Christine Féret-Fleury - Das Mädchen, das in der Metro las/La fille qui lisait dans le metro

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Das Mädchen, das in der Metro las

3.9|4)

Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 176

ISBN: 9783832198862

Termin: Mai 2018

  • Das Mädchen, das in der Metro las

    Autorin: Christine Féret-Fleury

    Übersetzung: Sylvia Spatz

    Verlag: Dumont (22.05.18)

    ISBN-10: 3832198865

    Seite: 176


    Statt einer Widmung:

    "Ich habe mir das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt."

    Jorge Luis Borgers



    Inhalt:


    Juliette fährt jeden Tag mit der Metro zur Arbeit. Dabei beobachtet sie die Menschen, genauer gesagt: Die Leser.

    Da ist der Mann mit dem grünen Hut, der Insektenbücher liest, die Frau, die immer das Buch auf einer bestimmten Seite zu schläg, die alte Dame mit dem Kochbuch.

    Juliette merkte sich, welche Bücher die anderen lasen, erfand Abzählreime, um sie sich zu merken.


    Eines Tages stieg sie früher aus der Metro aus und begegnete so Soliman und seiner Tochter Zaïde. Soliman lebte in einem Büro, das von unten bis oben voll mit Büchern ist.

    Büchern aus zweiter Hand. Soliman hat eine Mission und fragt Juliette, ob sie ihm dabei helfen will. Dazu fühlt sie sich nicht in der Lage, doch dann passiert ein Ereignis, das ihr Leben verändert.


    Meine Meinung:


    Mir ging das Buch richtig ans Herz.


    Es ist nicht immer leicht zu lesen, denn Juliette macht viele Gedankensprünge. Gerade am Anfang habe ich einen Moment gebraucht, bis ich wusste, wie ich so manches einordnen musste. Die Sprache ist so voll (Bücher)Poesie, was mich sehr berührt hat.

    "Sie konnte den Inhalt der Bücher nicht sehen - in denen es von unzähligen Sätzen und Wörtern wimmelte wie in einem Ameisenhaufen -, doch die Bücher durchschauten sie sehr wohl. Sie setze sich ihnen mit Haut und Haaren aus. Erregt leichte Beute, ohne Deckung und ohne Instinkt zur Flucht oder Selbtverteidigung, beim Räuber Argwohn? Aber waren die Bücher überhaupt wie kleine Raubtiere, die nur davon träumten, ihren papierenen Käfigen zu entkommen, sich auf sie zu stürzen und sie zu verschlingen?

    Vielleicht. Doch das machte ihr nichts aus. Sie ließ sich nur allzu gerne verschlingen. Diese Lust hielt sich nachts wach, trieb sie im Morgengrauen aus dem Bett und ließ sie noch spätabends beim Licht einer Lampe[...] ausharren[...]".


    Ich bin bei französischen Romanen immer ein bisschen skeptisch, da ich finde, dass die Protagonisten oft etwas distanziert dargestellt sind. Das ging mir hier überhaupt nicht so. Die Protagonisten sind sicher leise geschildert, aber voller Herzenswärme.

    Ich finde, auch die Botschaft des Buches klingt nur leise heraus und ich frage mich, ob das Buch deswegen so viele negative Kritiken bekommt.

    Denn es geht hier um weit mehr, als nur um Bücher.

    Es geht um das Leben an sich.

    Um die Entscheidung, wie man sein Leben lebt. Um das, was wirklich wichtig ist und wirklich zählt. Um den Mut, seine Ängste zu überwinden. Den sonst kann es manchmal zu spät sein.


    Und wenn es dazu auch noch Bücher gibt, was will man mehr?!

    "Sollte man eigentlich, überlegte sie, [....] die Länder bereisen, die man durch Bücher lieben gelernt hatte? Gab es diese Länder überhaupt? Das England einer Virgina Woolf war sicher ebenso verschwunden wie das der Orient aus Tausendundeiner Nacht oder das Norwegen von Sigrid Undset. Und das Venedig von Thomas Mann existierte nur noch in den üppigen Bildern von Luchino Visconti. Und Russland... Von den Schlittentroikas, mit denen die Grafen unermüdlich durch die winterliche Steppe fuhren, erblickte man Wölfe, Hütten auf Hühnerfüßen, ganz wie aus Mussorgskys Bilder einer Ausstellung, schier grenzenlose schneebedeckte Weiten, dunkle gefährliche Wälder und Feenpaläste.[...]"


    Ich mochte diese Gedankenspiele mit den Buchtiteln sehr.


    Fazit:


    Durch die Gedankensprünge nicht immer einfach zu lesen und durch die leise Art muss man schon genau hinhören. Es ist kein Buch, was man einfach so wegliest.

    Doch für mich hat das Buch Potential, ein Herzensbuch zu werden.


    Lieblingszitat:


    "Wortschmetterlinge, die in dem überfüllten Metro-Waggon flatterten, bevor sie sich auf Juliettes Fingerspitzen niederließen."


    4,5 ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

  • Die Macht der Bücher


    Dieses Buch ist eine Art Liebesbekenntnis an Bücher und deren Macht, das Leben eines Menschen zu verändern. Eben noch hat Juliette ein geordnetes, wenn auch nicht erfüllendes, Leben. Sie arbeitet in einem Maklerbüro, pendelt mit der Metro (Linie 6) zur Arbeit und zurück in ihre Wohnung, die sie mit Büchern gefüllt hat und beobachtet andere Menschen und deren Lektüre auf ihrem morgendlichen Weg zur Arbeit. Und dann begegnet sie Soliman und seinen Büchern ohne Grenzen. Es ist eine Begegnung, von der Juliette zu Anfang noch nicht weiß, dass sie ihr Leben verändern wird.


    Mochte ich den Roman? Ja, schon. Aber ich habe ihn nicht geliebt. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ein Buch über die Liebe zum Lesen und zu Büchern mich mehr begeistern würde. Dabei dreht sich in dem Buch wirklich einiges um Schmöker, den Einfluss von Literatur auf Menschen. Ein konkreter Spannungsbogen hat sich meiner Meinung nach allerdings nicht aufgebaut. Christine Féret-Fleury erzählt ihre Geschichte eher sanft und unaufgeregt (bis auf wenige Ausnahmen). Für mich war die Handlung in Teilen ein wenig zu konstruiert, ein wenig zu unglaubwürdig. Ein Beispiel dafür ist für mich, dass Soliman ihr nach einer recht kurzen Bekanntschaft bereits eine Tochter anvertraut, um sich in Ruhe einer medizinischen Behandlung unterziehen zu können. Positiv aufgefallen ist mir der wundervolle Schreibstil, über den Christine Féret-Fleury verfügt.


    In einer Gesamtbetrachtung fand ich Das Mädchen, das in der Metro las, leider nur in Teilen wirklich fesselnd. Ich vergebe daher drei von fünf Sternen.


  • Das Mädchen, das in der Metro las

    von: Christine Féret-Fleury


    Französische Leichtigkeit schwebt zwischen den Zeilen


    Jeden Morgen, den Juliette auf der Fahrt zur Arbeit in der Metro verbringt, liest sie in einem Buch oder beobachtet weitere Mitfahrende bei deren Lektüre. Da ist zum Beispiel die Frau mit dem Kochbuch, ein Mann, der sich für Insekten zu interessieren scheint, oder die Frau, die stets an einer bestimmten Stelle in einem Liebesroman besonders ergriffen zu sein scheint. Juliette beobachtet alles fasziniert und lässt dabei ihrer Fantasie freien Lauf. Eines Tages steigt sie spontan ein paar Stationen früher aus der Metro und lernt dabei Soliman kennen. Er lebt mit seiner Tochter Zaide, umgeben von riesigen Bücherstapeln, und ist davon überzeugt, dass jedes Buch die Macht hat, ein Leben zu verändern, wenn es an die richtige Person übergeben wird. Da Soliman seine Bücherstapel nicht verlässt, liefern ausgewählte Boten für ihn Bücher aus, in der Hoffnung, das passende Buch an die richtige Person zu übergeben. Juliette ist fasziniert und wird ebenfalls zu Botin.....


    Der Schreibstil von Christine Fèret-Fleury ist geradezu poetisch und macht dieses Buch zu einer besonderen Lektüre, die man genießen sollte. Denn es gibt wundervolle Zitate und Lebensweisheiten zu entdecken, die zum Nachdenken anregen. Zwischen den Zeilen schwebt eine Leichtigkeit, die dafür sorgt, dass man sich beim Lesen einfach wohlfühlt und mühelos in Juliettes Geschichte eintauchen kann. Dennoch sollte man aufmerksam lesen, da es teilweise lange und verschachtelte Sätze zu entdecken gibt und die Handlung manchmal etwas sprunghaft verläuft. Die Charaktere sind vielschichtig und interessant. Sie wirken durchaus sympathisch, allerdings baut man beim Lesen keine besondere Nähe auf, sondern bleibt eher distanziert. Das mag vielleicht an der Kürze der Lektüre liegen.


    Ich habe mich beim Lesen dieses recht dünnen Büchleins im Großen und Ganzen sehr gut unterhalten gefühlt, da ich den poetischen und leicht melancholischen Schreibstil genossen habe. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir ein wenig mehr Nähe zu den Protagonisten gewünscht hätte. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb vier von fünf möglichen Sternchen.

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