Donato Carrisi - Enigmas Schweigen / Il Gioco del Suggeritore

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  • Autor: Donato Carrisi

    Titel: Enigmas Schweigen

    Reihe: Mila Vasquez - 4

    Seiten: 375

    ISBN: 978-3-85535-078-0

    Verlag: Atrium


    Übersetzer:

    Susanne Van Volxem

    Olaf Matthias Roth


    Autor:

    Donato Carrisi wurde 1973 geboren und ist ein italienischer Schriftsteller und Drehbuchautor. Zunächst studierte er Rechtswissenschaften in Rom, spezialisierte sich dabei auf Kriminologie und Verhaltensforschung und beschäftigte sich dabei mit Serienmördern, was ihn später zu seinem ersten Thriller inspirierte. Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Anwalt, wandte sich jedoch der Schriftstellerei zu und schrieb diverse Drehbücher für Film und Fernsehen. Sein erster Thriller wurde 2010 ins Deutsche übersetzt, ein Jahr zuvor wurde Carrisis Debütroman mit dem Premio Bancarella ausgezeichnet. Der Autor lebt frei arbeitend in Rom, schreibt zudem Kolumnen für den Corriere della Sera.


    Inhalt:

    Auf einem einsamen Bauernhof weist alles auf einen brutalen Mord an einer ganzen Familie hin - nur von den Leichen fehlt jede Spur. Kurz darauf wird ein Verdächtiger festgenommen, doch der am ganzen Körper mit Zahlen tätowierte Mann, den die Medien bald "Enigma" nennen, schweigt hartnäckig. Auf Drängen ihrer früheren Vorgesetzten übernimmt die ehemalige Polizistin Mila Vasquez die ermittlungen. Sie findet heraus, dass Enigmas Tätowierungen Koordinaten in einem ominösen Videospiel darstellen. Und als sie ihnen folgt, stößt sie auf eine geheimnisvolle wie gefährliche virtuelle schattenwelt, in die sie immer tiefer hineingezogen wird... (Klappentext)


    Rezension:

    Einfach und dennoch ausgeklügelt, setzte das System Enigma, welches zur Verschlüsselung von Nachrichten im Zweiten Weltkrieg seitens der Deutschen verwendet wurde, Maßstäbe und beeinflusste vor der Entkodierung mitunter entscheidend den Kriegsverlauf. Auch heute noch ist dieses Grundprinzip Bestandteil vieler Programme zur Absicherung von Nachrichten und so ist es nicht verwunderlich, dass zumindest die Idee dahinter Eingang in die Kriminalliteratur findet. Hier, fulminant umgesetzt im mehrdeutigen Titel "Enigmas Schweigen", des italienischen Schriftstellers Donato Carrisi.


    Ausgangssituation ist der Mehrfachmord an einer Familie auf einem einsamen Gehöft, auf dem sich die zuständigen Ermittler keinen Reim machen können. Der Täter ist zwar schnell gefasst, die Opfer sind jedoch zunächst unauffindbar. Nur ein unbeschreibliches Chaos und viel Blut zeugen von der brutalen Tat, Motiv und Hergang bleiben unklar. Die Lösung sehen die Ermittler in der ehemaligen Kollegin Mila Vasquez, die sich vor über einem Jahr aus dem aktiven Dienst zurückgezogen hatte, um nun ebenso einsam und abgeschieden mit ihrer Tochter zu leben, wie die Opfer selbst. Für die einstige Polizistin liegen die Anhaltspunkte buchstäblich auf der Haut des Täters. Ein rasant mörderisches Spiel beginnt, dem sich Vanquez nicht entziehen kann.


    So viel zum Inhalt, dieses aus der Perspektive der Hauptprotagonistin geschriebenen Thrillers, der schon mit den ersten Seiten zunächst vorhersehbare, dann immer mehr überraschende Wendungen aufweist und ein sich stets steigendes Erzähltempo, welches der Autor nutzt, um die Düsternis der Atmosphäre zu verdeutlichen. Dabei sind erstaunlich wenig Logikfehler angefallen, tatsächlich fallen diese jedoch nicht ins Gewicht, so dass sie beim Lesen schnell in Vergessenheit geraten. Der Wechsel der Erzählorte, ob diese nun die reale oder virtuelle Welt umfassen, trägt ebenso zum Spannungsaufbau bei, was mitunter von anderen AutorInnen bereits viel schlechter umgesetzt wurde. Donato Carrisi hat hier jedoch das richtige Maß gefunden.


    Die Darstellung konkurrierender Ermittler, sowie der Wechsel zwischen Solo-Protagonistin und Team überzeugt. Carrisi konzentriert sich hier nicht auf ein Protagonisten-Schema, um dies so zu formulieren, sondern verwebt geschickt mehrere Ebenen. Festgestellt sei auch, dass man diesen Band ohne die Vorgänger zu kennen, sehr gut lesen kann. Nur das Notwendige, was man als lesende Person unbedingt wissen muss, im Privatbereich der Ermittelnden kommt zur Sprache. Überfrachtet wird hier nichts.


    Und dies ist vielleicht zugleich die einzige Schwäche im Erzählstil. Mehrere Szenen hätte ich mir persönlich etwas ausführlicher gewünscht, da Carrisi gut schreiben kann und weiß, an welchen Stellen bei diesem klassischen Thriller er zupacken kann. Rein von diesem Band ausgehend, lohnt es sich, die Reihe zu verfolgen und um weitere Werke in das Lese-Repertoire aufzunehmen.

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