Jens Peter Gieschen / Klaus Meier - Strafakte Faust

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  • Jens Peter Gieschen / Klaus Meier: Strafakte Faust Goethes berühmte Triebtäter auf dem juristischen Prüfstand Tathergang Schuldfrage Anklageschrift; Vito von Eichborn Verlag Frankfurt / Main 1993; 144 Seiten; ISBN: 3-8218-21378-X


    Goethes Faust hat den Olymp der Weltliteratur erklommen. Die vorliegende Schrift analysiert grundlegend und kompetent das historische Werk aus heutiger juristischer Sicht. "Und dabei kommen Goethes Figuren durchaus nicht gut weg," ist auf dem hinteren dunkelblauen Buchdeckel zu erfahren.


    Unerlaubtes Glücksspiel, versuchter Totschlag, Hausfriedensbruch, Diebstahl, Hehlerei, Sachbeschädigung, Verbreitung pornographischer Schriften, Brandstiftung, Gotteslästerung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung - dies sind nur einige der Delikte, die fachkundig unter juristischen Gesichtspunkten überprüft werden.


    Der Ansatz ist aber humoristisch angelegt. Dies ist schon allein daran ersichtlich, daß sich hier mit fiktiven Personen strafrechtlich auseinander gesetzt wird. Wie soll nicht in der Realität existierenden Personen der Prozeß gemacht werden können? Sie habe je keine Möglichkeit, vor einem weltlichen Gericht zu erscheinen. Literaturkritiker und Leser sind ihre einzigen "Richter".


    Jeweils kurze Auszüge aus dem Faust wird ein Paragraph des deutschen Strafgesetzbuches gegenübergestellt. Dort, wo nötig, werden leicht verständliche Erklärungen gegeben - einem ernsthaften und ernstzunehmenden deutschsprachigen Juristen wäre das nicht möglich, weil gegen seine menschliche und berufliche Natur.


    Einen Bezug zu Goethes Faust sollte man aber schon haben, oder? Gelesen haben muß man ihn nicht, um diesem vorliegenden Buch folgen zu können. Es geht hier schließlich nicht um eine tiefschürfende literaturwissenschaftliche Analyse; Vergnügen und Unterhaltung stehen im Vordergrund.

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