Judith Lennox - An einem Tag im Winter / The Turning Point

An einem Tag im Winter

3.6 von 5 Sternen bei 20 Bewertungen

Verlag: Piper Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 576

ISBN: 9783492303910

Termin: November 2013

  • Inhalt (Quelle: amazon.de):
    Die junge Ellen stößt in ihrer ersten Stelle auf einen Chef, den ein dunkles Rätsel umgibt. Dann kreuzt India, die sie aus Kindertagen kennt, ihren Weg – und ausgerechnet sie gibt Ellen den Schlüssel zur Lösung an die Hand … Im Cambridgeshire der frühen 1950er-Jahre tritt die junge Chemikerin Ellen Kingsley ihre erste Stelle an. Nach dem dubiosen Tod eines Kollegen fällt ihr Verdacht auf ihren ebenso charismatischen wie undurchsichtigen Vorgesetzten Marcus Pharoah. Ellen wird prompt entlassen, der junge Detective John Riley in seinen Ermittlungen gestoppt. Ellen geht nach London und trifft ihre flatterhafte Schulkameradin India wieder. Beide Frauen suchen nach ihrem Platz im Leben – India verbringt Jahre in Neuengland, Ellen beginnt an der Uni Karriere zu machen. Doch es dauert, bis sie sich ihre Gefühle für John eingestehen kann. Und als ihre Freundin India ausgerechnet dem Werben Marcus Pharoahs nachgibt, werden endlich auch die Schatten gelüftet, die viel zu lange schon auf ihm und seiner Familie lasten.


    Handlung und Aufbau:
    Der Roman ist in drei Teile gegliedert:

    • Teil 1 berichtet von den Ereignissen in Gildersleve Hall im Jahr 1952
    • Teil 2 spielt in erster Linie im London der Jahre 1954-1956
    • Teil 3 trägt den Titel Vermont 1957-1959, spielt jedoch teilweise auch in London

    Die Erzählperspektiven wechseln zwischen der jungen Wissenschaftlerin Ellen Kingsley, ihrer ehemaligen Schulfreundin India Mayhew und dem Polizisten John Riley.


    Ellen ist eine ambitionierte junge Frau, die eine Karriere im Bereich der Kristallografie anstrebt. Als sie die Stelle in Gildersleve Hall - einer elitären kleinen Gruppe von Wissenschaftlern unterschiedlicher Professionen in Cambridgeshire - antritt, glaubt sie, das große Los gezogen zu haben. Ihrem Chef, Marcus Pharoah, eilt ein brillanter Ruf voraus und von seinen Avancen fühlt sie sich zunächst geschmeichelt. Doch der tragische Tod eines ihrer Kollegen auf Gildersleve Hall ändert ihre Einstellung zu Pharoah nachhaltig und kostet sie schließlich ihren Job...
    John Riley ermittelt im Fall des verstorbenen Wissenschaftlers und tritt so in Ellens Leben. Er fühlt sich vom ersten Augenblick an zu ihr hingezogen, ist jedoch verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Auf privater Ebene hat Riley einige Probleme zu bewältigen. Seine Ehefrau Pearl leidet an einer psychischen Krankheit, ihre ständigen Stimmungsschwankungen zerren an seinen Nerven. Doch die gemeinsame vierjährige Tochter Annie hält ihn davon ab, seine Frau zu verlassen...
    Indias Sicht ist von Rückblicken in ihre Kindheit geprägt, welche die enge Beziehung zu ihrem Bruder Sebastian erklären und auch ihre Verbindung zu Ellen aufdecken. Die Wege der beiden ungleichen Frauen kreuzen sich in London, nachdem Ellen ihren Job in Gildersleve Hall verloren hat. India ist eine fröhliche junge Frau, Anfang zwanzig, stets knapp bei Kasse, aber ein gern gesehener Gast auf jeder Party. Ellen gegenüber ist sie regelrecht anhänglich, was diese teilweise als lästig empfindet. Der notorische Geldmangel und Kontakt zu falschen Freunden bringen India in Schwierigkeiten und treiben sie im Verlauf der Geschichte in die Arme von Marcus Pharoah - so schließt sich der Kreis.


    Meine Meinung:
    Dies war das zweite Buch, das ich von der Autorin gelesen habe und ich muss ehrlich sagen, ich hatte etwas mehr erwartet.
    Die Beschreibung und Entwicklung der einzelnen Charaktere empfand ich als eine der Stärken dieser Erzählung. Die drei Protagonisten haben alle ihre Geschichte, ihre Ecken und Kanten und wirken in ihrem Handeln (meist) authentisch. Meine besondere Sympathie galt dem jungen Detective Riley: die Aufopferungsbereitschaft für seine Tochter Annie und die beinahe selbstzerstörerische Freundschaft, die er jahrelang zu Ellen unterhält, rangen mir Respekt ab.
    Zu Beginn ist die Story auch recht aufregend, der unerwartete Todesfall und seine mysteriösen Umstände lassen einige Spekulationen zu. Doch dann flacht der Spannungsbogen ab und die Geschichte dümpelt eine Zeitlang nur dahin. Amouröse Verstrickungen führen Ellen auf Umwege, die Begegnung mit India ist eher flüchtig und man fragt sich als Leser doch, welchen Sinn die Einführung ihrer Person für den Fortgang der eigentlichen Story hat. Die Auflösung lässt recht lange auf sich warten und macht die längeren Durststrecken leider nur unzureichend wett.
    Einige Erzählstränge wurden aus meiner Sicht etwas stiefmütterlich behandelt und hätten durchaus ein wenig mehr Spannung in die Sache bringen können, wären sie konsequenter zu Ende gedacht worden. Insgesamt hatte ich am Ende den Eindruck, man hätte mehr aus diesem Stoff machen können. Gegen Ende wird dann alles möglichst rasch und umfassend - wenn auch nicht gänzlich überraschend - aufgeklärt, wobei mir der ein oder andere Zufall zu viel dabei war.


    Mein Fazit:
    Ein eher mäßig spannender Roman aus dem England der Nachkriegszeit mit guten erzählerischen Ansätzen, die meines Erachtens sowohl tiefgründiger als auch kompakter hätten umgesetzt werden können. Ein typischer Fall von "kann man lesen, muss man aber nicht"... :wink: Dennoch vergebe ich gut gemeinte :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: . Ich denke, Judith Lennox kann es prinzipiell besser!
    PS: Ich habe das Buch im englischen Original "The Turning Point" gelesen (siehe unten).