Martin Schörle - Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

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»Nichtalltägliches aus dem Leben eines B...

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Verlag: Engelsdorfer Verlag

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 119

ISBN: 9783960084082

Termin: Dezember 2016

  • Titel : Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten
    Einladung zum Klassentreffen
    Autor : Martin Schörle
    Seitenzahl : 117
    Verlag : Engelsdorfer Verlag


    Klappentext :
    Der kabaretteske Monolog »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« beschert dem geneigten Leser Einblicke in das Leben des Vollblutverwaltungsgenies Hans Fredenbek, der sich in seinem ganz eigenen Gedankengewirr aus Aktenzeichen, Dienstverordnungen, statistischen Erhebungen zusehends verheddert. Es wird deutlich, dass er sich von dem Leben jenseits seines Büros nahezu völlig verabschiedet hat. Vor allem aber wird schonungslos aufgedeckt, dass es zwischen Slapstick und Tragik eine Nahtstelle gibt. Und dass diese Nahtstelle einen Namen hat. Und dass dieser Name Hans Fredenbek ist.


    Meine Meinung:


    Das ist das erstemal das ich Theaterstücke in Buchform lesen. Und ich muss sagen beide Geschichten haben Spass gemacht.
    Der Schreibstil beider Geschichten war sehr flüssig und leicht zu lesen.
    Herr Fredenbek fand ich etwas verschroben aber auch Sympathisch. Die Gedanken die er sich in der Einsamkeit seines Büros macht fand ich sehr amüsant. Ich habe beim lesen noch nie so lange über Radiergummis nachgedacht.
    Die zweite Geschichte fand ich auch sehr unterhaltsam. Zwei Menschen telefonieren wegen eines Klassentreffens und bemerken das sie doch noch etwa füreinander empfinden. Konnte ich wirklich nachvollziehen:-) Das Ende der Geschichte fand ich sehr nett.


    Fazit:
    Ein Buch das Spass macht. Mal was anderes

  • "Das Theater ist die tätige Reflexion des Menschen über sich selbst." (Novalis)
    Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten:

    Hans Fredenbek ist ein Beamter, wie er leibt und lebt, in seinem Büro sinniert er über das Leben, die Liebe, macht sich Gedanken über Dienstverordnungen, Aktenzeichen, Statistiken und auch mal über Politik. Dabei erleben wir den Beamten mal humorvoll, besinnlich und schon auch mal aufbrausend. Das ganze Theaterstück wird hauptsächlich hier als Monolog dargestellt, dieser wird untermalt mit Musikstücken wie: Polonäse Blankenese, Spiel mir das Lied vom Tod, Je t´aime ...Ich habe mich am Anfang etwa schwergetan mit diesem Kabarett, da es mir zu trocken rüberkam. Mir fehlte da auf der langen Strecke von fast 50 Seiten so ab und zu der Humor. Natürlich blitzt er so ab und an ein wenig Slapstick durch, doch das war mir persönlich fast zu wenig. Ich denke, dass es aufgeführt mit dem ganzen Hintergrund und der Musik sicher noch um einiges besser wirkt, wie wen man es nur liest. Trotzdem hätte ich mir ein paar herzhafte Lacheinlagen mehr gewünscht.

    Einladung zum Klassentreffen:

    Marina und Carsten kennen sich schon seit ihrer Schulzeit. Als Marina im ICE sitzend auf dem Weg nach Hause ist, wird sie von Carstens Anruf überrascht. Dieser möchte Marina nach 20 Jahren zu einem Klassentreffen einladen. Dabei kommt heraus das Marina Leben nicht gerade rosig verlaufen ist. Doch auch Carstens Leben ist nicht so verlaufen, wie er erhofft hatte und so schwelgt er dabei recht schnell in alten Zeiten, als die beiden noch ineinander verliebt waren. Dabei merkt man, wie groß Carstens Gefühle nach wie vor für Marina sind. Herrlich fand ich hingegen dieses Theaterstück, bei dem ich des öfteren herzhaft lachen musste. Schon allein die Vorstellung das Marinas Gespräch von den Mitfahrern des ICEs belauscht werden und sich diese teilweise einmischten, fand ich zu köstlich. Ein Telefonat das zwischen Tragik, Komik und Liebesgeschichte alles zu bieten hat. Da wurden auch die über 50 Seiten dann nicht langweilig im Gegenteil ich hätte dem Gespräch der beiden noch eine Weile folgen können.


    Fazit:
    Martin Schörle bringt durch dieses Buch Leben auf die Bühne, mal tragisch, trocken, mal humorvoll euphorisch. Ausgezeichnet wurde er mit diversen Preisen dafür u. a. 2008 2. Platz Autorenwettbewerb "Perlen vor die Säue" und weiteren. Gefallen hat mir das zweite Stück deutlich besser als das erste, da es einfach lebensnaher und humorvoller für mich war. Dem Buch fehlte hier natürlich die Dramatik und die Darstellung, die nur eine Bühne hergeben kann von daher ist die Wirkung dort sicher noch deutlicher. Ich könnte mir jedoch bei dem Autor auch gut vorstellen, das er einmal einen humorvollen Roman schreiben könnte. Von mir bekommt dieses Buch 4 von 5 Sterne. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::thumleft::applause:

  • Titel / Cover

    Der Titel der beiden Stücke ist gut gewählt. Der Untertitel sagt, dass es um Theaterstücke geht. Das Bild, eine Zeichnung in hellen Farbtönen, zeigt Hans Fredenbek an seinem Schreibtisch. Es passt sehr gut zum Titel und stimmt mich auf den Inhalt ein.


    Klappentext

    Im Klappentext erfährt man, dass es um einen kabarettistischen Monolog des Hans Fredenbek geht, der die Nahtstelle zwischen Slapstick und Tragik verkörpert. Im zweiten Stück geht es um ein Telefonat, in dem es um eine alte Liebe zwischen Carsten und Marina geht. Mit dem Hinweis, dass das Stück den Spagat zwischen Komik und Tragik wagt.

    Die Informationen zu den Lesungen der beiden Geschichten finde ich im Klappentext zu lang. Diese Information fände ich passender in einem Vorwort oder Nachwort zu der jeweiligen Geschichte.


    Charaktere

    Hans Fredenbek ist für mich ein liebenswerter, amüsanter Zeitgenosse, der uns auch sinniges und unsinniges Wissen vermittelt. Er deckt Missstände auf, die von der Gesellschaft und der Politik vernachlässigt werden. Wie zum Beispiel die skandalösen Verhaltensregeln bei Hochwasser, die den Liliputanern nicht gerecht werden.
    Oder die verschiedengeschlechtlichkeit zwischen Theorie und Praxis.

    Carsten und Marina offenbaren in ihrem Gespräch Verschüttetes und nie Ausgesprochenes. Dabei durchleben sie emotionale Höhen und Tiefen, die wir alle kennen und nachvollziehen können.


    Schreibstil

    Sehr gut gefallen hat mir, wie es dem Autor durch einen reichen Wortschatz und großer Kreativität gelingt, Komik zu erzeugen. Gekonnt platzierte Themenwechsel und Zusammenhänge brachten mich immer wieder zum Lachen. In dem Telefonat, bzw. der Geschichte der beteiligten Personen, hat jede Person eine eigene Stimme. Auch ohne Hinweis spürt man, wer spricht.


    Es ist als Theaterstück geschrieben, aber Informationen zu Bühnenbild und Rollenverhalten lassen sich leicht überlesen. Man kann sie aber auch nutzen, um sich die Szene vorzustellen.


    Story

    Fredenbeks Monolog enthält viel nichtalltägliches, das in unserem Alltag aber durchaus hilfreich sein könnte. So erfahren wir, dass es 124 Annäherungsmöglichkeiten gibt, die Herzensdame für sich zu gewinnen. Wobei AM16, Ziffer 16 II konkret beschrieben ist. Es gibt eine Führung durch das
    Seelenleben der Frau mit dem Beweis, dass zwischen grundverschiedenen Dingen, wie Gehirn, Seele und Frau, ein Zusammenhang besteht. Sachdienliche Hinweise, wie mit Frauen beim Tanzen umzugehen ist. Wir bekommen Ergänzungen zum Bedeutungswörterbuch. Zuhälter zum Beispiel, sind Menschen, die zu Beamten halten. Dass es Gesellschaften gibt, mit beschränkter Bodenhaftung oder mit beschränkter Hoffnung. Wir lernen germanophile Italiener kennen. Wir erfahren, dass das SEK „ohne ausreichenden Antragsgrund Beamten erlegt“. Sehr interessant sind auch seine sorgfältig durchgeführten statistischen Erhebungen. Das sind nur einige Beispiele aus dem reichhaltigen Repertoire von Hans Fredenbek.


    Das Telefonat im zweiten Stück lässt uns teilhaben am Gefühls- und Liebesleben von Carsten und Marina. Hier kommt die Komik aus den Themenwechseln und den Umständen, unter denen das Telefonat geführt wird. Marina wird von einer Dame im Nebenabteil belauscht. Aber auch andere Fahrgäste nehmen regen Anteil an der Geschichte von Carsten und Marina.

    Beide Geschichten haben ein überraschendes, aber nachvollziehbares Ende.


    Fazit

    Mir bereitete besonders Hans Fredenbek höchstes Lesevergnügen. Seine Freizeitgestaltung auf dem Bahnhofsklo ist sicher nicht Jedermans Sache, aber sehr unterhaltsam. Ich hätte Hans gerne noch länger zugehört. Leider hat er sein „Vorgesehenes, endgültiges Lebensaustrittsalter“ erreicht.

    Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die anspruchsvolles Kabarett und kreative Satire mögen.

    :applause:

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