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Jesmyn Ward - Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt/ Sing, Unburied, Sing

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Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt

4.2|9)

Verlag: Verlag Antje Kunstmann

Bindung: Gebundene Ausgabe

Seitenzahl: 300

ISBN: 9783956142246

Termin: Februar 2018

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  • Rassismus, soziales Elend und Enttäuschungen, aber auch eine Familiengeschichte - davon erzählt der mit dem National Book Award ausgezeichnete Roman von Jesmyn Ward.

    Der 13-jährige Jojo und seine kleine Schwester Kayla wachsen bei ihren Großeltern Pop und Mam auf; ihre Mutter Leonie, die zwar ebenfalls dort lebt, kümmert sich kaum um ihre Kinder, fühlt sich überfordert. Leonie arbeitet in einer Bar und wenn sie high ist, hat sie Visionen, bei denen sie ihren toten Bruder sieht.

    Während Mam mit ihrer schweren Krankheit kämpft, kümmert sich Pop um den Haushalt und um die Erziehung seiner Enkel. Er erzählt Jojo des öfteren von seiner Vergangenheit.

    Als Michael, der weiße Vater von Jojo und Kayla, aus dem Gefängnis entlassen wird, packt Leonie ihre Kinder und ihre Freundin ins Auto und macht sich auf den Weg, um Michael vom staatlichen Gefängnis "Parchment Farm" abzuholen.

    Erzählt wird die Geschichte anfangs abwechselnd aus der Erzählperspektive von Leonie und Jojo, später kommt noch eine dritte Erzählstimme, die von Richie, hinzu. Richie gehört zu den "unburied", denjenigen, die durch Gewalt ums Leben kamen und denen ein ordentliches Begräbnis verweigert wurde.

    Richie reist als Geist mit, sitzt im Auto eingezwängt auf dem Boden. Jojo besitzt die seltene Gabe, die Toten zu sehen und mit ihnen reden zu können.

    Jesmyn Ward gewährt dem Leser einen Einblick in die amerikanische Gesellschaft, ihren Losern, Drogen, Kriminalität und ihrem Rassismus, der selbst innerhalb der Familie keinen Halt macht.

    So können Michaels Eltern immer noch nicht akzeptieren , dass ihr Sohn Michael sich mit einer Schwarzen eingelassen hat und wollen ihre Enkel nicht sehen.

    Durch Pops Erinnerungen und die Erzählstimme von Richie umfasst die Geschichte einen größeren Zeitraum.

    Die Vergangenheit prägt die Gegenwart, aus ihr muss man lernen und dann verändern.

    Die Figuren sind gut gezeichnet, besonders gefiel mir Jojo, der sich liebevoll um seine kleine Schwester kümmert und damit sogar mehr Bezugsperson als Leonie ist.


    Die Autorin:

    Jesmyn Ward, geb. 1977, wuchs in DeLisle, Mississippi, auf. Nach einem Literaturstudium in Michigan war sie Stipendiatin in Stanford und Writer in Residence an der University of Mississippi. Sie lehrt derzeit Englische Literatur an der Tulane University in New Orleans. Jesmyn Ward ist die erste Frau, die zweimal mit dem wichtigsten amerikanischen Literaturpreis, dem National Book Award, ausgezeichnet wurde: für "Vor dem Sturm" (Kunstmann, 2013) und für "Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt" (Kunstmann, 2018). 2017 wurde ihr auch der MacArthur Genius Grant verliehen. (Quelle: Verlagsseite)


    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Danke für Deinen Eindruck!


    Das Buch wurde vor 4 Wochen in der SZ geradezu euphorisch besprochen und steht seitdem auf

    meiner Wunschliste - und jetzt habe ich es bestellt. "Was für eine Geschichte! Elend und Poesie, knochenharte Tatsachen, Geister und Magie, Archaisches und

    Gegenwärtiges, Leben und Tod" (SZ) liegen hier beieinander.


    Das Cover der Originalausgabe gefällt mir allerdings besser...!

    :study:George Saunders, Zehnter Dezember (MLR).

    :study:Kenah Cusanit, Babel.

    :study:Hans Pleschinski, Wiesenstein.

    :musik:Hjorth und Rosenfeldt, Die Opfer, die man bringt.

  • Gern geschehen - dann bin ich auf deinen Eindruck gespannt, drawe . Ich hoffe, der Roman gefällt dir ebenfalls.

    Ihren Roman "Vor dem Sturm" habe ich schon länger auf dem SuB und werde ihn sicher bald lesen.

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Roman "Vor dem Sturm"

    Jesmyn Ward ist für komplettes Neuland!

    :study:George Saunders, Zehnter Dezember (MLR).

    :study:Kenah Cusanit, Babel.

    :study:Hans Pleschinski, Wiesenstein.

    :musik:Hjorth und Rosenfeldt, Die Opfer, die man bringt.

  • ch hoffe, der Roman gefällt dir ebenfalls.

    Ich bin absolut begeistert. Was für eine Geschichte, und was für eine wunderbare Sprache!

    Bei Gelegenheit schreibe ich eine "anständige" Rezension - das jetzt nur vorab.

    :study:George Saunders, Zehnter Dezember (MLR).

    :study:Kenah Cusanit, Babel.

    :study:Hans Pleschinski, Wiesenstein.

    :musik:Hjorth und Rosenfeldt, Die Opfer, die man bringt.

  • Klappentext, gekürzt(Quelle: amazon):


    Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben bei ihren Großeltern Mam and Pop an der Golfküste von Mississippi. Leonie, ihre Mutter, kümmert sich kaum um sie. Sie nimmt Drogen und arbeitet in einer Bar. Wenn sie high ist, wird Leonie von Visionen ihres toten Bruders heimgesucht, die sie quälen, aber auch trösten. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt, und der stille und verlässliche Pop versucht, den Haushalt aufrecht zu erhalten und Jojo beizubringen, wie man erwachsen wird. Als der weiße Vater von Leonies Kindern aus dem Gefängnis entlassen wird, packt sie ihre Kinder und eine Freundin ins Auto und fährt zur »Parchment Farm«, dem staatlichen Zuchthaus, um ihn abzuholen. Eine Reise voller Gefahr und Hoffnung.


    Mein Eindruck:


    Der Klappentext klingt, als handele es sich hier um einen Road Movie. Eine solche Einordnung greift entschieden zu kurz und wird dem Buch in keiner Weise gerecht.

    „Elend und Poesie, knochenharte Tatsachen, Geister und Magie, Archaisches und Gegenwärtiges, Leben und Tod … liegen ganz nah beieinander“ (SZ). Vor dem Leser entfaltet sich die Geschichte von drei Generationen einer schwarzen Familie im Mississippi-Delta. Drogen, Armut, Grausamkeit, Gefühlskälte, Ausgrenzung und der überall gegenwärtige Rassismus bestimmen ihren Alltag – aber auch Pflichtbewusstsein, Sorge und liebevolle Zuwendung zu den Anvertrauten. Mit wenigen Strichen zeichnet die Autorin ihre Personen, jeder der Akteure lebt und hat seine lebensbestimmende Geschichte.

    Die Autorin vermeidet eine zeitliche Einordnung, und dadurch erhält die Geschichte eine beklemmende Realität, die manchmal schwer auszuhalten ist.

    Die wiederholten Schilderungen von Erbrechen fallen in diesem Buch auf. Da kehrt sich das Innerste der Menschen nach außen – ein beklemmendes Bild.


    Das Buch beginnt mit einem alttestamentarischen Opferritual: der Schlachtung eines Ziegenbocks – und das Motiv des Opferrituals wird gegen Ende wieder aufgegriffen und in eine menschliche, zutiefst anrührendeTragödie eingebettet, bei der sich mentalen, seelischen Kräfteverhältnisse zwischen Enkel und Großvater umkehren.


    Dazu kommen die Geister der Vergangenheit, die zusammen mit den Ungeborenen die Lebenden umgeben und die die Hilfe der Lebenden brauchen, um ihre Geschichte zu Ende zu bringen und endlich „nach Hause“ zu kommen. Es sind schreckliche Schicksale, die sich hier auftun, archaisch, dunkel und gewaltig wie aus einem alten Mythos. Die krebskranke Großmutter, eine Heilerin, glaubt an christliche Heilige, aber auch an die Göttin Oya, „die Herrin der Winde, des Blitzes und der Stürme“ und kann schließlich nach einem fremdartigen Ritual sterben.


    Wunderschön erzählt wird die Liebe der beiden Geschwister, die die Hoffnungsträger in diesem Buch sind. Beide Geschwister leben in Verbindung mit ihren Vorfahren und erkennen im Gespräch mit den Toten mehr vom gegenwärtigen Leben. Es ist schließlich die kleine Schwester, die zusammen mit den Geistern ihr Lied singt: „Nach Hause“.


    Und die Sprache ! – ein Gesang wie der Gesang der kleinen Schwester, niemals larmoyant, aber immer einfühlsam.


    Das sind nur einige wenige Eindrücke.

    Ich bin begeistert, angerührt, betroffen von diesem wunderbaren Buch. 5 Sterne reichen kaum aus.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    :study:George Saunders, Zehnter Dezember (MLR).

    :study:Kenah Cusanit, Babel.

    :study:Hans Pleschinski, Wiesenstein.

    :musik:Hjorth und Rosenfeldt, Die Opfer, die man bringt.

  • Es freut mich, dass dir das Buch ebenfalls gefiel; danke für die schöne Rezi.

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)

  • Es freut mich, dass dir das Buch ebenfalls gefiel; danke für die schöne Rezi.

    Mir hat das Buch über alle Maßen gefallen, und es geht mir irgendwie auch nach, und zwar so sehr, dass

    ich noch kein nächstes angefangen habe. Die Autorin ist eine so junge Frau - unglaublich.

    Statt dessen habe ich mir "Vor dem Sturm" gekauft.

    :study:George Saunders, Zehnter Dezember (MLR).

    :study:Kenah Cusanit, Babel.

    :study:Hans Pleschinski, Wiesenstein.

    :musik:Hjorth und Rosenfeldt, Die Opfer, die man bringt.

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