Beiträge von Magdalena

    So lässt das Buch einen schalen Geschmack und eine Menge Fragen zurück: Wie viel hat Allende geschönt, damit ihre Protagonistin zu einer halbwegs sympathischen Figur wurde? Inwieweit deckt sich die chilenische Geschichtsschreibung mit Ines’ Berichten? Wie beurteilt sie die Taten von Ines und Valdivia?

    Sehr berechtigte Fragen auf jeden Fall, auch wenn es mich beim Lesen weniger gestört hat. Ich habe aufgrund der gewählten Perspektive nicht mit Objektivität gerechnet und mir mein eigenes Bild gemacht. Man muss sich die Perspektive des Erzählers ja nicht immer zu eigen machen (wobei ich schon fürchte, dass manche Leser das tun).


    Ein wenig vermisst habe ich ausführlichere Informationen zum historischen Hintergrund, um das Ganze besser einordnen zu können.


    Und ich denke, dass das Buch bei den historischen Romanen besser aufgehoben wäre als bei den Biographien. Ein Sachbuch ist es nicht in meinen Augen.

    Spanien zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Inés Suárez heiratet einen attraktiven Mann, der sich aber bald als ziemlicher Hallodri herausstellt. Als er sich den Eroberungstruppen in Südamerika anschließt, folgt sie ihm in einigem zeitlichen Abstand nach Peru und erlebt dort hautnah, wie erbarmungslos die Eroberer mit den Einheimischen umgehen. Ihren Mann findet sie nicht, sie erfährt nur, dass er umgekommen ist.


    Doch ihre große Liebe wird sie erst noch finden: Pedro de Valdivia, der sich mit Inés im Gefolge aufmacht, das als unzugänglich und gefahrvoll geltende Chile zu erobern und dies schließlich auch trotz großer Strapazen schafft, natürlich nicht zum Vorteil der Einheimischen.


    Inés ist eine leidenschaftliche, zähe und entschlossene Person, die nicht auf den Mund gefallen und für eine Frau ihrer Zeit geradezu unerhört reden, streiten und auch kämpfen kann. Schon auf der langwierigen Überfahrt von Spanien in die Neue Welt erweist sie sich als erfinderisch und widerstandsfähig, und an der Seite ihres Geliebten ist ihr kein Weg zu weit und keine Situation zu gefährlich. Trotzdem erscheint sie nicht als eine dieser unsäglichen Figuren, die geradewegs aus der Gegenwart um 500 Jahre zurückversetzt zu sein scheinen, sie wirkt lebendig, tough und glaubwürdig, auch in ihrer ambivalenten Haltung zu den Taten ihres Geliebten und seiner Truppen.


    Isabel Allende nimmt bei ihren Schilderungen der Eroberungskämpfe wahrlich kein Blatt vor den Mund, das Blut fließt in Strömen und viele Szenen sind nichts für schwache Nerven. Gerade das hat mich jedoch bei aller Blutrünstigkeit angesprochen, denn es zeigt die Vorgehensweise der Eroberer als das Unrecht, das sie nun einmal war.


    Bei den Intrigen, die sich unter den Spaniern abspielen, bin ich nicht immer komplett durchgestiegen, und anfangs hatte ich ein wenig mit den Namen zu kämpfen, doch insgesamt gefiel mir das Buch in mehrfacher Hinsicht: als schillernde Lebensgeschichte der Inés Suárez, die wirklich existiert hat, und als unterhaltsam dargebotene Geschichtslektion.

    "Bill is gone. What is the sound of an eighty-nine-year-old heart breaking?"


    Mit diesen herzzerreißenden Worten beginnt das Buch, ein Rückblick einer alten Frau auf ihr bewegtes Leben. Bill war Lillys geliebter Enkelsohn, der zeitweise bei ihr aufgewachsen ist, und nur einer von all den ihr nahestehenden Menschen, von denen sie unverhofft Abschied nehmen musste.


    Als junge Frau ist sie ihrem Verlobten in die USA gefolgt, als er in den Wirren der Unabhängigkeitskämpfe aus Irland fliehen musste. Das gelobte Land hat sie dort jedoch nicht gefunden und auch ihre Zukunft entwickelte sich nicht so, wie es sich das junge Paar erhofft hatte, sondern musste mehrmals nach Rückschlägen und Verlusten ihr Leben neu ordnen und mit überraschenden Herausforderungen fertig werden.


    Sebastian Barry gelingt es in einer präzisen, schönen Sprache, eine über weite Strecken deprimierende Lebensgeschichte voll Mitgefühl, aber ohne Sentimentalität zu erzählen. Lilly ist ohne Frage eine starke Frau, aber kein Übermensch. Sie zweifelt, leidet, hadert und findet zwischendurch doch auch immer wieder kleine Lichtblicke. Doch dieser letzte Schicksalsschlag kommt einer Katastrophe gleich. Ohne Bill, der erst neunzehn Jahre alt war, scheint ihr Leben endgültig jeden Sinn verloren zu haben.


    Bei aller Dramatik und Traurigkeit ist es jedoch kein niederschmetterndes Buch, sondern eine zutiefst menschliche Geschichte über eine ganz einfache Frau und ihren häufig steinigen Weg durchs Leben, die mich sehr berührt hat.

    Ich habe mich auch gefragt, wie viel hier wohl autobiographisch gefärbt sein mag. Zumindest scheint er sich sehr eingehend mit der Gamer-Szene beschäftigt zu haben.


    Und auch beim Thema Nebenhandlungsstränge bin ich ganz bei Dir - ich lese Abschweifungen durchaus gerne, wenn sie gut gemacht sind. Wenn sie wie hier tatsächlich in den Gesamtkontext passen, umso besser.

    Zunächst fragt man sich beim einen oder anderen Handlungsstrang, wie dasbitteschön ins Gesamtbild passen soll,

    Das ging mir auch so.

    Vor allem bei Pwnage hab ich mich lange gefragt, wieso wir den jetzt so ausführlich kennenlernen müssen (auch wenn ich seine Kapitel gern gelesen habe). Aber das hatte tatsächlich alles irgendeine Art von Bewandtnis - ziemlich genial.

    320. Ein Buch, das du in einer anderen Sprache gelesen hast

    Angela's Ashes, auf Deutsch: Die Asche meiner Mutter - von Frank McCourt

    Das kam in meiner Abiprüfung vor, und der Textauszug hat mich so angesprochen, dass ich es mir dann gekauft habe.


    Ich lese sehr viel auf englisch und ab und an mal was Einfaches auf französisch. Stellvertretend nehme ich mal eins der letzten, die ich gelesen habe - auch ein irischer Autor:

    319. Deine aktuelle Buch-Empfehlung aus deinem Lieblingsgenre

    Merkwürdig, die Autorin heißt ANNA Sewell; wieso steht bei der Verlinkung "Edith"? ?( Bei booklooker sind die Bücher auch unter "Edith" gelistet, aber sämtliche Seiten, auf denen ich nachgesehen habe, sagen "Anna".

    Das ist ja seltsam. Die Autorin heißt definitiv Anna und scheint auch keinen 2. Vornamen gehabt zu haben.


    Zum Thema: ich liebe ausschweifende amerikanische Romane mit gesellschaftskritischen Themen und gut gemachtem Plot. Deshalb war Nathan Hill mit "The Nix" eine meiner Entdeckungen des Jahres.

    Der Theaterregisseur Felix Phillips, bekannt für kontroverse Inszenierungen klassischer Stücke, hat nach dem Tod seiner Frau wenige Jahre später auch noch seine kleine Tochter verloren. Das einzige, was ihm noch bleibt, ist die Leidenschaft für seine Arbeit, doch dann endet auch noch sein berufliches Glück durch eine gemeine Intrige. Damit platzt nicht nur sein Plan für eine besonders ungewöhnliche Aufführung von Shakespeares "Sturm", sondern seine gesamte Karriere.


    Enttäuscht und verbittert zieht er sich für lange Zeit aus der Öffentlichkeit zurück und führt ein frugales Leben auf dem Land, bis sich ihm eine neue Möglichkeit bietet: eine Gefängnispsychologin engagiert ihn für ein Theaterprojekt mit Strafgefangenen, und Felix entscheidet, keine leichten Komödien oder sentimentale Favoriten aufzuführen, sondern Shakespeare. Die Arbeit mit den Insassen ist etwas völlig anderes als das, was Felix gewohnt war, doch seine Workshops schlagen ein wie eine Bombe und werden regelmäßig mit immer neuen Stücken des Meisters wiederholt.


    Als sich Felix schließlich vornimmt, den "Sturm" auf die Gefängnisbühne zu bringen, wird das sein bis dahin persönlichstes Projekt, denn es bietet sich eine Chance, Genugtuung für erlittenes Unrecht zu erhalten, die zu gut ist, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen.


    Bei der Lektüre dieses Buches habe ich nur eines bereut: den "Sturm" so wenig zu kennen, dass ich mit Sicherheit viele Anspielungen überlesen habe. Zwar wird genug angedeutet, um die Handlung und den einen oder anderen Zusammenhang mit dem "Hexensaat"-Plot zu verstehen, aber es ist mir bestimmt noch genug durch die Lappen gegangen, dass mir die eine oder andere Entwicklung etwas überzeichnet oder übertrieben erschien. Ich vermute allerdings, dass es innerhalb des Stückes entsprechende Parallelen gibt.


    Auf jeden Fall zeichnet Margaret Atwood ein unsentimentales, aber einfühlsames Bild eines Mannes, der alles verloren hat, was ihm jemals etwas bedeutete, der aber auch nicht immer ganz einfach zu nehmen ist und deutliche Ecken und Kanten hat. In vielem, was er tut, wirkt Felix Phillips extrem oder schwer zu begreifen.


    Dennoch vermag zu berühren, wie er versucht, mit dem Tod seiner Tochter umzugehen und fasziniert auch sein Herangehen an das Theaterprojekt im Gefängnis. Wie er es ohne erhobenen Zeigefinger und übersozialpädagogische Tricks schafft, eine bunt gemischte Truppe von Straftätern für Shakespeare und das Theater zu begeistern, wirkt authentisch und reißt mit. Man fiebert richtiggehend mit bei den Proben und den Vorbereitungen.


    Was Felix' persönliche Geschichte angeht, empfand ich die Entwicklung im letzten Drittel als etwas überzogen. Allerdings vermute ich, dass des Parallelen zum "Sturm" gibt, den ich leider zu wenig kenne, um alle Anspielungen zu erkennen. Zwar wird genug angedeutet, um die Handlung und den einen oder anderen Zusammenhang mit dem "Hexensaat"-Plot zu verstehen, aber es ist mir bestimmt noch genug durch die Lappen gegangen. Am Ende gibt es immerhin noch mal eine Zusammenfassung des Stücks.


    Ein interessanter Plot und eine gut erzählte und auch sprachlich sehr ansprechende Geschichte, die mich nach einem Fehlversuch mit "Der blinde Mörder" vor sehr langer Zeit ermutigt hat, mehr von Margaret Atwood zu lesen.

    Ja. Ich kann immer noch nicht glauben, dass diese gemeine Person, diese Pottsdam, diese Intrigantin, dieses Luder, heil aus der Sache

    rauskommt - und dieser "Sebastian", für den gilt dasselbe.:evil:

    Pffff, ja. Diese Studentin war wirklich ein ätzendes Weib. Und Sebastian eh ohne Worte.

    Auf der anderen Seite. wäre es gerecht zugegangen, wäre der Roman trivial.

    Genau das dachte ich mir auch. So sehr man es sich gewünscht hätte, realistisch wäre es nun mal nicht gewesen.