Monika Helfer - Wenn der Bräutigam kommt

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  • Klappentext:
    Er war damals der vielversprechendste Liebhaber ihrer Mutter gewesen, und sie waren beide von Anfang an fasziniert von ihm, wie er da am ersten Tag so linkisch in ihrer Küche gestanden hatte.Besonders Brunas Mutter, die eigentlich nur achtzigprozentigem Strohrum die Treue hielt, war diesem undurchschaubaren Vasko offenbar für immer verfallen. Heute, fünfzehn Jahre später, bot die unerwartete Todesanzeige des einzigartigen Vasko Honca, von dem sie seither nie mehr etwas gehört hatten, eine gute Gelegenheit, seine Geschichte noch einmal zu erzählen und sich zu erinnern, welche Rolle er damals für die beiden Frauen eigentlich gespielt hatte.

    Zur Autorin:
    Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt als Schriftstellerin mit ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht, darunter: Kleine Fürstin (1995), Wenn der Bräutigam kommt (1998), Bestien im Frühling (Deuticke, 1999), Mein Mörder (1999) und zuletzt bei Deuticke Bevor ich schlafen kann (2010), Oskar und Lilli (2011) und Die Bar im Freien (2012). Im Hanser Kinderbuch veröffentlichte sie gemeinsam mit Ehemann Michael Köhlmeier 2010 Rosie und der Urgroßvater. Für ihre Arbeiten wurde sie unter anderem mit dem Robert-Musil-Stipendium (1996) und dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur (1997) ausgezeichnet. (von der Deuticke-Verlagsseite kopiert, das vorliegende Buch ist bei Piper erschienen)


    Allgemeine Informationen:
    Erstmals erschienen 1998
    Zwei Teile, „An Judy“ und „An Sonja“
    Aus der Ich-Perspektive von Bruna erzählt im Gespräch mit Judy, bzw. Sonja
    125 Seiten


    Persönliche Meinung:
    Bruna lebt mit ihrer Mutter allein, ihren Vater hat sie nie kennengelernt. Die Mutter, trinkfreudig und haltlos, lernt ständig neue Männer kennen, die sie in ihrer Wohnung aufnimmt, und von denen sie sich immer wieder die Große Liebe erhofft. Das Ganze endet meist in Tränen, Verzweiflung und Alkohol.
    Mutter- und Tochterrolle scheinen vertauscht, denn von den beiden ist Bruna die vernünftigere und verständigere und diejenige, die die Verantwortung übernimmt.
    Das ändert sich, als die Mutter Vasko Honca nach Hause bringt, kein attraktiver oder erfolgreicher Mann; dennoch ist auch Bruna hingerissen und lässt sich auf ein Verhältnis ein.
    Das Ende vom Lied: Mutter und Tochter bekommen je eine Tochter vom selben Mann. Womit die beiden Mädchen Judy und Sonja gleichzeitig Halb-Schwestern und Tante und Nichte sind.
    Erst als Bruna Jahre später Vaskos Todesanzeige in der Zeitung liest, erzählt sie zuerst ihrer Tochter Judy, später ihrer Halbschwester Sonja die Wahrheit.
    Sie erzählt dieselbe Geschichte zweimal, jedoch mit unterschiedlichen Akzenten und unterschiedlicher Betonung, sodass der eine Teil zum ergänzenden des anderen wird.


    Eigentlich hätte Vasko Brunas Vater werden sollen – stattdessen wird er Vater ihrer Schwester und ihrer Tochter.
    Ob die betrunkenen Anfälle der Mutter, die Entjungferung in einem Pensionszimmer, die Zwistigkeiten mit der heranwachsenden Judy – Bruna berichtet ohne Pathos, ohne Anklage, ohne verstörende Sentimentalität wie mit einem schulterzuckenden „Das-war-halt-so“. Die Wiederholung der Vaterlosigkeit in der nächsten Generation lässt die Autorin Bruna auf tragikkomische Weise erzählen.
    Verschwiegen wird die Zeit der parallelen Schwangerschaften, denn bis dahin wusste die Mutter nichts vom Verhältnis Tochter / Liebhaber.
    Es zählt nur das Ergebnis: Mutter und Tochter mit ihren Schwester-Töchtern verbindet keine innige, aber eine durchaus tragfähige Beziehung.


    Ein kleiner lesenswerter Roman um eine merkwürdige Familien- und Verwandtschaftskonstellation.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



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