Mike Lehmann & Jens Eitmann - Systemische Lerntherapie. Ein integrativer, beziehungs- und ressourcenorientierter Ansatz

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  • Klappentext:


    Lerntherapie ist mehr als Nachhilfe. Sie wirft einen ganzheitlichen Blick auf das Kind und seine Lernstörungen und begreift diese nicht als Defizit, sondern als Lernchance für das Kind und seine Umwelt.


    Mike Lehmann und Jens Eitmann stützen diese Haltung auf drei Grundpfeilern: Sie zeigen, wie man auf wertschätzende und ressourcenorientierte Weise mit dem Kind und seinen Bedürfnissen arbeitet, die URsachen für eine Lernstörung ergründet und dem Kind dabei hilft, durch Neugier, Kreativität und Begeisterung wieder sein volles Potenzial zu entfalten. Weil es dafür kein Patentrezept gibt, das bei jedem Kind und jedem Problem helfen würde, vermitteln die Autoren Methoden, wie Lerntherapeuten gemeinsam mit ihren Schülern den individuell besten Weg erarbeiten können.


    Im ersten Kernteil des Buches werden die Leitlinien der systemischen Lerntherapie anhand von Fallbeispielen aus der praktischen Arbeit erläutert.


    Eigene Beurteilung:


    Die beiden Autoren dieses Buchs stellen die Lerntherapie, wie sie sie verstehen zunächst in ihren theoretisch-historischen Grundsätzen vor, wie etwa die Neurologie, Havighurst, Piaget, Erikson, Vysotsky et al., bevor sie auf die zentralen Aspekte der systemischen Lerntherapie und danach auf die Leitlinien der praktischen Arbeit zu sprechen kommen, wobei sie sich an zwei Fallbeispielen entlang arbeiten. Nach einem Resümee werden dann im Anhang noch die rechtlichen Grundlagen der lerntherapeutischen Arbeit dargestellt. Die Idee lerntherapeutisches Arbeiten kompakt und praxis-orientiert darzustellen ist sicherlich begrüßenswert, aber die Durchführung hat so den ein oder anderen Stolperstein. So erschließt sich der ausgiebige vorgeschaltete Theorieteil nur eingeschränkt – vor allen Dingen, da im Vorwort darauf hingewiesen wurde, dass man diesen nur auf das Essentielle beschränken wolle. Die Kernfeststellung, dass das kindliche Lernvermögen verschiedene Phasen durchläuft, und dass bestimmte Fertigkeiten und Inhalte erst erfassbar werden, wenn ein einzelnes Kind in die entsprechende Phase eingetreten ist, ist sicherlich eine grundlegende Wahrheit, aber es ist nicht unbedingt notwendig, diese mit mehreren Kapiteln zu verschiedenen Theoretikern, die im Prinzip das Gleiche sagen, zu untermauern. Die Exkurse zu Genetik und Neurologie sind nett, aber auch nur eingeschränkt relevant. Bestimmte inhaltliche Aussagen werden sehr oft wiederholt, was gelegentlich schon ein wenig irritierend ist – und auch den Lesefluss hemmt. Dafür wurden die Fallbeispiele leider stark verkürzt, die doch gerade zur Exemplifizierung bestimmter Aspekte noch mehr hätten beitragen können. Und auch zur Befriedigung des Interesses an Fallerzählungen, wie es sich bei Lehrkräften und Therapierenden doch vergleichsweise häufig findet – und woraus sie meiner Erfahrung nach am Meisten mitnehmen. Insgesamt ein wenig zu umfassend in der Theorie, mit wichtigen Schwerpunkten (etwa im Bereich des Umgangs mit den Eltern und der „professionellen Dummheit“), ist dieses Buch schon ganz nützlich, könnte aber sprachlich noch ansprechender gestaltet werden

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