Blair Tindall - Mozart in the Jungle

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Mozart in the Jungle: Sex, Drugs and Cla...

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Verlag: Atlantic Books

Bindung: Taschenbuch

Seitenzahl: 336

ISBN: 9781843544937

Termin: April 2006

  • Klappentext/Eigene Übersetzung:


    In diesem provokanten und schonungslos offenen Memoir deckt die professionelle Oboe-Spielerin Blair Tindall die geheime Welt des Orchestergrabens auf um eine Industrie zu enthüllen, in der Alkohol und Drogen allgegenwärtig sind, in der Musiker oft in gefährlichen Umgebungen high oder verkatert auftreten und in der es als normal angesehen wird, Sex für Arbeit einzutauschen. Wie Tindall selbst zugibt: "Ich bekam die meisten meiner Auftritte im Bett."


    Eigene Beurteilung/Eigenzitat aus amazon.de:


    ... und nicht nur im Bett, wie man feststellen darf. Im zweiten Jahr von #metoo erscheint vieles in diesem Buch erstaunlich skandalös, insbesondere, wie viele mitgemacht haben und wie normal er erschienen ist. Aber das ist wohl bei allen Skandalen so. Diese - und andere - Vorgänge sind seit Jahrzehnten aus Literatur, Sachtiteln und Nachrichtenmagazinen bekannt, aber immer wieder wirkt es so, als sei ein neues Thema aufgemacht worden und alle fürchterlich überrascht.


    Aber tatsächlich ist sexuelle Übergriffigkeit in diesem Buch eher ein Randthema. Tindall, die in jungen Jahren eine Sängerin in einem tollen Kleid auf der Bühne gesehen hat, war sich sicher gewesen, dass so ein Kleid Zauberkräfte besitzen müsste, weswegen die Siebenjährige auch eins wollte - was ihre Eltern wohlwollend unterstützten und so begann die kleine Blair Oboe zu spielen, ging durch die Hölle der klassisch-kommerziellen Musikausbildung und Job-Realität in den USA und zwar zeitgleich mit dem Aufstieg und Fall der Bedeutung - und Finanzierung - im amerikanischen Bewusstsein. Dabei zeigt sie sich eigentlich ständig unzufrieden und unglücklich, so dass man sich beim Lesen immer wieder fragt, was das alles soll. Am Ende wurde sie Journalistin, die noch gelegentlich in Orchestern aushilft. So weit ihre Autobiographie.


    Parallel dazu ist das Buch aber auch eine Abrechnung mit den Entwicklungen der Würdigung und Kommerzialisierung klassischer Musik in den USA mit endlosen - und zum Teil repititiven - Exkursen zu Arbeitsbedingungen, Gewerkschaftsaktivitäten, Steuermodellen, technologischen Entwicklungen und Bereicherungen in den oberen Rängen des Kultursponsorings. Daneben werden - zum Teil absolut irrelevante - Bezüge auf bestimmte andere Künstler genommen und so ergibt sich nie wirklich eine einheitliche Stimme oder auch nur ein angenehm zu lesender Erzählfluß. Unwichtige Anekdoten werden hervorgehoben, während wichtige und emotional potentiell packende Passagen in kurzen Absätzen abgehandelt werden. Wenn man in den Danksagungen liest, wie viele Menschen dieses Manuskript mitbearbeitet haben, dann kann man sich wirklich nur wundern.


    Auf Grund ihrer Konzentration auf die Musik hat Tindall erst in ihrem vierten Lebensjahrzehnt eine - teuer bezahlte - formale schulische Ausbildung erhalten und zwar auch im journalistischen Schreiben. Und so ist dieser Text in einem etwas uneinheitlichen und amateurhaften journalistischen Stil mit vielen Zahlen geschrieben und nicht wirklich angenehm zu lesen.


    Mit der von diesem Buch inspirierten gleichnamigen Fernsehserie hat das Buch den Titel, die Oboe und den Bezug auf klassische Musik und Sex gemeinsam. Und sollte von Fans dringend vermieden werden.