Richard Powers - Der Klang der Zeit / The Time of Our Singing

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Der Klang der Zeit

3.8|20)

Verlag: Fischer

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 768

ISBN: 9783596510108

Termin: Oktober 2007

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  • Ich will noch mal etwas außerhalb unserer Gewohnheiten von einem Buch berichten, dass ich selbst (noch) nicht gelesen habe, das mir aber sehr gut zu sein scheint, nach allem was ich darüber gelsen habe.
    Laut unserer Suchfunktion oben hart sich bisher noch keiner an den Titel und noch nicht mal an den Autoren herangemacht. Könnte von daher also ganz interessant werden.
    Auf der Fahrt nach HH habe ich im Zug einen Artikel in der "DB mobil" gelesen, sitze hier abends gemütlich im Sessel und schaue eine ältere Ausgabe vom Focus durch, gehe hier in eine Buchhandlung und nehme einen neuen Katalog mit: Und jedes Mal ist ein Artikel über dieses Buch drin.
    Jetzt interessiert mich: Hat es doch schon einer gelesen? Und wie ist deine Meinung dazu? Oder hat es vielleicht wenigstens schon einer zu Hause?
    Ich freue mich auf eure Antworten.
    Gruß aus dem Norden
    von
    Börsenblatt

  • Hallo Börsenblatt,


    ich besitze das Buch, habe es allerdings noch nicht gelesen und im Moment verliehen, da ich erst andere Sachen lesen mußte/wollte. Aber bei den vielen guten Meinungen darüber, freue ich mich schon darauf, es bald zu lesen.
    Grüße, Carlsen64

  • Dastehen tut es, wenn auch auf Englisch : " The Time of Our Singing". Aber in Anbetracht des Umfangs wird es noch etwas dauern, bis ich mich dazu aufraffe.... LG rollblau

  • Der umfangreiche Roman DER KLANG DER ZEIT (The Time of our Singing) von Richard Powers handelt von einer außergewöhnlichen Familie, die versucht, jenseits aller rassistischen und diskriminierenden Kategorisierungen ihre Identität zu finden und ein Zeichen gegen gesellschaftliche Intoleranz zu setzen. Doch dieses heikle Experiment schlägt fehl...


    David Strom, ein Jude deutscher Abstammung, der in die USA emigriert ist, heiratet Delia, eine Afro-Amerikanerin, trotz all den Vorurteilen gegenüber verschiedenen Rassen und Minderheiten, die im Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg solchen Aufwind haben. Dass die Beziehung zwischen den beiden unter einem unglücklichen Stern steht, ist also nicht verwunderlich. Um in ihren Kindern jedoch die Utopie einer toleranteren, rassenfreien Welt zu erhalten, versuchen sie diese außerhalb der Gesellschaft zu erziehen, um ihnen das Selbstbewusstsein zu vermitteln, das sie schnell verloren haben. Da aber die Mulatto-Kinder immer wieder mit der grausamen Realität der Gesellschaft - sprich: dem Rassismus - in Berührung kommen, entsteht eine Diskrepanz zwischen privater und öffentlicher Wirklichkeit, an welcher die Familie zu zerbrechen droht. Nur ein verbindendes Band, nämlich die Kraft der Musik, gibt ihnen die Stärke, die harsche Realität zu überwinden und bietet gleichzeitig Schutz und Geborgenheit. Die daraus entstehende musikalische sowie familiäre Harmonie ist aber nur eine Scheinwelt, deren Untergang nur eine Frage der Zeit ist.


    Während Jonah, der weißeste unter Delias Kindern, eine musikalische Laufbahn einschlägt, die von Vorurteilen und Misstrauen überschattet ist, sich aber dann schließlich doch zum Guten wendet, sodass Jonas ein Weltstar wird, wird der jüngere und schwärzere Bruder Joseph nur ein zweitklassiger Barpianistm der am Rande der Existenz lebt. Ruth, die jüngste, hat sich schon früh mit ihrer schwarzen Hautfarbe auseinandergesetzt und identifiziert sich damit so radikal, dass sie sich den Black Panthers anschließt, deren Aktionen von Demonstrationen bis zu gewaltsamen Terroraktionen reichen. Durch die Schattierungen ihrer Hautfarbe determiniert, geht Jonah den "weißen" Weg, während Ruth den "schwarzen" Weg geht. Beide Geschwister entfremden sich voneinander. Nur Jonah, der den Vermittler zwischen beiden spielt, ist fähig, die angespannte Situation zwischen den beiden, zu entschärfen, sodass die Familie nach etlichen Konflikten schließlich wieder vereint ist.


    Ein weiteresw großes Thema außerhalb des Rassismus ist die Zeit. Was ist Zeit? Wie empfinden wir Zeit? Wird die Gegenwart durch die Vergangenheit determiniert? Besiegelt die Gegenwart die Zukunft? Wie überhaupt hängen die verscheidenen Zeitabschnitte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen? Inwiefern bedingen sie sich gegenseitig? Genau diese Fragen stellt sich David Strom als Physiker und hadert schon sein ganzes Leben mit dem Geheimnis der Zeit. Seiner Meinung nach verläuft Zeit in Schnörkeln und Schleifen, die Vergangenheit, Gegenwart unf Zukunft miteinander verbinden. Genau dieses Zeitverständnis vermittelt auch das Buch mit Szenen, in denen sich die verschiedenen Zeitebenen auf so erschreckende Weise ineinander vermischen, dass man als Leser das Gefühl hat, dass Zeit ein Gefängnis ist, das unseren Weg schon verausbestimmt hat, ehe wir uns für einen Weg entscheiden. Zeit ist somit zeitlos und allgegenwärtig. Genauso wie der Rassismus über die Zeit hindurch zeitlos und allgegenwärtig geblieben ist. Zeit verändert sich also noicht, sondern wiederholt sich immer nur.


    Diese pessimistische Sichtbweise wird nur am Ende durchbrochen: Wie befinden uns in der Gegenwart und begegnen Davids und Delias Enkelsohn, der in einer toleranteren Gesellschaft zu leben scheint. Dieser utopische Neuanfang ist ein Ausblick auf eine bessere, tolerantere Zukunft, kann aber auch skeptisch gesehen werden.


    Das Buch dokumentiert, wie hartnäckig Vorurteile in der Gesellschaft festsitzen und ruft zu mehr Toleranz und Offenheit anderen gegenüber auf. Gerade dieser Gedanke, der immer noch nach einer Verwirklichung sucht, spricht für diesen Roman. Einziger Minuspunkt ist die Fachsprache der Musik, die sich durch das Buch hindurchzieht. Wer Klassik liebt, wird das Buch lieben. Wer nichts mit Musik anfangen kann, sollte sich aber trotzdem durchkämpfen, weil es sich lohnt.


    sunflower

  • Habe das Buch gerade begonnen, hat es schon jemand gelesen?


    sir

  • Ich habe es abgebrochen.
    Irgendwie war die Geschichte nicht mein Ding. Ich fand sie furchtbar langatmig und sie hat mich überhaupt nicht angesprochen.

  • Hallo,
    ich quäl mich gerade durch. Das Buch ist auf dem besten Wege, eines derjenigen zu werden, die ich nicht beende :|
    Von der Inhaltsangabe hab ich mir eigentlich mehr versprochen. Wie Hiyanha schon schrieb, ist es ziemlich langatmig. Dabei ist das Thema sicherlich interessant, aber - jedenfalls in dem bisher gelesenen Teil - nicht gut rübergebracht. Mal schauen, wie lang ich noch durchhalte :uups: :scratch:


    Gruß Maunzerle

  • Ich hatte das Buch schon super oft in der HAnd und konnte mich aber irgendwie nicht überwinden es zu kaufen. Hat es inzwischen jemand gelesen und kann mir mehr dazu sagen?


    Ich wäre euch dankbar, da ich echt hin und her gerissen bin ! :?: :?:


    Liebe Grüße


    Heike

  • Ich gehöre auch zu den Leuten, die es bereits angefangen habe. Leider kann ich es nicht wirklich lesen,weil ich in der Schule gerade zwei Bücher lesen muss und als Bus-Lektüre ist es mir zu schwer. Muss wohl noch ein bisschen warten. Ich wär aber auch interessiert an Meinungen von Leuten, die es bereits gelesen haben.


    Liebe Grüße
    Tink

  • Dieses Buch hatte ich gleich nach dem Erscheinen geschenkt bekommen und mich auch riesig gefreut. Leider SUBt es nun schon zwei Jahre. :( Na irgendwann klappt es mit dem Lesen.

  • Hallo,


    es ist schon etwas her, als ich das Buch gelesen habe. Ich habe es als ein sehr interessantes und vielschichtiges Buch in Erinnerung.
    Zum einen die Familiengeschichte die in USA spielt. Ein vor den Nazis geflüchteter Jude (David) heiratet eine Afroamerikanerin (Delia). Etwas unerhörtes im Amerika dieser Zeit (und wahrscheinlich auch noch heute). Mit Hilfe der Musik bauen sie sich ein Nest in dem sie sich vor den Anfeindungen von außen verstecken. Sie bekommen zwei Söhne und ein Mädchen, deren Geschichte parallel weitererzählt wird.
    Was ich noch sehr stark in Erinnerung habe, ist die unglaublich intensive Art wie über Musik erzählt wird.


    Bei einem Buch über 750 Seiten wird es streckenweise etwas langatmiger (mir fällt jetzt kein besseres Wort dafür ein), aber nicht so, dass ich das Buch auf die Seite legen wollte. Irgendwie gehörte diese entschleunigte Erzählweise zu diesem Buch. Ich kann das schlecht rüberbringen, vor allem, weil es ja doch etwas her ist, seit ich das Buch gelesen habe.
    Was mir auch noch sehr in Erinnerung geblieben ist, dass mir in diesem Buch recht eindringlich beschrieben worden ist, was Rassismus im täglichen Leben bedeutet. Da darf z.B. Delia nicht vorne im Auto sitzen, weil Farbige zu dem Zeitraum nicht vorne sitzen durften.


    In meiner Taschenbuchausgabe ist noch eine Zeittafel über die Geschichte von Amerika. Ich fand es sehr hilfreich um einige Geschichten in dem Buch besser zeitlich einordnen und verstehen zu können.


    Für mich war es ein sehr gut lesbares und beeindruckendes Buch, für das man sich etwas Zeit nehmen sollte.

  • Der Klang der Zeit von Richard Powers


    Ein riesiger Wälzer, der mich hin und her gerissen hat!


    Im Jahr 1939 gibt eine schwarze Sängerin vor dem Licolndenkmal in Washington ein Freilichtkonzert. Eigentlich war ihr Auftritt in einer Halle geplant, doch kurzer Hand wurde es von den „Weißen“ verhindert, welche aber nicht verhindern konnten, dass Miss Anderson kostenlos auf dem Mall singt, und die Massen anzieht.
    Delia, deren Traum es ist Sängerin zu werden, obwohl ihr Vater ihr von diesem Wunsch abrät, da Schwarze keine Chance besäßen sich frei zu entwickeln, besucht dieses Konzert. Dabei lernt sie den Physiker Daniel kennen. Aufgrund eines Zwischenfalls nach dem Auftritt; ein kleiner schwarzer Junge verirrt sich, und die beiden suchen gemeinsam nach seiner Familie; verliebt sie sich in diesen weißen Träumer.
    Auch für Daniel ist die Musik die Vollkommenheit, ein Weg zur Harmonie und zum „Klang der Zeit“.


    Die Eltern Delias sind alles andere als begeistert als sie ihnen mitteilt, dass sie einen deutschen Juden heiraten wird. Doch Daniel wird schließlich herzlich in der Familie aufgenommen.
    Die Ehe bringt in den Zeiten des Zweiten Weltkriegs zwei Jungen hervor, die Jojos, Jonah und Joseph, und letztendlich noch eine Tochter, Ruth.
    Als Physiker arbeitet Daniel im Krieg an der Entwicklung der Atombombe mit, die dann kurz vor Ende auf Hiroshima und Nagasaki landen.


    Nach dem Krieg kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen den Familien. Der Vater von Delia kann die Erziehung der Mischlingskinder nicht akzeptieren, er hält es für einen Verrat an seiner Rasse, dass die Kinder ausschließlich musisch, und fern ab des Weltgeschehens, eine eigene Rasse sozusagen im liberaleren New York, aufwachsen. Er wirft ihnen vor, die Augen zu verschließen, und es ist ihm auch ein Dorn im Auge, dass Daniel ein „Weißer“ ist, der die Problematik der Schwarzen niemals fassen kann. Die Verfolgung der Juden, was Daniel natürlich dazu besteuert, verharmlost er. So kommt es zu einer lautstarken Auseinandersetzung, wo Dinge ausgesprochen werden, die tiefe Wunden reißen, und die niemals mehr verheilen werden.


    Die Abende bei den Storms sind danach nie mehr so heiter und entspannt wie vorher. Das Singen und die Musik sind zwar nach wie vor das Dach der Familie, aber melancholischer.
    Kurz darauf wird Jonah, die göttliche Stimme aus der Vereinigung der mathematischen Harmonie und der Stimmgewalt seiner Mutter, auf eine Musikschule nach Boston geschickt. Ein Jahr später folgt auch Joseph.


    Die Musik ist das zweite Hauptthema des Buches. Powers kann mit dem geschriebenen Wort Töne erzeugen, die im Leser vibrieren und zur Melodie reifen. Generell ist die Sprache des Autors so einfühlsam und beschreibend, dass alle Figuren, Gefühle und Gedanken lebendig sind. Er ist ein wahrer Meister des Erzählens!


    Aber meine Begeisterung schwankte zwischen Überdruss und Faszination, eine Zerreißprobe, da Powers das Buch ganz eindeutig aufbauscht, und das Thema unnötig verkompliziert.
    Nicht nur, dass Powers das Thema aufgreift, die Stellung der Schwarzen im letzten Jahrhundert in Amerika, ein Thema, welches für sich bedrückender gar nicht sein kann. Nein, er schüttet auch noch einen weißen Juden als Zeugungsvater der drei Musiktalente in die Handlung hinein.
    Sind die Kinder nicht wegen ihrer Herkunft schon Mischlinge oder Mulatten, die sich nirgends heimlich fühlen, muss es auch noch durch den Glauben dramatisiert werden. Meiner Meinung nach ganz eindeutig zu viel des Guten. Auch Schicksschläge reihen sich in diesem Roman fortwährend aneinander.


    Auf einer Welle der Euphorie hat mich der Autor getragen, wenn es um die Musik ging, und wenn Joseph über sein Leben und seine Gedanken philosophierte. Eine anmutigere Sprache liest man nur sehr selten. „Verlockung“ von János Székely könnte man hiermit vergleichen.


    Zu diesem Werk muss man auf jedem Fall sehr viel Muße mitbringen, und deshalb kann der Roman von mir nur eingeschränkt empfohlen werden.

  • Meine Frau hatte dieses Buch in den Osterferien begonnen und wurde letztes Wochenende damit fertig. Sie meinte, es wäre sehr gut, weswegen ich heute auch damit beginne. Mal sehen, wo es mich hinführt. :wink:

  • Zitat

    Original von K.-G. Beck-Ewe
    Meine Frau hatte dieses Buch in den Osterferien begonnen und wurde letztes Wochenende damit fertig. Sie meinte, es wäre sehr gut, weswegen ich heute auch damit beginne. Mal sehen, wo es mich hinführt. :wink:



    Und klaus, kannst du schon etwas zum Buch sagen? Wie gefällt es DIR? Die Geschichte spricht mich doch an, und ich würde mir das Buch gerne kaufen, von daher wäre es auch interessant deine Meinung zu erfahren... :wink:

  • Hallo Ihr Lieben,


    da ich leider jedes Buch zu Einde lesen MUß, ist es für mich ein gewisses Risiko ein Buch anzufangen,von dem ich noch nichts gehört habe, es kann zu längeren Qualen führen ;-)
    Hat jemand schon " Der Klang der Zeit" von Richard Powers gelesen? Ist es zu empfehlen?
    Ich bin schon etwas überrascht und skeptisch,da ich unter Rezensionen das Buch noch gar nicht gefunden habe :scratch:


    Mit der Bitte um Hilfe
    LG
    Simonja


    :study: Stefanie Zweig : Katze fürs Leben
    Swetlana Allilujewa: 20 Briefe an einen Freund

  • ..upps.. :uups: ..ich glaube die Suchfunktion hier sollte verbessert werden,alternativ könnte ich versuchen die Tomaten von den Augen zu nehmen ;-)


    Danke Klaus ! Ich weiß zwar nicht nach den ganzen Anmerkungen, ob ich jetzt viel klüger bin,aber ich schätze ich risikiere es mal mit dem Buch ... :shock:



    LG
    Simonja

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