Oliver Hilmes - Ludwig II.

  • Buchdetails

    Titel: Ludwig II: Der unzeitgemäße König


    Verlag: Pantheon Verlag

    Bindung: Broschiert

    Seitenzahl: 448

    ISBN: 9783570552728

    Termin: Mai 2015

  • Bewertung

    4.8 von 5 Sternen bei 6 Bewertungen

    96,7% Zufriedenheit
  • Inhaltsangabe zu "Ludwig II: Der unzeitgemäße König"

    König Ludwig II. von Bayern (1845–1886) war und ist ein Mythos. Millionen Menschen besuchen jährlich seine Schlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee. Erstmals legt Bestsellerautor Oliver Hilmes nun eine Biographie des »Märchenkönigs« vor, die ihn als Herrscher und historische Gestalt ernst nimmt. Denn Ludwig, so Hilmes, wusste trotz aller scheinbaren Widersprüche seines Lebens genau, was er wollte – ein absoluter König sein. Ausstattung: mit Abbildungen
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  • Worum es geht

    Nach dem unerwarteten Tod Maximilian II. von Bayern im März 1864 tritt sein erst 18-jähriger Sohn als Ludwig II. die Nachfolge an. Der unreife Jüngling, der in einer Zeit des politischen Umbruchs auf den Thron gelangt, ist auf sein Amt denkbar schlecht vorbereitet. Seine schwärmerische Verehrung für Richard Wagner, zu dessen Mäzen er sich auserkoren sieht, seine angeborene Menschenscheu und seine homoerotische Neigung belasten die ersten Regierungsjahre und lassen den jungen König immer wieder von Abdankung sprechen.

    Reichskanzler Bismarck hingegen braucht für die Umsetzung seines Planes zur Gründung eines deutschen Nationalstaates unter preußischer Vorherrschaft einen verlässlichen Bündnispartner im Süden des Reiches und zwingt den Bayernkönig zu einem militärischen Bündnis. Als Dank für Ludwigs Zustimmung zur Reichsgründung 1870 sollte Bismarcks treuer Bündnispartner eine dauerhafte großzügige finanzielle Zuwendung aus dem sog. "Welfenfond" erhalten (dieser beinhaltet das konfiszierte Vermögen des unter Bismarck aufgehobenen Königreichs Hannover).

    Sicher litt der König, der vom Gottesgnadentum seines Amtes vollkommen überzeugt war, unter dem teilweisen Souveränitätsverlust, und versuchte sich im Bau seiner Schlösser eine Parallelwelt zu schaffen, zu der nur er Zutritt haben sollte.

    Im Laufe der Jahre zog sich Ludwig immer mehr in seine Traumwelt zurück, sodass die bayrische Bevölkerung ihren Schattenkönig überhaupt nicht mehr zu Gesicht bekam. Aber auch des Königs engste Mitarbeiter durften ihm letztlich nicht mehr unter die Augen treten und die Tag- Nachtumkehr machte den Umgang mit ihm nicht leichter. Ludwigs Leibdiener hatten unter der zunehmenden moralischen Enthemmung ihres Königs, der auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschreckte, derart zu leiden, dass sich für diese Aufgabe keine Bewerber mehr fanden, und junge Soldaten zur Bedienung des Königs entsandt werden mussten. Kleinste, oder auch nur vermeintliche Fehler waren für Ludwig Grund genug, sich in Gewaltphantasien gegen den Übeltäter zu ergehen.

    Als sich das Ministerkollegium keinen Rat mehr weiß und des Königs Schuldenberg nach heutiger Kaufkraft auf etwa 88 Millionen Euro angestiegen ist, wird Bernhard von Gudden gebeten, Ludwigs Geisteszustand zu beurteilen. Der Psychiater, der den König aber nicht untersuchen kann, stellt eine vernichtende Ferndiagnose und erklärt ihn als eindeutig geisteskrank.

    Daraufhin wird Ludwigs Entmachtung betrieben. Formal soll der König im Amt bleiben, lediglich die Regierungsgeschäfte sollen an Ludwigs Onkel Luitpold übertragen werden.


    Wie es mir gefallen hat

    Wer kennt ihn nicht, den bayrischen Märchenkönig im hermelinbesetzten, nachtblauen Mantel, wer hat nicht wenigstens eines seiner Schlösser besucht und einige der Mythen gehört, die noch immer vom "Kini" erzählt werden? Und doch werden die wenigstens von der Tragödie wissen, die Ludwig zum Getriebenen machte, ihn in eine irreale und einsame Welt verbannte.

    Zur unglücklichen genetischen Disposition (Ludwigs Bruder Otto vegetierte jahrzehntelang in geistiger Umnachtung dahin) kommt auch noch die homosexuelle Komponente, die für einen Monarchen des 19. Jahrhunderts keine erfüllende Partnerschaft vorsah, außerdem Ludwigs absolutistischer Machtanspruch, seine schwärmerische Natur und seine Abneigung gegen ein Leben in der Öffentlichkeit.

    Oliver Hilmes geht den vielen Gerüchten, die sich um die Person Ludwigs ranken mit akribischer Genauigkeit nach und klärt so manche Frage, weil er in bisher nicht zugängliche Dokumente Einsicht nehmen konnte.

    Außerdem wurde erst in den letzten Jahren festgestellt, dass Ludwig an einer degenerativen Erkrankung des Frontallappens litt, die viele seiner Verhaltensmuster erklärt. Morbus Pick gehört zwar zur selben Gruppe wie die Alzheimererkrankung, doch bleibt im Gegensatz dazu die Gedächtnisleistung nahezu unverändert; und der König galt ja auch bis an sein Lebensende als uneingeschränkt geschäftsfähig.

    Was aber auch Oliver Hilmes nicht restlos aufklären konnte, sind die Umstände seines Todes beim abendlichen Spaziergang am Starnberger See. Dennoch fand ich persönlich die Antwort des Autors auf diese Frage so einleuchtend wie unspektakulär und vergebe für dieses Meisterwerk unter den "Ludwig"-Biografien sehr gerne die volle Punktezahl.

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