Hans Fallada - Kleiner Mann - was nun ?

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Kleiner Mann – was nun?: Erstmals in der...

4.5|32)

Verlag: Aufbau Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 557

ISBN: 9783746633442

Termin: August 2017

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  • Hans Fallada: Kleiner Mann - was nun ?



    Inhaltsbeschreibung bei Amazon herauskopiert:
    Warmherzig und voller Dramatik erzählt dieser Eheroman von einem kleinen Angestellten und seinem >Lämmchen<, einer Frau von beherzter Lebenskraft, die im Kampf gegen eine unfriedliche Welt, Mißgunst und wirtschaftliche Not ihr zärtlich-idyllisches Glück behaupten.


    Meine Meinung:
    Mal wieder eine Milleustudie in der Fallada sich vor allem den Sorgen und Nöten des Kleinbürgers in den wechselvollen Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg gewidmet hat.
    Die Liebe der beiden jung verheirateten wird auf manch harte Probe gestellt. Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger schweben wie ein Damoklesschwert über den beiden.
    Die Handlung spielt in den zwanziger Jahren, kurz nach der Inflation, Rekordarbeitslosigkeit und Hungerlöhne treiben die Kleinen Leute an den äussersten Rand des Existenzminimums.
    Doch die starke Liebe zwischen den beiden Hauptpersonen des Romanes, sowie die Geburt des gemeinsamen Sohnes Horst, der aber nur "Murkel" genannt wird schweisst die beiden zusammen.
    Eine schöne Geschichte, wie immer wunderbar erzählt von Hans Fallada.
    Ein Tip für alle die sich für das Deutschland der Weimarer Republik interessieren.

  • Ich habe das Buch vor vielen Jahren gelesen, kann mich allerdings nur noch an den groben Inhalt erinnern. Ich weiß allerdings, dass ich nur 1 Tag für das Buch benötigte, so sehr hat mich Fallada mitreißen können. Danke, Leserausch, dass Du es mir wieder in Erinnerung gerufen hast :thumleft:!

  • Berlin, Anfang der 1930 Jahre: Johannes Pinneberg begleitet sein "Lämmchen" zum Frauenarzt. Da soll es eine neue Möglichkeit zur Empfängnisverhütung geben...aber zu spät: Lämmchen ist schon schwanger. Und das, wo die beiden doch eigentlich kein Geld haben.


    Die beiden heiraten und versuchen, das beste daraus zu machen. Aber das Geld ist knapp, Deutschland leidet unter der Weltwirtschaftskrise und kein Arbeitsplatz ist sicher. Ich empfand Lämmchen als die stärkere der beiden Personen. Sie ist diejenige, die ihr "Jungchen" immer wieder aufbaut, die ihm Mut macht.


    Pinneberg dagegen fühlt sich am Anfang des Buches eher als etwas besseres, vor allem besser als die Familie seines Lämmchen. Immerhin ist er Verkäufer, ein Angestellter, während Lämmchens Vater und Bruder einfache Arbeiter sind.


    Langsam beginnt für die Pinnebergs der soziale Abstieg. Nach der Kündigung können sie noch kurze Zeit von Ersparnissen leben, auch findet das Jungchen neue Arbeit. Aber die Zeiten sind einfach zu unsicher.


    Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Das Ehepaar ist so richtig schön warmherzig geschildert und man merkt bei allen Problemen, die sie haben, das sie sich lieben. :applause:

  • Inhalt:


    Das frisch verheiratete Paar Hans und Emma Pinneberg finden sich bei einem bekannten Frauenarzt ein, um sich über das Thema der Verhütung informieren zu lassen. Doch es ist bereits zu spät. Emma, genannt Lämmchen, ist schwanger. Das stellt die jungen Leute vor erhebliche Probleme. Der 23 jährige Hans arbeitet als Buchhalter in einem Dünger- und Futtermittelbetrieb und verdient nicht genug, um einen eigenen Haushalt mit Familie zu gründen. Dennoch gibt es nun keine andere Wahl mehr. Hans stellt sich Lämmchens Eltern vor die beiden planen ihre gemeinsame Zukunft.
    Die ersten Wochen ihres Ehelebens verbringen sie in einem möblierten Zimmer in Ducherow, wo Pinneberg arbeitet. Doch Lämmchen ist da nicht wirklich glücklich mit der Wohnsituation und als ihr Hans seine Stelle verliert, sieht sich das junge Paar gezwungen, das Angebot von Pinnebergs Mutter anzunehmen, bei ihr in Berlin zu wohnen. Sie hat für Hans auch eine Stelle im renommierten Bekleidungsgeschäft Mandel in Aussicht. Doch bei der guten Mia Pinneberg ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat und schon bald steht ein weiterer Umzug an.



    Meine Meinung:


    Im Roman „Kleiner Mann – Was nun?“ beschreibt Fallada das alltägliche Leben eines typischen „Kleinen Mannes“. Pinneberg gehört als Angestellter zu einer Gruppe Menschen, die zwischen dem Bürgertum und der Arbeiterschaft steht. Die Arbeiter sind zu der Zeit eher besser angesehen als die Angestellten und sind in den Gewerkschaften besser organisiert.
    So kann sich Pinneberg auch nicht wehren, als ihm in der Futtermittelfirma gekündigt wird.


    In Berlin arbeitet Pinneberg als Verkäufer von Herrenkonfektion im bekannten Bekleidungsgeschäft Mandel. Kaum hat er so langsam Fuß gefasst, wird ein „Organisator“ eingestellt, der sehr hohe Anforderungen an die Verkäufer stellt und alles wegrationiert, was nur möglich ist. Fallada erzählt sehr anschaulich von den Intrigen und Ränkespielen im Betrieb und schafft es, die Stimmung in Berlin kurz nach der Weltwirtschaftskrise unaufdringlich und dennoch sehr eindrücklich zu vermitteln. Der Inhaber der Firma Mandel ist jüdisch. Deshalb bleibt die Politik - der in der Stadt langsam aufkeimende Nationalsozialismus, der sich gegen die Kommunisten wendet – im beruflichen Leben von Hans draußen. Hin und wieder äußern Kunden einen gewissen Unmut, bei einem Juden einzukaufen.


    Lämmchen ist anfangs noch sehr naiv und hat auch eine Tendenz zur Unzufriedenheit. Wiederholt stiftet sie ihren Hans an, sich zu wehren, was aber erhebliche Probleme verursacht. Dennoch ist es Lämmchen, die Hans immer wieder Mut macht und die an der Situation wächst. Je schlechter es um den „Kleinen Mann“ bestellt ist, desto mehr ergreift Lämmchen die Initiative und nimmt die Geschicke der kleinen Familie in die Hand.


    Die Zeit schont Pinneberg leider nicht. Schon bald steht er in den Reihen der Arbeitslosen und muss sich erneut nach einer billigeren Bleibe umsehen. Mit ihrem inzwischen geborenen Kind, dem Murkel, finden die junge Familie Unterschlupf in einer Laube. Während Pinneberg unter der Arbeitslosigkeit leidet wird Lämmchen immer stärker. Sie stützt ihn und schafft es, durch Näharbeiten ein paar Mark zur Arbeitslosenstütze hinzu zu verdienen. Sehr interessant fand ich immer wieder die Überlegungen von Hans und Emma, wie viel Geld sie wofür ausgeben. Die Relationen haben sich im Vergleich zu heute zwar verändert, aber das dauernde Rechnen ist mir bekannt vorgekommen.


    Wenn man die Beschreibungen von Hans und Emma am Ende des Buches vergleicht mit denjenigen zu Beginn, als sie die teure private Arztpraxis aufsuchen, wird der soziale Abstieg besonders deutlich, den sie in den etwa 2 Jahren, in denen der Roman spielt durchleben. Am Ende trägt Pinneberg einen zerschlissenen Mantel mit teerbeschmutzter Hose. Als er zuletzt den Schlips abnimmt, weil dieser nicht mehr zu seinem Äußeren passt, hat er kapituliert. Aber Emma und der kleine „Murkel“ brauchen ihn und somit geht das Leben weiter.


    Obwohl dieser Roman nicht gerade spannend ist und der Inhalt eigentlich auch überschaubar, habe ich ihn innerhalb weniger Tage durchgelesen. Ich habe mich sehr schnell an die Anfangs eher ungewohnte Sprache gewöhnt und konnte das sehr flüssig lesen. Fallada erwähnt nur wenige konkrete historische Ereignisse oder Personen und verschafft dem Leser praktisch im Vorbeigehen anhand eines Einzelschicksals sehr viel Einsicht in die Gefühlswelt und die Alltagsprobleme einfacher Menschen zu einer sehr schweren Zeit.



    Mein Fazit:


    Dieses Buch hat es geschafft, mich auch auf der Gefühlsebene anzusprechen, was gerade bei Liebesromanen relativ selten ist. Ich kann den Roman guten Gewissens sowohl Liebhabern historischer Literatur als auch Lesern von Liebesromanen empfehlen.


    Das ist bestimmt nicht mein letztes Buch von Fallada. Ich vergebe 5 :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
    Rabindranath Tagore (1861-1941)


    Lha gyal lo - Free Tibet!

    Wir sind grüüüüüün!!!!

  • Ein Buch erschienen 1932 bei seinem Verlags-Freund Ernst Rowohlt. Es wird die Geschichte eines jungen Paares in der Zeit zwischen 1930 und 1932 in der Weimarer Republik erzählt. Die Auswirkungen des Zusammenbruchs der Börse 1929 und deren Folgen für die einfache Bevölkerung nicht nur in den USA.
    Alles kommt einen irgendwie bekannt vor und das kleine Schicksal dieser Familie zeigt sehr schön, das sich eigentlich nichts wirklich verändert hat.
    Den Schreibstil finde ich sehr schön und die vielen kleinen witzigen Passagen nehmen dem Buch etwas die Traurigkeit die sich hinter dieser Geschichte verbirgt.

    Philip K. Dick - Und jenseits - das Wobb

    Sven Hedin - Transhimalaya Teil I

  • Kleiner Mann – was nun?: Roman. Erstmals in der Originalfassung

    Gebundene Ausgabe: 557 Seiten

    Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 4 (17. Juni 2016)


    Ich habe das Buch in der Originalfassung gelesen, die seit Sommer erstmals unzensiert und so ein Viertel dicker ist als bisher.
    Beim Lesen kann man sich schon die ein oder andere Stelle denken, die damals nicht gewollt war.
    Sein Nazi-Kollege bei seiner ersten Arbeitstelle, der vom Stellenabbau verschohnt bleibt, weil der Chef Angst hat, Schwierigkeiten zu bekommen. (Zensiert war sein Nazi Kollege ein "Torwart mit Schlägerneigung".)
    Auch im Verlauf des Buches geht es um differenzierte politische Ansichten der Figuren, die vorher wohl alle gestrichen waren.


    Ein weiterer großer Teil machten die Beschreibungen der Nachtclubszenen von Berlin aus. Pinnebergs Mutter und sein Stiefvater bewegen sich in dem subkulturellem Milieu. An einem Abend nimmt der Stiefvater Pinneberg und seine Frau mit in diverse Bars. Hier sieht man eindrucksvoll, wie man sich zu damaligen Zeiten, in einschlägigen Lokalen, amüsiert hat und wo die finaziellen Unterschiede lagen. Also von der einfachen Bar, mit spärlich bekleideten Mädchen bis hin zu Edelhuren, wie man wohl heute sagen würde. Dabei ist (aus heutiger Sicht betrachtet) die Sprache nie derb oder anstößig. Er beschreibt die Dinge sensibel und zurückhaltend, überlässt es dem Leser, seine Schlüsse zu ziehen.


    Am Ende des Buches wird auf 57 Seiten die Arbeit beschrieben, wie die Orginalfassung wieder hergestellt wurde, wie das Buch damals entstand, was zensiert wurde.
    Zitat: "Was für Lämmchen zutrifft, das gilt auch für Pinneberg. Es gibt zahlreiche Stellen, an denen im Orginalmanuskipt sein Denken und Fühlen, seine Vorstellung von der Ehe oder seine politischen und moralischen Auffassungen deutlich erkennbar werden. "
    Lämmchen ist unsenziert deutlich selbstbewusster, aber auch die Nebenfiguren erfahren im Orginalmanuskript eine klare Vertiefung.
    Ebenso wurden Stellen gestrichen, in denen Bezug genommen wurde auf Robinson Crusoe, Charlie Chaplin, Goethe, Wilhelm Busch und dem Prinzen von Wales.



    Meine Meinung:
    Ich fand das Buch großartig!
    Ich mochte die Sprache sehr. Ich fand den Werdegang von Pinneberg sehr eindrücklich beschrieben. Vom Angestellen, der Lämmchens Arztbesuch privat bezahlte, bis hin zum Arbeitslosem, der von einem Polizisten weggejagt wird, weil er so ärmlich aussieht. Ich konnte mich, so gut wie selten, in die Figuren hineinversetzen. Die Traurigkeit, die Sorge, aber auch Lämmchens unerschütterlicher Optimismus.
    Beeindruckt hat mich, wie sehr Pinneberg zu seiner Frau hält. Das wird besonders auch an der Stelle deutlich, als sie wegen der Geburt im Krankenhaus liegt. Er behandelt seine Frau als gleichberechtigte Partnerin. Das dies damals nicht üblich war, machen die anderen neu gewordenen Väter deutlich.
    Fallada thematisiert nicht nur die Nachtclubszene, auch Homosexualität spielt eine Rolle. Gedanken um Treue und Untreue, um menschliche Hemmungen und um Lust.
    Eine Geschichte mit viel Tiefe, differenzierten Themen und Personen.
    Absolut empfehlenswert. Von mir bekommt das Buch 5 Sterne und gehört zu den Top 10 in diesem Jahr. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • 1930: Pinneberg und Lämmchen sind noch nicht lange zusammen, als Lämmchen schwanger wird, es folgt die Hochzeit und das Zusammenziehen und eine ganze Reihe neuer Probleme, denn Pinnebergs Gehalt reicht kaum für zwei und seine Arbeitsstelle ist alles andere als sicher.


    Erstmals ist Falladas Roman nun so erschienen, wie der Autor ihn zunächst geschrieben hatte, in einem Nachwort erfährt man mehr darüber. Ich kenne die gekürzte Fassung nicht und finde die Ursprungsfassung gut wie sie ist, Längen oder Kürzenswertes habe ich nicht feststellen können.


    Fallada hatte ein gutes Auge für die Probleme der Zeit, lässt seine Protagonisten allerhand durchmachen, als junges Ehepaar bzw. junge Eltern, bei der Wohnungssuche, dem Auskommen mit den vorhandenen Geldmitteln, Angst vor Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von den Arbeitgebern, alles wirkt authentisch und manches fast aktuell. Auch das Figurenensemble überzeugt, Lämmchens Arbeiterfamilie mit entsprechender Gesinnung, Pinnebergs halbseidene Mutter und ihr zwielichtiger Lebensgefährte, die Kollegen und Vorgesetzten Pinnebergs …, hier trifft man auf viele damals anzutreffende Menschentypen.


    Fallada erzählt ausführlich, treffend und mit viel Humor, die Geschichte ist oft bedrückend, manchmal aber auch hoffnungsvoll, sie lässt sich wunderbar flüssig lesen und unterhält, trotz des deprimierenden Hintergrunds, gut. Der Roman ist ein Zeitzeugnis mit Zeitkolorit und viel Authentizität. '


    In einem Nachwort des Literaturwissenschaftlers Carsten Gansel, der an der Wiederentdeckung der Originalfassung beteiligt war, erfährt man einiges über das Leben des Autors und die Entstehung des Romans, ich habe es mit großem Interesse gelesen.


    Insgesamt kann ich den Roman (in seiner Originalfassung) uneingeschränkt empfehlen, er gehört zu den Werken, die man gelesen haben sollte. Für mich wird es nicht das letzte Werk Falladas gewesen sein.

  • Besonders bemerkenswert fand ich, wie leicht, luftig und humorvoll so ein recht deprimierendes Thema (der soziale Abstieg) behandelt wird. Außerdem spürt man immer die Sympathie Falladas für seine Hauptfiguren. Sehr schönes Buch.

    Mehr Stoff vom Stoff gibts auf www.stoffworks.com


    "Wenn wir einen Menschen hassen, so hassen wir in seinem Bilde etwas, was in uns selber sitzt.
    Was nicht in uns selber ist, das regt uns nicht auf."
    (Hermann Hesse: Demian)

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