Amanda Downum - The Necromancer Chronicles - The Bone Palace

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  • Vor 3 Jahren leidete Erisín, die Hauptstadt Selafais, unter einer Pest. Die Plage machte auch nicht halt vor dem Königshaus und die Frau des amtierenden Herrschers Mathiros Alexios, Lychandra, lag im Sterben. Selbst der mächtige Zauberer Kiril vermochte es nicht die menschliche Krankheit aufzuhalten. Lychandra verstarb und das einstige Vertrauensverhältnis zwischen Mathiros und Kiril bekam Risse.


    Dies ist auch heute noch so, Kiril zog sich immer mehr von seinen Verpflichtungen zurück und richtete seine ganze Konzentration in die Ausbildung seiner Schülerin und Geliebten Issylt, die als Spionin und Nekromantin im Dienste des Königs steht. Doch Issylt ist auch als Ermittlerin im Einsatz, vor allem in Erisín, wobei sie die örtliche Polizei, den Vigils, immer dann unterstützt, wenn Morde das Königshaus betreffen. So auch in ihrem neuen Fall, als man sie ruft um eine tote Prostituierte zu untersuchen. Issylt sieht zunächst keine Verbindung zum Herrscherhaus, doch bei der Toten fand man einen Ring mit den Insignien der Alexios. Da der König im Norden Krieg führt begibt sie sich zu dessen Sohn Nikos, der die Amtsgeschäfte regelt. Sie zeigt ihm den Ring nur um dann zu erfahren, dass dieser Ring Lychandra gehört, seiner Mutter. Sie begeben sich in die Familiengruft, wo sie alle Schlösser und Schutzzauber noch intakt vorfinden, dennoch stammt der Ring von der einstigen Königin. Issylt spürt fremden Einfluss, vampirischen Einfluss.


    Nikos will Verschwiegenheit darüber und das Issylt den restlichen gestohlenen Grabesschmuck wieder auffindet, denn sollte Mathiros davon erfahren würde er im Zorn die Unterwelt nach den Vampiren durchstreifen. Er weit nur seine Frau, die Prinzessin Ashlin und seine geduldete Mätresse Savedra ein. Savedra, die aus dem Hause der Severos stammt, die eine der 8 Häuser sind die den König überstimmen können im Rat der 8, ist selber ein Hermaphrodit und hat durch ihre Mutter eigene Pläne. Sie soll den Platz an Nikos Seite einnehmen, doch ihre Zuneigung zu dem Prinzenpaar läßt sie loyal bleiben und als Leibwächterin steht sie im Auftrag Ashlin zu beschützen. Als ihr Onkel Varis sich immer seltsamer aufführt beschließt sie Nachforschungen über ihn einzusammeln. Mit Ashlin begibt sie sich zu ihrem Familiensitz und dort stoßen sie auf eine Spur. Varis wurde in Begleitung einer Frau gesehen, doch niemand weiß was über diese Frau und auch ihre Herkunft und Geschichte scheint verschleiert. Was Savedra noch nicht ahnt, diese Spur führt sie auch zur Untersuchung von Issylt, denn der Grabraub und die Frau scheinen miteinander verbunden zu sein. Wer mordet Prostituierte und schändet das Königsgrab und vor allem warum? Eine alte Rache zieht auf und Issylt findet sich mittendrin in einer Verschwörung, die auch sie mit einbezieht!


    Meinung:



    Nachdem ich ja schon den 1. Teil aus der Reihe The Drowning City begeisternd durchschmöckerte, war spätestens nach dem Cover dieses Buches klar, den muss ich auch lesen. Die ersten Seiten verrieten schon, dieser Band ist keine direkte Fortsetzung der Vorgängers, nein diesmal wird eine komplett andere Geschichte erzählt, eben aus den Chroniken einer Nekromantin, Issylt Iskaldur. Diesmal ist der Schauplatz kein fremdes Königreich oder eine Außenmission als Spionin, nein diesmal ist man mit Issylt unterwegs in ihrer Heimat, Erisín. Die Hauptstadt präsentiert sich als eine moderne Mischung aus London, Paris und antiker Städte. Insgesamt bekommt man einen besseren Blick auf die von Downum erschaffene Welt und der Eindruck vom 1. Buch manifestiert sich. Hier wird kein Fantasygebilde konstruiert, eher viele Anleihen an reale Orte. Auch die Zeit scheint nicht nur durch Schwert und Bogen bestimmt, sondern auch Feuerwaffen prägen Erisín, verkörpert durch Issylts Freundin, der Polizistin Khelséa. Schon der Auftakt in den Untersuchungsräumen der Vigils machte den Eindruck moderner Polizeistationen zu Zeiten eines Sherlock Holmes.


    Wie schon im Vorgänger ist die Geschichte auch diesmal keine reine Fantasyspinnerei als Massenware. Politische Machenschaften prägen das Buch und alte Bindungen. Ein Königshaus immer den Anfeindungen anderer Adelsgeschlechter ausgesetzt, ein Reich was von fast jedem der 8 Häuser einst regiert wurde und Intrigen die durch alle Dekaden reichen. So auch jene in The Bone Palace, die einen Putsch herbeisehnt, eine alte Rechnung begleichen will und Menschen als Mittel nutzt. Die Blutmagierin Phaedra ist auferstanden und sehnt nach Rache an Mathiros und dieser Plan rüttelt an den Grundfesten der Hauptstadt, schließlich spielen abtrünnige Vampire eine wichtige Rolle. Das die Autorin die zur Zeit sehr beliebten Nachtgeschöpfe einbaut vermag zunächst als Hype gelten, doch Downum zeigt hier die Vampire eher klassisch. In den Untergrund verbannt, in Frieden mit den Menschen lebend sind einige der Jüngern unter ihnen willig dem Plan der Dämonen zu folgen und den Sturz der Menschen einzuleiten. Teils mörderisch brutal und charmant präsentiert man hier die Vampire und schafft somit neben den Geistern und Dämonen eine 3. Fraktion im Kampf von Issylt.


    Auch die Nebengeschichte rund um Savedra und Kiros, die verbotene Verbindung zwischen Mätresse und Prinz, geduldet und zugleich auch selbst mit liebend durch die Prinzessin bildet einen gelungenen Kontrast zur Nekromantenwelt. Doch dieser Part ist nicht etwa ruhig oder langweilig, nein eher spannendes Puzzle im Gesamtplot. Amanda Downum zeigt eine Welt in der Liebe kein Alter oder Geschlecht ausgrenzt, tabulos, frivol und dennoch reizend. Keine Schmonzette sondern gelungener Nebeneffekt ihrer niedergeschriebenen Konflikte und Pläne. Auch der Einbau von Dahlia, dem kleinen Mädchen was Issylt zunächst als Informantin im Fall der ermordeten Prostituierten Forsythia dient und später ihre eigene Schülerin wird, ist gelungen, da durch sie eine neue Hauptprotagonistin heranreift.


    Das Buch ist nur indirekt verbunden mit Teil1 der Chroniken, kann sogar eigenständig gelesen werden und das Vorwissen, was fehlen würde, wird schemenhaft ausreichend angedeutet, so wie Issylts Handverletzung oder ihre Liebe zu Kiril. All das was man in The Drowning City präsentiert bekam vertieft sich hier, zeigt Kiril als Person und nicht nur als Erinnerung, zeigt deren Gefühle für einander und mehr. Da die Handlung komplett anders ist ist der Einsatz in Sivahra nur ein Kapitel in einer Gesamtabhandlung. Wer das 1. Buch so wie ich mochte, der wird diesen Band lieben, da er detailierter ist und phasenweise auch brutaler durch den Auftritt von Phaedra. Insgesamt herrliche Phantastikkost die weiterhin Lust macht auf den im Herbst erscheinenden 3. Band.

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