Karin Fossum - Eine undankbare Frau

  • Klappentext:
    Johnny Beskow liebt es, Unfug zu treiben. Täglich bringt er seine Mutter auf die Palme oder verschreckt heimlich die Nachbarn, indem er falsche Todesanzeigen in die Zeitung setzt oder Tierblut über schlafende Babys schüttet. Bald treibt der misanthropische Junge es so weit, dass der alternde Kommissar Sejer sich des Falles annimmt.
    Noch während der laufenden Ermittlungen überschlagen sich die Ereignisse, und Johnny Beskow begeht einen fatalen Fehler.
    (von der Verlagsseite kopiert)


    Zur Autorin:
    Karin Fossum, geboren 1954 in Sandefjord/ Norwegen, lebt in Sylling bei Oslo. Ihre international erfolgreichen Romane um Kommissar Konrad Sejer sind vielfach preisge- krönt und wurden fürs Kino und Fernsehen verfilmt. (von der Verlagsseite kopiert)


    Allgemeine Informationen:
    Originaltitel: Varsleren
    10. Band der Konrad-Sejer-Reihe
    Erstmals erschienen 2009 bei Cappelen Damm, Oslo
    Aus dem Norwegischen übersetzt von Gabriele Haefs
    Aus wechselnden personalen Perspektiven erzählt
    304 Seiten


    Inhalt:
    Johnny wächst allein bei seiner Mutter, einer alkoholabhängigen, chaotischen Frau auf. Wer sein Vater war, verschweigt sie ihm. Der einzige, zu dem Johnny Vertrauen hat, ist sein Großvater Henry, um den er sich liebevoll kümmert.
    Damit man ihn beachtet, verübt Johnny Streiche, stets haarscharf am Rand einer Straftat. Dass diese Streiche für die Leute, denen er sie spielt, harte Konsequenzen haben – eine Familie zerbricht an den Folgen – würde ihn auch dann nicht interessieren, wenn er davon wüsste. Aber inzwischen interessiert sich die Polizei für ihn, und Konrad Sejer übernimmt den Fall. Doch jetzt übertreibt Johnny, und er schadet damit am meisten sich selbst, und die Dinge laufen aus dem Ruder.


    Eigene Meinung / Bewertung:
    Krimi? Das weiß man bei einigen Romanen von Fossum nicht genau. Bei diesem Band auch nicht. Zunächst weist nichts auf einen Krimi hin. Als Leser verfolgt man die meisten von Johnnys Untaten mit einem lachenden und einem weinenden Auge, obwohl schon die erste Tat die typische Fossum-Beklemmung beim Leser auslöst. Man versteht, warum es Johnny reizt, andere Menschen aufs Korn zu nehmen, und er entwickelt eine beachtliche Phantasie. Neben dem Mitleid mit dem verwahrlosten Jungen entsteht aber gleichzeitig Ärger bei der Vorstellung, wie sich die Leute fühlen, denen so übel mitgespielt wird.


    Seine Spannung bezieht das Buch nicht aus Tätersuche oder –jagd, sondern aus den Einzelepisoden und den Gedanken: Was hat er jetzt wieder vor? Und was gelingt ihm als nächstes?


    Konrad Sejer hält sich wie gewohnt im Hintergrund, knüpft Verbindungen und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Erst durch ein Versehen wird das Buch, das bisher die Geschichte eines unglücklichen Jungen und seiner Streiche erzählt, zum Krimi, und erst das letzte, das grausamste Ereignis, ruft Sejer auf den Plan und bringt ihn zum Handeln. Und wühlt den Leser schrecklich auf.


    Fazit:
    Ein Roman mit Krimielementen und einem schauerlichen letzten Drittel.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)