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Uwe Preuß – Katzensprung

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  • Klappentext/Verlagstext

    In Dresden geboren, 1961. Opa ein urkundlich bescheinigter Hallodri. Oma macht aus jedem Einkauf einen Ausflug. Mit den Eltern für fünf Jahre nach São Paulo. Die hatten ihr eigenes System, danke. Kaufmännische Lehre in der Planwirtschaft: Ick stempel doch jetzt nicht die fünftausend scheiß Scheine! Lieber Gräber schaufeln in Löbtau. Arbeitsplatz ohne besondere Vorkenntnisse. Hauptsache kein Büro mehr. Im Kurort die erste eigene Wohnung. Katrin ist schon am Theater, absolut erstrebenswerte Arbeitszeiten. Aber die lassen mich ohne abgeleisteten Wehrdienst nicht an die Schauspielschule! Für ein langes Wochenende interniert von der Volkspolizei. Einfach so. Also Weihnachten ʼ84 in Prag in die deutsche Botschaft. Ausreise. Aber zum Karneval und für die Liebe wieder rein. Und schnell wieder raus. Später Akteneinsicht. Glück gehabt.


    Der Autor

    Als Sohn eines Projektingenieurs und einer Technischen Zeichnerin wächst Uwe Preuss (*1961) in der DDR und Brasilien auf. Diverse Anläufe bei der Berufswahl: als Industriekaufmann im Laborbau oder Heizer in einem Ferienheim der Inneren Mission. Er war Kantinenleiter bei der Bauarbeiterversorgung, Lagerist in einer Stahlgießerei, Kistenbauer in einem Dampfsägewerk und Finanzbuchhalter – vor seiner Ausreise nach Westberlin. Dort studiert er Schauspiel an der Hochschule der Künste. Sein erstes Theaterengagement 1992 in Dresden, 1995 Wechsel ans Berliner Ensemble. Seit 2005 freischaffend. Gastauftritte an der Schaubühne, am Gorki-Theater und der Volksbühne Berlin. Seit zehn Jahren eher vertraut mit der Arbeit vor der Filmkamera (»Polizeiruf Rostock«, »Deutschland 83«).


    Inhalt

    Der Klappentext liest sich wie ein Leben im Zeitraffer; der biografische Roman mit knapp 170 Seiten wirkt gegen diesen Kurzwaschgang vergleichsweise ausschweifend. Uwe Preuß erzählt von einem außergewöhnlichen DDR-Lebenslauf. Außergewöhnlich für seine Zeit deshalb, weil die gesamte Familie zeitweilig im Ausland lebte und nicht wie bei normalen Werktätigen Frau und Kinder des Familienoberhaupts als Pfand in der DDR zurückblieben. Als 15-Jähriger setzt sich der Erzähler mit dem Leben seiner Großeltern auseinander, das im ehemaligen Berliner Scheunenviertel begann und für die Oma in der „Prachtplatte“ mit Bad und zentraler Lage endete. Der Großvater Ernst Waldemar Preuß „mit dem Glasauge“ muss ein Halodri gewesen sein, der sich in nahezu jedem politischen System in Schwierigkeiten gebracht haben wird. Von ihm bleiben ein Häufchen Papiere zurück, wenige Erinnerungsstücke und Abschiedsbriefe an insgesamt 3 Ehefrauen.


    Zeitsprünge führen in eine Kindheit in den 70ern in São Paulo, aus kindlicher Sicht routiniert erzählt wie eine Reisereportage, ins unangepasste Dasein als Friedhofsgärtner, schließlich ans Theater, stets geradeso am offenen Konflikt mit dem Regime vorbeischliddernd. Wie im Zickzack laufen die Ereignisse hin und zurück zwischen Dresden, Prag und Temeswar, zwischen Ausreiseantrag in den Westen, Fernsehkarriere und Konfrontation mit dem Inhalt der eigenen Stasi-Akte. Ein Lebenslauf, der im ohnehin komplizierten Alltag des Kalten Kriegs stets eine Prise gewagter war als der anderer Bürger.


    Fazit

    Wem der Klappentext zusagt, der sollte hier bedenkenlos zugreifen.


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    :study: --

    :study: -- Michael Maar - Die Schlange im Wolfspelz

    :musik: -- Castillo - Die Zahlen der Toten (1.)

    "The three most important documents a free society gives are a birth certificate, a passport, and a library card.!" E. L. Doctorow

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