Matt Haig - Die Mitternachtsbibliothek / The Midnight Library

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  • Nora leidet an Depressionen und ist mit ihrem Leben rundum unglücklich. Als dann sogar noch ihre Katze stirbt, ihre einzige "Bezugsperson", entscheidet sie sich dafür, sich das Leben zu nehmen. Doch Nora gelangt in die Mitternachtsbibliothek. Einem Ort zwischen Leben und Tod. Dort findet sie Zugang zu allen Leben, die sie hätte leben können. Denn jede Entscheidung führt zu einem neuen Parallelleben und nun darf sie sich durchtesten, die verschiedenen Leben ausprobieren und schauen, ob sie eins findet, in dem sie am Leben bleiben möchte.


    Die Idee, dass es unendlich viele Paralleluniversen gibt, ist nicht neu. Mir ist das spätestens seit dem Film " The Butterfly Effect" bekannt, aber ich mag die Vorstellung sehr, dass diese Leben in einer Bibliothek aufbewahrt werden. Nora hat in ihrem Leben nichts hinbekommen. Sie ist keine Olympiaschwimmerin geworden, keine Ehefrau, keine Musikerin und selbst als Katzenmama hat sie versagt. In der Bibliothek trifft sie auf das Buch des Bereuens, welches unglaublich schwer wiegt. Wie fast immer sind es die Dinge, die man nicht getan hat, die man am meisten bereut. Also probiert sie ein Leben aus, in dem sie etwas weiterverfolgt hat, dass sie ursprünglich aufgab. Aber wird sie dieses Leben glücklich machen? Oder ein anderes?


    Es macht Spaß Nora dabei zu begleiten und zu sehen, wie sich ihr Leben aufgrund einer Entscheidung verändert. Denn selbst kleine Entscheidungen können große Auswirkungen haben. Trägt man zum Beispiel das rote statt des grünen Kleides, trifft man evtl. seinen Traummann und gründet eine Familie, da der Mann sie nur im roten Kleid wahrnimmt. Außerdem ist es interessant zu sehen, wie Nora sich in einem neuen Leben zurechtfindet, denn auch, wenn es eigentlich ihr Leben ist, kann sie sich an nichts davon erinnern und muss die letzten Jahre erst für sich rekonstruieren – möglichst unauffällig natürlich.


    Fazit: Die Botschaft des Buches ist relativ schnell klar, aber schön und lebensbejahend. Die Idee ist nicht neu, wurde aber toll umgesetzt und dadurch war das Buch durchgängig unterhaltsam und lesenswert. 4,5 Sterne, die ich auf 5 aufrunde.


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  • K.-G. Beck-Ewe

    Hat den Titel des Themas von „Matt Haig - Die Mitternachtsbibliothek“ zu „Matt Haig - Die Mitternachtsbibliothek / The Midnight Library“ geändert.
  • Entscheidungen verändern unser Leben. Butterfly Effekt ist uns allen schon lange kein Fremdwort mehr. Und das Gefühl "Was wäre wenn...?" Kennen wohl die meisten von uns auf die ein oder andere Weise.


    Matt Haig gelingt es, um dieses Gefühl herum einen wunderbaren fiktionalen Roman zu spinnen, der zu Recht als Bestseller gehyped wird. Ich bin bei solchen "Vorhersagen" ja gerne auch mal etwas kritisch, doch diesemal hats mich einfach umgehauen. Er schreibt spannend und auf den Punkt kommend. Jedes Kapitel baut auf dem nächsten auf, ich habe eher das Gefühl der Entstehung eines Kunstwerkes beizuwohnen als einen Roman zu lesen. Oder mehr der Entstehung eines Lebens? Denn darum geht es letztendlich für die Protagonistin, die Frage, wie ein perfektes Leben für sie entstanden wäre.


    Meine Lieblingsstellen waren die Worte zu der Katze Voltair und das Ende, das für mein Gefühl zu hundertprozent gepasst hat.


    Verbunden mit viel Weisheit und Humor, emotionalität und Tiefgang führt er uns Seite für Seite durch ein ganz besonderes Erlebnis: Eine Bibliothek zwischen den Zeiten. Die Mitternachtsbibliothekt.


    Fazit: Ein echter Klassiker, von dem ich noch lange zehren werde!

  • Ja dieses Buch hat wirklich eine ganz tolle Botschaft und der Autor bringt diese wunderbar herzerwärmend rüber. Ja er schreibt sehr unkompliziert und es ist ein Genuss dieses Buch zu lesen.
    Es ist auch sehr gut wegzulesen, so dass man als Leser in einen schönen Leseflow kommt.

    Auch die Charaktere kommen sehr authentisch rüber und sind mir ans Herz gewachsen, ganz besonders Mrs Elm. Und mal ehrlich, in diesem Buch ist das Leben eine Bibliothek! Wie toll ist das denn? :love::love::love:


    Aber dennoch bin ich sehr unzufrieden über den Schluss. Das war am Ende echt zuviel des Guten. Ohne zuviel zu spoilern, die Protagonistin hatte ja im Grunde ihren Frieden gemacht, warum muss man dann noch so übertreiben? Da wäre etwas weniger mehr gewesen.


    Fazit: Nichtsdestotrotz ist es ein wunderbares Buch, was gut unterhält und eine zauberhafte Botschaft hat. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Inhalt:


    Nora Seed ist in ihrem Leben sehr unglücklich. Aus lauter Verzweiflung beschloss sie, sich das Leben zu nehmen. Nun findet sie sich in der Mitternachtsbibliothek wieder. Einer Bibliothek mit tausenden von Büchern und jedes Buch enthält ein Leben, das Nora leben hätte können. Sie probiert eines nach dem anderen durch, jedes bringt sie in ein anderes Leben, in dem sie sich erst zurechtfinden muss. Doch kann ein Leben, das man nicht selbst geführt hat, wirklich glücklich machen?


    Meinung:


    Das ist für mich nicht das erste Buch, in dem es neben unserem eigenen Leben noch unzählige andere Parallelleben gibt. Die Annahme, dass sich bei jeder Entscheidung ein neues Leben abspaltet, ist faszinierend aber auch irgendwie verstörend. Dann würde es tausende Paralleluniversen mit tausenden von jedem von uns geben. Aber es wäre schon interessant, herauszufinden, wie das eigene Leben verlaufen wäre, hätte man dies oder jenes anders gemacht, oder?


    Nora Seed hat in der Mitternachtsbibliothek diese Möglichkeit, in der sie sich nach ihrem versuchten Selbstmord befindet. Hier kann sie Bücher auswählen, die ihr ein Leben zeigen, wenn sie hier oder da eine Entscheidung anders getroffen hätte. Aber sind diese Leben wirklich besser?


    Matt Haig hat hier ein wundervolles Buch geschaffen über das Leben und die Entscheidungen, die wir täglich treffen. Es ist ein Hoch auf unser Leben, das - auch wenn es uns manchmal verzweifeln lässt - doch das einzige ist, das uns gehört. Jede Entscheidung, die wir treffen, macht uns und unser Leben aus.


    Mir hat diese Geschichte Mut gemacht. Auch wenn es viel gibt, was ich bereue, jede Entscheidung hat zu dem Leben geführt, das ich jetzt lebe. Jede Entscheidung hat dazu geführt, wer ich bin. Natürlich gibt es viele Dinge, die ich bereue und die ich vielleicht anders machen würde. Aber wer weiß, zu wem ich dann geworden wäre. ... wer weiß, vielleicht gibt es ja auch wirklich tausende von Paralleluniversen, in denen es tausende von Caros gibt und in denen jede Entscheidung durchgespielt wird. Vielleicht bin ich in einem davon sogar eine bekannte Autorin oder Schauspielerin oder ähnliches. Aber wer weiß, ob ich in diesen Leben glücklich bin? Ob ich meine drei Kinder habe und meinen jetzigen Mann? Nein, ich bin froh, dass ich hier in meinem Leben lebe.


    Wie man an meinen Abschweifungen sicher merkt, ist die Mitternachtsbibliothek eine Geschichte, die viel Stoff zum Nachdenken gibt. Und allein dafür liebe ich dieses Buch!


    Fazit:


    Eine wundervolle Geschichte über das Leben und die Entscheidungen, die uns ausmachen. Ein Hoch auf das Leben und viel Stoff zum Nachdenken.

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  • Für Nora Seed, Mitte 30, läuft das Leben ganz und gar nicht rund. Sie ist Single, kinderlos und seit Neuestem ohne Job. Ihr Bruder will sie nicht sehen, ihre Katze wurde gerade überfahren und sie fühlt sich von niemandem gebraucht. Ein Selbstmord erscheint ihr da als der richtige Ausweg. Doch womit sie nicht gerechnet hat: Auf dem Weg ins Jenseits kommt sie in eine riesige Bibliothek mit all den Leben, die sie hätte führen können. Dort hat Nora die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch bringt sie in eine veränderte Welt. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?


    „Die Mitternachtsbibliothek“ ist ein Roman von Matt Haig.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus mehr als 70 angenehm kurzen Kapiteln. Erzählt wird aus der Perspektive von Nora. Dieser Aufbau funktioniert prima.


    Der Schreibstil ist anschaulich, lebendig und voller Bilder. Dem Autor gelingt es, seine Fantasie so zu schildern, dass man sie sich als Leser gut vor dem inneren Auge vorstellen kann.


    Nora steht als Protagonistin ganz klar im Fokus der Geschichte. Sie ist ein durchaus sympathischer Charakter, obwohl sie für ihr Alter ein wenig unreif wirkt. Obwohl ich mich nicht mit ihr identifizieren kann, konnte ich ihre Gedanken gut nachvollziehen. Darüber hinaus tauchen etliche Nebenfiguren auf.


    Besonders gereizt hat mich an dem Roman die kreative Idee der Bücher mit den unterschiedlichen Leben, die schlüssig dargestellt wird. Die verschiedenen Welten machen die Lektüre unterhaltsam und kurzweilig. An der einen oder anderen Stelle hätte die Geschichte sogar durchaus etwas ausführlicher sein dürfen und sollen.


    Eine Stärke des Romans ist es, dass er zum Nachdenken anregt. Es geht um Lebensentscheidungen, um Reue und vertane Chancen, um Möglichkeiten und bedeutsame Wendepunkte. Philosophische Fragen werden aufgeworfen. Außerdem wird hier das wichtige Thema Depression näher beleuchtet. Das alles trägt dazu bei, dass der Roman erstaunlich tiefgründig ist.


    Gut gefallen hat mir zudem, dass sich nicht nur das Cover an der Originalausgabe orientiert, sondern auch der prägnante englische Titel wortgetreu ins Deutsche übersetzt wurde.


    Mein Fazit:

    Auch wenn man sicherlich aus der Idee noch mehr hätte rausholen können, hat mich Matt Haig abermals nicht enttäuscht. Sein Roman „Die Mitternachtsbibliothek“ bereitet schöne Lesestunden und liefert nebenbei interessante Denkanstöße.


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  • Der Klappentext sagt schon sehr genau, worum es hier geht: Nora Seed ist Mitte 30 als sie bewusst merkt, dass sie scheinbar nichts mehr in ihrem Leben festhalten kann. Sie fühlt sich ungeliebt und von niemandem gebraucht, kämpft auch schon seit Jahren gegen Depressionen und entschließt sich, dem ein Ende zu machen.

    Dieses Ende führt sie jedoch nicht in den Tod, sondern in die Mitternachtsbibliothek. Hier hat sie die Möglichkeit, alles Revue passieren zu lassen - vor allem die Entscheidungen, die sie bereut, zu überdenken und vor allem: sie zu ändern.


    Jeder denkt sicher manchmal darüber nach, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn man sich in mancher Situation in der Vergangenheit anders entschieden hätte. Dazu kommt die wissenschaftlich ja gerne erwähnte Idee von Paralleluniversen, unzählige Welten die neben der "unseren" existieren und in denen alle Möglichkeiten offenstehen, weil in jeder dieser Welten unser Leben anders verläuft.

    Das wirkt natürlich eine große Faszination aus, diese Leben kennenlernen zu dürfen. Auch ich wäre neugierig, was ich für andere Alternativen gewählt hätte und welche Entwicklungen sich daraus ergeben hätten.


    Wie Matt Haig das ganze umsetzen wird konnte ich mir nicht so recht vorstellen, aber er hat es sehr schön rübergebracht. Mit Nora zusammen erleben wir mal kurz und mal länger die unterschiedlichsten Wege zu Erfolgen und Misserfolgen, zu erfüllten Hoffnungen und unerfüllten Träumen und entdecken das Potenzial, was in jedem Leben steckt. Das ist, denke ich, die Kernaussage: das Leben beginnt immer JETZT und hält alle Möglichkeiten offen, um glücklich zu werden.


    Hier muss ich allerdings einhaken, denn ich finde, teilweise macht es sich Matt Haig zu einfach. Er möchte natürlich eine positive Botschaft transportieren, was wichtig ist, aber für viele Menschen ist es nicht so leicht, wie er es hier darstellt. Alleine das Wissen, dass mein Leben alle Möglichkeiten birgt, heißt noch lange nicht, diese auch erreichen zu können. Da er selbst an Depressionen leidet, weiß er das auch sicherlich, und ihm war es wohl "einfach" ein Bedürfnis, etwas Frohes und Positives in die Welt zu tragen mit diesem Buch.


    "Es ist leicht, um die möglichen Lebensvarianten zu trauern, die wir nicht leben. Es ist leicht, sich zu wünschen, man hätte andere Begabungen entwickelt, andere Angebote angenommen. Leicht, sich zu wünschen, man hätte härter gearbeitet, inniger geliebt, seine Finanzen klüger gemanagt, wäre beliebter gewesen [...]"

    Zitat Seite 306


    Gerade diese Aussage hat mich echt verwundert und auch getroffen. Denn über diese Dinge nachzudenken und dabei an sich zu arbeiten ist eben nicht leicht! Ich weiß, wie er es wahrscheinlich gemeint hat - um zu betonen, dass der andere Part schwieriger, aber zu meistern ist, sich nämlich der Situation zu stellen, wie sie eben ist und sie anzunehmen und das Beste daraus zu machen.

    Dennoch fühlt es sich für mich ein bisschen wie ein Schlag ins Gesicht an - manche Menschen hadern sehr mit bestimmten Entscheidungen und sie kämpfen darum, sich mit ihren psychischen Problemen, die damit zusammenhängen, auseinanderzusetzen. Das als "leicht" zu bezeichnen finde ich nicht schön, denn es ist genauso schwer oder auch nicht und kann man nicht so verallgemeinern.


    Es gab aber auch viele schöne Momente und Botschaften, grade was auch die Einsamkeit betrifft. Einsamkeit inmitten der Masse ist ein trauriges Phänomen:


    "Die einsame Seele in der hektischen Stadt sehnt sich nach Beziehungen, weil sie meint, zwischenmenschliche Beziehungen seien das A und O. Doch inmitten menschenleerer Natur (oder dem "Elixier der Wildnis", wie Thoreau es nannte) bekam die Einsamkeit ein anderes Gepräge"

    Zitat Seite 148


    Diese vielen social media Freundschaften bringen eben oft nicht den Effekt den man sich erhofft. Ein weiteres Gebiet von Oberflächlichkeit, das sich in immer mehr Bereiche einschleicht. Demgegenüber steht das Gefühl von einer erfüllenden Einsamkeit in der Abgeschiedenheit der Natur, da man hier zu sich selber finden kann. Sich wieder wirklich spüren kann und eine Beziehung zu sich (und der Natur) aufbaut und erfährt, die man "im Alltag" gar nicht mehr empfinden kann.

    Den Philosophen Henry David Thoreau erwähnt und zitiert er übrigens öfter. Den Namen hab ich schon mal gehört, mich aber noch nie mit ihm befasst, das werde ich jetzt auf jeden Fall tun.

    Und natürlich beschreibt er auch sehr schön, dass "ein glückliches Leben" nicht das reinste Glück bedeutet. Leben besteht aus vielen Gefühlen, und da sind Trauer und Angst ebenso wichtig, wie Freude, Spaß und Liebe.

    Das zeigt er auch an der Erwartungshaltung von Nora, die sich nie genug war und immer das Gefühl hatte, den anderen genügen zu müssen, um selbst glücklich zu sein. Ob sie damit ihre eigenen Träume erfüllt oder nicht war damit zweitrangig, da sie sich selbst nicht wertgeschätzt, es aber von den anderen erhofft hat.


    Je mehr Leben sie "besucht" und je mehr sie erkennt, wie erfüllend und frustrierend jedes davon sein kann, umso mehr besinnt sie sich auf sich selbst. Ein bisschen gestört hat mich hierbei manchmal, dass sie so offensichtlich nach Dingen frägt, die sie "auffliegen" lassen könnten, da sie ja sozusagen in einem fremden Körper, in ein fremdes Leben, schlüpft, um sich dort umzuschauen und ihr öfter etwas rausrutscht, worüber sie ruhig erstmal hätte nachdenken können. Das hätte dann aber auch insgesamt alles mehr Zeit beansprucht und bei der Kürze des Buches war es dann auch okay so.

    Matt Haig hat seine Botschaft jedenfalls gut verpackt und ein positives Gefühl hinterlassen, dass jeder die Chance hat, nach den sich bietenden Möglichkeiten zu greifen und die Konsequenzen anzunehmen.


    Insgesamt kann ich dennoch nicht so ganz mitgehen, wie oben schon erwähnt. Es fühlt sich ein bisschen an, als "müsste ich nur wollen, dann gehts mir schon besser" - und das ist für viele Menschen leider eben kein leichter Schritt. Als würde man zu einem Menschen im Rollstuhl sagen: wenn du nur wirklich willst, kannst du auch wieder laufen... ganz so simpel ist das aber nicht mit den Gefühlen, die in uns kämpfen und trotzdem hoffe ich, dass dieses Buch allen, die es lesen, etwas positives mitgeben kann.


    Mein Fazit: 4 Sterne

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    "Was wäre wenn" hat sich bestimmt jeder schon einmal gefragt. Nora Seed auch, aber dennoch ist sie sehr überrascht, als sie nach ihrem Selbstmordversuch in eine Zwischenwelt gerät in der sie mittels Bücher in jede Version ihres Lebens einsteigen kann. Wenn sie irgendwo irgendwann eine andere Entscheidung getroffen hätte wäre ihr Leben ganz anders verlaufen.

    Ziel der Übung ist ein bisschen wie bei Faust. Das Leben zu finden, das sie zu 100% zufrieden stellt und wo sie am liebsten sagen würde "verweile doch du bist so schön". Ansonsten kehrt sie immer wieder in die Mitternachtsbibliothek zurück. Und das tut sie des öfteren, denn auch wenn sie eine Entscheidung, die sie später bereute, nun revidieren konnte so ergeben sich früher oder später andere Dinge, die sich als nicht wirklich toll entpuppen.

    Das ist auch ein bisschen eine Life-Lesson für die Leser, die vielleicht ein ebenso dickes "Bereuen"-Buch haben wie Nora. Häng dem Vergangenen nicht nach. Wer weiß ob es überhaupt diese Variante deines Lebens so toll geworden wäre wie du es dir immer einbildest.

    Kam mir am Anfang des Buches ja gleich der "Faust" in den Sinn (von dem ich gar nicht weiß, ob Matt Haig sich von dem inspirieren ließ), so fiel es mir gegen Ende des Buches wie Schuppen von den Augen welches Werk hier doch sehr offensichtlich referenziert werden soll! Schließlich spielt die Geschichte in Bedford, das wird seit Beginn an häufig genug erwähnt. Später tauchen noch die Namen Bailey und Donna auf. Und dann macht Nora einen Spaziergang durch ihre Heimatstadt, in der es ihre Ursprungs-Version nie gegeben hat. "Ist das Leben nicht schön?" natürlich! Und da gibt es gleich noch eine Life-Lesson, für Nora und die Leser!

    Das Ende fand ich gut (obwohl es meinetwegen auch gerne schon etwas früher hätte enden können, das sah Nora ja genauso), nicht kitschig-happy-endig aber trotzdem positiv in die Zukunft blickend.

  • Was wäre gewesen, wenn... Wer von uns hat nicht schon einmal mit diesem theoretischen Gedanken gespielt? Wie wäre unser Leben verlaufen, wenn wir von unserem Weg abgewichen und andere Entscheidungen gefällt hätten? Wären wir womöglich erfolgreicher und glücklicher geworden? Mögliche Antworten auf diese Fragen finden wir in dem Buch "Die Mitternachtsbibliothek", in dem sich der Bestseller-Autor Matt Haig mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzt.

    Stell dir vor, auf dem Weg ins Jenseits gäbe es eine riesige Bibliothek, gesäumt mit all den Leben, die du hättest führen können. Buch für Buch gefüllt mit den Wegen, die deiner hätten sein können. Hier findet sich Nora Seed wieder, nachdem sie aus lauter Verzweiflung beschlossen hat, sich das Leben zu nehmen. An diesem Ort, an dem die Uhrzeiger immer auf Mitternacht stehen, eröffnet sich für Nora plötzlich die Möglichkeit herauszufinden, was passiert wäre, wenn sie sich anders entschieden hätte. Jedes Buch in der Mitternachtsbibliothek bringt sie in ein anderes Leben, in eine andere Welt, in der sie sich zurechtfinden muss. Aber kann man in einem anderen Leben glücklich werden, wenn man weiß, dass es nicht das eigene ist?

    Für mein Empfinden ist das Cover perfekt auf den Inhalt des Buches abgestimmt worden. Eine Katze läuft auf ein hohes Gebäude zu, das von innen heraus zu strahlen scheint. Die Mitternachtsbibliothek ist eine Zwischenwelt zwischen Leben und Tod. Auf ein festes Dach ist verzichtet worden; man ist für alle Optionen offen.

    Ehrlich gestanden, ist mir der Einstieg in dieses Hörbuch ziemlich schwergefallen. Nora Seed ist eine schwer depressive, unbedarfte Protagonistin, mit der ich nicht warmgeworden bin. Es ist hart, ihre negativen Gedankengänge verfolgen und den minutiös geschilderten Countdown bis ihrem Selbstmord miterleben zu müssen, und ich war mehr als einmal versucht, das Hörbuch abzubrechen. Dass ich es nicht getan habe, ist der Verdienst der Sprecherin Annette Frier, die mich mit ihrer angenehmen, frischen und klaren Stimme durch dieses anspruchsvolle Hörbuch getragen und die vielen verschiedenen Charaktere deutlich herausgearbeitet hat.

    Nach diesem schwierigen Start hat das Hörbuch für mich langsam an Fahrt aufgenommen. In der Mitternachtsbibliothek hat Nora die Chance, alternative Lebenskonzepte zu wählen, die ihr weiteres Schicksal verändert hätten. Wie erwartet, muss sie die Erfahrung machen, dass nicht alles perfekt gelaufen wäre, wenn sie andere Entscheidungen in ihrem Leben getroffen hätte. Leider darf sie nicht dauerhaft in einem Leben verweilen, das jeweilige Konzept wird nur angerissen, aber unterm Strich kann sie wichtige Einsichten gewinnen.

    Alles in allem ist Matt Haig ein interessantes und tiefgründiges Buch gelungen, das durchaus zum Nachdenken über den Sinn des Lebens anregt. "Du musst das Leben nicht verstehen, nur leben." Diese einfache Botschaft sollten wir alle beherzigen!

  • Jeder Mensch trifft im Leben unmengen Entscheidungen zwischen verschiedenen Möglichkeiten. Die eine Chance wird ergriffen, alle anderen Möglichkeiten abgelehnt. Wie hätte sich aber das Leben entwickelt, wenn wir andere Entscheidungen getroffen hätten? Wären wir dann glücklicher, ginge es uns schlechter?

    Genau um diese spannenden Fragen geht es in diesem wunderbaren Buch. Als Leser_innen lernen wir die junge Frau Nora kennen, die sich in einer Krisensituation versucht das Leben zu nehmen und statt im nachtodlichen Jenseits in einer Bibliothek landet und dort die Chance erhält zu erleben, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie z.B. Polarforscherin, Sängerin, Schwimmerin etc. geworden wäre. Eine zentrale Rolle spielt das so genannte Buch des Bedauerns und je mehr Leben sie miterlebt, desto kleiner wird es.

    Dieses Buch von Matt Haig gehört für mich schon jetzt zu meinen absoluten Highlights 2021. Die Sprache ist berührend, mitreissend und lädt dazu ein, sich auch um das eigene Leben Gedanken zu machen und vielleicht ja sogar etwas zu verändern.

  • Wege ins Diesseits


    Oder welche Träume sind meine eigenen?


    Es gibt Tage, an denen alles schief geht. Nora hat einen Kater namens Voltaire und sie liebt Volts sehr. Als er plötzlich tot am Straßenrand liegt und ihr Chef ihr auch noch unerwartet kündigt, ist sie sehr verzweifelt. Ihre beste Freundin Izzy ist weit weg, in Australien, die Eltern sind tot und zu ihrem Bruder Joe ist der Kontakt abgebrochen. Noras Nachbar, Mr. Banerjee, braucht sie auch nicht mehr, denn der Apothekenjunge bringt seine Tabletten jetzt zu ihm ins Haus. Das hat Nora vorher gemacht. Und Leos Mutter Doreen sagt seine Klavierstunden nun generell ab, weil Nora zur verabredeten Zeit gar nicht zu Hause war. Noras Verzweiflung nimmt überhand und so will sie sich umbringen, mit Tabletten. Aber sie stirbt nicht.


    Nora landet in einer Zwischenwelt, in der Mitternachtsbibliothek und Mrs. Elm, ihre alte Schulbibliothekarin erwartet sie dort. In den Regalen stehen die Bücher mit den alternativen Leben, die Nora hätte führen können …


    Nun rutscht Nora zunächst in die Träume der anderen. Da gibt es Dan, den sie heiraten wollte, aber sie hat es sich in letzter Minute anders überlegt. Dans Traum war eine Kneipe auf dem Land mit sich selbst als bestem Kunden. Izzys Traum war ein Leben in Australien.


    „Nora erkannte, dass die anderen Menschen, egal wie ehrlich man zu ihnen ist, die Wahrheit nur dann sehen, wenn sie nah genug an ihrer eigenen Realität liegt.“ Seite 269


    Es gibt unzählige Begegnungen in unzähligen Leben und es ist schon ein Kunststück des Verfassers, dass man als Leser stets den Überblick behält. Das kommt alles sehr leichtfüßig daher, sehr kreativ und manchmal schräg gegen den Strich gebürstet.


    Einzig der Referenzschwule, Noras Bruder Joe, hat mich extrem gestört, dafür gibt es einen Stern Abzug! So was kann ich echt nicht leiden, man gewinnt ja fast den Eindruck, als gäbe es ohne Schwule, Lesben oder Transgender kein Geld mehr für Publikationen.


    Fazit: Ansonsten sind die Figuren und die jeweiligen Sets hervorragend ausgearbeitet, man kann sich bestens in die jeweiligen Situationen einfühlen, erlebt alles hautnah mit. Ein mögliches, sehr berührendes Ende kann man sich ausmalen. Ungewöhnliche und sehr empfehlenswerte Lektüre, bei der man sehr viel lernen kann, wenn man auf die wirklich zahlreichen angebotenen Themen aufspringt. ****

  • Dieses Buch war wieder so eines, bei dem ich froh war, möglichst wenig vorher darüber zu erfahren und die Umsetzung dieser - wirklich ungeheuer interessanten - Idee einfach auf mich wirken zu lassen. Ich habe das englische Hörbuch zum Buch gehört und fand die Sprecherin ganz grandios! :thumleft: Zudem war dies mein erstes Buch von Matt Haig.


    Der Einstieg hat mich schon kurz zusammenzucken lassen ("Neunzehn Jahre bevor sie beschloss zu sterben, saß Nora Seed in der warmen kleinen Bibliothek der Hazeldene School in Bedford."). Man lernt Nora in einer Lebensphase kennen, in der sie das Gefühl hat alles vermasselt zu haben, was sie vermasseln konnte. Viele Chancen in ihrem Leben hat sie scheinbar verstreichen lassen und um ihren dunklen Gedanken nicht vollkommen zu verfallen, nimmt sie Antidepressiva. Schließlich übermannt sie dieses Gefühl von Nichts aber dann doch und plötzlich steht Nora in einer Bibliothek mit mehr Büchern, als sie zählen kann. Zu ihrer Überraschung wird die Bibliothek von Mrs Elms geleitet, der Bibliothekarin aus ihrer Grundschule.


    Die weiteren Geschehnisse sind schon deshalb so spannend, weil Nora nun sehen kann, wie ihr Leben verlaufen wäre, wenn sie damals - in den verschiedensten Situationen - anders entschieden hätte. Und natürlich findet sie nicht das vor, was sie erwartet hätte. Jedes alternative Leben, in das sie kurzzeitig hinein springt, ist vollkommen anders. Und es wird schnell klar, wie groß die Bandbreite an Potential eines Lebens sein kann.


    Alles in allem verbreitet das Buch eine sehr ruhige Atmosphäre. Man macht unterwegs so viele Entdeckungen und doch wird es recht nüchtern abgehandelt und beschrieben. Ich denke allerdings, nachdem es einige Zeit auf mich wirken konnte, dass es zu Nora's Depression passt, schließlich erlebt man alles aus ihrem Kopf heraus. Trotzdem muss ich ganz klar sagen, dass hier - mit Ausnahme des Einstiegs, vielleicht - keine depressive Stimmung aufkommt.

    Da er selbst an Depressionen leidet, weiß er das auch sicherlich, und ihm war es wohl "einfach" ein Bedürfnis, etwas Frohes und Positives in die Welt zu tragen mit diesem Buch.

    Das der Autor aus eigenen Erfahrungen heraus schreibt, hatte ich nicht gewusst, wäre aber sicherlich hilfreich für mein Verständnis gewesen. M.E. wichtig um die Authentizität von Nora's Gefühlswelt bestätigt zu wissen.


    Das Highlight dieses Buches war für mich dieser starke Kontrast zwischen den ersten 20 Seiten und den letzten 20 Seiten. Ohne das hier auf etwas explizit Bezug genommen werden muss, ist man sich sofort klar, was diese Bibliothek mit Nora macht. Der Autor hat es einfach so wundervoll umgesetzt, dass es keiner weiteren Erläuterung bedarf.


    Fazit: Ich fand das Buch richtig toll und sehr originell. Nora ist eine Protagonistin, die einem selbst genug ähnelt, um sich hier schnell wieder zu finden (mal mehr, mal weniger). Die Idee wurde ganz toll umgesetzt und die Sprecherin des englischen Hörbuchs hat die ruhige Atmosphäre perfekt verkörpert. Den letzten Stern kann ich allein aus dem Grund nicht geben, weil es mich letzten Endes einfach nicht genug fesseln konnte, wie ich es von einem 5-Sterne-Buch erwarten würde. Dafür war es mir irgendwie eine Spur zu nüchtern. Wenn man allerdings bedenkt, dass die Geschichte aus der Sicht einer unter Depression leidenden Frau erzählt wird, lässt sich über diesen Punkt sicherlich diskutieren.


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    "The worth of a book is to be measured by what you can carry away from it."

  • Mein Exemplar wohnt seit heute wieder in der Bücherei und ich bin echt froh, dass ich nur einen befristeten Mietvertrag und keinen Kaufvertrag abgeschlossen hatte. [-(


    Ich habe mich sehr geärgert über das Buch. Wie kann man nur so einfältig und wenig einfühlsam mit diesem Thema umgehen. Als wenn Menschen, die ernsthaft an einer Depression erkrankt sind, nur die richtige Entscheidung für das jeweils richtige Leben treffen müssten, um gesund zu werden. Diese Grundaussage des Buches ist in meinen Augen eine Ohrfeige für alle Betroffenen. Dabei müsste der Autor es eigentlich besser wissen. :roll:

    :montag: Judith Hermann - Daheim


    "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
    (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)


  • was wäre wenn


    Worum geht es?

    Nora möchte sich das Leben nehmen, doch statt zu sterben, landet sie in einer Bibliothek, in der sie in ihre anderen ungelebten Leben schlüpfen kann, die nur durch kleine Entscheidungen ganz gravierend anders sind als ihr eigentliches Leben.


    Worum geht es wirklich?

    Bereuen und Glück


    Lesenswert?

    Ja, eine sehr schöne magische Ideen einem positiven und lebensbejahenden Buch, mit anregenden Gedankengängen.

    Zu Beginn lernt man Nora kurz in ihrem bisherigen Leben kennen und auch die Gründe für den Wunsch, dieses Leben zu beenden. Gerade diesen Anfang empfand ich als sehr berührend, denn Schritt für Schritt brechen Noras kleine Gründe, warum ihr Leben für sie einen Sinn ergibt, weg. Es sind alles nur Kleinigkeiten, aber diese angesammelt und vereint, lassen Nora sich dazu entschließen, dass sie diesem Leben ein Ende setzen kann ohne dass jemand sie vermissen wird. In der Bibliothek entdeckt Nora dann, dass sie in alternative Leben schlüpfen kann. Diese zeigen, wie ihr Leben wäre, wenn sie bestimmte Entscheidungen anders getroffen hätte.

    Die Sprache und die fantastische Bibliothek sind wirklich wunderbar und haben mich total in ihren Bann gezogen. Es ist ein interessanter Gedanke, welche alternativen Leben man hätte haben können und zeitgleich sieht man in jedem einzelnen Leben von Nora, dass es eigentlich nie perfekt ist, man aber dennoch glücklich sein kann. Nicht immer kann Nora, wie sie charakterlich ist, sich in der Nora der Alternativwelt wiederfinden, manchmal ist ihr dieses alternative Selbst sehr fremd. Diese Leben sind so vielfältig, dass man sich als Leser*in auch in manchen mehr und in manchen weniger erkennt oder erstrebenswert findet. In keinem dieser Leben fühlt sich Nora wirklich angekommen, was aber natürlich auch daran liegt, dass sie eine andere ist. Nur weil die tatsächliche Nora hier nicht glücklich wird, kann es ja die alternative Nora des Lebens sehr wohl sein.

    Die Handlung ist durch die unterschiedlichen Eindrücke sehr abwechslungsreich, auch wenn alles eigentlich nur innerhalb weniger Stunden spielt. Die Auflösung an sich kommt nicht überraschend, das muss es aber meiner Meinung nach auch nicht. Dieser Roman kommt also sehr gut ohne unvorhersehbare Wendung aus.

    Sowohl Cover als auch das entsprechende Hörbuch sind gelungen, das eine sehr hübsch gestaltet und das andere ganz toll gelesen, voller Emotion.

    Ein wenig hadere ich jedoch trotz all dieser positiver Eindrücke, die ich vom Buch gewonnen habe mit dem Umgang mit Suizid und Depression, ich bin mir nicht sicher, ob ich die Art der Darstellung wirklich gelungen finde.


    Bewertung: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

  • Das Leben kann schön sein


    In diesem Buch gehen wir mit Nora, die ihrem Leben ein Ende setzen will, auf eine außergewöhnliche Reise und erfahren wie ihr Leben verlaufen wäre, hätte sie sich an verschiedenen Stellen entschieden einen anderen Weg einzuschlagen.



    Anfangs habe ich das Buch als sehr düster, trist und deprimierend empfunden. Aber genau so sah Nora auch ihr Leben, weswegen sie sich entschieden hat nicht mehr weiterleben zu wollen. Die Idee, dass es eine Zwischenstation zwischen Leben und Tod gibt, finde ich wunderschön. Über die einzelnen verpassten Leben von Nora zu erfahren, hat mich sehr berührt. Matt Haig hat diese mit so viel Liebe erzählt, dass man mit Nora gut mitfühlen konnte. Seine Erzählweise hat mir sehr gut gefallen und den Werdensgang auch sehr gut widergespiegelt.



    Für mich ist dieses Buch ein absolutes Highlight, das ich definitiv noch einmal lesen werde. Wirklich nur empfehlenswert!

  • ich bin echt froh, dass ich nur einen befristeten Mietvertrag und keinen Kaufvertrag abgeschlossen hatte

    Ja, ich auch. Zwar aus anderen Gründen als Du, aber mehr als :bewertung1von5: :bewertung1von5: kann ich dem Buch nicht geben.


    Natürlich, die Frage "Was hätte sein können, wenn ich ..." kommt sicher jedem schon einmal. Und in Träumen, in Bildern und in Büchern kann man sich ausmalen, wie das Leben verlaufen wäre, wenn. Insofern gefällt mir die Idee.


    Dennoch ist Noras Hineinschlüpfen in jeweils eines ihrer alternativen Leben unlogisch dargestellt: Entweder lebt sie tatsächlich das andere Leben, und dazu gehören auch Erinnerungen, Gedanken und Beziehungen zu anderen Menschen, von denen sie wissen muss.

    Oder sie ist mal kurz zu Besuch in einem Leben, mit dessen Protagonistin sie nur Name, Aussehen und ein paar lose Wissensfetzen aus Schule und Studium gemeinsam hat. Dann aber hat das Experiment keinen Sinn.

    Dann geht es eigentlich nur um den moralischen Appell, sein Leben, auch wenn es traurig, sinnlos oder besch*ssen scheint, anzunehmen und positiv zu gestalten.

    Bücher sind auch Lebensmittel (Martin Walser)


    Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen. (Cicero)



  • Regt zum Nachdenken an


    Nora Seed ist depressiv. Alles erscheint ihr so ausweglos und nicht mehr lebenswert. Sie hat beschlossen, dass sie sich das Leben nehmen möchte. Als sie es vollziehen möchte, landet sie in der Mitternachtsbibliothek. Dort bleiben die Uhren immer auf Mitternacht stehen. Jedes Buch dort kann Nora in ein anderes Leben bringen, wo sie dann sieht, was passiert wäre, hätte sie manches anders in ihrem Leben gemacht. Die Frage ist auch, ob sie in einem anderen Leben glücklicher geworden wäre, wenn sie es nicht einmal in ihrem alten geschafft hat.


    Matt Haig ist hier ein herausragender Roman gelungen. Für Leute, die selbst depressiv sind, ist das Buch nicht so gut, da sie dadurch noch mehr runtergezogen werden könnten. Die Vorstellung des Buches hat mir sehr gefallen, dass man durch unterschiedliche Bücher in ein anderes Leben kommen kann, um da zu sehen, ob man dort glücklicher gewesen wäre. Der Schreibstil ist sehr flüssig. In Nora konnte ich mich als Leser sehr gut reinversetzen, wie mies ihr es in ihrem alten Leben ging. Man begleitet Nora in die Mitternachtsbibliothek, wie sie in mehren Büchern sich in einem anderem Leben befindet. Ich habe mit Nora sehr mitgefiebert, dass sie wieder in ihr altes Leben zurückkehrt. Meiner Meinung nach hätten diese anderen Möglichkeiten des Lebens von Nora nur etwas ausführlicher beschrieben werden sollen. Leider war es da zum Teil sehr kurz gehalten. Besonders gefallen hat mir der Gedanke der Mitternachtsbibliothek, wo man erfahren kann, was passiert wäre, wenn man anders gehandelt hätte. Das Buch hat mich zum Nachdenken angeregt und mir gezeigt, dass jede Entscheidung zu einem selbst dazu gehört.


    Sehr schöne Idee der Mitternachtsbibliothek, wo man erfahren kann, was passiert wäre, wenn man andere Entscheidungen im Leben getroffen hätte.


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