Beiträge von Yael

    Da ich gerade dabei bin, meine Romane komplett zu überarbeiten, gebe ich die älteren Versionen zu günstigeren Preisen ab. Im Angebot neu habe ich "Fairlight" und "Ein Spiel zu viel". Beide Bücher kosten je 7,00 € statt €13,80. Ich signiere sie auch gerne, wenn gewünscht.


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    Zu meiner Überraschung wurde in diesem Buch "Emil und die Detektive" von Erich Kästner erwähnt, als der Erzähler seine Komplizen fragt, wie sie den Verdächtigen ausfindig gemacht haben. Zu meiner Überraschung deshalb, weil ich nicht wusste, dass Erich Kästners Kinderbuchklassiker schon so alt ist (die Pendragon Legende wurde 1933 geschrieben).

    Schade. Der anfangs spannende und originelle Roman hat mich merkwürdig unbefriedigt zurückgelassen. Enttäuscht auch. Ich konnte dem wirren Treiben um die Geheimnisse der Pendragons respektive der Earls of Gwynedd nicht mehr folgen, als sich die Ereignisse überschlagen und herauskommt, dass der Spion auf Llanvygan arglos alles der Drahtzieherin mitteilt, seit der ungarische Doktor walisischen Boden betreten hat. Was genau, ist mir immer noch ein Rätsel. Ging es nun um eine Verschwörung, die Suche nach dem ewigen Leben oder einfach um einen irren Drogentrip, den der Autor seinen Erzähler Janos Bátky erleben ließ? Ich kann es nicht sagen. Was mich umso mehr irritiert, da ich immer gerne mitfiebere und mitrate und oft auf der richtigen Fährte bin.


    Vielleicht sind mir Bücher von solch hochgelobten Autoren einfach zu hoch und zu intellektuell, als dass ich sie durchschauen könnte. Oder es war zu heiß in den letzten Tagen mit 35° im Schatten. Hilfreich wäre wohl eine zweite Meinung, denn ich glaube schon, dass sich der gute Antal durchaus etwas dabei gedacht hat. Also wenn jemand das Buch gelesen und verstanden hat, scheut euch nicht, mir eure Erklärung mitzuteilen, so absurd sie auch sein mag. :wink:


    Der negative Wendepunkt für mich kam mit dem Verschwinden Cynthias. Bátky, Osborne und die resolute Deutsche Lene Kretsch - Anhängerin der neuen Sachlichkeit - machen sich auf die Suche nach ihr, wobei sie sich trennen. Bákty wirft wohl irgendwas ein; anders sind mir die absonderlichen Visionen nicht erklärbar, die ihn heimsuchen, als er auf einen würfelförmigen Felsen in der Pampa trifft, in (!) dem sich Dinge abspielen, die ich ziemlich grausig fand.



    Fazit: Leider kein tolles. Ich habe mit Staunen festgestellt, dass ich den Roman während der Leserunde vor über zehn Jahren mit drei Sternen von fünf bewertet habe, was ich als ziemlich gut bezeichnen würde. Wahrscheinlich ist mir durch den gemeinsamen Austausch damals einiges klar geworden, das jetzt immer noch nebulös und völlig konfus erscheint. Da ich mich an überhaupt nichts mehr erinnern kann bis auf die Axolotl als Versuchstiere des Earls, muss ich bei meiner aktuellen Bewertung einen Stern abziehen. Es tut mir selbst leid, da ich wie gesagt zu Beginn gefesselt war von der Geschichte, auch viele Sätze gelungen fand und das Setting und die spukige Atmosphäre genau mein Ding sind. Eigentlich.


    In der "Pendragon-Legende" kam für mich zu viel (Pseudo-) Intellekt und ein gegen Ende zu fantastisches Element vor, das in die eher nüchtern gehaltene Erzählung nach meinem Empfinden nicht gepasst hat. Ganz abgesehen davon, dass mir der Protagonist nicht sympathischer wurde im Lauf der Geschichte, vergebe ich angestrengte zwei Sterne.

    Dies ist einer meiner seltenen Re-Reads. Vor zwölf Jahren habe ich es gemeinsam mit daniii hier online gelesen und diskutiert und muss zu meiner Schmach gestehen, dass nichts, absolut nichts hängengeblieben ist. Und das, wo der Roman von 1934 (!) von einem Besuch auf einem unheimlichen Schloss in Wales handelt, auf das der Earl of Gwynedd den ungarischen, etwas umständlichen "Historiosoziologen" Janos Batký einlädt.


    Inhaltlich klingt es wirklich interessant: mehr zufällig (?) wird der Ich-Erzähler mit zwei anderen Männern von dem Earl eingeladen, der zudem Graf des Geschlechts Pendragon ist, dessen Familiengeschichte weit zurückreicht und einige höchst sonderbare Persönlichkeiten hervorgebracht hat, von denen die Bewohner des Dorfes glauben, sie trieben nachts auf der Ruine Pendragon ihr Unwesen. Kurz: es spukt auf Pendragon und auch auf Llanvygan wie auf jedem britischen alten Schloss, das etwas auf sich hält. Der Earl selbst ist ebenfalls ein schräger Vogel: Getreu dem Motto auf dem Familienwappen "Ich glaube an die Auferstehung des Fleisches" tüftelt er an einer Formel zum Ewigen Leben. Nicht von ungefähr, hat doch der berüchtigte Asaph Pendragon aka mitternächtlicher Reiter den alchimistischen Orden der Rosenkreuzer gegründet, die so geheim sind, dass die Freimaurer sich dagegen wie Plaudertaschen ausnehmen. Aber man weiß immerhin, dass sie dem ewigen irdischen Leben auf der Spur waren, nachdem sie herausgefunden hatten, wie man Gold herstellt.


    Mit auf Schloss Llanvygan - dem Wohnsitz des Earls in unmittelbarer Nachbarschaft zu Pendragon - befinden sich der draufgängerische Maloney aus Connemara, der junge schöne Neffe des Earls, Osborne, und dessen Schwester Cynthia, in die Batký sich verliebt. Zumindest nachdem sich herausstellt, dass sie ihm auf Bildungsebene und intellektuell offenbar nicht das Wasser reichen kann, weil sie Béla Bartok für einen Russen hält. Und spätestens hier fing der Kerl an, mir komplett unsympathisch zu werden. Seine sexistische und oberflächliche Meinung über Frauen würde in einem aktuellen Roman vermutlich zensiert bzw. entschärft werden, denn sie zieht nicht nur überzeugten Feministinnen die Birkenstöcke aus. Und ich bin in der Hinsicht wirklich nicht empfindlich.


    Leider hat mir das den vielversprechenden Anfang etwas verdorben. Zwar lese ich überwiegend und bevorzugt über männliche Protagonisten, doch wer Frauen nur als hübsches Beiwerk versteht oder arglistige Ränkeschmiederinnen, kann nicht viel Menschenkenntnis besitzen. Mir kommt der belesene Janos Batký mindestens ebenso hohl vor wie Cynthia, die ihn wahrscheinlich ohnehin an der Nase herumführt. Denn welche anständige Frau entflammt schon für einen so erbärmlichen Chauvi? Oder sie ist tatsächlich so dumm, wie Batký vermutet.


    Die eigentliche Geschichte gefällt mir bisher ganz gut. Irgendwie ist die Atmosphäre spooky und alles sehr rätselhaft, was auf Schloss Llanvygan und auch außerhalb bei der benachbarten Pendragon-Ruine geschieht. Etwas langatmig erzählt, vielleicht, aber solange mich eine Story fesselt und ich mehr wissen will, ist das ok. Als Maloney, Osborne und Batký in der Nacht eine mysteriöse Entdeckung am See machen, hatte ich tatsächlich Gänsehaut. Es scheint fast schon so, als sei der Earl zumindest teilweise erfolgreich in seiner Forschung; das jedenfalls war mein Eindruck.


    Ich bin jetzt bei ca. 100 Seiten (etwas mehr als ein Viertel des Buches) und lese mit gemischten Gefühlen weiter. Einerseits bin ich natürlich gespannt auf die Lösung des Geheimnisses vom Earl und warum man den ungarischen "Doktor" hat holen lassen, der ganz zu Beginn einen Drohanruf erhält; andererseits vergällen mir die eindeutige Arroganz und Besserwisserei des ach so schlauen Protagonisten ein bisschen die Lesefreude. Ob eine vollständige Rezension folgt, kann ich daher noch nicht sagen. Ein Fazit werde ich auf jeden Fall dalassen.

    In meinem aktuellen Buch wird vom Dorfanger gesprochen.

    Ich kannte diese Bezeichnung nicht, musste im Netz nachlesen. Frage mich allerdings, sagt man heute noch so oder sagt man einfach Dorfplatz.

    Ich kenne es als freien Platz, nicht asphaltiert, auf dem auch Tiere weiden können und Zugang zum Dorfteich oder Bach vorhanden ist. Auf diesen Plätzen hielten in den 50ern noch fahrende Handwerker/Händler oder ein Zirkus fand Platz. Manchmal war es ein Anger und heisst bis heute als Straßenname "Am Anger", Am "XY-Anger".

    Ihr Lieben, schaut ihr kein Inspector Barnaby oder lest britische Krimis? :wink: Der Dorfanger spielt dort meist auch heutzutage noch eine wichtige Rolle. Oft finden auf diesem Platz Veranstaltungen statt wie z.B. Kunsthandwerkermärkte oder Kuchenwettbewerbe. Hat etwas Traditionelles, sehr Soziales und Gemütliches.


    @topic: Ich habe bei Robinson Crusoe gelernt, dass die Sklaven nicht immer schwarz waren, sondern auch weiße Sklaven von schwarzen Herren gehalten wurden. Und weiße Sklaven waren nicht soviel wert wie schwarze, die mit teuerem Schmuck und Perlen erkauft wurden.

    Dieses Buch ist als Kinder- und Jugendbuch konzipiert, und ich kann sagen, dass ich es nach dem Lesen unbedingt als Schullektüre empfehle. Obwohl schon aus familiärer Hinsicht interessiert am Judentum, dessen Geschichte und dem Nahost-Konflikt, war selbst mir einiges neu bzw. ist mir neu aufgegangen. Fragen, die sich "Nachkriegsdeutsche" eigentlich nie stellen, werden von Herrn Wolffsohn am Beispiel seiner Großeltern mütterlicher- und väterlicherseits und seinen Eltern Thea und Max aufgeworfen. Allein das war ein Aha-Moment für mich.


    Inhalt: In einfachen und kindgerechten Worten beschreibt das Buch die Schicksale der Familien Saalheimer und Wolffsohn, die in Bamberg und Berlin ansässig waren und ein gutes Leben führten. Zwar gab es Unterschiede zu den Katholiken und Protestanten, doch man sah das nicht als Problem an. Im Gegenteil: Thea Saalheimer geht sogar auf eine katholische Schule in Bamberg, in der Protestanten weit weniger gern gesehen sind als Juden. Zu spüren bekommt sie ihr "Anders-Sein" erst wirklich, als in der Reichpogromnacht die Synagogen brennen. Ihr Vater Justus (der mir sehr sympathisch war in seiner Klugheit und emotionaler Intelligenz) nimmt die Zeichen lange nicht ernst, sind die Saalheimers doch Deutsche und stolz darauf, im Land der Dichter und Denker dazuzugehören. Doch als Justus für kurze Zeit in ein Konzentrationslager kommt und nur durch einen wohlwollenden Angestellten wieder freigelassen wird, ändert sich alles. Thea muss das Internat in Berlin verlassen, auf das sie sich als Siebzehnjährige so sehr gefreut hat, und gemeinsam flüchtet die Familie vor dem Hitlerwahn nach Palästina.


    Den Wolffsohns ergeht es ähnlich: Opa Karl, ein erfolgreicher Unternehmer in der Unterhaltungsbranche und leidenschaftlicher Kinobetreiber (u.a. der "Lichtburg" in Essen), muss alles zurücklassen und wird seine Projekte nie mehr weiterentwickeln können. Seine Frau Recha leidet sehr darunter, nicht mehr auf Parties gehen zu dürfen und den Wohlstand aufzugeben, in dem die Wolffsohns als angesehene und gutbetuchte Bürger gelebt hatten. Ihre Flucht über Holland und Belgien nach Palästina war für mich fast unerträglich zu lesen, wobei ich froh bin, dass Herr Wolffsohn im Allgemeinen auf allzu detaillierte Schilderungen verzichtet hat.


    Die Einreise nach dem damaligen Britisch-Palästina geht durchaus nicht reibungslos vonstatten, und auch dort ist das Leben kein Honigschlecken. Nicht nur werden harte Arbeit und eine neue Sprache verlangt, auch Gefahr droht - von den arabischen Nachbarn, die ein Abkommen mit den Briten hatten, und christlichen Sekten. Auch unter Schicksalsgenossen und zuvor eingewanderten Juden bahnen sich hin und wieder Unstimmigkeiten an - irgendwann beschließt Großmutter Recha, nicht mehr auf den Markt in Tel Aviv zu gehen (ihre Gründe mögen simpel gewesen sein; ich konnte sie gut verstehen). Aber auch etwas Gutes hat die "Luftveränderung". Im "Beit Israel" - einer Art Treffpunkt für deutsche Juden - lernen sich Thea Saalheimer und Max Wolffsohn kennen und lieben. Sie und die Großeltern Wolffssohn kehren einige Jahre nach dem Krieg mit dem kleinen Michael nach Berlin zurück.


    Gegen Ende wird die aktuelle Situation von Juden in Deutschland beleuchtet, was ich sehr gut fand, zeigt sie doch gewisse Tendenzen zu 1933. Damit das nie wieder geschieht, dafür plädiert Michael Wolffsohn eindrücklich und wendet sich dabei direkt an den jungen Leser. Denn jeder kann dazu beitragen, auch und vielleicht gerade die nächste Generation.



    Meinung: Ein Buch, das trotz der kindgerechten Aufbearbeitung unter die Haut geht. Ich kannte selbst eine Familie, die während des Krieges ausgewandert und wieder zurückgekehrt ist, doch den unvorstellbaren Schrecken der Hitlerära und das Gefühl der Entwurzelung im fremden Land, darüber haben sie nie gesprochen. Zeitzeugen gibt es heute nur noch wenige. Umso plastischer beschreibt der Autor mit seiner eigenen Familie die Entbehrungen und sogar Schuldgefühle, aber tatsächlich auch das Glück, das ihr inmitten all des Chaos und der Unruhe widerfuhr. Durch die Saalheimers und die Wolffsohns werden die sechs Millionen auf einmal persönlich; man fühlt mit ihnen, staunt und fürchtet sich. Dabei vergisst Michael Wolffsohn nie das Positive. Mit der richtigen Prise Humor erzählt er von den köstlichen Jaffa-Orangen, familieneigener Chuzpe, Sprachenwirrwarr und heißen Sommertagen, die den buchstäblich zugeknöpften osteuropäischen und deutschen Einwanderern den Spitznamen "Jeckes" einbrachten.


    Was mir nicht gar so gut gefiel, war die zwar im Kontext verständliche, aber mitunter etwas schulmeisterliche Art, zu biblischen Geschichten Bezug zu nehmen und den Gottesglauben teilweise ins Reich der Märchen zu verbannen. Aber das sei dem Autor als Historiker und "Besserwisser", als der er sich selbstironisch bezeichnet, verziehen und hat keinen Einfluss auf meine Gesamtbewertung von :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:


    Ich werde das Buch weiterverleihen und würde mir wie gesagt sehr wünschen, dass "Wir waren Glückskinder - trotz allem" Einzug in sämtliche Klassenzimmer erhält. Für mich ein zwar etwas schwer lesendes, da emotional aufwühlendes, aber unbedingt lesenswertes Zeitzeugnis von Herr Wolffsohn, dessen Enkel ihn erst auf die Idee brachte, die bewegende, aber dennoch hoffnungsvolle Biografie seiner Familie niederzuschreiben.

    Pinguinchen und ich wollen ab dem 31. "Wir waren Glückskinder - trotz allem" lesen und suchen noch interessierte Teilnehmer. Ich habe schon reingelesen und kann sagen, dass es ziemlich spannend und auch überraschend ist. Vor allem finde ich, dass dieses Thema gerade jetzt wieder hochaktuell ist. Wäre voll schön, wenn sich noch mehr Mitleser/innen finden würden. Sicher kann man das Buch auch in der Bibliothek ausleihen. Zur Anmeldung geht's in meiner Signatur oder über den Leserunden-Button.

    Was mir eher nicht so zusagt ist das Buch an sich. Also, es ist mir zu groß, die Seiten haben ja viel Platz noch rechts links oben unten und beim Buchumschlag hat sich bei mir schnell die Folie die da auf der Pappe ist am Rand gelöst. Ich find das nicht schlimm, könnte mir aber denken, dass das von anderen Lesern bemängelt wird.

    Das Format und die Formattierung kann ich im Nachhinein leider nicht ändern. Es stimmt schon, dass es ein bisschen groß und schwer ist; ich hätte gern eine Standardgröße gehabt, aber dann wäre das Buch aufgrund der höheren Seitenzahl noch unhandlicher geworden. Eigentlich gefällt es mir so auch ganz gut, und immerhin passt es noch in eine Handtasche. :) Dass sich am Einband etwas löst, höre ich zum ersten Mal.


    Das Buch wird vorwiegend im Kindle- bzw. ebook-Format gekauft. Wobei für mich selbst Printbücher auch attraktiver sind, vor allem in einer Leserunde.

    Da nun alle durch sind, möchte ich mich ganz herzlich bei allen Beteiligten bedanken. Insgesamt war es eine schöne Leserunde, die auch mir neue Erkenntnisse und Impulse gegeben hat. Kapitel 14 habe ich nach dem Vorschlag von Freija geteilt und zwei daraus gemacht. Bevor ich die aktuelle Version dann einreiche, interessiert mich noch folgendes:


    - Habt ihr Flüchtigkeitsfehler gefunden? Wie haben euch Stil und Sprache gefallen?


    - Wie fandet ihr den Genre-Mix Grusel, historisch und Krimi? Ok oder gewöhnungsbedürftig?


    - Gab es - außer Gilfeather für Freija - vielleicht doch die eine oder andere Figur, die euch sympathisch war / mit der ihr fühlen konntet? Meine Protagonisten sind zwar sämtlich keine ausgesprochenen Sympathieträger, aber es sollten schon Charaktere auftauchen, die interessant sind und die Geschichte mit lesenswert machen.


    - Wenn möglich, gebt dem Roman bitte eine Forumsbewertung (kurzes Fazit wäre toll!) und evtl. auch auf Amazon.


    Nochmals vielen Dank an euch alle! :friends:

    Was mich gewundert hat ist, Whitehurst war ja so tief seinem jüd. Glauben verbunden, wie konnte er nur so ein perfiedes Verbrechen planen.

    Es ist wohl eine alte Geschichte: vor lauter Gesetzmäßigkeiten, die man befolgen möchte, um "ein guter Mensch" zu sein, nimmt man wenig bis gar keine Rücksicht auf seine Mitmenschen und verstrickt sich nicht selten im Gegenteil von dem, was man eigentlich sein sollte. Der Earl war so ein Beispiel. Er wollte gut dastehen, materiell, vor sich selbst (denn er ist ein sehr stolzer Mann) und auch vor G'tt, und seine wirklich böse Tat hat er mit der Religion gerechtfertigt, obwohl es ihm nur um sich selbst ging. Da ist er leider kein Einzelfall.


    Dann das Gespräch Valentine/Carrick war das ein Traum oder Real

    Die Visionen sind für Valentine real, denn er hat ein Empfinden und eine Verbindung zu Carrick, die über das Sichtbare hinausgehen. Ob sie wirklich so stattgefunden haben, d.h. Carrick wirklich da war in der Zeit, bleibt ein bisschen der Fantasie und Interpretation des Lesers überlassen. Vielleicht war er auch in einer Art Zwischenwelt, die erst nach Mallords Tod für ihn wieder aufgehoben wurde.


    Fazit: Mir hat der Roman gut gefallen. Dieses Raten wer hat was getan, was ist real was ist Traum und was ist Geistergeschichte liebe ich.

    Vielen Dank Yael für die Begleitung und auch für den Anstoß sich doch nochmal mit der jüd. Geschichte/Glauben auseinander zu setzten

    Vielen Dank, das bedeutet mir viel! :friends: Mich hat es auch besonders gefreut, dass ich dein Interesse am Thema Judentum wecken konnte. Wenn du Zeit und Lust hast, wäre es toll, dich als Teilnehmerin der nächsten Leserunde begrüßen zu dürfen (Anmeldung Signatur). Bestimmt kann man sich das Buch auch ausleihen.

    Übrigens kann ich jetzt verraten, was es mit dem gelöschten Kapitel auf sich hatte, das leider nicht einmal mehr in der Rohfassung existiert. Dieses Kapitel war - wie ihr euch vielleicht erinnert - aus Mallords Sicht erzählt. Er wartet im Garten auf Carricks Rückkehr von Dr. Pendry und ertappt ihn und Pauline, wie sie ihn stürmisch umarmt und sich beide küssen. Ganz kurz wird es auf Seite 465 noch angerissen.


    Zitat

    Ich nickte wohl ein, denn ein Ruf ließ mich aufschrecken. Es war Escaray, der einen Namen schrie. Ich begab mich in die Nähe des Labyrinths, wo das Rufen lauter wurde und ich ihn aus einem sicheren Versteck beobachten konnte. Er sah abgehetzt und sorgenvoll aus und so aufgeregt, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Das machte mich neugierig wie der Name, den er unentwegt brüllte. Ein französischer, weiblicher Name. Auf Escaray Hall gab es außer der Hauswirtschafterin keine Frau, und die hieß nicht Francoise. Nun war mir bekannt, dass Whitehursts Nichte französischer Herkunft war. Kombiniert mit dem Verdacht des Earls, das Mädchen halte sich hier auf, ergab es Sinn. Ich verschanzte mich tiefer im Gebüsch und harrte der weiteren Vorgänge, die in der Tat erstaunenswert waren. Das Mädchen sprang aus einer Ecke ihm direkt in die Arme. Er herzte und küsste sie, er glaubte sich ja unbeobachtet. Die Küsse erwiderte sie leidenschaftlich; das war mehr als Schwärmerei. Sie wirkten sehr vertraut und innig miteinander. Sie unterhielten sich auf Französisch, darum verstand ich nicht viel, doch meine Augen waren scharf genug, um mit Gewissheit Pauline Whitehurst zu identifizieren. Der Earl hatte mir ein Foto gezeigt. Ein hübsches Ding, blond und zierlich, höchstens sechzehn Jahre alt. Sie hätten ein gutes Paar abgegeben.

    Mallords Beobachtungen waren in besagtem Kapitel detaillierter, und - wie meine Lektorin zu Recht meinte - fast verräterisch, so dass man schon recht bald auf ihn als Täter hätte kommen können. Darum und auch, weil Mallord kein "Haupterzähler" war, hielten wir es dann für besser, das Kapitel zu streichen.

    Was ich mich frage: wieso hat Carrick, nachdem er sich aus der geheimen Kammer gequält hat, sich nicht an Alguire gewandt? Hat er ihm die Beteiligung an der Sache dermaßen übel genommen?

    Für Carrick war es logisch, zu verschwinden. Er wusste, dass Pauline in Surrey sicher war und glaubte, dass Jean als Soldat gefallen war. Für die "Kinder" gab es nichts mehr zu tun, doch sein eigenes Leben war als Zeuge des Mordes durch Mallord in Gefahr, daher tauchte er unter und nahm einen anderen Namen an ("Mendel" ist übrigens ein typisch jüdischer Name und ein weiterer Hinweis auf seine Person zum Schluss).


    Auch mit Alguires Unterstützung - laut Mallord sein Liebhaber, der mit ihm unter einer Decke steckt - hätte ihm niemand geglaubt, zumal es ja den Anschein haben sollte, er selbst hätte die Eltern umgebracht (Stichwort "Baudelaire" und Mallords Verstellung auf Whitehurst Manor und im Waffengeschäft). An den Beweis von Fingerabdrücken hat er nicht gedacht bzw. war in Kriminologie nicht so versiert, um es in Betracht zu ziehen.

    Also dass Carrick das tatsächlich überlebt hat (haben soll) überrascht mich jetzt.

    Bei der Sache mit dem Kopfschuss hat Mallord Alguire belogen. Der hat Carrick nicht getroffen, ist aber zu durcheinander, um Mallords Worte anzuzweifeln und nachzuprüfen. Folglich war Carrick zwar derb gewürgt, halb ertränkt und gedemütigt, aber ein sehr harter Brocken.

    Ich hätte mir gewünscht, dass Renoir und Jean das zumindest teilweise doch irgendwie selbst raus finden und es nicht "einfach" erzählt wird.

    Obwohl Mallord am Ende selbst ein Geständnis ablegt, finden Renoir und Jean ziemlich viel heraus, und nicht zuletzt erinnert sich Jean an Mallord als Täter, als er versucht, seine Fingerabdrücke zu nehmen, was hinterher noch die Gewissheit bringt, dass Mallord der Schütze war. Das wäre nicht geschehen, wenn Renoir nicht daran gearbeitet hätte, Jeans Erinnerung zu "reanimieren".


    Und ich hab auch nicht kapiert was Jean da in dem Versteck nun gesehen hat.


    Das mit dem Versteck ist denke ich wirklich so gemeint, dass es ein bisschen mysteriös bleibt, was da nun ist oder nicht ist. Das hat mir gefallen.

    Der Roman bezeichnet sich als "kriminalistischer Schauerroman", d.h. es sind auch Gruselelemente vorhanden, die rational nicht unbedingt erklärbar sind (Beispiel Valentines / Jeans "Visionen" mit Carrick). Was die Entdeckung in der Geheimkammer angeht, so hat Jean den vermeintlich toten Carrick dort liegen sehen, der sich später selbst befreien konnte. Alguire und Mallord hielten ihn zwar für tot, aber er hat - zumindest nach meiner Absicht - überlebt. Das kann aber jeder Leser für sich selbst auslegen. Nur - wer wäre dann der Fremde am Ende mit der weißen Strähne im Haar?


    Ist das Carrick, der doch noch lebt? Ist das ein Sohn von ihm?

    Siehe oben. Für mich und für viele andere Leser ist es Carrick, der nach Mallords brutalem Überfall auf ihn schwerverletzt Escaray Hall verlassen hat, um unter anderem Namen in London seinen Doktor in Medizin zu machen, nachdem er Pauline in Sicherheit wusste. Wahrscheinlich heiraten die zwei, denn beide sind ja ineinander verliebt.



    Da rätselt man mehrere hundert Seiten lang rum und bekommt die Erklärung "einfach so hingeklatscht"- obwohl ich zugeben muss, in Anbetracht der Umstände hätte man da wohl nicht groß was anderes draus machen können.

    Agatha Christie machte das alle naslang... :) Nein, im Ernst, so einfach "hingeklatscht" empfinde ich den Schluss nicht. Natürlich gibt es wenig Hinweise auf Mallord als Täter (außer der Gärtner.... :wink: ), aber wenn man die Geschichte Revue passieren lässt, benimmt er sich doch zuweilen reichlich merkwürdig, vor allem, wenn es darum geht, mit Jean in einem Raum zu sein.

    Was mir nicht klar ist, wie kam Renoir darauf, dass Alguire der Mörder von Escaray ist - hab ich da was überlesen. Auch wenn er keine Beweise hatte, es muss doch einen Punkt gegeben haben der ihn darauf gebraucht hat.

    Armand hat die Theorie aufgestellt, dass Alguire aus verletzter Eitelkeit Carrick umgebracht hat. Ich glaube, Avrina hat es erwähnt.


    Zitat Armand, S. 279


    Zitat

    Alguire fühlte sich vielleicht gerade durch Escarays gleichberechtigter Gönnerschaft als Mensch zweiter Klasse. Sie wuchs ihm über den Kopf, er wurde größenwahnsinnig und griff zur Waffe, um Escarays Besitz einzukassieren. Versetzen Sie sich doch mal in seine Lage. Er durfte alles, ohne bestraft zu werden. Verwandte gab es im engeren Sinne ja nicht, daher würde das Erbe an Alguire fallen. Das wäre der plausibelste Grund.

    Ein anderes Motiv wäre die Eifersucht auf die Kinder, falls er und Escaray sich wirklich so nahe standen, wie man munkelt. Oder Escaray plante etwas mit ihnen, was Alguire nicht guthieß. Dann hätte er aus seiner Sicht das Gesetz auf seiner Seite, da er ja aus Edelmut den Grafen beseitigte. Nur die Einheimischen sehen das anders. Vieles ist denkbar.


    Auf S. 390 vermutet Renoir Folgendes:


    Zitat

    Vielleicht hatte Alguire ihn aus Missgunst beseitigt, und er konnte ihn deswegen nicht einmal verurteilen: Erst musste er dessen Bemühungen um den fremden Knaben hinnehmen, dann seinen Abgott und Pauline in trauter Zweisamkeit verkraften.

    Blieb die Frage nach Pauline. Renoir wollte sich nicht vorstellen, welche Dramen sich hinter den Schlossmauern abgespielt hatten, als Alguire in verletzter Eitelkeit ein mörderisches Tabula Rasa veranstaltet hatte.

    Als er Alguire deswegen zur Rede stellt, reagiert er ja auch ziemlich sonderbar und flüchtet aus dem Lokal.


    Und ja, du hast recht: das Kapitel hätte ich kürzer machen sollen. :)

    Was ist denn der 6. Mai für ein Tag, es wird ja erwähnt, das er besonders ist für die Familie. :-k Da steh ich auf dem Schlauch.

    Das ist der Geburtstag von Jeans Mutter.


    Zitat Hazelgrove:


    Zitat

    Es war der 6. Mai. Ein bedeutungsvoller Tag. Vielleicht sogar symbolischer Natur, darauf steht ihr Seelenklempner doch. Madames Geburtstag. Daher mein Rat: Suchen Sie jemanden, der davon wusste und ein Faible für makabre Überraschungen hat.

    Na auch von dem Laufburschen. Der gibt Renoir den Brief und sagt ihm das der Arzt wieder da ist.

    Und woher wusste der Laufbursche, dass Renoir auf die Rückkehr des Arztes gewartet hat?

    Renoirs Besuch sorgt von Anfang an für Aufruhr und Interesse in einem so kleinen Dorf, wo fast jeder jeden kennt und sonst wenig los ist. Die Konsequenzen von seinem Telegramm an Armand waren ein Beispiel.


    Zitat Renoir an Armand, S. 339


    Zitat

    Jeder Einheimische wusste um Ihren Besuch, weil ich im Amt dem Schweigen des Telegraphisten vertraute, was sich als Fehler herausstellte. Ich hätte wissen müssen, dass sich Neuigkeiten auf dem Dorf schneller verbreiten als ein Lauffeuer.


    Ab da wusste eigentlich jeder, warum der Earl einen Arzt aus dem Ausland hat holen lassen. Wer den Laufburschen instruiert hat, ist nicht so wichtig, doch ich dachte dabei an Lilian, die weiß, dass Renoir mit Hazelgrove noch mal in dieser Sache sprechen wollte.

    Danke für die Rezension, findo ! Wir möchten das Buch demnächst in einer Mini-Leserunde diskutieren (weitere Teilnehmer sind sehr willkommen!), und ich habe schon mal ein bisschen reingespickt. Mir gefällt der Erzählstil sehr gut, denn er soll ja vor allem Kinder und Jugendliche ansprechen oder Leute, die sich wenig bis gar nicht mit dem Thema befasst haben. In der Schule lernt man "nur" Zahlen wie die sechs Millionen und wie schrecklich der Holocaust war; hier bekommen die Schicksale ein Gesicht durch Wolffsohns Familie.


    Was ich besonders schön finde, ist die vernünftige Art von Opa Justus, der nicht wahrhaben will, was in Deutschland passiert. Auch mit ein paar Mythen und Klischees, die Juden umgeben, räumt Herr Wolffsohn schon in den ersten Kapiteln auf. Sicherlich sorgen die Glückskinder für Erstaunen in mancherlei Hinsicht. Bezüglich der Frage, warum es damals so weit kommen konnte, kommt Wolffsohn der Auflösung schon dadurch nahe, dass man nach Kundgebung der Nazigesetze als Nichtjude sein Leben riskiert hat, wenn man mit Juden verkehrt hat. Selbst wenn sie zuvor gute Nachbarn waren. Durch die Beispiele, die er nennt, wird das Ganze plausibler, wenn auch nicht weniger erschreckend.

    (soviel zum Thema Fingerabdrücke um 1900, Pinguinchen :)

    hihi, ja, jetzt weiß ich bescheid. Hast du das recherchiert als du das Buch geschrieben hast? Weißt du, wie das funktioniert?

    Ich habe unheimlich viel recherchiert für den Roman, u. a. auch das Verfahren der Daktyloskopie, das bis in die 1880er Jahre zurückgeht und von William James Herschel, einem britischen Beamten in Indien, sogar schon um 1860 herum angewandt wurde, allerdings ohne es polizeidienlichen Zwecken zunutze zu machen, sondern um Identitätsschwindel zu verhindern. Sehr viel verändert hat sich da lange Zeit nichts. Erst mit dem digitalen Zeitalter wurde das Sytem moderner. Vorher wurden Fingerabdrücke durch chemische und physikalische Verfahren sichergestellt, vorwiegend mit den sogenannten Spurensicherungspulvern (sieht man, glaube ich, auch noch im "Tatort"). Vor ein paar Jahren hatte ich selbst das zweifelhafte Vergnügen, dabei zuzusehen, als bei mir eingebrochen worden war. Die Beamten waren allerdings nicht erfolgreich und ehrlich gesagt nicht besonders helle, weil sie dachten, unsere Schuhabdrücke seien selten (Chucks), und hätten gute Chancen, zu den Einbrechern zu führen. Ich dachte mir, dass sie wohl zu wenig Sherlock geguckt haben... :wink:

    Ich fand es sehr positiv, dass sich Valentine bei Renoirs Anschuldigungen nicht in sich verkrochen bzw weggelaufen ist, sonder sich gut verteidigt hat. Irgendwie sieht man schon eine Weiterentwicklung.

    Ja richtig klasse. Ich weiß nicht was ich gemacht hätte, das war ja wirklich sehr verletzend von Renoir. Tolle und sehr reife Reaktion. :thumleft:

    Immerhin zeigen Renoirs Bemühungen endlich Erfolg. :) Valentine - oder eigentlich Jean - ist nicht mehr der verängstigte Junge, sondern weiß allmählich wieder, wer er ist.