Anne Jacobs als Leah Bach - Insel der tausend Sterne

  • Berlin 1913
    Paula von Dahlen entstammt einer verarmten Adelsfamilie und muss sich ihren Lebensunterhalt als Sekretärin verdienen. Nach dem Tod ihrer Mutter kommt sie in den Besitz eines alten Fotos, das einen Unbekannten unter einem afrikanischen Affenbrotbaum zeigt. Einige Bemerkungen ihrer Tante Alice lassen Paula vermuten, dass es sich bei dem Fremden um ihren leiblichen Vater handeln könnte.

    Da die junge Frau mit ihrer Stellung längst nicht mehr zufrieden ist, meldet sie sich auf die Anzeige einer wohlhabenden Dame, die für eine Afrikareise eine Gesellschafterin sucht. Paula hofft, dabei den Spuren ihres vermeintlichen Vaters folgen zu können und bricht in ein Abenteuer auf, das ihr ganzes Leben verändern sollte.



    Die Idee zu dieser Geschichte hat mir recht gut gefallen und anfangs haben mich die Ereignisse auch rasch in ihren Bann gezogen.
    Paula ist eine sympathische junge Frau, die ihr Leben aufgrund sich ändernder Umstände selbstbestimmt in die Hand nimmt. Im weiteren Handlungsverlauf tauchen jedoch ziemlich seltsame Zeitgenossen auf, die mich mit ihren merkwürdigen Verhaltensweisen nicht überzeugen konnten. Dennoch kann die Autorin die Aufmerksamkeit des Lesers mit lebhaften und teilweise humorvoll beschriebenen Alltagsszenen fesseln. Erst mit Tom Naumanns Auftritt beginnt die Geschichte zu kippen, da er einen ganz und gar irrealen, nahezu lächerlichen Heldentyp verkörpert, der immer dann seinen großen Auftritt hat, wenn sich Paula aufgrund ihrer eigenen Naivität in Lebensgefahr begibt. Die Rettungsaktionen sind teilweise haarsträubend und erinnern an wahre Räubergeschichten.
    Gegen Ende wird der Roman wieder spannender, obwohl mir die langatmigen Landschaftsbeschreibungen mit den sich ständig wiederholenden Szenarien langsam aber sicher auf die Nerven gegangen sind. Man kann schon auf die Regengüsse warten, die sämtliche Protagonisten in allen erdenklichen Lebenslagen überraschen und bis auf die Haut durchnässen.


    Die Autorin versteht glücklicherweise lebendig zu erzählen und so lassen sich die rund 700 Seiten recht zügig bewältigen. Trotz des flüssigen Stils und des vielversprechenden Einstiegs möchte ich wegen der über weite Strecken unglaubwürdigen Handlung nicht mehr als :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: vergeben.


    Die beiden Vorgängerbände habe ich auch gelesen, weiß aber nicht, was dieses Buch, das als dritter Band der Charlotte Harmsen-Reihe geführt wird, mit den beiden anderen Teilen zu tun haben soll. Gemeinsam ist allen Büchern nur die Lokalität, Verbindungen unter den Protagonisten gibt es nicht. Deshalb kann dieser Band gänzlich unabhängig gelesen werden.

    Liebe Grüße von Lorraine :)


    "Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen." (Karl Kraus) :study: