C.S. Pacat - Der verschollene Prinz / The Captive Prince

  • Buchdetails

    Titel: Der verschollene Prinz


    Band 1 der

    Verlag: Heyne

    Bindung: E-Book

    Seitenzahl: 321

    ISBN: 9783641154813

    Termin: Juni 2015

  • Bewertung

    3.2 von 5 Sternen bei 5 Bewertungen

    64% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Der verschollene Prinz"

    Eigentlich ist der Kriegerprinz Damen der rechtmäßige Erbe von Akielos, doch dann gerät er in Gefangenschaft und wird in die Sklaverei verkauft - ausgerechnet an Laurent, den Kronprinzen des verfeindeten Königreiches Vere. Laurent ist eitel, arrogant und grausam, und er steht für alles, was Damen hasst. Doch noch während er Fluchtpläne schmiedet, lernt Damen Laurent besser kennen, und schon bald weiß er nicht mehr, was wichtiger für ihn ist: Seinen eigenen Thron zurückzugewinnen oder an Laurents Seite zu kämpfen und das Geheimnis um dessen eiskaltes Herz zu lösen ...
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  • Kurzmeinung

    Cordi
    Hm... auch wenn mich der Einstieg in die Reihe nicht überzeugen konnte, macht er mich zumindest neugierig.

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  • :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:
    Handlung:
    Damen, der rechtmäßige Kronerbe von Akielos, wird von seinem Bruder Kastor aufs Übelste verraten, als der in einem brutalen Coup die Macht ergreift. Offiziell wird verkündet, dass nach dem tragischen Tod des Regenten nun leider auch der junge Kronprinz unglücklicherweise verstorben sei - in Wirklichkeit wird Damen als Lustsklave an den Kronprinzen des verfeindeten Königreichs Vere verschenkt, sozusagen als Geste des guten Willens...


    Damens neuer Besitzer, Kronprinz Laurent, ist ein arroganter, grausamer Intrigant, der keine Gelegenheit auslässt, an seinem neuen Sklaven seinen Hass gegen das Volk von Akielos auszulassen. Als er Damen beinahe tötet, greift der Regent ein - wenn auch nur, weil er einen diplomatischen Eklat befürchtet, wenn Laurent ein Geschenk des neuen Königs von Akielos "beschädigt".


    Zwischen den beiden Männern besteht nichts als erbitterter Hass, und dennoch findet sich der ehrhafte Damen schließlich in einer Situation wieder, in der er sich verpflichtet fühlt, Laurent beizustehen.


    Meine Meinung:
    Nach dem Klappentext hatte ich ein opulentes Fantasy-Epos erwartet, in dessen Zentrum zwei starke Männer stehen, die sich trotz scheinbar unüberwindlicher Differenzen schätzen und vielleicht sogar lieben lernen. Explosiv, kontrovers und möglicherweise auch sinnlich-erotisch hatte ich mir das vorgestellt.


    Im Grunde habe ich auch genau das bekommen, und dennoch bin ich jetzt etwas ratlos, was ich von dem Buch halten soll. Denn kontrovers ist es wirklich, und mich hat es oft an die Grenzen dessen gebracht, was für mich noch sinnlich ist und was unangenehm und verstörend.


    Denn manchmal kam mir das Buch vor wie eine ausgedehnte erotische Fantasie, die doch sehr spezifische Vorlieben anspricht. Die Sexszenen sind oft drastisch und explizit, was mich aber vor allem gestört hat:
    Vergewaltigung ist in diesem Buch wirklich allgegenwärtig. Vergewaltigung als Sport, als Strafe, als alltägliches Ereignis. Auch Pädophilie ist in dieser Gesellschaft anscheinend normal, so kommt zum Beispiel ein Lustknabe vor, der mit 13 Jahren für den Geschmack seines Herrn langsam zu alt wird.


    Das zeigt dem Leser natürlich, wie maßlos dekadent und frivol die Gesellschaft im Land Vere ist - was viel Konfliktpotential aufbaut, schließlich kommt der eher naive Damen aus dem Land Akielos, wo es zwar auch Sklaven gibt, Sex aber nicht so zum öffentlichen Spektakel und zum Instrument der Bestrafung gemacht wird. Deswegen kann man sich sicher darüber streiten, ob diese Szenen nun nötig sind oder nicht!


    Romantik gibt es nur sehr wenig, eigentlich nur angedeutet in den Geschichten von Nebencharakteren. Mir fällt tatsächlich keine einzige Szene ein, in der zwei Menschen einfach nur einvernehmlich Sex haben, weil sie sich zueinander hingezogen fühlen!


    Die Welt, die die Autorin hier aufbaut, mit ihren verschiedenen Königreichen und deren drastisch unterschiedlichen Wertvorstellungen, hat in meinen Augen viel Potential und ist durchaus originell. Interessant fand ich zum Beispiel die Beschreibung der Sklaverei in Akielos, denn dort sind Sklaven keineswegs Besitz, den man nach Belieben missbrauchen und misshandeln kann, sondern hochgeschätzte, sorgfältig ausgebildete Männer und Frauen, die dieses Leben freiwillig gewählt haben. Aber für mich wird das Potential dieser Welt (noch?) nicht wirklich ausgeschöpft, denn die Geschichte konzentriert sich doch sehr auf Damens Leben als Sklave und die Zustände bei Hof.


    Die politischen Intrigen und Machtkämpfe bekommt man eher am Rande mit. Für mich war dieser erste Band daher noch nicht sonderlich spannend, er bietet aber sicher eine gute Grundlage für weitere Bände mit einer komplexeren Handlung!


    Die Protagonisten fand ich prinzipiell interessant, sie konnten mich aber noch nicht gänzlich überzeugen.


    Damen kam mir manchmal sehr naiv vor, und mir fehlte einfach das Gefühl, wirklich an ihn heranzukommen. Er hat ein starkes Ehrgefühl, ist mitfühlend und neigt dazu, Schwächere beschützen zu wollen, aber ich habe dennoch den Eindruck, ihn noch nicht tiefer gehend zu kennen. Aber er ist dennoch derjenige der beiden Männer, mit dem ich am ehesten mitfühlen kann.


    Denn Laurent wirkt erst einmal nur sadistisch und grausam. Er hat Gründe dafür, Akielos und damit auch Damen zu hassen, aber dennoch fand ich es abstoßend, wie er ihn behandelt: ihn zum Beispiel beinahe zu Tode peitschen oder öffentlich gegen seinen Willen von einem Lustsklaven befriedigen lässt.


    Erst im letzten Drittel merkt man so nach und nach, dass auch hinter Laurents eiskalter Fassade ein Mensch steckt, der vor allem von Schmerz und ohnmächtigem Zorn motiviert wird. Auch mit diesem Wissen konnte ich sein Verhalten für mich einfach nicht entschuldigen, aber die Beziehung zwischen Damen und Laurent wurde dadurch sehr viel spannender.


    Es gibt eine Reihe interessanter Nebencharaktere, wie z.B. den Sklaven Erasmus, der eigentlich mal für Damen bestimmt war und sich jetzt in der feindlichen Umgebung des Hofes von Vere behaupten muss, oder auch den kleinen Lustknaben Nicaise, der oft intrigant, verzogen und grausam wirkt, aber eigentlich ein missbrauchtes Kind ist, das auf die einzige Art nach Sicherheit und Kontrolle greift, die es kennt.


    Der Schreibstil liest sich meist flüssig und angenehm. Nur manchmal fand ich Ausdrücke für die eher altertümlich wirkende Welt zu modern, und in den Sexszenen war mir die Sprache etwas zu krude und einfallslos - so wird das Wort "f**ken" wirklich ständig verwendet.


    Fazit:
    Ein Kriegerprinz wird buchstäblich verraten und verkauft, nämlich als Lustsklave an den sadistischen Prinzen eines verfeindeten Landes. Ich habe prinzipiell nichts gegen homoerotische Fantasy, und die Geschichte ist durchaus originell, mit vielen interessanten Ansätzen - die aber in meinen Augen leider nicht ausgereizt werden. Auch die Protagonisten nutzen meiner Meinung nach ihr Potential nicht wirklich aus, und für meinen Geschmack wurde Vergewaltigung viel zu sehr erotisiert.

  • Irgendwie hab ich heute meinen ordentlichen Tag: :uups:
    Sollte man die Rezenzion zur englischen Fassung - hier - und diese hier evtl. zusammenlegen?
    @Squirrel? Andere Mods? Was meint Ihr?

    "Selber lesen macht kluch."


    If you're going to say what you want to say, you're going to hear what you don't want to hear.
    Roberto Bolaño

  • Meine Meinung:


    Der verschollene Prinz ist im Hinblick darauf, das es Fantasy mit Queeren Themen bei Mainstreamverlagen in Deutschland eher schwer hat, durchaus etwas Besonderes.
    Leider spiegelt sich das nicht in der Handlung wieder. Ich fand die Geschichte insgesamt eher schwach konzipiert. Vor allem die Welt in der der Roman spielt, hat mich dabei nicht gänzlich überzeugt. Pacat bemüht sich dabei gängige Kategorieren aufzubrechen, das gelingt aber hier eher weniger. Denn das Homosexualität hier akzeptiert ist, hängt auch damit zusammen, das es für die Männer im Roman praktischer ist, Sex mit Männern zu haben, als mit Frauen. Diese könnten ja schwanger werden. Immer wieder stößt man auf dieses bemühte, Homosexualität als etwas normales darzustellen. Das heißt nicht, das ich es generell Ablehne, aber ich finde einfach das Pacat das nicht überzeugend macht. Man merkt einfach immer wieder die Absicht dahinter und das lässt es wiederum nicht glaubwürdig erscheinen.


    Die Handlung ist an sich auch leicht durchschaubar. Eigentlich liest es sich eher wie eine der zahlreichen Gayromance-Stories, die man zu Hauf (und tatsächlich auch zum Teil besser) im Internet findet. Soweit ich das herausfinden konnte, war Pacats Roman ursprünglich tatsächlich erst online auf einer dieser Plattformen zu finden. Nachdem ich Band 2 auch schon gelesen habe, bin ich mir sehr sicher, zu wissen, wie die Geschichte ausgehen wird. Wobei ich fand, das dies auch schon hier klar wird.
    Das ganze Schema von "Der verschollene Prinz" passt in das Schema, in dem oftmals ein Mann eher der Unterdrückende, dominante Part ist und der andere, der, der erst dafür sorgt das Liebe entsteht. Der aber gleichzeitig auch unterdrückt wird. Das spiegelt sich auch sehr offensichtlich in der Handlung wieder, denn Damen ist Laurents Sklave.
    Laurent fand ich etwas spannender konzipiert, vielleicht weil er durch seine eher düstere Seite, etwas fassettenreicher wirkte.
    Trotzdem insgesamt betrachtet, hat es mich nicht unbedingt begeistert. Die Fantasyelemente haben mich dabei genausowenig überzeugt, wie die Geschichte selbst.


    Im Original gibt es insgesamt drei Bände, allerdings hat Heyne wohl entschieden, den dritten Band gleich nur noch in einem Sammelband heraus zu bringen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5:

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