Alyson Richman - Abschied in Prag / The Lost Wife

  • Buchdetails

    Titel: Abschied in Prag


    Verlag: Diana Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 384

    ISBN: 9783453359598

    Termin: Dezember 2017

  • Bewertung

    4.5 von 5 Sternen bei 10 Bewertungen

    90% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Abschied in Prag"

    Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen…
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  • Es gibt nichts Wichtigeres auf der Welt als Bücher gegen das Vergessen. Gerade in der heutigen Zeit, in der wir wieder tagtäglich mit antisemitischen Äußerungen konfrontiert werden, kommt dem Roman "Abschied in Prag" von Alyson Richman eine ganz besondere Rolle zu. Lenkas und Josefs Geschichte beginnt im Prag der 1930er Jahre. Kurz nach ihrer Heirat werden die jungen Liebenden beim Einmarsch der Deutschen auseinandergerissen. Josef emigriert, arbeitet als Arzt in New York, heiratet. Lenka entrinnt im Konzentrationslager dem Tod nur knapp und beginnt nach dem Krieg ein neues Leben in den USA. Obwohl sie glauben, einander nie wiederzusehen, vergessen sie ihre Liebe nie. Bis sie sich sechs Jahrzehnte später in New York zufällig begegnen...
    Das Cover ist sehr ansprechend gestaltet. Im Mittelpunkt steht ein gepackter Koffer, der in einer Signalfarbe (Rot) gehalten ist und die Blicke des Betrachters auf sich zieht. Er symbolisiert den Abschied von der vertrauten Heimat und die Reise in eine ungewisse Zukunft. Im Hintergrund erkennt man die Silhouette der weltberühmten Stadt an der Moldau. Auch der Titel des Roman ist kurz und prägnant und spiegelt das Romangeschehen auf eine subtile Weise wider.
    Das Geschehen wird aus zwei Perspektiven, nämlich von Lenka und Josef, geschildert. Sie verbindet eine große Liebe, die aufgrund von tragischen Umständen nicht gelebt werden konnte. Als Leser entwickelt man eine enge Bindung an diese zwei starken Protagonisten, deren Lebensweg wir über eine lange Zeitspanne von der ersten zufälligen Begegnung über die tragische Trennung in den Wirren des Krieges und das unverhoffte Wiedersehen auf einer Hochzeit in den USA verfolgen.
    In diesem vielschichtigen Roman werden viele wichtige Themen wie die Bedeutung von Familie, Freundschaft und Liebe angesprochen. Hierbei kommt der Kunst eine entscheidende Rolle zu. Sie ist ein Zeichen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, aber auch eine Flamme der Hoffnung, die alle Verfolgten am Leben erhält. Auch Lenka hat sie die Kraft zum Weiterleben in den Konzentrationslagern gegeben, nachdem sie ihre Angehörigen verloren hatte.
    Alyson Richman schreibt in einer schlichten, aber sehr ausdrucksstarken Sprache. Man spürt das Grauen, wenn sie das Unsagbare schildert, was Lenka in den Konzentrationslagern mitansehen, erleben und erleiden muss. Nach ihrer Befreiung ist ihr Leidensweg längst nicht zu Ende. Auch wenn es ihr gelingt, sich ein neues glückliches Leben aufzubauen, kämpft sie zeitlebens gegen das Trauma, den Holocaust überlebt zu haben, während alle ihre nahestehenden Menschen gestorben sind.
    Auch Josef kennt diese zwiespältigen Gefühle. Zeitlebens lässt ihn die Erinnerung an Lenka nicht los. Er fühlt sich schuldig, weil er seine Heimat rechtzeitig verlassen und in die USA emigrieren konnte, während er seine geliebte Frau schutzlos zurücklassen musste und nicht in Erfahrung bringen konnte, was mit ihr nach dem Abschied in Prag geschehen ist.
    Dieses Buch hat mich sehr aufgewühlt zurückgelassen. Heute vergebe ich 5 Sterne für ein ergreifendes Buch über eine tragische Lebens- und Liebesgeschichte in dunkelster Zeit, das lange in mir nachhallen wird.

  • Lenka und Josef verlieben sich in Prag. Viel Zeit bleibt der jungen Liebe jedoch nicht, denn der Einmarsch der Deutschen steht kurz bevor. Die beiden heiraten, doch werden dann getrennt. Josef flieht in die USA, wo er ein neues Leben beginnt. Lenka hingegen verbringt qualvolle Jahre in Konzentrationslagern. Beiden gelingt es jedoch den Krieg zu überleben. Durch Nachforschungen erfahren sie, dass der jeweils andere verstorben sei. Beide leben ihr Leben, können aber ihre große Liebe nicht vergessen. Sechs Jahrzehnte später erfahren sie, dass beide überlebt haben, als sie sich zufällig wiedersehen.


    Der Roman handelt von zwei Leben, die so anders verlaufen wäre, wenn es den zweiten Weltkrieg und die Judenverfolgung nicht gegeben hätte, und von der wahren Liebe, die über Jahrzehnte andauert, auch wenn sie unerfüllt ist. Lenka und Josef treten beide als Ich-Erzähler auf und berichten über ihr komplettes Leben. Richmans Schreibstil ist einfach gehalten und flüssig. Der Roman lässt sich daher gut lesen und die Geschehnisse werden eindringlich geschildert. Als Leser spürt man, was die beiden sich gegenseitig bedeutet haben. Authentisch und erschreckend schildert die Autorin die Zeit im KZ und wie der Verlust der wahren Liebe das Leben der beiden nachhaltig beeinflusst hat.


    Mein einziger Kritikpunkt an diesem Roman ist, dass er mich nicht richtig berührt hat. Das harte Schicksal der beiden und die schlimme Zeit während des Krieges werden zwar gut präsentiert, aber ich hatte stets das Gefühl, dass mir die Geschichte nur erzählt wird, das ich ein Außenstehender bin und nicht in die Geschichte eintauchen konnte. Sehr gute Romane sorgen dafür, dass man sich fast als Teil der Handlung fühlt und das habe ich hier vermisst.


    Fazit: Eine gute aufgebaute Story um eine Liebe, die durch die Ereignisse um den zweiten Weltkrieg keine wirkliche Chance hatte. Leider konnte mich die Geschichte trotz aller Tragik, Hoffnung und Emotion nicht komplett packen. Dennoch war sie schön zu lesen und erhält daher 4/5 Sterne von mir.


    • Taschenbuch: 384 Seiten
    • Originaltitel: The Lost Wife
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  • Abschied in Prag, Roman von Alyson Richman, 384 Seiten, erschienen im Diana Verlag.
    Eine große Liebesgeschichte in finsterster Zeit. Stimmungsvolle, erschütternde Beschreibung des Lebens in den Vorkriegs- und Kriegsjahren aus Sicht der Juden.
    Lenka eine junge Jüdin, lebt mit ihren Eltern und ihrer Schwester in Prag. Sie ist sehr begabt im Zeichnen und Malen, deshalb besucht sie die Prager Kunstakademie, dort lernt sie durch Veruska eine Freundin und Komilitonin, deren Bruder Josef kennen. Die Jüdische Bevölkerung leidet zu dieser Zeit schon unter zunehmenden antisemitischen Parolen und Einschränkungen Die beiden verlieben sich ineinander und kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in Prag, werden sie durch eine jüdische Zeremonie verheiratet. Josefs Vater ein angesehener Arzt und Geburtshelfer, kann für die Familie Visa und eine Passage nach den Staaten ergattern, doch Lenka will ihre Eltern und ihre Schwester nicht im Stich lassen. Mit dem Versprechen Lenka und ihre Familie baldmöglichst nachzuholen, verabschieden sich die beiden. Es sollte ein Abschied für Jahrzehnte werden, denn beide müssen annehmen der Partner hat den Krieg nicht überlebt. Doch die Geschichte von Lenka und Josef ist noch nicht zu Ende.
    58 Kapitel geschrieben im personalen Stil und zwei Erzählsträngen, abwechselnd aus der Sicht von Lenka und Josef. Die Kapitel sind in einer überschaubaren Länge verfasst, einzelne Wörter oder Sätze sind durch kursive Schreibweise hervorgehoben worden, z.B. jiddische Begriffe, Gedanken und Sprüche. Romantische und auch sehr lebhafte Dialoge lockern die Geschichte auf. Schon im Prolog war ich an das Buch gefesselt und konnte es bis zur Auflösung am Ende nur ungern aus der Hand legen.
    Dieses Buch hat mich erschüttert. Zwar habe ich schon viele Bücher zum Thema „Judenverfolgung durch die Nazis im 3.Reich“ gelesen, aber dieses Buch hat mich auf eine ganz andere Art berührt. Nicht die Grausamkeiten von Theresienstadt und Ausschwitz wurden reißerisch geschildert, sondern die Hoffnung, der Glaube und der Überlebenswille, auch der Widerstand mit den Mitteln die möglich waren, wurden mit besonders emotionalen Worten beschrieben. Selbst die Schilderung der jungen Liebe in dieser schweren Zeit, mit wenig Hoffnung auf eine Zukunft ist der Autorin mit höchst gefühlvollen Worten hervorragend gelungen. Einige Zitate hab ich mir aufgeschrieben um sich nicht zu vergessen z.B. auf Seite 56: >Wir trugen unsere Trauer, wie eine zweite Haut, unsichtbar für neugierige Augen; aber ein fester Bestandteil unserer selbst.< Oder auch auf Seite 122: > Seine Familie lässt man nicht im Stich. Auch nicht im Namen der Liebe.<. Solche und ähnliche Sätze, haben mir Tränen in die Augen getrieben. In der Hoffnung wie sich alles fügen wird, was mit Lenkas Familie geschieht haben mich durch den Roman gejagt, dies wird ein Buch sein, welches ich in aller Ruhe noch einmal lesen werde. Gerne hätte ich noch erfahren wie Lenka und Josef in Zukunft leben werden. Die Kapitel die Lenka aus ihrer Sicht erzählte haben mich mehr berührt als Josefs Part. Beide haben wieder geheiratet, aber ihre erste große und ewige Liebe konnten die beiden nie vergessen. Die Charaktere waren voller Leben und handelten zu jeder Zeit glaubwürdig. Der Plot war stets nachvollziehbar und ich konnte der Geschichte ohne Mühe folgen. Oft habe ich mich Lenka identifiziert und mir überlegt wie ich mich in ihrer Situation fühlen, bzw. verhalten würde.
    Voller Begeisterung empfehle ich allen Lesern, die gefühlvolle Romane mögen, dieses Buch. Auch für Leser geeignet die sich für das Thema „Antisemitismus“ interessieren. Ein neues Herzensbuch für mich. Begeisterte 5 Sterne.
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    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Inhalt

    Prag in den 1930-er Jahren. Zwischen dem Medizinstudenten Josef und Lenka, einer Freundin seiner Schwester, bahnt sich eine zarte Liebesgeschichte an. Als die Zeiten für die jüdische Bevölkerung zunehmend unsicherer werden, heiratet das junge Paar, und bereitet mit den Eltern die Auswanderung nach Amerika vor.

    Durch unglückliche Umstände wird Josef von seiner Frau getrennt, und Lenka nach Theresienstadt deportiert. Ein ganzes Leben lang glaubt jeder der beiden Ehepartner, dass der andere den Krieg nicht überlebt hätte, bis sie sich 60 Jahre später in New York zufällig wiedersehen.


    Meine Meinung

    Mit diesem Roman hat die Autorin ein wunderbares Buch über eine große Liebe in einer schrecklichen Zeit vorgelegt. Josef und Lenka sind von Anfang an die Sympathieträger, deren Schicksal sicher niemanden unberührt lässt, doch auch Eltern und Freunde werden sehr authentisch dargestellt. Als Leser nimmt man regen Anteil an den Repressalien, die das Leben der Juden in Prag immer unerträglicher macht. Berührend schreibt Alyson Richman von großen Zukunftsplänen, enttäuschten Hoffnungen, unfassbaren Grausamkeiten, aber auch von Hilfsbereitschaft, Loyalität, Durchhaltevermögen und der Macht der Liebe.

    Der Aufbau des Romans mit wechselnder Erzählperspektive hat mir sehr gut gefallen. Gefühlvoll, und doch in einer sehr eindringlichen Sprache lässt die Autorin ihre Leser am Unvorstellbaren teilhaben. Viele Details künden von intensiver Recherche, interessant auch die Rolle, die die Kunst in Theresienstadt als Zeichen des Widerstandes spielte. Die Handlung erschien mir von Anfang bis Ende sehr durchdacht und war logisch zu jedem Zeitpunkt gut nachvollziehbar.

    Packend erzählt, habe ich mich vom Strom der Ereignisse mitreißen lassen, und war vom Schicksal der hervorragend dargestellten Figuren sehr bewegt. Gerne hätte ich noch erfahren, wie Lenka und Josef sich nach ihrer zufälligen Begegnung einander angenähert haben. Ob die tiefe Zuneigung des Paares auch der Prüfung durch die Realität standgehalten hätte, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen.