Beiträge von drawe

    Vielleicht schmerzt es sie auch zu sehr, wenn sie spielt?

    Das ist auch möglich...

    Mir hat die Parallele gefallen: die Geige ist verstimmt - und Etsuko auch wegen des übergriffigen Verhaltens Ogatas.

    da sträubt sich mein Feministinnenherz.

    :)

    Mir kommt er bisschen vor wie der berühmte Radfahrer, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Nach oben, zu seinem Vater, buckelt er weitgehend. Er äußert zwar seine abweichende Meinung, aber eher zurückhaltend und ausweichend.

    Nach unten spielt er selber den Patriarchen: seinen Untergebenen ("Mitarbeiter") tritt er so dominant gegenüber, dass sie ihm den Spitznamen Pharao verpassen, und seine Frau gehört offensichtlich auch zu denen, die er unter sich sieht.


    Keine gute Zeit und kein gutes Land für eine Frau.

    Erstaunlich, dass der männliche Autor das so sieht.

    nur dass ich dank der Kirchenführer ziemlich viele Heilige mit ihren einschlägigen Attributen kenne.

    :thumleft:

    Was glaubst Du, wieviele Interessierte nicht einmal die Attribute der 4 Evangelisten kennen und deswegen Schwierigkeiten mit der Formensprache der Bauwerke haben!


    Aber mir kommt gerade noch was anderes in den Sinn, nämlich Inklusen, sehr religiöse Menschen, die sich in kleinen Anbauten von Kirchen oder Kapellen haben einmauern lassen

    Darum geht es in diesem Roman von Fred Vargas :)

    Daher habe ich auch einiges an Spezialwissen, wie z. B. das Heiliggeistloch in vielen alten Kirchen, durch das an Pfingsten als Symbol für den Heiligen Geist Tauben (wahlweise lebendig oder als Figur), Rosenblätter oder auch mal brennende Wattebäusche in den Kirchenraum befördert wurden.

    Das ist ja interessant, das kenne ich gar nicht!

    Hast Du noch mehr so Kuriositäten auf Lager?


    Übrigens fand ich immer die Karner, Beinhäuser, interessant, Friedhöfe sowieso. Da liegt das Sozialgefüge eines Dorfes, einer Stadt vor Dir :-)

    Und Quedlinburg und ...und...und

    Ja, Du hast Recht. Prüm (meine alte Heimat) und Altötting (neue Heimat), und kaum war die DDR befahrbar, wurden die armen Kleinen nach Quedlinburg und Magdeburg geschleift, und natürlich nach Weimar und auch auf den Kyffhäuser rauf ... Kulturelle Kindsmisshandlung nennt man so etwas wohl :(

    Cox erreichte das chinesische Festland unter schlaffen Segeln am Morgen jenes Oktobertages, an dem Quian-long, der mächtigste Mann der Welt und Kaiser von China, siebenundzwanzig Steuerbeamten und Wertpapierhändlern die Nasen abschneiden ließ.

    Ich warne Dich: wenn Du weiterhin Zitate aus "Cox" bringst, lese ich das Buch zum dritten Mal.

    Einen gewissen Hang zum Morbiden

    :lol:

    Ja, muss nicht gleich "Die Kapuzinergruft" oder ähnliches sein - ich hätte da noch ein Schmankerl für "uns Bayern". Traurige Zeitgeschichte.


    Dreitausendeinhundertfünfundsechzig mal war Johann Reichhart dienstlich im Einsatz. Reichhart war Bayerns letzter Scharfrichter. Seit 1924 richtete er Mörder und Sittlichkeitsverbrecher hin, aber auch Unschuldige und 'Politische' wie die Geschwister Scholl, ja einmal sogar seine eigenen Lebensretter. Und plötzlich, Dezember 1948, steht er selbst vor Gericht. Beschuldigter der Gruppe zwei! Nazihelfer! "Dabei hat er doch nur seine Arbeit gemacht."Hat er?

    Wer benutzte wen? Ein System wie das Dritte Reich seinen Erfüllungsgehilfen oder umgekehrt? Sein Amt machte Reichhart zur geächteten Person; seine Ehe scheiterte, sein Sohn beging Selbstmord. Der letzte Scharfrichter Bayerns - eine tragische Figur, ein Leben voller Widersprüche, voller moralischer Fragen und heimgesucht von 3165 Gespenstern. Bernhard Setzweins Theaterstück "3165 - Monolog eines Henkers" wurde im Dezember 2007 uraufgeführt und für die Hörspielfassung vom Autor überarbeitet und auf das Medium Hörbuch zugeschnitten.

    In den Rollen des Scharfrichters und seiner Lebensgefährtin Erika spielen Christian Hofmann und Waltraud Janner-Stahl so überzeugend, dass man beim Zuhören zuweilen die Klinge im eigenen Nacken spürt.

    Ich mache mal vorsichtig weiter...


    Kapitel 4

    Wir sind das ganze Kapitel über in Nagasaki, in der Vergangenheit.


    Nur ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind:

    Die Geige. Musik scheint in der Vergangenheit Etsukos eine große Rolle gespielt zu haben. Warum spielt sie jetzt nicht mehr? Ich vermute, dass ihr Mann es ihr verboten hat. Ich finde Ogata recht übergriffig und unangenehm dominant, wenn er sich die Geige nimmt.

    Etsuko spricht ein "damals" an: Damals hatte sie in Ogatas Haus gelebt, sie war ihrer Befürchtung nach "eine Last" und muss "wie eine Geisteskranke" gewirkt haben.


    Was ist passiert? Ist der Atombombenabwurf gemeint? Andere Kriegsereignisse?

    "Wir, die wir übrig geblieben sind", sagt Ogata.


    Das Schachspiel. Auch hier dominiert Ogata und erzwingt schließlich das Weiterspiel, ohne Rücksicht auf die Müdigkeit seines Sohnes.

    Das Schachspiel bietet ihm die Möglichkeit, seinem Sohn wegen Shigeo zuzusetzen.

    Auch hier wird nicht offen angesprochen, alles indirekt, unter dem Mantel der Höflichkeit und Bescheidenheit.

    Das Schachspiel bietet aber auch die Möglichkeit, dass wir Ogatas Werte kennenlernen: Disziplin und Loyalität. Loyalität scheint mir ein vielschichtiger Wert zu sein: Gehorsam, Opferbereitschaft, Unterordnung, Pflichtbewusstsein, patriarchalische Familienstrukturen und so fort schwingen mit. Offenbar sitzt hier ein Vertreter des alten Japan, der sich mit den "amerikanischen" , d. h. den westlichen Werten nicht anfreunden kann.

    Demokratie bedeutet für ihn Egoismus, Vernachlässigung der Pflichten, Verleugnung der alten Werte, ist also nur negativ besetzt.

    Ein alter Haudegen also, und man kann sich die Kritik Shigeos an ihm allmählich vorstellen.


    Das Frauenbild: Jiro legt Etsuko gegenüber einen Kommandoton an den Tag. Alle finden es in Ordnung, dass widerspenstige Frauen, die eine eigene politische Meinung haben, mit Gewalt zur Räson gebracht werden dürfen. Das wird dann in anderen Lebensbereichen auch so sein...

    Ich habe noch nicht abgebrochen, aber ich überlege es.

    Ich bin allerdings "erst" im 68. Kapitel, und es liegen noch Tausende an Kapiteln vor mir.


    Wolfram Berger liest diesen Roman sehr gut und erleichtert mir sehr das Verständnis der teilweise arg verschwurbelten Gedankengänge - er kann auch nichts dafür, dass der Roman so ist, wie er ist.


    Der Roman erschöpft mich. Ist das überhaupt ein Roman? Es sind nicht endende Reflexionen über alles Mögliche, und das letzte gehörte Kapitel befasste sich mit dem Essayismus als "Ausgestaltung ohne Verfestigung" als Zug der Zeit. Herrje...

    Die Welt wird als disparat erlebt, und um den Protagonisten, den "Mann ohne Eigenschaften" versammeln sich alle möglichen Leute, die spiegelbildlich die Eigenschaften des Protagonisten haben. Das verstehe ich ja alles.

    Dann gibt es wieder ausgesprochen originelle Beobachtungen und ironische Schilderungen, opulent wie ein Gemälde ausgearbeitet, die mich weiterhören lassen.

    Aber inzwischen lechze ich nach ein bisschen Handlung.

    Ein Minimum an Aktion hätte ich gerne!!!

    189. Ein Buch über ein Paar, dessen Zusammengehörigkeit mit einem "und" zum Ausdruck gebracht wird ( z.B. Hänsel und Gretel, Caesar und Kleopatra, Asterix und Obelix)


    London ist laut und anstrengend, die Familie Bateman sehnt sich nach Ruhe und hat sich für den Sommer auf dem Land in Yorkshire eingemietet. Hier trifft der kleine Harry auf Bell, den jüngsten Sohn der Vermieter, und die beiden freunden sich rasch an. Sommer für Sommer und mit jedem gemeinsam erlebten Abenteuer wird diese Freundschaft erneuert und gefestigt, die unterschiedliche Herkunft spielt keine Rolle. Ein hell leuchtendes Ferienbuch von Jane Gardam, in dem die Spannung zwischen Stadt- und Landmenschen mit viel Weisheit und Humor eingefangen ist.