt von Rachegedanken zerhackt sie langsam und genüsslich Lord Brennus... Sehr unritterlich!

    Ob sie später nochmals im Roman auftaucht? Gawain scheint ihr innerlich immer noch nahezustehen.

    Mich erinnert die Konstellation an Gawan in "Parzival" von Wolfram von Eschenbach und die Beziehung zur jungen Obilot. Auch dort ist es so, dass Gawan auf Bitten Obilots in den Kampf eingreift und den Gefangenen an Obilot ausliefert - allerdings endet die Szene mit einer Versöhnung und nicht wie hier mit dem schrecklichen Zerhacken.


    Der Dialog Axl - Gawain ist wohl das Zentrum des Kapitels. Grundsätzlich frage ich mich, wieso Gawain nicht vom Nebel der Vergessens betroffen ist?


    Hier offenbaren sich große Gegensätze.

    Axl steht dem Schlachten kritisch gegenüber, verurteilt den Bruch eines Versprechens und die Massaker an Zivilisten. Das alles hält er für eine Gefährdung eines dauerhaften Friedens.


    Gawain nimmt die Gegenposition ein: nur durch eine strenge Unterwerfung, durch das Ausrotten jeden Widerstandes und durch Abschreckung sei der Frieden zu sichern.


    Ob wir uns hier dem zentralen Thema des Romans nähern?

    Es geht um Invasion bzw. Immigration und den Umgang mit den Immigranten.


    Axl

    -akzeptiert die Tatsache der andauernden Einwanderung

    - setzt auf ein Miteinander

    - setzt auf Frieden.

    Gawain

    - wehrt sich gegen die Einwanderung (hier: der Sachsen)

    - setzt auf die Herrschaft der Alteingessenen, hier: der Britannier und will die Unterwerfung der Einwanderer

    - hält Gewalt für das angemessene Mittel.

    Nr. 3


    Cal Hooper, ehemaliger Cop aus Chicago, hat sich in den Westen von Irland geflüchtet. Die Natur scheint friedlich, im Dorf nimmt man ihn freundlich auf. Da springt sein langjährig trainierter innerer Alarm an: Er wird beobachtet. Immer wieder taucht ein Kind bei ihm auf. Auf den umliegenden Farmen kommen auf seltsame Weise Tiere zu Tode. Stück für Stück gerät Cal in eine Suche, die ihn tief in die Dunkelheit führt.

    Eine Geschichte von mächtiger Spannung und Schönheit; ein literarischer Thriller und ein beeindruckender Roman über Familie, Gemeinschaft, die Natur und die Gefahr, die von den Menschen kommt. Der neue große Roman der renommierten Bestseller-Autorin Tana French.

    Gib-Deinem-Fahrrad-Einen-Namen-Tag


    Eigentlich die Geschichte einer Brieffreundschaft von zwei jungen Mädchen


    Im Kriegssommer 1941 macht Elna aus Sandviken mit ihrer südschwedischen Brieffreundin eine Radtour zur norwegischen Grenze. Die Daisy Sisters, wie die Mädchen sich nach amerikanischem Vorbild nennen, lernen zwei schwedische Soldaten kennen, und die naive Elna, die keinen Alkohol verträgt, wird ungewollt schwanger. Den Vater des Kindes wird sie nie wiedersehen, ihre Tochter Eivor zieht sie nur widerwillig auf. Eivor ihrerseits versucht schon als Halbwüchsige mit einem jungen Kriminellen durchzubrennen, aber das Abenteuer geht auf tragische Weise schief. Fern von Mutter und Stiefvater will sie sich nun eine eigene Existenz als Schneiderin aufbauen. Doch es kommt anders als geplant ... Ein bewegender Generationenroman aus Schweden über drei Frauen, die aus ihrem engen sozialen Milieu und ihrer vorgezeichneten Rolle ausbrechen wollen.

    291. Welche Biographie bzw. Autobiographie würde dich eventuell interessieren?

    Ich lese mit Hingabe Biografien - und einige stehen auf der Wunschliste :-# :-# :-# , aber dieses Buch würde ich sofort anfangen zu lesen.

    Paul Heyse, der erste deutsche Nobelpreisträger, ein Vergessener.

    Ich persönlich möchte mich abwenden vom Freudschen Gedanken des Ödipuskonflikt- da ist mir zu abstrakt.

    ... und ich finde es so unpassend in dem Zusammenhang.

    Ich glaube, Ishiguro vernebelt uns auch das Hirn mit solchen traumähnlichen Erinnerungen.


    Auf der anderen Seite ... wir sehen hier verschiedene Formen der Liebe, die vielleicht als Kontrapunkt gemeint ist.

    Da sind Axl und Beatrice, dann die Frau mit dem Kaninchen in der Fährmann-Szene, und im 9. Kapitel erzählt uns Gawain auch ein bisschen was.


    Mich würde mehr interessieren, wer die anonymen "sie" sind, die das Mädchen fesseln und es mit sich führen.

    ... und noch eines!


    Ein Mann streut Sand aus Süditalien auf den Straßen von Berlin aus. In Zeiten des Kriegs ist solch ein Verhalten nicht nur seltsam, sondern verdächtig. Der Kommissar, der den kuriosen Fall übernimmt, stößt unter dem Sand auf eine Geschichte von Liebe und Tabu zwischen zwei Männern und einer Frau. Ein Zeitbild von 1914, aus drei ungewöhnlichen Perspektiven.