Davide Morosinotto – Der Ruf des Schamanen / Il fiore perdutto dello sciamano di K.

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  • ... Unsere abenteuerliche Reise in das Herz der Dunkelheit


    Verlagstext/Klappentext
    Eine magische Reise ins Amazonas-Gebiet für Jugendliche ab 12 Jahren von Bestseller-Autor Davide Morosinotto.

    Seit Stunden schon kämpfen sich Laila und ihr Freund El Rato durch den dichten Urwald. Sie müssen unbedingt den alten Schamanen finden. Er ist Lailas letzte Hoffnung, denn sie leidet an einer unheilbaren Krankheit. Doch allmählich bricht die Nacht herein und die Dunkelheit ist voller Gefahren ...


    Der Autor
    Davide Morosinotto wurde 1980 in Norditalien geboren. Bereits mit 17 Jahren schrieb er seine erste Kurzgeschichte, die auf der Auswahlliste des renommierten italienischen Literaturpreises "Premio Campiello" stand. Seitdem hat er über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, für die er zahlreiche Preise erhalten hat. Davide Morosinotto lebt als Autor, Journalist und Übersetzer in Bologna.


    Der Illustrator

    Paolo Domeniconi, 1965 in Italien geboren, arbeitete zunächst als Grafiker im Marketing-Bereich, bevor er sich als Illustrator für Kinderbücher selbstständig machte. Er hat weltweit bereits über 40 Bücher veröffentlicht. Paolo Domeniconi lebt und arbeitet in einer Kleinstadt in der Nähe von Bologna.


    Die Geschichte
    Laila Raskinen lebt in den 80ern des vorigen Jahrhunderts als Tochter des finnischen Botschafters in Lima/Peru. Da Laila plötzlich unter Sehstörungen und weiteren Beschwerden leidet, ist sie in die neurologische Klinik gebracht worden. Ihrer Mutter ist die einfache Ausstattung der Klinik nicht recht, die Ärzte dort lassen ihre Untersuchungsergebnisse jedoch von Spezialisten beurteilen und wirken vertrauenerweckend. Es gibt wenig Hoffnung für Laila, ihre Krankheit wird schnell fortschreiten und nicht heilbar sein. Auf dem Klinikgelände lebt der Junge El Rato (Juan Pablo), er ist allerdings kein Patient. Ihm und dem hellhäutigen „Grünschnäbelchen“ fällt bei einem Kinderstreich ein Notizbuch aus dem Jahr 1941 in die Hände. 40 Jahre vor Leilas Abenteuer muss ein amerikanischer Neurologe eine Expedition in den peruanischen Urwald unternommen haben, auf der Suche nach einer legendären Heilpflanze. Die Pflanze soll laut Notizbuch von den Indigenen Bewohnern zur Behandlung von „Wahnsinn“, z. B. gegen Epilepsie genutzt worden sein. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs hat man von Dr. Clarke nie wieder etwas gehört.


    Laila und El Rato wollen gemeinsam die Blüte des Schamanen aufspüren. Leila, weil sie sich Heilung von ihrer Krankheit erhofft und El Gato, weil er Geld für ein Projekt braucht, über das er bisher eisern schweigt. Die Kinder machen sich heimlich auf den Weg nach Cusco und Machu Picchu. Beide sind sich nicht klar darüber, dass sie sich mitten in den Guerilla-Krieg des Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) begeben. Doch die Region der historischen Inkastadt führt sie noch nicht zum Ziel. Sie müssen Verbündete und Informanten gewinnen, gefährliche Situationen bestehen – und Leilas Krankheit verschlimmert sich auf der anstrengenden Tour rapide. El Rato zeigt sich dabei als zuverlässiger Begleiter, der im Gegensatz zu einigen Erwachsenen erkennt und akzeptiert, dass Leila krank ist und seine Hilfe braucht. Weit in der Amazonas-Region können die Kinder zwar die Spur des Schamanen aufnehmen, sie müssen jedoch erkennen, dass es nicht um das Haben geht (die Pflanze finden), sondern um das Sein (sich selbst erkennen und Lailas Krankheit annehmen).


    Die Reihe/die Buchgestaltung

    Für sich genommen setzt Davide Morisonotto mit Lailas und El Ratos Abenteuer seine Reihe von historischen Abenteuer-Büchern vor authentischen historischen Ereignissen fort. „Der Ruf des Schamanen“ erzählt jedoch nicht nur ein Abenteuer, sondern vermittelt die Ereignisse auch optisch auf mehreren Ebenen. Das Buch ist gegliedert in drei Abschnitte, die jeweils einem Gott/einer Gottheit/einem Geist zugeordnet sind. Jedes Kapitel wird von einem Icherzähler vermittelt, dem als Vignette eine Tierfigur zugeordnet ist. Laila wird durch eine Fledermaus gekennzeichnet, El Rato durch eine Libelle. So kann man die Person erkennen, noch ehe sie das Wort ergriffen hat. Mit dem Fortschreiten der Geschichte lässt sich darüber rätseln, ob die Eigenschaften des zugeordnete Seelentiers sich als Schwäche oder Stärke des Besitzers zeigen werden. Da ich mir die Vignetten als Orakelsteine vorgestellt habe, war mir die Abbildung besonders wichtig, auf der alle Tiersymbol-Steine gemeinsam zu sehen waren … Wie in der Konkreten Poesie erzählen nicht nur Wörter und Sätze, sondern der Verlauf einzelner Zeilen symbolisiert Bewegungen und Empfindungen, er zieht die Leser förmlich in die Karten und Pläne hinein. Lailas Sehstörungen erfährt man als Leser in aller Dramatik, indem sich das eigene Gesichtsfeld verkleinert und durch das Auftauchen schwarzer Seiten. Kurz vor dem Ende der Geschichte musste ich mich damit auseinandersetzen, ob das Ende für Laila wirklich schwarz sein würde oder in der Schwärze noch eine andere Botschaft verborgen sein könnte.


    Fazit

    Das Versprechen einer Liebesgeschichte sollte man besser überlesen und direkt in das spannende historische Abenteuer jugendlicher Helden und ihrer Unterstützer eintauchen. Der Band fügt sich perfekt in die vorhergehenden Abenteuergeschichten Morisonottos ein, macht daraus jedoch keine Serie, weil sich Ort, Epoche und Figuren in jedem Band unterscheiden. Zum Thema Annehmen einer unheilbaren Krankheit ist Autor und Illustrator ein herausragendes Buch gelungen, das auch Erwachsene auf unterschiedlichen Ebenen anspricht. Wer 2021 einen Preis für Buchgestaltung zu vergeben hat, sollte sich den „Der Ruf des Schamanen“ schon einmal bereitlegen.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    :study: -- Volders - Norden

    :study: -- Schnetzer - Wenn Haie leuchten

    :musik:-- Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit: Wahr, falsch, plausibel. Die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Das Original


    Published November 19th 2019 by Mondadori

    Original Title: Il fiore perduto dello sciamano di K
    Edition Language: Italian

    ISBN 978880471952

    :study: -- Volders - Norden

    :study: -- Schnetzer - Wenn Haie leuchten

    :musik:-- Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit: Wahr, falsch, plausibel. Die größten Streitfragen wissenschaftlich geprüft


    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

  • Irgendwie fällt es mir schwer, dieses Buch zu rezensieren. Ich hatte große Anlaufschwierigkeiten und bin erst fast ganz zum Schluss richtig in die Geschichte gekommen. Ich weiß nicht. Ich war irgendwie schon darauf und dran 3 Sterne zu vergeben. In meinem Kopf habe ich beim lesen eines Buches schon immer eine Vorstellung, worauf es in der Rezension hinausläuft. Jetzt wo ich es beendet habe, muss ich aber 5 Sterne vergeben. Es geht gar nicht anders. Ich bin total hin und weg von dieser Geschichte.

    Warum fragt ihr euch? Ich hoffe, dass ich es euch irgendwie begreiflich machen kann. Ich bin nicht sicher, ob ich es mir selbst überhaupt erklären kann.


    Die Geschichte, auch wenn Laila und El Rato irgendwie ein Abenteuer erleben, besticht durch ihre leisen Zwischentöne. Es ist unglaublich. Als ich das Buch zuklappte wusste ich nicht, wie ich die Geschichte finden soll. Die letzten rund 100 Seiten haben mich berührt, aber hm… reicht das für ein gutes Buch? Ich wusste es beim zuklappen nicht. Dann fragte mich mein Lebensgefährte, was ich da denn für ein Buch gelesen hätte. Ich erzählte ihm die Geschichte und musste plötzlich anfangen zu weinen. Tja… und das war es dann. Es war um mich geschehen. Durch das nochmal erzählen der Geschichte hatte ich plötzlich ihren Kern gefunden.


    Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt, aber es geht vor allem auch darum, sein Schicksal anzunehmen und Spuren im Leben derjenigen, die man liebt und die den Menschen lieben, zu hinterlassen. Laila findet mit El Rato, Ramirez, Fabio und Gió Menschen, die für sie durchs Feuer gehen würden. Sie findet Freunde, die egal was passiert, zu ihr stehen uns sie unterstützen. Und das ist es, worauf es im Leben ankommt.


    Die Geschichte hat, wie bereits erwähnt, keine wirklich Höhepunkte. Davide Morosinotto erzählt eine Abenteuergeschichte ohne wirkliches Abenteuer. Er hat einen eher nüchternen Erzählstil, der mich die Geschichte zwar vor Augen sehen lassen hat, aber der einen nicht mitreißt. Selbst wenn etwas explodiert oder die Kinder entführt werden, kommt keine Action auf. Er erzählt alles eher nüchtern.


    Und dennoch beeindruckt die Geschichte tief innen drinnen. Sie berührt das Herz und die Kinder sind mir alle schnell sympathisch geworden. Man möchte, dass es ihnen gut geht. Dabei hat man Laila vor Augen, die an einer tödlichen Krankheit leidet und mit der man hofft, dass es eine Heilung für sie gibt. Aber auch El Rato, der scheinbar kein so schönes Leben im Krankenhaus hat, wächst einem ans Herz. Man wünscht sich für ihn Freunde und eine Familie. Da El Rato die Welt außerhalb des Krankenhauses nicht kennt kommt er manchmal herrlich naiv rüber. Die drei Brüder Ramirez, Fabio und Gió stoßen erst sehr spät in der Geschichte dazu, aber auch sie gewinnt man sofort lieb.


    Im Laufe der Geschichte stoßen die Kinder auf unterschiedliche Figuren, die ihnen helfen oder schaden wollen. Laila und El Rato schaffen es mit Geschick und Unterstützung immer wieder die verschiedenen Stationen auf dem Weg zum Schamanen zu meistern. Davide Morosinotto arbeitet hier stark schwarz/weiß. Entweder eine Figur ist gut oder sie ist böse. Grautöne findet man nur schwer, was aber gut zu dem nüchternen Erzählstil passt.


    Was hier definitiv erwähnenswert ist, ist die tolle Aufmachung. Schon das Cover ist traumhaft und auch innen im Buch sind immer wieder Zeichnungen oder Kritzeleien, sowie Wort-Schlangen eingebaut. Passen zur Geschichte umrahmen sie diese und geben ihr einen besonderen Einschlag. Was etwas anstrengend zu lesen war ist, dass das Schriftbild in den Kapiteln, die aus Lailas Sicht erzählt werden teilweise ihre am Seefeld verschwommene Wahrnehmung widerspiegelt. Gute Idee, aber für tatsächlich teilweise sehr anstrengend zu lesen. Was man tatsächlich erst ganz am Ende versteht sind die Tiere, die jeweils die Überschrift über die Kapitel bilden. Ich will hier nicht spoilern, deswegen kann ich euch dazu nicht mehr sagen. Aber es passt super.


    Insgesamt möchte ich euch “Der Ruf des Schamanen” nun doch ans Herz legen. Ihr müsst bereit sein, euch auf die Geschichte einzulassen und die leisen Töne des Buches zu erkennen. Mir hat die Geschichte im Nachhinein wirklich viel gegeben und ich bin stark emotional berührt.


    Danke an den Verlag und den Autor für dieses tolle Buch, dessen wahren Wert ich tatsächlich erst nach dem Zuklappen erkannt habe. Spät, aber nicht zu spät! Lesen!

    Gruß
    Yvonne

    Nicht die haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in den Schränken aufheben, sondern, die sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.
    (Erasmus von Rotterdam)

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