Beiträge von Yael

    Wenn es auch ein bisschen gruselig sein darf, empfehle ich meinen Debütroman "Das Bildnis des Grafen":


    Kurzbeschreibung:


    England, 1917

    Der französische Psychologe Gaspard Renoir wird zu dem verschrobenen Earl of Whitehurst geschickt, um dessen von Arras heimgekehrten Neffen Valentine von seiner Kriegsneurose zu heilen.


    Renoir, selbst vom Kriegsdienst traumatisiert und frisch aus dem Sanatorium entlassen, übernimmt diese Aufgabe nur widerwillig, zumal ihn der Earl auf Schritt und Tritt beobachtet.


    Bei einem Spaziergang lernt Renoir den Gärtner des Herrenhauses kennen, Mallord Grimby, einen hilfsbereiten, etwas merkwürdig anmutenden jungen Mann, der ihm vorschlägt, für die Dauer der Therapie auf Escaray Hall zu logieren, ein seit zwei Jahren leerstehendes Nachbarschloss, zu dem Grimby als Freund des ehemaligen Besitzers die Schlüssel verwaltet. Dankbar nimmt Renoir das Angebot an.


    Doch über Escaray Hall liegt eine gespenstische Atmosphäre, für die beide Besucher auf unterschiedliche Art empfänglich sind: Obwohl er es besser weiß, vermutet Renoir Leben in dem Porträt des auf mysteriöse Weise verschollenen Schlossherrn, während Valentine ihn sogar persönlich sehen kann und sich mit dieser Hilfe – dem Drängen Carricks, sich Renoir anzuvertrauen – dem Arzt nach und nach öffnet.


    Dinge kommen ans Licht, die Valentine scheinbar vergessen hat und die nichts mit dem zu tun haben, was ihm auf den Schlachtfeldern Frankreichs widerfuhr. Der wahre Grund für Valentines psychische Veränderung übersteigt jede Ahnung Renoirs…

    Diane Setterfield fällt bei mir in dieselbe Kategorie wie Donna Tartt: Der Debütroman war trotz zuweilen ausufernder Beschreibungen grandios und unglaublich spannend erzählt ("Die dreizehnte Geschichte" bzw. bei Donna Tartt "Die geheime Geschichte"), aber die Nachfolger waren allesamt ermüdend und langweilig, sprich eine totale Enttäuschung. Sehr schade, denn die Themenwahl finde ich ansprechend, und auch dieses Buch habe ich mir vorgemerkt. Nachdem ich nun deinen Eindruck gelesen habe, werde ich es mir doch wieder abschminken. Schon der letzte Roman "Aufstieg und Fall des William Bellman" war eine Tortur zu lesen. Sowohl Setterfield als auch Tartt werden von der literarischen Szene zwar als Genies gefeiert, doch es scheint, wenn man die beiden Erstlingswerke gelesen hat, reicht das vollauf.

    Manderley ist irgendwie ja die Sache um die sich die ganze Geschichte aufbaut und am Ende "stirbt" es.

    Ja, das ist klasse gemacht! :thumleft:Und vermutlich haben das Häschen und Maxim jetzt ein leichteres, wenn auch einfacheres Leben. Ich glaube nicht, dass sie unglücklich sind, in Manderley kein Zuhause mehr zu haben. Wahrscheinlich könnten sie sich auch ein Cottage in Cornwall oder eine kleine Villa in Südfrankreich leisten und dort sesshaft werden statt von einem Ort zum anderen zu reisen. Aber Maxim scheint in der Hinsicht ein wenig ruhelos zu sein.

    Ich finde auch das sowohl Rebecca als auch Maxim beides keine sehr sympathischen Charaktere sind. Da mag ich unser Häschen lieber.

    Noch kurz etwas dazu. Ich finde das ebenfalls, habe aber nun doch noch den gesamten Schluss gelesen, da die "Erpressung" von Favell im Film unter den (Schneide?-)Tisch gekehrt wird. Mir gefällt der literarische Maxim eigentlich besser als der cineastische, der von Laurence Olivier recht kühl gespielt wird und auch nach dem Geständnis an Häschen irgendwie wussig rüberkommt. Sein Verhalten im Gerichtssaal und auch die Reaktion auf Favells lächerlichen Erpressungsversuch zeugen von großer Entschlossenheit und Standvermögen, so dass ich mein voriges Urteil über ihn ein wenig revidieren muss.

    Irgendwo habe ich geschrieben, dass ich anfangs dachte, Maxim und Rebecca passen in ihrem Egozentrismus (was für ein Wort!) ganz gut zusammen bzw. haben sich gefunden. Und bei genauer Überlegung ist das gar nicht so verkehrt. Wahrscheinlich ging es ganz gut mit den beiden, bis Maxim - vier Tage nach der Hochzeit! - herausfand, dass er ihr in Raffinesse unterlegen ist. Das gefällt dem Chauvi, als der er später das Häschen herumkommandiert, natürlich gar nicht.

    Übrigens, das ist etwas, was Maxim mir ziemlich unsympathisch macht. Er resigniert und gibt einfach auf und gibt sich seinem Weltschmerz hin. Als verantwortungsvoller Gutbesitzer müsste er sich um das Gut und die Menschen kümmern, die von ihm abhängig sind.

    Das unterstreiche ich. Maxim ist während der ganzen Geschichte ein Waschlappen. Ja, später hat man Verständnis und eigentlich meint man, Rebecca habe es nicht besser verdient bzw. ihren Tod provoziert und ach der arme Mann plagt sich nun mit der Vergangenheit. Und trotzdem ist Maxim auf seine wehleidige Art eine männliche Rebecca und wäre am Leben gescheitert, wenn ihm nicht das Häschen über den Weg gehoppelt wäre. Hat er nicht zu Beginn auch mit dem Gedanken gespielt, sich umzubringen? Stimmt, im Grunde ist er eine unsympathische Figur. Schillernd und imponierend aufgrund seiner Herkunft, vielleicht, aber charakterschwach wie Rebecca (wobei ich ihn und sein Verhalten dennoch ein bisschen besser nachvollziehen kann als sie, die aus reiner Böswilligkeit handelt und ihre Mitmenschen schikaniert).

    Was ist aus den Bewohnern von Manderley geworden, was aus Frank, aus Mrs. Danvers?

    Hier gibt der Film zumindest teilweise eine Antwort. Manderley (und das ist hoffentlich kein Spoiler, denn es wird auch im Roman angedeutet) brennt bis auf die Grundmauern nieder, so dass die de Winters dort nicht bleiben können.

    Aber! All das macht ihn nun wahrlich nicht zu einem guten Menschen, denn mMn rechtfertig nichts einen Mord und schon gar nicht eine gescheiterte Ehe, aus der er nicht entfliehen kann, weil eine Scheidung für zu viel Klatsch und Tratsch gesorgt hätte.

    Unfassbar, wie er es vor sich selbst rechtfertigt, sie umgebracht zu haben. Sicher, sie war augenscheinlich bösartig, hatte unzählige Liebhaber und war nun von einem von diesen schwanger - aber erschießen, weil er sich im Grunde nicht zu helfen weiß und in seinen Augen eine Scheidung nicht in Frage kommt, da er Angst davor hat, dass die Leute mit dem Finger auf ihn zeigen?

    Er empfindet auch keine Schuld und bereut seine Tat nicht, zumindest nicht die Tatsache, dass er Rebecca erschossen hat, sondern lediglich die Auswirkung, die diese Tat nun auf seine neue Ehefrau hat.

    Das sehe ich ganz genauso. Ich kann auch nicht verstehen, wieso das für die Protagonistin so gar keine Rolle spielt. Jemanden zu töten, um Klatsch zu vermeiden. Das ist doch unfassbar.

    Hier möchte ich für Maxim eine kurze Lanze brechen, obwohl ich Mord, egal an wem, unentschuldbar finde. Es war nicht nur der Klatsch, den er gefürchtet hat, denn immerhin waren er und Rebecca zumindest nach außen hin das perfekte Paar. Die Frau hat Psychoterror betrieben, und zwar auf übelste Weise. Ich verstehe selbst nicht ganz, weshalb er den ertragen hat und eine Scheidung nicht in Betracht zog, doch irgendwann hat Rebecca ihn soweit gebracht, dass ihm die Pferde durchgegangen sind und er Erleichterung (aber natürlich auch Schuldgefühle) darüber empfand, sie losgeworden zu sein. So unverständlich finde ich seine Reaktion nicht.

    Der Schluss war m.E. ganz großes Kino, fast besser als der von Hitchcock. :love: Als jemand, der sich gern selbst Gedanken darüber macht, wie es denn zu Ende gegangen sein könnte, war die letzte Szene im Roman für mich eine Traumvorlage! Genauso ikonisch wie der erste Satz ist auch der letzte.


    Kleiner Spoiler zum Film:


    Ich überlege gerade, ob es wirklich so unverständlich ist, dass sie hier keine Angst vor Maxim hat - sie weiß nun, dass die erste Ehe nur eine Farce war, wie Rebecca sich benommen und wie sie Maxim provoziert hat. Sie weiß, dass sie selbst ganz anders ist als Rebecca und dass Maxim sie liebt und vor allem, dass sie ihn über alles liebt. Allein deshalb verstehe ich, dass sie sofort nachdenkt, wie sie nun vorgehen sollen.

    Das ist wohl wahr. Da sie sich die ganze Zeit zuvor ungeliebt und ungenügend glaubte, beweist Maxims Geständnis ihr das Gegenteil. Und ich denke, es passt zu ihrem Charakter, ihrem Mann aus der Klemme helfen zu wollen, festigt es doch ihr Band aus Freundschaft und Liebe zueinander. Ich bin froh, dass der literarische Maxim sich nicht scheut, ihr seine Gefühle zu zeigen, sobald er die Last des "Mordes" mit seiner Frau teilt. Im Film war das nicht ganz so eindeutig.

    Ich möchte nochmal Danke sagen, dass ich hier unangemeldet mitmischen durfte; "Rebecca" ist für mich ein Meisterwerk der Erzählkunst; atmosphärisch, düster und voller unerwarteter Wendungen. In einem alten Kino, das es leider nicht mehr gibt, habe ich vor Jahren das Plakat gesehen und wurde neugierig. Seitdem habe ich den Film auf DVD, mehrmals gesehen und nun dank der interessanten LR auch in den Roman reingeschnuppert, der wirklich sprachlos macht. Wenn ihr mal Gelegenheit habt, den Film anzuschauen, lasst sie nicht verstreichen. Meiner Meinung nach wird er der Vorlage mehr als gerecht.


    Für alle, die das Buch bereits zu Ende gelesen haben, gibt es hier mein Review dazu: *Klick*

    An dieser Stelle fällt es mir aber schwer, die Gefühle der Ich-Erzählerin nachzuempfinden oder zu verstehen.

    Ja, das geht mir auch so. Natürlich ist sie unheimlich erleichtert, euphorisch fast, dass Rebecca nun nicht mehr zwischen ihnen steht in der Art, wie sie die ganze Zeit geglaubt hat. Aber wirklich beruhigen würde mich so ein Geständnis auch nicht.

    Naja, grade wegen dieser Emotionslosigkeit die Maxim an den Tag legt, zB in keiner Weise zu bereuen was er getan hat, zweifel ich an Gefühlen die er dem Häschen entgegen bringen könnte. Ob er überhaupt Gefühle für irgendwen oder irgendwas außer seinem Anwesen hat? :-?

    Letztlich würde es mich nicht wundern wenn er unser Häschen jetzt genau so benutzt wie Rebecca, nur im Sinne von Manderley.

    Anfangs dachte ich auch, Maxim ist Rebecca irgendwie ähnlich in seiner Egomanie. Aber Manderley ist ihm gar nicht so wichtig, denke ich. Nur noch mit schrecklichen Erinnerungen behaftet. Was viel wichtiger ist, sind Familienehre und Korrektheit, und die hat Rebecca zu ihren Zwecken aufs Schamloseste ausgenutzt, lächerlich gemacht und in den Dreck gezogen. Das Häschen würde an so etwas im Traum nicht denken. Maxim wirkt zwar kühl und zugeknöpft, aber wie Affric bin ich der Meinung, dass er sie auf seine Weise aufrichtig liebt. Zu dem, was Rebecca getan hat, wäre sie nie fähig, und das weiß er sicher. Da er sich zudem das krasse Gegenteil von Rebecca erwählt hat und von jener bereits ständig gedemütigt wurde, während seine neue Frau ihn trotz seiner Beichte anbetet und ihm helfen möchte, weiß er hoffentlich, was er am Häschen hat.

    Ja, Maxim ist der typische Landedelmann voller Stolz - niemals hätte er akzeptiert, dass ein Spross von Rebecca, der nicht sein Sohn ist, Manderley erben wird.

    Da legt Rebecca sich noch mal tüchtig ins Zeug. Im Prinzip provoziert sie ihn mit dieser Behauptung so sehr, dass sie es evtl. sogar darauf angelegt hat, dass er die Waffe auf sie richtet. Das ist aber nur eine Vermutung meinerseits.

    Isa-Moonlight Stimmt. Aber jetzt, wo feststeht, dass die Frau in der Familiengruft nicht Rebecca ist und eine weitere Leiche gefunden wurde, wird der Fall neu aufgerollt werden. Es ist ja schon ziemlich verdächtig (finde ich), dass Maxim damals die falsche Frau identifiziert hat. Selbst mit zerstörtem Gesicht bilde ich mir ein, müsste es einem Mann möglich sein, seine Frau an anderen Merkmalen zu erkennen. Hätte Maxim jetzt irgendwo im Haus eine Waffe herumliegen, würde ein guter Kriminalbeamter sie doch genauer untersuchen. Doch schlau, wie er ist, hat Maxim sie vermutlich mit Boot und Frau versenkt. Denn im Wasser würde man nach so langer Zeit, glaube ich, auch heute keine DNA-Spuren mehr finden.

    Er sagt ja, er hat ihr ins Herz geschossen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kugel genau zwischen den Rippen hindurchging, dann durch das Herz, um wiederum zwischen den Rippen am Rücken auszutreten. Sobald ein Arzt die Leiche untersucht, muss klar sein, dass Rebecca ermordet wurde.

    Nicht unbedingt. Ich bin aber auch gespannt, wie hier die Lösung aussieht.

    Ich behaupte mal, das Rebeccas Tod sie in einen leichten Wahnsinn getrieben hat.

    Du meinst Mrs. Danvers, oder? Und damit hast du vermutlich absolut recht. Abgesehen davon, dass "Danny" ohnehin unheimlich und durchtrieben wirkt (ihr solltet unbedingt die Verfilmung ansehen, wenn ihr das Buch gelesen habt - Judith Anderson ist großartig in der Rolle!), hat sie Rebeccas Unabhängigkeit und coole Weltgewandtheit anscheinend maßlos bewundert und sich in eine Idealisierung und Vergötterung reingesteigert, die tatsächlich an Wahnsinn grenzen. Und nicht nur einen Hauch davon, sondern wirklich so, dass alle anderen (und letztendlich auch sie selbst) darunter zu leiden haben.

    Komisch fand ich, dass sie Maxim dann gar nicht mehr gesucht hat, sondern sich einfach auf den Fels gesetzt und zugesehen hat.

    Im Film sucht sie ihn ebenfalls und findet ihn dann ja im Bootshaus, wo er ihr das Geständnis macht.

    Dass Maxim Rebecca erschossen hat, war auch für mich eine Überraschung. Ich bin gespannt, wie das im Buch erklärt wird.

    Ich auch. Denn eigentlich hätte man den Täter durch das damals schon gängige Fingerabdruckverfahren ermitteln können. Es sei denn, Maxim hat den Revolver ins Wasser geworfen oder im Boot gelassen, was naheliegt. Dann wären die Spuren durch das Wasser ja nicht mehr ausfindig zu machen.

    Endlich wird das Geheimnis um Rebeccas myteriösen Tod gelüftet! Und endlich kommt ans Licht, wie sie wirklich war, und warum Maxim seine neue Frau daran hindern will, die vornehme Dame auf Manderley zu spielen. Zwei Dinge fallen mir dazu ein:


    In der Verfilmung wird der Mord eher als Unfall geschildert; vielleicht war es für damalige Verhältnisse zu riskant, mit einem filmisch dargestellten Mörder Sympathie zu empfinden. Maxim und Rebecca streiten sich im Bootshaus, woraufhin sie eine Tür öffnet, stolpert und mit dem Kopf auf hartes Schiffszubehör fällt. Von einem Mord mit Vorsatz ist nicht die Rede, doch ihr Ende tut Maxim nicht leid. Kaltblütig entsorgt er die Leiche, und der Rest ist wieder wie im Buch. Selbst die Dialoge sind teilweise 1:1 übernommen. Mir hat sich da dann doch irgendwann folgende Frage gestellt: Maxim erzählt ihr, dass Rebecca nicht lieben konnte. Im übernächsten Atemzug bzw. nach dem Geständnis dann dies:

    Zitat

    Zitat von Maxim

    Wirst du mir auch jetzt noch in die Augen sehen können und sagen, dass du mich liebst?

    Bei allem jetzt vorhandenen Verständnis für Maxim kommt er mir - zumindest in der Verfilmung - ein bisschen selbst wie ein Narzisst vor, der vielleicht keinen so ganz verkehrten Platz hatte an Rebeccas Seite. Dem Häschen sagt er kein einziges Mal, dass er sie liebt, obwohl es bei ihr offensichtlich ist und sie sich selbst nach der schrecklichen Nachricht, er habe Rebecca getötet, für ihn einsetzt und über den Schatten der Passivität springt. Aber ich tue ihm wohl Unrecht. Vermutlich ist es so, wie du sagst, Affric.

    Aber er liebt sie, davon bin ich nach diesem Kapitel überzeugt. Er glaubt aber, dass er aufgrund des Mordes an Rebacca nicht wert ist, überhaupt geliebt zu werden.

    Freut mich, dass du wieder zu deinem eigenen Tempo gefunden hast, eigenmelody. :D Und auch dein Beitrag fand ich schön, zeigt er doch, dass sich das Leseverhalten vieler geändert hat, seit das Smartphone und die sozialen Medien auf dem Vormarsch sind. Ich glaube, man sollte ganz bewusst Pausen einlegen, das Handy ausschalten oder versuchen, sich nicht mit anderen zu messen; wer weniger liest, ist nicht automatisch weniger intelligent. :) Ich finde sogar, dass jedes (subjektiv gute) Buch es verdient hat, Zeit zu beanspruchen und nachzuwirken, ehe man das nächste zur Hand nimmt. Wie schön ist es dann, wenn man sich mit anderen darüber austauschen kann - so, wie ich es früher hier im Forum erlebt habe, selbst mit Romanen, die schon älter sind und keine Neuerscheinungen. Heute ist das eigentlich nur noch in Leserunden möglich. Ich beklage das nicht, nur fällt es mir eben auf. Auch das ist mein persönliches Empfinden und muss nicht unbedingt generell so sein.

    Ich hole den Thread mal wieder aus der Versenkung, da ich heute in einer Büchergruppe folgenden Beitrag gefunden habe. Das war genau das, was ich meinte, als ich die Thread-Frage gestellt habe. Wenn Lesen aufgrund äußerer Einflüsse zum Stress wird, sei das der Hype oder "Ich muss doch mithalten können und 30 Bücher pro Monat schaffen!", dann ist es passé mit dem Genussleser. Und es scheint ja recht vielen Leuten so zu gehen wie dieser Leserin:

    Trotzdem passt er für mich nicht als Rebeccas Liebhaber. Die große, schöne Frau, die jeden be- und verzaubern konnte, hätte doch sicher etwas Besseres finden können. Er ist plump und alles andere als charmant, zumindest dem Häschen gegenüber. Aber vielleicht ist er unfassbar gutaussehend und diese Reize werden von der verschreckten Erzählerin einfach nicht erkannt.

    In der Verfilmung wird Favell von George Sanders verkörpert, der Originalstimme von Shere Khan, dem Tiger aus dem Dschungelbuch. Er ist durchaus nicht unattraktiv; elegant, groß und schlank und vor allem süffisant und sehr von sich eingenommen.

    Das Stolperhäschen soll regelrecht in Rebeccas Dingen baden, alles anfassen, alles riechen, alles in sich aufnehmen. Wozu?

    Das ist ein besonders perfider Schachzug von Mrs. Danvers. Offenbar hasst sie die neue Mrs. de Winter so sehr, dass sie alles tut, um sie neben der allseits beliebten, mondänen und weltgewandten Rebecca kleinzuhalten, was ihr ja gut gelingt. Sie betont auch mehrfach, wie vernarrt Maxim in sie war und mit welch teueren Geschenken er sie überhäuft hat. Da hat Stolperhäschen natürlich keine Chance. Und wahrscheinlich auch keine kleinen zierlichen Füße wie Rebecca. :wink:

    Aber der Leser erfährt, dass Mr Favell Rebeccas Cousin ist. Castor, dann wohl doch nicht der Liebhaber. Also, natürlich schließt das eine das andere nicht aus, aber für die Geschichte würde es für mich keinen Sinn machen, den Cousin als Liebhaber zu präsentieren.

    Favell stellt sich als Lieblingscousin vor. So windig, wie er ist, kann das alles heißen. Und die Erzählerin glaubt ihm, daher nimmt auch der Leser ein verwandtschaftliches Verhältnis zwischen ihm und Rebecca an. Ob seine wahre Identität aufgeklärt wird? Denn so, wie Maxim auf sein Erscheinen reagiert, steckt sicher mehr dahinter. Allerdings - so wirklich aufgebracht wirkt der gehörnte (?) Ehemann nicht, da hast du recht.


    Falls ich zu viel schreibe, sagt es mir bitte. Ich halte mich dann zurück.

    Ich bedaure echt, dass ich nicht mitmachen kann - schon zeitlich wird es schwierig. Aber ich verfolge mit Spannung eure Meinungen und wünsche euch weiterhin ganz viel Spaß.

    Ich fände es auch toll, wenn du einfach zwischendurch deine Meinung einwirfst, auch wenn du nicht immer regelmäßig schreiben kannst. Egal, ob du Namensvorschläge oder dezente Hinweise (du kennst die Geschichte ja, richtig?) einstreust oder dich einfach mal amüsierst, ob der hanebüchenen Ideen, die hier so kommen, wer wohl was mit wem getan hat. :loool:

    Ja, ich kenne die Geschichte. Angeregt durch diese Runde hier habe ich mir zum wiederholten Mal die Verfilmung von 1940 angesehen, und ich muss sagen, sie ist wohl neben der Jane Eyre-Miniserie von 2006 eine der besten, die ich kenne. Wobei es verblüffend ist, dass die Thematik beider Stoffe sich ähnelt; etwas, das mir erst jetzt auffällt.


    Ich freue mich, dass ich willkommen bin, auch wenn ich nicht direkt mitlese. Manchmal bin ich schon versucht, etwas zum Geschehen zu schreiben und zu sagen: Seid nicht so streng mit Stolperhäschen und Maxim. :wink: Der ist auch in der Verfilmung anfangs ein totaler Kotzbrocken, dem man ob der chauvinistischen Behandlung seines kleinen Frauchens an die Gurgel gehen möchte. Was die Erzählerin angeht, so nervt ihre Duldsamkeit gewaltig, und trotzdem kann ich sie verstehen und mich in einigen Szenen wiederfinden. Sie ist jung und verliebt in Maxim und hat keine andere Bleibe als Manderley. Was bleibt ihr anderes übrig, als zu meinen, ihm gefallen zu müssen, indem sie ihrem Status als neue Mrs. de Winter gerecht wird, zumal Frauen zu der Zeit wohl weniger selbstbewusst und selbständig waren als heute? Ich finde, es wird ihr schon ziemlich schwer gemacht, sich im neuen Leben zurechtzufinden. Da sie ohnehin kein unabhängiger Charakter ist, würde man ihr jemanden wünschen, der sie versteht, ihr sagt, dass es ok ist, Fehler in einem fremden Umfeld zu machen und ihr wenig vorhandenes Selbstvertrauen stärkt. Frank Crawley ist wohl der einzige, der sich wenigstens Mühe gibt.

    Und wieder überrascht mich Stolperhäschen (müssen wir uns bald einen neuen Namen ausdenken?)

    Das "Stolperhäschen" finde ich sehr süß und passend. :loool: Wenn ihr sie anders nennen wollt, wie wäre es denn mit "Daphne"? :wink: Ich habe heute die ersten Kapitel gelesen, in denen öfter von ihrem "wunderschönen" und "ungewöhnlichem" Namen die Rede ist, den Maxim auf seiner an sie adressierten Karte korrekt schreibt, was - ihren Worten zufolge - nicht häufig vorkommt. Da liegt es nahe, dass es ein für englische Ohren fremdländisch klingender Name ist.


    Ich bedaure echt, dass ich nicht mitmachen kann - schon zeitlich wird es schwierig. Aber ich verfolge mit Spannung eure Meinungen und wünsche euch weiterhin ganz viel Spaß.


    Der Schreibstil gefällt mir übrigens ausnehmend gut; richtig lebendig und gar nicht angestaubt. :thumleft:

    Oh, wie schade, dass ich die Runde irgendwie verpasst habe! #-o

    Ach schade, das hätte mich gefreut. Ich habe unsere gemeinsame LR zu "Das Haus der Geister" von Boyne noch in guter Erinnerung . Auch wenn diese gefühlt schon zehn Jahre her ist :lol:

    Aber ich glaube, da Du die Geschichte ja bereits schon kennst, würde Dich unsere Rumrätselei hier sicher eher mehr nerven :wink:

    Stimmt, das war eine Gaudi und viel zu lange her. :D Leider habe ich gerade wenig Zeit und die aktuelle Runde verschlafen, und wie du sagst, wäre es für mich nicht mehr spannend. Wenn ich allerdings so die Meinungen und Vermutungen durchlese, bin ich doch überrascht, dass Mrs. Maurier alles richtig gemacht hat... :-, Ich glaube, das Ende bzw. die Auflösung der mysteriösen ehemaligen Mrs. de Winter wird für viele überraschend sein. Übrigens mochte ich die Erzählerin in der Verfilmung trotz ihrer "Awkwardness" und konnte mich mitunter sogar in sie hineinversetzen. Maxims Motivation, sie zu heiraten, wird am Ende klarer, auch wenn es nicht wie die große Liebe wirkt.