Mats Strandberg - Das Heim / Hemmet

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Das Heim

4.1|12)

Verlag: FISCHER Tor

Bindung: Broschiert

Seitenzahl: 448

ISBN: 9783596703678

Termin: Oktober 2018

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  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
    Vor Joel Edlund liegt eine unangenehme Aufgabe. Seine 72-jährige Mutter Monika leidet seit einem Herzinfarkt unter Demenz und kann den Alltag nicht mehr allein bewältigen. Joel und sein Bruder Björn sind sich einig, dass es das Beste ist, die Mutter im Nebelfenn, dem örtlichen Pflegeheim für Demenzkranke, unterzubringen.
    Schon bald verschlechtert sich Monikas Zustand dramatisch: Sie magert ab. Wird ausfallend. Und spricht dunkle Geheimnisse aus, von denen sie eigentlich nichts ahnen kann. Joel erkennt seine Mutter kaum noch wieder – und in ihm wächst die Gewissheit, dass etwas Böses sich den Weg in unsere Welt bahnt …


    Autor (Quelle: Verlagsseite)
    Mats Strandberg ist der Co-Autor der weltweit erfolgreichen Engelsfors-Trilogie (»Zirkel«/»Feuer«/»Schlüssel«). Mit dem Horror-Thriller »Die Überfahrt« stand er sieben Wochen auf der SPIEGEL ONLINE Bestsellerliste.


    Allgemeines
    Titel der Originalausgabe: „Hemmet“, ins Deutsche übersetzt von Nina Hoyer
    Erschienen am 24.10.2018 bei Fischer Tor als broschiertes TB mit 448 Seiten
    Nicht nummerierte Kapitel mit Namen der handelnden Person oder des Ortes (Nebelfenn) überschrieben
    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven
    Handlungsort und -zeit: Nebelfenn, ein schwedisches Heim für Demenzkranke, ein Sommer in der Gegenwart


    Inhalt
    Joel Edlunds lang verwitwete Mutter Monika ist seit einem Herzinfarkt an Demenz erkrankt und kann nicht mehr allein in ihrem Haus wohnen. Da ihr älterer Sohn Björn mit seiner Arbeit und seiner Familie ausgelastet ist, obliegt es dem ledigen Joel, seine Mutter im „Nebelfenn“, einem Heim für demenzkranke Senioren, unterzubringen. Dort arbeitet Nina, eine Jugendfreundin von Joel; die Freundschaft ist allerdings 20 Jahre zuvor aufgrund von Joels Drogenproblemen zerbrochen. Nina hatte seinerzeit Joels Mutter Monika einiges zu verdanken, deshalb gibt sie sich Mühe, sich besonders liebevoll um die neue Heimbewohnerin zu kümmern.
    Doch mit Monika geht eine seltsame Veränderung vor sich: Sie leistet sich immer häufiger verbale Entgleisungen und konfrontiert andere Menschen mit unangenehmen Fakten aus deren Vergangenheit, von denen sie eigentlich nichts wissen kann. Sie hat auch immer wieder mysteriöse Krampfanfälle, für die die Ärzte keine Erklärung finden. Auch die anderen Heimbewohner spüren bald, dass etwas Böses unter ihnen weilt und es kommt zu Todesfällen…


    Beurteilung
    Der Roman „Das Heim“ schildert sehr anschaulich und eindringlich den bedrückenden Alltag in einem Pflegeheim für Demenzkranke und die Herausforderungen für das Personal. Der Autor stellt detailliert jeden Patienten – sie werden von der Heimleitung „Kunden“ genannt – der Station D vor und verleiht allen eine unverwechselbare Persönlichkeit. Auch Joel und Nina, die Protagonisten, sind in Bezug auf ihre Charaktere individuell ausgestaltet. Beide sind durch gewisse Erfahrungen in ihrer Vergangenheit belastet, durch die Ereignisse im Nebelfenn müssen sie – zunächst widerwillig – kooperieren und sich den Schatten der Vergangenheit stellen.
    Was als realistische Schilderung des Lebens in einem Pflegeheim beginnt, entwickelt sich durch die allmählich ansteigende Spannungskurve zu einem Horrorroman, wobei das Horrorelement zunächst sehr subtil ist und dem Leser ein leichtes Gruseln beschert. Zum Spannungshöhepunkt hin kommt es dann zu Ereignissen, die dem rationalen und im Horrorgenre unbewanderten Leser zu dick aufgetragen, bzw. vollkommen unerklärlich scheinen. Rationale Erklärungen, die man sich während der Lektüre zurechtlegt, werden durch das mit einem schockierenden Paukenschlag versehene Ende ad absurdum geführt.


    Fazit
    Ein in fesselndem Stil geschriebener Roman, der das Alltagsleben in einem Pflegeheim für Demenzkranke sehr eindrücklich und realitätsnah schildert, geschickt subtile Spannung aufbaut und mit seinem fulminanten Ende zumindest den im Horrorgenre unbewanderten Leser ein wenig ratlos zurücklässt!

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Hier kann man sich das Cover der Originalausgabe ansehen.

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • den im Horrorgenre unbewanderten Leser

    Ich dachte schon, ich hätte falsch gelesen, als ich Deinen Namen unter einer Rezension im Horror-Genre fand. :shock:


    Verstehe ich Dich richtig, dass die Horrorelemente nicht real erklärbar sind? Dann nämlich würde ich das Buch lieber nicht lesen. Ich bleibe nicht gern ratlos zurück, vor allem nicht, wenn ich mich grusle. (Aber Gruseln kennst Du ja nicht, oder hat es diesmal geklappt? :wink:)

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)


    :study: Sibylle Berg - GRM: Brainfuck

    :study: Joel Dicker - Das Verschwinden der Stephanie Mailer

    :musik:Elisabeth Herrmann - Die letzte Instanz


  • Verstehe ich Dich richtig, dass die Horrorelemente nicht real erklärbar sind?

    Die Erklärungen, die ich mir während der Lektüre zurechtgelegt hatte, können es - wenn man das Ende betrachtet - nicht so ganz treffen. Trotzdem habe ich das Buch gut lesen können, denn die Horror-Elemente sind nicht plump, sondern eher subtil. Vor allem finde ich die Beschreibung des Alltags in diesem Heim überaus eindringlich und gelungen, die Darstellung der Arbeit des Pflegepersonals, vor dem man gar nicht genug Respekt haben kann, fand ich am "gruseligsten".


    Vielleicht kann sich demnächst noch ein "geübter" Horror-Leser wie Kapo dazu äußern?

    "Books are ships which pass through the vast sea of time."
    (Francis Bacon)
    :study:
    Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

  • Vielleicht kann sich demnächst noch ein "geübter" Horror-Leser wie Kapo dazu äußern?

    Wird wohl noch etwas dauern. Aber mir ist "Das Heim" vor kurzem schon aufgefallen und Deine Rezi hat mich auch neugierig gemacht. "Die Überfahrt" subt bei mir leider auch noch. :pale:

    :study:Keiji Nakazawa - Barfuß durch Hiroshima

    :study: 2019 gelesen: 21 :study: SUB: 327

  • Klappentext


    Vor Joel Edlund liegt eine unangenehme Aufgabe. Seine 72-jährige Mutter Monika leidet seit einem Herzinfarkt unter Demenz und kann den Alltag nicht mehr allein bewältigen. Joel und sein Bruder Björn sind sich einig, dass es das Beste ist, die Mutter im Nebelfenn, dem örtlichen Pflegeheim für Demenzkranke, unterzubringen.

    Schon bald verschlechtert sich Monikas Zustand dramatisch: Sie magert ab. Wird ausfallend. Und spricht dunkle Geheimnisse aus, von denen sie eigentlich nichts ahnen kann. Joel erkennt seine Mutter kaum noch wieder – und in ihm wächst die Gewissheit, dass etwas Böses sich den Weg in unsere Welt bahnt …


    Meine Meinung


    Joel Edlund, 39, ist einer der Hauptprotagonisten und mit ihm beginnt auch die Geschichte. Er ist 39, gescheitert an seinen Hoffnungen und jetzt alleine dafür zuständig, seine an Demenz erkrankte Mutter in das naheliegende Heim "Nebelfenn" einweisen zu lassen. Das alles fällt ihm nicht leicht, seine Erinnerungen sind ihm immer dicht auf den Fersen und hier in dem Ort seiner Heimat fühlt er sich unwohl und an seinen jugendlichen Leichtsinn erinnert, der schwerwiegende Folgen hatte.


    Mit Nina verbindet ihn eine Entscheidung aus der Vergangenheit, die sein Leben völlig aus der Bahn geworfen hat - und dass sie in Nebelfenn arbeitet, macht ihm das ganze nicht leichter.


    Dass mit dem Einzug der Mutter aber auch das Böse durch die Flure des Heimes schleicht wird nur langsam klar. Der Autor hält sich am Anfang sehr bedeckt und steigert das Grauen erst nach und nach bis man erkennt, was tatsächlich dahintersteckt. Mehr im Mittelpunkt stehen erstmal die Charaktere, die wirklich interessante Züge an sich haben. Die Auflösung am Ende hat mich nicht wirklich umgehauen sondern hat sich schon angedeutet und überhaupt gibt es nicht viel an Überraschungen. Aber es ist trotzdem sehr fesselnd zu lesen, denn wie sich das alles so langsam entwickelt, einschleicht und verdichtet, war schon spannend zu verfolgen.


    Die Sichtweisen wechseln wie oben gesagt zwischen Joel und Nina, aber es gibt noch eine Perspektive von außerhalb über die Dinge in Nebelfenn. Dadurch hatte man einen wirklich guten Einblick in den Alltag, der im Heim stattfindet, über das Leben der Menschen mit Demenz oder Alzheimer, über die Pfleger und Pflegerinnen, aber auch die Angehörigen und wie sie damit umgehen. Ich hatte im privaten Umfeld auch mit so einer Krankheit zu tun und ich fand, dass der Autor hier ein sehr realistisches Bild gezeigt hat, von allen, die hier betroffen sind. Es sind natürlich nur kurze Einblicke, dafür aber sehr prägnant und einfühlsam - es ist wirklich schwierig, mit dieser Krankheit umzugehen und wahrlich nicht einfach; für alle, die beteiligt sind. Der Austausch ist hier für Betroffene immens wichtig und auch das leuchtet hier zwischen den Zeilen durch.

    Meist fällt es weder der Familie leicht, sich mit dieser Krankheit auseinander zu setzen und die Mutter oder den Vater ins Heim geben zu müssen, weil eine Pflege zuhause einfach nicht mehr möglich ist. Für die Kranken selbst ist es allerdings auch eine Qual, vor allem wenn sie immer wieder lichte Momente haben in denen sie ganz genau wissen, was mit ihnen los ist. Ich finde es sehr schwer zu beschreiben, habe aber viel in den Situationen, die Mats Strandberg hier zeigt, wiedergefunden.


    Auch Joel ist sichtlich überfordert, denn er bringt ja nicht mal sein eigenes Leben in den Griff und Hilfe von seinem Bruder kann er auch nicht erwarten. Alles liegt an ihm alleine, jede Entscheidung, jede Sorge und durch seine misslungene Lebensgeschichte fühlt er sich kaum bereit und hilflos in der ganzen Situation.

    Vor allem das merkwürdige Verhalten seiner Mutter bringt ihn an seine Grenzen und gerade das ist der Clou, denn das Böse hat hier natürlich leichtes Spiel. Bei dieser Art Krankheit kann man sich nie sicher sein, welche Reaktionen oder "Allüren" auftreten und so zweifelt Joel recht schnell an seinem eigenen Urteilsvermögen, ja an seinem Verstand.

    Sein schlechtes Verhältnis zu Nina versagt ihm hier auch ihre Unterstützung - denn sie kann ihre Vorurteile ihm gegenüber nicht ablegen. Ihre Arbeit als Krankenpflegerin wird in vielen Details gezeigt und auch die Kraft, die sie tagtäglich dafür aufbringen muss. Es ist absolut keine einfache Aufgabe und erfordert immens viel innere Stärke, Geduld und Mitgefühl.


    Die unterschwellige Spannung und vor allem die Entwicklung der beiden Hauptfiguren hat das ganze für mich interessant gemacht - und natürlich auch die Bewohner des Heims, die man immer besser kennenlernt und irgendwie auch ins Herz schließt. Das Grauen an sich war ein reizvolles Beiwerk, hätte meiner Meinung nach aber durchaus noch etwas wirkungsvoller sein können.


    Fazit: 4 Sterne


    © Aleshanee

    Weltenwanderer

  • Mir hat "Das Heim" ziemlich gut gefallen. Es war mein erstes Buch von Mats Strandberg, "Die Überfahrt" habe ich noch nicht gelesen. Hier wird ja mal wieder ein neuer Stephen King gehandelt und ich finde, dass die Geschichte sogar ein wenig an seine letzten Bücher, z.B. "Der Outsider" oder die Trilogie um Bill Hodges erinnert. Allerdings rein von der Handlung her, in Sachen Schreibstil geht das in eine ziemlich andere Richtung. Ein kleiner Schwachpunkt blieben leider die Charaktere, die waren etwas gesichtslos und blass. Vor allem an Joel war nicht wirklich etwas, das ihn besonders sympathisch erschienen ließ. Aber auch Nina war ziemlich 08/15. Die Geschichte selbst fand ich trotz des ruhigen Ablaufs der Handlung ziemlich spannend, der Aufbau der recht subtilen gruseligen Elemente war schlüssig und selbige wurden chronologisch gut aufgebaut. Auch der "normale" Alltag in einem solchen Heim wurde ziemlich realistisch anmutend dargestellt und hat mir wieder ins Gedächtnis gerufen, was die Angestellten hier leisten und dass eine solche Arbeit wohl nicht viele machen könnten und dies auch immer noch viel zu wenig gewürdigt wird.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    €nigma  Marie : Die Horrorelemente werden schlüssig erklärt, allerdings schon auf fantastische Art und Weise. Es ist keine dieser Geschichten, in der es dann eine weltliche Erklärung gibt.

    :study:Keiji Nakazawa - Barfuß durch Hiroshima

    :study: 2019 gelesen: 21 :study: SUB: 327

  • Das Heim von Mats Strandberg


    Mein Leseeindruck:

    Nachdem mir bereits „Die Überfahrt“ von Mats Strandberg sehr gut gefallen hat, war ich neugierig auf sein neuestes Werk. Das Cover sieht ja schon mal sehr vielversprechend aus. Die Geschichte fand ich toll geschrieben und war in großen Teilen ziemlich authentisch. Gerade die Darstellung des Alltags in einem Alten-/ bzw. Pflegeheim, des Pflegepersonals und der Patienten war sehr realistisch. Da möchte keiner im Alter landen müssen. Für mich war das das Gruseligste an der Geschichte. Die Bedrohung durch das „Böse“ spielt eigentlich eine nebensächliche Rolle. Der private Kram von Joel und Nina hätte man sich aber sparen können, das hat mich persönlich nicht wirklich interessiert und hat die Geschichte unnötig in die Länge gezogen. Auch Björn, Joels Bruder, fand ich überflüssig. Lieber hätte ich etwas mehr gruselige Szenen gehabt- das war mir etwas zu wenig.


    Fazit: Die Thematik hat mich nicht losgelassen und ich war auch nach Zuschlagen des Buches gedanklich damit beschäftigt. Das ist für mich das Zeichen für ein gutes Buch, daher vergebe ich trotz kleiner Schwächen :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: Sterne.

    :study:    Thomas W. Krüger - Im Banne des Imhotep


    2019: 31 Bücher/ 12.371 Seiten

    SUB: 22

                                       

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