Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert
Buch von Simon Füchtenschnieder
Titel: Meuterei im Paradies: Die Fahrt der B...
Simon Füchtenschnieder (Autor)
Verlag: Klett-Cotta
Format: Gebundene Ausgabe
Seitenzahl: 304
ISBN: 9783608987737
Termin: Neuerscheinung Februar 2024
Aktion
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Kurzmeinung
drawe Kenntnisreiches Buch über die Mission der Bounty im britischen Kolonialreich
Zusammenfassung
Inhaltsangabe zu Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert
Die Meuterei auf der Bounty – eine packende Geschichte der frühen Globalisierung Mitreißend schildert Simon Füchtenschnieder die Seefahrt der Bounty, die Meuterei an Bord und das Schicksal der Besatzungsmitglieder. Erstmals bettet er diesen sagenhaften Stoff diverser Abenteuergeschichten in den seefahrthistorischen und wirtschaftlichen Kontext seiner Zeit ein und zeigt: Die Geschichte der Bounty war kein isoliertes Ereignis, sondern Wegbereiter einer frühen Globalisierung, die unsere Welt bis heute prägt. Eine derartige Meuterei, wie sie sich am 28. April 1789 auf der Bounty ereignete, hatte es so noch nicht gegeben: Kapitän William Bligh wird mit 18 Besatzungsmitgliedern in einem kleinen Boot mitten in der Südsee ausgesetzt – der sichere Tod, eigentlich, doch das Unglaubliche gelingt: Er und die mit ihm ausgesetzten Männer erreichen einen rettenden Hafen und kehren von dort nach England zurück. Bereits 1791 sticht Bligh wieder in See, um das Vorhaben, die Brotfrucht als Nahrungsmittel zu verpflanzen, doch noch zu einem erfolgreichen Ende zur führen. Packend und »hart am Wind« unternimmt Simon Füchtenschnieder tiefe Streifzüge in die Lebens- und Arbeitswelt auf den britischen Schiffen im 18. Jahrhundert und offenbart, welche machtpolitischen, weltweiten Handelsinteressen hinter der Verpflanzung der Brotfrucht standen. Eine atmosphärisch dichte, packende Geschichte der Bounty und der wohl berühmtesten Meuterei aller Zeiten: neu und historisch genau erzählt, jenseits aller Hollywood-Romantik.
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Bewertungen
Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert wurde insgesamt 3 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,8 Sternen.
Meinungen
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Kenntnisreiches Buch über die Mission der Bounty im britischen Kolonialreich
Rezensionen zum Buch
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Rezension zu Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert
- kingofmusic
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10. April 2025 um 09:18
Beeindruckende LeistungWeiterlesen
Bounty – wer denkt da nicht zuerst an den leckeren Schokoriegel? *g* Der Name steht aber auch für die wohl berühmteste Meuterei der (Seefahrt-)Geschichte: die „Meuterei auf der Bounty“, die etliche Film- und Hörspielproduzenten als auch Autoren auf den Plan gerufen hat. So auch den promovierten Historiker Simon Füchtenschnieder, dessen Doktorarbeit die Grundlage für sein Erstlingswerk „Meuterei im Paradies – Die Fahrt der Bounty und die globale Wirtschaft im 18. Jahrhundert“ bildet (erschienen 2024 im Verlag Klett-Cotta).
Auf rund 220 Textseiten, denen sich mit ausführlichen Anmerkungen, Literaturverzeichnis und Register noch einmal knapp 100 Seiten anschließen, untersucht Simon Füchtenschnieder die Geschichte der Meuterei, fragt sich, wie es überhaupt dazu kommen konnte und bindet das Ganze in einen Abriss des Welthandels im ausgehenden 18. Jahrhundert ein. Hinzu kommen Themen wie Kolonialismus, Sklaverei, wirtschaftliche Interessen des britischen Empire…
Doch bei alldem steht immer wieder die Meuterei bzw. die an ihr beteiligten Personen im Mittelpunkt seiner Betrachtungen – allen voran William Bligh, seines Zeichens Kapitän der Bounty, der meist als sadistischer Unmensch dargestellt wird. Diesen Mythos entkräftet Simon Füchtenschnieder, in dem er anhand von Originalquellen Widersprüchlichkeiten in der Darstellung aufdeckt und so ein wesentlich differenziertes Bild von Bligh zeichnet, als es jahrzehntelang der Fall war.
Das wird auch im letzten Abschnitt des Epilogs deutlich, in dem es um etliche die Meuterei behandelnde Film- und Hörspielproduktionen geht.
Als Leser:in wird man von Anfang an mitgerissen (der gut 40-seitige Prolog fängt direkt mit der Meuterei an), schaut den Meuterern bei ihrer Arbeit quasi „über die Schulter“ und darf sich so selbst ein Bild der Gegebenheiten, der Gedanken von William Bligh und seinem „Widersacher“ Fletcher Christian machen. Hier zahlt sich die jahrelange akribische Recherche, die Simon Füchtenschnieder auch nach London und Sydney geführt hat, positiv aus!
Alles in allem ist dem Autor mit „Meuterei im Paradies“ ein beachtliches Werk gelungen, dem man die Freude am Thema anmerkt und das trotz der ein oder anderen inhaltlichen Wiederholung und dem „wissenschaftlichen“ Charakter zu keiner Sekunde langweilt.
Eine klare Leseempfehlung und 5*! Well done, Simon!
©kingofmusic -
Rezension zu Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert
- Bellis-Perennis
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13. Juli 2024 um 07:47
Die "Meuterei auf der Bounty" im Kontext der Geschichte und ihre Auswirkungen Wer „Bounty“ sagt und nicht den gleichnamigen Schokoriegel meint, denkt unwillkürlich an den Hollywoodfilm aus 1962 mit Marlon Brando als Fletcher Christian, jenen charismatischen Anführer jener Besatzungsmitglieder, die sich gegen den Leute schindenden Kapitän William Bligh, auflehnten. Doch was als Stoff für Hollywood und andere Verfilmungen gedient hat und noch immer dient, entspricht nicht immer den Tatsachen.Weiterlesen
Die Meuterei, wie sie in Filmen und Romanen beschrieben worden ist, hat es so nicht gegeben. Simon Fürchtenschnieder rekonstruiert an Hand von Briefen, Log- und Tagebüchern sowie den Akten aus dem Prozess um Kapitän William Bligh die Geschichte, die hinter den Abenteuerromanen steckt.
Der Autor schildert die Reise der Bounty, die Meuterei und das Schicksal der Besatzungsmitglieder sowie jenes von Kapitän Bligh und den anderen achtzehn, die in einem kleinen Beiboot ausgesetzt werden.
Und genau hier setzt das Buch ein: William Bligh, der Seekarten und andere wichtige Unterlagen sowie wenigen nautischen Instrumente und Waffen, ausgestattet ist, gelingt das Husarenstück nach 3.618 Seemeilen (rund 6.700 km) und 28 Tagen, am 14. Juni 1789, in Osttimor anzulegen. Nicht alle Gefährten haben überlebt. Bereits 1791 macht Bligh sich auf, den eigentlichen Auftrag der „Bounty“, nämlich Brotfruchtbäume von Tahiti auf die Westindischen Inseln zu bringen, zu erfüllen. Diese Bäume sollen die Sklaven in den Zuckerrohrplantagen billig ernähren.
Genau einen Monat nach Blighs Ankunft in Osttimor, also am 14. Juli wird in in Paris die Bastille von der hungernden Bevölkerung gestürmt: Startschuss für eine Revolution, die nicht nur König und Königin die Köpfe kostet, sondern einen mehr als 25-jährigen Krieg entfesselt, der erst 1815 beendet werden kann.
Der Autor geht der Frage nach, ob zwischen der Meuterei und der Revolution ein Zusammenhang stehen könnte. Hier wie dort werden durch eine kleine Gruppe streng hierarchische (Macht)Strukturen ausgehebelt.
Anhand von weiteren Beispielen erzählt Simon Fürchtenschnieder, dass Meutereien auf Schiffen keine Seltenheit waren. Er beleuchtet die Rolle der Royal Navy bei wissenschaftlichen Expeditionen, die auch gleichzeitig bislang unbekannte Territorien für die Krone in Besitz nahm, sowie deren Interesse an Stützpunkten, die sowohl Handels- als auch militärischen Interessen dienten.
Wir erfahren einiges über die Betriebsformen von Zuckerrohrplantagen, das Leben der Sklaven sowie die Handelsschifffahrt. Simon Fürchtenschnieder ist Anglist und Geschichtswissenschaftler, der sich ganz der britischen Seefahrtsgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts verschrieben hat. In diesem Buch kann er aus dem Vollen schöpfen.
Jede These ist wissenschaftlich fundiert dargelegt, was auch die mehr als 150 Seiten von Quellen, weiterführender Literatur sowie zahlreichen Abbildungen belegen.
Sprachlich ist das dann nicht ganz so perfekt. Immer wieder gibt es Redundanzen. Allerdings ist das Buch im Gegensatz zu anderen Bücher über die „Meuterei auf der Bounty“ kein Abenteuerroman.
Ach ja, Kapitän Bligh ist in einem Prozess vor dem Seegericht übrigens vom Vorwurf der Leuteschinderei frei gesprochen worden. Ohne Disziplin und Hierarchie kann der Alltag an Bord nicht funktionieren.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem informationsreichen Buch, das einen interessanten Einblick in eine spannende Epoche bietet, 5 Sterne. -
Rezension zu Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert
- drawe
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25. Februar 2024 um 19:21
Klappentext (gekürzt):Weiterlesen
Die Meuterei auf der Bounty – eine packende Geschichte der frühen Globalisierung
Mitreißend schildert Simon Füchtenschnieder die Seefahrt der Bounty, die Meuterei an Bord und das Schicksal der Besatzungsmitglieder. Erstmals bettet er diesen sagenhaften Stoff diverser Abenteuergeschichten in den seefahrthistorischen und wirtschaftlichen Kontext seiner Zeit ein und zeigt: Die Geschichte der Bounty war kein isoliertes Ereignis, sondern Wegbereiter einer frühen Globalisierung, die unsere Welt bis heute prägt.
Zum Autor (Quelle: Verlag):
Simon Füchtenschnieder, geboren 1980 in Salzkotten, studierte Anglistik und Geschichtswissenschaft an der Universität Bielefeld und dem University College Dublin (Irland). Für dieses Buch forschte er u.a. in London und Sydney. Seine Arbeitsschwerpunkte gelten der britischen Seefahrtsgeschichte des 18. Jahrhunderts.
Mein Lese- Eindruck:
Auf dem Cover ein Dreimaster in voller Fahrt auf stürmischer See – dazu der Titel! Sofort sind die Assoziationen da: an die berühmteste Meuterei der Seefahrtsgeschichte, an das faszinierende Zeitalter der Eroberungen und Entdeckungen, an spannende Abenteuer, Karibik, Stürme, Lebensgefahr und Heldentaten. Kindheitserinnerungen werden wach.
Simon Füchtenschnieder beginnt seine Ausführungen nicht mit der Meuterei, sondern mit ihrem Schlusspunkt: der Aussetzung des Kapitäns Bligh am 28. April 1789, zusammen mit 18 seiner Leute. Nach diesem spektakulären Beginn wendet er sich der eigentlichen Aufgabe der „Bounty“ zu, nämlich der Verpflanzung des Brotfruchtbaumes von Tahiti auf die Zuckerrohrplantagen der Westindischen Inseln, um die Ernährung der Sklaven preisgünstig und effizient zu gestalten.
Diesen Tatsachenkern unterfüttert der Autor sehr schön mit einer Fülle von Ausführungen. So erfährt der Leser einiges über Meutereien im 18./19. Jhdt und die Besonderheit der Meuterei auf der „Bounty“, nämlich die Aussetzung des Kapitäns auf hoher See in einem völlig überfüllten Beiboot, zudem unzureichend ausgestattet. Der Leser fragt sich: Besteht ein Zusammenhang mit der Tatsache, dass es im selben Jahr 1789 auch auf dem europäischen Festland gärte und hierarchische Strukturen zusammenbrachen?
Interessante Hintergründe entfalten sich. Der Autor beleuchtet die Kooperation der Navy mit wissenschaftlichen Organisationen mit dem dezidiert machtpolitischen Ziel, den britischen Handel weltweit zu etablieren und das Empire zu vergrößern und zu stabilisieren. In dieses Interessengefüge ordnen sich auch zahlreiche Pflanzentransfers ein, u. a. der des Brotfruchtbaumes. Es gelingt dem Autor sehr schön, diese globalen Zusammenhänge aufzuzeigen. Dazu kommt eine Fülle von Informationen z. B. über die Betriebsformen der Zuckerrohrplantagen, das Leben der Sklaven, die unterschiedlichen europäischen Wahrnehmungen der indigenen Südsee-Bevölkerung, das Tätowieren, die hierarchischen Strukturen und die Sicherung der Disziplin an Bord, über Sir Joseph Banks, den geistigen Vater der Expeditionen, über den Prozess gegen die Meuterei, und so fort. Ein spannendes und buntes Panoptikum, dem man als Leser gerne folgt!
Jede Feststellung wird sauber belegt und zeigt die langwierige und akribische Recherche-Arbeit des Autors. Dabei fördert er keine neuen Erkenntnisse zutage (Kapitän Bligh ist aufgrund der Quellenlage schon längst vom Vorwurf der Leuteschinderei freigesprochen), aber er fügt die unterschiedlichen Sachverhalte zu einem beeindruckenden Gesamtbild zusammen.
Die sprachliche Ausgestaltung ist nicht so erfreulich. Immer wieder finden sich Redundanzen. So hätte ich mir z. B. einen pointierteren Vergleich der Berichte zur Meuterei gewünscht, um nicht mehrfach dasselbe lesen zu müssen.
An anderen Stellen wiederum bemüht sich der Autor, Wiederholungen zu vermeiden. Da heißt es „der Londoner“ oder „der Mann aus Wells-next-the-Sea“, oder „der Mann aus Norfolk“ etc.. Verflixt! Wer ist gemeint? Fryer? Nein, Portlock? Habe ich nicht aufgepasst? Wo stehen nochmal die Wohnorte der Besatzung? Jeder Teilnehmer eines Rhetorik-Seminars hätte dem Autor den guten Rat gegeben, diesen Unsinn zu lassen und einfach beim Namen zu bleiben, damit der Leser/Hörer nicht durch solche Rätsel abgelenkt wird und sich ganz auf den Text konzentrieren kann.
Fazit: Ein kenntnisreiches und informationsreiches Buch über ein spannendes Kapitel der Weltgeschichte.
Lese-Empfehlung!
Ausgaben von Meuterei im Paradies: Die Fahrt der Bounty und der globale Seehandel im 18. Jahrhundert
Besitzer des Buches 3
Update: 26. September 2025 um 00:39

