Beiträge von Biografiefan

    237. Ein Autor, oder ein Buch, der/das Dich auf ein anderes Buch gebracht hat

    Momentan beschäftige ich mich hauptsächlich mit den schreibenden und kämpfenden Frauen früherer Jahrhunderte. Ich durchforste meine Bücher, Lexika und das Internet. Von daher kann ich gar nicht mehr sagen, wie ich auf dieses tolle Lexikon deutscher Frauen der Feder gestoßen bin.

    Sophie Caroline Pataky wurde am 5. April 1860 in Podiebrad, Kaisertum Österreich, geboren. Mit ihrem zweibändigen „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ erschien 1898 das erste von einer Frau herausgegebene deutschsprachige Schriftstellerinnenlexikon.

    Sie war mit Carl Pataky verheiratet, der 1875 in Wien einen Fachverlag für Metalltechnik gründete. Ab Ende der 1870er Jahre lebte das Paar gut zehn Jahre in Berlin.

    Im Sommer 1896 nahm Sophie Pataky im Berliner Rathaus an einem Internationalen Frauen-Kongress teil. Die im Allgemeinen als „Frauenfragen“ behandelten Fragen interessierten sie sehr. Um sich mit derlei zu beschäftigen, hatte sie bisher zu viel zu tun: Haus- und Familienpflichten und die Mitarbeit in dem Fachverlag ihres Mannes. Die geistige Tätigkeit für die Frau war ihr zwar nicht ganz unbekannt, doch wurde es bisher von ihr nicht allzu sehr gewürdigt. Doch auf diesem Kongress wurde ihr bewusst,

    „wieviel Intelligenz, Wissen, Energie und zielbewusstes Streben, Eigenschaften, die man nur bei Männern zu finden gewohnt ist, auch bei Frauen vorhanden sind“.

    Nun schaute sie genauer hin und sie sah, dass innerhalb der letzten 30 Jahre viel von und über Frauen geschrieben wurde. Nur ein Nachschlagewerk gab es darüber nicht. Es gab zwar verschiedene die gesamten Schriftsteller umfassende Lexika, in denen sich auch weibliche Autoren finden, doch waren die meisten nicht unter ihrem eigenen Namen gelistet. Und es waren nur die enthalten, die Bücher veröffentlicht haben. All die Frauen der Feder, die bei Zeitschriften aller Art, als Übersetzerinnen, Redaktricen usw. tätig waren, waren nicht berücksichtigt.

    Unterstützung vonseiten eines Verlages gab es kaum, obwohl es seit 70 Jahren kein aktuelles biografisches Lexikon der Frauenliteratur mehr gab. Doch die guten Erfahrungen, die sie mit den Frauen der Feder hatte, wog diesen Ärger auf. Sie hat von den Frauen so viel Anregungen bekommen und interessante Autobiografien, die sie leider aus Platzgründen nicht ungekürzt in ihre Arbeit einbeziehen konnte. Viele Frauen fühlten sich nicht berufen zu schreiben, hatten keinen inneren Drang, schriftstellerisch tätig zu werden. Sie taten es aus purer

    „Not, die Sorge um die darbende Familie, den siechen Gatten, die vaterlosen Kinder oder die der Unterstützung bedürftigen Geschwister, welche der Tochter, der Gattin, der Mutter oder Schwester die Feder in die Hand drückten, um das in ihr schlummernde Talent auszumünzen“.

    Gut zwei Jahre arbeitete Sophie Pataky an diesem zweibändigen Lexikon. Es wurde im Verlag ihres Mannes 1898 rausgebracht, doch da es thematisch nicht passte, wurde es schon 1899 vom Verlag Schuster & Löffler übernommen.

    Eigentlich hatte sie als Titel „Lexikon deutscher Schriftstellerinnen“ im Sinn, doch da protestierten viele Frauen, weil sie sich nicht als Schriftstellerin sahen. 6000 Namen sind in beiden Bänden aufgelistet, teilweise nur mit Namen und Adresse. Dadurch, dass sie Kochbuchautorinnen, Journalistinnen, Herausgeberinnen u. a. aufnahm, ergab sich das umfassendste Bild der schreibenden Frauen.

    „Überraschende Enthüllungen wird dieses Werk vielen Buchrecensenten bringen, die das Werk eines männlichen Autors zu recensieren glaubten, während es von einer Frau geschrieben wurde.“

    Als Vorstandsmitglied im Deutschen Schriftstellerinnenbund (1898) begann sie mit dem Aufbau einer Bibliothek mit Werken deutschsprachiger Autorinnen. Von Frauen, die sie in ihr Lexikon aufgenommen hatte, ließ sie sich deren eigene Werke zusenden und nahm sie in die „Bibliothek deutscher Frauenwerke“ auf. 1000 Bücher sollten es im selben Jahr schon werden. Die Autorin Anna von Krane unterstellte ihr, dass sie sich mit den Büchern bereichern wollte.

    Das Ehepaar lebte ab 1907 in Meran. Carl Pataky nahm K. J. Müller als stillen Teilhaber in den Verlag auf, der diesen dann nach dem Tode Patakys im August 1914 übernahm.

    Sophie Pataky starb am 24. Januar 1915 in ihrem Hause am Untermais an einem Gehirnschlag und wurde zwei Tage später auf dem katholischen Friedhof begraben.

    Ruth Binde ist eine äußerst interessante Frau, Persönlichkeit.

    "Dein Leben ist zu interessant, man kann es nicht einfach so zur Seite legen", schrieb Lukas Bärfuss nach der Lektüre der Biografie der Presseagentin Ruth Binde. Und Siegfried Lenz, den sie vor Jahren für den Hoffmann & Campe Verlag betreute, meinte: "Ohne den Beistand von Ruth Binde, kann man in der Schweiz nicht heimisch werden."

    Laut Inhaltsangabe unterstützte Ruth Binde 15 Jahre lang den Aufbau des Diogenes-Verlages. Ich finde das sehr tief gestapelt. Da hilft auch das beigefügte Wörtchen "maßgeblich" nicht. Sie fing als "Mädchen für alles an", lektorierte, übernahm dann die Pressearbeit und bekam zusätzlich noch den Aufbau eines Theaterverlags aufgenackt. Und all das in einem Halbtagsjob. Mit einem Mann, der beruflich in seiner Arbeit aufging, kaum zu Hause war, später eine Freundin hatte und einem kleinen Kind.
    Keine Frage, Ruth Binde liebte ihre Arbeit und sie betont, wie viel sie von Daniel Keel gelernt hat.
    Als in immer kürzeren Abschnitten immer mehr Verlagsmitarbeiter kündigten, und sie das Gespräch mit Daniel Keel suchte, meinte er lapidar, sie könne ja gehen, wenn ihr was nicht passt. Und sie nahm ihn beim Wort. Sein Blumenstrauß und eine Entschuldigung konnten das nicht wieder gut machen. Sie sah nicht, dass das ehrlich gemeint war. Rudolf C. Bettschart, der den Verlag Mitte der 60er Jahre vor der Insolvenz rettete, sprach die letzten Wochen, bevor sie schlussendlich ging, kein Wort mehr mit ihr. Er meinte nur, dass sie einen Psychiater bräuchte.
    Kein Wort der Anerkennung für ihre geleistete Arbeit!!!

    Was Ruth Binde in diesem Verlag geleistet hat, erkennt man vielleicht daran, dass nach ihrer Kündigung (die übrigens ein Sprung ins kalte Wasser war) für ihre Tätigkeiten drei neue Leute eingestellt wurden.
    Doch was nun? Mut machten ihr zahlreiche Reaktionen von Verlagsleuten, Journalistinnen und Redaktoren. Hier einige Beispiele:

    Peter Zeindler, damals Kulturchef beim Schweizer Fernsehen:
    "Ich könnte mir vorstellen, dass es für Herrn Keel nicht einfach sein wird, einen ebenbürtigen Nachfolger zu finden."

    Margrit Sprecher, Journalistin, damals bei der "Elle":
    "Sie werden uns bei Diogenes sehr, sehr fehlen, denn manche unserer besten Dinge verdanken wir Ihnen und Ihrer ,raschen Schaltung'."

    Ruth Liepmann, Literaturagentin, erlitt einen "richtigen Schock":
    "Ich habe Ihre Arbeit seit vielen Jahren verfolgt und Sie sehr bewundert, wie Sie sozusagen aus dem Nichts bei Diogenes den Theaterverlag aufgebaut und wie sie die Nebenrechte verwaltet haben."

    Doch wie soll es nun weitergehen? Sie muss schnell eine Arbeit finden. Die Alimente kommen nur unregelmäßig und sie hat immer nur halbtags gearbeitet. Andere Leute würden Stellenangebote studieren. Aber Ruth Binde will sich eine auf ihre Fähigkeiten zugeschnittene Position schaffen, etwas Neues: Presseagentin im Kulturbereich mit Schwerpunkt Buch.
    Und sie schafft es: Nach einem Besuch in Hamburg beim Verlag Hoffmann und Campe wird sie dessen Presserepräsentantin für die Schweiz und Österreich.

    Aber auch außerhalb des Verlages nimmt sie Aufträge an. Und so folgen viele Namen von Künstlern, von denen mir die meisten nicht bekannt sind. Doch über Ruth Binders vielseitige Tätigkeit zu lesen, ist äußerst interessant.
    Aus der Erinnerung weiß sie nicht mehr, warum sie bei Hoffmann und Campe gekündigt hat; sie glaubt, weil der Verlag ihrer Forderung nach mehr Geld nicht nachkam. So kam sie zum S. Fischer Verlag. Auch hier "sind die Kontakte mit den Autorinnen und Autoren für sie die ,Konfitüre auf dem Brot'".

    Der Fischer Verlag war für Ruth Binde nicht die letzte Station. Doch wie ihr Weg weiter verlief, lest selbst.

    Für viele Leser und Buchfreunde hatte Ruth Binde sicherlich den perfekten Beruf. Doch es war mehr: Es war tatsächlich ein Leben für die Literatur.

    Ruth Binde an ihrem 80. Geburtstag im März 2012:

    "Ich weiß, dass ich auf dem Papier alt bin. Aber alt fühle ich mich erst, wenn ich nicht mehr lesen, nicht mehr meinen Balkon bepflanzen, nicht mehr meine Konfitüren einmachen und nicht mehr meine Freunde bewirten kann."


    Das Buch habe ich innerhalb von zwei Tagen verschlungen, das zeigt sicher, wie begeistert ich bin.

    185. Ein Buch, das in der Schweiz spielt

    Inhalt von Amazon:

    Gustav Perle ist ein zurückhaltender Mann. Er wuchs in den 1940er-Jahren allein bei seiner Mutter Emilie in ärmlichen Verhältnissen im schweizerischen Matzlingen auf – und schon damals hat er gelernt, nicht zu viel vom Leben zu wollen. Als Anton in seine Klasse kommt, ein Junge aus einer kultivierten jüdischen Familie, hält mit ihm auch das Schöne in Gustavs Leben Einzug. Anton spielt Klavier, und seine Familie nimmt Gustav sonntags mit zum Eislaufen. Emilie sieht das nicht gerne, lebt sie doch in der Überzeugung, dass die Bereitschaft ihres verstorbenen Mannes, jüdischen Flüchtlingen zu helfen, letztlich ihr gemeinsames Leben ruiniert hat. Doch Anton ist alles, was Gustav braucht, um glücklich zu sein. Umso härter trifft es ihn, als Anton – beide sind längst erwachsen – Matzlingen verlässt, weil er seine große Chance als Pianist wittert. Gustav widmet sich seinem Hotel Perle, das er inzwischen mit Erfolg führt – doch er ist einsam und verspürt eine große Leere in seinem Leben. Bis Anton, gescheitert, zurückkehrt – und beide erkennen, dass das Glück vielleicht schon immer direkt vor ihnen lag.



    Ein zarter, bewegender Roman, der davon erzählt, dass es manchmal fast ein ganzes Leben dauert, bis man das Glück findet – in dem einen Menschen, den man zum Leben braucht.

    So viele Bücher, das habe ich schon lange nicht mehr geschafft. Aber es waren auch durchweg sehr gute bis gute Bücher. Von daher hatte ich einen rundum erfolgreichen Lesemonat.


    Oriana Fallaci: Die Wut und der Stolz (über dieses Buch kann man sicher kontrovers diskutieren) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Carlos Ruiz Zafón: Der Mitternachtspalast (die Begeisterung für den Schriftsteller hält an) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Donna Andrews: Falscher Vogel fängt den Tod (ein gemütlicher Krimi zum Berieseln) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Sigmar Schollak: Der Davidsbündler (etwas Biografisches über Robert Schumann - aufgemacht für Kinder) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Christin May: Helga Hahnemann: Die Biographie: Die Süße mit der großen Klappe (sie bleibt in meinem Herzen) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Jon Krakauer: Classic Krakauer – Die besten Reportagen aus drei Jahrzehnten (hat meine Neugier auf Reportagen angestachelt) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Markus Gasser: Die Launen der Liebe – Wahre Geschichten von Büchern und Leidenschaften (absolut interessant und sehr schön zu lesen) :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5: