Zsuzsa Bánk - Die hellen Tage

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Die hellen Tage

3.6|23)

Verlag: FISCHER Taschenbuch

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 544

ISBN: 9783596184378

Termin: Juni 2012

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  • Klappentext:
    In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt.
    Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist.
    Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben.
    Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.


    Zur Autorin:
    Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman »Der Schwimmer« wurde sie mit dem aspekte-Literaturpreis, dem Deutschen Bücherpreis, dem Jürgen-Ponto-Preis, dem Mara-Cassens-Preis sowie dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ausgezeichnet. Für die Erzählung 'Unter Hunden' erhielt sie den Bettina-von Arnim-Preis. (Vom Buchumschlag)


    Allgemeines:
    541 Seiten in 23 betitelten Kapiteln, jedes davon in unzählige Abschnitte unterteilt


    Inhalt:
    In einer Kleinstadt nahe Heidelberg, dem fiktiven Kirchblüt, leben Aja und ihre Mutter Évi abseits des Ortes in einem Barackenhaus inmitten eines verwilderten Gartens. Als aus Ungarn geflüchtete Zirkusleute scheinen sie nirgends zuhause. Ich-Erzählerin Seri, fasziniert von der ungewöhnlichen Lebensart, schließt mit Aja Freundschaft. Später stößt Karl dazu, auch ein Zugezogener, und die Kinder bilden ein verschworenes Dreieck, zumal sich ihre Mütter anfreunden und Évi neue Zufunftsperspektiven eröffnen.
    Das Dreieck ist so stark, dass alle in eine gemeinsame Wohnung nach Rom ziehen, um dort zu studieren und zu arbeiten. Bis Geheimnisse aufgedeckt werden, die ihre Existenz erschüttern.


    Eigene Meinung:
    Die Kinder scheinen immerwährende Ferien zu haben, die sie in Évis Garten, dessen Umgebung und - selten - in den Häusern der anderen verbringen. Die Schule spielt ebenso wenig eine Rolle wie Personen außerhalb der Familien. Der Zauber der Kindheit legt sich wie ein schützender Kokon über ihr gemeinsames Leben, und auch wenn jedes der Kinder sein persönliches Schicksal zu tragen hat (Verlust des Vaters, bzw. des Bruders), so ist die Geborgenheit stärker und bewahrt vor schlechten Erfahrungen. Geschehnisse, die die Mütter aus ihrer Vergangenheit erzählen, klingen wie Märchen, und die Kinder erleben deren Fortsetzungen. Garten und Wald, Felder und Straßen der kleinen Stadt sind Spielplatz, Heimat, Zauberreich. Als Leser taucht man ein in den magischen Kosmos und badet in umfassender Zuneigung der Figuren. Diese Stärke des Buches ist gleichzeitig sein größte Schwäche: Der Handlungsradius ist begrenzt, und die Autorin führt keine Figuren ein, die neue Impulse von außen bringen könnten.
    An dem, was die Kindheit bestimmte, ändert sich in Rom nichts. Auch wenn von real existierenden Kirchen, Straßen, Statuen, Gemälden die Rede ist, funktionieren sie wie Schutzgötter. Ein individuelles Leben führt, von wenigen Ausnahmen abgesehen, keiner der drei, und was einen berührt, bewegt alle. Zuviel "Wir" verhindert die Entwicklung des "Ich" - so sind Aja und Seri nur aufgrund ihrer Familiengeschichte, aber nicht als Persönlichkeiten voneinander zu unterscheiden.
    Die gesamte Geschichte wird in gleichbleibend gemächlichem Tempo erzählt und zusätzlich verlangsamt durch ständige Wiederholungen vergangener Handlungen oder längst bekannte Attribut-Halbsätze. Z.B. wird jedesmal, wenn ein bestimmter See erwähnt wird, darauf hingewiesen, dass Aja einmal hineingefallen und von Seris Mutter, die dazu ihre Kleider auszog, gerettet wurde. Oder die ständige Wiederholung des Rituals, mit dem Aja und Évi den Vater nach dessen jährlichem Besuch an der Bushaltestelle verabschieden, so oft von der Haltestelle die Rede ist.


    Fazit:
    Ein zauberhaftes Buch für alle, die magisch-realistische Kindheitsgeschichten mögen, dem allerdings eine Raffung gut getan hätte.

    Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)


    Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)


    :study: S.K. Tremayne - Stiefkind

    :musik:Zoe Ferraris - Die letzte Sure

  • Die ersten Kapiteln, in denen mit verklärtem Blick von der Kindheit erzählt wird, fand ich zauberhaft und fantastisch. Diese Seiten stillten so richtig die Sehnsucht nach unbeschwerten heißen Sommertagen, in denen Zeit und Raum keine Rolle spielen, keine Pflichten und keine Widrigkeiten den Tag trüben. Wie man vielleicht auch die eigene Kindheit beschönigend sieht. Wunderbar wird diese Freundschaft der drei beschrieben und noch viel interessanter und gelungener fand ich die Beschreibung der Charaktere der Mütter und deren Entwicklung.


    Doch mit fortschreitendem Alter der drei, spätestens mit der Zeit in Rom, legte sich meine Begeisterung. Diese ständigen Wiederholungen und Hinweise auf Vergangenes geben dem Buch einen für mich schwer erträglichen melodramatischen Touch und dass die Schriftstellerin zudem offensichtlich von John Irving abgekupfert hat ("bleib fern von offenen Fenstern" war in "Hotel Newhampshire" sozusagen ein Leitmotiv) war igendwie noch das I-Tüpfelchen.


    Das Buch hat sehr vielversprechend begonnen, ich habe es bis zur Hälfte sehr gerne gelesen, die zweite Hälfte war aufgrund der ständigen Wiederholungen und der für mich ausufernden Beschreibungen und Handlungsstränge weniger lesenswert. Daher gibts insgesamt von mir
    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

  • Da bin ich ja mal gespannt, wie es mir gefallen wird. Von Wiederholungen und Längen habe ich anderweitig auch schon gelesen.
    Zum Glück hat die hiesige Bücherei sich das Buch zugelegt; so kann ich es mir ausleihen und abbrechen, ohne bedauern zu müssen, viel Geld ausgegeben zu haben.


    Liebe Grüße

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Auch ich hatte mir das Buch ausgeliehen, bei Büchern deren Bewertung so unterschiedlich ist, gehe ich inzwischen auf Nummer sicher.
    Gleich vorweg, mir hat das Buch gut gefallen. Allerdings musste ich mich erst einlesen. Der betulich-friedliche Erzählstil ohne wörtliche Rede war für mich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Aber nach 50 Seiten war ich davon doch sehr angetan. Mir haben auch die langen Sätze gut gefallen, in denen die Autorin die Wörter wie auf einer Perlenschnur auffädelte und die trotzdem gut zu lesen und sehr verständlich waren. Wenn Zsuzsa Bánk die Landschaft beschrieb, fand ich das poetisch schön. Die von euch angesprochenen Wiederholungen haben mich – zu meinem eigenen Erstaunen – nicht gestört. Und als ich zum X. mal las, dass Seris Mutter Aja aus dem See gefischt hat, gehörte es für mich unweigerlich dazu, wie eine Erinnerung, die einen selbst immer wieder überkommt. Als Aja, Seri und Karl dann in Rom waren, erging es mir ein wenig wie Rosalita. Von dem Charme, die der Roman im Sorglosland der Kindheit hatte, ging einiges verloren. Auch das Lüften der Geheimnisse, die ja unterschwellig zu spüren waren, konnte daran nichts ändern. Die Reminiszenz an das „Hotel New Hampshire“ fand ich ganz witzig. Allerdings blieb mir der Sinn dessen verschlossen.
    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Das in der Ich-Form geschriebene Buch handelt von der Freundschaft von Seri (ich) zu Aja und später auch Karl. Lange Zeit erfährt man nur etwas über Aja und und ihre Mutter Evi und Zigi, dem Vater, der immer nur für wenige Wochen da ist. Mit einigen Zeitsprüngen wird die Kindheit von Aja beschrieben, die aus einer Artisten-Familie stammt. Der Schreibstil ist wundervoll und einfach toll zu lesen und man wird in wunderbare Kindheit entführt... Man sieht Aja und ihre Mutter vor sich, leidet und freut sich mit ihnen - sehnt sich danach bei ihnen im Garten zu sitzen...
    Allerdings wiederholt die Autorin immer wieder Geschehnisse/Beschreibungen, das ich sehr störend empfand und gerade die lange Kindheitsbeschreibungen teilweise etwas langatmig werden lassen. Weniger wäre hier eindeutig mehr gewesen! Auch erfährt man sehr lange nichts über Seri, die einfach nur Beobachter des ganzen ist - erst sehr viel später nimmt auch sie Gestalt an und tiefe, allerdings bekommt sie nicht die Tiefe der anderen. Sie bleibt etwas blasser und oberflächlicher. Nach etwa der Hälfte des Buches nimmt die Geschichte Fahrt auf, Erwachsen werden, Verrat, kleinen und grossen Lügen belasten die Freundschaft, die aber trotz allem übersteht und hält!
    Parallel dazu finden die 3 Mütter zueinander, die genau wie die Kinder von Schicksalen stark belastet sind.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: Alan Bennett - Die souveräne Leserin
    :musik: Oscar Wilde - Das Bildnis des Dorian Gray


    2011: 24 Hörbücher, 40 Bücher (23275 Min, 16174 Seiten)


  • Das, was der ungarische Schriftsteller Peter Nadas in einer Rezension über den Debütroman von Zsuzsa Bank sagte, der 2002 unter dem Titel "Der Schwimmer" erschien und unzählige Auflagen erlebte, gilt auch für ihren neuen Roman, auf den wir lange warten mussten: „Ein Buch, das uns das Herz zerreißt.“


    "Die hellen Tage" ist ein Entwicklungsroman, der die Lebensgeschichte von drei Kindern auf dem Weg von der Kindheit ins Erwachsenenleben begleitet. Doch es geht nicht nur um die Erzählerin Seri, die Artistentochter Aja und den stillen Karl, sondern es geht auch um deren Eltern, hauptsächlich die Mütter, die, allesamt vom Schicksal schwer getroffen, es irgendwann so machen wie ihre Kinder: sie freunden sich an und stehen sich einander bei.


    Dennoch sind es helle Tage, die die drei Kinder in der süddeutschen Kleinstadt Kirchblüt in der Nähe des Neckars und nur unweit entfernt von der romantischen Stadt Heidelberg verbringen. Seri, deren Vater schon kurz nach ihrer Geburt gestorben ist, und deren Mutter Maria über ein Vierteljahrhundert sein Andenken in einem Koffer bewahrt, bevor sie sich eine schmerzhaften Wahrheit stellen kann. Aja, die zusammen mit ihrer analphabetischen Mutter Evi nach langer Wanderschaft mit einem Zirkus in Kirchblüt sesshaft geworden ist, und nur im Herbst Besuch bekommt von Zigi, dem Vater ihrer Tochter. Und Karl, in dessen Familie vor Jahren ein großes Unglück geschah, als sein kleiner Bruder Ben in ein fremdes Auto einstieg und seither nie mehr wiederkam. Karls Vater verstummt, die Ehe von Karls Eltern verkümmert.


    Doch trotz dieses großen und vielfältigen Leids, verbringen die Kinder helle Tage der Kindheit und Jugend. Ihre Freundschaft ist etwas ganz besonderes, und es ist wunderbar zu lesen, wie sie sich entwickelt und wie vor allen Dingen ihre Mütter sich einander nähern und langsam eine Freundschaft aufbauen. Seris Mutter lehrt Evi das Schreiben und auch Ellen fühlt sich in ihrem Leid getröstet. Es sind letztlich, jede auf ihre Weise, diese drei Mütter, starke Frauen allesamt, die ihre Kinder lehren, dass sie keine Angst haben müssen vor dem Leben und vor dem, was es für sie bereithält.


    Als die mittlerweile erwachsen gewordenen Kinder zusammen nach Rom gehen, kommt es zu einer schweren Krise in ihrem Verhältnis. Doch auch hier zeigt sich, dass ihre Freundschaft stärker ist als alles andere.


    Über ein Vierteljahrhundert erstreckt sich die Handlung dieses Romans, den man regelrecht einatmet, soviel Lebensodem und Kraft strahlt er aus. Die Geschichte einer Freundschaft, die Geschichte von der Kraft und der Tiefe einer Lebensfreude, die sich auch durch alles Leid nicht beirren lässt, sondern die es umwebt und durch gegenseitige Hilfe, Liebe und Unterstützung schlussendlich bewältigt.


    Ein Buch, das zu Herzen geht, ein Roman, der so viel positive Lebenseinstellung verbreitet, dass er noch lange im Leser nachklingt. Ein zutiefst menschliches Buch, das die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle durchschreitet, das handelt von Freundschaft und Liebe, aber auch von Verrat und Lüge.


    Ein großer Roman voller Poesie und Lebenskraft.

  • Autorin:
    Zsuzsa Bank wurde 1965 geboren und arbeitete als Buchhändlerin, bevor sie zuerst in Mainz, dann in Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur studierte. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Frankfurt am Main. Für ihren ersten Roman "Der Schwimmer" wurde sie mit den aspekte-Literaturpreis und dem Deutschen Bücherpreis ausgeteichnet. Ein weiterer Roman, ebenfalls Träger mehrer Preise, folgte kurz darauf, sowie der Erzählungsband "Heißester Sommer". Dafür erhielt die Autorin den Bettina-v on-Arnim-Preis.


    Handlung:
    In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt. Aber schon die scheinbar heile Welt ihrer Kindheit in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat einen unsichtbaren Sprung: Seris Vater starb kurz nach ihrer Geburt, und Ajas Vater, der als Trapezkünstler in einem Zirkus arbeitet, kommt nur einmal im Jahr zu Besuch. Karl, der gemeinsame Freund der Mädchen, hat seinen jüngeren Bruder verloren, der an einem hellblauen Frühlingstag in ein fremdes Auto gestiegen und nie wieder gekommen ist. Es sind die Mütter, die Karl und die Mädchen durch die Strömungen und Untiefen ihrer Kindheit lotsen und die ihnen beibringen, keine Angst vor dem Leben haben zu müssen und sich in seine Mitte zu begeben. Zsuzsa Bánk erzählt die Geschichte dreier Familien und begleitet ihre jungen Helden durch ein halbes Leben: Als Seri, Karl und Aja zum Studium nach Rom gehen, wird die Stadt zum Wendepunkt ihrer Biographien – und zur Zerreißprobe für eine Freundschaft zwischen Liebe und Verrat, Schuld und Vergebung.
    (Quelle: Amazon.de)


    Rezension:
    Dass man mit Bestsellern auch einmal, es kommt selten genug vor, daneben liegen kann, musste ich mit "Die hellen Tage" erfahren, doch da man ja zuerst das Positive hervorheben soll, fange auch ich damit an. Die Autorin v erwendet einen wahrhaft poetischen und eindrücklichen Schreibstil, wie man ihn nur in wenigen Werken heutzutage findet. Schachtelsätze als Stilmittel, intensive Beschreibungen von Landschaften und Umgebung und dann das sich Verlieren ins Detail tun ihr Übriges, was dieses Buch sicherlich besonders macht. Auch bei der Aufmachung hat man sich Mühe gegeben und mit der Aquarellzeichnung ein interessantes Cover geschaffen, welches die drei Hauptpersonen als Kinder auf einen Weg neben einen Kirschbaum zeigt und damit zugleich Hinweis ist, auf den Ort, in dem sich die Geschichte großteils abspielt. Kirschblüt. Es zeigt aber auch das Dreieck dieser nie ganz auseinandergehenden Freundschaft der Kinder namens Serie, Aja und Karl und deutet zugleich an, dass alle drei ihr Schicksal zu tragen haben. Sie sind v on dem Betrachter aus, nur mit den Rücken zu sehen. Das war aber auch alles an Positiven, leider, was ich irgendwie zusammenkratzen konnte.


    Mittlerweile bin ich auf Seite 356 und damit habe ich schon über die Hälfte eines Buches durchgelesen, von dem ich mir jetzt wünsche, nie dazu gegriffen zu haben. Denn das Buch ist sowohl langwierig geschrieben als auch ständig wiederholend und immer nur, sind es einzelne, ganz wenige Abschnitte, manchmal nur Zeilen, die es wert sind, gelesen zu werden, denn wer das erste Drittel "Die hellen Tage" gelesen hat, kennt auch den Rest, von dem ich nicht weiß, weshalb die Autorin wochenlang damit Bestseller-Listen belegen konnte bzw. immer noch tut. Warum ich das Buch dann nicht weglege, ist ganz einfach erklärt. Ich lese aus Prinzip immer die ersten hundert Seiten eines Buches, so viel Chance bekommt jeder Autor und jede Geschichte bei mir und entscheide meist danach, ob es wirklich wert ist, meine Zeitdamit zu verbringen. Die Antwort lautet dann auch "Ja.", denn sonst wären ja auch die ersten 100 Seiten sinnlos gewesen, also wird das komplette Buch gelesen und am Ende bin ich meist auch glücklich darüber. Nicht so hier. Dieses Buch ist seine 9,99 Euro einfach nicht wert, die Geschichte, fast bis zur Unerträglichkeit, kitschig und neben Schlaftabletten die beste Medizin, sollte man nicht einschlafen können. Spätestens nach 10 Seiten und damit einhergehenden mindestens 3 Wiederholungen in Beschreibungen von Platanen, Wegen und Situationen klappt man automatisch das Buch zu und hat für eine ganze Weile die Motivation verloren, die Geschichte weiterzulesen, was ich nur deshalb mache, weil ich kein ungelesenes Buch in meinen Regalen stehen haben will. Auch Quatsch, an sich, aber ich bin nun mal so.


    Es tut mir leid, für alle Liebhaber des Buches "Die hellen Tage", aber ich kann miit diesen Buch überhaupt nichts anfangen und es wird wahrscheinlich auf ewig in meine Regal stehen und nur dieses eine Mal komplett gelesen werden. Dazu hinterlässt das Buch zu viel ermüdeten depressiven und kitschigen Mehltau, gegen denen Rosamunde Pilcher-Filme geradezu erfrischend wirken. Eine Punktwertung von einen Punkt für das Cover und einen für den Schreibstil und die Geschichte zusammen. Mehr als das, lässt dieses Buch nicht zu.


    Schade.


    :bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Die Hellen Tage von Zsuzsa Bank


    Es ist eine zauberhafte Geschichte, die Zsusa Bank da geschrieben hat. Eine Geschichte über Heimat, Freundschaft, Erwachsenwerden, Familie und Abschied.


    Im Mittelpunkt stehen Seri, die dem Leser die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt, ihre beste Freundin Aja und Karl. Die drei Kinder wachsen zusammen in dem kleinen Ort „Kirchblüt“ auf, doch obwohl sie eine schöne Kindheit erleben, ist diese nicht immer leicht. Seris Vater stirbt, als sie sehr klein ist, und sie kann sich kaum an ihn erinnern. Ajas Vater Zigi arbeitet im Zirkus, ist dauernd unterwegs und sieht seine Tochter nur für wenige Wochen im Jahr. Karls Bruder wurde entführt und bleibt vermisst, woran vor allem sein Vater zerbricht. So sind es hauptsächlich die Mütter, die das Leben der Kinder prägen, wenn auch jede auf sehr unterschiedliche Art und Weise.
    Als die drei größer werden, versuchen sie aus der deutschen Provinz auszubrechen und ziehen nach Rom. Doch egal wohin ihr Weg sie führt, Kirchblüt bleibt für die Drei stets als Heimat in ihnen verankert und ist wie ein sicherer Hafen, den sie ansteuern können, wenn ihr Leben turbulent wird...


    Trotz der Hürden, die sich den drei Hauptcharakteren in den Weg stellen, trotz der Traurigkeit, die unterschwellig immer präsent bleibt, so trotzt das Buch der Schwermut und wirkt dennoch trunken vor Glück. Die beschriebenen Orte wirken beinahe magisch, sie schweben genauso wie das schiefe Häuschen von Ajas Mutter zu schweben scheint. Die Sprache ist blumig, sie hat mich an die Geschichte gefesselt, sodass ich eigentlich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen.
    Ab und zu nähert sich das Buch zwar gefährlich nahe dem Kitsch, doch gelingt es ihm, gerade so daran vorbei zu schrammen.
    Es ist vielleicht ungewöhnlich, dass keine wörtliche Rede verwendet wird, doch der Erzählfluss plätschert so ungestört und leicht vor sich, dass mir das Fehlen der direkten Rede zuerst gar nicht aufgefallen ist. Und letztlich habe ich sie überhaupt nicht vermisst.
    Das Buch entführt in eine eigentümliche Welt, in die man gerne eintaucht und die Charaktere sind so faszinierend gezeichnet, dass man sie am liebsten über das Ende der Geschichte hinaus durch ihr Leben begleiten möchte.


    Ein tolles Buch zum Träumen und mit ganz viel Gefühl, wie ich finde!

    http://www.fischerverlage.de/b…hellen_tage/9783100052223

  • Ich bin sicher, wenn man unbedingt will und es mit aller Gewalt probiert, kann man in jedem Buch etwas Schlechtes finden, kann man über jedes Buch etwas Negatives schreiben. Und ja, die ewigen Wiederholungen könnten einen Angriffspunkt darstellen. Ich allerdings habe sie eher wie @Karthause empfunden: Dadurch, dass verschiedene Ereignisse und Eindrücke immer wieder erwähnt wurden, war es für mich, als hätte ich sie selbst erlebt, als wären es meine eigenen Erinnerungen.


    Die zwischendurch unglaublich zickige Art von Aja könnte einen Angriffspunkt darstellen und doch hatte ich immer irgendwie Verständnis für sie. Sie ist halt wie sie ist.


    Vieles ist nicht wirklich realistisch und nachvollziehbar und könnte daher einen Angriffspunkt darstellen, aber ich muss in einem Roman nicht alles hinterfragen.


    Das Buch hat mich unter anderem deshalb so begeistert, weil es mich (auch ohne die "offenen Fenster") ganz stark an John Irving erinnert hat. Die Art zu erzählen, die Charaktere, die Entwicklung der Geschichte. Ich habe jede Seite dieser Geschichte genossen und war ein bisschen traurig, dass ich mich von Aja, Karl, Évi & Co verabschieden musste.


    Ein wundervolles, gefühlvolles, positives Buch, dem ich gerne :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb: gebe.

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