Beiträge von drawe

    Ich tendiere inzwischen auch immer mehr zu Hörbüchern, da kann ich auch andere Dinge nebenher machen, da nutzt man Zeit ganz anders. Und ein Buch vorgelesen zu bekommen ist für mich auch sehr viel besser als selber lesen zu müssen

    :thumleft:


    Geht mir genau so!

    Ich habe das immer wieder erlebt, dass sich mir ein Buch als Hörbuch ganz anders erschlossen hat.

    Einen guten Sprecher vorausgesetzt.

    Kapitel 5


    Wir sind wieder in der Vergangenheit, in Nagasaki.


    Und hier begegnen wir drei weiblichen Paaren:

    Etsuko und Sachiko

    Etsuko und Frau Fujiwara

    Etsuko und Mariko


    Zu Etsuko und Sachiko:

    Ich finde das Verhalten beider Frauen sehr merkwürdig bzw. ungewohnt.


    Frank, Sachikos amerikanischer Freund, ist verschwunden, aber das bekümmert sie weiter nicht. "Er weiß, ich werde ihn suchen und finden." Sie kennt dieses Verhalten schon, es passiert nicht zum ersten Mal. Wieso verschwindet er so einfach? Ohne Nachricht zu geben? Und wieso weiß Sachiko nicht, wann nun die Abreise in die USA erfolgt?

    Frank gegenüber nimmt Sachiko also eine recht duldsame, fast dienende Position ein.


    Etsuko gegenüber verhält sie sich aber anders: ausgesprochen fordernd.

    Zunächst kontrolliert sie, ob Etsuko "auftragsgemäß" ihre Kündigung bei Frau Fujiwara überbracht hat. Wieso hat sie nicht selber gekündigt?

    Dann fordert sie ohne Umschweife und die ganzen Höflichkeitskringel, die wir sonst lesen, Geld von Etsuko ein. Wieso arbeitet sie nicht weiter bei Frau Fujiwara, um ihr Auskommen zu sichern? Zumindest tageweise, um flexibel zu bleiben?


    Etsuko überlegt sich die Sache kurz und gibt dann Sachiko ihr Schmugeld. Wieso hat sie heimlich Erspartes? Will sie ihren Mann, Japan verlassen?


    Sachiko fordert Etsuko auf, ihr gutes Benehmen zu vergessen und Fragen zu stellen.

    Eine Stelle ist mir aufgefallen: offenbar rechnet Sachiko mit einer anderen Frage Etsukos als die, ob Frank Japanisch spreche. Hier ist Sachiko kurz angespannt. Wieso?

    Wir erfahren aber noch mehr über die patriarchalischen Familienstrukturen in Japan: Sachiko wurde von ihrem Mann verboten, weiter Englisch zu lernen.

    Sachiko spricht auch Marikos Trauma an: sie hat einen Kindsmord beobachten müssen.


    Etsuko und Frau Fujiwara

    Wieder ein kleines Puzzleteilchen zu Etsukos Vergangenheit: sie hat ihren Freund Nakamura im Krieg verloren. Und sie gibt zum, unglücklich zu sein.

    Frau Fujiwara scheint eine sehr mütterliche Frau zu sein.


    Etsuko und Mariko

    Mariko erzählt von der Frau, sie will ins Dunkle, vermutlich wieder an den Fluss; Etsuko weicht aus. Mariko ist nicht dumm: sie erkennt Etsukos Abneigung gegenüber Spinnen und provoziert Etsuko mit dem Ergebnis, dass sie ihren Willen durchsetzt.

    Die Sache mit der Spinne fand ich ja sehr - na ja, ich kann sie auch nicht besonders leiden.

    denn leicht war ihr Leben ja wahrhaftig nicht. Was sie da mitmachen musste könnte einem doch glatt verbittert werden lassen.

    Ich fand ihre innere Zufriedenheit auch so beeindruckend, und auch die Art und Weise, wie sie sie vorstellt.

    Ich erinnere mich, dass wir über das Buch gesprochen hattest und Du hattest zunächst etwas Bedenken. Es hätte ja auch ein Rundumschlag sein können!

    Nr. 3


    Samstagabend auf dem Campo Santa Margherita. Nach einem Drink lassen sich zwei Touristinnen von ein paar Einheimischen zu einer Spritztour in die Lagune verführen. In der Dunkelheit rammt das Boot einen Pfahl, und die Amerikanerinnen enden bewusstlos auf dem Steg des Ospedale. Warum alarmierten ihre Begleiter nicht die Notaufnahme, wenn alles nur ein Unfall war? Je hartnäckiger Brunetti ermittelt, desto näher kommt er einem Monstrum, vor dem sich selbst die Mafia fürchtet.

    Nr. 2


    Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2021

    Judith Hermann erzählt in ihrem neuen Roman »Daheim« von einem Aufbruch: Eine alte Welt geht verloren und eine neue entsteht.
    Sie hat ihr früheres Leben hinter sich gelassen, ist ans Meer gezogen, in ein Haus für sich. Ihrem Exmann schreibt sie kleine Briefe, in denen sie erzählt, wie es ihr geht, in diesem neuen Leben im Norden. Sie schließt vorsichtige Freundschaften, versucht eine Affaire, fragt sich, ob sie heimisch werden könnte oder ob sie weiterziehen soll. Judith Hermann erzählt von einer Frau, die vieles hinter sich lässt, Widerstandskraft entwickelt und in der intensiven Landschaft an der Küste eine andere wird. Sie erzählt von der Erinnerung. Und von der Geschichte des Augenblicks, in dem das Leben sich teilt, eine alte Welt verlorengeht und eine neue entsteht.

    Meine Freundin, die Gute, hat wieder an mich gedacht:


    Nr. 1


    Der Nr.-1-Bestseller aus Frankreich - der neue gefeierte Roman von Leïla Slimani. Über das Leben in der Fremde, eine unkonventionelle Liebe und eine Welt im Umbruch.

    Mathilde, eine junge Elsässerin, verliebt sich am Ende des Zweiten Weltkriegs in Amine Belhaj, einen marokkanischen Offizier im Dienst der französischen Armee. Die beiden heiraten und lassen sich in der Nähe von Meknès nieder, am Fuß des Atlas-Gebirges, auf einem abgelegenen Hof, den Amine von seinem Vater geerbt hat. Während er versucht, dem steinigen Boden einen kargen Ertrag abzutrotzen, zieht Mathilde die beiden Kinder groß. Voller Freiheitsdrang hatte sie den Aufbruch in ein neues, unbekanntes Leben gewagt und muss doch bald ernüchternde Erfahrungen machen: den alltäglichen Rassismus der französischen Kolonialgesellschaft, in der eine Ehe zwischen einem Araber und einer Französin nicht vorgesehen ist, die patriarchalischen Traditionen der Einheimischen, das Unverständnis des eigenen Mannes. Aber Mathilde gibt nicht auf. Sie kämpft um Anerkennung und ihr Leben im Land der Anderen.

    Dass Du den Roman als Hörbuch hast, ist aber von Vorteil.

    Absolut. Ich befürchte, das Lese-Buch hätte ich abgebrochen oder mich irgendwie durchgedäumelt. Das Hörbuch lässt die Hände frei, sehr praktisch.


    Es ist nicht so, dass mich der Roman nicht auch fasziniert. Ich bin kein Musil-Kenner, lese das Werk also "naiv", aber ich merke immer wieder, dass er an manchen Formulierungen unendlich lange gefeilt haben muss. Auch der Entwurf der Dialoge lässt seinen Gedankenreichtum, seine Dialektik, aber auch eine gewisse Besessenheit erkennen; das gilt auch für die Anlage seiner Figuren. Musil muss wirklich besessen gewesen sein von diesem Roman.

    Man merkt direkt, wie er einen zunächst vermutlich kurzen Dialog ausbaut, immer noch was dranhängt, noch eine Kurve nimmt und einfach nicht zu Rande kommt.

    Und irgendwie rührt mich das, und ich fühle mich verpflichtet, mir das Werk anzutun.

    aber Clarisse empfand ich als äußerst nervenstrapazierend.

    Ich begucke mir die Frauen sehr neugierig, und strapaziös und verwöhnt sind sie alle. Und sehr dekadent. Meine Güte. Wien muss ja voller Kuckuckskinder gewesen sein!

    Ist es mit dem "Mann ohne Eigenschaften" nicht wie mit dem "Ulysses"? Das sind doch eigentlich "unlesbare" Bücher. Ich wusste bei keinem, worum es da eigentlich geht.

    Auf den ULYSSES lasse ich nichts kommen! Bei dem habe ich mich richtig amüsiert über die Demontage der Helden, über die "treue" Molly-Penelope , dann wieder war ich mit dem "Helden" traurig, einsam und ausgegrenzt - ich habe allerdings parallel dazu wieder die entsprechenden Kapitel der ILIAS gelesen.

    Angeblich soll das sogar der Lieblings-Roman unseres ehemaligen Bundeskanzlers Bruno Kreisky gewesen sein, hab ich mal irgendwo gelesen.

    :shock: Kann man kaum glauben.

    Wo bin ich hier - äußerlich zwar in Wien im sog. "Konzil" zur Vorbereitung des 70jährigen Thronjubiläums - aber eigentlich bin ich dauernd im Kopf des Erzählers, der seine Reflexionen über den Essayismus, den Antagonismus des militärischen und zivilen Geistes und dergleichen vor mir ausbreitet. Wortgewaltig, witzig, teils erfrischend zynisch - aber dennoch ermüdend.

    Und Nr. 2


    Jonas Hassen Khemiris erster Roman »Das Kamel ohne Höcker« war der Liebling der internationalen Presse. Sein brillanter zweiter Roman, ausgezeichnet mit dem Per-Olof-Enquist-Preis, ist zärtliche Vater-Sohn-Geschichte und raffiniert doppelbödiges Einwandererschicksal zugleich. Jonas Hassen Khemiris Debüt »Das Kamel ohne Höcker« wurde zum Kultbuch einer Generation und bescherte ihm in Deutschland großes Kriti­kerlob. »Montecore, ein Tiger auf zwei Beinen« erzählt die Geschichte eines gewissen Jonas. Sein Vater ist der Superheld dieses Buches, der schon auf der ersten Seite im weißen Anzug auf der Dachterrasse seines luxuriösen New Yorker Lofts auf und ab schlendert. Wie kommt ein elender tunesischer Waisenknabe zu einem so kosmischen Erfolg? Und warum weiß Jonas in Stock­holm nichts ­davon? – Eigentlich fängt das Ganze mit Kadir an, Papas bestem Freund aus alten ­Tagen. Denn Kadir schreibt wortreiche Briefe an Jonas und erzählt ihm von seinem berühmten ­Vater und der Zeit in Tunesien. Jonas beginnt sich an die eigene schwedische Kindheit zu erinnern, an die ersten kuriosen Jahre mit seinem Vater in Stockholm. Wohin aber ist der Vater nun verschwunden? Und wer ist dieser zunehmend unheimliche Kadir?

    Ausgeliehen: Nr. 1


    Sie war die letzte Zeitzeugin des Widerstands gegen Hitler und eine engagierte Vorkämpferin der deutsch-polnischen Versöhnung: Freya von Moltke (1911 - 2010), Bankierstochter aus dem Rheinland und letzte Gutsherrin des schlesischen Kreisau. Was sie antrieb, wer ihre Weggefährten waren und was für ein Mensch die lebensfrohe Weltbürgerin war, erzählt Frauke Geyken in ihrer einfühlsamen Biographie.

    Dennoch ist der Spruch dem Grunde nach bedenkenswert, was treibt Entscheidungen wirklich an, die solche Reichweite haben, wie politische, was steckt an Motiven wirklich dahinter? Interessant.

    Ja.

    In diesem Fall wollte ich einer Figur Gerechtigkeit widerfahren lassen, die mir trivial erschien.

    Das heißt: zuerst sollte man sich wohl fragen, wer da spricht und dann, wie immer, CUI BONO?