Beiträge von jess020

    Alles, was ich von Lucy Dillons neuestem Roman vor der Lektüre wusste, war, dass auf dem Cover eine lesende Frau mit einem Dalmatiner abgebildet ist – das hat gereicht, mein Interesse zu wecken. Aber ab der ersten Seite an von “Der Prinz in meinem Märchen” war ich auch von der Handlung vollkommen begeistert…


    Michelle liebt Ordnung, Dekorationen jeglicher Art und ihre unzähligen To-Do-Listen, die sie mindestens täglich abarbeitet. Nach ihrer gescheiterten Ehe zog sie in die Kleinstadt Longhampton und eröffnete dort “Home sweet Home”, ihren eigenen Laden mit Wohn-/Dekorationsartikeln. Kurz vor der Eröffnung des Geschäftes trifft sie auf Anna McQueen, eine liebenswerte Buchliebhaberin, die kürzlich Familienzuwachs bekommen hat – allerdings nicht im Sinne ihres eigenen (Wunsch-)Babys, sondern die drei Töchter aus Phils erster Ehe, sowie Pongo, einem aktiven Dalmatiner.


    Mit der Zeit werden Michelle und Anna gute Freundinnen und sind stets füreinander da – bis schließlich beide mit den eigenen Problemen so überfordert oder beschäftigt sind, dass sie immer weniger Zeit für die jeweils andere finden. Anna möchte unbedingt ein eigenes Baby bekommen, Michelle dagegen möchte ein Geschäft für Bettwäsche eröffnen, doch der Immobilienbesitzer besteht darauf, dass sein Buchladen weitergeführt wird.


    “Der Prinz in meinem Märchen” ist beschämenderweise mein erster Roman von Lucy Dillon – irgendwie sind die Bücher der Autorin ganz an mir vorbei gegangen. Doch dieses Buch hat mich wirklich von der ersten Seite an mitgerissen – der Schreibstil der Autorin ist mehr als angenehm und da die Handlung jeweils aus der Perspektive von Michelle und Anna erzählt wird, wirkt diese dadurch sehr plastisch und vielseitig. Beide Erzählperspektiven gehen dabei fast nahtlos ineinander über. Zudem sind Anna und Michelle beide so unterschiedliche, aber gleichermaßen liebenswerte und sympathische Charaktere, dass ich mir wünschte, diese Geschichte würde nie zu Ende gehen.


    Was mir besonders gut gefallen hat, ist Annas unverkennbare große Liebe zu Büchern. Insbesondere Kinderbuchklassiker finden sich hier oft wieder und jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Buchempfehlung eines Charakters aus der Handlung in dem Roman. Eine wundervolle Idee, so dass man während der Lektüre selbst zahlreiche Buchtipps auf dem Silbertablett serviert bekommt. Für mich als Buchliebhaberin natürlich ein ganz besonderes Extra. Überhaupt schafft es die Autorin mit ihren detaillierten, aber nicht ausschweifenden Beschreibungen, lebendige Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen, ganz besonders bei der Beschreibung des Buchladens – man möchte sofort ein Ladengeschäft mieten und exakt solch einen Buchladen eröffnen, um dort selbst stöbern zu können.


    Lucy Dillon erzählt hier eine abwechslungsreiche, reale und liebevolle Geschichte von Freundschaft, Familie, Liebe und Selbstvertrauen, gespickt mit der Liebe zu Büchern, so dass mir “Der Prinz in meinem Märchen” wirklich wie eine kleine Märchenerzählung erschien. Wundervoll geschrieben, ein absolut empfehlenswerter Roman, der zum Schmökern einlädt.



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    Eine Frage: weshalb ist dieses Buch in der Kategorie "Kinder-/Jugendbücher"? "Beautiful Disaster" ist kein Jugendbuch, auch wenn Abby erst 19 Jahre alt ist - Jamie McGuire selbst schreibt hier , dass es kein Young Adult ist und ich fände es auch ehrlich gesagt, schlimm, wenn junge Mädchen dieses Buch lesen würden.

    Von "Beautiful Disaster", dem Debütroman von Jamie McGuire hörte ich zum ersten Mal erst, als ein Verlagsnewsletter von Piper in meinem Postfach landete - zunächst hatte ich die Befürchtung, dies wäre wieder eine Art SoG-Verschnitt, aber das Cover und die Inhaltsangabe haben mich neugierig gemacht - und mittlerweile kann ich diesen mitreißenden Roman jedem empfehlen!


    Die junge, ruhige und eher unauffällige Studentin Abby führt ein relativ ruhiges Leben, da sie in der Vergangenheit so einiges erlebt hat. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin America ist sie damals aus Kansas weggegangen, um sich eine gute Zukunft aufzubauen. Als sie eines Abends bei einem illegalen Boxwettkampf auf dem Campus zum ersten Mal Travis sieht, fühlt sie sich hin und her gerissen.


    Travis ist bekannt dafür, dass er ein Aufreißer ist, jede Nacht mit einer anderen Frau verbringt und gerne Schläge austeilt ohne selbst getroffen zu werden. Da Americas Freund mit Travis zusammenwohnt, wird auch Travis auf Abby aufmerksam und findet sofort Gefallen an ihr. Während Abby sich noch gegen die aufkeimende Freundschaft mit Travis wehrt, beginnt eine fulminante Geschichte für den Leser.


    Eines muss gesagt werden: diese Geschichte ist nichts für schwache Nerven. "Beautiful Disaster" besteht aus unendlich vielen Höhepunkten und es ist ein ständiges Auf und Ab der Gefühle. Auf Twitter meinte jemand zu mir, dieses Buch würde man "inhalieren" und ich finde, das ist eine absolut passende Beschreibung für das Leseerlebnis hier. Abby und Travis reißen ihre Leser mit ins wahnsinnige und unglaubliche Gefühlschaos und man hofft und bangt und freut sich Seite um Seite gemeinsam mit ihnen. Zudem ist die Handlung bespickt mit vielen unerwarteten Wendungen und Überraschungen, sodass es auf keinen Fall nur ein Wort lang langweilig wird. Ganz im Gegenteil - man kann sich nicht losreißen!


    Abby ist eine absolut sympathische Protagonistin - sie ist nett und hilfsbereit, kann aber auch aus sich herausgehen und weiß, was sie will oder was sie nicht will. Eine entschlossene, selbstbewusste junge Frau. Travis hingegen scheint wahnsinnig von sich überzeugt zu sein, hat eine harte Schale, aber einen wundervoll weichen Kern und auch wenn ich manchmal den Ausdruck "Täubchen" oder "Taube" nicht mehr lesen konnte und seine fast schon Besessensheit als ein wenig irritierend empfand, blieb mir auch Travis doch immer sympathisch. Meiner Meinung kann man aber auch nicht anders, als die beiden, aber auch America und Shepley, zu mögen und zu lieben!


    Jamie McGuire ist mit ihrem Debütroman "Beautiful Disaster" ein unerwartet mitreißender Roman und ein unglaublicher Erfolg gelungen - es erwarten euch das pure Gefühlschaos, viele Wendungen und noch mehr Höhepunkte! [5/5 Sterne]


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    All diejenigen, die gerne Chick-Lit lesen, werden auch an Bestsellerautorin Sarah Harvey nicht vorbei gekommen sein – umso besser also, dass mit “Bitte nicht füttern” wieder mal ein neuer Roman der Autorin erschienen ist!


    Auf einem spanischen Weingut wohnt die junge Abella Rivera. Sie arbeitet auf dem familiären Weingut, hat einen Freund, den sie lieber ihrer Schwester “zuschieben” würde und hat vor allem einen großen Traum: sie möchte reisen, die Welt entdecken und neue Abenteuer erleben. Doch ihr Vater möchte seine jüngste Tochter sicher Zuhause wissen und stellt sich Abellas Wunsch quer.


    Der in Cornwall lebende Sternekoch Rory kocht leidenschaftlich gern und sein Restaurant gilt als absoluter Geheimtipp. Regelmäßig bekommt er vielversprechende Angebote, doch Rory möchte lieber für sich bleiben und kein berühmter Starkoch sein. Als sein Vater aber dringend Geld und seine Hilfe benötigt, sieht sich Rory gezwungen, über seinen Schatten zu springen und eine Promi-Kochshow zu leiten.


    Eines Tages flattert in Spanien eine Einladung ins Haus – Abellas Bruder heiratet. So macht sich die ganze Familie auf nach Cornwall zur großen Hochzeit und Abella wittert ihre große Chance, endlich frei reisen zu können… als sie dann auf Rory trifft, der sich sofort in die hübsche Spanierin verliebt.


    Die Handlung klingt sehr vielversprechend, doch leider gestaltet sie Sarah Harvey für meinen Geschmack ein wenig zu oberflächlich und vorhersehbar. Der Roman ist zwar in der Tat unterhaltsam, lässt sich schnell und angenehm weglesen, aber für mich persönlich hätte die Story ein wenig ausgereifter, länger sein können. Die Charaktere wiederum sind wahnsinnig sympathisch, verschieden und interessant, aber oder gerade deswegen, hätte ich mir gewünscht, mehr über deren Gedanken und Taten erfahren, eine tiefere Handlung erleben zu dürfen. Schön fand ich es allerdings, dass wir sowohl Abellas als auch Rorys Sichtweise zu lesen bekommen.


    Sarah Harvey präsentiert hier eigentlich eine tolle Geschichte mit viel Potential, welche mich dann aber letztendlich nicht vollends begeistern konnte. Auch für Chick-Lit sind Handlung und Charaktere zu oberflächlich, seicht und vorhersehbar geblieben. Sehr schade, da ich die anderen Bücher der Autorin sehr gern mochte. [3/5 Sterne]

    Carolin Anders‘ Debütroman “Wir Wellenreiter” erzählt eine eindrucksvolle und berührende Geschichte in Form zahlreicher E-Mails und Tagebucheinträge.


    Im Jahr 2049 sitzt eine alte Frau an Silvester in einem Seniorenheim und erzählt ihre Geschichte, welche 55 Jahren zuvor damit beginnt, dass Julia und Marius sich kennen lernen. Julia ist unglücklich in ihrer Beziehung mit Leon, schafft es jedoch nicht, sich von ihm zu trennen. Marius ist ein Freund ihrer Freundin und single. Beide verstehen sich auf Anhieb sehr gut, haben gemeinsame Interessen, können sich stundenlang gut unterhalten. In der gegenseitigen Gesellschaft können sie absolut sie selbst sein.


    Die Tagebucheinträge und E-Mails erscheinen in immer anderen Zeitabständen und erzählen die Geschichte von Julia und Marius. Wie sich beide ineinander verlieben, aber irgendwie doch nicht so ganz zueinander finden können. Über die Jahre geschehen so viele verschiedene Dinge, sind die Lebensumstände immer andere. Wie Wellenreiter leben sie nebeneinander her – ist einer oben auf einer Welle, so befindet sich der andere wiederum unten auf einer Welle. Hin und wieder kommentiert Julia die Geschehnisse aus ihrer “heutigen” Sicht, was mir sehr gut gefallen hat – Kommentare solcher Art hätte es auch ruhig noch mehr geben können.


    Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen und bin immer noch sehr beeindruckt davon, wie viele Emotionen, Gefühle und Eindrücke aber auch Weisheiten, Carolin Anders auf nur 157 Seiten vermitteln konnte. Ein wunderbarer leichter und flüssiger Schreibstil erzählt eine abwechslungsreiche und absolut unvorhersehbare Geschichte. Stunden später denke ich noch darüber nach, was die Autorin in ihrem Roman ausdrücken möchte. Wie viel Kostbares kann man im Leben verpassen, in dem man seine Gefühle nicht direkt ausdrückt? Zieht die große, eine Liebe an einem vorbei, in dem man darauf hofft, der andere würde den ersten Schritt wagen? Da ich selbst so jemand bin, der seine Gefühle keinem mitteilt, hat mich das ein wenig erschrocken… aber andererseits – kann man sich wirklich trauen und sich vor jemandem offenbaren, obwohl man in einer Sekunde alles verlieren könnte? Ist jedoch die Möglichkeit großen Glücks nicht alles andere wert?


    “Wir Wellenreiter” ist ein sehr berührender und emotionaler Roman. So habe ich mit den Charakteren mitgelitten, habe stellenweise mit ihnen geschimpft – um mich dann nur daran zu erinnern, dass ich mich genau gleich verhalten hätte. Dies ist für mich ein Zeichen, dass die Charaktere in diesem Roman mir sehr am Herzen liegen – man kann nur mitfiebern und hoffen, dass alles gut geht. Absolut empfehlenswert für all diejenigen, die eine zarte Liebes- und Lebensgeschichte lesen wollen, die einem auch im Gedächtnis bleibt und zum Nachdenken anregt. [5/5 Sterne]


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    Nach “Nicht ohne meinen Mops” geht es mit dem neuesten Roman von Silke Porath nun in die zweite Runde. In “Mops und Möhren” treffen wir wieder auf die sympathische WG mit Tanja, Rolf und Chris – und natürlich dem Mops, Earl of Cockwood.


    Tanja arbeitet nun gemeinsam mit Freund Arne, der gleichzeitig ihr neuer Chef ist, in der Tierrettung. Währendessen haben sich Rolf und Chris einen kleinen Schrebergarten angeschafft, der in den warmen Tagen ein idyllisches Plätzchen ist, um herrlich entspannen zu können. Allerdings könnte dieser Traum bald vorbei sein, da die gesamte Laubenkolonie der Stadt Stuttgart über 40.000 Euro zurückzahlen soll und ein großer Immobilieninvestor genau dort neue, schicke Wohnungen bauen möchte. Da kann es doch nicht mit rechten Dingen zugehen, denken sich die vier Freunde und gehen der ganzen Sache nach – und kämpfen um den Erhalt der Schrebergärten.


    Das bunte, knallige Cover samt Mops und Zwerg lädt sofort zum Lesen ein – und auch innerhalb des Buchumschlags erwartet den Leser eine herrlich leichte und unterhaltsame Geschichte mit ein wenig Spannung, Romantik und Stoff zum Schmunzeln. Reichlich toller Lesestoff! Silke Porath überzeugt mit einem leichten, flüssigen und angenehmen Schreibstil und wundervoll sympathischen Charakteren. Egal ob Tanja, Chris, Rolf, Arne oder Earl of Cockwood – alle sind sie zwar sehr verschieden, aber dafür umso sympathischer und witziger!


    Dass ich den Vorgängerband nicht kannte, bereitete meiner Meinung keine allzu großen Schwierigkeiten – zwar ist man beim Lesen der ersten Sätze kurz verwirrt, aber das legt sich schnell, da noch kurz das Wichtigste zusammengefasst wird bzw. man es sich im Laufe der Handlung erschließen kann.


    “Mops und Möhren” ist eine etwas schrullige, aber wahnsinnig unterhaltsame und spannende Lektüre, die ruhig ein wenig länger hätte andauern können. Für alle, die etwas Leichtes zwischendurch lesen möchten, also durchaus empfehlenswert! [4/5 Sterne]


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    Cathy Woodmans neuester Roman “Schnupperküsse”, erschienen im Blanvalet Verlag, entführt uns wieder einmal aus der Großstadt London auf das schöne, gemütliche, aber auch chaotische Land, nach Talyton St. George.


    Nach der Trennung von ihrem Mann zieht Jennie gemeinsam mit ihren drei Kindern in ein altes, aber charmantes Farmhaus. Sie hat sich in das Häuschen sofort verliebt, doch für ihren 14-jährigen Sohn bedeutet es die völlige Abschottung vom Großstadtleben und seinen Freunden. Die jüngeren Mädchen sind da schon leichter zu begeistern – die Aussicht auf ein Pony, einen Hund und Hühner muntert sie sichtlich auf. Doch die Umstellung von Stadt- auf Landleben gestaltet sich weitaus schwerer als gedacht – im Haus und im Garten muss vieles noch gemacht werden, eine eigene und rentable Kuchen-Back-Firma ist nicht ganz so leicht auf die Beine zu stellen wie gedacht, die neu angeschafften Tiere müssen versorgt und gepflegt werden und nebenher muss sich Jennie noch um die Kinder kümmern. Kein leichter Job, da ist es doch ganz praktisch, dass ihr einziger Nachbar der nette Milchfarmer Guy Barnes ist, der Jennie mehrmals aus der Patsche hilft…


    Die Handlung klingt interessant und unterhaltsam, was sie auch zum größten Teil tatsächlich ist. Allerdings wirkt die gesamte Handlung auf mich teilweise sehr langatmig, da stellenweise oft so gut wie gar nichts aufregendes passiert, wenn die Protagonistin beispielsweise ihren Gedanken nachhängt. Wo schon der nächste Punkt kommt: der Schreibstil der Autorin erinnert an der ein oder anderen Stelle im Buch an Tagebucheinträge, was zwar nicht unbedingt etwas Negatives sein muss, mich aber persönlich ein wenig verwirrt hat. Auch hatte ich das Gefühl, die Autorin versucht mit aller Macht am Ende eines Kapitels Spannung zu erzwingen – wodurch, kann ich nicht einmal genau beschreiben, es war lediglich ein durchgehender Eindruck. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die niedlichen Kapitelüberschriften, die alle das Gebäck, die Törtchen oder den Kuchen enthielten, welche im darauffolgenden Kapitel erwähnt wurden. Ein schönes, zusätzliches Extra wäre es gewesen, wenn die Autorin noch im Anhang die Rezepte dieser ‘Überschriften’ hinzugefügt hätte – die Zubereitung wurde in der Handlung oft grob beschrieben und da ich selbst gerne backe, hätte ich das ein oder andere Rezept allzu gerne nachgebacken.


    Des Öfteren springt die Autorin bei Jennie sehr plötzlich von der Gegenwart in ihre Vergangenheit – da denkt Jennie eben noch über das bald anstehende Abendessen nach und auf einmal schwelgt sie in Erinnerungen an den Abend, als ihr (Ex-)Mann ihr eröffnet hat, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat. Diese Rückblenden sind zwar in der Tat sehr interessant und tragen maßgeblich zur plastischen Handlung bei, allerdings geschehen diese Sprünge zu plötzlich und ohne Vorwarnung – hier hätte ich mir wenigstens einen kleinen Absatz gewünscht, der Gegenwart und Vergangenheit zumindest optisch trennen würde, da man sonst oft ein paar Zeilen hindurch verwirrt ist.


    Die Charaktere sind dafür ausnehmend sympathisch und vielseitig. Jennie ist war eine typische Mutter, hat aber auch noch ihren eigenen Kopf und das nötige Selbstvertrauen, durch welches sie sich überhaupt traut, alleine mit drei Kindern mehrere Autostunden entfernt von Freunden und Familie, aufs Land zu ziehen. Ihre Kinder könnten verschiedener nicht sein: der 14-jährige Adam ist ein typischer, pubertierender Junge, der sich gegen alles Familiäre auflehnt, die Mädchen, Sophie und Georgia, dafür sind noch liebevoll und zauberhaft begeistert vom Landleben, mit Hühner, Kühen und dem eigenen Pony. So herrschen im Hause Copeland nie Langeweile und alle Launen, die es nur geben kann. Der Nachbar Guy Barnes ist mir persönlich am sympathischsten – tüchtig, verletzbar, aber auch stark, sehr hilfsbereit, mit einer harten Schale, aber einem weichen Kern, so dass er Jennie und die Kinder wunderbar ergänzt. Lustiger wird es stellenweise noch durch Jennies Freundin Summer, die kein Blatt vor den Mund nimmt oder durch Jennies miesepetrige Schwester.


    Im Großen und Ganzen – und vor allem trotz obriger Kritikpunkte – hat mir “Schnupperküsse” ganz gut gefallen, da es doch eine etwas andere Geschichte war, die nicht nur unterhalten, sondern auch berührt hat. Wegen der kleinen, aber feinen Kritikpunkte meinerseits, bekommt der Roman trotzdem leider Abzug bei der Bewertung. Nichtsdestotrotz: allen, die mal von der großstädterischen Frauenunterhaltung aufs Land abtauchen wollen, kann ich “Schnupperküsse” wärmstens empfehlen! [3/5 Sterne]

    Rachel Gibson zählt schon lange zu den Top-Autorinnen in diesem Genre und konnte mich schon mehrmals begeistern. Da ist es nur selbstverständlich, dass auch die aktuellste Neuerscheinung “Wer zuletzt lacht, küsst am besten” gleich den Weg in mein Buchregal fand.


    Mit 18 Jahren packte Sadie Hollowell ihre sieben Sachen und zog von Zuhause fort, in die Großstadt. Bloß weg aus der verschlafenen Kleinstadt Lovett in Texas und der Ranch, auf der sie aufgewachsen ist. Als Sadie fünf Jahre alt war, verlor sie ihre Mutter und lebte seitdem mit ihrem etwas verschlossenen und griesgrämigen Vater, sowie zwei Haushälterinnen und einigen Vorarbeitern auf dieser Ranch. Diese Ranch irgendwann einmal zu leiten, kam für Sadie nicht in Frage. Heute arbeitet Sadie als erfolgreiche Immobilienmaklerin und besucht ihren Vater höchstens alle paar Jahre. Doch jetzt soll sie auf der Hochzeit ihrer Cousine die Brautjungfer spielen – in einem kaugummirosanen Kleid aus Tüll und mit vielen Tanten und Bewohnern, die sie darauf ansprechen werden, dass sie immer noch unverheiratet und kinderlos ist. Aber: so übel wird es vielleicht gar nicht, denn auf dem Weg nach Lovett trifft sie auf den ehemaligen SEAL Vince, der in die Stadt kommt, um das Geschäft seiner Tante aufzukaufen – vielleicht lässt er sie ja den Kleinstadttrott vergessen?


    In typischer Chick-Lit-Manier erwartet die Leserin auch diesmal eine sehr unterhaltsame Handlung, die sich schnell und flüssig weglesen lässt. Mit den üblichen Höhe- und Tiefpunkten eines Liebesromans wird man gut unterhalten, wobei ich mir persönlich ein ausgereifteres Ende gewünscht hätte. Auch eine geringere Vorhersehbarkeit hätte nicht geschadet, da mir diesmal die kleinen, aber feinen Überraschungseffekte der Autorin in der Handlung ein wenig gefehlt haben. Dafür fand ich aber sowohl die Protagonistin, Sadie, als auch Vince wahnsinnig sympathisch, was ungemein zum Lesevergnügen beigetragen hat. Durch die wechselnden Perspektiven bekommt man zudem sehr gute Einsichten in beide Gefühls- und Gedankenwelten, wodurch die Handlung noch plastischer wirkt – insbesonders durch einige wenige Rückblenden in Vinces Vergangenheit.


    Für einen gemütlichen Leseabend ist “Wer zuletzt lacht, küsst am besten” vollkommen geeignet und auch Fans der Autorin werden vollends auf ihre Kosten kommen – wer sich aber überraschen lassen will oder ein bisschen mehr Spannung möchte, wird hier eher enttäuscht werden.


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    Der junge Lyriker Fred Firneis feierte mit seinen Gedichtbänden große Erfolge und sicherte dadurch die Existenz seiner Verlegerin Susanne Beckmann. Doch nun ist Fred Firneis ausgebrannt, kraftlos und schreibt nichts mehr. Susanne badet in Schuldet, ihr Kleinverlag steht kurz vor dem Aus, liefert Fred nicht nach. Als sie ihn schließlich in Kreuzberg besucht, erkennt sie, wie schlimm es um den Autor steht – die Wohnung ist voller Weinflaschen und Zigarettenstummel, absolut verwahrlost, genauso wie der Bewohner selbst. Kurzerhand befiehlt Susanne Fred, in eine einsame, entfernt gelegene Hütte in den Bergen Österreichs zu ziehen und dort ein paar Tage zu verbringen. Dort soll Fred wieder zu sich finden, sich erholen und möglichst viel Kraft tanken für einen neuen, längst überfälligen Gedichtband. Nach so einigen Anlaufschwierigkeiten kommt Fred in den Alpen an und trifft dort sogar eine nette junge Biologin, die ihm erklärt, wie sich eine bestimmte Art von Fischen liebt…


    “Liebe unter Fischen” wird gleich auf dem Buchrücken mit Daniel Glattauers “Gut gegen Nordwind” verglichen und ja, es gibt einige vage Parallelen, aber mir persönlich gefällt dieser Roman weitaus besser. Die Kapitel unterteilen sich in Tage, die Perspektive wechselt nach einem wahllosen Schema, die Handlung hat etwas von einem heillosen Durcheinander und doch bleibt die gesamte Geschichte in sich schlüssig. Der flüssige Schreibstil ist absolut angenehm zu Lesen und ein wenig ist die Lektüre wie eine gemütliche Bootsfahrt auf einem Bergsee. René Freund erzählt hier eine angenehme und subtile Liebesgeschichte, ohne jeglichen Kitsch. Dafür mit viel Realismus und gespickt mit kleineren Lebensweisheiten und Überlebensanleitungen für schwere Tage. Fred Firneis muss nach einem unglaublichen Tief erst noch weiter fallen, dann hart aufschlagen, zu sich finden, in dem ihm klar wird, was er vom Leben erwartet oder auch nicht, bevor er sich wieder neuen Ereignissen gegenüber öffnen kann und er aus seinem Tiefpunkt langsam aber sicher einem Höhepunkt entgegen strebt.


    Dieser Roman ist eine leichte und angenehme Lektüre, aber doch etwas anderes – eine feine und subtile Liebesgeschichte der anderen Art, eine Geschichte, in die man sich sehr gut hineinversetzen kann und nach der man noch einige Minuten still sitzen bleibt und sich wünscht, in einer weit entlegenen Hütte zu sein, umgeben von einem erfrischenden See und einer klaren Bergluft. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Danielle Hawkins‘ Debütroman “Dinner mit Rose” erzählt die bewegende Geschichte von Josie, die kurzerhand von Australien wieder zurück nach Neuseeland zieht, als sie ihren Beinahe-Verlobten Graeme in flagranti mit ihrer besten Freundin erwischt. In Neuseeland findet sie erst einmal Zuflucht bei ihrer etwas eigensinnigen, aber sehr liebevollen Tante Rose, die in einer Kleinstadt eine Farm betreibt. Schnell fühlt sich Josie wieder in ihrer Heimatstadt wohl, arbeitet als Physiotherapeutin und begegnet ihrem Jugendfreund Matt. Doch leider erfahren sie schon bald, dass die immer fröhliche Rose an Krebs erkrankt ist… Während Rose sich einer Chemotherapie unterzieht, kümmern sich Josie, Matt, Matts Schwester Kim und seine Mutter Hazel rührend und gemeinschaftlich um ihre Tante.




    Die Autorin erzählt in “Dinner mit Rose” eine sehr nette Geschichte, um eine Familie, die den schweren Alltag gemeinsam sehr gut meistert – in allen Höhen und Tiefen. So sind die Charaktere alle sehr unterschiedlich, aber doch sympathisch – Josie ist als Protagonistin eine fast schon zu liebevolle Person, die sich immer ausschließlich erst um diejenigen kümmert, die ihr nahe stehen, während Matts Mutter z.B. ausschließlich um ihr eigenes Wohlergehen besorgt ist. Zwar kümmert sie sich auch um ihre kranke Schwester, tut dies aber nie, ohne wenigstens ein wenig zu meckern. Matt hingegen ist wieder sehr sympathisch und positiv eingestellt, während Kim eine kleine Rebellin ist. Die Verschiedenheit der Charaktere trägt glücklicherweise dazu bei, dass die Handlung einigermaßen interessant bleibt. Insgesamt hat diese mir zwar ganz gut gefallen, aber es fehlte doch hin und wieder ein Überraschungsmoment, etwas Neues, ein Höhepunkt. Müsste ich den Handlungsbogen irgendwie aufzeichnen, so wäre dieser eine einzige lineare waagerechte Linie, evtl. mit einem kleinen Schlenker nach oben gegen Ende.




    Dafür ist das Cover des Romans wunderschön gestaltet und die Rosen auf dem Cover vorne, sind auch auf dem Buchschnitt wunderschön aufgedruckt. Optisch ist das Buch also eine absoluter Hingucker (siehe Bild-Anhang).



    Eigentlich hat mir der Debütroman ganz gut gefallen, doch von der Leseprobe habe ich mir ein wenig mehr versprochen und der ein oder andere Höhepunkt hätte aus diesem ganz netten Roman ein absolutes Lesehighlight gemacht. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Mit einer polnischen Mutter hat Alicja in Schweden kein leichtes Leben. Schon gar nicht, wenn man erst fünfzehn Jahre alt ist, der Vater nie daheim ist und der ältere Bruder in der Weltgeschichte umherreist. So konzentriert sich Mutters ganze Aufmerksamkeit auf Alicja.


    Wieso Widerspruch zwecklos ist bei polnischen Müttern? Nun, sie selbst wurden so von ihren Mütter und Großmüttern erzogen, haben idealerweise auch noch sieben Schwestern, die sich exakt gleich verhalten. Polnische Mütter kennen alle 1534 Hausmittelchen gegen nahezu alle Wehwehchen – so kenne ich persönlich gegen Husten keine andere Medizin außer selbstgemachten Zwiebelsaft mit Honig und Zucker. Achso, ja, auch ich habe eine polnische Mutter (plus poln. Vater) und ich habe sehr gelacht, als nach wenigen Seiten klar wurde, dass Alicjas Mutter den gleichen Namen trägt wie meine: Beata. Meine Mama Beata kann aber wenigstens wirklich gut kochen und zerkocht glücklicherweise nichts, genauso wenig wie sie beim Käse den Schimmel wegschneidet und diese Stücke dann für die Lasagne verwendet. Doch wie Alicjas Mama werden die Probleme der Tochter unter allen Bekannten und zufälligen Mitmenschen verbreitet und ausdiskutiert. Leider sind polnische Mütter auch viel zu hilfsbereit – und ziehen ihre Töchter generell immer dazu, helfen, helfen wo es nur geht. Sommerferien? Die sind generell dazu da, um das gesamte Zimmer neu zu gestalten, endlich ordentlich durchzuputzen oder Gartenarbeiten zu erledigen. Die arme Alicja muss das Haus zudem noch mit ungewollter Verwandtschaft und illegalen Handwerkern aus Polen (es gibt keine besseren!!) teilen. Zudem scheint sie Gefühle für ausgerechnet den Jungen entwickeln, in den ihre beste Freundin verliebt ist… nun ja, eine polnische Mutter gepaart mit den alltäglichen Problemen eines Teenagermädchens – das ist nicht schön. Aber dafür herrlich komisch!


    “Widerspruch zwecklos oder Wie man eine polnische Mutter überlebt” ist der erste Roman der Autorin Emmy Abrahamson und als ich den Titel zum ersten Mal las, war ich erst einmal vollkommen geschockt. Das ist schlichtweg der beste und interessanteste Buchtitel, den ich jemals gelesen habe – gleichzeitig drückt er schon so viel Wahres aus: Widerspruch bei einer polnischen Mutter IST zwecklos! Leidet man selbst unter den Launen einer solchen Mutter, entdeckt man unentwegt viele Parallelen, bei denen man gleichzeitig lachen und weinen muss, doch auch wenn man keine Polin ist oder kennt, wird sich jeder Leser hier köstlich amüsieren. Ein Kulturenclash der besten Art, gepaart mit Generationenkonflikten, ergibt eine abwechslungsreiche, spannende und köstlich amüsierende Handlung von der ersten Seite bis zum Schluss. Die Autorin schafft hier viele unterschiedliche Charaktere, die so vielseitig und anders sind, aber trotzdem gelungen gemeinsam in dieser verworrenen Geschichte agieren. Hinzu kommt ein leichter und flüssiger Schreibstil mit einigen wenigen polnischen Ausdrücken zwischendurch, der mich den Roman in einem Rutsch durchlesen ließ.


    Doch trotz der ganzen Wut und Hilflosigkeit gegenüber solch einer Mutter, bleibt am Ende ein überaus wichtiger Gedanke hängen: egal, wie sehr eine polnische Mutter (und wahrscheinlich nicht ausschließlich eine polnische…) ihre Tochter in den Wahnsinn treibt – sie tut dies einzig aus der Liebe zu ihrem kleinen Mädchen und aus Sorge um deren Wohlergehen. Sie versteht die Tochter aus ohne dass diese etwas sagen oder die Mutter erst anschauen muss. Im rechten Augenblick ist sie für ihre Tochter da und tut alles in ihrer Macht stehende, um sie zu verteidigen, ihr zu helfen, die Scherben des Lebens aufzukehren und zusammenzukleben. Und wenn es eines gibt, was ich in den zweiundzwanzig Jahren mit meiner polnischen Mutter gelernt habe: Mütter haben immer Recht, ob es uns gefällt oder nicht. Natürlich wehren wir uns dagegen, aber letztendlich kommt es immer dazu, dass wir uns eingestehen müssen: SIE hatte mal wieder Recht. Trotzdem muss jede Tochter ihre eigenen Fehler machen und das wissen die Mütter meistens auch – davon abhalten, uns von den Fehlern zu beschützen, tut dies aber nicht.


    So ist für mich dieser Roman eine herrlich amüsante, schräg-komische Ode an alle polnischen und nicht-polnischen Mütter dieser Welt, die das Leben ihrer Töchter zwar manchmal schwer machen, aber doch immer und bis zum Ende bereichern und erträglich machen. Doch so zum Spaß werde ich dieses Buch jetzt erst einmal meiner wichtigsten Person im Leben zum Lesen schicken: meiner Mutter.


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    So einige Bestseller hat das Geschwister-Autorenpaar Anne Hertz schon veröffentlicht und ausnahmslos alle Romane haben viele begeisterte Anhänger gefunden, darunter auch mich. Auch der neueste Roman, “Flitterwochen”, verspricht eine spannende und lustige Handlung, mit eine Schuss Romantik – und ich wurde definitiv nicht enttäuscht!


    Für Grundschullehrerin Tine ist es bald soweit: In etwa zwei Tagen fliegt sie mit ihrem Verlobten Alexander über die Osterfeiertage auf die Seychellen, um ihn dort zu heiraten. Eine große Hochzeitsfeier für Familie und Freunde möchte Alexander nicht, deswegen heiraten sie ganz alleine zu zweit am warmen Strand. Bevor es aber dazu kommen kann, muss Tine noch in die Bank und Geld holen. Am Schalter nimmt dann das Unglück seinen Lauf: während eine ältere Dame, Gerda, 20.000 Euro ausgezahlt bekommt, klingelt Tines Handy und bei dem Versuch, in ihrer großen Tasche ihr Handy zu finden, zieht sie als Allererstes die vor wenigen Stunden einkassierte Spielzeugpistole aus der Tasche. Nicht unbedingt die beste Idee, wenn man sich gerade in einer Bankfiliale befindet. So halten schnell alle Mitarbeiter und Kunden Tine für eine Bankräuberin und Gerda deklariert sich kurzerhand zur Geisel. Statt die ganze Sache schnell aufzuklären, flüchten Tine und Gerda. Der Plan? Gerda möchte unbedingt und unverzüglich mit Tine an die Ostsee, um dort die Asche ihres verstorbenen Mannes ins Meer zu streuen. Erst danach ist sie bereit, mit Tine zur Polizei zu gehen und das zugegebenermaßen große Missverständniss aufzuklären. So kommt eins zum anderen und plötzlich wird Tine nicht nur von der Polizei gesucht, sondern befindet sich an der Osterfeiertagen mit Gerda und ihrem Pfleger Jan an der Ostsee in Polen – bei Jans polnischer Großfamilie…


    Auch diesmal enttäuscht das Autorenduo absolut nicht - “Flitterwochen” erzählt eine turbulente, aber vor allem sehr lustige Geschichte. Besonders die polnische Großfamilie und die dazugehörigen kulturellen Gepflogenheiten stehen im Vordergrund und bringen Tine desöfteren ganz durcheinander. Positiv anzumerken ist, dass alle österlichen Brauchtümer in Polen korrekt wiedergegeben werden, sprachlich alles seine Richtigkeit hat und auch sonst alles insgesamt scheinbar recht gut recherchiert wurde. Da wird das wundervolle polnische Essen hochgelobt, genauso wie der sehr große und wichtige Familiensinn und die Gastfreundschaft der Polen.


    Leider scheint es für mich aber, dass Tine als Protagonistin doch recht häufig die Polen mit allen möglichen Vorurteilen konfrontiert und all die für die Polen wichtigen Traditionen scheinbar nicht ernst nimmt, diese sogar stellenweise ins Lächerliche zieht. Für einen Roman ist das natürlich alles absolut nebensächlich, macht es mir als Polin aber die Protagonistin nicht unbedingt sympathischer. Ganz im Gegenteil: Tine wirkt auf mich im Laufe der Handlung immer naiver und egoistischer. Dafür sind mir Jan und Gerda gleich sehr ans Herz gewachsen. Jan mit seiner durchweg positiven Art und für den der Familienfrieden an erster Stelle kommt, schafft es immer wieder, die Balance zwischen beiden Charakteren zu halten. Der überhäufige Wodkakonsum ist für mich wiederum absolut übertrieben dargestellt. Mag sein, dass Polen solch ein Ruf folgt und man dort auch mehr puren Wodka trinkt als sonst irgendwo auf der Welt, aber zu jeder Mahlzeit mehrere Kurze, morgens vor dem Frühstück oder bei jeder Rede? Keinesfalls! Diese, meiner Meinung nach, stark übertriebene Darstellung trübte die gesamte, sonst ganz unterhaltsame Lektüre, ein wenig, was eigentlich nicht hätte sein müssen.


    Abgesehen davon erwartet die treuen Anne-Hertz-Leser, genauso wie all diejenigen, die dieses Genre gerne lesen, eine abwechslungsreiche, flüssige Geschichte, in dem allseits beliebten und gewohnten Anne-Hertz-Schreibstil. Ich finde es schön, dass beide Autorinnen es schaffen, sich weiterhin neue Geschichten zu überlegen und diese immer wieder aufs Neue aufregend zu gestalten, ohne dass diese, wie es nach mehreren Büchern oft der Fall ist, verbraucht wirken. Das wunderschön gestaltete Cover lädt auf jeden Fall wieder zum Lesen ein und passt auch diesmal wieder perfekt zur Handlung – das hübsche Herzchenthema zieht sich übrigens auch im Buch bei jeden Kapitelanfang durch und ist jedes Mal ein optisches Highlight.


    “Flitterwochen” erzählt eine lustige und turbulente Geschichte mitten im polnischen Familienleben an der Ostsee, wo der Glaube noch etwas wert ist und Gastfreundschaft ein absolutes Haushalt-Vorzeige-Merkmal darstellt. Auch die Romantik kommt natürlich nicht zu kurz und so kann man sich wieder auf einen lesenswerten Anne-Hertz-Roman freuen! :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Nach “Opfertod” ist mit “Seelenriss” im Februar 2013 nun der zweite Band um die Profilerin Lena Peters erschienen.


    Zuvor erhielt Lena selbst eine Morddrohung, doch da man mehrmals Morddrohungen erhält, wenn man in der Mordkommission tätig ist, nahm sie diese nicht ernst. Erst nachdem man bei einem weiblichen Opfer eine fast identische Morddrohung findet, wird klar, dass Lena in großer Gefahr zu schweben scheint. Ein grausamer Serienmörder treibt sein Unwesen, in dem er seine Opfer erst mit Säure übergießt, welche deren Haut binnen Sekunden wegätzt, bevor er sie aus dem Fenster stößt. Nun rennt die Zeit: während Lena und ihr Partner Wulf Belling zu ermitteln versuchen, was die Opfer miteinander gemeinsam haben, tötet der Mörder weitere Menschen.


    “Seelenriss” ist ohne Frage ein sehr spannender Thriller, der auch die üblichen grausamen Details enthält. Jedoch konnte mich Hanna Winter mit der Handlung nicht vollends überzeugen. Lena Peters ist zwar eine durchaus sympathische Protagonistin, wurde mir persönlich aber im Laufe der Handlung zu vorhersehbar und langweilig. Dazu könnten eventuell auch die Kapitelüberschriften beigetragen haben, die mich jedes Mal aufs Neue irritiert haben. Jede Überschrift endet mit “…”, welche, wie es scheint, Spannung aufbauen soll – leider wirken sie auf mich lediglich erzwungen und es klingt andauernd wie “Damals…”, “Es war einmal…” – auf jeden Fall trugen diese Überschriften nicht dazu bei, dass mir die Handlung besser gefiel.


    Auch die Ermittlung selbst hat mich nicht überzeugen können. Man bekommt zwar einen relativ guten Einblick in die Gedanken des Mörders, da auch aus seiner Sicht erzählt wird, doch ich hatte den Eindruck, dass die Autorin mehr auf das Gefühls- und Privatleben von Lena und Wulf eingegangen ist, als auf die wirkliche Ermittlung, die nur die Assistentin Lucy wirklich ernst zu nehmen schien. Zwar wurde der Täter am Ende gefasst und der Grund des grausamen Rachefeldzugs klärte sich, doch irgendwie war jeder Schritt von vorneherein klar und meiner Meinung nach hätte die Autorin das letzte Viertel ruhig erzählerisch ein wenig mehr ausbauen können.


    “Seelenriss” von Hanna Winter ist zwar ein durchaus spannender Thriller, eignet sich meiner Meinung nach aber lediglich für einen netten Leseabend so zwischendurch. Ein Meisterthriller voller Spannung und Überraschungen ist etwas Anderes. [3/5 Sterne]


    :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

    Dotti Wilcek liebt Bücher alles, schreibt Rezensionen für die drittgrößte österreichische Tageszeitung und braucht zu ihrem vollkommenen Glück nichts weiter als ihren Kater und ihre Freundinnen. An die Liebe glaubt sie nicht und an ein Happy End schon gar nicht.


    Ausgerechnet Dotti soll nun in einem öffentlichen Blog ihre Datingfortschritte dokumentieren. Mit Hilfe ihres Kollegen Lorenz soll sie sich auf der Datingplattform Literally in love anmelden, an Speeddating teilnehmen und sich mit unbekannten Männern treffen. Dotti ist davon recht mäßig begeistert und wundert sich, weshalb ihr auf einmal so große Aufmerksamkeit zuteil wird und unzählige Frauen dem “Mauerblümchenclub” beitreten wollen. Es kann doch nicht so schlimm sein, als “Mauerblümchen” leben zu wollen? Nichtsdestotrotz wird das ganze Unterfangen doch wieder interessant, als ein gewisser djfleming ihr zu schreiben beginnt. Unerklärlicherweise scheint er alles über Dotti zu wissen, auch Dinge, die sonst keiner weiß. Er veranstaltet mit ihr eine Art Schnitzeljagd und gibt sich nicht zu erkennen…bis zum Schluss.


    Das wunderschöne Cover lädt zum Lesen ein und auch die Inhaltsangabe von “Naschmarkt” hört sich wie ein lustiger und liebevoller Liebesroman an. Anfangs hat mich auch die Geschichte sehr angesprochen, da ich zugegebenermaßen einige Paralellen zur Protagonistin finden konnte, aber mich konnte die Autorin nach den ersten dreißig Seiten nicht mehr überzeugen. Anna Koschka ist bekannterweise das Pseudonym der Wiener Autorin Claudia Toman, die mich bereits einige Jahre zuvor nicht überzeugen konnte. Womöglich war es mein Fehler, ein weiteres Buch dieser Autorin lesen zu wollen. Die scheinbar nette Protagonistin stellt sich leider schnell als eine sehr naive und dumme Person heraus – was ja keinesfalls unüblich in diesem Genre ist, aber meistens sind die Protagonisten dann doch etwas sympathischer oder haben zumindest andere interessante Eigenschaften. Wer sich hinter dem “geheimnisvollen” djfleming verbirgt, war mir leider schon nach den ersten der gefühlt 13456 Anspielungen vollkommen klar. Zwar ist auch das keineswegs eine neue Eigenschaft bei leichten Liebesromanen, doch meist gibt es wenigstens eine interessante und noch fesselnde Handlung sowie einige Umwege und Überraschungen zwischen Anfang und Ende. War hier überhaupt nicht der Fall. Am jeden Ende eines Kapitels hatte ich das Gefühl, die Autorin versucht mit allen Mitteln bzw. mit der Tatsache, dass sie dem Leser wichtige Informationen wie etwa die Identität des Mannes, den sie eben plötzlich gesehen hat, einen Absatz lang vorenthält, eine gewisse Spannung aufrecht zu erhalten, was mich persönlich nur noch genervt hat. Mich hat dieser Roman leider nur optisch überzeugt und die vielen positiven Bewertungen sind für mich doch sehr nicht nachvollziehbar, aber glücklicherweise gibt es verschiedene Geschmäcker und Meinungen. Zukünftig lese ich nun lieber Romane von Autoren, die mich bereits überzeugen konnten oder welche es noch zu entdecken gibt.


    “Naschmarkt” von Anna Koschka überzeugt zwar auf der optischen Ebene, verbirgt aber leider eine vollkommen langweilige und nichtssagende Handlung mit einem pseudo-spannenden Schreibstil. Schön, dass es so vielen zu gefallen scheint, ich gehöre jedoch nicht dazu.


    :bewertung1von5: :bewertungHalb:

    Ein einzigartiger & zeitloser Roman!


    Von David Mitchells großartigen Roman hörte ich zugegebenermaßen erst, als bereits die Verfilmung ihren Kinostart feierte. Und ehrlich gesagt hätte ich weder den Trailer zum Film angeschaut, als auch das Buch gelesen, wäre ich nicht zu einer Kinovorstellung von "Cloud Atlas" eingeladen worden. Da ich es nicht mag, eine Literaturverfilmung anzuschauen ohne das Buch zu kennen, kaufte ich mir kurzerhand "Der Wolkenatlas" und begann zu lesen. Zwar schaffte ich es nicht vor dem Film, aber die ersten Geschichten im Roman konnten mich bereits überzeugen - und auch nach der Verfilmung verlor der Roman keinesfalls mein Interesse.


    Sechs verschiedene Geschichten, Schreibstile, Epochen erzählen von den Leben und Schicksal sechs verschiedener Menschen. Da ist das Expeditionstagebuch von Adam Ewing, die Briefe des jungen Komponisten Robert Frobisher an seinen lieben Freund Rufus Sixsmith. Die Journalistin Luisa Rey, die auf einer Party auf den alten Rufus Sixsmith trifft und von ihm etwas erfährt, das ihre Neugier weckt. Der ein wenig kuriose Verleger, Timothy Cavendish, der von seinem Bruder in ein Altenheim gesperrt wird. Eine leider sehr realistische Version einer möglichen Zukunft, von der eine genomierte Duplikantin erzählt. Und schließlich eine noch erschreckendere Geschichte von dem jungen Zachry, der in einer Welt lebt, in dem unsere jetzige Welt verschwunden ist und die Menschheit wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehrt.


    Auf den Inhalt möchte ich nicht näher eingehen - ich kann nur jedem Einzelnen ans Herz legen, diesen einzigartigen Roman selbst zu lesen. Im ersten Teil werden abwechselnd die sechs Geschichten bis zur Hälfte erzählt - geordnet nach der Jahreszahl, in der sie spielen - bis auf die letzte Geschichte. Diese wird in einem Zug erzählt und bildet den Wendepunkt des Ganzen. Hinter jedem Satz steckt - leider - sehr viel Wahres dahinter und ich denke, man wird nicht alles beim ersten Lesen verstehen. Doch nach der sechsten, vollständig erzählten Geschichte, werden in umgekehrter Reihenfolge nun die restlichen Geschichten und Schicksale dieser Menschen zu Ende erzählt. Es ist faszinierend, wie sich eine Geschichte in die andere fügt. Sowohl im ersten als auch im zweiten Teil. Die Aussage dahinter ist simpel: die Schicksale wiederholen sich und jede unserer Handlungen bestimmt unsere als auch die Zukunft unserer Kinder und Mitmenschen.


    Die verschiedenen Schreibstile mögen den ein oder anderen Leser verwirren, mir hat diese Abwechslung sehr gut gefallen. Es steigert die Spannung und vor allem aber zeigt es sehr deutlich die Unterschiede - spielt jede Geschichte schließlich zu einer anderen Zeit. Da ist es natürlich, dass das Expeditionstagebuch eine altertümlichere Sprache trägt, als die Briefe im Jahr 1931.


    Was kann man hier noch mehr sagen? Nichts. Ich lege "Der Wolkenatlas" jedem ans Herz, es sollte jeder gelesen haben, ob man lieber Fantasy, Jugendbücher, Krimis oder doch nur Biografien liest. Meiner Meinung nach ist dieser Roman absolut zeit- und genrelos und David Mitchell hat unfassbar großartige Arbeit geleistet. Sehr viele, kaum wahrnehmbare Kleinigkeiten sind in die einzelnen Geschichten verwoben, einige Anspielungen und noch mehr, was eine sehr präzise Arbeit und eine genaue Wahrnehmung des Lesers erfordert. Aber es lohnt sich, jedes einzelne Wort zu lesen. Und da die Verfilmung zum jetzigen Zeitpunkt läuft ist meine Empfehlung: den Roman zu lesen, wenn im Hintergrund der Soundtrack der Verfilmung läuft. Wem der Film gefallen hat: Buchvorlage bitte auch lesen!


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    Mit “Sternenreiter – Kleine Sterne leuchten ewig” hat der Autor Jando ein kleines, aber unheimlich berührendes modernes Märchen geschaffen, dass mit nur wenigen und einfachen Worten, so viel Wahres ausspricht.





    Es fällt mir auch unheimlich schwer, überhaupt etwas darüber zu schreiben, da ich glaube, man muss dieses Büchlein gelesen haben, um den Zauber dahinter zu spüren… Die Geschichte wird von einem Ehemann und Vater erzählt, der sich so sehr mit seinem Beruf beschäftigt, dass er seine zwei Kinder kaum aufwachsen sieht und mit seiner Frau lediglich morgens und spätabens ein paar kurze Worte wechselt. Er liebt zwar seine Familie, meint jedoch, so viel arbeiten müssen, um seinen Liebsten das Leben finanziern zu können, welches sie sich erhoffen. Doch was ist ein Leben, wenn man die Familie nicht zu Gesicht bekommt? Wenn der eigene Vater keine Gute-Nacht-Geschichte vorliest und die Kinder nur schlafend sieht? Zu oft ist es im Leben folgendermaßen:



    “Erst, wenn geliebte Menschen sich weit von einem entfernen, merken wir, wie wichtig sie für uns sind.” [s. 76]



    Als Mat einen schlimmen Unfall erleidet und knapp 4 Wochen im künstlichen Koma liegt, wird ihm mit Hilfe eines kleinen, aber sehr weisen Jungen klar, was ihm im Leben wichtig ist. Im Krankenhaus am Rande des Meeres führt ihm der geheimnisvolle, sonderbare Junge vor Augen, wie wichtig es ist, zu träumen. Seine Träume niemals aufzugeben. Auf sein Herz zu hören, zu lieben. Es sind schließlich die schlichten Gedanken, die so lebensnotwendig sind – tu das, was dir Spaß macht oder höre auf dein Herz und alles ist gut. Natürlich ist es nicht immer ganz so einfach, aber ganz ehrlich? Wir Menschen haben es uns doch zu sehr angewohnt, unsere Gedankengänge zu verkomplizieren, aus Mücken Elefanten zu machen und hinter jeder tollen Chance nur die negativen Auswirkungen zu sehen. Ich selbst schließe mich dabei absolut nicht aus – mache ich mir doch wirklich zu viele Gedanken über alles und jeden, ärgere mich über so viele, nichtige Kleinigkeiten, statt froh und glücklich darüber sein, dass ich eine liebende Familie habe und gesund bin.





    131 Seiten, die sich gedanklich festsetzen und die so vielen Menschen einiges klar machen könnten. Eine kurze Geschichte, mit einfachen Worten und einer noch schlichteren Handlung. Aber die Worte des kleinen Jungen und die vielen Weisheiten dazwischen weisen auf die enorme Botschaft dahinter hin. Ich denke, jedes Mal, wenn es mir aus irgendeinem Grund “schlecht” geht, ich mich also über meine Familie oder nervige Studium-/Arbeitsprobleme oder was auch immer aufrege, sollte ich immer wieder ein paar Zeilen aus diesem Büchlein lesen. Unheimlich erhellende Weisheiten versteckt hier der Autor und ich nehme mir ganz fest vor, dieses Buch nun mehrmals zu verschenken, damit auch andere Menschen davon erleuchtet werden. Desweiteren ist die Geschichte von vielen, farbigen, einfachen aber wirkungsvollen Illustrationen untermalt, So erinnert mich “Sternenreiter” ein wenig an meine früheren Märchen-Bilderbücher, weswegen der Titel “modernes Märchen” für mich persönlich so wunderbar passt!




    Nun, was bleibt mir hier groß zu sagen… ein fantastisches Märchen, das man unbedingt gelesen haben sollte – egal ob jung oder alt, Mann oder Frau, absolut egal, ob man gerne liest und was man sonst liest. “Sternenreiter” eignet sich für Jedermann und wird auch jeden in seinen Bann ziehen, da bin ich mir sicher!




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    Nachdem seine Protagonisten bereits in fremden Körpern, wie z.B. einer Ameise, William Shakespeare oder Monstern steckten, präsentiert David Safier uns in seinem neuesten Roman “MUH!” die ostfriesische Kuh Lolle und ein paar ihrer Freunde. Genauer gesagt 3 weitere Kühe, einen Stier und einen Kater.


    Als Lolle eines Tages ihren geliebten Champion auf einer anderen Kuh – Susi – erwischt, platzt für sie der Traum von einem glücklichen Leben mit DEM einen Stier, einem Kälblein und einem friedlichen, glückseligen Familienleben. Doch schnell kommen weitaus beunruhigendere Dinge auf die unglückliche Lolle zu: Giacomo, der Kater, wird von dem grausamen Old Dog gejagt, aber von Lolle und ihren Freundinnen, Radieschen und Hilde gerettet. Dumm nur, dass Old Dog daraufhin Lolle verspricht, sie bald selbst zu töten. Was aber schneller passieren kann, als Lolle lieb ist, da der Bauer bald die Kühe dem Schlachter übergeben wird. So traurig und verletzt Lolle auch ist – sterben möchte sie nicht und so fasst sie einen Entschluss. Mit ihren Freundinnen und mit Hilfe von Giacomo möchte sie schnellstmöglich nach Indien reisen, wo Kühe verehrt werden und Stiere nichts wert sind.


    So beginnt für die Kühe und zu Lolles Leidwesen auch für Susi eine sehr spannende Reise, die sehr viele Überraschungen bereithält, auch wenn diese nicht besonders erfreulich sind. Doch auf dieser Reise finden alle irgendwie zu ihrem ganz persönlichen Glück – und das ist eine sehr schöne Moral des Romans! Versteckt in einer gewohnt verdrehten und merkwürdigen, aber sehr unterhaltsamen Geschichte, beschreibt Safier einen Weg, wie man nicht nur als Kuh, sondern auch als Mensch, glücklich werden und sein kann. Solange man sich dem Moment hingibt und jede Sekunde das genießt, was man hat und dass man das hat, was einem wichtig ist, kann jeder ganz leicht zu seinem Glück finden. Und so auch das Leben genießen. Auch wenn man manchmal durch viele Tiefen gehen muss, so wird es doch irgendwann mal auch wieder bergauf gehen.


    Nachdem mich Safiers letzter Roman (“Happy Family”) leider etwas enttäuscht hat, begeisterte mich “MUH!” umso mehr. Hier ist wieder der typische Humor und Schreibstil Safiers verborgen und der Leser bekommt nicht nur eine unterhaltsame und leicht verrückte Geschichte (sehr positiv gemeint!), sondern auch das kleine bisschen Wahrheit und eine zwischen den Zeilen steckende und berührende Moral. Kann ich und werde ich guten Gewissens weiterempfehlen!


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    Das Cover erinnert an die vorherigen Romane: “Der Schatten des Windes” und “Das Spiel des Engels”. “Der Gefangene des Himmels” erzählt nun zum dritten Mal die Geschichten des jungen Mannes Daniel Sempere sowie seiner Freunde, die den Leser in das geheimnisvolle Barcelona der 40er – 60er und auf den Friedhof der vergessenen Bücher entführen.


    Eines Tages, in der Vorweihnachtszeit, betritt ein Unbekannter die Buchhandlung Sempere & Söhne und erkundigt sich nach dem kostbarsten Buch, welches sich in der Buchhandlung befindet. Er zahlt dem jungen Sempere einen hohen Preis dafür, dass er das Buch auch an seinen Empfänger ausliefert – doch der Empfänger ist niemand geringerer als Daniels bester Freund Fermín Romero de Torres. Der Unbekannte hinterlässt eine geheimnisvolle Nachricht, die besagt, dass Fermín von den Toten auferstanden sein soll…


    Zafón erzählt dieses Mal die bisher unbekannte Geschichte Fermíns, der im Jahr 1939 festgenommen und an einen Ort gebracht wurde, in denen die Gefangenen auf ihren Tod warten und nicht mehr lebend herauskommen. Dort lernte Fermín auch den Gefangenen des Himmels kennen…


    Wort für Wort entführte Zafón mich wieder einmal in eine unglaubliche Welt, in ein malerisches, aber düsteres Barcelona, in ein Leben voller Schicksalsschläge, aber auch voller Überlebenskraft und großen Willen. Fünf separat betitelte Teile beinhaltet die gesamte Handlung im Roman und jeder einzelne Titel rief eine leichte Gänsehaut auf meiner Haut hervor. Schon seit seinem ersten Roman bin ich der Meinung, das Zafóns Worte absolut magisch sind – der Friedhof der vergessenen Bücher steht für mein persönliches Paradies und ist mein großer Wunsch für die späte Zukunft. Auch dieses Mal begegnete mir dieser innerhalb dieser 400 Seiten und dazu noch vieles mehr, was schon aus den vorherigen Büchern bekannt war. Meiner Meinung nach ist es genau diese perfekte Mitschung aus altbekannten, geliebten Geschichten, Gestalten und Wörtern und neuen, überraschenden Handlungen, die diesen Roman wieder einmal so einzigartig machen. Jedes der drei Bücher kann zwar auch für sich allein begeistern, aber zusammen ergeben sie solch eine explosive und zauberhafte Geschichte, dass ich meine Begeisterung nicht in Worte fassen kann.


    “Der Gefangene des Himmels” nimmt seine Leser gefangen und lässt sie auch nach dem letzten Satz nicht so schnell los. Zafón begeistert zum wiederholten Male mit seinem einzigartigen Schreibstil und den atemberaubenden Geschichten, die so viele Bilder enthalten, dass man meint, sich selbst im vergangenen Barcelona zu befinden und den Duft der alten Bücher bei Sempere & Söhne riechen kann.


    Ich kann es mehr als guten Gewissens weiterempfehlen und empfehle vor allen denjenigen, die es bisher verpasst haben, einen der wunderbaren Bücher der Reihe um den Friedhof der vergessenen Bücher zu lesen, es nun endlich nachzuholen!


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    Na, da hat Hanna Dietz ein tolles Buch geschrieben – “Männerkrankheiten”: schon der Titel sagt doch alles aus! Zumindest war mein Gedanke bei dem Titel und dem dazugehörigen tollen Cover: “Das muss ich lesen!”. Ich persönlich war ja schon immer der Meinung, dass Männer, wenn sie einmal krank sind – und wann sind sie das nicht? – die größten Jammerlappen überhaupt sind.


    Hanna Dietz denkt das wohl auch, zumindest listet sie hier alle möglichen Krankheiten auf, die Männer nur haben könnten und das von A wie Abdomineller Exhibitionismus, über die größte Krankheit überhaupt (Faulheit!) bis Z wie Zauselkrankheit. Natürlich erkennt man die ein oder andere Krankheit sofort wieder und man ist doch froh, dass man anscheinend nicht die einzige Frau ist, die ein solches ‘Mängelexemplar’ erwischt hat. Allerdings gibt es nur in den wenigsten Fällen Therapiemöglichkeiten, was mir ehrlich gesagt, nicht besonders Mut macht. Aber Dietz erwähnt auch explizit, dass es irgendwo da draußen in der großen weiten Welt Männer geben soll, die frei von allen Krankheiten sind. Für mich ja sehr schwer vorstellbar, aber nun gut, vielleicht hat irgendeine Frau das Glück, einen solchen Mann zu kennen. Wenn ja, dann: Glückwunsch! Allerdings, würden diese perfekten Männer uns wahrscheinlich zu Tode langweilen – deswegen sollten wir Frauen doch froh sein, dass unsere Männer doch ein paar Makel haben. So haben wir wenigstens immer genügend Gesprächsstoff für unsere Mädelsabende, denn seien wir mal ehrlich, über was würden wir reden, gebe es in unserer Welt nur solche perfekten Männer, an denen man nichts auszusetzen hat? Und man muss doch zugeben, jede Frau hat auch ihre Makel – zwar sehr gut versteckt und getarnt, aber sie sind da. Und einmal im Monat können auch wir zu Bestien und zickigen Gänsen werden, oder nicht? Deswegen sollten wir doch froh sein über die nervigen Krankeiten unserer Männer!


    Nichtsdestotrotz ist dieses Buch sehr amüsant und aufschlussreich – und man ist dann doch bei der ein oder anderen Krankheit froh, wenn der liebe Mann von dieser nicht befallen ist. Da nimmt man doch lieber das kleinere Übel. Für Fraun ist dieses Buch einfach perfekt, wenn man vom Mann die Nase voll hat. Männer werden es wohl nicht so gern lesen wollen, schließlich wollen sie doch selbst nicht wissen, was sie alles falsch machen, glaubt mir, das hält kein Männerego aus!


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