Madame Nielsen - Der endlose Sommer / Den endeløse sommer

  • Kurzmeinung

    Hypocritia
    sprachlich exzentrisch, inhaltlich episodenhafter Mix aus kitschiger Telenovela und pseudo-rebellischem Indie

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  • Klappentext: Der Rausch eines Sommers – ein flirrender Roman, der die Grenzen des Erzählens sprengt.Die Geschichte einer kleinen Gruppe von Leuten, die im Spiel um die Liebe, die Freundschaft und die Kunst aus der Zeit in einen endlosen Sommer geworfen werden, in dem alles möglich und schicksalsentscheidend ist. Ein Roman wie ein Requiem, musikalisch, melancholisch, verführerisch, der den Leser trunken macht.
    Ein junges Mädchen in einem weißen Herrenhaus in Dänemark, ihr Freund, der scheue und zarte Junge, der Stiefvater mit dem Gewehr und dem Misstrauen gegenüber seiner Frau, die beiden jüngeren Brüder – diese kleine Gemeinschaft wird durchgerüttelt, als zwei junge Portugiesen in den endlosen Sommer eintreten. Der eine ist Künstler und verliebt sich in die Mutter des Mädchens. Eine Liebesgeschichte nimmt ihren Anfang, die so leidenschaftlich und gewaltig ist, dass alle, die in den Bannkreis dieser Amour Fou geraten, in einer Schicksalsgemeinschaft vereint sind, die auch noch besteht, als der endlose Sommer endet.
    Der endlose Sommer – das ist dieser Ort, der nie existiert hat und an den wir nie zurückkehren können, d.h. dieser Augenblick der Jugend, in dem alles einfach und verwirrend zugleich erscheint und den wir alle noch einmal erleben möchten.
    Die Autorin, Sängerin, Künstlerin und Übersetzerin Madame Nielsen ist ein Star in Skandinavien.
    »Manchmal ist es so, daß man ein Buch am Schluß zuklappt und sich dann wünscht, die Autorin wäre eine gute Freundin und man könne sie anrufen, wann immer man sich traurig fühlt. Das passiert einem ja nicht allzu oft. Bei Karen Blixen und Marguerite Duras und Virginia Woolf ist es so. Und bei Madame Nielsen.« Christian Kracht
    »Eine literarische Entdeckung. Als Leser wurde ich mitgerissen vom Fluss, der Weisheit und dem Witz des charmanten Erzählers. Als Autor beneide ich Madame Nielsen um ihren meisterhaften Text.« Sjón


    Autorenbiographie(von Perlentaucher): Madame Nielsen wurde 1963 im dänischen Jütland als Claus Beck-Nielsen geboren. Er ging in den neunziger Jahren nach New York und wurde Mitglied der Performance-Gruppe The Wooster Group. Ab 2000 lebte er als Claus Nielsen ohne Papiere auf der Straße. 2001 erklärte er Claus Nielsen für tot und wurde Jahre später zu Madame Nielsen. Seit 2013 schreibt sie unter diesem Namen Romane.


    Rezension:


    was ist endlos …


    Dieser kleine und dünne Roman hat es in sich. Er besteht aus einer sehr künstlerischen Sprache mit langen Schachtelsätzen, die das Lesen etwas erschweren. Aber es entsteht trotzdem ein Erzählfluss, nicht mit so einem Sog, aber dennoch irgendwie von einem Besitz ergreifend. Der endlose Sommer. Was ist schon endlos ? Alles endet irgendwann. Das wird auch zum Thema. Aber im Vordergrund steht eher das Leben, es ist wichtig zu leben, zu genießen, Leidenschaft zu empfinden, zu lieben, zu rasen. Es ist wichtig das Leben zu sehen in all seinen Facetten und dieses auch genießen zu können. Und es ist wichtig der Kunst einen Platz im Leben zu geben, ihr gestatten das Leben mit Farbe zu versehen. Weil alles endet irgendwie/irgendwo/irgendwann mit dem Tod. Und der hinterlässt überall im Buch seine Spuren. Bei diesen Stellen konnte ich irgendwie auch ein kleines Lächeln der Verfasserin zwischen den Zeilen sehen. Und das alles ist, trotz dieser schon benannten Schachtelsätze, in einer künstlerisch gehaltenen Sprache beschrieben, die einfach gut klingt und auch guttut. Ich habe auch immer einen gewissen Zynismus vernommen, einen Zynismus mit dem die Verfasserin das Leben sieht. Und er hat mir gefallen. Und ich denke das auch ein gewisser autobiographischer Anteil vorhanden ist, die Autorin rechnet etwas ab.


    Nun zur Handlung: eine Familie hat in Dänemark ein Landgut gekauft, den weißen Hof: der eifersüchtige Stiefvater, Mads; die reitende Ehefrau, Benedikte/Ditte; die größere Tochter, Christina/Stina; die zwei kleinen Brüder. Die Familie führt ein offenes Haus und hat immer mal wieder Besuch von Leuten, die zum inneren Kreis gehören: der schöne Junge, der schön gewachsene, athletische Lars; der zarte Junge, der vielleicht ein Mädchen ist, es aber noch nicht weiß; der schlaksige Junge aus Odense. Der Stiefvater verschwindet schließlich aufgrund von Differenzen und zwei Portugiesen, Peixe und der Künstler, kommen in den weißen Hof. Und der endlose Sommer beginnt. Und das Leben tobt. Und es tobt und der endlose Sommer vergeht. Wie alles irgendwann vergeht.


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