Jostein Gaarder - Das Leben ist kurz/Vita brevis

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  • Vor zwei Tagen gelesen: ;)
    "Das Leben ist kurz - Vita brevis" von Jostein Gaarder


    Das Buch handelt von einem Fund den Jostein Gaarder angeblich in einem Antiquariat in Buenos Aires getätigt hat.
    Einen Brief an den berühmten Kirchenvater Augustinus von einer Frau namens Floria.
    Es wird nicht klar ob der Brief authentisch ist, aber alle Anzeichen sprechen dafür.
    Augustinus hatte tatsächlich Jahrelang eine Beziehung zu einer Frau namens Floria aus der auch ein gemeinsamer Sohn resultierte.
    Er hat Floria damals wegen seiner Liebe zu Gott den Laufpass gegeben.


    Floria wirft nun einige Fragen auf, zu seinem Lebenswandel und seiner neuen Art zu denken.
    Sie versucht seine Überzeugungen sehr intelligent und geschickt über den Haufen zu werfen.
    Sie bedient sich zur Unterstützung ihrer Argumentation der griechischen Mythologie und den Werken alter Philosophen.


    Das Buch stimmt nachdenklich über die Gesetzmäßigkeiten denen sich Geistliche früher, aber auch heute teilweise noch,
    meinen unterwerfen zu müssen um ein guter Diener Gottes zu sein.
    Ich fand es sehr gut, wenn auch zu kurz (130 S.). :thumright:


    LG
    Babsi

  • Hi,


    ich habe das Buch mal vor Jahren geschenkt bekommen und habe es leider noch nicht gelesen. Jetzt hast du mich neugierig gemacht und ich muss es nachher gleich mal in die Hand nehmen.


    Gruß
    Susanne

  • Hallo zusammen !


    Auch mir hat das Buch echt gut gefallen. Es ist zwar schon einige Zeit her, dass ich es gelesen habe, aber ich kann mich noch ganz gut daran erinnern. Es ist wirklich zu empfehlen.


    LG Heike

  • Hallo!


    Ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen und es hat mir sehr gut gefallen und das gleich aus mehreren Gründen:


    1. Weil Jostein Gaarder der Schriftsteller ist und mir alle seine Bücher sehr gut gefallen.


    2. Weil die Frage der Priesterehe (Beziehung zu Frauen) aktueller ist den je und hier auch einmal auf die Seite der Frauen in diesen Beziehungen näher eingegangen wird. Auch Menschen die in einer Beziehung sind in der der Partner sie in der Öffentlichkeit verleugnet (Geliebte/er) können sich sicher mit diesem Buch identifizieren


    3. Weil Philosophie so schön sein kann

  • Ohne dass ich das Buch kenne, möchte ich zu Augustinus folgendes sagen: Es stimmt, dass er eine Liebesbeziehung hatte und mit dieser Frau einen Sohn. Diesen nannte er "Adeodatus", also: von Gott geschenkt. Aber bis heute ist diese Frau namenlos geblieben.


    Wenn man "Augustinus" bei Goggle eingibt, erhält man eine Menge Seiten mit Informationen über Werk und Leben. Dass Gaarder einen angeblich echten Brief gefunden hat, ist eine Fiktion. Wäre es tatsächlich so, hätte es einen gewaltigen Sturm unter den Philosophen und Theologen gegeben, die sich mit den Anfängen der Fundamentaltheologie und Dogmatik beschäftigen. Davon ist jedoch nirgendwo zu lesen.


    Es hat allerdings nichts mit der Qualität eines Buches zu tun, ob sein Autor etwas erfunden oder tatsächlich erlebt hat.


    Man sollte lediglich aufpassen, wenn Geschichtenerzähler (also Schriftsteller) etwas erzählen. ( :wink: Es gibt ja bis heute Leute, die glauben, Arthur Conan Doyle wäre identisch mit Dr. Watson. :shock: )


    Marie

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Ich fand dieses Buch - wie viele von Jostein Gaarder -auch sehr gut.


    Egal, ob diese Briefe wirklich existieren oder nicht - die Geschichte ist doch sehr authentisch, Flora auf alle Fälle ihrer Zeit voraus - ein sehr beeindruckendes Buch, das wohl auch heute noch aktuell ist.

    Herzliche Grüße
    Rosalita


    :study:
    Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


    *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)

  • Das Buch ist eines meiner Lieblingsbücher von Gaarder, ich mag es noch lieber als Sofies Welt. Ob die Briefe nun echt sind oder nicht, spielt dabei eigentlich keine Rolle.

    Stell dir vor, es gibt nur einen Menschen, dem du vertraust. Der dich so sehen darf, wie du bist. Er ist deine Familie.
    Und plötzlich verliebst du dich in ihn.
    Wenn du es nicht wert bist, dass er dich liebt, wirst du alles verlieren.
    Was wirst du tun?

    Taranee: Zeiten des Zweifels

  • Ich fand das Buch gut, wenn auch nicht überragend. Vorallem die Auszüge aus Augustinus Bekenntnissen fand ich relativ kompliziert geschrieben und an diesen Stellen ist meine Konzentrazion auch meistens etwas flöten gegangen. Mit Florias Schreibstil kam ich jedoch fabelhaft zurecht und mir ist diese Frau wirklich sehr sympathisch.




    http://zeilenwelten.blogspot.de/

  • Augustinus von Hippo von 395 bis zu seinem Tod 430 war er Bischof von Hippo Regius. Er gilt als einer der Kirchenväter, der mit seinen Schriften entscheidend zur Lehre und zum Selbstverständnis des Christentums beigetragen hat. Sein Werk Bekenntnisse (Confessiones) gehört zu den einflussreichsten autobiographischen Texten der Weltliteratur.


    Floria, die ehemalige Geliebte Augustinus, schreibt einen langen Brief an den mittlerweile zum Bischof avancierten Kirchenlehrer. Sie nimmt häufig Bezug auf seine veröffentlichten «Bekenntnisse» und versucht das Gelesene mit den gemeinsamen Erfahrungen in Einklang zu bringen. Schließlich waren sie viele Jahre zusammen, hatten einen gemeinsamen Sohn Adeodatus, führten intellektuelle Streitgespräche, usw. Lediglich Augustinus streng gläubige Mutter Monika überschattete die Beziehung, empfand Floria als nicht standesgemäß für ihren Sohn, verabscheute die wilde Ehe und Augustinus selbst konnte sich nicht von der Mutter lösen, bzw sich durchsetzen.


    Und so ist der Brief teilweise eine Anklage, prangert Verrat an sein früheres, genussreiches Leben an, und wundert sich über seine Aussagen, auf die mit zahlreichen Fussnoten referenziert wird.
    Wieso predigt er nun Enthaltsamkeit, verurteilt «körperliche Freuden»? Erinnert er sich denn nicht mehr an die gemeinsame Zeit? War das damalige Leben Sünde? Was, wenn es kein Leben danach gibt? Das Leben ist kurz und sollte doch genossen werden – alles andere ist vielleicht Sünde, wenn man die von Gott gegebene Zeit nicht genießt?!
    Somit ein recht interessanter Text, der die Beziehung zu Mann und Frau zum Thema macht, aber auch das Verhältnis zu dessen Mutter Monika und allgemein die Spannung zwischen Lebensfreude und Askese.


    Ich habe zwar viel nebenbei im Internet studiert, aber am meisten Vergnügen werden Leser haben, die mit Augustinus und dessen «Bekenntnissen» vertraut sind. Dessen Lehren, aber auch Verweise zu Philosophen wie Seneca, Platon, Aristoteles oder Bewegungen wie den Manichäismus bilden Grundlagen des anklagenden Briefes, dem ich aufgrund fehlendem Hintergrundwissen nicht in allen Aspekten folgen konnte. Trotzdem hat mir die Lektüre viel Vergnügen bereitet, weil sie eben – trotz einseitiger Anklage – gut recherchiert und begründet erschien.

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