Ryan Gattis - Safe

Safe

4.3 von 5 Sternen bei 3 Bewertungen

Verlag: Rowohlt Buchverlag

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 416

ISBN: 9783498025373

Termin: August 2018

  • Für mich ein Glücksgriff.

    Ich muss gestehen, dass mich das Buch im Buchladen aufgrund der Aufmachung (schwarzer Blattschnitt), dem Cover und dem Titel „Safe“ auf sich aufmerksam gemacht hat; den Autor kannte ich bisher noch nicht.


    Inhalt:

    „Ghost“ ist von Beruf Tresorknacker.

    Früher war er Gangster, heute ist er einer von den Guten und arbeitet für die Polizei.

    Aber er hat Krebs; und so, mit dem bewusst bevorstehenden Tod, möchte er noch etwas Gutes tun: möglichst viel Geld abzweigen, um es Bedürftigen zukommen zu lassen.

    Mit diesem Gedanken legt er sich mit dem Drogenkönig an; denn er bekommt die Liste mit den Safes des Gangsters in die Hände und macht sich an die Arbeit – im Bewusstsein, dass er nun zur gejagten Person wird.

    „Sterben muss Ghost so oder so. Und das gibt ihm die Macht Bedingungen zu stellen.“ (Zitat vom Buchrücken)


    Meine Meinung:

    Ein tiefgründiger und wortgewaltiger und emotional aufwühlender Roman.


    Der Autor erklärt die Welt und gibt dem Leser seine feinsinnigen, philosophische Betrachtungen mit auf dem Lebensweg.

    Es werden ganz viele verschiedene Themen des Lebens angesprochen – und zu allem und jedem lässt der Autor den Protagonisten seine Sicht der Dinge dem Leser mitteilen.


    „Die Idee wirkt simpel: Ehemaliger Bad Guy will alles wiedergutmachen und stellt etwas Dummes an. Aber das Buch ist viel raffinierter. Es beginnt wie ein Essay über die Entscheidungen, die man im Leben trifft, und rast dann als Thriller mit Schnellzugtempo seinem herzzerreißenden Finale entgegen.“

    (Zitat einer Beurteilung von Seite 414)

    → Dieser Einschätzung kann ich mich nur voll und ganz anschließen !!


    Fazit: Für mich ein Geheimtipp !

    [ Ich werde mir diesen Autor auf jeden Fall merken ! ]


    PS:

    Die Kategorie „Thriller“ würde für mich für dieses Buch ehr nicht zutreffen,

    es kommen eigentlich auch keine wirklich blutrünstigen Szenen darin vor;

    aber als sehr spannenden Roman würde ich es auf alle Fälle beschreiben.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    1. Safe

      (Ø)

      Verlag: Rowohlt Buchverlag


  • Ryan Gattis hat es schon wieder getan und ein rauschhaftes Buch geschrieben, dessen Handlung einem nur so zwischen den Fingern durchfließt. Nach der extremen Vielstimmigkeit und fast dokumentarischen Genauigkeit von "In den Straßen die Wut" beschränkt er sich in "Safe" nur auf zwei Perspektiven, die im stetigen Wechsel aus ihrer jeweiligen Ich-Perspektive erzählen. Eine solche vollständig individuelle Erzählweise muss man schon mögen, sonst ist das Buch nichts für einen. Vor allem der sterbenskranke Tresorknacker und Ex-Junkie "Ghost" feuert seine Sätze und Gedanken ohne Pause in direkter Ansprache auf den Leser ab: ein großes Sammelsurium an Lebensweisheiten und Erkenntnissen, Erinnerungen, Trauer, Wut und Hoffnung. Ja, gerade auch Hoffnung im Angesicht des eigenen Todes. Die Hoffnung, genährt durch die Erfahrung der großen Liebe (zu der schon länger verstorbenen Krebspatientin Rose), dass das Leben schön ist und dass man auch über den eigenen Tod hinaus Gutes bewirken kann.


    Wenn Drogenhäuser auffliegen öffnet Ghost für die amerikanische Drogenvollzugsbehörde die Tresore von Gangstern. Jetzt, wo der Krebs überall in seinem Körper Metastasen gebildet hat, zweigt er unter der Hand große Mengen des verwahrten Geldes in die eigene Tasche ab. So viel, dass es auffällt. Spielt ja keine Rolle mehr. Hunderttausende Dollar, um sie zusammen mit der befreundeten Bankbeamtin Mira anonym Menschen zukommen zu lassen, die Schwierigkeiten haben, ihre Häuser zu behalten und Hypotheken abzubezahlen, unter anderen seinem alten Lehrmeister Frank. Etwas schneller als gehofft kommt ihm der recht ranghohe Gangster Glasses auf die Fährte, den selber Skrupel plagen (all dieses Leid, all diese Toten), die ihn bald zum Aussteigen aus der Kriminalität drängen. Die ungeplante Geldentnahme von Ghost könnte Glasses' Boss Rooster die Augen öffnen, dass er selber ein doppeltes Spielchen treibt. Ist es möglich, einen Ausgleich zwischen allen Parteien zu erreichen, der alle in Frieden lässt? Ghost, Glasses, Rooster, Frank, Mira und Collins, Ghosts Vorgesetzer bei der DEA?


    Wie Gattis den Leser am Leben und Sterben und dem gewitzten Plan seiner Hauptfigur Ghost teilhaben lässt, in fantastisch: Eine authentischer, hoch emotionaler Blick in ein Leben am Rand der Gesellschaft, wo jeder um sein Auskommen fechten muss, wo Menschen aus unschönen Gründen sterben, Alltag zwischen L.A. Punk, Chemotherapie und den Besuchen bei den Selbsthilfekreisen der Anonymen Drogenabhängigen, auf der Straße (und Ryan Gattis hat viel Street Cred bei mir!), bei den Homies in den Drogenhäusern und in mexikanischen Imbissbuden. Der Roman ist sehr unterhaltsam und spannend, erzählt über die Chiffre der Kriminalität vom Leben der Menschen.


    Und auch, um ein Genre zu sprengen, muss man ja irgendwo ansetzen (immer dieses Rumgedruckse und Abgestecke: Nein, das und das ist kein Thriller. Manche Thriller-Rezensionen bestehen fast nur noch aus der Erklärung, warum man ein Buch nicht als Thriller sieht. Alles nur enttäuschte Erwartungen), und da ist "Safe" natürlich eindeutig ein Thriller, wie er mit dem Wissen der Leser spielt und Suspense und Schocks serviert. Manche der lebensbejahenden Ansichten der Robin-Hood-artigen Hauptfigur sind vielleicht etwas dünn, fade und glückskeksig, aber niemand verlangt ja auch, dass jede Figur auf der Höhe der Zeit und im intellektuellen Feinschliff reden muss. Dafür fängt einen diese Erzählerstimme aber so richtig ein. Ich war die ganze Zeit völlig an seiner Seite. Und wie es bei so zwei alternierenden Sichtweisen sein muss: Erst ärgert man sich, dass nicht die Handlung mit der einen Figur weitererzählt wird, und doch will man kurz darauf genauso wenig, dass die Fortsetzung mit der anderen Figur unterbrochen wird! Ständig am Haken! Ryan Gattis ist ein begnadeter Erzähler und "Safe" eine sehr abgebrüht coole Gangstergeschichte unter Profis. Verfilmt das bloß, aber macht keine Dummheiten dabei, wehe!:wink:


    Zwar nicht mehr so außergewöhnlich wie Gattis' Oberklopper "In den Straßen die Wut", aber immer noch sehr lesenswerte vier :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: Sterne. (Und vielleicht lege ich im Laufe des Monats noch einen halben Stern oben auf!) :wink:

    Shirley Jackson "Die Teufelsbraut" (73/370)

    Jim Thompson "Jetzt und auf Erden" (17/334)


    Jahresbeste: Herbert Lieberman (2019), Emil Ferris (2018), Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
    Gelesen: 5 (2020), 080 (2019), 145 (2018), 119 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
    Letzter Buchkauf: Jim Thompson "Fürchte den Donner" (19.1.)