Beiträge von Magdalena

    Klaus V. : Kann gut sein, dass mir die Geschichten, mit Ruhrpott-Einschlag vorgetragen, besser gefallen hätten.


    Kapo : das Fußballfan-Lebensgefühl bringt er schon gut rüber, aber mich hat irgendwann einfach der "Männerhumor" mehr genervt als amüsiert. Und natürlich bin ich ganz Deiner Meinung, dass der Fußball (wie eigentlich jeder Sport) Fans mit Herzblut braucht, denen es in erster Linie um den Sport und die Mannschaft geht. Allerdings schadet die Fähigkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen, auch nicht. Ultras braucht kein Mensch.

    Fragt ein Ruhrpöttler den anderen: "Warum gehst du heute ins Stadion?" Antwortet der andere: "Weil Samstag ist!"


    Ganz klar, Samstag ist Fußballtag im Pott. Natürlich nicht nur dort, aber Frank Goosens Fußballerinnerungen spielen sich nun mal dort ab, wo viele aktuelle und ehemalige Bundesligavereine zu Hause sind und man die Zugehörigkeit zu seinem Club buchstäblich mit der Muttermilch eingesogen hat. Das gilt auch für den Autoren. Einmal VfL Bochum, immer VfL Bochum, selbst wenn das ziemlich viel Leidensfähigkeit voraussetzt, denn der Verein ist nicht unbedingt als Dauerspitzenreiter bekannt ...


    Goosen schwelgt hier kräftig in Erinnerungen an seine fußballerische Sozialisation, an Glanz (wenig) und Elend (ziemlich viel) der Vergangenheit, an die WM 2006 in Deutschland und seine Versuche, seine Leidenschaft an seine Kinder weiterzugeben. Was man so gerne als die schönste Nebensache der Welt bezeichnet, ist für richtig eingefleischte Fans viel mehr als nur das, da geht es emotional ziemlich ans Eingemachte, wenn der Verein vom Abstieg bedroht ist oder ein wichtiges Pokalspiel dämlich verliert.


    "Heute im Stadion" war auch der Soundtrack meiner eigenen Kindheitssamstage; noch bevor ich überhaupt wusste, was ein Elfmeter ist, waren mir Bayer Uerdingen, Schalke 04 und Borussia Dortmund zumindest vom Hörensagen ein Begriff. Somit hatte ich mir von diesem Büchlein einen wohligen Nostalgietrip erwartet.


    Ansatzweise habe ich den auch bekommen, insbesondere bei den Rückblenden zur WM 2006, die bei mir schöne Erinnerungen an einen tollen Fußballsommer geweckt haben, und ich habe mich über einige Fußballkuriositäten, von denen Goosen erzählt, köstlich amüsiert, vor allem die Engländer, die mit einem Londoner Taxi für ihre Mannschaft bis nach Istanbul gefahren sind.


    Doch das Buch macht auch klar, warum sich das Wort "Fan" von "Fanatiker" ableitet - da wird über Anhänger anderer Mannschaften hergezogen, was das Zeug hält, Objektivität sucht man vergebens. Und ja, natürlich weiß ich, dass das gerade im Fußball nun mal so ist, aber ich habe bei der Lektüre festgestellt, dass ich aus dem Verständnis für diese Hardcore-Fan-Schiene rausgewachsen bin und ich Pöbeleien gegen die gegnerischen Fans inzwischen eher albern und kindisch als witzig finde. Auch Saufen und Wildpinkeln sind vor allem in gehäufter Form nicht unbedingt unterhaltsam in meinen Augen. Mehr schräge Geschichten rund ums Spiel und die Mannschaft hätte ich wahrscheinlich deutlich lustiger gefunden.

    Der siebzehnjährige Alex Woods wird an der Grenze angehalten, eine Urne auf dem Beifahrersitz, 113 Gramm Marihuana in seinem Besitz, und gibt dem Grenzbeamten merkwürdige Antworten. Der ist natürlich wenig erbaut über diesen komischen Vogel - aber es gibt für alles eine Erklärung, und zwar nicht die, die auf der Hand zu liegen scheint ...


    So beginnt das Buch, in dessen Mittelpunkt Alex steht, der mit zehn Jahren berühmt wurde, weil ihm ein ziemlich bizarres Unglück geschehen ist - er wurde von einem Meteoritenbrocken am Kopf getroffen und überlebte den heftigen Zusammenprall. Allerdings nicht ohne Folgeschäden, denn seitdem leidet er an epileptischen Anfällen und Migräne, und dass er in der Schule wegen des Unfalls lange aussetzen musste und überdies eine Mutter hat, die einen Esoterikladen führt und (angeblich) hellsehen kann, macht sein Außenseitertum in der Klasse auch nicht gerade viel besser.


    Und so ist Alex mit fünfzehn ein stiller, zurückhaltender und ziemlich nerdiger Junge, der sich lieber mit Büchern und Naturwissenschaft beschäftigt als mit seinen Altersgenossen, zu denen er sowieso keinen Draht findet. Doch eines Tages stolpert er, mal wieder auf der Flucht vor den stumpfsinnigen Klassenrüpeln, in den Garten von Mr. Peterson, einem amerikanischen Exsoldaten, der ebenfalls ein zurückgezogenes (und unerwartet unkonventionelles) Leben führt.


    Der ist von dem Eindringling gar nicht begeistert, doch mit der Zeit entsteht zwischen den beiden vermeintlichen Eigenbrötlern ein ganz besonderes Verhältnis mit viel Vertrauen, Aufrichtigkeit und Liebe zu (Kurt Vonneguts) Büchern. Sie tun einander einfach gut, und als es hart auf hart geht, wächst Alex über sich hinaus, um seinem Freund beizustehen.


    Weder der halbwüchsige, sozial nicht übermäßig kompetente Teenager mit ungewöhnlichen Interessen noch der knorzige ältere Herr sind sonderlich originelle Figuren, und dass der alte Grantler irgendwann von einem jungen Menschen aufgetaut wird, ist auch nichts, was einem nicht schon in zig Filmen oder Büchern begegnet wäre. Somit überraschen manche Entwicklungen auch nicht unbedingt und auch nicht einige Figurentypen.


    Trotzdem fesselt das Buch, nicht zuletzt durch Alex' unverstellte und selbstironische Art, seine verrückte Lebensgeschichte zu erzählen. Immer wieder sieht er sich mit den ganz großen Fragen des Lebens konfrontiert und versucht auf seine ganz eigene Weise, darauf Antworten zu finden. Das ist oft berührend, macht nachdenklich, kann aber auch ziemlich witzige Momente haben.


    Eins der beherrschenden und ziemlich heiklen Themen des Buches hätte ich von der Beschreibung her so nicht vermutet - es geht um viel ernstere Dinge, als man vielleicht annehmen würde, und sie werden einfühlsam, aber ohne zuviel Pathos behandelt.


    Aufgrund der schon angesprochenen etwas vorhersehbaren Elemente hat mich das Buch nicht ganz so von den Füßen gerissen wie manche anderen Leser, was ich etwas schade fand, es hat mir aber dennoch viel Freude gemacht, sowohl die skurrilen als auch die gefühlvollen Augenblicke.

    Wie unzählige andere Römer verbringt Marcus Didius Falco die heißesten Sommerwochen im beliebten Hafenstädtchen Ostia. Doch während die Hautevolée die Sommerfrische sucht, ist Falco in beruflicher Mission unterwegs: Der Klatschreporter der römischen Tageszeitung ist verschwunden und nicht, wie das Blatt behauptet, in Urlaub gefahren. Zuletzt hat man ihn in Ostia gesichtet, wo er angeblich bei seiner Tante wohnte.


    Falco schwant Übles. Doch bevor er den verschollenen Schreiberling aufstöbern kann, stößt er zunächst auf seinen besten Freund Petronius Longus, der gerade mit seiner Einheit der Vigiles in Ostia stationiert ist, und dann auf einige eher wenig umgängliche Gestalten aus verschiedenen fernen Provinzen, die sich dermaßen seltsam benehmen, dass er sich sehr schnell sicher ist, dass sie etwas Ungutes im Schilde führen.


    Als dann auch noch Helena mit den Kindern in Ostia ankommt und weitere Familienmitglieder aus Falcos weit verzweigtem Clan aufkreuzen, ist das Chaos perfekt, und er weiß kaum noch, wo er zuerst anpacken soll.


    Dass in diesem Band alles irgendwie mit allem zusammenhängt, vermutet der geübte Leser schon ziemlich früh, doch der Weg zur Lösung ist lang und verschlungen und manchmal auch ein wenig verworren. Aber wer jetzt genau mit wem was ausgeheckt und wer wie gegen wen intrigiert hat, ist am Ende wie bei eigentlich allen Büchern der Reihe eher zweitrangig (wobei es bessere Fälle als den hier gab, der erst in der Mitte wirklich Fahrt aufnimmt).


    Das größte Vergnügen besteht ganz einfach darin, Falco bei seinen unorthodoxen Ermittlungen über die Schulter zu schauen, die Reibereien und Frotzeleien im Familiengefüge mitzuerleben und das eine oder andere Mal die Luft anzuhalten, wenn dem selbstironischen Römer trotz aller Vorsichtsmaßnahmen mal wieder Gefahr droht. Und so ganz nebenbei lernt man wieder einiges über die Sitten und Gebräuche und verschiedenste Alltagsdinge im Römischen Reich, diesmal unter anderem die Schiffahrt, die Begräbniskultur und diverse Götterkulte.

    In diesem hübsch aufgemachten Bändchen aus der Reihe "Naturkunden" des Verlages Matthes & Seitz widmet sich der bekannte Zoologe Desmond Morris einem der faszinierendsten Tiere der Erde: der Eule.


    Kaum eine Kultur, in deren Mythologie der rätselhaft wirkende Nachtvogel nicht eine Rolle spielt, oft genug eine ambivalente - Todesbotin, Unheilverkünderin, Verführerin, Teufelsvogel, aber auch Symbol der Weisheit. Morris spürt Jahrtausenden von Legenden und Göttersagen nach, die sich um die Eule ranken, führt zahlreiche Beispiele aus Kunst und Literatur an, zeigt Eulen als Wappentiere und Markenzeichen und kommt am Ende schließlich zu den Tatsachen: wie und wo Eulen leben, jagen, balzen und Nachwuchs großziehen und welche Besonderheiten ihr Körperbau aufweist.


    Ein Buch voller interessanter Fakten - wer weiß schon, dass Eulenaugen länglich und nicht kugelförmig sind? - und gleichzeitig eine spannende Reise durch eine lange Kulturgeschichte, reich illustriert mit zahlreichen, meist farbigen Eulenbildern aus mehreren Jahrhunderten. Hier und da hätte ich mir allerdings mehr naturgetreue Illustrationen gewünscht statt der historischen Darstellungen, die die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Arten nicht immer so gut vermitteln. Aber insgesamt ist das Büchlein ein kleines Schmuckstück und für Eulenliebhaber die perfekte Lektüre.

    191. Welches Buch hat Dir im Juni am wenigsten gefallen?



    War nicht ganz das, was ich mir davon versprochen hatte - mehr Kuriositäten und Nostalgisches aus der Welt des Fußballs hätte mir besser gefallen als so viel Bier und Wildpinkeln und Gestänker gegen die "anderen" Fans.

    Ich habe mich eben dazu durchgerungen, dieses Buch abzubrechen.

    Mein Bruder hat es mir ausgeliehen und war so begeistert davon, dass es mir wirklich leid tut, mit diesem Buch einfach nicht warm zu werden. Aber ich habe das Gefühl, ich bin dafür mittlerweile zu alt (ich bin 30, mein Bruder ist Anfang 20 - somit noch näher an dem Protagonisten).

    Es ist so furchtbar belanglos und langweilig, der Schreibstil sagt mir auch nicht zu. In einigen Rezis auf Amazon wurde erwähnt, dass im letzten Brief ein großer "Knall" kommt - ich habe den letzten Brief gelesen und ja, das ist wirklich übel. Ein Thema, das auch nicht häufig in Jugendbüchern thematisiert wird, besonders nicht in dieser Konstellation, aber umgehauen hat mich auch das nicht. Weil einfach der Schreibstil so belanglos ist. Ich kann es irgendwie nicht richtig beschreiben. Auf jeden Fall finde ich es schade, ich hätte das Buch gern gemocht.

    Ganz so schlecht fand ich es nicht, aber es hat bei mir auch nicht die große Begeisterung hervorgerufen wie bei vielen anderen Lesern. Was mich außerdem kolossal genervt hat, war, dass die Geschwister des Protagonisten nie mit Namen erwähnt wurden.

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