Dirk Kurbjuweit - Haarmann

  • Kurzmeinung

    hennie
    Zuviel Lahnstein (fiktiver Ermittler), zu wenig über den Serienmörder Haarmann
  • Kurzmeinung

    claudi-1963
    Ein Kriminalroman der mich eher enttäuscht hat, den die Spannung fehlte komplett und vom Täter erfuhr man zu wenig.

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  • Der Totmacher


    Haarmann, Historischer Kriminalroman von Dirk Kurbjuweit, 320 Seiten, erschienen im Penguin-Verlag.


    Ein interessantes Gesellschaftsporträt der frühen Weimarer Republik und über den Fall des Massenmörders Fritz Haarmann.


    Im Hannover der 1920er Jahre verschwinden 24 Jungs spurlos. Robert Lahnstein der ermittelnde Beamte vermutet, dass ein Psychopath hinter dem Verschwinden steht. Vereinzelt werden Knochenüberreste und Schädel in der Leine gefunden. Schon bald gibt es einen Verdächtigen, könnte Fritz Haarmann der bestialische Massenmörder sein? Doch Lahnstein hat Mühe sich gegen die Kollegen und die Hannoversche Polizei durchzusetzen. Wird Haarmann als Spitzel geschützt? Ist der mehrfach vorbestrafte und geistig minderbemittelte Mann, der homosexuell veranlagt ist, der Mörder? Trotz der dubiosen Machenschaften der Kollegen und der verunsicherten Gesellschaft in der schwierigen Zeit der Zwischenkriegsjahre, gibt Lahnstein alles um den Fall aufzuklären.
    Dieses Buch umfasst 10 dicht gepackte Kapitel in idealer Leselänge. Die Ansichten des Mörders und einiger Jungs, sowie Briefe sind kursiv geschrieben, im Ich-Stil verfasst und durch den besonderen Schriftstil deutlich gemacht. Lebhafte Dialoge, die leider ohne Redezeichen eingefügt sind, beleben die Erzählung sind aber schwer als wörtliche Rede zu erkennen. Die Anmerkungen am Ende des Buches sind hilfreich.
    Anfangs hatte ich Probleme in Lesefluss zu kommen. Kurze Abgehackte Sätze, im Telegrammstil ließen mich ganz schlecht ins Buch kommen, die fehlenden Redezeichen waren gewöhnungsbedürftig, es ist sehr schwer auszumachen wer spricht und Rednerwechsel zu erkennen, dies ergibt einen hölzernen Erzählstil. Das hat mich am Anfang angestrengt, mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Dass es sich bei dem Buch um einen authentischen Fall handelt ist dem Leser jedoch jederzeit bewusst. Fakten, Originaldokumente und Zeitungsberichte sind genügend eingefügt. Vernehmungsprotokolle werden zitiert. Für meinen Geschmack war die Story etwas zu politisch, auch die privaten Angelegenheiten Lahnsteins sind mir im Buch etwas zu sehr betont. Ich habe mich so sehr auf die Erzählung, eines der spektakulärsten Kriminalfälle in der deutschen Geschichte gefreut. Leider haben sich meine Erwartungen nicht ganz erfüllt. Es wurden eher die Lebensumstände in der frühen Weimarer Republik geschildert, viel Zeitkolorit ist vorhanden, dabei kommt m.E. der Täter, die Taten und auch die Homophobie der damaligen Zeit zu kurz. Aus dieser Mordserie hätte man etwas mehr machen können, wie im Film „Der Totmacher“, m. M. nach hat der Autor hier eine gute Gelegenheit vertan, da werde ich noch warten müssen bis ein anderer Autor das Thema erneut aufgreift. Die Figur Lahnstein ist gut gezeichnet auch er hat einiges zu tragen, doch im vorliegenden Krimi hätte ich eine Charakterisierung von Fritz Haarmann erwartet.
    Insgesamt war ich vom vorliegenden Buch etwas enttäuscht, der Fall Haarmann fasziniert mich schon jahrelang. Das Schicksal von Hans Grans habe ich nach der Lektüre noch nachrecherchiert, auch das hat mir im Buch gefehlt. Trotzdem ein informatives Buch zu diesem Thema, besonders für die Leser geeignet, die den geschichtlichen Hintergrund interessant finden, eine Leseempfehlung von mir.
    Aus o.g. Gründen von mir 3,5 Sterne von 5 möglichen. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    :study::musik::montag:


    Und wenn mir alle Königskronen für meine Bücher und meine Freude am Lesen angeboten wären: Ich würde sie ausschlagen.
    François Fénelon

  • Im Graubereich angesiedelt und spannend

    Fasziniert von der Zeit zwischen den beiden Kriegen in denen es viele Gruppen gab, die irgendwie ihre neue Welt finden mussten, gab es nur wenig sehr gut ausgebildete Polizei, doch hier hat sich Hartnäckigkeit ausgezahlt....

    Geschichte

    Hannover der 20 er Jahre , Robert Lahnstein versetzt aus dem Ruhrgebiet, das zu dieser Zeit noch französisch besetzt war, soll als neuer Kommissar, den erfolglosen Bemühungen seiner neuen Kollegen, ein Ende setzen und ein Fall aufklären, der alle in Atem hält. Es verschwinden männliche Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren und es gibt keine Spur. Sind alles von zu Hause ausgerissen, zur Fremdenlegion oder wurden sie alle ermordet ? Lahnstein wartet auf das nächste Opfer um überhaupt den Ansatz einer Spur zu finden, wird dabei aber nicht unbedingt von seinen Kollegen unterstützt, die dem "Neuen " nichts abgewinnen können. Auch Lahnstein hat eine Vergangenheit und hofft, dass niemand etwas davon erfahren wird....

    Lahnstein als SPD Mitglied hat es einfach nicht leicht. Seine Kollegen gehören eher noch zur alten Rechten Klicke und man erlebt schon die Spannung, die das neue bringen soll gegenüber den alten Methoden bei denen ein paar Schläge gegenüber Verdächtigen nicht geschadet haben. Dazu eine wahre Geschichte eines Mannes mit Namen Haarmann, der zeitlebens etwas zurückgeblieben sein sollte und einfach gerne mit jungen Männern geflirtet und auch mehr gemacht haben soll. Lahnstein bewegt sich zwischen Vergangenheit, die durch Rückblicke auf seine Familie erfolgen, auf die Gefangenschaft in England und ihn oft an sich zweifeln lassen. Hartnäckigkeit auf der anderen Seite bringt ihn bald auf die Spur eines verrückten Mörders.

    Die ganze Atmosphäre, die Menschen, die Zeit und der Umgang miteinander ist so dermaßen überwältigend beschrieben, dass ich das Buch kaum zur Seite legen konnte. Der Erzählstil ist nicht von der Stange und glaubt man den Faden zu verlieren, erschließt sich in den nächsten Sätzen alles wieder zur Hauptgeschichte. Frauen, die im Stich gelassen wurden oder aber deren Ehemann nicht wieder kam aus dem Krieg. Mit Kind sich durschlagen müssen als aber auch das Misstrauen untereinander und die Verkommenheit, die auch geherrscht hat, entstehen als Kopfkino und lassen einen kleinen Blick in die Zeit werfen, die keiner erleben möchte.

    Für alle, die sich für die Zeit und Kriminalromane begeistern ist das hier fast Pflichtlektüre. Absolute Empfehlung !:bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


  • "Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir." (Hawe Schneider)
    In Hannover verschwinden in den 20er Jahren mehrere Jungs im Alter zwischen 10 und 22 Jahren. Die Polizei steckt in einer Krise, da sie sich nicht sicher sind, ob hinter dem Verschwinden ein Serienmörder steckt. Kommissar Robert Lahnstein wird deshalb nach Hannover berufen, um seine Kollegen zu unterstützen. Als weitere junge Männer verschwinden wird aus den Gerüchten immer mehr die Gewissheit, dass sie es mit einem gefährlichen Psychopathen und Serienmörder zu tun haben. Doch auch Lahnsteins Ermittlungen stecken fest, weil er keinen Verdächtigen findet, besonders da seine Kollegen und die Gesellschaft wegschauen. Als er jedoch von Fritz Haarmann erfährt, ist er sich ziemlich schnell sicher, dass er der Täter sein könnte. Nur wie soll er ihm die Taten nachweisen? Ein Katz und Maus Spiel zwischen Täter und Lahnstein beginnt.

    Meine Meinung:
    Das düstere Cover mit dem Mann, der jemanden verfolgt, passt, sehr gut zu der Geschichte. Der Schreibstil ist für mich etwas gewöhnungsbedürftig, schon alleine dadurch das die wörtliche Rede im gesamten Buch nicht mit Satzzeichen markiert wurden. Zudem fehlte es für mich total an Spannung und vom eigentlichen Täter erfuhr ich viel zu wenig. Stattdessen ließ der Autor sehr viel Belangloses aus dem Privatleben Lahnsteins, in dem Fall hineinfließen. Gerade die vielen Rückblenden in Lahnsteins Vergangenheit, die ich als nichtig empfand, störten dann zusehends meinen Lesefluss. So stand ich mehr als einmal kurz davor dieses Buch abzubrechen. Der Vampir, der Schlächter, der Kannibale oder der Werwolf von Hannover wie der Massenmörder Fritz Haarmann ebenfalls genannt wird, kannte ich schon zuvor. Von daher war dieser Fall nichts Neues für mich. Doch trotz der realen und fiktiven Umsetzung konnte mich die Darstellung des Autors nicht in allen Belangen überzeugen. Zwar erfahre ich von vereinzelten Jungs was ihr Verschwinden von zu Hause anbelangt, doch selbst dies fand ich zu wenig. Ich hätte mir hier weitaus mehr gewünscht. Genauso wie über Haarmanns Motivation, die mir hier selbst am Ende noch nicht ganz klar dargestellt wurde. Ebenso wäre eine Namensaufstellung der toten Jungs am Ende oder Anfang des Buchs von Vorteil gewesen, sodass ich dafür nicht immer im Nachschlagen musste. Im Grunde erfuhr ich über Haarmann selbst nicht mehr als das, was ich schon wusste. Was mich von daher enttäuscht hat, besonders da der Autor ein renommierter Reporter ist. Dass Haarmann die Jungs beobachtet hatte, sie mit zu sich nahm, kennenlernte, missbrauchte und dann totbiss, kann einen schon erschüttern. Doch das so viele Menschen rücksichtslos weggesehen haben oder die Polizei ihm seinen Taten lange nicht nachweisen konnte, ist schon erschreckend. Dass dies, genauso wie seine sexuelle Neigung, Korruption, sowie die unerlaubten Vernehmungsmethoden im Buch angesprochen wurden, hat mir dagegen gut gefallen. Ungeachtet dessen kann ich diesem Buch nur 2 1/2 von 5 Sterne geben, da es für mich im Grunde nichts weiter Relevantes zutage brachte, wie das was ich sowieso schon über den Haarmann wusste.

    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb::thumbdown:

  • HAARMANN UND SEINE PUPPENJUNGS


    Von Haarmann erfuhr ich als kleines Kind von meiner Großmutter. Sie ist Jahrgang 1907 und der Prozeß um den Serienmörder und die Anzahl seiner Opfer waren ganz sicher eine der schrecklichsten Nachrichten in ihrer Jugend. Der große Hype um diesen Mann drang damals natürlich auch nach Sachsen.

    Im Laufe der Jahre vergaß ich den Fall wieder, aber die schlimmen Fakten seiner Taten waren mir durch das „Warte, warte nur ein Weilchen..."-Lied immer gegenwärtig.


    Dirk Kurbjuweit schrieb nun mit „Haarmann“ einen Kriminalroman. Ich erwartete eine packende Lektüre und wurde enttäuscht. Der Autor stellte nicht den Mörder in den Vordergrund. Kommissar Lahnstein, der leitende Ermittler, spielt die Hauptrolle.

    Obwohl er ein dichtes, sehr authentisches Bild der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zeichnet, ich ein sehr genaues Gefühl anhand der geschichtlichen Details dafür bekam, warum Haarmann so viele sehr junge Männer abschlachten konnte, blieb die Spannung für mich auf der Strecke. Warum? Weil immer wieder die Geschichten von Robert Lahnstein in den Vordergrund gerückt werden. Das kommt eine ganze Menge zusammen:

    das Kriegstrauma ums Fliegen, die geringe Anzahl seiner Abschüsse, die politische Zugehörigkeit zur SPD, seine Rolle bei der Polizei in Hannover und wiederholt seine Alpträume um Frau Lissy und Sohn August, die er verlor (den Grund erfährt der Leser fast zum Schluß) und nicht zuletzt die quälenden Gedanken um seine sexuelle Orientierung, Gedanken darüber ob er nicht auch ein am 17.5. Geborener sei (17.5. stand für den § 175 StGB).


    Über 10 ausgiebige Kapitel und 316 Textseiten entwickelt sich die Ermittlungsarbeit um die zahlreichen, verschwundenen männlichen Teenager verhältnismäßig zäh. Kursiv geschriebene Seiten aus der Sicht von Haarmann oder eines seiner Opfer wechseln sich ab. Die Art und Weise der Erzählung allerdings fand ich interessant. Die fehlenden Anführungszeichen der wörtlichen Rede störten mich nicht. Es behinderte meinen Lesefluß nicht.

    Auch die grusligen Fakten der Todesumstände der vielen jungen Opfer werden ausführlich dargestellt. Über die merkwürdige Verbindung Fritz Haarmanns mit Hans Grans hätte ich gern mehr erfahren.


    Fazit:

    Dirk Kurbjuweit recherchierte für sein Buch gut und sehr präzise. Es ist besonders für die Leser interessant, die den Fall Haarmann so gründlich mit den realistischen Aspekten der Zeitgeschichte verknüpft sehen wollen. Er verband die wahre Kriminalgeschichte Haarmanns mit der fiktiven Lebensgeschichte Lahnsteins und gewährte intensive Einblicke in die Realität der damaligen Zeit.


    Dabei empfand ich es leider mehr als ein spannendes Sachbuch als einen fesselnden Krimi. :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

  • Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch den Podcast „Longstoryshort“ und auch so hätte ich vermutlich allein schon aufgrund dem Cover im Buchhandel nach dem Buch gegriffen.


    Ich finde das Cover einen gelungen Eyecatcher : düster, gruselig und höre mich beim Anschauen an Gruselszenen aus Hitchock- oder Wallace-Filme erinnert und höre schon fast die passende Musik im Kopf.


    Ich finde die Covergestaltung sehr passend zu dem Plot der Geschichte.


    Das Buch spielt in den 20er Jahre, in Hannover. Es ist geschrieben aus Sicht des fiktiven Robert Lahnstein, der zur Lösung zahlreicher ungelöster Fälle extra aus Bochum nach Hannover versetzt wurde.


    Innerhalb mehrerer Jahre verschwanden Anfang der 1920-er-Jahre in Hannover 24 Jungen. Die Ermittlungen laufen schleppend und enden immer wieder in Sackgassen.


    In Visier der Polizei gerät Fritz Haarmann, den es damals wirklich gab und auch diese Taten wirklich begangen hat. Aus der Zeit stammt auch die Liedzeile:


    "Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt Haarmann auch zu dir, mit dem kleinen Hackebeilchen, macht er Hackefleisch aus dir." (Hawe Schneider)



    Die Kombination aus Fiktiven Charakter zu einer vor ein Reel geschehene Handlung zu stellen, fand ich sehr gut. Allerdings täuscht der Titel dahingehend, dass hier Robert Lahnstein die Hauptrolle spielt und es um die Polizeiermittlungen geht und Haarmann eher in den Hintergrund tritt. Fand ich persönlich nicht schlimm, denn mir hat alles was um Puppenjungs und die damaligen Zustände geht auch so gereicht zu lesen. Die Athmosphäre ist auch so düster, gruselig und ansteinflössend eingefangen.



    Der Schreibstil und das Buch empfand ich als unruhig


    zum einen fehlten bei der wörtlichen Rede die Anführungszeichen, was mich beim Lesen immer wieder irritierte.


    Auch springt die Geschichte immer zur als Erinnerungsfetzen aus Robert Lahnstein, der durch Kriegsgefangenschaft, Alpträume um verlorene Frau und Kind psychisch zu dem politischen Druck durch immer weitere verschwundene Jungs, anschlagen ist.



    Trotz der Schwerfälligkeit des Schreibstils, hat fand ich das Buch faszinierend, der Plot ist sehr interessant und sehr gut recherchiert, fängt sehr gut die damaligen Zustände der 20er Jahre ein, als in der Zwischenkriegszeit erschüttert und aufgewühlt durch Hitler, die Nazis und die politische Situation auch noch so eine große Anzahl an jungen Männern vermisst wurden und sich dadurch Angst und Schrecken bei den Bewohnern breit machten.




    Wer sich nun für die Story interessiert, aber das Buch nicht lesen will.


    Es gibt eine Verfilmung mit Götz George die mit dem Titel „Der Totmacher“ ziemlich gut und bekannt sein soll.

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