Elke Pistor - Vergessen

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  • Inhalt:
    Mia wird beim Verstecken spielen entführt und wird in einem dunklen Raum wach. Sie ist 8 Jahre alt und war auf dem Weg zu ihrer Oma.
    Ein Zahnarzt springt aus dem Fenster seiner Praxis vorher hat er seine Sprechstundenhilfe so malträtiert das sie gestorben ist.
    Verena Irlenbusch ist Kommissarin und bekommt den Fall des Zahnarztes und einen neuen Kollegen. Dabei hat sie Privat auch schon genug um die Ohren mit ihrer dementen Großmutter.


    Meine Meinung:
    Bisher kannte ich Das Portal, Kraut und Rübchen und die Ina Weinz-Fälle von Elke Pistor. Mit Vergessen verlegt sie nicht nur bei einem anderen Verlag, sondern stellt uns auch ein neues Ermittlerteam vor.


    In Vergessen geht es um das Vergessen als Krankheit und auch um das nicht vergessen können von Schuld und alten Zeiten. Der Titel könnte nicht passender gewählt sein, als hier.
    Dabei fängt alles mit Mia an, einem kleinen achtjährigen Mädchen das auf dem Weg nach Hause verstecken spielt, aber auch mit anderen Szenen und Figuren die einen sofort in den Bann ziehen. Überhaupt ist hier Spannung Programm. Ganz ohne heftige Mordszenen fesselte mich Vergessen von der ersten bis zur letzten Seite und wie immer was es zu schnell vorbei. Ich flog nur so durch die Seiten und bekam leicht eine Ahnung von den Geschehnissen. So leicht das mir der Täter irgendwie recht schnell klar war, doch wusste ich ja nicht ob ich mit meiner Vermutung richtig lag und las sehr gespannt weiter.


    Die Hauptfigur ist Verena Irlenbusch, die Kommissarin. Sie versucht Job und die demente Oma unter einen Hut zu bringen, eine Sache die nur schief gehen kann und wo jemand auf der Strecke bleibt. Sie nimmt ihren Job Ernst, hat viel Mitgefühl, weiß sich aber auch durchzusetzen.
    Das beweist sie vor allem bei ihrem zugeteilten Partner, Christoph Todt, auch er hat eine belastende Vergangenheit und ist gerade Verena gegenüber sehr ruppig. Er ist so launisch das er mir zunächst unsympathisch war, was sich aber im Laufe der Geschichte änderte. Von ihm erfährt man erst ziemlich spät mehr, bis dahin hat man viele Fragezeichen warum er so ist.
    Es gibt noch viele Figuren die mehr oder weniger wichtig sind, die wichtigste Nebenfigur ist Ruth, die Großmutter von Verena Irlenbusch. Als Leser erlebt man wie sie vergisst. Es wird einem vor Augen gehalten was diese Krankheit bedeutet und was sie zu so einem Schrecken macht.


    Mit Vergessen hat Elke Pistor mich wiedermal überzeugt. Sie hat eine schlimme Krankheit sensibel angefasst und von verschiedenen Seiten beleuchtet. Vergessen ist nicht einfach nur ein Fall, sondern auch ein Augen öffnen was alles passieren kann mit der Diagnose Alzheimer oder Demenz.


    Ich hoffe noch mehr von Verena zu lesen, ob mit Todt oder nicht wäre mir nun zunächst Egal, aber vor allem mit Ruth. Die Autorin schafft es auch mit unbekannten Protagonisten spannende Geschichten zu schreiben. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Das grundsätzliche Thema des Buches, Vergessen, finde ich toll. Ich habe dazu auch in Krimiform was Demenz angeht noch nichts gelesen. Das schon mal als Pluspunkt des Romans. Auch die Figuren, besonders Verena und natürlich Ruth, sind mir ans Herz gewachsen. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass das Buch etwas mehr Spannung enthält. Gerade am Anfang wird doch recht viel Zeit für die Vorstellung von Personen ver(sch)wendet und ich habe mir mehrfach gewünscht, dass nun bitte etwas mehr Fahrt in die Sache kommt. Ein Page-Turner ist das nicht. Dafür entschädigt aber der feinfühliger Umgang mit dem Vergessen. Wenn ein Nachfolgebuch auf den Markt kommt, werde ich es mir wieder kaufen und hoffen, dass dann das Kernelement eines Krimis etwas mehr enthalten ist. Als kurzes Fazit würde ich sagen: Vielversprechend und ausbaufähig.

  • Ein kleines Mädchen verschwindet, mehrere Menschen begehen scheinbar Selbstmord – schnell stellt sich heraus, dass es einen Zusammenhang geben könnte. Auf Kommissarin Verena Irlenbusch kommen schwierige Ermittlungen zu, ausgerechnet jetzt, da ihre Teamkollegin einen schweren Unfall hatte und Verenas neuer Kollege gewöhnungsbedürftig ist. Und auch ihre Großmutter Ruth macht ihr das Leben nicht einfacher, denn deren Alzheimer-Erkrankung nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an und Verena muss sich etwas einfallen lassen, um sowohl ihre Arbeit als auch die Sorge um Ruth unter einen Hut zu bekommen.


    Mein erster Roman von Elke Pistor – und es hat mich direkt erwischt: Der Roman hat mir richtig gut gefallen. Die Autorin hat sich des Themas „Vergessen“ in verschiedenen Varianten angenommen, nicht nur Verenas Oma vergisst immer mehr, auch die Ermittlungen, der Fall an sich und die Probleme, die ihr Kollege mit sich herumschleppt, haben damit (bzw. mit dem Gegenteil „Nicht-vergessen-können“) zu tun, auch im Nachwort kommt die Autorin noch einmal darauf zurück. Für mich ergibt sich dadurch eine Geschichte wie aus einem Guss.


    Daneben ist der Autorin ein sehr spannender Roman gelungen, den man kaum aus der Hand legen mag. Das liegt auch an den gelungenen Charakteren, die bildhaft beschrieben und authentisch gezeichnet werden – und mit denen man mitfühlen kann. Sehr bedrückend, wie die Autorin schildert, wie der geistige Verfall Ruths deren Enkelin nach und nach immer mehr bewusst wird. Sehr einfühlsam und gleichzeitig emotional packend wird aus Sicht des Mädchens Mia dessen Schicksal erzählt. Und auch Verenas neuer Kollege Christoph Todt hat mich sich und seinen Dämonen zu kämpfen.


    Der Fall ist interessant und glaubhaft konstruiert, die Ermittlungen wirken authentisch und die Auflösung ist nachvollziehbar, wenn auch nicht unbedingt überraschend. Man merkt, dass Elke Pistor sich mit der Thematik auseinander gesetzt hat und am Ende hatte ich sogar noch etwas dazugelernt.


    Der Roman ist der erste Band einer Serie um Verena Irlenbusch, der zweite Band ist bereits erschienen (und wird gerade von mir gelesen). Ich bin gespannt, wie sich das Schicksal der Protagonisten weiter entwickelt und welche Fälle noch auf Verena warten. Von mir gibt es volle Punktzahl und eine absolute Leseempfehlung für alle, die gute Kriminalromane mögen und gerne am Leben der Ermittler teilhaben.

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