Beiträge von Yael

    Danke für die schöne Rezi, Magdalena ! Ich mag Mr. Cohen, seit ich letztes Jahr im November auf einem Gedenk-Konzert eines guten Freundes war, der Leonard Cohen-Lieder gigantisch gut covert und seine Musik quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat. Durch ihn habe ich mich ein bisschen mehr mit Leonard Cohen befasst und denke, dass in den Roman tatsächlich viel Autobiografisches eingeflossen ist. Dass er als Romancier auch so überzeugt wie als musizierender Poet, kann ich mir fast nicht vorstellen (die Texte sind hammermäßig!), aber ich behalte die Originalversion auf jeden Fall im Auge.

    Wenn es um (prä-)historische Stoffe in Romanen geht, ist Bernard Cornwell scheinbar eine heiße Adresse. Klar, dass seine Artus-Chronik daher nicht von mir verschont bleibt. Allerdings habe ich festgestellt, dass mir die präzise fingiert-recherchierte und etwas nüchterne Schreibweise nicht so wirklich gefällt. Auf über 680 Seiten erzählt Cornwell den Anfang des sagenumwobenen Arthur Pendragon so ausführlich, dass man - zum Querlesen und gelegentlichen Gähnausbrüchen verführt - einen Haufen unnützer Dinge im Kopf behalten muss, von denen man sich nach zweihundert Seiten fragt, ob man sie irgendwie überlesen oder vergessen hat.


    Der Inhalt kann auf ein paar Sätze heruntergebrochen werden: Mordred, verkrüppelter Enkelsohn des Uther Pendragon, soll in einem zerrütteten Britannien der Nachfolger des Großkönigs werden. Zum Protektor des Kindkönigs wird Arthur bestimmt (der erst im zweiten von vier Teilen des Romans auftaucht), doch er soll erst Ceiwyn heiraten, um den Frieden zwischen zwei Königreichen zu festigen. Auf der Verlobungsfeier begegnet ihm Guinevere, in die Arthur sich unsterblich verliebt, sie heimlich zur Frau nimmt und damit den Untergang des Landes besiegelt. Eine Menge Schlachten und blutige, primitive Rituale finden zwischen diesen beiden Ereignissen statt.

    Meine Meinung: ist nicht sehr hoch, was, wie ich anfangs schon sagte, an der trockenen Art liegt, mit der Cornwell bzw. sein Ich-Erzähler Derfel berichtet, der Lancelot einen eitlen Geck nennt und sich für etwas besonderes hält, weil er ein guter Krieger ist, was hunderte Seiten lang zelebriert wird. Die Frauen sind entweder bildschöne, toughe, rachsüchtige Zauberinnen oder bildschöne Mäuschen, in die sich Derfel verliebt, ohne näher darauf einzugehen bis auf einen roten Kopf, den er bekommt, als er seine Angebetete zu forsch anbetet (was aber - ich gestehe es - irgendwie sympathisch war). Wahrscheinlich ist ihm die Liebe nicht kriegerisch genug.

    Obwohl seine Begegnungen mit Arthur durchaus ihren Reiz haben und der junge Arthur immerhin unkonventionell bartlos ist, lässt Cornwell letzteren in keinem guten Licht dastehen: er ist zwar charismatisch, hat ein Gewissen und macht seine Feinde am liebsten zu Freunden (tolle Eigenschaften, eigentlich!), doch zugleich wirkt er dadurch leichtgläubig und schwach. Obendrein ist er blind vor Liebe zu Guinevere, und ein guter Herrscher sollte neben dem Wunsch nach Frieden auch eine gute Menschenkenntnis haben, meine ich. Denn Guinevere, das raffinierte Luder, betrügt ihn von Anfang an mit diversen Edlingen und Königen und huldigt der Sekte der Isis - etwas, das ich als klassischer Artus-Fan nicht gutheißen konnte. Auch den ollen Merlin mochte ich nicht, der stets einen flotten Spruch auf den Lippen hat, die alten vertriebenen Götter wieder nach Britannien holen möchte und sich dafür Arthurs Fähigkeit bedient, Menschen zu führen. Also fungiert Arthur wieder nur als Marionette und eines Helden unwürdig.
    Die detaillierten Beschreibungen der frühen Jahrhunderte, in denen Menschen- und halbverweste Tieropfer zur Tagesordnung gehören und man das völlig normal fand, waren mir zu viel des Guten, genauso wie die Gemetzel auf gefühlt jeder fünften bis zwanzigsten Seite. Vielleicht kann Cornwell damit Historiker und ein überwiegend männliches Publikum begeistern; ich fand es zäh, ekelhaft und langweilig, ständig über die gleichen brutalen Dinge zu stolpern. Merkwürdigerweise hatte ich das Buch jedoch innerhalb recht kurzer Zeit durch, so dass es sooo schlecht nicht gewesen sein kann. Ob ich die Folgebände noch lese, lasse ich daher offen und vergebe großzügig drei Sterne.


    :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:


    Inhalt:
    Mordred wächst unter dem Namen Kaul glücklich bei einem Fischerehepaar auf, bevor er die Zauberin Nyneve trifft, die ihm erklärt, dass beide nicht seine richtigen Eltern sind. Sie bringt ihn zu seiner leiblichen Mutter Morgause und Lot in der Hoffnung, dass sich sein von Merlin prophezeites Schicksal nicht erfülle möge - der Untergang seinen wirklichen Vaters Artus und dem Reich Camelot. Von seinen Stiefbrüdern Gawain und Gareth als Feigling geächtet, da er keinen Spaß an Kriegsspielen hat ( ja, das kommt uns irgendwie bekannt vor...), ist er ein Sonderling, der abseits steht und nie so recht versteht, warum. Erst als sein Bruder Gareth sich verplappert und ihn einen Unheilsbringer nennt, wird Mordred klar, dass er handeln muss, um den Lauf des Schicksals zu beeinflussen. Mit fünfzehn wird er als Knappe in Camelot vorstellig und wünscht sich nichts sehnlicher, als seinen Vater Artus von Angesicht zu Angesicht zu sehen und ihn entweder zu hassen und zu zerstören oder ihn und seine eigene Seele zu retten. Doch seinen dringendsten Wunsch - den nach Anerkennung - kann ihm der mächtige König (zunächst) nicht erfüllen.
    Seine Reise als Ritter führt ihn durch einen Zauberwald, zu seiner mütterlichen Freundin Nyneve (die in Gestalt seiner treuen Hündin Möwe stets bei ihm ist), über den rätselhaften Fluss Avalon und schließlich zu den Abgründen seiner Seele, die er aufs Spiel setzt, um sich von der Prophezeihung - Merlins Fluch - zu befreien. Als die Lösung zum Greifen nah scheint, gibt es nur einen, dem Mordred vertraut: sein Vater Artus.

    Meine Meinung: Wo ich anfangen soll, weiß ich gerade nicht so recht; so bewegt hat mich Mordreds Geschichte und so tiefsinnig und schön und traurig zugleich war sie. Gefallen hat mir neben seiner Reise und seiner Beziehung zu Artus besonders die psychologische Komponente und der Reichtum an Fantasie, mit der die Autorin Mordreds Zwiespalt in wunderschön einfachen und doch poetischen Worten schildert. Er ist zerrissen von Liebe und Hass und dem Verlangen, Gutes zu tun, sieht er doch mit eigenen Augen, was für ein edler Mensch sein Vater ist, dem er so gerne gerecht werden würde. *Daddy-Issues*, vielleicht, aber unheimlich gut umgesetzt. Denn Mordred dürstet nicht nur nach Anerkennung; er möchte kein Böser, kein Unglücksbringer sein, und dennoch... wie kann er widerstehen, wenn seine Rolle vorgezeichnet zu sein scheint?
    Weniger gut fand ich die Darstellung der Stiefbrüder: Vor allem Gawain wurde in "Mordred, Sohn des Artus" zu einem blutrünstigen Rüpel, den ich in Gillians Bradshaws Trilogie als sensiblen und feinen jungen Mann so geschätzt und ins Herz geschlossen habe. Aber da jeder Autor frei ist, Varianten der Ritter und der Sage an sich zu erfinden, ist das nur mein persönliches Missempfinden und kein echter Kritikpunkt.

    Fazit: Die Artus-Sage aus der Sicht Mordreds ist gefühlvoll, spannend, manchmal skurril und eine kurzweilige Lektüre für Eilige, selbst solchen, die sich noch nie mit der Legende befasst haben, aber gern mehr darüber wüssten.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Im letzten und längsten Teil der Trilogie kommt die Königin Gwynhwyfar zu Wort, Artus' Frau und in diesem Band Geliebte seines treuen Feldherren Bedwyr, von dem ich annehme, dass es sich um Lancelot handelt, der der Sage nach ein Verhältnis zu Gwynhwyfar hatte, das dazu führte, dass Artus' Reich auseinanderfiel. Ich fürchte, ich kann die Rezi nicht ohne leichte Spoiler schreiben. Wer sich also lieber unwissend in Mrs. Bradshaws dramatische Version der Artus-Sage stürzen möchte, sollte nicht weiterlesen.


    Inhalt: Nachdem die Hexe Morgas im vorigen Band durch die Hand ihres Sohnes Agravain sterben musste, schwört der kleine Bruder Medraut bittere Rache. Er ist davon überzeugt, dass Gawain und Artus hinter der Tat stehen und wird im Camlann vorstellig, um seinem Vater zunächst zu dienen, nur um durch einen perfiden Plan die Macht an sich zu reißen. Artus kann sein Angebot nicht ablehnen, denn er fürchtet, von Medraut mit dessen inzestuöser Herkunft denunziert zu werden. Außerdem herrscht Unruhe in den umliegenden Königreichen, ein Krieg liegt in der Luft. Die angespannte Situation bringt Gwynhwyfar dazu, einen Becher mit Gift für Medraut zu brauen, doch ihre Absicht läuft ins Leere bzw. in Artus' Ärmel, der zum Beweis, dass seine Frau keine Giftmischerin ist, den Becher demonstrativ vor allen Leuten im Festsaal "trinkt".

    Doch Kummer und die Sorge um Medrauts Vorhaben lassen ihn seine Pflichten gegenüber Gywnhwyfar vernachlässigen; sie sucht Trost und Verständnis bei Artus' bestem Freund und Feldherren, und bald wird aus Zuneigung mehr. Medraut erwischt die beiden in flagranti, woraufhin Gwynhwyfar und Bedwyr an jeweils unterschiedliche Orte verbannt werden sollen. Ihre Liebe zueinander ist jedoch so stark, dass Bedwyr sie mit ihrer Eskorte unterwegs aufholt und sie nach einem kurzem Gemetzel mit sich nimmt. In diesem Gemetzel tötet er versehentlich Gawains Sohn Gwyn. Gawain will daraufhin seinen ehemaligen Freund tot sehen und bittet Artus um den Blutpreis. Schweren Herzens willigt Artus ein.
    Die "Familie" ist nun derartig zerstritten, dass es für Medraut ein Leichtes ist, sie zu täuschen und zu entzweien, denn der Traum von einem Paradies auf Erden, in dem Werte wie Liebe, Gerechtigkeit, Gnade und Edelmut herrschen sollen, bröckelt selbst unter den Rittern. Der Zeitpunkt für die Schlacht um Camlann scheint gekommen, in der sich der finstere Medraut und sein Vater, die Lichtgestalt Artus, gegenüber stehen.


    Meinung: Entgegen meiner Befürchtung, Gwynhwyfar sei mir als Erzählerin zu fad oder zu sehr Mary Sue (weibliche Identifikationsfigur), war das nicht der Fall. Zwar kann sie mit meinem heißgeliebten Gawain nicht mithalten und kümmert sich in der Hauptsache ständig patent um Vorräte und frische Pferde, aber sie ist keinesfalls unsympathisch oder makellos. Obwohl sie mit Kindern wenig anfangen kann, beklagt sie ihre Kinderlosigkeit und verzweifelt an ihrer Liebe zu zwei Männern. Ihr Ehebruch mit Bedwyr hat schwere Folgen - nicht nur für Camlann.
    Am meisten betroffen gemacht hat mich Gawains Verwundung durch Bedwyr, die unaufhaltsam an ihm zehrt. Als Gawain im letzten Drittel des Buches durch das Wirrwarr von Schlachtenstrategien und Scharmützeln eine Nachricht von Artus überbringt, die zum Sieg gegen Medraut führen soll, ist er bereits dem Tod nahe und halb gelähmt. Die Szene, in der er seinen Diener Rhys bittet, sein Pferd freizulassen, damit es in die Anderwelt zurückkehren kann, hat mich zu Tränen gerührt. Auch sein Vergebungsbrief an Bedwyr und die kindliche Freude, als er seinen kleinen Bruder Medraut im Fieberwahn an der Tür stehen sieht, waren fast zu viel für mich. Bislang hatte ich keinen ausgesprochenen literarischen Helden, aber ich glaube, der engelsgleiche Gawain hat ins Schwarze getroffen.


    Die Botschaft des Buches fand ich sehr schön und wichtig, und es ist nicht allzu verwunderlich, dass Camlann mit einem Störenfried wie dem teuflischen Medraut dem Untergang geweiht war. Trotzdem hinterlässt "Die Krone von Camelot" einen bitteren Nachgeschmack nicht zuletzt durch das Ableben meines strahlenden Helden, das mich doch ziemlich mitgenommen und mir den ansonsten so schönen Tag verhagelt hat.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Weiter geht's mit dem Kampf zwischen dem edlen Gawain und seiner heimtückischen Mutter Morgas, zwischen Gut und Böse. Und nicht nur das: Gawain, mittlerweile erprobter und geschätzter Krieger in Artus' Heer, ist auf der Suche nach seiner großen Liebe Elidan, um sie um Verzeihung zu bitten für das, was er ihr und ihrem Bruder angetan hat.


    Inhalt: Der zweite Teil der Artus-Saga wird diesmal (leider) nicht von Gawain, sondern von dem zweiundzwanzigjährigen Rhys ap Sion erzählt, einem Bauernsohn, dessen Vater Gawain auf seiner Reise zu König Artus im ersten Band begegnet ist und ihn ein Stück begleitet hat. Rhys bietet sich Gawain als Diener an, der davon jedoch nichts wissen will, nur widerwillig sein aufdringliches Angebot annimmt und ihm verspricht, ihn auf Camlaan/Camelot einem anderen Krieger zu übergeben, der seine Dienste nötiger braucht. Doch Rhys versteht sich auf weltliche Dinge besser als der häufig entrückt wirkende Gawain, lässt sich weniger gefallen und ist Gawain auch ansonsten eine große Hilfe mit seiner pragmatischen Art.


    Gawain ist auf der Suche nach Elidan, deren Bruder er trotz seines Versprechens, ihm nicht zu schaden, über den Jordan geschickt hat. Nun möchte er Abbitte leisten und wenn nicht ihre Liebe zurück-, so doch wenigstens ihre Vergebung erlangen, um reinen Gewissens zu seinem Herrn Artus zurückzukehren. Durchkreuzt werden seine Pläne von niemand geringerem als seiner Hexenmutter und Artus' Halbschwester Morgas. Gemeinsam mit Gawains jüngstem Bruder Medraut, der unter ihrem Bann steht, bringt sie ihren früheren Lieblingssohn in Verruf und seine ehemaligen Freunde gegen ihn auf. Eivlin, ihre Dienerin, verliebt sich in Rhys und muss ihm und Gawain dennoch eine Falle stellen, die vor allem Rhys fast das Leben kostet. Dank seiner Pfiffigkeit und raschen Auffassungsgabe entkommt Rhys mit der unter Morgas' Fluch stehenden Eivlin und findet Zuflucht in einem Kloster. Dort lebt Elidan als Nonne mit ihrem kleinen Sohn Gwyn, der Krieger werden möchte. Aber wird sie Gawain verzeihen können, und wird Gawain erkennen, dass der Junge ihm bis aufs Haar gleicht (hier wörtlich, denn Gwyn ist hell, Gawain dunkel)? Und wer wird Eivlin von Morgas' Fluch erlösen können?


    Meinung: Ein kleiner Wermutstropfen war der neue Erzähler für mich schon, nachdem ich mich so sehr an Gawain gewöhnt hatte. Der ist jetzt Ende zwanzig, von zahlreichen Schlachten gezeichnet und ein Held, über den Lieder gesungen werden. Glücklich macht ihn das trotzdem nicht, im Gegenteil. Oft wirkt er melancholisch und bitter und irgendwie larger than life im zwischenmenschlichen Umgang - mal wortgewandt, dann wieder zurückhaltend und im richtigen Augenblick zur Stelle. Nie fährt er aus der Haut, nie ist er unhöflich oder grob - ein richtiger altmodischer Ritter, eben. Und genau das mochte ich sehr an der Figur. Vermutlich hätte mich seine Art in anderen Romanen mit anderen Protagonisten genervt - zu Gawain passt sie perfekt. Seine vielleicht etwas blutleere Charakterisierung wird von Rhys kompensiert, der impulsiv und leidenschaftlich für Eivlin entbrennt und sie sogar durch eine Taufe vom Bösen rettet.


    Hier könnte ich mir vorstellen, dass einige Leser, die mit dem Glauben an Gott nichts anfangen können, ein wenig Probleme bekommen: Gut und Böse sind nicht nur vage Licht und Finsternis, sondern konkret Christus und Satan, in deren Namen Taten und Untaten begangen werden. Für mich war "Das Königreich des Sommers" eine durchaus gelungene und spannende Fortsetzung von "Falke des Lichts", auch wenn ich mir gewünscht hätte, weiterhin aus Gawains Sicht zu lesen, der mir wirklich ans Herz gewachsen ist.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    wobei ich die Ausgaben wie in der Liste (Seite 2) besitze, die eine wunderschöne Aufmachung haben.

    Die habe ich wohl auch (Sonderedition von 1993), selbst wenn ich merkwürdigerweise die Liste nicht abrufen kann... das Update macht mir noch ein bisschen zu schaffen. :uups:

    Zu der Zeit gab es längst nicht so viele Neuerscheinungen und m. E. hatte Fantasy da irgendwie noch mehr Seele.

    Obwohl ich, wie schon erwähnt, kein ausgesprochener Fantasy-Fan bin, kann ich das unterstreichen. Old School ist irgendwie anders, fast magischer als das, was man heute größtenteils geboten bekommt. Eine Neuerscheinung, die mich stilistisch an das Buch erinnert und emotional ebenso angesprochen hat, war übrigens diese hier:

    Ich springe mal für den guten Rainer Maria in die Bresche... :wink: Seine Gedichte kenne ich, seit ich in der dritten Klasse zur Weihnachtsfeier in der Aula "Advent" aufsagen musste durfte, und er war mein erster Berührungspunkt in Sachen Gedichte. Vielleicht sogar prägender, als ich sagen kann.


    Allgemein kann ich mit Lyrik wenig anfangen, doch durch diese "Aktion" besitze ich einen kleinen, unscheinbaren Rilke-Band, den ich sehr schätze. An Gedichte gehe ich jedoch völlig anders ran als an Romane - schon allein, sie an einem Stück von vorn nach hinten durchzulesen, wäre für mich gar nicht machbar, weil viel zu anstrengend und sinnlos. Manchmal schlage ich eine Stelle auf und bin berührt von der Eigentümlichkeit und der Poesie, mit der er schreibt. Und wenn ich in der richtigen Stimmung bin, treffen seine Worte mich mitten ins Herz.


    Liebe Janine2610 , Rilke nicht gut zu finden und das auch kundzutun, ist dein gutes Recht, aber wenn daraus ein Gedichtmarathon wird, durch den du dich quälen musst, dann leg' ihn doch einfach weg, Geschenk hin oder her. Was Romane angeht, gehe ich mit mofre konform, und ein bisschen zu hart gehst du m. M. auch mit Rilke ins Gericht. Wie schade, wenn das Werk eines Autors schlecht bewertet wird, weil der Leser sich nur berieseln lassen möchte und nicht damit rechnet, zum Nachdenken aufgefordert zu werden. Nichts für ungut, aber um ehrlich zu sein, entzieht sich das ein wenig meinem (Lese-)Verständnis. Für mich bedeutet lesen, den Horizont zu erweitern und offen für andere Sichtweisen zu sein bzw. mitzurätseln. Natürlich kann das jeder halten, wie er möchte, und trotzdem würde mir persönlich Lesen rein zur Unterhaltung und Entspannung nicht genügen. Ein gutes Buch / Gedicht soll inspirieren, nachdenklich machen, bewegen, meinetwegen auch schockieren. Aber mich nie gleichgültig zum nächsten greifen lassen.

    Ich hatte jetzt hinter Morgas spontan Morgause vermutet, die die Mutter von Gawain ist. Morgaine ist eigentlich die Halbschwester von Artus und nicht seine Mutter :) Aber wie gesagt... da findet man in vielen Romanen viele Versionen. Diese ganze Geschichte lässt mich seit "Die Nebel von Avalon" nicht mehr los und daher kenne ich mich ein bisschen aus.

    Kannst du mir vielleicht noch weitere Romane zum Thema empfehlen? Ich fand Artus' Charakterisierung wirklich gut gelungen und würde gern mehr über ihn erfahren.

    Hirilvorgul Ich würde mich freuen, wenn du das Buch in Angriff nimmst! :D Es lohnt sich, und ich frage mich, wie ich es so lange ungelesen bei mir rumstehen lassen konnte.


    Mit den Namen kenne ich mich leider nicht aus, aber mir fiel auf, dass Morgas anscheinend gern mit Morgaine bzw. Morgan verwechselt wird, die in dieser Reihe die Frau von Uther Pendragon, also Artus' Mutter, ist. Ob Morgas jetzt wirklich so abgrundtief böse ist wie hier dargestellt, kann ich nicht sagen - jedenfalls hat sie mir ordentlich angst gemacht. Kindern würde ich das Buch nicht empfehlen. Den Interpretationsspielraum fand ich eigentlich ganz gut, denn er erlaubt der Autorin, ihre ganz eigene Version zu erzählen. Und das macht Gillian Bradshaw mit Bravour!

    Dieser Klassiker aus dem Fantasybereich steht als aussortierte Büchereiausgabe schon seit Jahren in meinem Regal - sträflicherweise ungelesen, wie ich nun gestehen muss. Damals hatte ich mir die Trilogie besorgt, weil mir die Cover so gut gefielen, und danach habe ich sie irgendwie vergessen. Fantasy ist nicht so wirklich mein Ding, und von König Artus habe ich zwar gehört und Gemälde der Prärafaeliten sogar im Original bewundert, mich aber nie sonderlich für die Legenden um ihn herum interessiert.


    Mehr aus Langeweile als aus Neugier habe ich den ersten Teil der Saga jetzt bei herrlichem Balkonwetter angefangen zu gelesen - und war innerhalb von vier Tagen fertig und total beeindruckt! Geschichten wie die des jungen Gawain aus Orkney, Sohn des Lots und Morgas, der sich danach sehnt, ein Gefolgsmann Artus' und ein Mitglied der "Runde" zu werden, das ist der Stoff, aus dem für mich Märchen gewebt werden, die auf unterhaltsame und lehrreiche Art etwas von der Realität widerspiegeln. Besser kann man ein Buch dieses Genres meiner Meinung nach nicht schreiben.


    Inhalt: Der elfjährige Gawain wächst als mittlerer Königssohn im Inselreich Orkney auf. Er kann seinen Vater nicht zufriedenstellen, da er sich lieber mit Harfenspiel und Reiten beschäftigt als mit der Kriegskunst, in der er im Haus der Knaben unterrichtet wird. Sein verträumtes Wesen gibt dem ältesten Bruder Agravain häufig Anlass zu Spötteleien und sogar Herausforderungen zu Zweikämpfen, die Gawain zwar erträgt und stoisch verliert, die aber dennoch an ihm nagen. In seiner Not, gebraucht zu werden und Agravain überlegen zu sein, wendet er sich seiner Mutter Morgas zu, die eine mächtige Zauberin ist und von der Finsternis regiert wird. Rasch erlernt er die dunkle Magie, doch er erkennt bald, dass er damit sich und alle anderen ins Verderben stürzt. Ein barbarischer Ritus seiner Mutter wird von ihm in letzter Sekunde vereitelt bzw. abgemildert. Als er vor Morgas Zorn darüber fliehen will, die fortan danach trachtet, ihn zu töten, wird ihm auf der "Insel der Glücklichen" ein Schwert gegeben, mit dem er das Böse bekämpfen soll. Er entscheidet sich, dies in König Artus' Truppe zu tun, von dem er in Träumen und von Untertanen viel Gutes gehört hat. Artus ist Morgas' Halbbruder und in seinem Bestreben, Britannien zu vereinen und von den Sachsen zu befreien, ein sehr charismatischer und warmherziger Herrscher. Doch auch in ihm schlummert eine dunkle Seite, die ihn davon abhält, Gawain als Ritter der Tafelrunde zu akzeptieren...


    Meinung: Tatsächlich wenig fantasyerprobt, habe ich dennoch erkannt, dass "Der Falke des Lichts" klassische Muster, vielleicht sogar Klischees der High Fantasy bedient und mich trotzdem auf keiner Seite gelangweilt. Im Gegenteil, oft war ich amüsiert von den Dialogen und den Konstellationen der Familienmitglieder, die in den wenigen Fantasyromanen, die ich bisher gelesen habe, einander gleichen.


    Gawain hat es nicht leicht - weder im Kreis seiner Familie noch später bei Artus' Gefolgsleuten und vor allem nicht bei diesem selbst. Obwohl er sich in verschiedenen Schlachten verdient macht, ihm schwört, dem Licht zu dienen und Artus loyal zu sein, traut der Kaiser von Britannien ihm nicht über den Weg. Er erklärt dies mit der Weigerung, einen Zauberer als Krieger haben zu wollen und somit nicht auf ehrenvolle Art zu kämpfen. Der wahre Grund seines Misstrauens gegenüber dem Jungen ist jedoch tiefer und war für mich ein echter Überraschungsmoment, genauso wie der Grund, weswegen er ihn schließlich doch als Krieger seiner Truppe anerkennt; und das, als Gawain bereits beschließt, leicht entmutigt, aber tapfer und seiner Mutter Morgas trotzend auf seinem Wunderpferd wieder nach Hause zurückzukehren.


    Die Story war so toll, zeitlos und teilweise so ergreifend erzählt, dass ich an manchen Stellen Gänsehaut hatte, und immer eine große Sympathie für den etwas naiv wirkenden, aber entschlossenen Jungen hegte, der sich in Artus' Heer mit seinem als Geisel genommenen Bruder aussöhnt und am Ende sein Ziel mit einer Tat erreicht, von der ich zuerst dachte: "Was soll das denn jetzt? Wie passt eine verzweifelte Frau in die Geschichte?" Solche Dinge liebe ich, denn es kam unerwartet und doch logisch. Als Gawain schließlich von Artus mit seinem eigenem Schwert zum Ritter geschlagen wird und niemand darüber erstaunter ist als Gawain selbst (nicht nur, weil er gar nicht mehr darauf zu hoffen gewagt hatte), war ich vor Glück den Tränen nah. Jetzt freue ich mich auf strahlendes Sonnenwetter und die nächsten Teile, die hoffentlich genauso spannend sind wie der Auftakt!


    Fazit: Lesenswert trotz seiner fast vierzig Jahre. Ein echter Klassiker unter den Fantasyromanen, der viel zu lange warten musste, um von mir verschlungen zu werden.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Interessante Frage, die wohl schon jedem Autor durch den Kopf gegangen ist. :thumleft:


    Viele Autoren bekennen sich ja mittlerweile ganz freimütig dazu, bekannte Schauspieler für ihre Charaktere zu verwenden, und warum auch nicht? Mir selbst geht es beim Schreiben eigentlich immer so, dass ich eine geheime Besetzungsliste zusammenstelle, die ich auch für mich behalte. Allerdings habe ich nun schon länger keine Geschichte mehr geschrieben. In meinen bisherigen dienten Schauspieler als "Vorbild", die heute (und eigentlich auch schon damals) zu alt waren, um in einer Verfilmung - sofern es dazu kommen sollte - die Rollen tatsächlich zu übernehmen. Manche sind auch bereits verstorben. Ich würde daher eher unbekannte Schauspieler bevorzugen, bis auf den Hauptdarsteller vielleicht. Für "Das Bildnis des Grafen" habe ich mir in der Rolle des Psychologen Gaspard Renoir Jeremy Irons vorgestellt, weil er in seinen frühen Filmen oft etwas Melancholisches an sich hatte, und Carrick Escaray war eine Mischung aus Gary Oldman (jung) und Orlando Bloom. Ich fände aber auch den heute noch frischen Tom Hiddleston recht passabel, wenn auch etwas zu groß. :wink:

    Das Buch ist ja unter dem englischen Titel verfilmt worden und läuft gerade in den Kinos (Bei mir leider wieder nicht :evil: ). Er scheint ganz gute Kritiken bekommen zu haben, und sogar der Autor war des Lobes voll und fand die Umsetzung sogar besser als sein eigenes Werk. Hat den Film schon jemand gesehen? Ich würde mich sehr über Meinungen freuen.

    Hallo ihr Lieben,


    bis zum 31. Dezember verlose ich auf meiner Autorenseite bei FB einige meiner Romane als Print. Der Gewinner darf sich einen Titel aussuchen. Ich würde mich sehr über eure Teilnahme freuen. :D Näheres zum Gewinnspiel findet ihr auf dem Link in meiner Signatur.

    Bei den Stichworten "gruselig" und "atmosphärisch" mit alten Häusern ist mir sofort dieses hier eingefallen. Da du sagst, dass dein Geschmack eher speziell ist, könnte das genau das sein, was du suchst. Ich habe es verschlungen. :love: Derzeit ist es als ebook im Sonderangebot für € 3,99 zu haben statt € 6,99. Aber auch der übliche Betrag lohnt sich. Das Buch hat über 600 Seiten und ist an keiner Stelle langweilig, sondern - Achtung! - manchmal fast zu gruselig und aufregend.

    Die Argumentation, dass die Phantasie beim Lesen eines Buches mehr angeregt wird als beim Filme-/Serienschauen, ist wohl nicht von der Hand zu weisen. Ich würde auch niemandem raten, den Fernseher einem Buch vorzuziehen. Was mich selbst betrifft, so habe ich früher Bücher Filmen in allen Punkten vorgezogen - mittlerweile ist das mit Abstrichen so, da ich ein sehr visuell geprägter Mensch bin und mich sogar Serien in fremde Welten entführen und zum Staunen bringen können und eine Inspiration sind bzw. meine Phantasie zu Spekulationen anregen, wie es weitergeht. Viele Filme und Serien werden aufwendig produziert und geben mir als Zuschauer das Gefühl, mittendrin in einer anderen Epoche oder Welt zu sein.


    Sofern ich die Vorlage nicht kenne, stören mich auch die Schauspieler nicht, die ja doch häufig nach den Beschreibungen im Roman gecastet werden. Aktuelles Beispiel wären da für mich Poldark und Outlander. Ich liebe die Poldark-Serie, glaube aber, dass mir die Vorlage zu öd und langweilig wäre, denn es passiert nicht wirklich viel; zumindest nicht in der ersten Staffel. Aber das Setting ist so atmosphärisch und die Schauspieler so gut, dass ich mich an das Buch gar nicht rantraue. Insofern möchte ich beides nicht missen; Filme und Serien haben für mich die gleiche Daseinsberechtigung wie das Buch. Ich freu' mich an beiden. :D

    Ob ich es zeitlich schaffe, weiß ich nicht, aber ich hätte einen heißen Tipp für alle, die noch auf der Suche nach wirklich gruseliger Lektüre sind. Obwohl ich das Buch bereits gelesen habe, würde ich es in der Halloweennacht lesen. Außer Grusel und einer sehr atmosphärischen Handlung auf über 650 Seiten gibt es noch ein paar explizite, niveauvolle Erotik-Szenen (m/m), aber wen das nicht stört, der kann ja mal einen Blick reinwerfen.

    Um das typische Temperament eines Sternzeichens zu erwähnen, braucht man diese persönlichen Daten nicht, da es ja allgemein bekannte Dinge sind. Divina ist eine typische Zwillinge-Geborene. Selbst die Tatsache, dass sie von der Astrologie nicht überzeugt ist, ist typisch.
    Da kann sie sich noch so winden ...

    Genau das ist es, was ich an Astrologie nicht ausstehen kann. Ich finde es viel besser, offen zu sein und nicht nach Sternzeichen zu (be-)urteilen. Diese Einstellung schränkt deinen gesunden Menschenverstand und deine Mitmenschen ein. Im Small Talk mag das Thema ganz unterhaltend sein, aber eine Wissenschaft ist es bei weitem nicht, sondern m.M. nach Mumpitz, den keiner zu ernst nehmen sollte. Sorry, aber so sehe ich das.

    Auch wenn der Thread laut dem Verfasser ja eher als Ironie zu verstehen ist, finde ich ihn doch sehr unterhaltsam und greife mal wie @Hörbuch-Freak und @sunny-girl mit in @kampfguerkchens Popcorneimer. :loool:


    @Paul Goodway Teilweise kann ich deine Beiträge nachvollziehen, zumindest den Teil, in dem du schreibst, dass man dazu tendiert, andere Meinungen und Überzeugungen lächerlich zu machen - leider ist das oft so. Was sich mir nicht erschließt, ist die Tatsache, dass du die Astrologie in Naturwissenschaften reinpackst und behauptest, wer nicht daran glaubt, schränke sich und andere ein. Ich denke, eher das Gegenteil ist der Fall. Wenn du wirklich an die Vorbestimmung bzw. Temperamente und den Charakter der einzelnen Sternzeichen glaubst, presst du die Leute, die dir begegnen, in eine Schablone, und hier bekomme ich Probleme ("Ach, du bist *insert Eigenschaft*...? Typisch *insert Sternzeichen*...!").


    Jeder Mensch besitzt Eigenschaften und Merkmale, die durch Gene, Erziehung, Erfahrungen und Lebensweise geprägt sind und nicht durch Aszendent, Geburtsstunde, kosmische Konstellation etc pp. Das behaupte ich einfach mal ganz frech. Früher habe ich mich wie @Divina mit Astrologie befasst, und dann festgestellt, dass ich total aus dem Rahmen falle (ach so, mein Aszendent ist Schütze). Fand ich dann irgendwie cool, denn ich habe festgestellt, dass mich dieses Kategorisieren ziemlich unfrei gemacht hat.


    So an sich ist Astrologie eine lustige Spielerei, die manchmal zutrifft, mehr aber auch nicht. Ob daran die Sternzeichen schuld sind, bezweifle ich. Die Himmelsbilder haben sich übrigens im Lauf der Jahrhunderte verschoben, so dass ein Stier jetzt strenggenommen ein Widder wäre. Und nun? Ist der Stier nun sinnlich und genussvoll oder doch eher der Widder? Oder die Jungfrau kreativer als die Waage? Fragen über Fragen... aber eine amüsante Diskussion. :wink:

    Dieses Buch aus dem Gothic-Bereich mit Gay Romance-Elementen hat mich sehr lange beschäftigt und auch überwältigt. Es geht um einen Jungen, der von einem geheimnisvollen Baron adoptiert wird und auf dessen Anwesen einen weiteren adoptierten, stummen Jungen kennen- und lieben lernt. Da es ein ziemlicher Schmöker ist und zudem eine Gruselgeschichte, war ich sofort dabei. Ich habe eine Rezension geschrieben und das Buch seitdem mehrmals in der Hand gehabt. Es hat eine emotionale Sogwirkung, der man sich als Leser kaum bis gar nicht entziehen kann.

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