Grace

Buch von Paul Lynch

  • Kurzmeinung

    drawe
    Irland zur Zeit des Großen Hungers. Eindringliches Lese-Erlebnis!
  • Kurzmeinung

    Emili
    Rau, düster, atmosphärisch und stimmungsvoll. Ein trauriges Thema. Von Erzählart anspruchsvoll, bildhaft und diffus.

Zusammenfassung

Inhaltsangabe zu Grace

Eine Irland-Odyssee Es begann damals 1845. Aber Grace, die einzigartige Heldin des Iren Paul Lynch, ist vollkommene Gegenwart in diesem bildreich-poetischen Roman, der mit ihren Sinnen und Gefühlen die grausame Wirklichkeit der großen Hungersnot erleben lässt. Grace, vierzehn, wird in Männerkleidern von zu Hause fortgeschickt, um irgendwo Arbeit, irgendwie Nahrung zu finden in einem Land, wo jeder danach sucht. Ihr zur Seite: der jüngere Bruder Colly. Seine muntere Stimme in ihrem Kopf. Und verschiedene andere merkwürdige Begleiter. Wer wird sie sein, wenn sie diese Wanderschaft durchsteht?
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Bewertungen

Grace wurde insgesamt 4 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4 Sternen.

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Meinungen

  • Irland zur Zeit des Großen Hungers. Eindringliches Lese-Erlebnis!

    drawe

  • Rau, düster, atmosphärisch und stimmungsvoll. Ein trauriges Thema. Von Erzählart anspruchsvoll, bildhaft und diffus.

    Emili

Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Grace

    […]
    ich weiß, was Du meinst, und ich erkläre es mir damit, dass der Autor ganz konsequent eine einzige Erzählinstanz zulässt: und das ist Grace. Alles, was geschieht, sehen wir durch ihre Augen. Und sie ist erst 14, sie versteht nicht alles.
    Mich haben vor allem die Stellen sehr berührt, wo es
    Mein Lese-Eindruck:
    Der Roman versetzt uns in das Irland der Großen Hungersnot in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Über fünf Jahre hinweg fielen die Kartoffelernten aufgrund der sog. Kartoffelfäule aus und führten zu einer katastrophalen Hungersnot, die durch die englischen Exporte und fehlende Hilfsmaßnahmen noch verschärft wurde.
    Grace, gerade 14 Jahre alt, wird von ihrer Mutter als Junge verkleidet auf den Weg gebracht: sie soll sich Arbeit suchen und für sich selber sorgen. Grace liebt ihre kleinen Brüder und trennt sich schwer von ihnen, aber Colly, einer der Brüder, begleitet sie heimlich.
    Was nun beginnt, ist eine Odyssee durch das hungernde Land. Immer durch Graces Augen sieht der Leser die Not der Menschen: Bettelnde und heruntergekommene Menschen, die ihren Besitz und sich selbst verkaufen für einen Penny oder ein Stück Brot; verwahrloste und halb erfrorene Kinder, verhungerte Menschen in Straßengräben, gespenstische Kolonnen von Hungernden, die durchs Land ziehen, verwahrloste Kinderbanden. Gras, Vogelmiere, Kräuter – alles wird gegessen, Haustiere sowieso, und die Vögel werden vom Himmel geholt. Und immer gegenwärtig die Angst vor den Constablern und die Angst, als Diebin am Galgen zu enden.
    Der Hunger lässt die Menschen verrohen, niemand ist sicher vor seinem Mitmenschen, und Grace muss mit ihrem Messer ständig auf der Hut sein vor Diebstahl und Übergriffen. Die seltenen milden Gaben von wohltätigen Reichen sind nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sondern sie rufen bei Grace auch einen unbändigen Hass hervor auf die Nutznießer der Hungersnot. Der Hass wird gesteigert, wenn sie sieht, wie die reichen Bauern ihren Besitz sichern. Sie schrecken dabei vor Mord und Totschlag nicht zurück und lynchen auch halbverhungerte Kinder. Der Wolf ist des Menschen Wolf geworden.
    Auch Grace verroht, der Hunger macht sie mitleidlos und hart. Sie stiehlt, sie schlägt, sie setzt ihr Messer ein, sie schüttelt bettelnde Kinder von ihrem Arm. Aber sie leidet unter ihren Taten, und die Toten kommen als Hungerhalluzinationen zu ihr, sodass sie schließlich Traum und Wirklichkeit nicht mehr auseinanderhalten kann.
    Der Autor wahrt streng die Perspektive des jungen Mädchens, und damit macht er es dem Leser nicht immer leicht. Grace ist noch ein Kind, sie versteht einiges nicht, und so bleibt es dem Leser überlassen, sich das Geschehen zusammenzureimen. Mit diesen Leerstellen gelingen dem Autor aber auch äußerst anrührende Stellen, z. B. im Zusammenhang mit dem geliebten kleinen Bruder, mit dem sie ständige Zwiesprache führt.
    Ein sprachlich dichter Roman, düster, lyrisch und poetisch, allerdings mit Längen.
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  • Rezension zu Grace

    Ein sehr düsterer und trauriger Roman. Bei dem Thema durchaus zu erwarten. Es geht dabei um Irland in Jahre 1845. Aufgrund der nacheinander folgenden Missernten herrscht Hungersnot im Land. Die Armen hat es am schlimmsten erwischt. Die kinderreiche Familie, die vorgestellt wird, weiß sich nicht weiter zu helfen. Die Mutter schickt ihre älteste Tochter weg, die solle sich als Junge ausgeben und Arbeit suchen. Der weitere Weg von Grace ist das Thema des Romans.
    Was dieses Buch ausmacht, ist die Erzählart. Poetisch und gefühlvoll erzählt der Autor von der Schwierigkeiten und Missständen der armen Leute. Allerdings hat mir diese poetische Färbung bei der Thematik nicht zugesagt. Ich fand es unpassend und auch manchmal schwer zu lesen. Die Handlung wird nicht direkt beschrieben, sondern findet viel mehr in Andeutungen und auf Umwegen statt. Der Roman liest sich umständlich, als ob der Autor besonders kreativ sein wollte. Auf jeden Fall ist es nicht nach meinem Geschmack, ich brauche klare Ansagen und mag es nicht, wenn die Gedanken und Handlungen im Verborgenen bleiben.
    Von der Thematik her hat mich der Roman sehr angesprochen. Ich wünschte mir bloß, es wäre zugänglicher in der Art der Erzählung.
    Allerdings den Liebhabern der Erzählart, die anspruchsvoll, umschreibend, mit vielen Bildern der Natur, ist, würde das Buch ganz sicher gefallen.
    Ich muss da an @tom leo  @taliesin @drawe  @Sarange  @Sophie.A und @Conor denken. Vielleicht spricht euch die Thematik an, von der Machart, bin ich mir fast sicher, dass es euch gefallen könnte.
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  • Rezension zu Grace

    Klappentext/Verlagstext
    Eine Irland-Odyssee Es begann damals 1845. Aber Grace, die einzigartige Heldin des Iren Paul Lynch, ist vollkommene Gegenwart in diesem bildreich-poetischen Roman, der mit ihren Sinnen und Gefühlen die grausame Wirklichkeit der großen Hungersnot erleben lässt. Grace, vierzehn, wird in Männerkleidern von zu Hause fortgeschickt, um irgendwo Arbeit, irgendwie Nahrung zu finden in einem Land, wo jeder danach sucht. Ihr zur Seite: der jüngere Bruder Colly. Seine muntere Stimme in ihrem Kopf. Und verschiedene andere merkwürdige Begleiter. Wer wird sie sein, wenn sie diese Wanderschaft durchsteht?
    Der Autor
    Paul Lynch, 1977 in Limerick geboren und im County Donegal aufgewachsen, findet seit seinem Romandebüt "Red Sky in Morning" (2013) vielfache Beachtung und hohe Anerkennung in der Presse. "The Black Snow" (2014) gewann in Frankreich den Buchhändlerpreis für den besten ausländischen Roman des Jahres und war für den Prix Fémina nominiert. Nach dem Glanzlicht und großen Erfolg "Grace" (2017) hat auch sein Roman "Beyond the Sea" (2019) begeistertes Echo hervorgerufen. Lynch lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Dublin.
    Inhalt
    Grace ist mit 14 Jahren noch sehr kindlich, als ihre Mutter sie in Männerkleider steckt, praktisch aus dem Haus schleift und zum Geldverdienen fortschickt. Graces jüngerer Bruder Colly ängstigte sie in der beginnenden Hungersnot in Irland 1845 bereits damit, dass Familien aus Hunger eins ihrer Kinder töten könnten. Er ist jedoch ganz und gar nicht damit einverstanden, dass seine Schwester und er, die das Essen für die Familie beschaffen, nun fortgejagt werden. Für die Einsicht, dass die Mutter ihre Älteste vor deren Stiefvater in Sicherheit bringen will, sollten Grace und Colly noch zu jung sein; Colly weiß jedoch genau, was sein leiblicher Vater von Grace will. Mit ungeschickt abgesäbelter Haartolle und in Männerkleidern begibt sich Grace auf die Wanderung von Black Mountain in Donegal nach Athlone und später bis nach Limerick, wo die Auswandererschiffe in die USA ablegen.
    Die Kinder treffen Menschen, die für Essen rauben und töten und eine Krähe in den Kochtopf stecken, wenn es nichts anderes gibt. Von Colly lernt Grace, sich nicht wie ein Mädchen zu bewegen und Männer nicht anzustarren; denn auf der Straße leben schmächtige Menschen wie sie (beide) gefährlich. Ob Junge oder Mädchen, scheint egal zu sein, wenn dein Gegner dich für körperlich unterlegen hält. Das Leben auf der Straße macht rücksichtlos und erwartet, dass man bereit ist zu töten.
    Graces beinahe dystopische Odyssee spielt vor dem Hintergrund der Hungersnot 1845-49 in Irland und wirkt wie ein Mix aus Coming-of-Age und Hosenrollen-Roman. Die Frage, wie Grace in diesen Verhältnissen ohne Erziehung durch eine Frau zur Frau heranwachsen kann, finde ich ausgesprochen spannend. Da das Mädchen die Ereignisse als schicksalhaft annimmt und nur Colly sie zur Kritik an den Verhältnissen anstachelt, wirkt die Handlung leider etwas spannungsarm.
    Ohne Kennzeichnung der wörtlichen Rede ist „Grace“ ein eigenwilliger Roman, der es seinen Lesern nicht leicht macht, zwischen Graces Erlebnissen zu unterscheiden und dem, was sie – zutiefst abergläubisch – von Colly zu hören glaubt. Zeitweilig habe ich mich gefragt, ob Colly seine Schwester wirklich begleitet, ober ob seine Stimme ihr als imaginärer Begleiter auf ihrer Wanderung zur Seite stehen könnte.
    Fazit
    Nicht gerade leicht zugänglich, beeindruckt der Roman durch seine ungewöhnliche Sprache, einen bodenständigen Slang, der Grace und Colly von feinen Städtern deutlich unterscheidet, ohne sie bloßzustellen.
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Ausgaben von Grace

Hardcover

Seitenzahl: 550

E-Book

Seitenzahl: 473

Besitzer des Buches 4

  • Mitglied seit 30. November 2017
  • Mitglied seit 31. Dezember 2008
  • Mitglied seit 31. August 2007
  • Mitglied seit 12. März 2019
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