Michel Bergmann - Machloikes

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    Machloikes

    von

    4.8|3)

    Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 336


    ISBN: 9783423142144


    Termin: Mai 2013

    Das Buch ist der 2. Band der Reihe (3 Teile).

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    • Michel Bergmann - Machloikes

      Inhalt:
      Frankfurt 1953: Die Teilacher haben sich eingerichtet. Alfred schwingt sich aufs Rad. Und Fränkel kriegt Machloikes* …
      Acht Jahre nach dem Krieg beginnen die Wunden zu vernarben. Es gibt die Bundesrepublik Deutschland, einen volkstümlichen Präsidenten und einen scharfkantigen Kanzler. Und es gibt die wuseligen Teilacher, die jüdischen Handelsvertreter, die nach wie vor von Tür zu Tür ziehen.
      Manche von ihnen sind allerdings sesshaft geworden: Robert Fränkel zum Beispiel, die Berliner Stimmungskanone, hat geheiratet und sich mit einem Teppichladen selbstständig gemacht. Und der 14-jährige Alfred erlebt sein höchstes Glück, als er sein neues, hellblau blitzendes Rennrad aus dem Laden in die Sonne schiebt – um es stolz seiner heimlichen Liebe Juliette zu präsentieren. Das Leben ist schön.
      Doch dann wird Fränkel von einem CIA-Beamten vorgeladen. Er soll erklären, warum sein Name in so vielen Akten der SS auftaucht. Dabei hat Fränkel im Krieg doch nur Witze erzählt – die allerdings so gut waren, dass er einige davon Adolf Hitler beibringen sollte. Und damit fangen die Machloikes* an ...

      * Machloike, die; pl. Machloikes (aus dem Jiddischen) – Durcheinander; Zwiespalt; Zwist
      (Quelle: Verlagsseite)

      Der Autor:
      Michel Bergmann wird 1945 als Kind jüdischer Eltern in einem Internierungslager in der Schweiz geboren. Nach einigen Jahren in Paris ziehen die Eltern nach Frankfurt am Main.
      Nach seiner Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau wird er freier Journalist. Er entdeckt seine Liebe zum Film und arbeitet u. a. als Autor, Regisseur und Produzent. Seit über 15 Jahren schreibt er Drehbücher für Kino und TV. Die Teilacher ist sein erster Roman, nun folgt die Fortsetzung, Machloikes*.
      (Quelle: Verlagsseite)

      Meine Meinung:
      "Die wilden Jahre waren vorbei und langsam begannen die Wunden zu vernarben. Es gab die Bundesrepublik Deutschland, einen volkstümlichen Bundespräsidenten und einen scharfkantigen Kanzler. Und es gab die Teilacher, die jüdischen Handelsvertreter, die von Tür zu Tür zogen, um den Deutschen Wäschepakete zu verkaufen."
      So beginnt der Nachfolgeroman von "Die Teilacher" und spielt im Frankfurt Anfang der 50-er Jahre. Langsam kommt das Land wieder in Schwung, es wird aufgebaut, der Fernseher nimmt Einzug und auch die Teilacher werden seßhaft. Robert Fränkel eröffnet z.B. ein Teppichgeschäft.
      Der hier 15-jährige Alfred träumt von einem Fahrrad und verliebt sich zum ersten Mal.
      Robert Fränkel wird von der CIA vorgeladen zum Verhör. Allzu oft kommt sein Name in den SS-Akten vor. In diesen wöchentlichen Verhören erklärt Fränkel die Umstände, wie und warum er zum Privatlehrer Hitlers gekürt wurde. Fränkel, der gut Witze erzählen konnte, sollte Hitler Witze beibringen.

      Michel Bergmann erzählt unverkrampft und trotz des ernsten Themas mit einer Portion Humor.
      Als kleines Beispiel zitiere ich mal diese Passage:
      Verhör Robert Fränkel - Kramski:
      Ich komme aus einer Künstlerfamilie. Mein Vater Paul Fränkel war Musiker, ist bereits 37 gestorben, das war sein Glück. meine Mutter Amalie, geb. Sternberg, war Astrologin, so eine Art Wahrsagerin. Hat ihr leider nicht geholfen.
      Warum?
      Nun - sie ist deportiert worden - zuerst nach Theresienstadt, später dann weiter nach Ausschwitz. Dort ist sie umgekommen. Auch meine Schwester Thea.
      Und Sie?
      Ich bin nicht umgekommen, wie Sie sehen, meinte Fränkel bissig.
      (S. 57)

      Die selbstquälerische Frage der Überlebenden "Warum habe ich überlebt? Warum nicht die anderen?" greift der Autor auf, sowie die Frage der Individualschuld und die Suche nach einer neuen Identität, der Frage, wie weiterleben in Deutschland.
      Dieser Zwiespalt ist mir besonders bei der Passage aufgefallen, wo es heißt: "Die Juden lebten zwar unter den Deutschen, mit den Deutschen lebten sie nicht." (S. 316)
      Nicht unerwähnt bleibt die Frage der "Wiedergutmachung" und der erste spektakuläre Nazi-Prozess in Frankfurt.
      Mit "Machloikes" hat Michel Bergmann einen weiteren lesenswerten Roman geschrieben.

      Auf der Verlagsseite gibt es eine Leseprobe
      Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

      :montag: Colin Cotterill - Dr. Siri und der explodierende Drache

    • Danke Conor für die Rezi!
      Die Teilacher hatten mich bereits begeistert, das zweite Buch Machloikes vielleicht noch ein bißchen mehr.
      Das "Danach" war wohl das Spannende überhaupt. Alfred war mir ans Herz gewachsen und Fränkels Lebensgeschichte was mehr als fesselnd. Man hatte stets das Gefühl, dass er sich fast entschuldigen mußte noch am Leben zu sein.
      Michel Bergmann erzählt ohne anzuklagen, und alles mit unverkennbarem Witz.
      Die meisten Juden wollten eigentlich nicht bleiben, sahen Deutschland nur als Übergangsstation und blieben dann doch hängen.
      "Sie lebten unter den Deutschen, aber nicht mit ihnen", eine Aussage, die sich im ganzen Buch bestätigt.
      Ein großartiges Buch! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: von mir. :thumleft:

      Liebe Grüsse
      Wirbelwind

      :study: Yrsa Sigurdardottir, Geisterfjord
      :study: Naomi J. Williams, Die letzten Entdecker








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