Beiträge von Naraya

    Victoria zieht demnächst bei mir ein.

    Da bin ich auch Deine Meinung gespannt - ich bin ja an sich nicht übermäßig historisch interessiert, aber die Leseprobe hat mir sehr zugesagt. (Ich muss auch noch nach meinen Mails sehen, ob ich gewonnen habe....)

    Ich melde mich zurzeit auch nicht wirklich regelmäßig, tut mir leid. Aber auf der Arbeit ist gerade alles so extrem frustig, dass ich mich abends nicht mehr groß aufraffen kann, viel zu schreiben. Ich zähle jetzt schon die Tage bis zu meinem Urlaub Mitte Oktober...


    Lesetechnisch ist bei mir aktuell wieder ein Christie dran, dieses Mal "The Seven Dials Mystery".

    Diese Woche ist bei den neuen Leseproben so gar nichts für mich dabei. Dafür fand ich die Queen und die Krähe letzte Woche ganz spannend.

    Es ist eine bedrückende Geschichte, die Delphine de Vigan in "Loyalitäten" erzählt. Der Titel ist dabei durchaus themengebend, denn im Prinzip kreist die gesamte, aus vier Perspektiven erzählte Handlung um dieses eine Wort. Da ist zunächst der 12-jährige Théo, eigentlich der Protagonist des Romans. Trotz seines jungen Alters hat er schon viel mitgemacht. Die Trennung seiner Eltern stürzt ihn in eine tiefe Zerissenheit, die er mit Alkohol zu füllen sucht. Befindet er sich in der Obhut der Mutter, ist der Vater allein und niemand kümmert sich um ihn. Lebt er beim Vater, ist die Mutter einsam und verletzt - ein wöchentlich wechselndes Spiel, das der Junge nur verlieren kann. Denn wie soll er sich da auf eine Seite schlagen?

    Seine Lehrerin Helena wurde in ihrer Kindheit vom Vater misshandelt und hat daher umso feinere Antennen für das Leid ihrer Schüler. Théo möchte sie unbedingt vor dem drohenden Absturz bewahren, ihn beschützen - doch niemand will ihr so recht zuhören. Denn an sich hat der Junge ja keine schlechten Noten und zum Unterricht erscheint er ebenfalls regelmäßig. Kollegen und Schulleitung scheint das zu genügen, eine Tatsache, die Helena gleichermaßen fassungslos und wütend macht.

    Mathis sieht der Veränderung seines besten Freundes Théo hilflos zu. Wie kann er ihm helfen, ohne ihn an die Erwachsenen zu verraten? Aber inzwischen hat Mathis schon selbst keine Lust mehr auf das ständige Sich-Betrinken. Auch seine Mutter Cécile ist bereits stutzig geworden und beginnt, ihn auszufragen. Dabei steht diese plötzlich vor den Scherben ihrer Ehe und muss sich selbst neu definieren. Wie soll sie gleichzeitig ihren Sohn retten, wenn dessen Vater immer nur lapidar verkündet, sie übertreibe doch. Und will sie tatsächlich zu solch einem Mann noch länger loyal sein?

    Die Autorin zeichnet ein düsteres Bild in ihrem Roman. Eigentlich gibt es keine Hauptperson, die ein normales, glückliches Leben führt. Die Erwachsenen sind ausnahmslos unglücklich oder unzufrieden und tragen mehr oder minder große Geheimnisse mit sich herum. Mittendrin die beiden 12-Jährigen, die nicht wissen, wie sie mit all dem umgehen sollen. Man muss sich bei der Lektüre immer wieder vor Augen halten, wie jung diese zwei sind und wie erschreckend es ist, dass sich Kinder schon in diesem Alter in den Alkohol flüchten. Doch von wem sollen sie denn auch den richtigen Umgang mit Problemen lernen, wenn nicht einmal die eigenen Eltern ihnen das vorleben können?

    Und so kämpft Helena einen aussichtslosen Kampf. Einen Kampf gegen Kollegen, die es lieben, ihre Schüler zu demütigen. Gegen den Schulleiter, der sich bloß nicht zu weit aus dem Fenster lehnen will. Und gegen Eltern, die nicht wahrhaben wollen, dass ihre Söhne ihretwegen leiden. Es sind zahlreiche Themen, die in dieser Geschichte zur Sprache kommen: Gewalt, Missbrauch, Scheidung, Alkoholsucht, Arbeitslosigkeit, Ehebruch usw. Der Schreibstil ist durch die wechselnden Perspektiven sehr sprunghaft und doch immer nah an den Charakteren. Die beiden Frauen erzählen emotionaler und aus der Ich-Perspektive, die beiden Jungen schmuckloser und aus der Er-Perspektive.

    Unaufhörlich steuert die Handlung auf die unvermeidliche Katastrophe zu. Bei jeder umgeblätterten Seite bereitet man sich als Leser auf das Schlimmste vor - und doch lässt einen das Ende schließlich mit gemischten Gefühlen zurück. Ich nehme an, Delphine de Vigan wollte gerade diesen Effekt erzeugen, dennoch hätte ich mir für die Geschichte einen anderen Schluss gewünscht. Aber wie in der Handlung selbst bekommt man im Leben eben nicht immer das, was man möchte.

    Fazit: Ein bewegender Roman mit einem unbefriedigenden Ende :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    So, dann will ich mal mein Glück versuchen und einen Tauschthread ins Leben rufen. Ich dachte, wir könnten vielleicht hier unsere Bücher tauschen, die wir zum Beispiel von Vorablesen oder direkt von den Verlagen erhalten haben. (Und die wir dann natürlich nicht weiterverkaufen, weil wir brave BTler sind. :wink:)


    Mein Angebot

    - Das rote Adressbuch / Sofia Lundberg

    - Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte / Rachel Khong

    - Loyalitäten / Delphine de Vigan

    - Ein Winter in Paris / Jean-Philippe Blondel (muss ich erst noch lesen und rezensieren)


    Hat jemand Interesse? Oder möchte sein eigenes Angebot posten?

    Nur ein Jahr, das nimmt sich Ruth vor. Nur ein Jahr will sie nach der Trennung von ihrem langjährigen Verlobten Joel wieder zuhause bei den Eltern einziehen. Bei ihren Mutter Annie und ihrem Vater Howard, der an Alzheimer leidet. Es wird ein schwieriges Jahr für Ruth werden, mit all den Höhen und Tiefen, die man als Angehöriger bei so einer heimtückischen Krankheit durchleben muss.

    Es ist eine Geschichte über einen Familienalltag, der sich zunehmend ändert. Von ärztlichen Untersuchungen oder Krankenhausaufenthalten ist hier nur wenig die Rede. Die Autorin schildert nur nebenbei, was Alzheimer medizinisch für einen Menschen bedeutet; es geht in "Das Jahr, in dem Dad ein Steak bügelte" eher um das ganz Private. Um die Erinnerungen, die nach und nach verschwinden, die bösen Worte, die man sich an den Kopf wirft, die verzweifelten Versuche, die man unternimmt, um einen Prozess aufzuhalten, der sich nun mal nicht aufhalten lässt.

    Rachel Khong schreibt sehr nah am Geschehen, dennoch wirken die Worte zum Teil recht distanziert. So als wäre es ein anderer Vater, der all das erlebt, nicht der Vater der Protagonistin selbst. Überhaupt ist das Verhältnis der beiden kompliziert geworden. Während der jüngere Bruder den Vater in all seiner Schwäche erlebt hat, der Alkoholsucht und der Affäre mit einer anderen Frau, war Ruth zu diesem Zeitpunkt schon von zuhause ausgezogen. Was das alles mit der Familie angestellt hat, darüber hat sie sich bisher kaum Gedanken gemacht. Nun, wieder in ihrem Elternhaus, ist sie gezwungen, sich all dem zu stellen. Besonders für Mutter und Bruder ist die Situation jedoch beinahe unerträglich: wie kann man jemandem seine Verfehlungen nachtragen, der sich nicht einmal mehr daran erinnern kann?

    Es ist interessant zu sehen, wie sich der Sprachstil der Handlung nach und nach verändert. Howard hatte stets Tagebuch geführt, als Ruth noch klein war. Liebevoll, aber in Stenografieform hielt er fest, was er mit seiner Tochter erlebt hat: die kleinen Situationen, in denen er ihr die Welt erklärte, die Momente, in denen sie ihn zum Lachen oder zum Nachdenken brachte. Und vor allem die Augenblicke, in denen ihm bewusst war, dass seine Kleine ihn irgendwann verlassen wird. Am Ende ist es Ruth, die auf dieselbe Art und Weise das Leben ihres Vaters dokumentieren wird, mit all den Rückschritten und all den lichten Momenten. Es ist, als hätten beide die Rollen getauscht, sowohl was die Handlung als auch, was die Sprache betrifft.

    Obwohl der Roman nicht im Detail auf die Krankheit Alzheimer eingeht und obwohl hier viel Alltägliches beschrieben wird, hat er mich dennoch berührt. Denn der Autorin gelingt es einzufangen, wie sich das Leben aller Beteiligten ändert - und zwar nicht nur das des Erkrankten, sondern gerade das eines gesamten Umfeldes. Wenn Howards Studenten ein ganzes Seminar für ihn erfinden, nur damit ihr Professor das Gefühl hat, weiterhin nützlich zu sein und unterrichten zu dürfen, dann geht das schon sehr ans Herz. Dafür kann ich der Handlung auch verzeihen, dass sie im Prinzip nur einen Ausschnitt der ganzen Geschichte zeigt.

    Fazit: Ein Roman ohne große Vorkommnisse, dafür aber mit Herz :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Da könnt Ihr natürlich einen Tausch-Thread für Eure Bücher eröffnen

    Jeder einen einzelnen oder können wir auch einen Sammelthread "Rezensionsexemplare - Tausch" oder so machen? (Und den Bereich kannte ich tatsächlich schon.:loool:)

    Och, ich bin grundsätzlich an allem interessiert. Ob wir das dann hier im Thread einstellen sollen? Oder gibt es einen Tauschthread? (Oder dürfen wir einen eröffnen?) Vielleicht kann uns Squirrel da weiterhelfen? O:-)

    Allerdings gibt es auch im VA-Forum schon einen Buchtauschthread.

    Ja, den kenne ich und habe ihn auch schon genutzt. Nur "kenne" ich hier die Leute schon länger und zum Teil auch besser - warum dann nicht auch hier nachfragen. Und auf Vorablesen sind oft nur gewisse Renner gefragt beim Tausch, das könnte hier ja anders sein.

    Doris ist 96 Jahre alt und so langsam macht ihr Körper nicht mehr mit. Inzwischen muss sich ein Pflegedienst täglich um sie kümmern; ihre einzige Verwandte - Großnichte Jenny - lebt weit weg in den Vereinigten Staaten. Und so kommt es, dass Doris Gedanken immer wieder in die Vergangenheit reisen. Zu ihrer Kindheit in Schweden, der aufregenden Zeit als Model in Paris, dem furchterregenden zweiten Weltkrieg, der Flucht in die USA und schließlich der Rückkehr in die Heimat. Entlang hangelt sich Doris dabei an ihrem roten Adressbuch, ein Geschenk ihres Vaters. Doch ist beinahe jeder Namenseintrag schon mit der Anmerkung "tot" versehen, so dass die alte Dame dringend ihre Lebensgeschichte für Jenny aufschreiben will.

    Diese Lebensgeschichte ist es, die Sofia Lundberg hier rückblickend erzählt. Protagonistin Doris ist eine weit gereiste, kluge Frau; umso trauriger macht es einen als Leser, wie sehr sie körperlich bereits verfallen ist und wie sehr dieser Körper sie an ihre Wohnung, ihr Bett, ja ihr ganzes neues Leben fesselt. Sprachlich und emotional bleibt die Handlung immer ganz nah bei den Charakteren. Durch die wechselnden Zeitebenen ist die Geschichte historischer, Familien- und Liebesroman zugleich, aber auch ernstere Themen wie Armut, ungewollte Schwangerschaft, Homosexualität oder Ausbeutung werden angesprochen.

    Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist gut gelungen und durch Jenny als Nebencharakter können wir auch einen Blick auf eine andere Doris werfen. Eine Frau, die bereit ist, ihre eigenen Träume zurückzustellen, um für andere da zu sein. Doris, der Familienmensch. Doris, die gute Freundin. Am Ende war sie mir wirklich sehr ans Herz gewachsen - hier hat die Autorin wirklich gute Arbeit geleistet.

    Fazit: Ein emotionaler Roman, der ein ganzes Leben umspannt :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Schon ziemlich frech; statt sich des Problems, von dem sie durch das Forum ja anscheinend wissen, anzunehmen und dafür Lösungen zu finden - oder einfach auf Rezis bei Amazon zu verzichten - animieren sie ihre Nutzer dazu, speziell dort zu rezensieren.

    Ich finde ja auch die Punktevergabe generell ein wenig befremdlich. Allein, dass man für die Rezension so viele Punkte bekommt wie für die Verlinkung. Und für die Verlinkung auf Amazon noch mehr. Vor ein paar Tagen wurde ich noch zusätzlich angeschrieben und sollte meine Rezension zu "Loyalitäten" in 2 Sätze packen. Das gibt 200 Punkte extra, doppelt so viel wie meine lange Rezension. Das versteh doch, wer will.

    Für mich ist diese Woche leider gar nichts dabei.

    Mich interessiert "Das Geheimnis der Gays" und generell schaue ich mir immer alle Leseproben an. Oft entdecke ich was, was mich vom Titel oder Cover her erstmal gar nicht interessiert hätte.


    Noch eine Frage: was macht ihr denn mit euren Vorablesen-Exemplaren? Alle behalten? Besteht sonst Interesse, das wir die hier tauschen?

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