Beiträge von drawe

    Aber hast Du nicht selbst noch vorher (beim Kapitel in Keelung nach dem Massaker) gesagt, dass sie gar nicht anders sein kann durch das Erlebte sowie die ständigen Ermahnungen ihrer Mutter?

    Aber ja! Da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Sie gefällt mir nicht in dem Sinne, wie der Arzt zum kranken Patienten sagt, dass er ihm nicht gefalle.

    Das ist nicht gerade fair von ihm, sie auf diese Art mit hineinzuziehen.

    Stimmt. Das habe ich gar nicht bedacht.

    Oh je...

    Ihr Bruder hatte da mehr Glück, beginnend beim Glück der Gene. Als Mann unterlag er nie den Beschränkungen, denen seine Schwester unterworfen war. Und er muss nicht ständig im banalen Alltag bei jedem Weg irgendein Unheil befürchten. Da lässt sich leichter ein nationales Selbstbewusstsein entwickeln. Das sehen wir auch an Lu-Ya, die als Ureinwohnerin von ihrer alleinerziehenden Mutter komplett anders erzogen wurde - sie hat die Chance auf ein eigenständiges Leben und Denken.

    Bei Keiji ist wohl auch der Onkel "schuld" an seinem freieren Denken. Der Onkel ist im Unterschied zu Keijis Vater doch ein recht offener, diskussionsfreudiger Mensch, beruflich selbstständig und nicht wie sein Bruder Ri zum Katzbuckeln bei der Besatzungsmacht verpflichtet. Vielleicht ist er von Natur aus auch nicht so ängstlich wie Ri. Jedenfalls lebt er seinem Neffen ein freieres Leben vor.

    Lu-Ya: eigentlich müsste sie doch besonders auf der Hut sein als Ureinwohnerin? Wir erfahren doch, dass die Ureinwohner auf der untersten Stufe der gesellschaftlichen Hierarchie standen und die jungen männlichen Ureinwohner als Erste aus der Schule etc. genommen und als Kanonenfutter verheizt wurden.

    Ich vermute, dass ihr nicht viele Berufsmöglichkeiten bleiben außer diesem zwielichtigen Tänzerinnen-Leben.

    Und tatsächlich war es doch direkt nach dem Krieg hier auch nicht anders und in anderen Kriegsgebieten ebenso. Vergewaltigungen von Frauen wurde immer als Machtmittel eingesetzt, bis heute.

    Das verstehe ich schon, aber ich verstehe nicht, wie der Festlandchinese, also der Besatzer, die Taiwan-Chinesin erkennt - ich hoffe, Du verstehst, was ich meine. Die sehen doch alle gleich aus?

    Ich frage mich allerdings, warum die beiden Söhne im Namensverzeichnis aufgeführt sind, wenn sie doch gar keine Rolle in der Geschichte spielen.

    :?: :?:

    Das ergibt nur Sinn, wenn sie nochmal eine Rolle spielen. Merkwürdig.

    Ein beeindruckendes Buch, das mich nachdenklich und begeistert zugleich zurückgelassen hat.


    Zunächst einmal ist es eine opulente Familiengeschichte aus China um die Zeit der Bodenreform und zugleich der Gegenwart. Die verschiedenen Zeitebenen werden immer wieder ineinander verschränkt, und dazu kommt eine gleichsam rückwärts laufende chronologische Anordnung. der Ereignisse. Das hört sich kompliziert an (ist es auch), aber es liest sich wunderbar leicht und problemlos, und dem Leser enthüllt sich Kapitel für Kapitel eine fast archaisch wuchtige Geschichte.


    Einfach wunderbar, wie die Autorin einen großen Figurenreigen auftreten lässt aus allen gesellschaftlichen Schichten! Dass damit auch Kritik an der gegenwärtigen Ungleichheit in einem Staat steckt, der sich die Gleichbehandlung aufs Panier geschrieben hat, ist eine andere Sache.


    Gleichzeitig erfährt der Leser von den Narrativen, die die chinesische Gesellschaft nach wie vor stützen und legitimieren und die eine verpflichtende Erinnerungskultur schaffen, die viele Ereignisse dem Vergessen übergibt. Und so ist auch der Titel zu verstehen.

    Für mich :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Mein SuB-Abbau im Oktober


    Allmählich habe ich Schwierigkeiten, ein passendes Motto zu finden. Aber jetzt habe ich tatsächlich das Motto SuB gefunden, ja wunderbar! Das hebe ich mir auf. Für Oktober habe ich mir ein eigenes Motto gesucht:


    Mein Motto im Oktober: Ladenhüter


    30. Robert Harris, Imperium.

    31. ders., Titan.

    32. ders., Dictator.

    Ladenhüter seit ?? 10 Jahren??

    33. Adeline Dieudonné, Das wirkliche Leben.

    Ein Geschenk, ca. anderthalb Jahre alt.

    34. Claire Douglas, Beste Freundin. Niemand lügt so gut wie du.

    Ein Geschenk einer Freundin, und ich gehe mal davon aus, dass sie den Untertitel nicht so gemeint hat. O:-) Ladenhüter seit 1/2 Jahr.

    35. Sally Rooney, Schöne Welt, wo bist du?

    Abgebrochen, mir gingen die wehleidigen Damen und ihre albernen pubertären Themen auf den Geist.



    Mein Motto im Januar "Emotionen"

    1. Imre Kertesz, Ich - ein Anderer.

    Emotion: Heimatlosigkeit. "Ich bin ein Fremder in der Welt.

    beeindruckend und bedrückend, siehe hier

    2. Philippe Claudel, Brodecks Bericht.

    Emotion: Heimatlosigkeit, Einsamkeit

    3. Alain Claude Sulzer, Postskriptum.

    Emotion: Einsamkeit, Lieblosigkeit, Emotionslosigkeit.

    4. Sandor Marai, Die jungen Rebellen.

    Eine hochemotionale Geschichte: vier Schüler im Mai 1918 in einer ungarischen Kleinstadt rebellieren gegen ihre furchteinflößenden Väter und die Zeit, in die sie gezwungen werden.


    Mein Motto im Februar: Englischsprachige Länder

    5. Robert Harris, Pompeji.

    6. Agatha Christie, Blausäure.


    Mein erstes Motto Im März: Kurzgeschichten

    7. Alice Munro, Tanz der seligen Geister.

    Mein zweites Motto im März: Historisches

    8. John Williams, Augustus.

    9. Rahel Sanzara, Das verlorene Kind.

    10. Gerhard Falkner, Apollokalypse.

    11. Katharina Fuchs, Zwei Handvoll Leben.

    12. Ken Follett, Die Tore der Welt.

    13. Hennung Mankell, Daisy Sisters.


    Mein Motto im April: Vermischtes - Hauptsache, der SuB schrumpft!

    14. Siri Hustvedt, Die gleißende Welt. :bewertung1von5: 4,5

    15. Klaus Modick, Konzert ohne Dichter. :bewertung1von5: 4,5

    16. Harper Lee, Gehe hin, stelle einen Wächter. :bewertung1von5: 4

    17. Katrine Engberg, Blutmond.


    Mein Motto im Juli: Geschenke + Deutschland

    25. Juli Zeh, Über Menschen.

    Lag auch ganz oben auf dem SuB, jetzt ist es weg. :bewertung1von5: 2


    Mein Motto im August: Vermischtes

    26. Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften :bewertung1von5: 5

    Ein unglaubliches Buch. Passt auch zum Motto "Backsteine".


    27. Hakan Nesser, Die Frau mit dem Muttermal. :bewertung1von5: 4

    Ich liebe diese Van Veeteren-Reihe!

    Passt auch zum Motto "Serien"


    28. Thomas Hettche, Die Pfaueninsel. :bewertung1von5: 4

    Passt auch zum Motto "Biografie" oder "Farbenfroh".


    Mein Motto im September: Personen auf dem Cover


    29. Evelyn Waugh, Lust und Laster.

    30. Richard Ford, Unabhängigkeitstag.

    31. Kristina Ohlsson, Schwesterherz.

    32. dies., Bruderlüge.

    Zu Kapitel 16

    habt ihr in eurem Buch auch ein Nachwort von Benedict Wells

    Nein. Meine Ausgabe stammt aus 2015.

    Bitte sagt mir dass ihr einen ganz anderen Eindruck habt. Dies nur in der Einbildung von Edwin stattfand. Der „Drachenbiss“ nur ein Mittel war damit Edwin Wistan half die Querig zu finden.

    Ich kann mir diese Sache nur so zurecht legen, wie ich es schon beschrieben habe: der Biss als Wegweiser zu Querig, und die innere Stimme die Stimme seines Gewissens und seiner Gedanken an seine Mutter.

    Beatrice welche ihn befreit hat ruft ihm zu, er solle in den nächsten Tagen an sie und ihre Freundschaft denken.

    Edwin erinnert sich an das Versprechen das er Wistan gegeben hat, die Briten zu hassen, jedoch sich sicher ist nicht diese Briten damit gemeint sind - läuft los ihn zu finden.

    Das ist eine sehr einfach gehaltene, aber wunderschöne Szene, finde ich.

    Edwin ist sich sicher, dass seine Mutter tot ist, und daher befeuert ihn dieser Gedanke, Rache an den Britanniern zu nehmen, ausnahmslos und ohne Mitleid, so wie er es Wistan versprochen hat.


    Axl und Beatrice erkennen sehr genau die Dimension der Ereignisse, die sie gerade miterlebt haben. Sie wissen, dass der Krieg wieder losbrechen wird.

    Und daher dieser Satz:

    Zitat

    "Denk an uns und die Freundschaft zwischen uns, als du noch ein Junge warst." (S. 392)

    Damit führt Axl den Jungen zurück auf die menschliche Seite und unterläuft Wistans Versuch, Edwin auf pure Rache einzuschwören. Auch Edwin wird sich der Ambivalenz der Rache bewusst sein und seinen Hass auf die Britannier nicht verallgemeinern.

    Eine wunderbare Idee, finde ich, Hoffnung zu geben!

    Der Tag war anstrengend, ich hab mehr als 10 Stunden auf den Monitor gestarrt und Zahlen und Tabellen abgeglichen und hin und her geschoben

    Puhhh... wenn ich das lese, bin ich so froh, ein freier Mensch (na ja...)zu sein. Früher hätte ich mir das NIE vorstellen können.

    Am besten bestimmst Du das Lesetempo, d. h. stellst die Kapitel vor und ich gebe dann meinen Senf dazu.

    und ausnahmsweise teile ich mal nicht Umekos düsteren Blick auf ihn.

    Ich auch nicht. Auf mich wirkt er zwar arrogant wie eh und je, u. a. auch weil er Festlandchinese ist - und an einer anderen Stelle hießt es sinngemäß, dass die Flüchtlinge außer ihrem Überheblichkeitsgefühl nichts mit nach Taiwan gebracht hätten.

    Trotzdem fand ich ihn rührend: wie er sich freut, wie er sie für sich einnehmen will, sie beeindrucken will, sie auch verwöhnen will.


    Umeko aber - an ihren neuen Namen muss ich mich erst gewöhnen - gefällt mir nicht in ihrer Verschlossenheit, ihrer großen Angst und vor allem ihrem abgrundtiefen Misstrauen. Statt sich über Chens Freundlichkeit zu freuen, vermutet sie in ihm einen Spitzel und wittert Verrat.


    Sie ist verwirrt von der jeweiligen Propaganda und weiß nicht mehr, was sie glauben soll. Ihr Bruder nimmt da einen interessanten Standpunkt ein: die Taiwaner müssten anfangen, selber ihre Geschichte zu schreiben und sich nicht die Geschichtsdarstellungen der jeweiligen Besatzer anzueignen. Und das macht er in seinem Lesekreis. Wenn das mal gutgeht!

    Thome bringt dafür auch ein schönes Beispiel: die Legende vom tapferen Beamten Goho (oder so ähnlich), die aufgrund ihrer Beliebtheit passend adaptiert wird. Du hattest das schon erwähnt.


    Die Familie ist erstarrt in Schweigen, jeder lebt für sich und niemand scheint sich für den anderen zu interessieren außer Keiji und Umeko.

    Schlimm. Vermutlich ein Beispiel, wie es vielen Familien erging.

    Keiji kommt mir als einzig Frischer, Lebendiger in dieser Familie vor, und der Einzige, mit dem sich Umeko austauschen kann. Diese Lebendigkeit könnte ihm natürlich zum Verhängnis werden. Er verachtet seinen Vater, weil er immer noch buckele, und auch seine Mutter wegen ihrer Frömmelei.

    Und ich frage mich, warum die Chens nicht in Hongkong geblieben sind? Zwar war Hongkong britisches Protektorat, aber die Bevölkerung zu 95% Chinesen.

    Da blicke auch nicht richtig durch. Sie wohnten in Shanghai, sagt der Chen-Bub, und sind von Hongkong aus nach Taiwan geflogen. Wieso nicht von Shanghai aus? War der Flughafen zerstört? Und warum sie nicht in Hongkong geblieben sind :-k ? Ich vermute, Hongkong war überfüllt, sie hätten so leben müssen wie wir es in Taipeh mit Umekos Augen sehen: abgerissen auf der Straße. Der Vater Chen hat sich wohl in Taiwan bei Chiang Kai-shek die günstigeren Lebensmöglichkeiten ausgerechnet, v. a. weil einer der Söhne fürs Vaterland gefallen ist.

    Was macht der Vater Chen jetzt beruflich? Habe ich da etwas überlesen?


    aber sie hat den realistischeren Blick auf die Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen - nämlich keine.

    Ich weiß es nicht! Mir tut sie leid in ihrer deprimierenden Abgeklärtheit über die Aussichtslosigkeit der Lage. Sie wirkt wie tot, wie der Rest der Familie (sogar die ehemals lebhafte und humorvolle Tante). Du sagtest es schon: "erstarrt".


    Keiji dagegen gefällt mir besser. Er blickt nach vorne, sucht eigene Wege, ist kämpferisch und nimmt die Gegebenheiten zwar hin, aber nicht widerspruchslos. Vermutlich ist er mir so sympathisch, weil sein Verhalten meinem eigenen Naturell entgegenkommt. (Ich musste allerdings nie mit einer Hinrichtung rechnen :wink: .)

    der Szene in ihrem Zimmer zum Vorschein, wo sie ihm in mehreren Punkten den Spiegel vorhält

    Die Beiden sind wirklich kontrapunktisch angelegt, das wird mir durch Deine Schilderung klar. Sie zeigen uns zwei Möglichkeiten, wie die Menschen mit dieser beklemmenden Lage umgehen konnten: in Angst erstarren und sich totstellen ("nicht auffallen, nicht anecken, niemanden provozieren" S. 329), oder Widerstand/nationales Selbstbewusstsein.


    denn Übergriffe dürften keine Seltenheit gewesen sein, erst recht nicht den Taiwanerinnen gegenüber. Ihr ganzes Verhalten deutet ja darauf hin - sie weicht aus, wechselt den Bus, läuft lieber zu Fuß und hält sich bedeckt.

    Kaum zu glauben, es ist doch heller Tag!

    Ist das so wie mit dem Fahrrad? Da wollte ein Besatzer Fahrrad fahren und nahm es sich einfach?

    Glaubst Du, der alte Soldat im Bus könnte wider Erwarten doch Tsai sein? Kann er seine Verhaftung überlebt haben?

    Ich halte es für eine Assoziation, weil die Verrücktheit dieses armen Menschen sie an Tsai erinnert hat.

    Übrigens fällt auch der Name Yamashitas noch einmal: wir sollen ihn wohl im Lesegedächtnis behalten. Ich bin nun sehr neugierig, wie und wo er auftaucht.


    Taiwan zeigt inzwischen immer mehr Kennzeichen eines faschistischen Staates. Thome hat uns schon erzählt, welcher Personenkult um Chiang Kai-shek getrieben wird bzw. wie er ihn selber forciert und sich als Messias darstellt. Jetzt kommen die Schauprozesse und die Schau-Hinrichtungen, damit er selber seine Hände in Unschuld waschen kann. Hinrichtung als Volksfest, Aggressionsabfuhr für das Volk und Festigung der eigenen Position.


    Auf der englischen wikipedia-Seite lese ich, dass Chiang Kai-shek da ein übles doppeltes Spiel getrieben hat. Natürlich trug sein Sohn die Verantwortung, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er seinem Vater nicht gelegentlich mal Bericht erstattet hat.


    Zitat

    Chen had executed or jailed all the alleged rebel leaders he could identify and catch, and his troops had prosecuted and executed between 3,000 and 4,000 throughout the island, according to a Taiwanese delegation in Nanjing. A key consequence was that "virtually all of the small group of leaders with modern education, administrative experience, and political maturity" were killed.[2] According to reports from foreigners in Taiwan, leaflets signed by Chiang promised leniency for those who had fled the initial wave of killings and urged them to return; many of those who did so were imprisoned or executed.[1

    Eigentlich schon - denn das erkennen bezieht sich nicht nur auf Axl - Überraschung - Erschrecken.

    Der Text sagt aber deutlich, dass er nur Axl ins Gesicht starrt und ihn offensichtlich wiedererkennt; von Beatrice ist keine Rede.

    Vermutlich wäre das auch hier zuviel der Andeutungen gewesen.

    ch glaube, dass dieser Ausdruck von Zärtlichkeit nicht unbedingt ein Hinweis auf eine

    persönliche Verbindung darstellt, sondern eher in Richtung Mitgefühl für die alte Dame

    geht, die nun auch vor dem Ende ihrer schweren Reise steht.

    Ich habe das Buch gestern beendet und beim letzten Kapitel wie serjena die Vorstellung gehabt, dass Gawain und Beatrice eine Liebesbeziehung gehabt hätten; von Beatrices Seite aus ein übler Verrat an ihrem Mann, aber sie wird ihre Gründe gehabt haben.

    Es kann sich aber auch so verhalten, wie taliesin meint. Der Erzähler legt sich nicht fest, d. h. er pustet seinem Leser noch ein bisschen Drachen-Nebel ins Hirn :) .

    Wie nun Gawain wiederum Axl anspricht -ob sich ihre Wege nicht schon gekreuzt haben, und er diesen drängt sich zu erinnern, ist es wohl Tatsache das Axl ein Gesandter von König Artus war…

    Das ist eine merkwürdige Stelle, finde ich. Axl kann diesen Friedensvertrag nicht eigenmächtig ausgehandelt haben, das kann er nur in Artus' Auftrag oder zumindest mit seinem Einverständnis gemacht haben.

    Artus ändert offensichtlich seine Meinung und setzt auf den Siegfrieden statt auf den Verständigungsfrieden (die Begriffe gehören eigentlich zum Ende des I. Weltkriegs, aber sie passen hier so gut!). Es bleibt offen, wieso er seine Meinung geändert hat.

    Wenn ich wild spekuliere, würde ich sagen Gawain und Beatrice hatten eine Affäre.

    :lol: Genau den Gedanken hatte ich auch, allerdings erst beim letzten Kapitel! Die Textstelle, die Du zitierst, habe ich überlesen:

    Zitat

    "aber sah er, dass auch Herr Gawain, offenbar tief in Gedanken, zu Beatrice hinblickte; in seinen Augen stand ein Ausdruck der Zärtlichkeit."

    Ich habe eben das erste Treffen des altes Paares mit Gawain noch einmal nachgelesen; da lässt sich kein Hinweis auf ein Wiedererkennen o. ä. finden (Kap. 5).

    In seinem Alter und ganz allein.

    ... und ähnelt er da nicht der Drachin?

    Vielleicht denke ich da wieder um die Ecke rum, aber ich habe beim Lesen schon gedacht, dass die zwei ein Paar sind :) !

    Gründe:

    Gawain und die Drachin, diese beiden Sagengestalten, sind zusammen alt geworden, so wie Axl und Beatrice.

    Beide sind müde: die Drachin macht keine Anstalten, ihrem Tod zu entkommen, und auch Gawain hat sich arrangiert mit seinem Ende.

    Und bei Beiden ist der Lack der Jugend ab: Gawains Rüstung ist recht rostig, und die Haut der Drachin ist schlaff, hat eine ungesunde Farbe, sie ist "ausgemergelt".

    Putz deinen Kühlschrank Tag


    :ergeben:

    Ich kann mich nicht erinnern, ein Cover mit einem Kühlschrank drauf in meinen Regalen stehen zu haben.


    Ich nehme die Anregung aber auf und putze ihn, den Guten.

    Wobei man, auch wenn man lange nachdenkt alles mögliche gegeneinander abwägt,

    keine wirklich befriedigende Lösung finden kann.

    Eben. Das ist doch bei vielen, auch alltäglichen Dingen so: man kann begründet anderer Meinung sein.

    Meiner Meinung nach hat der Roman aber hier einen Haken: Axls Vorgehensweise wird nicht weiter erörtert.: er setzte auf Verhandlungen und erreichte einen Kompromiss-Frieden. Er wird von Edwin auch geschildert als leuchtende Gestalt, die etwas an den Messias erinnerte.


    Mag sein, dass ein solcher Kompromiss-Frieden brüchiger ist und immer wieder neu ausbalanciert werden muss, während solch ein Sieg-Frieden, wie Artus ihn erzwingt, schneller Ruhe schafft. Aber das funktioniert nur mit solchen Narrativen, Mythen und dergleichen. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso Ishiguro hier so viel Märchen-, Sagen- und Mythengestalten versammelt.

    Denn eines ist sicher: er entblättert den Artus-Mythos.


    Die alte Zeit, geschützt von Artus durch den

    verzauberten Drachen geht ihrem Ende zu. Eine neue Zeit, mit einem neuen Gott

    wird anbrechen, aber sie wird nichts Gutes bringen.

    Das ist etwas, was ich nicht ganz verstehe. Die Britannier, die wir in dem Buch treffen, leben in einer verzauberten Welt, aber sie argumentieren mit Gott. Ist das der christliche Gott - oder einfach nur eine Bezeichnung für ein höheres Wesen? Wistan dagegen lehnt in dem großen Schluss-Dialog diesen Gott ab: einen Gott, der Unrecht zulässt, kann er nicht akzeptieren.

    Also scheint es der christliche Gott zu sein.

    Eine merkwürdige Mischung.

    er lässt Keiji zu seiner Schwester sagen, dass der Generalissimus die Verantwortung umgeht, indem er das Amt niederlegt, und am Ende vom Berg steigen wird, um die Schuldigen am verlorenen Krieg zu richten. Der feine Generalissimus zieht sich also Thomes Meinung nach fein aus der Verantwortung, indem er andere die letzte Drecksarbeit aufbürdet um sie nachher für das bereits feststehende Versagen hinzurichten. Und er steht am Ende als Retter der Nation da, als Held und Idol und fast gottgleicher Landesvater.

    Ja, so hört sich das an, aber es ist wirr! Er kann doch nicht mit seinen Truppen nach Taiwan fliehen und dann Däumchen drehen, na gut, er hatte einen Gouverneur eingesetzt, und unten veranstaltet sein Sohn die reinste Hexenjagd - aber wahrscheinlich war das so gewesen. Vielleicht hat er auf Gelder aus den USA gewartet. Aber diese japanische Residenz hat er sich schon mal gesichert.


    Ich sehe schon: ich muss mal in den Keller in unser sog. "Archiv" hinuntersteigen und mir das einschlägige Heft aus der Bildungszentrale raussuchen.

    als Retter der Nation da, als Held und Idol und fast gottgleicher Landesvater. :wuetend:

    Kann es sein, dass er noch heute so verehrt wird? Warum sonst kannst Du in diesem Lokal dann seine Lieblingsspeisen essen? Ist doch bizarr.

    Bei einer Moskau-Reise war ich auch fassungslos über den frischen Blumenschmuck an Stalins Grab. Nicht zu fassen. Welche Narrative sind da wieder gehegt und gepflegt worden...

    Absicht?

    Ja, denke ich schon. Vermutlich das, was Umeko in der Schule hört.

    Aber warum sagt sie nicht wörtlich, was sie mit ihrem Schulterzucken ja schon ausdrückt? Angst vor ihrer Mutter, die sie ja täglich triezt? Und ist der Sohn wirklich so begriffsstutzig oder will er die Wahrheit nur gerne ignorieren?

    Du meinst, ihre nonverbalen Signale sind eindeutig?

    Sie bekommt täglich eingebläut, ihren Mund zu halten, sich nicht zu verraten, unauffällig zu sein. Das tiefe Misstrauen der Mutter der Familie Chen gegenüber erlebt sie auch jeden Tag.


    Und der Chen-Bub scheint mir nicht der Hellste zu sein; wenn Umeko in ihrer Familie aus Angst das Schweigen lernt, dann lernt er das Heucheln und Großtun. Das Schulterzucken deutet er nicht als Antwort, er fordert mehrfach eine klare Aussage von ihr ein.

    Also: Ja, ich halte ihn für dümmlich.