Rohinton Mistry - Das Kaleidoskop des Lebens / Tales from Firozsha Baag

  • Buchdetails

    Titel: Das Kaleidoskop des Lebens


    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 288

    ISBN: 9783596139811

    Termin: Februar 2002

  • Bewertung

    3.8 von 5 Sternen bei 4 Bewertungen

  • Inhaltsangabe zu "Das Kaleidoskop des Lebens"

    Jede Wohnung im Mietshaus am Firozsha-Platz ist für den jungen Kersi wie eine Zauberschachtel, in der sich Schicksale entfalten, mit anderen verbinden, überraschend kreuzen. Da ist der Rechtsanwalt Rustomji, der durch die Kapriolen seiner Wasserleitung zum Märtyrer seiner Verdauung wurde, aber zu geizig ist, einen Klempner zu organisieren. Da ist Najamai, die den einzigen Kühlschrank des Stockwerks besitzt und den Nachbarn darin Platz einräumt, um genauestens über deren Eßgewohnheiten, finanzielle Krisen und geplante Feste informiert zu sein. Da ist die Dienerin Jaakaylee, die einen Geist entdeckt und so erfolgreich Angst davor hat, daß ihm andere im Haus auch begegnen. Kersi ist zu Hause in dieser Welt, in der jeder jeden kennt, und doch träumt er mit seinen Freunden vom Studium im Ausland. Erst als er tatsächlich im kühlen Wohlstand Kanadas lebt, steigt die Erinnerung an den lebhaften, geräuschvollen, engen, stimmenerfüllten Firozsha-Platz in ihm auf - eine Sehnsucht, die ihn nicht mehr verläßt.Wie in einem kostbaren Gewebe sind die Schicksale der Menschen dieses Hauses verbunden, ein Muster, das sich durch die skurrilen, humorvollen, eigenwilligen und höchst individuellen Figuren erst langsam enthüllt. Von wohletablierten Honoratioren bis zu kleinen Dienstboten, die im Grunde alle nichts Schöneres kennen, als genußvoll die Angelegenheiten ihrer Nachbarn zu diskutieren: Rohinton Mistry zeigt die ganze Fülle Indiens.
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  • Das Kaleidoskop im Titel passt ziemlich gut auf diese Kurzgeschichtensammlung, durch die sich als roter Faden der Wohnkomplex Firozsha Baag in Bombay zieht, in dem die Protagonisten wohnen (oder einmal gewohnt haben). Mit jeder Drehung des Kaleidoskops rückt eine andere Person in den Fokus, wird die Hauptfigur aus der einen Geschichte zur kleinen, aber wichtigen Nebenfigur in der anderen und zur kurz erwähnten Randerscheinung in der dritten.


    Da ist zum Beispiel das Kindermädchen, das sich vor dem Geist fürchtet, der es nächtens heimsucht und sich damit zum Gespött des ganzen Wohnblocks macht, oder der Teenager Jehangir, der wegen seiner Liebe zum Lesen von den Gleichaltrigen ausgelacht wird und sich mit dem Briefmarken sammelnden Tierarzt Dr. Mody anfreundet, bis diese Freundschaft ein jähes Ende findet. Der pfiffige Kersi Boyce träumt davon, Kricketstar zu werden, während sich alle die Mäuler über die Miniröcke der kessen Schwestern Dolly und Vera zerreißen. Eine Witwe möchte eigentlich nur in Ruhe und auf ihre eigene Weise um ihren Mann trauern, sieht sich aber ständig mit Beileidsbesuchern konfrontiert und einer Nachbarin, die ihr dauernd vorschreiben will, wie sie sich nun zu verhalten hat.


    Hinzu kommen noch zwei oder drei Kapitel, die sich mit ehemaligen Bewohnern von Firozsha Baag beschäftigen, die mittlerweile im Ausland leben und zwischen zwei Identitäten hin- und hergerissen sind.


    Nicht alle Geschichten konnten mich gleichermaßen begeistern. Nach den ersten dreien hatte ich sogar so meine Zweifel, ob ich überhaupt Lust haben würde, das Buch zu beenden - zuviel Verdauung in der einen, zu wenig Sympathieträger in der anderen und zu verworrenes Geistergerede in der dritten. Dann aber hat mich Mistry mit dem Kapitel über die Witwe gepackt, das mich sehr berührt hat, und die weiteren Geschichten konnten mich - abgesehen von ein bisschen arg viel Kricket, von dem ich nun mal nichts verstehe, in einer Episode - dann eigentlich durch die Bank begeistern.


    Obwohl das Buch in den 50er und 60er Jahren in Indien spielt, wo man gerade die Kolonialherrschaft der Briten losgeworden ist und sich neu orientieren muss, geht es im wesentlichen um ganz universelle Themen: Liebe und Tod, Neid und Missgunst, Träume und Pflichten - und natürlich das Verhältnis verschiedenster Nachbarn untereinander. Somit gibt es auch für westliche Leser genügend Berührungspunkte, die sich für Indien als Schauplatz eher weniger interessieren, wobei ich gerade auch die Einblicke in die indische Lebenswelt von damals ziemlich spannend fand.


    Zwei kleine Kritikpunkte habe ich speziell an der deutschen Ausgabe: zum einen gibt es zwar ein Glossar, das indische Begriffe, wenn auch recht knapp, erläutert, allerdings deckt dieses bei weitem nicht alle verwendeten Wörter ab, und zum anderen fand ich die Übersetzung häufig holprig und umständlich. Im Original hätte ich wahrscheinlich noch mehr Spaß am Buch gehabt.


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