Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von rumble-bee

    Gelungenes Debüt mit Makeln




    Dieses Buch stellte eine Mischung dar, die mich insgesamt wirklich gut unterhalten hat. Meine Aufmerksamkeit blieb stetig sowohl bei der Heldin selbst, als auch bei dem Fall. Das ist längst nicht bei allen Debüt-Thrillern so! Auch die Hintergrundatmosphäre fand ich stimmig. Eine Kleinstadt irgendwo in den USA, in einem heißen Sommer. Man konnte sich richtig gut einfühlen. Die weit verstreuten, einsamen Häuser. Der Sheriff, der alle mit ihren Geheimnissen kennt. Die Rangeleien unter den Kollegen. Kleine Affären, kleine Verrücktheiten. Hintertüren, Veranden und Fliegengitter. Und natürlich weite Maisfelder.


    Gut, vielleicht ist das Bild der Ermittlerin, die selbst vorbelastet ist, ein wenig klischeebehaftet. Ein klein wenig schimmerten bei Ellery Hathaway Grundzüge einer Clarice Starling durch – intelligent, und gerade aufgrund ihrer harten Jugend entschlossen, Karriere zu machen. Eine Einzelgängerin, die wenig Freunde hat, und sich in die Arbeit stürzt. Und die – natürlich – dafür Tiere umso mehr liebt. Den Hund, Bump, fand ich übrigens klasse! Er ist ja indirekt an der Lösung beteiligt.


    Auch habe ich mir logische Fragen gestellt. Wie kann jemand, der selber mal Opfer eines Serientäters war, überhaupt in die Abteilung Gewaltverbrechen eingeteilt werden, ohne dass der Vorgesetzte das weiß? Das scheint mir völlig unmöglich, neue Identität hin oder her! Das hätte längst schon rauskommen müssen. Und Ellery wäre dann eigentlich wegen Befangenheit von dem Fall abgezogen worden.


    Dennoch, die Mischung insgesamt hat für mich gestimmt. Gut fand ich, dass Ellery im Verlauf des Buches nicht völlig auf sich allein gestellt ist. Sie zieht Reed Markham hinzu, ausgerechnet der Agent, der sie von früher kennt. Beide werden unaufhaltsam in die Geschehnisse hineingezogen. Reed stellt sozusagen ein Gegengewicht zu Ellerys Paranoia dar. Er ermittelt ein wenig konsequenter. Dennoch hält die Handlung genügend Überraschungsmomente bereit. Erst kurz vor Schluss habe ich mir denken können, wer es denn nun war, und lag auch richtig. Aber der „Whodunit“-Teil ist in diesem Buch nicht so wichtig. Es ist eher die Atmosphäre, die zählt.


    Zu einem Stern Abzug komme ich vor allem aufgrund der wirklich teilweise unglaublich schlechten Sprache. Mich würde hier sehr das Original interessieren! Da gab es Ausdrücke, wo ich mich sozusagen „fremdgeschämt“ habe. „Sich einen bechern“, „auf Drama abfahren“, „durch den Fleischwolf der Schande gedreht werden“… mal abgesehen von ein paar echten Grammatikfehlern. Autsch!! Vielleicht ist das im Original alles stimmiger. Oder die Übersetzung war einfach schlecht.


    Ich kann das Buch insgesamt empfehlen, wenn man auf sprachlicher Ebene ein Auge zudrückt. Oder sich gleich das Original kauft. Handlung und Titelheldin sind für mich „rund“ gewesen, wenngleich auch nicht in jedem Punkt originell.

    Spannung und Psychologie



    Gerecht ist nur der Tod...?


    Zugegeben, ich hielt den Titel zunächst für etwas sperrig. Das musste doch wohl nicht sein! Ob es sich um eine übereifrige Übersetzung handelte…? Doch nein, es handelte sich um eine deutsche Originalausgabe; allerdings um das Pseudonym einer vorgeblich bekannten Autorin. Ich vermute, dass sie hier eine Art Experiment im Krimi-Genre gewagt hat. Dies ist ihr aus meiner Sicht auch sehr gut gelungen!


    Die Handlung spielt in Köln, im Verlauf einer Woche. Von Samstag bis Samstag, mit kleinem Epilog. Jeder „Tag“ ist auch ein „Erzähltag“. Zumeist werden Vormittag und Nachmittag/Abend als eigener Abschnitt behandelt. Das sorgt für einen angenehmen Erzählrhythmus. Man kann sich die Abläufe gut vorstellen.


    Erzählt wird die Geschichte in der ersten Person von Ina Reich, die in ihrer Funktion als Psychologin zu einer laufenden Ermittlung hinzugezogen wird. Sie soll – so erzählt sie es dem Kommissar und der Assistentin – mit Billigung des Polizeipräsidenten einen Artikel über die psychische Belastung von Kriminalbeamten schreiben. Allerdings bekommen sowohl die Ermittler als auch die Leser im Laufe des Buches Zweifel an dieser Aussage…


    Ina Reich ist ein Paradebeispiel für das Modell des „unzuverlässigen Erzählers“, und aus dieser Spannung heraus bezieht das ganze Buch seinen Reiz. Einerseits erhält man Einblick in Inas verletzliche Seele, andererseits zweifelt man. Es stellen sich nach und nach diverse Sachverhalte heraus. Ina ist offiziell gar keine Psychologin mehr, sondern musste aus persönlicher Belastung heraus auf Journalismus umsatteln. Sie ist tief traumatisiert, tablettenabhängig, und hält ihren Wohnsitz geheim. Und sie liefert sich einen unterschwelligen Kleinkrieg mit der türkischen Kommissarin Bulut. Die anscheinend etwas „gewittert“ hat. Nur was…?


    Der eigentliche Fall wird routiniert geschildert. Ein Prominenter Kölner wird auf dem Weg zum Traualtar in aller Öffentlichkeit erschossen. Mitten in der Kölner Innenstadt. Es folgen zwei weitere, zunächst scheinbar zufällige Opfer. Gibt es einen Zusammenhang? Dieser ist zunächst schwer zu finden. Es kommen Verdachtsmomente auf in Bezug auf die teils unsauberen finanziellen Geschäfte des Prominenten. Aber ob das Motiv so einfach gelagert ist…? Das fragt sich auch Kommissar Schellenberg. Denn der Ablauf der Verbrechen spricht eigentlich für ein lange geplantes Vorgehen aus Rache…


    Sehr schön gezeichnet sind diverse Persönlichkeiten und Bevölkerungsschichten. Die Welt der Prominenten und Boulevardjournalisten. Die neureichen Eltern, die alles verdrängen. Ehemalige Angestellte. Arbeitslose. Die Abläufe in einer Soko. Und natürlich der Kommissar, der nach außen bärbeißig, nach innen aber feinfühlig ist. Dem gegenüber steht die „innere Perspektive“ Inas. Sie kommentiert alle Geschehnisse laufend, und es ergeben sich bedeutungsschwangere Lücken für den Leser. Bis zum Schluss wird dies nicht völlig aufgelöst, bis sich die Ereignisse überschlagen. Das Ende wirft wirklich jeden Gedanken über den Haufen, den man sich zum Motiv gemacht haben mag. Und obwohl dies in der Realität wohl unmöglich wäre – hoch spannend geschrieben ist es allemal.


    Mir hat das Buch wirklich ausnehmend gut gefallen! Es war sicherlich von Vorteil, die weibliche Perspektive von einer weiblichen Autorin erzählen zu lassen. Trotz aller Brüche finde ich Ina beinahe schon sympathisch. Ich konnte ihre Zerrissenheit nachvollziehen. Glaubwürdig fand ich auch Kommissar Schellenberg in seiner Mehrfachbelastung. Nur Bulut fand ich ein wenig überzeichnet. Insgesamt wird dies vom ausgetüftelten Spannungsbogen und dem Knalleffekt am Schluss aber mehr als wettgemacht. Ich kann diesen Krimi wirklich nur jedem empfehlen, der Spannung in Verbindung mit Psychologie sucht.

    Solide Unterhaltung


    Es ist schwierig, dieses Buch in eine Schublade zu stecken. Man könnte es mit einigem Recht als Krimi bezeichnen; der Verlag hat sich jedoch für das Etikett „Roman“ entschieden. Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht, und ich wollte selber herausfinden, als was ich das Buch bezeichnen würde. Mein Fazit? Es ist ein psychologisch ausgerichteter Spannungsroman mit thrillerartigem Ende, der auf sehr solide Weise gute Unterhaltung bietet.


    Worum geht es? Eine junge, alleinerziehende ( na ja, halb alleinerziehende ) britische Maklerin zieht ihres Sohnes wegen wieder in das Küstenstädtchen ihrer Kindheit. Es fällt ihr schwer, Anschluss zu finden; ihr Sohn wird sogar zunächst von den anderen Kindern ausgeschlossen. Dies mag ein Grund sein, warum sie sich zu einem unbedachten Schritt hinreißen lässt. Sie erzählt im „Buchclub“ von einem Gerücht, das sie auf dem Schulhof von anderen Müttern gehört hat. Eine bekannte Kindermörderin soll unter neuer Identität in dem Städtchen wohnen. So kommt sie zwar ins Gespräch, muss aber entdecken, dass das Verbreiten von Gerüchten ganz eigene Folgen zeitigt, die man nie wieder zurücknehmen kann…


    Mehr muss man über die Handlung eigentlich nicht wissen. Im Wesentlichen geht es in dem Buch um die Atmosphäre in einer englischen Kleinstadt. Darum, wie man wo Anschluss findet, wie sich was verbreitet. Das damalige Verbrechen (immerhin Jahrzehnte her) läuft zunächst am Rande im Buch mit. Man bekommt ein paar Kapitel aus der Sicht der damaligen Täterin zu lesen, und auch ein paar alte, fiktive Zeitungsartikel (die waren wirklich gut gemacht!). Die Protagonistin trifft unterdessen Frauen in diesem Städtchen, mit denen sämtlich etwas nicht zu stimmen scheint. Vermutungen schießen ins Kraut. Und erst im letzten Drittel des Buches gerät die Protagonistin selber in den Fokus. Ab hier überschlägt sich das Buch etwas, und wird zum Thriller. Ganz organisch war dieser Wandel nicht – vorher herrschte einer eher beschauliche Erzählweise vor, die auch ihre Längen hatte. Nur um dann in den letzten zwei drei Kapiteln „so richtig Gas zu geben“. Für mich nicht ganz glaubwürdig – aus literarischer Sicht!


    Bis über zwei Drittel hat mir das Buch also richtig, richtig gut gefallen. Es war in etwa die Atmosphäre eines „Inspector Barnaby“; eine Ortschaft mit Leuten voller Marotten und Schrullen, die sich auch schon mal gegenseitig angiften. Das Thriller-Ende war allerdings überdreht und unnötig. Und hatte meiner Ansicht nach auch logische Stolperstellen.


    Sprachlich war das Ganze angenehm zu lesen. Es wurde glaubhaft die Perspektive einer heutigen Mutter vermittelt, die beruflich erfolgreich ist, aber dennoch emotional nicht ganz ausgewogen lebt. Die Gespräche im Buchclub und auf der Straße, auch auf dem Schulhof, habe ich bildlich vor mir gesehen!


    Ich würde das Buch eher einem Romanleser empfehlen, keinem ganz alteingesessenen Krimi-Leser. Und man sollte sich mit der britischen Mentalität näher befasst haben. Wenn man dann noch zum Schluss hin ein Auge zudrückt – dann kann man das Buch wohl als „gelungen“ bezeichnen.

    Sommerleichte Lektüre


    Wo Engelmann draufsteht, ist auch Engelmann drin. Das bewahrheitet sich mal wieder bei diesem Buch! Ich kannte die Autorin bereits von ihren Nordseeinsel-Romanen her. Daher war ich gespannt, wie sie sich auf dem Feld der „Frauenprobleme“ bewähren würde. Laut Klappentext und Leseprobe versprach dies nämlich, ein wenig ernsthafter zu werden.


    Doch weit gefehlt! Das Buch ist, trotz des eher dramatischen Ausgangskonflikts, sehr humorvoll und teils auch sarkastisch-überzogen geschrieben.Im Wesentlichen geht es um Frauenfreundschaft, und um das Entwickeln von Selbstbewusstsein. Hübsche Nebenthemen sind dabei noch die Stadt Hamburg und ihre Sehenswürdigkeiten, sowie einige nette Seitenhiebe auf die moderne Dating- und Online-Kultur.


    Zum Inhalt möchte ich daher auch fast nichts sagen. Der Plot ist für mich in diesem Buch eher untergeordnet. Die Ausgangssituation ist eine handfeste Ehekrise anlässlich einer Silberhochzeit. In Folge versucht nun die Ex-Ehefrau Caro, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Dabei wird sie tatkräftig unterstützt von ihrer besten Freundin Sylvia, die ein Online-Dating-Portal betreibt. Und auch mit ihrer flippigen Mutter Flora versöhnt sie sich ansatzweise wieder.


    Schön fand ich die locker-leichte Schreibweise. Ich hatte das Buch in nicht ganz zwei Tagen durchgelesen, und fühlte mich recht gut unterhalten! Es hat mir auch Lust gemacht, die Stadt Hamburg zu besuchen.


    Wirklich nett sind auch einige Elemente der Nebenhandlungen. Zum Beispiel die miesepetrige Kundin in einem Souvenirladen, die sich letztendlich doch als umgänglich herausstellt. Oder Caros Dialoge mit ihrer Espresso-Maschine! Die waren köstlich! Sehr gemocht habe ich auch die „Hausente“ der Vermieterin, namens Daisy (die Ente, nicht die Vermieterin!). Und in vielen Punkten, die das Online-Dating betrafen, konnte ich sehr zustimmen!


    Weniger schön, weil wenig glaubhaft, ist die Tatsache, dass sich Caro immer noch wie ein Teenager verhält, obwohl sie schon Mitte 40 ist. Manche inneren Dialoge hätte ich persönlich hier ersatzlos gestrichen. Und auch die Konflikte mit dem pubertierenden Sohn waren sehr vorhersehbar. Einige Stellen haben mich hier sehr (!) an den Film „Calendar Girls“ erinnert!


    Manche Fäden werden auch nicht konsequent aufgerollt. Man erfährt zum Beispiel nicht wirklich, was aus dem Leben des Ex-Ehemanns wird. Oder ob die beste Freundin endlich einen Partner findet. Dafür bleibt Caros Schicksal nur halb offen. Es wird angedeutet, dass sie für sich eine Lösung findet. Zum Glück wurde hier auf den größten Kitsch verzichtet.


    Ich würde sagen, man darf dieses Buch nicht nach den Maßstäben eines „ernsthaften Romans“ bewerten. In dieser Hinsicht würde es bei mir nämlich eher durchfallen. Aber als leichte Unterhaltung à la Engelmann ist es gelungen.

    Eine Geschichte über den Glauben – und die Liebe


    Eine geschlagene halbe Stunde habe ich nach Beendigung der Lektüre dagesessen, ohne mich zu rühren. Das Buch klang nach; die Bilder schimmerten. Ich blieb noch eine Weile bei diesen liebenswerten Charakteren, mit denen ich gerne mehr Zeit verbracht hätte. Eines kann ich sagen… dieses Buch auf das Thema „Glaube“ zu reduzieren, wäre geradezu ein Verbrechen! Es ist viel mehr als das. Es ist vor allem eine Liebeserklärung an das ländliche Amerika. Und eine zu Herzen gehende Schilderung der Liebe eines Großvaters zu seinem Enkel.


    Genau damit beginnt auch das Buch. Es beginnt plaudernd, in der trägen Stimmung eines warmen Nachmittags. Der Großvater besucht mit seinem Enkel den Friedhof – nicht etwa ein Ort, vor dem einer von ihnen Angst hätte. Nein, Tod und Leben gehören in diesem Buch eng zueinander. Nach dem Friedhof besuchen sie noch des Opas besten Freund, der schwer krank ist. Und zum Schluss gibt es gutes Essen bei Oma. Erste Wölkchen ziehen für den Leser erst auf, als die Mutter des Kindes darauf besteht, vor dem Essen zu beten. Hier merkt man, dass sich ein zentraler Konflikt anbahnt.


    Ich widme mich so ausführlich der Einleitung, weil das ganze Buch so gehalten ist. Es ist voller Szenen aus dem ländlichen Leben Wisconsins. Es spielt zu weiten Teilen auf Obstplantagen, Landstraßen, auf Veranden und an Esstischen. Der Autor vermittelt eine große Liebe zu diesem Landstrich und seinen Bewohnern. Ich konnte die Kaminfeuer riechen, und hätte liebend gern mit den Menschen ein Chili gegessen, oder ein Root Beer getrunken… geschweige denn Pfannkuchen mit Ahornsirup oder Käsekuchen genossen…!


    Die Atmoshpäre ist aber weit mehr als nur Kulisse. Der Protagonist, Lyle, der betroffene Großvater, entstammt nun mal diesem Milieu. Hier formten sich sein Denken und sein Charakter. Und hier liegen auch die Wurzeln seines Glaubens. Ein beschädigter Glaube zwar, aber doch ein suchender, ein ringender. Sein Cousin wurde Missionar, und ein alter Jugendfreund ist heute Pfarrer in seiner Heimatgemeinde. Glaube bedeutet für Lyle Tradition, Wärme, Zusammenhalt. Es bedeutet auch, zu fragen, und im Extremfall seinen Freund spät nachts aufzusuchen.


    Die Katastrophe schleicht sich langsam ins Buch. Shiloh, die alleinerziehende Tochter Lyles, hat sich einer extremen Glaubensgemeinschaft angeschlossen. Aus Höflichkeit besuchen Lyle und seine Frau die Gottesdienste. Doch unwohl ist ihnen dort von Anfang an. Die Dinge eskalieren erst, als der Enkel schwer krank wird. Doch Shiloh und ihre Gemeinde leugnen dies – sie halten die angebliche „Krankheit“ für einen dämonischen Einfluss, der von den Großeltern ausgeht. Und der somit durch Glaube und Gebet besiegt werden kann.


    An dieser Stelle bin ich dem Verlag mit seinem Klappentext ein wenig böse. Denn wie so oft, wird der zentrale Konflikt ein wenig überdramatisiert. Es ist nicht so, dass von heute auf morgen ein dramatischer Showdown stattfände. Das ganze Buch hindurch schwankt der Großvater. Er beißt die Zähne zusammen, damit er seinen Enkel überhaupt noch sehen darf. Die Handlung wird dabei auf eine symbolische Ebene verlagert. Die inneren Konflikte spiegeln sich wider in den Dingen, die der Opa erlebt. Er arbeitet auf einer Obstplantage, liefert Äpfel an einen Supermarkt, oder begleitet seinen besten Freund in seiner Krebserkrankung. Hier wird vom Leser durchaus teilweise Geduld gefordert.


    Erst ganz zum Ende muss der Großvater eine Entscheidung treffen. Ich will hier nicht vorgreifen – aber ich empfinde das Ende als angenehm offen. Falscher Glaube wird zwar entlarvt – aber was wird aus dem Enkel? Man darf als Leser hier interpretieren. Der Autor wählt ein wunderschönes Symbol für die weiter bestehende Hoffnung: einen Apfelblütenzweig!


    Neben dem teilweise offenen Ende finde ich schön, wie der Roman fast wie nebenher weitere Themen bearbeitet, außer der „Glaubensfrage“. Mehrfach gibt es außereheliche Kinder. Es geht um das Aussterben von ländlichen Gemeinden. Um den Fortschritt, der Teile gewachsener Kultur zerstört. Es geht auch um Freundschaft und Zusammenhalt. Um streitende ältere Ehepaare, die sich dennoch lieben. Aber auch um gutes Essen und Gemütlichkeit.


    Ich würde das Buch insgesamt als einen „gehobenen Wohlfühlroman“ bezeichnen. Man kann, wenn man will, das Glaubensthema auch eher am Rande belassen, und sich auf die Schilderung des ländlichen Lebens konzentrieren. Der Autor zwingt einem hier keine Meinung auf, was ich als angenehm empfand. Oder man kann das Buch aus der Warte „Großvater und Enkel“ lesen. Der Wert des Buches erschöpft sich jedenfalls nicht auf einer einzigen Ebene. Die unaufgeregte, aber dennoch poetische Sprache tut das ihrige dazu. Ich bin jedenfalls vollkommen begeistert.

    Mehr als ein Roman


    Ich zögere, dieses Buch als einen „Roman“ zu bezeichnen. Das würdigt in meinen Augen irgendwie seine Bedeutung herab. Dies ist kein reines Stück Unterhaltung – obwohl die enthaltenen Gedanken sicherlich auch in weiten Teilen unterhaltend sind. Es ist aber auch keine geradlinige „Geschichte“, die einen klaren Anfang und ein klares Ende hätte. Für mich ist es eine Parabel, philosophisch und äußerst humorvoll ausgestattet, die zwei gar nicht so gegensätzliche Charaktere in einer Extremsituation zusammenbringt, um beide daran reifen zu lassen.


    Der Rahmen ist denkbar einfach erzählt. Das Buch stellt im Grunde ein Gedankenexperiment dar. Stan Laurel, der bekannte Komiker, und Thomas von Aquin, der mittelalterliche Denker, treffen in einem dunklen, bedeutungsschwangeren, zeitlosen Korridor aufeinander. Nur langsam geraten sie ins Gespräch. Sie versuchen, einen Sinn zu finden in ihrer prekären Situation. Und sie versuchen, 700 Jahre Zeitgeschichte zu überbrücken, was sich als unerwartet diffizil herausstellt. Letztlich nähern sich beide an, und lernen voneinander, bevor… doch das zu verraten, wäre schändlich. Das Ende des Buches ist wunderbar, und regt zum Nachdenken an! Ganz eindeutig ist es übrigens nicht.


    Der Autor Markus Orths hat fantastisch recherchiert. So ganz nebenbei, neben den Gesprächen der beiden Gestrandeten, lernen wir viel über ihr Leben. Stan erinnert sich an seine Freundschaft mit Ollie, und warum und wie es ihm stets ein Anliegen war, die Menschen zum Lachen zu bringen. Wie er durch Zufälle und Misserfolge schließlich zu seiner endgültigen „Form“ fand. Thomas von Aquin hat einen ebenso steinigen Weg hinter sich. Von der Familie wurde er monatelang eingesperrt, um seinem religiösen Wahn, Dominikaner zu werden, abzuschwören und bitteschön endlich Benediktiner-Abt zu werden.


    Weiterhin nutzt der Autor geschickt die Möglichkeit, durch eine 700 Jahre alte „Brille“ dezent Kritik an unserer Zivilisation zu treiben. Thomas will es partout nicht einleuchten, wie die heutigen Menschen ihre Freizeit verbringen, was „Filme“ eigentlich sollen, was Sport bedeutet, und und und. Auf unaufdringliche Weise lässt er Thomas von Aquin Werbung für den Glauben machen – bzw. selbst als neutraler Leser bekommt man eine Ahnung davon, was es bedeutet, von einer fundamentalen Gewissheit getragen zu werden.


    Die Sprache ist dabei so gehaltvoll, aber auch schön und lustig, dass man das Buch eigentlich zweimal lesen muss, um alle „Perlen am Wegesrande“ aufzulesen! Manche Formulierungen möchte man sich sofort abschreiben!


    Das Buch beginnt zwar mit Stan, und wird überwiegend aus seiner Perspektive erzählt. Dennoch vermeidet der Autor die Falle, dem Leser die alleinige Identifikation mit dem Komiker aufzudrängen. Man entwickelt Empathie für beide Charaktere, und fühlt sich in deren Situation ein. Was bedeutet die ständige Dunkelheit? Hat der Tunnel einen Ausgang? Und was wartet am Ende? So wird das Buch letztlich zu einem Sinnbild für das eigene Leben – und auch Sterben.


    Mir hat es ganz wunderbar gefallen – eines der Bücher, bei denen ich am Ende traurig war, es wieder verlassen zu müssen. An Leser ganz ohne philosophische Vorkenntnisse würde ich es vielleicht nicht empfehlen – auch nicht an solche, die schnelle Unterhaltung suchen. Doch als Leser, der bereit ist, nach Gold zu schürfen und mitzudenken, ist man hier richtig.

    Starke Frauen in schöner Geschichte


    Ich hatte mich für dieses Buch interessiert, ohne die Autorin näher zu kennen. Ich hatte zwar vom Erfolg ihres Erstlings „Der Zopf“ gehört, stand dem aber skeptisch gegenüber. Nun, beim zweiten Buch, habe ich zugegriffen. Es sollte unter anderem um das Schreiben von Briefen gehen, was ein Thema ist, das mir am Herzen liegt.


    Letztendlich konnte mich das Buch positiv überraschen. Es geht um weitaus mehr als das Briefeschreiben! Es geht um das besagte „Haus der Frauen“, um die Schicksale darin. Es geht aber auch um eine Geschichte in der Vergangenheit. Und um das Leben einer jungen Anwältin, welches in der Gegenwart eine bedeutsame Wendung erfährt.


    Wieder einmal verwundert mich, wie sehr ein Buchtitel die Wahrnehmung beeinflussen kann. Im französischen Original heißt das Buch „Les Victorieuses“, also die „Siegerinnen“. Wobei es doch durchaus um harte Schicksale geht! Im Deutschen hingegen lehnt sich der Titel viel mehr an das an, was dieses Haus eigentlich ist: ein Frauenhaus. Ein „Haus der Frauen“. Beide Titel beleuchten verschiedene Aspekte des Werkes, die jedoch gleichgewichtig sind.


    Das Buch zeichnet sich aus durch eine gewisse Leichtigkeit der Erzählweise, die jedoch nie platt wirkt. Es ist nicht zu dick, man könnte es aufgrund der Flüssigkeit also durchaus bequem an einem Tag durchlesen, wenn man wollte. Doch damit würde man dem Inhalt nicht gerecht.


    Schön fand ich die Verflechtung der Erzählstränge. In der Gegenwart begleiten wir Solène, eine Anwältin mit Burn-Out, die sich ein Ehrenamt zur Heilung ihrer Depression sucht – eben Schreiberin im Frauenhaus. Mit Solènes langsamer Rückkehr ins Leben verbinden sich viele Schicksale der Bewohnerinnen. Sie lernt viele Lebensläufe kennen; sei es Binta, die ihren Sohn in Guinea zurücklassen musste, oder Iris, die als Transfrau in ihrer Heimat Mexiko keine Chance hatte. Man merkt diesen kleinen „Geschichten in der Geschichte“ an, dass die Autorin gut recherchiert hat. Sie weiß eindeutig Bescheid über die Abläufe in einem Frauenhaus – das Chaos, die Streitereien, die Tränen. Aber auch die berührenden Momente.


    Der zweite Erzählstrang spielt Mitte des 19. Jahrhunderts in Paris. Blanche Peyron ist schon als Jugendliche der Heilsarmee beigetreten, und widmet diesem Ideal ihr ganzes Leben. Eines ihrer letzten großen Projekte besteht im Erwerb und der Renovierung des „Palastes der Frauen“ in Paris, eine scheinbar übermenschliche Aufgabe. So gerne hätte ich noch mehr von Blanche gelesen! Sie ist ja eine historische Persönlichkeit. Mir ist aber nicht klar, wie viel die Autorin hinzugedichtet hat… Dennoch, dieser Erzählstrang war farbig, und prallvoll an Leben. Blanche hat mich fasziniert. Die Autorin wollte dieser tatkräftigen Frau ein Denkmal setzen, was ihr zweifellos gelungen ist.


    Fast am allerschönsten finde ich die zwei Gebete zu Beginn und zum Ende des Buches. Denn das „Haus der Frauen“ steht auf dem Grundstück eines ehemaligen Klosters, welches der Säkularisierung in Frankreich zum Opfer fiel. Es handelt sich um Segensgebete, und man kann sie als Leser leicht auf sich beziehen. Wunderschön.


    Nur sehr gelegentlich hat mich die Übersetzung nicht gänzlich überzeugt. Hier in Deutschland ist der Begriff „Prekariat“ einfach nicht geläufig; mir zumindest nicht. Und an einigen wenigen Stellen schrammt das Buch dann doch haarscharf am Kitsch vorbei; wenn zum Beispiel Solène ihre alte Liebe auf der Straße trifft. Oder wenn zaghaft eine neue Liebe angedeutet wird. Auch das Abgleiten in den Burn-Out hätte besser geschildert werden können. An diesen Stellen klingt Laetitia Colombani dann doch wie Cecelia Ahern. Stellenweise erinnert sie mich auch an Marie-Sabine Roger.


    Insgesamt jedoch hat mich das Buch auf einer tieferen Ebene berührt, als ich für möglich hielt. Ich würde mir lediglich wünschen, dass Laetitia Colombani dickere Bücher schriebe...

    Originell und poetisch


    Es ist schwer, dieses Buch in eine wie auch immer geartete Schublade einzuordnen. Halb ist es Sachbuch, halb Erinnerung. Und ein klein wenig auch philosophische Spekulation.Das Ganze verpackt in eine einfache, aber poetische Erzählweise.


    Das Buch zerfällt, grob gesagt, in zwei Erzählstränge. Im ersten beschreibt der Autor alles, was er rund um den Aal herausgefunden hat. Was man über den Aal weiß (und das ist herzlich wenig). Wer alles über den Aal geforscht und spekuliert hat (Überraschung, unter anderem Aristoteles und Sigmund Freud!). Im zweiten Erzählstrang beschreibt er Erinnerungen an seinen Vater, und wie er mit ihm Fischen gegangen ist – natürlich Aale!


    Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut, aber die volle Punktzahl vergebe ich letztlich dennoch nicht. Vielleicht hatte ich falsche Erwartungen…? Ich hatte eine stärkere Fokussierung auf den Erzählstrang mit dem Vater erwartet, aber der nimmt dann doch wesentlich weniger Raum ein, als ich dachte. Ein wenig irritiert haben mich auch die philosophischen Spekulationen gegen Ende des Buches. Sicher ist der Aal geheimnisvoll, und schwer zu erforschen. Aber wie man von hier aus bis hin zu Jesus und zur Unsterblichkeit kommt, und zu einer Definition des „Unheimlichen“, der Begründung des Forscherdrangs des Menschen allgemein, das war mir dann doch im Verlauf ein wenig zu weit hergeholt.


    Auch hatte ich den Eindruck, dass sich im letzten Drittel manche Gedanken und Formulierungen wiederholten. Nun ist dies kein reines Sachbuch, und von daher kann ich dem Autor wohl kaum vorschreiben, er hätte kürzen können. Dennoch, für mich hatte es durchaus Längen.


    Der allerletzte Abschnitt handelt dann wieder vom Vater und der Familiengeschichte. Hier sollte der Leser wohl „überrascht“ werden, da etwas zutage kommt, was mit den familiären Hintergründen zu tun hat. Es tut mir leid, aber ich habe aufmerksam gelesen, und habe mir das schon lange vorher gedacht… so schwer zu erraten war das nicht!


    Insgesamt finde ich die Idee für das Buch immer noch originell. Und sprachlich ist es in weiten Teilen sehr schön geschrieben. Nur wurde das Konzept an manchen Stellen für mich eindeutig überzogen.

    Lebendige Innenwelten


    Ich bin mit einer gewissen Skepsis, oder nein, achtsamen Aufmerksamkeit an dieses Buch herangegangen. Denn den Begriff „Romanbiographie“ hatte ich zwar schon gehört, konnte mir darunter bislang aber nicht viel vorstellen. Und zweitens bin ich geübter Leser von Biographien – auch von Michael Ende kenne ich schon welche, da er mit zu meinen Lieblingsautoren zählt. Die begeisterte Rezension einer Lesefreundin hat mich dann schließlich überzeugt – ich wollte Charlotte Roth eine Chance geben.


    Wie ich nun allerdings mein Leseerlebnis in passende Worte kleiden soll, erscheint mir mehr als schwierig. Das Buch ist weder mit „Roman“ noch mit „Biographie“ wirklich gut beschrieben. Ich finde, Charlotte Roth ist hier ein ganz eigenes Kunstwerk gelungen, so dass mich am Schluss nicht einmal mehr sonderlich interessiert hat, was hier nun faktisch richtig und was „dazugedichtet“ war. Das Buch vermittelte für mich vor allem eines – Wahrheit! Und zwar eine „emotionale Wahrheit“, die mich einem Menschen näher gebracht hat, den ich leider nie getroffen habe. Doch wie sagt die Autorin ganz richtig auf dem Vorsatzblatt - „Für Michael E., der einem auch als Freund begegnen kann, wenn man ihn gar nicht gekannt hat.“


    An der ganzen Aufmachung merkt man schon, dass das Buch mit Liebe in den Schaffensprozess gegangen ist. Es ist ein hochwertiges Hardcover im nachtblauen Schutzumschlag, wunderschön geziert durch eine in Sternen schwebende Schildkröte. Ein Lesebändchen hat es auch! Sehr angenehme Schrifttype, gutes Layout der Textseiten, hochwertiges Papier. Fotos von Michael Ende, aus allen Lebensphasen, im vorderen und hinteren Einband. Und – diverse Vor- und Nachworte. Eines davon verfasst von Roman Hocke, einem Freund Michael Endes, der das ganze Projekt beratend begleitet, nein, wahrlich „kuratiert“ hat. Dieser Ausdruck ist angemessen für das Kunstwerk, das letztlich entstanden ist!


    Das Buch folgt einer inneren Logik. Es ist unterteilt in 5 Abschnitte, die sich nach den groben Lebensphasen Michael Endes richtet, die zumeist mit Umzügen zusammenfallen. Und, es beginnt konsequent mit seinen Eltern. Das ist wirklich wichtig zu wissen, denn von diesen unglücklich-glücklich aneinander gebundenen Naturen hat Michael viel geerbt. Nicht nur im biologischen Sinne! Erst durch die Widersprüchlichkeit der Beziehung der Eltern wird dem Leser so manches aus dem späteren Schaffen Endes klar.


    Überhaupt scheint es mir, dass die Autorin alle Werke Michael Endes (und ich meine auch alle!) gründlich kennt. Denn sie arbeitet immer wieder Fäden heraus, an denen der aufmerksame Leser schon im Vorhinein erkennen kann – aha, das kommt ja später im Buch XY so oder so vor. Interessant. Sie stellt Michael Endes Leben als ein pulsierendes Geflecht von Bezügen vor. Ob dabei nun jede Einzelheit wirklich so stimmt – wen juckt‘s? Wie ich schon sagte, Wahrheit entsteht hier trotzdem. „Fictions are lies that tell the truth“, ein Zitat, das aus einem literarischen Interview stammt, dessen Ursprung mir nicht mehr vollständig gegenwärtig ist.


    Sie begeht allerdings auch nicht den Fehler, alle Widersprüche in Endes Lebensgeschichte „wegzuerklären“. Man muss nicht mit allem einverstanden sein, was man hier miterlebt. Sein Verhältnis zum anderen Geschlecht wäre zumindest nicht meines – und seine Naivität in Finanzdingen auch nicht. Auf eine gewisse Art und Weise ist Michael Ende, so wie er mir hier begegnet ist, immer Kind geblieben. Auch in seiner Widersprüchlichkeit letztendlich unschuldig.


    Vollends begeistert war ich im letzten Drittel des Buches, als mir allerlei Details zu Michael Endes Werken begegneten, die ich so noch nicht wusste. Ich erlebte mit, auf welchen Charakter Bastian Balthasar Bux zurückgeht. Wieso in „Momo“ unbedingt eine Schildkröte mitspielen musste. Warum „Momo“ in Sepia gedruckt ist. (Ist es tatsächlich! War mir vorher nie aufgefallen!) Welche Schwierigkeiten es mit Illustratoren gab. Warum Michael Ende mit der Verfilmung der „Unendlichen Geschichte“ so unzufrieden war. Und noch einiges mehr.


    Als letzten zu bejubelnden Punkt muss und möchte ich noch die Sprache anführen. Charlotte Roth schreibt wahrlich kein Sachbuch-Deutsch. Sie verwendet eine poetische, doch nicht zu sehr vom Alltag entfernte Sprache. Manche Sätze schweben nur so dahin – und manche Kapitel sind für sich so schön, dass ich sie – auch aus dem Zusammenhang heraus – wieder lesen würde! Besonders diejenigen aus Michael Endes Kindheit!


    Nur in einem einzigen Punkt wäre ich eine Winzigkeit unsicher – welchem Typ Leser ich nämlich das Buch empfehle. Wenn man noch keine Bücher von (nicht „über“!) Michael Ende gelesen hat, wird es vermutlich an manchen Stellen ein wenig schwierig, da eben die Imagination des Lesers eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Aber empfehlen würde ich es! Mit Inbrunst wünsche ich diesem wundervollen Werk noch eine weite Verbreitung. Vielleicht regt es ja auch dazu an, wieder mehr Michael Ende zu lesen. Das wäre wünschenswert.

    Elling und Mendt


    Wow, was für ein Ritt! Diese Rezension schreibt sich nicht „mal so eben weg“. Das Buch hat für mich erfolgreich etliche Kategorien umdefiniert. Es ist kein ganz handelsüblicher Thriller. Vor allem die Figurengestaltung, der Detailreichtum, und die moralischen Implikationen haben mir sehr gefallen!


    Es fängt ja schon mit dem Cover an, das mich von Anfang an vage an ein Gemälde von Caspar David Friedrich erinnert hat. Was wohl nicht ganz unbeabsichtigt ist, zeigt doch sein berühmtestes Werk die Kreidefelsen von Rügen, also eine ostdeutsche Szene. Und dann erst die Namen der Hauptpersonen! Elling! Der heißt unter Garantie nicht ohne Absicht so … an dieser Stelle eine Verbeugung in Richtung Ingvar Ambjörnsen. In anderer Hinsicht hat mich dieser Kommissar aber auch an „Kühn“ von Jan Weiler erinnert. Beide haben ganz ähnliche Probleme, und ähnliche Flausen im Kopf. Und dann Lona… wenn man den Namen englisch ausspricht, klingt das wie „loner“, also genau das, was sie ist… eine Einzelgängerin.


    Ich finde, dass man dem Buch sehr deutlich anmerkt, dass sein Autor geübter Drehbuchschreiber ist. Das spiegelt sich wider in den recht schnellen, aber nicht zu schnellen, lebendigen Schnitten, im Detailreichtum der Darstellung, den unkomplizierten Dialogen – es ist einfach sehr „filmisch“ geschrieben. Man, bzw. ich, kann sich alles sofort bildlich vorstellen. Nur am Ende ist dann mit der Action eine Winzigkeit übertrieben worden.


    Ich finde es gut gelöst, wie hier deutsch-deutsche Geschichte in den Krimi eingewoben wird. Es ist nicht zu dick aufgetragen, nicht zu politisch. Diese Geschichte hätte wohl auch in anderen sozialistischen oder kommunistischen Staaten stattfinden können… doch die Details sind schon so gewählt, dass man sich als Deutscher wiedererkennt. Besonders die Ort- und Landschaften sind teils liebevoll porträtiert. Gut gemacht auch, dass einer der Kommissare aus dem Osten, und einer aus dem Westen kommt.


    Ich merke schon, ich drücke mich die ganze Zeit vor einer Inhaltsangabe. Das war für mich aber auch nicht wesentlich an diesem Buch. Das kann jeder Interessierte im Klappentext nachlesen.

    Das Buch beginnt auf einem eher gemütlichen Ton. Man lernt Elling kennen, und hat recht schnell erfasst, wie er tickt. Er verschuldet sich heillos, um seiner Familie alles zu bieten. Doch von Anfang an habe ich gezweifelt. Ob in dieser Familie wohl alles Gold ist, was glänzt…? Und ich sollte Recht behalten. Durch ein paar Beinahe-Zufälle wird nun Elling mittendrin und sehr persönlich in den laufenden Fall verstrickt. Mehr als verstrickt. Er wird zu einem Teil davon. Und seine Kollegin Lona steht vor der Frage, ob sie das deckt, oder nicht. Doch nur wenige Seiten später… und schon steht auch sie mit nicht mehr ganz reiner Weste da. Und das wird sich bis zum Ende für beide nicht mehr ändern. Eher im Gegenteil.


    Erstaunlich für einen deutschen Thriller ist eventuell die Brutalität, mit der hier vorgegangen wird. Der Autor ist in seinen Schilderungen wahrlich nicht zimperlich. Sehr zart besaitet darf man also nicht sein. Wenn ich so zurückdenke, dann war das allerdings auch bei „Isenhart“ schon so – ein Buch, das ich sehr mochte!


    Die Spannungskurve lässt im Weiteren Verlauf wirklich nichts zu wünschen übrig. Die Ereignisse geschehen in flüssiger Folge, Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Besonders schön ist, wie bereits angedeutet, dass die Ermittler eben nicht nur Ermittler sind. Sie gehören schon bald – persönlich betroffen – mit zum Geschehen. Und auch privat kommen sie einander näher, obwohl sie doch so gegensätzlich sind. Doch Holger Karsten Schmidt begeht nun nicht den Fehler, das Ganze zu süßlich werden zu lassen. Am Ende bleiben ein paar sehr (!) interessante Leerstellen. So dass ich mich schon auf weitere Teile der Reihe freue. Dieses Buch hatte alles, was ich mir nur wünschen konnte: Spannung. Vielschichtige Charaktere. Lebendige Beschreibungen. Und es warf moralische Fragen auf, denen ich mich nicht entziehen konnte. Trotz des etwas übertriebenen Endes vergebe ich voller Überzeugung 5 Sterne.

    Bedächtig




    Dies war meine zweite Begegnung mit Kommissar William Wisting – sein zweiter Fall im Rahmen der „Cold Cases“-Reihe. Ich habe alle Charakteristika aus dem ersten Band wiedererkannt, habe mich über ein Wiedersehen mit Wistings Familie gefreut. Und doch – ich empfinde diese Geschichte als noch „bedächtiger“ als die erste. Vom Erzähltempo her noch getragener. Durchaus nicht unspannend, aber es wird eine gewisse Langmut gefordert vom Leser. Auch haben mich ein paar kleinere Details gestört.


    Irgendwo im Text sagt es der Kommissar selber, und ich denke, der Autor wird ihm diese Worte in den Mund gelegt haben aus seiner eigenen Zeit als Kriminalkommissar - „so sei Ermittlungsarbeit nun mal. Oft nicht sehr aufregend, sehr kleinschrittig“. So oder so ähnlich William Wisting. Genauso habe ich es bei der Lektüre auch empfunden. Schritt für kleinen Schritt geht die Ermittlung weiter, und erst ganz gegen Ende kommt so etwas wie akute Bedrohung auf. Aber auch die entlädt sich sehr schnell.


    Den Fall an sich fand ich schon ungewöhnlich, und habe ihn mit Interesse verfolgt. Eine Millionensumme wird nach dem Tod eines Politikers in seinem Wochenendhaus gefunden. Wisting findet schon bald heraus, dass das Geld aus einem 20 Jahre alten Überfall stammen könnte. Nur – wie passt der Politiker da hinein?


    Es geht sehr langsam vorwärts. Es werden natürlich etliche Mitstreiter des Politikers befragt, Menschen, die ihn kannten. Etwas zusätzliche Würze erhält der Fall dadurch, dass am selben Tag wie der besagte damalige Überfall ein junger Angler an einem See verschwand, dessen Verbleib nie wirklich geklärt werden konnte. Auch hier werden Schritt für Schritt die damaligen Ergebnisse unter die Lupe genommen. Haben beide Fälle miteinander zu tun?


    Was mich wirklich ein wenig störte, war die – für mich – unausgegorene Verteilung der handelnden Personen. Wie im ersten Fall, erhält Wistings Tochter Line, eine Journalistin, von ihm den Auftrag, mitzuermitteln. Doch Line bekommt in diesem Buch gefühlt viel mehr Raum als Wisting. Sie ist es, die die entscheidenden Informationen zusammenträgt. Und die am Ende in Gefahr gerät. Insofern ist das Buch für mich zu Unrecht nach Wisting benannt. Zweitens hatte ich mich sehr gefreut, Wistings Kollegen Adrian Stiller wieder zu begegnen. Doch der fristet in diesem Band nun wirklich ein Schattendasein, was mich ehrlich enttäuscht hat. Er kommt kaum vor, und treibt auch nicht „sein eigenes Spiel“, womit ich fest gerechnet hatte.


    Drittens, warum erscheint der Band eigentlich unter dem Motto der „Cold Cases“? Eigentlich geht es doch um den Politiker, und das Geld. Der verschwundene Angler kommt eher aus Zufall hinzu. Es geht eben nicht in erster Linie um den verschwundenen Simon Meier.


    Schließlich hat mich die Sprache diesmal wirklich auf eine Geduldsprobe gestellt. Die Sätze waren oft denkbar kurz und banal. Zum Beispiel wenn Wisting seine Enkelin betreut, oder wenn er Telefongespräche führt. Allerdings war das Verhalten von Amalie, der Enkelin, in anderer Hinsicht oft ein Lichtblick im Buch! Einfach herzig!


    Ich stehe Kommisssar Wisting und dem Autor immer noch mit Wohlwollen gegenüber. Ich habe die Lektüre durchaus genossen. Aber ich würde sie weder zu meinen persönlichen Highlights, noch zu den herausragenden Exemplaren des Genres zählen.

    Der Mensch ist böse…?


    Die erste Frage, die sich mir bei diesem Buch stellt, ist die, ob ich überhaupt zu der angestrebten Zielgruppe gehöre. Ich vermute, eher nein. Denn das Buch ist ganz auf einen bestimmten Personenkreis zugeschnitten – auf die „Follower“ und Fans eines YouTubers, der sich mit ungeklärten Verbrechen und rätselhaften Fällen beschäftigt. Dieser heißt mit Pseudonym „Jarow“, und war mir bislang nicht bekannt. Meine persönliche Beschäftigung mit dem Genre „True Crime“ beschränkt sich bisher auf die Sendung „Aktenzeichen XY“, und Ferdinand von Schirach. Das entspricht mir auch wesentlich mehr.


    Ich kann mir nicht helfen, auf einer rein literarischen Ebene hat mich das Buch nicht sonderlich angesprochen, und ich habe es als „unseriös“ empfunden. Da wäre zum einen die durchweg verwendete Umgangssprache. Der Autor spricht mit seinen Lesern wie mit Freunden an der Theke, so mein Empfinden. Und das erwarte ich bei einem Sachbuch definitiv nicht! Ausdrücke wie „Horror-Hotel“ und anderes erwarte ich in der Bild-Zeitung…! Zweitens gehören in ein Sachbuch über ungelöste Fälle Spekulationen, wie sich Personen wohl gefühlt haben, einfach nicht hinein. „Sie konnte an diesem Morgen noch nicht ahnen, dass...“ ist eine solche Formulierung. Das ist effektheischend und unnötig. Drittens haben mich die Illustrationen gestört, wie Scherenschnitte von Menschen in Blutlachen, Tätern mit Revolvern etc. Auch das empfinde ich als unseriös.


    Ich habe mir die Mühe gemacht, und einen der geschilderten Fälle, nämlich den des „Horror-Hotels“ von H. H. Holmes, mit einer anderen Darstellung verglichen. Mir ist vor einiger Zeit auf einem Flohmarkt ein Taschenbuch von Mark Benecke in die Hände gefallen, dem bekanntesten deutschen Rechtsmediziner. „Aus der Dunkelkammer des Bösen“. Gut, dieser Titel ist nicht viel besser. Aber die Darstellung des Falles von Holmes könnte unterschiedlicher nicht sein! Um Längen sachlicher, psychologisch fundiert, eingeordnet in eine Typologie der sexuellen Straftäter. Schon allein dies unterbleibt bei Jarow! Bei Jarow ist Holmes lediglich ein Serienkiller. Bei Benecke hat er abweichende sexuelle Fantasien, und ist somit ein Verwandter der Vergewaltiger und anderer Sexualstraftäter. Ehrlich, mir hat der Fall bei Benecke sehr viel besser gefallen. Wenn man das überhaupt so sagen kann.


    Zweitens gehen die geschilderten Fälle meiner Meinung nach am Titel des Buches vorbei. Das Buch ist betitelt mit der Bosheit des Menschen. Doch worum geht es eigentlich? In den meisten Fällen einfach um ungelöste Rätsel. Da ist von Bosheit keine Spur. Ein verschwundener Teenager – hier ergeht sich der Autor eigentlich eher in Spekulationen um die Macht der Medien. Ein vor Jahrzehnten aufgefundenes Geisterschiff – auch hier kein blutrünstiger Täter, kein Sadist. Ein geheimnisvoller Stalker versucht, den Verkauf eines Hauses zu unterbinden… auch das würde ich nicht unter „Bosheit“ abspeichern, eher unter einem immer weiter verbreiteten neuzeitlichen Phänomen. Eben dem Stalking. Und so weiter. Vielfach ist einfach nur der Hergang eines rätselhaften Ereignisses ungeklärt. Der Titel des Buches lässt jedoch auf reißerische Art anderes vermuten. Auch das unseriös.


    Die Zusammenstellung der Fälle hat mich ebenfalls gewundert. Sie sind nicht einmal alle aus der Neuzeit! Einer sogar aus dem vorletzten (!) Jahrhundert, nämlich der des Serienkillers Holmes. Zwei bis drei andere Fälle sind Jahrzehnte alt. Und sie stammen keinesfalls alle aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt. Nun kenne ich natürlich die Aufmachung des YouTube-Kanals nicht. Mag sein, dass der Autor einfach seinem bewährten Muster gefolgt ist. Nun, ich hätte bei einem deutschen Sachbuch deutsche Fälle aus der deutschen Vergangenheit erwartet.


    Ich lande dennoch bei einer halbwegs wohlwollenden mittleren Bewertung. Warum? Das Buch ließ sich, zugegeben, annähernd flüssig weglesen. Es hat auch eine recht gute Bandbreite der dargestellten Verbrechen abgedeckt: Vermisstenfälle, Entführung, Stalking, Verschleierungstat, Serienkiller, Cyberkriminalität, und mehr. Drittens hat mir gefallen, dass ein Profiler hinzugezogen wurde. Er ist in einem Vorwort und in mehreren Interviews zwischen den Fällen zu hören. Und abschließend hat der Autor durchaus eine erzieherische Funktion wahrgenommen. Mehrfach weist er seine Leser auf Wahrscheinlichkeiten hin, sowie auf die Verantwortung von Öffentlichkeit und Medien.


    Insgesamt ergibt das wohl eine unentschiedene Gemengelage… ich bleibe bei meinen drei Sternen.

    Außergewöhnlich und kreativ


    Eine Bemerkung möchte ich vorweg machen. Wenn ich im Zusammenhang mit diesem feinen, kleinen Kochbuch das Wort „außergewöhnlich“ verwende, möchte ich damit unterstreichen, dass die Rezepte vom Gewöhnlichen abweichen. Vielleicht auch, dass sie – zumindest für mich – teilweise ein wenig schwieriger sein dürften. Das setzt aber in keinster Weise die Qualität des Buches herab – die 5 Sterne sind rundum verdient. Dennoch ist es sicher kein Kochbuch für den „Alltagshunger“ einer großen Familie.


    Der Durchschnittskoch wird sich unter „Quiche“ so etwas wie den „Gemüsekuchen“ vorstellen; am ehesten noch die klassische „Quiche Lorraine“ (und ja, auch die findet sich hier!). Die Rezepte von Cora Wetzstein interpretieren das Thema jedoch sehr weit, und sehr neu. Das hat mit „Gemüsekuchen“ nicht mehr viel zu tun!


    Das Buch ist in bewährter Gräfe & Unzer – Manier gestaltet. Wundervolle Farbfotos, praktisches Format, Clous & Tipps am Rande. Ausklappbare Innenseiten mit Basiswissen zum Thema. Und – in diesem Band gibt es sogar ein Register, nach Zutaten geordnet!


    Für mich persönlich boten die ausklappbaren Seiten diesmal nicht wirklich viel Neues zum Thema Quiche. Das Prinzip Teig, Füllung, Guss war mir klar. Auch das Belegen, die verschiedenen Formen, oder die Zusammenstellung von Zutaten für eine Quiche erschließen sich eigentlich dem gesunden Küchenverstand.


    Die Dreiteilung des Buches las sich praktisch und gut. „für jeden Tag“, „de luxe“ und „Mini“ waren die Kategorien.


    Was die Autorin unter „für jeden Tag“ versteht, ist allerdings schon sehr weit interpretiert. Manche Zubereitungsart ist für den ungeübten Koch sicher herausfordernd. Einmal wird ein Teigboden aus zerdrückten Pellkartoffeln hergestellt; einmal gar aus zerbröseltem Knäckebrot! Einmal benötigt man einen Spiralschneider, um Gemüsespaghetti herzustellen (ich zumindest besitze so etwas nicht), ein andermal bereitet man, getrennt vom eigentlichen Backvorgang, Balsamico-Zwiebeln zu. Auch die Herstellung einer „Bratwurstschnecke“ oder die Kombination von Lauch, Apfel und Räucherforelle zählt für mich nicht zu „Alltag“. Aber! Alle Rezepte strahlen Freude am Kochen und Kombinieren aus. Und wie gesagt Kreativität. Wer kommt schon darauf, den klassischen Grünkohl mit Mettwurst als Quiche zuzubereiten…?


    Die Kategorie „de luxe“ trägt ihren Namen allerdings zu Recht. Zutaten wie Artischocken, Ricotta, Lachs und Rehragout sind hier vertreten. Allerdings wird nicht erklärt, was „Taleggio“ ist. Ich wusste zufällig, dass es sich um einen italienischen Käse handelt! Und auch der Begriff „Tarte Tatin“ wird nicht erklärt; das erschließt sich nur indirekt. Es ist eine gedeckte, „umgekehrte“ Quiche. Also das, was man im Englischen als „pie“ bezeichnet. Von diesen „umgedrehten“ Rezepten gibt es hier gleich zwei. Außergewöhnlich finde ich in diesem Abschnitt die Kombinationen. Endivien als Gemüse zu betrachten, nicht als Salat, und mit „Nussknusper“ zu kombinieren… hm!! Anzumerken ist, dass es hier mehrere Rezepte gibt, bei denen eben nicht alles im Ofen vor sich hin schmort. Teilweise wird etwas Frisches getrennt zubereitet, und erst zum Schluss auf die gebackene Quiche gegeben. Die zu erwartenden Geschmacksnoten lassen einem allerdings das Wasser im Munde zusammenlaufen!


    Die Kategorie „mini“ finde ich die originellste. Mal abgesehen davon, dass ich mir sämtliche Formen und Förmchen erst zulegen müsste. Ein Rezept wird gar nicht gebacken – sondern kalt geschichtet; es wird im Kühlschrank fest! Bei dem Rezept „Lamm-Kichererbsen-Taschen“ haben mir allerdings Fotos gefehlt. Mir wurde nicht gänzlich klar, wie die Teigplatten übereinander zu legen sind. Auffallend sind in diesem Abschnitt wieder die Kombinationen. Vielfach werden Früchte (oder Meeresfrüchte) mit deftigen Zutaten kombiniert. Wie zum Beispiel Datteln mit Speck, Birnen mit Käse, oder Camembert mit Preisselbeeren. Sehr ungewöhnlich auch die Zusammenstellung Brokkoli-Mandel-Curry! Ich würde die angegebenen Zeiten in diesem Abschnitt eher nach oben korrigieren. Denn gerade für die kleinen Formen muss der Teig zugeschnitten und abgemessen werden. Das erfordert Übung.


    Wie gesagt, hat mich das Büchlein als solches begeistert. Obwohl es sicherlich weniger „alltagstauglich“ ist. Ich müsste vieles erst üben. Aber für Gäste und Feste ist es großartig geeignet.

    Ein seltsames kleines Büchlein


    Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut. Ich interessiere mich schon länger für psychische Krankheiten, und zwar auch aus beruflicher Hinsicht, da ich in der Pflege arbeite. Ich habe auch schon recht viel in dieser Hinsicht gelesen, wie zum Beispiel die Klassiker „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ oder „A Beautiful Mind“. Doch damit lässt sich dieses Büchlein nun überhaupt nicht vergleichen! Bin ich deswegen enttäuscht? Schwer zu sagen. Ich hatte mir einfach etwas anderes vorgestellt.


    Mutig war es auf jeden Fall, dieses Büchlein zu schreiben! Die Autorin berichtet darin ungeschönt von ihrer eigenen psychischen Erkrankung. Es ist sozusagen ein etwas erweiterter Lebenslauf. Aber leider auch nicht mehr. Man hat es in gut einer Stunde gelesen, und ist angesichts des schweren Lebensweges durchaus betroffen. Nur ist es eben bei weitem nicht literarisch – wobei ich das nicht der Autorin anlasten will! Das ist meine eigene Erwartung, die mir im Wege stand!


    Es ist mir persönlich einfach zu kurz und schnörkellos. Ich war schon überrascht, als das Buch ankam. Kaum dicker als ein Briefumschlag. Es ist zudem in sehr direkter Alltagssprache geschrieben, und erzählt wirklich fast nur der Reihe nach die Ereignisse ihres Lebens. Wie die anderen Menschen in ihrem Umfeld gefühlt haben, bleibt zum Beispiel außen vor. Auch fehlen mir Hintergründe, mögliche Ursachen der Erkrankung, Inhalte der Therapien, und auch die Art der Medikation hätte mich interessiert. Mehr „Drumherum“ halt. Die Tatsache, dass das Buch mit österreichischen Ausdrücken durchsetzt ist, hat mir auch nicht eben geholfen… Was eine „Matura“ ist, wusste ich ja noch; dann hörte es aber auch schon auf.


    Am Ende steht man sozusagen mit der Autorin „auf der Straße“. In einem so jungen Alter schon Frührentnerin zu sein, ist sicher belastend. Aber hier endet das Buch. Jegliche weitere Reflexion unterbleibt. So schade!

    Neu ist das nicht...


    Fangen wir mit dem Offensichtlichen an. Das Buch – zumindest die deutsche Ausgabe – ist wunderschön gestaltet! Zauberhafte Farben mit Goldeffekten auf dem Einband. Auch das „magische Purpur“ im inneren Einband hat mir gefallen. Sowie die Gestaltung der Kapitel-Anfänge mit dem Sternenhimmel. Eigentlich hätte noch ein Lesebändchen gefehlt. Das Papier war allerdings ein wenig billig – wie bei Donald-Duck-Sammelbüchern.


    Ich habe mit dem Positiven angefangen, weil ich beim Inhalt ehrlich gesagt ein wenig ratlos bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich wirklich schon Vieles aus diesem Bereich kenne. Nahezu alles, was die Autorin zitiert, habe ich schon gelesen, wie Esther Hicks (warum nur unterschlägt die Autorin den Co-Autor Jerry Hicks??), Eckhart Tolle, Joe Dispenza, und so weiter und so fort. Insofern traue ich mir zu, zu beurteilen, was an diesem Buch originell ist, und was eben nicht.


    Es kam mir alles ein wenig verworren und überladen vor. Am Ende dieses nicht gerade dünnen Buches bin ich zwar um ein paar Ideen reicher, frage mich aber auch, ob man das nicht kürzer hätte sagen können.


    Was ist wirklich neu? Die Gleichung an sich vermutlich. Gedanken, Gefühle, und Vertrauen erwähnen auch die meisten anderen Autoren. Jordanna Levin nimmt nun noch einen vierten Teil hinzu, das Handeln. Und sie stellt das ganze als nahezu mathematische „Gleichung“ dar, von der man keinen Teil weglassen könne. Hmmm! Das klingt erstmal gut. Allerdings ist das Buch sehr weitschweifig erzählt, so dass der „Handeln“-Teil im weiteren Verlauf mir persönlich zu kurz kommt. Außerdem widerspricht sie sich durch ihre eigene Lebensgeschichte.


    Überhaupt kommt mir hier viel zu viel Persönliches vor. Ich empfand den Schreibstil einfach bisweilen als sehr geschwätzig. Ich brauche nichts von körperlichen Problemen oder den Liebesgeschichten zu wissen… sehr erhellend waren die übrigens auch nicht.


    Den Aufbau des Buches fand ich halbwegs durchdacht. „Theorie“, und danach „Praxis“. Also im ersten Teil, was sind die Grundlagen des Manifestierens. Im zweiten Teil geht es dann zu konkreten Themen, wie Geld, Liebe oder Job. Allerdings geht die Klarheit im Laufe der Lektüre immer weiter verloren, sie wird verwässert. Eben aufgrund der bereits erwähnten Geschwätzigkeit.


    Nicht wirklich gut fand ich die Übersetzung. Die australische Originalfassung scheint sich nahe am amerikanischen Englisch zu bewegen, und manche Übertragung ist sehr, sehr flapsig geraten. Das passte hinten und vorne nicht. Wie zum Beispiel „Verschon mich!“ Das sagt man so auf Deutsch einfach nicht! Sehr gestört haben mich die bemüht witzig wirkenden Einwürfe der Autorin – sie verwendet ständig imaginäre „hashtags“. Und auch die ständigen Einschübe in Klammern haben den Lesefluss sehr behindert.


    Ich glaube, ich würde die Autorin als Person nicht besonders mögen. Sie ist mir nicht sympathisch. Das muss zwar nicht immer sein – Michel Houellebecq beispielsweise finde ich als Mensch furchtbar, lese aber seine Bücher gerne. Hier aber verkauft sich eine nicht gerade erwachsen wirkende Australierin als erfolgreich. Und das nervt irgendwann. Und dann diese ständigen Hinweise auf meine Kurse, meine Seminare…


    Ich lande letzten Endes – mit Bauchschmerzen – bei drei Sternen. Weil ich finde, dass man sich aus diesem Buch die „Rosinen“ herauspicken kann. Die eine oder andere nette Idee gibt es durchaus. Zum Beispiel der Unterschied zwischen Glaube und Religion. Die Erklärung vom Unterschied zwischen Seelenverwandtem und Zwillingsflamme. Auch manche der Übungen haben mir gefallen. Aber das Buch als Ganzes…? Definitiv zu unausgegoren. Und wirklich neu eben auch nicht.

    Praktisch, alltagstauglich, lecker


    Das schmale Kochbuch hat es in sich! Auf relativ wenigen Seiten bietet es eine Fülle bunter Anregungen, die leicht nachzukochen sind, nur wenige „gehobene“ Zutaten erfordern, und die auch noch schmecken und satt machen! Man merkt dem Buch auf jeder Seite an, dass seine Autorin Gemüse liebt, und beim Kochen Abwechslung vermitteln möchte.


    Das Buch passt ausgezeichnet in die Ratgeber-Reihe von Gräfe & Unzer. Es ist sehr handlich und klein; die ausklappbaren Innenseiten bieten in konzentrierter Form Grundsätzliches zum Thema „vegetarisches Kochen“. Die Fotografien sind wieder einmal hervorragend! Auch die farblich hervorgehobenen Tipps und „Clous“ sind originell und gut verwertbar.


    Ich finde die inhaltliche Dreiteilung sehr sinnvoll. Das hat mir gut gefallen. Erster Teil: „Für jeden Tag“. Die Zusammenstellung der Rezepte in diesem Abschnitt ist wirklich ausgesprochen praktikabel! Diverse Pasta-Gerichte, Eintöpfe, Gemüsepuffer-Variationen, sowie vegetarische Klassiker wie Kohlrabi-Schnitzel und Blumenkohl in Senfsoße. Hier habe ich schon zwei Gerichte gekocht, und bin begeistert. Grundsolide Sache!


    Zweiter Teil: „Lunch to go“. Das war durchdacht und praktisch. Zunächst natürlich Salate – die aber jeder hinbekommt. Danach erfreulicherweise gleich vier Aufstriche! Dieses Thema wird meiner Meinung nach in Kochbüchern immer vernachlässigt. Aufstriche sind super, und zwar auch für zu Hause, beim Abendessen. Dann gibt es hier noch ein paar ausgefallene „Schmankerl“: Wraps mit Rotkohl, pikante Waffeln, und Gemüse-Muffins, sowie Quinoa-Frikadellen mit Dip. Super! Klassische Themen neu interpretiert! Auch hier ist wieder alles gut machbar, und alltagstauglich.



    Dritter Teil: „Wochenend-Küche“. Hier wird es ein klein wenig luxuriöser. Aber keineswegs teurer oder komplizierter! Ein Gemüse-Curry. Selbstgemachte Gnocchi – gut, hiervor hätte ich Respekt…! Mit Ricotta gefüllte und überbackene Muschelnudeln. Ofengemüse mit grüner (!) Hollandaise. Eine Spinat-Feta-Mandel-Tarte. Dieser Teil besticht für mich durch das „gewisse Etwas“. Wie zum Beispiel die Mandeln im Teig des Spinatkuchens. Oder der Kürbis zu den Gnocchi. Meerrettich und Petersilie in der Hollandaise. Die Autorin zeigt hier ganz deutlich: Gerichte mit „Pfiff“ müssen einen nicht ruinieren…!


    Bei genauerem Nachdenken kann ich kaum einen negativen Punkt an diesem Kochbuch finden. Natürlich ist es kein umfassendes Buch, kein Kompendium. Aber das will es auch gar nicht sein. Es hat bei mir zumindest die Lust am unkomplizierten, aber gesunden und leckeren Kochen neu entfacht. Großartig!

    Fast schon ein Lesebuch


    Ich war vorher mit dem Verlag nymphenburger nicht vertraut; bin aber umso glücklicher, ihn jetzt kennenlernen zu dürfen. Dieses Buch ist das erste aus einem Verlosungs-Paket, welches ich gelesen habe. Das Verlagskonzept, Gestaltung und Inhalt haben mich voll überzeugt! Ich werde mich mit Sicherheit weiter mit den Büchern von nymphenburger, und mit den beiden Autoren dieses Bandes, beschäftigen!


    Geräuchert habe ich selber schon länger, allerdings eher instinktiv und sicher nicht zielgerichtet. Dieses Buch schafft willkommene Abhilfe. Es stellt das Räuchern in einen kulturellen und sozusagen sozialhistorischen Kontext, so dass man das Ritual bewusster gestalten kann. Beide Autoren sind sehr mit „ihrer Sache“ verbunden, dabei aber weltanschaulich neutral. Sie vermitteln ihre Inhalte so, dass sie jeder verstehen und praktizieren kann, in seinem ganz eigenen Rahmen.


    Das Buch besteht aus drei Teilen – der erste und der letzte wurden von Christine Fuchs gestaltet, und der mittlere von Sam Hess. Christine Fuchs ist sozusagen „Räucherfachfrau“, betreibt einen eigenen Versandhandel, und leitet Kurse und Seminare zum Räuchern. Sam Hess führt berufsmäßig Hausräucherungen durch – ich würde ihn als so etwas wie einen „Schamanen“ bezeichnen, als jemanden, der sehr sensitiv mit Energien und Räumen umgehen kann. Er be-reinigt Räume von schadhaften oder auch nur ungeklärten Energien und sogar Wesenheiten.


    Im ersten Teil geht es um Häuser und Wohnräume, und deren Energien. Wie und warum fühlen wir uns in einem Umfeld wohl? Was ist einer guten Atmosphäre zuträglich, was abträglich? Wie passt eine Räucherung da hinein? Was haben die Menschen aus historischer Sicht mit Wohnräumen und Räucherungen verbunden? Was sind die Grenzen dieser Technik?


    Im mittleren Teil erzählt Sam Hess von seiner Arbeit. Das ist spannend und informativ zugleich. Sam Hess geht sehr respektvoll mit seinem Thema um. Das merkt man auf jeder Seite. Etwas zugespitzt, könnte man ihn wohl auch als „Geisterjäger“ bezeichnen. Aber er vermittelt dem Leser vor allem Verständnis. Und er zeigt deutlich auf, dass es mehr als nur Hellsichtigkeit braucht, um in solchen Fällen wirkungsvoll einzugreifen. Er hat jahrelange Erfahrung, und zeigt uns vor allem auch, wie die moderne Zivilisation mit ihrer Unsensibilität zu manchem Dilemma beiträgt. Indem zum Beispiel sinn- und ziellos ge- und be-baut wird. Es ist nun nicht so, dass er „aus dem Nähkästchen“ plaudert. Er verrät insofern keine „Berufsgeheimnisse“. Aber er schildert Schicksale von Gebäuden und Menschen. Am eindrücklichsten ist mir die Geschichte im Gedächtnis geblieben, wo selbst ein Pfarrer in einem alten Haus nicht mehr weiter wusste. Nur Sam Hess konnte helfen. Und der Pfarrer war sozusagen „beleidigt“, dass dem so war…


    Der letzte Teil schließt sich logisch an. Christine Fuchs erläutert in sinnvoller, überblicksartiger, aber dennoch einfühlsamer Form, wie eine Hausräucherung abläuft, ablaufen kann. Sie beschreibt das Ritual, die nötige Vorbereitung, und das Handwerkszeug. Es sind auch ein paar Rezepte für Räuchermischungen enthalten, sowie Hinweise auf Rahmenbedingungen, und persönliche Variationen der Rituale. Der Erfolg einer Hausräucherung hängt nämlich immer auch von der „Stimmigkeit“ für den Ausführenden ab! Ergänzt wird dies durch die ausklappbaren Seiten des Covers, wo man nochmals alle nötigen Infos in Kurzform findet. Sehr schön gestaltet!!


    Insgesamt bin ich durch und durch begeistert von diesem Buch. Es ist vor allem liebevoll und hochwertig hergestellt. Sehr edles, glänzendes Papier, wundervolle und stimmige Fotografien. Man kann es sich beinahe auch als Bilderbuch anschauen… Die inneren Coverseiten sind, wie erwähnt, ein zusätzliches „Schmankerl“. Auch das ausführliche Register, sowie die kleine Bibliographie, haben mir sehr gut gefallen.


    Das Buch ist so schön geschrieben, dass ich es auch als „Lesebuch“ immer wieder zur Hand nehmen würde, vor allem den mittleren Teil von Sam Hess. Das ist schon fast Spannungslektüre – aber auf sehr hohem Niveau! Ich finde, dieses Buch holt das Räuchern aus der „spinnerten Eso-Ecke“ definitiv heraus. Und es hat mir wirklich sehr viele nützliche Tipps gegeben. Ich kann es nur empfehlen.

    Für mich zu unausgegoren



    Ich hadere nach wie vor mit Arno Strobel. Als Mensch und Autor ist er unbedingt sympathisch. Auch verstehe ich durchaus, dass seine Bücher für manche Menschen ausgesprochen lesbar sind. Aber ich kann nicht anders, ich muss jedes Werk auch einzeln, als der Leser, der ich nun mal bin, beurteilen. Und als solches kann auch „Offline“ bei mir leider nicht gerade gut abschneiden.


    Ich habe es schnell gelesen, das ja. Es stellte sich ein gewisser flüssiger Lese-Effekt ein. Aber ich vergleiche das für mich gerne mit einer Tüte Chips. Die esse ich auch in einem Rutsch leer, ohne jetzt sagen zu wollen, das sei ein gehaltvolles Mahl gewesen. Arno Strobel liest sich gut. Okay. Aber ich sehe auch klaren Auges manche Mängel.


    Die Grundidee, laut Klappentext, fand ich gut. Eine Gruppe von Menschen, die ein paar Tage lang offline sind, und dann – ausgerechnet – in einem eingeschneiten Hotel in eine lebensbedrohliche Notlage geraten. Als ich dann jedoch immer weiter las, wurde die Idee immer weniger originell. Für mich gibt es da einfach viel zu viele Parallelen zu „Shining“ von Stephen King, sowie „Zehn kleine Negerlein“ von Agatha Christie. Also bitte! Ein Verdächtiger wird auch noch in einem Kühlraum eingesperrt! Und rätselhafterweise von „irgendjemandem“ wieder freigelassen! Da hörte es dann auf für mich mit der Toleranz. Das war nicht nur eine Anleihe, das war eine Kopie!


    Zweitens fand ich es schade, dass die Idee des „Offline-Seins“ im weiteren Verlauf gar keine große Rolle mehr spielt. Ich hätte mir hier mehr psychologische Erkundung erhofft. Wie technisierte Menschen auf den Daten-Entzug reagieren. Doch im Buch geht es eigentlich nur um die Tätersuche, und die gegenseitigen Verdächtigungen.


    Und so leid es mir tut, Arno Strobel ist einfach kein guter Psychologe. Und er schreibt Dialoge, bei denen es mich einfach nur graust! Im letzten Drittel war ich manchmal kurz davor, das Buch abzubrechen. Ohne zu spoilern, kann ich leider nicht erklären, warum ich die Psychologie, gerade des Täters, mangelhaft fand. Man kann nicht einerseits derart geistig geschädigt sein, andererseits einen solchen Plan durchziehen… sorry, no way. Und auch hätte der Täter längst erkannt werden müssen von jemandem…


    Leidlich gut fand ich hingegen den Spannungsbogen. Der Prolog wirft etliche Fragen auf. Und eine gewisse Spannung entsteht im Verlauf, wenn wir innere Monologe eines schwer verletzten Opfers lesen, und seine Versuche, mit den anderen zu kommunizieren, verfolgen.


    Wer letztlich der Täter war… hm, ich hatte es ungefähr erraten. Das ist eben die Frage der Psychologie. Es waren Hinweise – zahlreich – gestreut worden, und wenn man dann eins und eins zusammenzählte, war das keine große Überraschung. Erzählt wurde es allerdings ungeschickt. Auf den letzten paar Seiten wurde das Ruder herumgerissen. Das war für mich zu plötzlich.


    Ich lande letztendlich bei zwei Sternen. Drei hätten es ohne Weiteres werden können, wären die Sprache und vor allem die Dialoge besser. Das war mir aber definitiv zu hölzern. Fazit: nur was für Strobel-Fans.