Lars Simon - Das Antiquariat der Träume

  • Kurzmeinung

    Chattys Buecherblog
    Melancholisch schön. Ein Roman für ruhige Abende vor dem Kamin.
  • Kurzmeinung

    Gudrun67
    Der Spagat zwischen Damals und Heute ist hervorragend gelungen.

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  • War das ein Vergnügen. Der Autor hat einige Jahre in Schweden gelebt, wo auch die Geschichte spielt. Er selbst sagt über sein Buch:


    "Ich liebe Geschichten, die von manchmal skurrilen, aber immer zutiefst menschlichen Figuren mit all ihren Stärken und Schwächen handeln, Geschichten die einen am Ende glücklich, jedoch mit einem angenehmen Zweifel zurücklassen: Was war Realität, was Fantasie? ,Das Antiquariat der Träume' ist so eine Geschichte." - Innenseite


    Johan Andersson verlor seine große Liebe Lina, die er nur zwei Wochen kannte, bei einem Schiffsunglück. Während der Schiffsfahrt hatte sie ihm ein Geschenk gemacht - ein antiquarisches Buch von Viktor Rydberg, ein schwedischer Romantiker, den Johan sehr schätzte. Als auf dem Schiff Panik ausbricht, verliert er das Buch auf der Suche nach Lina. Weder das Buch noch Lina kann er finden. Auch ihre Leiche wurde nicht aufgefunden.


    Johan hat Stockholm und den Verlag, in dem er als Partner gearbeitet hat, verlassen und ist weiter weg aufs Land nach Hedekas gezogen. Dort lebt er in einer kleineren Gemeinde, hat ein Antiquariat und später ein Literatur-Café eröffnet. Die Schwester des Pfarrers geht ihm beim Café zur Hand, backt Kuchen und bewirtet die Gäste.

    Seit er sich hier zurückgezogen hat, erscheinen ihm Figuren aus seinen Lieblingsbüchern: Sherlock Holmes, Pippi Langstrumpf, William von Baskerville. Nur er sieht sie und kann sich mit ihnen unterhalten. Einige raten ihm, nur ja nicht aufzugeben, andere meinen, er solle die Vergangenheit ruhen lassen.


    An diesem Punkt bekommt er einen Brief aus Stockholm. Einer der zwei noch dort arbeitenden Partner hat Geld veruntreut und Selbstmord begangen. Johan solle doch bitte überlegen, ob er sich vorstellen könnte, wieder in die Firma einzusteigen.


    Ob und wie sich Johan entscheidet - kehrt er zurück nach Hedekas in sein Antiquariat oder fängt er in Stockholm neu an? - das müsst ihr selbst rausfinden. Ich lege euch diese wunderbare Liebesgeschichte ans Herz.


    Der Autor stellt oben die Frage: "Was war Realität, was Fantasie?" Es ist auf jeden Fall kein Buch aus dem Genre Fantasy, obwohl sich Johan mit Buchgestalten unterhält und diese auch sieht. Für Menschen, die ihn in so einem Gespräch sehen, ist das sehr befremdlich. Aber vielleicht führt Johan ja auch einfach nur Selbstgespräche?


    Lars Simon hat jedenfalls mit seinen obigen Sätzen nicht zu viel versprochen. Ganz im Gegenteil. Aus jeder Buchseite strömte mir die Magie der Liebe und die Magie der Literatur entgegen.


    Noch eine Info zu dem hier angesprochenen Buch Singoalla von dem schwedischen Autor Viktor Rydberg, zu Deutsch Der Wind ist mein Liebhaber. Seine erste Veröffentlichung erfuhr der Roman 1857 im Kalender Aurora mit dem Untertitel "Romantisk sagodikt". Als Buch wurde er 1865 das erste Mal veröffentlicht, jedoch mit einem überarbeiteten Happy End.


    Das Buch wurde 1949 als Film als Singoalla und auch als Oper von Gunnar de Frumerie adaptiert

  • Das Cover hat mich total geflasht. Der Titel, die Farbgebung und auch die Abbildungen verweisen gekonnt auf den Inhalt und geben einen guten ersten Eindruck. Wie heißt es so schön: "Das Auge isst mit"....ja, hier passt nicht "nur" das Cover und auch die Innenseiten, sondern auch die Zeilen, die sich zwischen den Buchklappen verbergen.

    Der Schreibstil verändert sich je nach Begebenheiten. So erschafft der Autor Abschnitt für Abschnitt eine gelungene und eine sich entwickelnde Atmosphäre, die dem Leser greifbar wird. Daher bleiben die unterschiedlichsten Emotionen nicht aus. Gänsehaut, eine gewisse Art Lampenfieber, Tränen der Freude, Tränen der Trauer und und und....diese Wahrnehmungen sind mannigfaltig und schaffen Verbundenheit. Hier ist man mittendrin und nicht nur dabei.

    Die Charaktere tragen ihren Teil dazu bei. So kann man das Hier und Jetzt miterleben und die Tiefgründigkeiten erfahren, aber auch die Schmöker von damals wieder aufleben lassen.

    Mein Fazit: Der Spagat zwischen Damals und Heute ist hervorragend gelungen.

  • Auf einer Schiffsreise im Jahr 1983 lernt Johan Lina kennen. Sie verlieben sich ineinander und verleben einige gemeinsame Tage an Bord. Doch genauso schnell, wie sich ihre Zuneigung zueinander entwickelt hat, werden sie auf tragische Weise voneinander getrennt. Während eines Unwetters vor der Küste Schwedens, geht Lina über Bord und gilt seitdem als verschwunden. Mit ihr ist auch das Geschenk Linas an Johan, ein sehr seltenes Buch, verloren gegangen. Selbst 4 Jahre später glaubt Johan noch, dass Lina lebt und sucht nach ihr. Mittlerweile hat er sich aus der Großstadt Stockholm zurückgezogen aufs Land und führt dort ein Literaturcafé namens "Singoalla". Seit Linas Verschwinden erscheinen Johan auf geheimnisvolle Weise die Figuren seiner Lieblingsromane und stehen ihm mit teils humorvollen, aber auch tiefgründigen Ratschlägen zur Seite. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem Johan sich entscheiden muss...Linas vermeintlichen Tod zu akzeptieren oder weiter nach ihr zu suchen.


    Mir hat dieses Buch sehr gefallen. Der Schreibstil ist flüssig und die eingestreuten schwedischen Redewendungen geben dem Ganzen einen gewissen Wohlfühlcharakter. Zu Beginn habe ich mich ein wenig schwer getan mit der Kombination Mystik, Antiquariat und Schweden als Location. Aber im weiteren Verlauf hat sich das gelegt und ich konnte gut in die Geschichte eintauchen. Johans Dialoge mit den Buchcharakteren sind wunderbar erfrischend, aber auch zugleich tiefgründig. Sie sind seine größte Stütze in dieser Zeit der Trauer. Letztendlich ist es trotzdem ein Roman mit Tiefgang...es geht um die Liebe und das Vertrauen auf seine innere Stimme. Niemals sollte man aufgeben, wenn man ganz fest an ein gutes Ende glaubt, auch wenn alle Anderen eine gegenteilige Meinung vertreten. Der Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen.

    Alles in allem ist dieser Roman mit dem wundervollen Cover, das an ein Märchenbuch erinnert, eine ganz klare Leseempfehlung. Lasst euch einfach darauf ein.

  • Klappentext

    Im Spätsommer 1983 verliert Johan Andersson bei einem Schiffsunglück seine große Liebe Lina. Er bricht alle Brücken hinter sich ab und beginnt ein neues Leben als Antiquar und Cafébesitzer. Doch die Veränderungen in seinem Leben greifen weiter: Seit dem traumatischen Ereignis erscheinen Johan die Figuren seiner Lieblingsbücher leibhaftig. William von Baskerville, Pippi Langstrumpf und Sherlock Holmes bringen aber nicht nur Trost und Zerstreuung. Sie zwingen Johan auch zu einer Entscheidung: Will er ein neues Leben beginnen oder seine verloren geglaubte große Liebe finden? Ein geheimnisvoller Fremder bringt Johan schließlich auf die entscheidende Spur, denn Lina scheint nicht die gewesen zu sein, für die sie sich ausgegeben hat …

    Meinung

    Bücher über Bücher sind mit das Schönste. Da sprechen andere mit der gleichen Begeisterung wie ich über Bücher, man entdeckt Neue oder findet alte Bekannte erwähnt.

    In diesem Buch passiert etwas Besonderes, der Held bekommt Hilfe von literarischen Gestalten.

    Es beginnt mit einem Unglück und endet märchenhaft.

    Dazwischen wird mit viel Liebe zu Büchern die Verzweiflung von Johann beschrieben, seine Hoffnung und sein Versuch zurück zufinden. Über dem Ganzen liegt ein Hauch von Märchen und die Schönheit Schwedens.

    Die realen Nebenfiguren waren perfekt gezeichnet, der zu hilfsbereite Pastor oder der aufdringliche Ex- Geschäftspartner. Am liebsten hatte ich den schrulligen Buchhändler der so schöne Bemerkungen über Bücher machte.

    Das Buch war nicht ungeheuer spannend, aber es hat einen mitgenommen ohne loszulassen bis es ausgelesen war.

  • Es war das Cover, das meinen Blick absolut angezogen hatte und meine Gedanken zum träumen einlud.

    "Ein Antiquariat der Träume" das klingt doch sehr romantisch und einladend. Mich hatte es jedenfalls total angesprochen.

    Schon auf den ersten Seiten verspürte ich eine gewisse Melancholie zwischen den Zeilen. Der Autor beschreibt Johan sehr sanft und feinfühlig, so dass ich mich schnell in diese Rolle versetzen konnte.

    Als 1983 das Unglück geschah, blieb mir fast der Atem stocken. Ein entsetzliches Drama, gerade, wenn man doch Gefühle für jemanden entwickelt hatte. Dann der Zeitsprung und der Leser erlebt, wie Johan versucht sein Leben wieder in Griff zu kriegen. Kleine Lichtblicke, die ihn aus seiner Lethargie holen und ihm zu einem kleinen bisschen Normalität verhelfen.

    Immer wieder erscheinen im Romanfiguren. Diesen Teil des Romans empfand ich als sehr ansprechend und stellenweise habe ich mir sogar gewünscht, an Johans Stelle zu sein und ebenfalls Kontakt mit Romanhelden aufnehmen zu können. Was ich nicht wusste, diese Vorstellung hatte sogar einen Namen: Literarische Halluzinationen. Selbst das klingt schon sehr interessant und spannend.

    Eine verwundete Seele sucht ein Ventil. Ich denke, dass dieser Satz sehr schön und bildhaft beschreibt, welche Gefühle Johan plagten.

    Ich fand es jedenfalls sehr beeindruckend und habe den Roman von der ersten bis zur letzten Seite geliebt.


    Ich würde empfehlen, diesen Roman in ruhigen Abenden zu lesen, damit man ihn so richtig aufnehmen kann. Er ist einfach melancholisch schön.

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