Die Ergebnisse der Leserlieblinge-Wahl im BücherTreff

Beiträge von Magdalena

    93. Welches Buch möchtest du als nächstes lesen

    Eigentlich lese ich die Serie immer im Urlaub, aber da der Kurzurlaub nach Ostern jetzt ausfällt, lese ich das Buch halt zu Hause.

    Bei Änderungen, in denen ich Sinn sehe, habe ich mich angepasst, z.B. "dass" statt "daß", andere Wörter schreibe ich erbarmungslos weiter so, wie es mir zusagt (Känguruh - ohne h ist es scheußlich!, ebenso Joghurt).

    Heute sind wir wohl komplett auf einer Wellenlänge :lol:

    92. Ein Buch, das du zurzeit liest


    Bei mir gibt's gerade was für Kassettenkinder :lol:


    Brianna80: oh wie hübsch - irgendwann muss ich auch mal wieder ein bisschen Lindgren lesen.

    Das ist wohl der traurigen Aktualität geschuldet. :-?

    Brrrr ... ich hätte jetzt überhaupt keine Lust, ein Seuchenbuch zu lesen. Mir reicht schon die aktuelle Corona-Berichterstattung. Aber das scheint ziemlich vielen Leuten anders zu gehen ;)

    91. Welcher Charakter war dir diesen Monat am unsympathischsten

    Das war Mark, der Vielleicht-Ehemann der Protagonistin. So ein selbstgefälliger Idiot, der seine Frau unterdrückt und es nicht verknusen kann, dass sie einen besseren Abschluss gemacht hat als er.

    forensischer Taphonom

    Was ist denn ein Taphonom?

    Ernest. :friends: Musste jetzt die ganze Zeit überlegen, was an dem Namen so seltsam wirkt. :wink:

    The importance of being E(a)rnest ... :lol:

    Dominic war in seinem Leben schon auf mehr Hochzeiten, als er zählen kann, denn er verdient seine Brötchen als Hochzeitsfotograf und hat wohl schon so ziemlich alles gesehen, was man auf solchen Feierlichkeiten mitkriegen kann, mit der einen oder anderen Brautjungfer geknutscht und sich dabei eine ziemlich zynische Einstellung zu Hochzeiten und zu den sich wandelnden Zeiten zugelegt.


    Fotografiert hat er schon seit früher Jugend gerne und sogar die Hochzeit seiner zehn Jahre älteren Schwester Victoria gerettet, als die Kamera des Hochzeitsfotografen ein paar übermütigen Gästen zum Opfer fiel und er mit seiner kleinen Box einige wenige erfrischend ungestellt Aufnahmen knipste. Und das, obwohl er sich nicht besonders gefreut hat, dass seine geliebte Victoria einen großspurigen Cricketstar heiratet und mit ihm zukünftig ein mondänes Jetset-Leben rund um den Globus führt.


    Victoria ist für Dominic immer die Frau gewesen, an der sich alle anderen messen lassen mussten. Selbst als er Lauren kennenlernt und heiratet, ist das Beziehungsglück von kurzer Dauer, mit Ankunft von Töchterchen Elizabeth, einem Schreikind, geht es rapide bergab mit der Ehe, und Dominics Leben gerät immer mehr aus den Fugen, vor allem, nachdem bei seinem Vater eine frühe Demenz einsetzt und eine fatale Begegnung auch noch sein Verhältnis zu Victoria belastet.


    Das klingt alles ziemlich niederschmetternd, und Dominic hat tatsächlich in seinem Leben nicht sehr viel Grund zur Freude, aber das Buch liest sich bei aller Tragik und allen Problemen nicht deprimierend, was wohl hauptsächlich an Dominics häufig selbstironischem Erzähltonfall und treffend-bissigen Beschreibungen liegt und daran, dass Mark Watson bei allem vordergründigem Zynismus viel Einfühlungsvermögen an den Tag legt.


    Die Charaktere mögen ein wenig überzeichnet sein, vor allem Dominics ätzender Bruder Max, aber nicht so stark, dass es nervt, und die Geschichte der zunächst recht normal bis bieder wirkenden Familie Kitchen erweist sich als vielschichtiger, als es anfangs scheint, so dass mit diesem Entwicklungs- und Familienroman für unterhaltsame und auch durchaus spannende Lektüre gesorgt ist.


    Der Titel "Überlebensgroß" gefällt mir ausnahmsweise tatsächlich besser als der Originaltitel "The Knot" (wobei dessen Mehrdeutigkeit im Englischen auch durchaus passend ist). Dominic empfindet die selbstbewusste Victoria immer als "überlebensgroß" und sich selbst im Vergleich dazu als unbedeutend und langweilig, bis er irgendwann begreift, dass auch er im nötigen Moment über sich selbst hinauszuwachsen imstande ist.

    Die Bretagne - das ist nicht nur das Land am wilden Meer mit gefährlichen Steilküsten voller Leuchttürme, sondern auch sagenumwobene Wälder, in denen schon König Artus und seine Gefährten unterwegs gewesen sein sollen, geschichtsträchtige Städte, eine reichhaltige Legendenwelt zwischen keltischen Mythen und 7.777 Heiligen für alle Gelegenheiten und natürlich kulinarische Genüsse von Meeresfrüchten bis Cidre und Crêpes.


    In diesem kleinen Büchlein nimmt uns die Autorin mit auf eine Rundreise durch diese urtümliche und zauberhafte Gegend und widmet ihren vielen Besonderheiten kurze Kapitel über persönliche Erlebnisse, geschichtliche Fakten, Sehenswürdigkeiten und schrullige Besonderheiten. Für Bretagne-Neulinge sind das schöne Appetithäppchen, während eingefleischte Bretagneliebhaber nicht allzu viel Neues erfahren werden, aber ein "Wiederlesen" mit bekannten und liebgewonnenen Orten, Geschichten, Speisen oder historischen Persönlichkeiten macht natürlich trotzdem Freude.


    Ein bisschen schade ist nur, dass es im Buch keine Bilder gibt, aber da hilft gegebenenfalls das Internet.


    Nur eines fand ich doof: dass die Autorin ständig behauptet, das Finistère sei die "Südwestbretagne", wo ein Blick auf die Landkarte ziemlich deutlich zeigt, dass es sich dabei um den Nordwesten handelt. Das Département im Südwesten der Bretagne heißt Morbihan.

    tom leo :winken:

    Du erinnerst dich ganz richtig, und das ist auch das was mich so beunruhigt hat. Denn ich bin überzeugt davon, dass man beim guten Willen anders mit der Situation verfahren könnte. Es gibt Möglichkeiten und Wege...


    Eben habe ich den Trailer der Verfilmung entdeckt: hier. Was ich gesehen habe, gefällt mir. Seit "Was vom Tage übrig bleibt" gehört Emma Thompson sowieso zu meinen Lieblingsschauspielerinnen.

    Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm, klingt aber klasse. Hat jemand den Film inzwischen gesehen?

    Richterin Fiona Maye steht an einem Tiefpunkt ihres Lebens - sie hat gerade herausgefunden, dass ihr Mann Jack, mit dem sie jahrzehntelang eine glückliche und erfüllte Ehe geführt hat, plötzlich fremdgeht und weiß gar nicht, ob sie verärgert, gekränkt oder enttäuscht ist oder alles auf einmal.


    Dabei hatte es gar nichts mit ihrer Beziehung zu tun, dass sie in den letzten Wochen so in sich gekehrt und Zärtlichkeiten eher abgeneigt war, vielmehr war es ein besonders belastender und große Medienaufmerksamkeit erregender Fall, den sie am Familiengericht zu verhandeln hatte, der sie auch außerhalb der Arbeit nicht mehr losgelassen hat. Und nun landet die nächste harte Nuss auf ihrem Tisch: ein Siebzehnjähriger mit einer Krebserkrankung verweigert aus religiösen Gründen die Bluttransfusionen, die seine einzige Chance aufs Überleben darstellen, nachdem alle anderen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.


    Fiona ist hin- und hergerissen, wie der Fall zu beurteilen ist. Handelt es sich um Gehirnwäsche durch die Sekte, der Adams Familie angehört, oder ist er, der nur wenige Monate von der Volljährigkeit entfernt ist, sich der ganzen Tragweite seiner Entscheidung wirklich bewusst? Da Adam zu krank ist, um persönlich vor Gericht zu erscheinen, beschließt Fiona, ihn unüblicherweise im Krankenhaus zu besuchen, und setzt damit eine Kette von Ereignissen in Bewegung, die sie selbst nicht erwartet hätte.


    Nach dem in meinen Augen eher schwachen "Honig" läuft McEwan hier endlich wieder zu alter Form auf und bringt auf relativ wenigen Seiten (im Original nur gut 200) eine gleichermaßen mitreißende wie äußerst nachdenklich machende Geschichte über sehr lebensecht gezeichnete Charaktere in Ausnahmesituationen zu Papier, die sich so spannend liest wie ein Justizthriller, mit zwischenmenschlicher Dramatik berührt und überrascht und ohne zu werten moralisch-ethische Fragen aufwirft, über die man stundenlang diskutieren könnte. Da ist kein Wort zu viel und keines zu wenig und die Fäden sind am Ende sauber verknüpft, auch wenn lang nicht alle Fragen beantwortet werden.


    Hochinteressant fand ich neben der Haupthandlung auch die Einblicke in Fionas Arbeitsalltag in den altehrwürdigen Hallen des Londoner Gerichts, und ich mochte die große Rolle, die die Musik als Gegengewicht zur faktenbasierten Welt der Jusitz einnimmt. Gelungen dargestellt ist auch die intellektuelle und vielleicht sogar ein wenig elitäre Lebenswirklichkeit von Fiona und Jack, die oft einen starken Kontrast zu den Lebenumständen der Menschen bildet, deren Schicksale Fiona von ihrer Richterbank aus verhandelt.


    Dies ist eines der Bücher, die einen noch lange nach dem Lesen nicht loslassen und trotz geringen Umfangs sehr viel vermitteln können. Es darf sich getrost in die Reihe meiner Lieblinge von McEwan einreihen.

    (Es scheint leider keine deutsche Übersetzung zu geben.)


    Patricia Cowan ist fast neunzig Jahre alt und spürt, dass sie immer stärker in die Fänge der Demenz abgleitet. Doch eines weiß sie noch ganz genau: es gab einen Punkt in ihrem Leben, an dem sich ihr Lebensweg zweigeteilt hat. In einem dieser beiden Leben hat sie Marks Heiratsantrag angenommen, im anderen hat sie nein gesagt und somit die Weichen für zwei ganz unterschiedliche Verläufe gestellt.


    Einmal ist sie Trish, Mutter von vier Kindern, in einer unglücklichen Ehe mit einem Mann gefangen, der sich ein braves Hausmütterchen gewünscht hat und sich selbst für das Maß aller Dinge hält, und es dauert sehr lange, bis sie begreift, dass sie sich aus diesem Käfig von falschen Erwartungen und begrabenen Träumen durchaus befreien kann.


    Im anderen Leben ist sie Pat, die Gefallen am Reisen findet, gefragte Reiseführerautorin und Italien-Expertin wird, sich ihrer Leidenschaft für die schönen Künste widmet und in einer erfüllten Liebesbeziehung lebt, wenngleich die politische Weltlage eher düster und bedrohlich aussieht und die Auswirkungen dieser Gesamtsituation auch vor ihrem persönlichen Leben nicht haltmachen.


    Eine Alternate History etwas anderer Art - hier stehen nicht weltpolitische Scheidewege im Mittelpunkt, sondern das Leben einer Frau wie du und ich, die als schüchterne Studentin geschmeichelt von den Avancen eines Kommilitonen ist, der auf das objektive Beobachterauge der Leser*innen schon von Anfang an etwas suspekt wirkt und dessen Heiratsantrag zum Dreh- und Angelpunkt für Patricias weiteres Leben wird.


    Man hat sich selbst sicher auch schon einmal gefragt, wie es wohl weitergegangen wäre, wenn man eine bestimmte Entscheidung anders getroffen hätte. Diesen Gedanken spinnt Jo Walton hier konsequent zu Ende und stellt nicht nur zwei ganz verschiedene Lebensentwürfe gegenüber, sondern auch zwei sich völlig unterschiedlich entwickelnde Welten, was mich ziemlich fasziniert hat. Die Frage, welches dieser Leben das bessere, glücklichere oder gelungere war, mag jede*r Leser*in am Ende selbst beurteilen (oder auch nicht). Klar ist letztendlich nur eins: "Irgendwas is' immer". Wenn man sich eine Botschaft aus dem Roman mitnehmen möchte, dann wohl diese: das hundertprozentige Glück gibt es nicht, aber es lohnt sich, auf seine innere Stimme zu hören, für seine Leidenschaften einzustehen und notfalls auch dafür zu kämpfen.

    89. Ein Buch, in dem ein Brief bzw. Briefe eine wichtige Rolle spielen

    Ich musste erst mal ein bisschen überlegen, weil alles, was ich im Kopf hatte, inklusive des Bonhoeffer-Buches, das Farast genannt hat, schon da war ... aber dann fiel mir dieses schöne Buch aus der Zeit des 2. Weltkriegs ein, das mir sehr gut gefallen hat (unter anderem, weil es gut recherchiert ist, die Autorin bedankt sich sogar bei ein oder zwei Mitgliedern der Easy Company, bekannt aus "Band of Brothers").

    Immer noch mein Lieblingsbuch von Herbert Rosendorfer

    Jaaa! Der "An-tsu" ist in unseren Familienwortschatz eingegangen :lol:

    88. Ein Buch, das Du als Kind heimlich gelesen hast (obwohl Dir gesagt wurde, Du seist noch zu jung dafür)


    Das hier habe ich mit 11 aus dem Erwachsenenbücherschrank gemopst und heimlich abends im Bett gelesen. Ich meine mich allerdings zu erinnern, dass es keine heißen Szenen gab :lol:


    Wirklich "verboten" war es nicht, ich hatte allerdings das Gefühl, dass meine Eltern wohl dächten, ich sei dafür noch zu jung, wenn sie wüssten, dass ich es lese. Ich war auch immer ziemlich frei in meiner Lektüre, habe aber auch später als Teenager Nackenbeißercover oder potentiell zu Nachfragen führende Titel lieber versteckt :D

    1912 kommt ein junger Ingenieur auf eine kleine wellenumtoste Insel vor der bretonischen Küste. Sein Auftrag: auf einem nackten Felsen, den die Ebbe nur bei Springtiden freigibt, einen Leuchtturm zu errichten, um die Seeleute in diesem gefahrvollen Gebiet zu schützen.


    Sein Tatendrang ist schnell gebremst, als er bei den Einheimischen auf wenig Gegenliebe stößt und sein erster Versuch, Arbeiter zu rekrutieren, auf taube Ohren stößt. Auch, als er endlich Mitstreiter gefunden hat, macht es ihm die Natur nicht einfach, und nach einem heftigen Sturm muss er noch einmal ganz von vorne anfangen. Ganz zu schweigen davon, dass seine zaghafte Annäherung an die Inselbewohner stets am seidenen Faden hängt.


    Die Dramatik des nahezu unmöglichen Unterfangens, unter widrigen Umständen einen Leuchtturm mitten ins Meer zu bauen, fängt Le Floc'h sehr gut ein, oft braucht es wenig bis gar keine Worte und die Bilder sprechen für sich, wenn etwa der Ingenieur und seine Männer das erste Mal versuchen, überhaupt an dem Felsrücken anzulegen, der später den Leuchtturm tragen soll, und es fällt nicht schwer, sich mitzufreuen, wenn es kleine Erfolge zu verzeichnen gibt, auch wenn der Ingenieur nicht immer durchweg sympathisch rüberkommt.


    Die Zeichnungen gefielen mir allerdings nur so mittelprächtig. Die Landschaft und die typischen Charakteristika des Inseldörfchens sind schön getroffen, die Gesichter der Personen waren mir jedoch zu ausdruckslos und austauschbar. Man muss manchmal schon recht genau hinsehen, um die Figuren nicht zu verwechseln, da hätte ich mir ein bisschen mehr Individualität gewünscht.

    (Leider wurde die Serie ab diesem Band nicht mehr ins Deutsche übersetzt.)


    Nachdem Michael als Co-Star einer trashigen Fantasyserie seinen Durchbruch im Fernsehen geschafft hat, darf ihn Meg zu einer Fan-Convention begleiten, wo sie einen Merchandise-Stand mit selbstgeschmiedeten Schwertern betreut, um nicht bloß als Michaels Anhängsel vor Ort zu sein. Man hat sich schwer ins Zeug gelegt, das ganze verwinkelte Hotel wurde in einen riesigen Dschungel verwandelt, lebendige Papageien und Affen eingeschlossen, massenweise kostümierte Fans sind da und es geht erwartungsgemäß hoch her.


    Nicht zu erwarten war, dass es nicht an ihrer üblichen Launenhaftigkeit liegt, als die Schauspielerin, die die Hauptrolle der Dschungelkönigin Porfiria spielt, nicht mehr aus ihrem Zimmer hervorkommen will. Tamerlaine Wynncliffe-Jones, auch gerne "Queen Bee" oder kurz "QB" genannt, ist tot, und ausgerechnet Meg findet ihre Leiche.


    Schon wieder unversehens in einen seltsamen Todesfall hineingestolpert, beginnt sie ihre Fühler auszustrecken, was gar nicht so einfach ist, denn wirklich gemocht zu haben scheint die selbstgefällige, herrische QB keiner - aber ist das Grund genug, sie einfach um die Ecke zu bringen?


    Mit ihrem üblichen Gespür für schräge Szenen, die gerade noch diesseits des albernen Klamauks angesiedelt sind, schillernde Figuren und ein paar nette Running Gags sorgt Donna Andrews auch im fünften Krimi mit Meg Langslow in der Hauptrolle für witzige Unterhaltung und herrliches Kopfkino, ohne dabei die Krimihandlung zu sehr ins Hintertreffen geraten zu lassen. Diesmal kamen mir allerdings Michael und Megs chaotische Familie etwas zu kurz, die Auftritte des Vaters waren ein bisschen flach manchmal. Das gibt leichte Abzüge in der B-Note.


    Aber trotzdem ein sehr unterhaltsamer Krimi, der hält, was der Titel verspricht: an Papageien herrscht kein Mangel und an anderen komischen Vögeln ebensowenig.

    Schon als Kind ist Teddy so naturverbunden wie vernarrt in Sprache und Literatur und bleibt diesen Vorlieben auch als erwachsener Mann ebenso treu wie den Werten, an die er glaubt wie Integrität, Sparsamkeit und harte Arbeit. Doch was sein langes Leben am stärksten prägen wird, ist seine Zeit als Bomberpilot im Zweiten Weltkrieg, eine Tätigkeit, die so gar nicht zu dem stillen Mann zu passen scheint, der lieber Vögel beobachtet als auf die Jagd geht und sich nicht gerne in den Vordergrund spielt.


    Seine Ehe mit Nancy, der Nachbarstochter seiner Kindheit, endet leider mit deren frühem Tod, zu seiner zunächst nur unkonventionell-freigeistigen und später ganz schön verbissenen und arroganten Tochter Viola hat er nie ein enges Verhältnis aufzubauen vermocht, weder zu ihrer Zeit als Hippiebraut noch später, als sie Karriere als Schriftstellerin macht (was schon an Ironie grenzt, weil er es nie geschafft hat, ihr seine Leidenschaft für Poesie und Sprache zu vermitteln). Zu seiner Enkelin wiederum knüpft er eine tiefe Verbindung, fast ist sie ihm die Tochter, die er so nie hatte.


    Zusammengefasst wirkt die Handlung dieses Romans gar nicht sonderlich aufsehenerregend, aber Kate Atkinson macht Teddys Lebensgeschichte lesenswert, indem sie sie nicht chronologisch linear erzählt, sondern langsam ein Puzzleteil nach dem anderen aus verschiedenen Zeitebenen vor den Lesern auslegt, bis sich alles zu einem großen Ganzen zusammenfügt und man manches neu bewerten muss und anderes plötzlich zu verstehen beginnt. Sie erzählt dabei nicht nur aus Teddys Perspektive, sondern schlüpft auch mit großem Einfühlungsvermögen in die Rollen von Viola, Nancy und seiner Enkelin Bertie, so dass wir Teddy sowohl in der Innenschau als auch mit den Blicken der anderen kennenlernen.


    Gleichzeitig ist das Buch ein schönes Zeitdokument über den Wandel, den die Welt zwischen Teddys Geburt zu Beginn des 20. und seinem Tod Anfang des 21. Jahrhunderts durchlaufen hat, eine Veränderung, die Teddy nicht immer nachvollziehen konnte, blieb er doch ein stückweit immer dem 2. Weltkrieg verhaftet, nicht zuletzt, weil ihn das Dilemma, mit seinen Bomberflügen Tod und Zerstörung auch über viele Zivilisten gebracht zu haben, nie ganz losgelassen hat. Gut recherchierte und geradezu detailverliebte Szenen aus dem Einsatz stehen in starkem Kontrast zu Teddys Liebes- und Familienleben, fast ist es, als sei er auf dem Pilotensitz ein ganz anderer Mensch, in einer Welt, zu dem seine Angehörigen keinen Zugang haben.


    Leser*innen, die "Die Unvollendete"/"Life After Life" kennen, werden dieses Buch mit besonderem Augenmerk auf Teddys Schwester Ursula lesen und immer wieder kleine Anspielungen darauf erkennen - den Schluss dieses Romans eingeschlossen.


    Ein ebenso schönes Buch wie "Die Unvollendete", das ich sehr gerne weiterempfehle.