Wolfgang Schorlau - Kreuzberg Blues

  • Buchdetails

    Titel: Kreuzberg Blues


    Band 10 der

    Verlag: Kiepenheuer&Witsch

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 416

    ISBN: 9783462000795

    Termin: Neuerscheinung November 2020

  • Bewertung

    3.8 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

    76,7% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Kreuzberg Blues"

    Georg Dengler fühlt sich in Stuttgart so wohl wie schon lange nicht mehr, und auch mit Olga läuft es besser denn je. Trotz der aufziehenden Corona-Pandemie lässt er sich von ihr überreden, in Berlin zu ermitteln. Der Immobilienhai Sebastian Kröger scheint seine Mieter mit kriminellen Methoden rauszuekeln. Doch Dengler muss erkennen, dass die Sache größer ist, viel größer. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt: In einem Radius von wenigen hundert Metern vereinen sich in Kreuzberg Plattenbauten, schicke Townhouses, die türkische Community und der Schwarze Block. Ausgerechnet hier will der Bauunternehmer Kröger zwei Häuser »entmieten«, den danebenstehenden Kindergarten abreißen und ein neues Townhouse bauen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Die Mieter*innen wehren sich. Eine von ihnen bittet ihre Freundin Olga um Hilfe. Plötzlich stehen sie und Georg Dengler mitten im modernen Berliner Häuserkampf um das Recht auf Wohnen. Dann fällt ein Spekulant vom Dach eines der umkämpften Häuser – und die Lage eskaliert. In seinem zehnten Dengler-Krimi erweist sich Wolfgang Schorlau erneut als ein Meister des politischen Romans. Hochaktuell und spannend.
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    wampy
    Meisterhaft, aber der Corona-Abschnitt passt nicht
  • Kurzmeinung

    Lesezeichenfee
    Viele Längen, viel Corona, zu viel recherchiertes, und teilweise offenes Ende

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  • Ich bin ein Fan der Bücher von Wolfgang Schorlau. Immer gut recherchiert, immer im Kampf für soziale Gerechtigkeit, immer sehr aktuelle Themen.


    So ist es auch in diesem Buch. Georg Dengler und seine Partnerin Olga– er Privatermittler, sie begnadete Hackerin– geraten unerwartet in den Mietdschungel rund um den Immobilienmarkt in Berlin. Dort wird mit harten Bandagen gegen die Mieter und für Modernisierung und somit Mieterhöhung gekämpft. Dramatisch wird es, als Ratten in einem Mietshaus ausgesetzt werden und ein kleines Kind dabei zu Schaden kommt. Dies ist ausgerechnet die Tochter von Olgas Freundin.


    Georg nimmt die Spur der Ratten auf. Dabei trifft er auf einen Bauunternehmer und Immobilienhai, dem das rattenverseuchte Mietshaus gehört. In dessen Namen arbeitet er quasi als Doppelagent, um die wahren Urheber der Rattenplage zu finden. Die Ermittlungen nehmen Fahrt auf und wir werden als Leser mitgenommen in die Intrigen, Nöte und Sorgen der Immobilienwirtschaft. In dem Zuge wird auch ein zweiter Erzählstrang aufgemacht, der die Politik im Hintergrund, Verschwörungstheorien und die Corona-Pandemie einbezieht. Letzteres hätte ich in diesem Buch nicht unbedingt gebraucht. Zum einen merkt man, dass dieser Teil erst recht spät ins Buch Einzug genommen hat, zum anderen wäre das sicher Material für einen eigenen Fall gewesen.


    Dennoch regen die Ideen und Hintergrundinformationen wie in jedem Schorlau-Buch sehr zum Nachdenken an.


    Zudem gefällt mir, wie die Figuren immer mehr zusammenwachsen, sich weiterentwickeln, aber doch in sich stimmig bleiben. Auch die Bezugnahme auf andere Dengler-Fälle im Sinne von realen Ereignissen finde ich super. Dadurch entsteht immer mehr der Eindruck einer existierenden (Parallel)welt.

  • Squirrel

    Hat den Titel des Themas von „Kreuzberg Blues - ein echter Schorlau“ zu „Wolfgang Schorlau - Kreuzberg Blues“ geändert.
  • Leseclau Herzlich Willkommen im BücherTreff :)


    Eine Bitte: in die Titelzeile gehören der Autor und der Titel, aber bitte nicht mehr. Und unterhalb des Textfeldes findest Du die Eingabezeile für die ISBN, sobald Du auf "Buch" klickst. Durch die ISBN wird das Buch mit deinem Beitrag verlinkt. Ich hab jetzt beides in deinem Beitrag nachgetragen. :wink:

    viele Grüße vom Squirrel


    :study: Charles Dickens - Hard Times

    :study: Neil MacGregor - Shakespeares ruhelose Welt


  • Endlich wieder ein neuer Dengler dachte ich mir und verabschiedete mich bei Vorablesen von 4000 Punkten, nur um dieses Buch zu bekommen. Immobilienhaie, Macht und dieses Mal in Berlin, da dachte ich, ich greife zu. Bisher war ich auch ein großer Fan von Wolfgang Schorlau mit seiner Dengler Serie.

    Die ersten 80 bis 100 Seiten lasen sich etwas zäh, bis ich im Thema war, danach gab es einige Längen und dann kam Corona mit den Aluhutträgern. Blöde war nur, mir kam es so vor, als ob Schorlau hier seine persönliche Meinung aufdrücken wollte und dann noch der Hammer: Homöopathische Mittel helfen keinesfalls, das sei bewiesen. Da ist ja nichts mehr drin. Ein Arzt sagte mal: “Wer heilt, hat recht.“ Und wer erst mal bei Ärzten waren, die nicht weiterhelfen konnte und wo die ganze „Chemie“ versagt hat und dann in der Homöopathie Heilung fand, der kommt sich hier total veräppelt vor. Es gibt mehr Sachen, zwischen Himmel und Erde, die nicht wirklich erklärbar sind, trotzdem sollte man sie nicht einfach – aus dem Nichts – verdammen.

    Wolfgang Schorlau hat wieder super recherchiert, aber leider dadurch einige Längen geschaffen. Ich fragte mich dann, wann kommt der Krimi? Erfolgt hier nur Aufklärung bzw. die „Meinung“ des Autors? Mir kam es so vor, als sollte ICH die Meinung des Autors annehmen. Und ich frage mich, warum ist denn Denglers Nachbar plötzlich Aluhutträger? Und warum muss man ihm unbedingt helfen? Für mich hatte das etwas von „zeugende Jehovas“.

    Zu meinem Leidwesen spiegelt das genau die vorherrschende Meinung wieder, die sich auch bei Facebook und sonst wo zeigt :“Wer anders ist und nicht der Regierung folgt, der ist „verstrahlt“ oder hat nicht recht!“ Das war einfach to much für mich. Vor allem, konnte der Autor früher mit dünnen Büchern überzeugen, müssen sie jetzt immer dicker sein. 22 Euro für den Schinken, finde ich keineswegs gerecht. Vor allem in der heutigen Zeit, wo es so viele gute Bücher und Autoren gibt.

    Außerdem hat das Buch mal wieder ein teilweise offenes Ende, was ich gar nicht mag.

    Trotz umgangreicher Recherchen oder gerade deswegen kam mir das Buch schnell dahingeschrieben vor. Lockdown, also müssen die Autoren was schreiben, egal was, auf Teufel komm raus. Ich vermute zwar, dass der Verlag da die Daumenschrauben angedreht hat, nichtsdestotrotz hat sich mal wieder ein Lieblingsautor verabschiedet.

    Mein – Lesezeichenfees – Fazit:
    Alle Schorlau Bücher aus dem Regal geholt, verpackt und verschenkt. Ich habe fertig.

  • Georg Dengler fühlt sich in Stuttgart so wohl wie schon lange nicht mehr, und auch mit Olga läuft es besser denn je. Trotz der aufziehenden Corona-Pandemie lässt er sich von ihr überreden, in Berlin zu ermitteln. Der Immobilienhai Sebastian Kröger scheint seine Mieter mit kriminellen Methoden rauszuekeln. Doch Dengler muss erkennen, dass die Sache größer ist, viel größer. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt: In einem Radius von wenigen hundert Metern vereinen sich in Kreuzberg Plattenbauten, schicke Townhouses, die türkische Community und der Schwarze Block. Ausgerechnet hier will der Bauunternehmer Kröger zwei Häuser »entmieten«, den danebenstehenden Kindergarten abreißen und ein neues Townhouse bauen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Die Mieter*innen wehren sich. Eine von ihnen bittet ihre Freundin Olga um Hilfe. Plötzlich stehen sie und Georg Dengler mitten im modernen Berliner Häuserkampf um das Recht auf Wohnen. Dann fällt ein Spekulant vom Dach eines der umkämpften Häuser – und die Lage eskaliert.

    Meinung

    Der Krimi ist hochaktuell. Wohnen wird überall teurer. Viele Menschen können sich ihre alte Wohnung nicht mehr leisten weil sie saniert wurde ob sie das wollten oder nicht. Der Vermieter ist im Recht, kann die Kosten auf die Mieter umlegen, wenn sie nicht können oder wollen, Auszug. Es gibt genug Menschen die die Wohnung haben wollen.

    Das entmieten ist eine andere Geschichte. Sie ist Erpressung, Körperverletzung und Schlimmeres. Aber anscheinend gibt es immer zu wenig Beweise.

    Welche Mieter können sich wie hier einen Privatdetektiv leisten oder haben einen in ihrem Bekanntenkreis, der hilft.

    Die Story ist spannend und bringt uns die Problematik näher als es ein Artikel in der Zeitung oder im Fernsehen kann.

    Die Personen sind authentisch, die Mieter kennt man mit Sicherheit in der einen oder anderen Bekannten wieder. Die Wohnungsbesitzer sind große Konzerne wie Vonovia. Zu mindestens den Namen nach bekannt.

    Gleichzeitig spielt die Geschichte im Frühjahr 2020, also noch gar nicht so lange her. Das Thema Corona hat auch hier Einzug gehalten.

    Da habe ich meine Zweifel ob es nicht zu früh dafür ist. Wir wissen einfach noch zu wenig darüber.

    Ein Freund des Detektivs gehört zu den Corona Skeptikern. Er muss vor sich selbst geschützt werden, das und ähnliches sagen seine Bekannten und Freunde.

    Es wird einseitig kommentiert was die Skeptiker im allgemeinen und zu Corona im Besonderen zu sagen haben.

    Ich gehöre zu den "Ängstlichen" und trage die Maßnahmen mit, aber Skepsis gerade jetzt darf und muss sein.

    Das hätte für meiner Meinung nach unbedingt dazu gehört und nicht nur eine Seite der Medaille. Wir leben in einer Demokratie, das Buch spielt in einer Demokratie also auch der Text.

  • Das Buch ist mein erster Dengler. Obwohl es schon der 10. Band ist, hatte ich nicht das Gefühl, für das Verständnis die Vorgängerbände kennen zu müssen.
    Diesmal geht es um die Immobilienbranche in Berlin. Ein Großvermieter versucht die Stammmieter zu vergraulen. Dabei setzt er kriminelle Methoden ein. Als Ratten ein Kleinkind anfallen, wird Dengler von den Mietern zu Hilfe gerufen.
    Wolfgang Schorlau hat sehr umfangreich recherchiert. Nur hätte ich gern erfahren, was Wirklichkeit ist und was Fiktion, denn er hat einige gewagte Theorien. Das Buch setzt sich aus verschiedenen Handlungssträngen und Themen zusammen, deren Zusammenhänge erst im Laufe des Buches zu Tage treten. Dadurch lässt sich das Buch anfangs etwas mühsam lesen. Die Spannung steigert sich aber bis zum Ende des Buches. Nur das Einfügen von Corona und den entsprechenden Verschwörungstheorien fand ich to much.
    Die Handlung ist sehr komplex. Das Buch ist nichts zum nebenbei Lesen.

    Sub: 5424:twisted: (Start 2021: 5421)

    gelesen 2021: 5

    gelesen 2020: 92 / 2 abgebrochen / 42592 Seiten

    gelesen 2019: 90 / 1 abgebrochen / 36631 Seiten

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten


    :montag: John Boyne - Die Geschichte des Lügners

    :study:

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Es wird einseitig kommentiert was die Skeptiker im allgemeinen und zu Corona im Besonderen zu sagen haben.

    Ich gehöre zu den "Ängstlichen" und trage die Maßnahmen mit, aber Skepsis gerade jetzt darf und muss sein.

    Das hätte für meiner Meinung nach unbedingt dazu gehört und nicht nur eine Seite der Medaille. Wir leben in einer Demokratie, das Buch spielt in einer Demokratie also auch der Text.

    Das Buch ist ein Roman und kein Sachbuch. Also darf der Protagonist auch eine einseitige Sicht auf die Dinge haben. Wenn er die Skeptiker für Spinner hält, ist es eben so. Wie soll der Autor da eine skeptische Sicht rein bringen.

    Sub: 5424:twisted: (Start 2021: 5421)

    gelesen 2021: 5

    gelesen 2020: 92 / 2 abgebrochen / 42592 Seiten

    gelesen 2019: 90 / 1 abgebrochen / 36631 Seiten

    gelesen 2018: 80 / 2 abgebrochen / 32745 Seiten


    :montag: John Boyne - Die Geschichte des Lügners

    :study:

    Lesen... das geht 1 bis 2 Jahre gut, aber dann ist man süchtig danach.

  • Einen Dengler-Krimi von Wolfgang Schorlau wollte ich schon lange mal lesen, und dieser, bereits der zehnte für Dengler, hat mich von der aktuellen Thematik her angesprochen. Meist beginne ich eine Reihe mit dem ersten Teil, weil mich die privaten Entwicklungen interessieren und ich diese gern von Anfang an verfolge, aber das lässt sich nachholen. Klar habe ich gemerkt, dass mir rund um die Hauptfiguren Vorkenntnisse fehlen, die das Ganze runder gemacht hätten, doch für den Plot von Kreuzberg Blues war das nicht zwingend von Nöten. Im Kern geht es um das Recht auf Wohnen, das menschenwürdig und bezahlbar sein sollte, und um einen Immobilienmarkt, auf dem mit zunehmender Globalisierung mit immer härteren Bandagen gekämpft wird. Mit kleinen Abstrichen hat mir mein erster „Dengler“ ziemlich gut gefallen.


    Olga, Denglers Gefährtin (ich glaube, sowohl beruflich, als auch privat), wird von einer Freundin um Hilfe gebeten und Dengler begleitet sie nach Berlin, von wo der Hilferuf kommt. Eigentlich wollen sie nur der Freundin behilflich sein, doch geraten sie nach und nach in einen Strudel von Ereignissen und Ermittlungen, die sie irgendwann selbst in Gefahr bringen. Die Einblicke, die man in diesem Buch bekommt sind teilweise schockierend. Z. B. gibt es da diese perfide Strategie eines Immobilienkonzerns zur Gewinnmaximierung. Keine Ahnung, ob es sich dabei um recherchierte Tatsachen handelt oder eine mögliche Fiktion. Lieber wäre mir das letztere, aber leider kann ich mir auch ersteres gut vorstellen. Und es bleibt nicht allein bei dem Brennpunkt Immobilien …


    Schorlau packt hier jede Menge rein an aktuellen Themen, nicht zuletzt auch noch Corona samt Querdenkern und Impfgegnern. Er verknüpft die Immobilien-/Mietproblematik mit weiteren gesellschaftlichen und politischen Missständen, wobei ich seine Sichtweisen politisch-ideologisch als recht einseitig empfunden habe. Aber mir gefällt, dass und wie er Stellung bezieht, nicht zuletzt weil ich seine Meinung weitgehend teile.


    Diese Themenvielfalt ist für mich Stärke und Schwäche zugleich gewesen. Die vielen und häufig sehr schnell aufeinander folgenden Perspektivwechsel sorgen für Abwechslung und Tempo, erschweren es aber auch, tiefer in eine Handlung einzutauchen. Zeitweise war es mir fast etwas zu unruhig und zu bruchstückhaft.


    Bezüglich Sprache und Erzählstil ist mir aufgefallen, dass der Autor allerhand Klischees verarbeitet hat. Jedoch wirkte es auf mich weniger als erzählerische Schwäche, denn als Mittel seine Botschaft(en) sowohl deutlich als auch unterhaltsam zu transportieren. Einige seiner Figuren wirken manchmal fast wie Karikaturen, und trotzdem können auch sie überraschen.


    Wie oft bei dieser Art Krimi geht es relativ unblutig zu, mal ein bisschen ruppig, aber nicht übermäßig grausam. Allerdings gab es eine Szene, die ich dann doch lieber quer gelesen habe.


    Insgesamt hat mir mein erster Dengler gut gefallen und ich werde bei Gelegenheit mit Band 1 starten.

  • Hemmungslose Gier


    Buchmeinung zu Wolfgang Schorlau – Kreuzberg Blues


    „Kreuzberg Blues“ ist ein Kriminalroman von Wolfgang Schorlau, der 2020 bei Kiepenheuer&Witsch erschienen ist.


    Zum Autor:
    Wolfgang Schorlau lebt und arbeitet als freier Autor in Stuttgart. Neben den neun »Dengler«-Krimis »Die blaue Liste«, »Das dunkle Schweigen«, »Fremde Wasser«, »Brennende Kälte«, »Das München-Komplott«, »Die letzte Flucht«, »Am zwölften Tag«, »Die schützende Hand« und »Der große Plan« hat er die Romane »Sommer am Bosporus« und »Rebellen« veröffentlicht. 2006 wurde er mit dem Deutschen Krimipreis, 2012 und 2014 mit dem Stuttgarter Krimipreis sowie 2019 mit dem Stuttgarter Ebner Stolz Wirtschaftskrimipreis ausgezeichnet.


    Klappentext:
    Denglers zehnter Fall führt ins Herz des gegenwärtigen Kampfs um das Recht auf Wohnen.
    Georg Dengler fühlt sich in Stuttgart so wohl wie schon lange nicht mehr, und auch mit Olga läuft es besser denn je. Trotz der aufziehenden Corona-Pandemie lässt er sich von ihr überreden, in Berlin zu ermitteln. Der Immobilienhai Sebastian Kröger scheint seine Mieter mit kriminellen Methoden rauszuekeln. Doch Dengler muss erkennen, dass die Sache größer ist, viel größer. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt: In einem Radius von wenigen hundert Metern vereinen sich in Kreuzberg Plattenbauten, schicke Townhouses, die türkische Community und der Schwarze Block. Ausgerechnet hier will der Bauunternehmer Kröger zwei Häuser »entmieten«, den danebenstehenden Kindergarten abreißen und ein neues Townhouse bauen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Die Mieter*innen wehren sich. Eine von ihnen bittet ihre Freundin Olga um Hilfe. Plötzlich stehen sie und Georg Dengler mitten im modernen Berliner Häuserkampf um das Recht auf Wohnen. Dann fällt ein Spekulant vom Dach eines der umkämpften Häuser – und die Lage eskaliert.


    Meine Meinung:
    Auch dies ist wieder ein hochpolitischer Roman von Wolfgang Schorlau, der die Gier finanzstarker Unternehmen thematisiert, die Wohneigentum als Spekulationsobjekt entdeckt haben. Ermöglicht wurde dies aber erst durch die Verkäufe öffentlichen Wohneigentums an Firmen zu unglaublich niedrigen Preisen und fast ohne Mieterschutz. Privatermittler Georg Dengler gerät über eine Bekannte seiner Partnerin Olga an einen besonders abscheulichen Fall einer Entmietungsaktion. Eine aggressive Ratte hat sich in das Gesicht eines Kleinkindes verbissen. Bald stellt sich heraus, dass die Dinge komplizierter sind als es auf den ersten Blick scheint. Dengler und Olga beißen sich in den Fall hinein und gehen hohes Risiko. Die Ermittler wirken sympathisch und kompetent.
    Der Fall ist komplex und der Autor nimmt sich die Zeit, Mechanismen in diesem Umfeld zu zeigen. Einige Täter sind auch Opfer und man glaubt ihnen, dass sie es so nicht gewollt haben. Es gibt aber auch rücksichtslose Figuren, die ohne Hemmungen alles für mehr Geld, mehr Ansehen oder mehr Macht tun. Gelungen ist die Figur des auf dem Balkon rauchenden Rentners, der trotz seiner Hustenanfälle die Geschehnisse aus der Vogelperspektive beobachtet. Er dient als umfassender Informationsquell für Dengler. Ein weiteres Thema wird mit der Organisation Fuhrmann angestoßen, die ein Sammlungsbecken rechter Kräfte in staatlichen Funktionen unterhält. Die Dinge entwickeln sich und führen zu einem ansehnlichen Finale. Doch leider sattelt der Autor einen Abschnitt über Corona, Impfgegner und freiheitsliebende Menschen, die für machtpolitische Zwecke missbraucht werden, obendrauf. Für mich wirkte es aber nur wie ein Fremdkörper.
    Das Ende des Buches ist tieftraurig und zeigt ein Deutschland im Würgegriff radikaler Kräfte. Jeder ist aufgefordert, daran etwas zu ändern.


    Fazit:
    Der Autor hält bei aller politischen Brisanz auch die Spannung hoch. Der aufgesattelte Abschnitt über Corona und die Auswirkungen passt da nicht hinein und kostet einen Stern. Deshalb vergebe ich diesmal nur vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten), spreche aber eine klare Leseempfehlung aus. Es lohnt sich.

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