Bücherwichteln im BücherTreff

Beiträge von Yael

    Jüngste Aufräumarbeiten haben einige meiner frühen Testexemplare zutage gebracht. Es sind Bücher, die ich zwecks Korrektur habe drucken lassen. Obwohl die Ausgabe von "Fairlight" quasi eine Rohfassung ist und mittlerweile ein - wie ich finde - ansprechenderes Cover hat , bringe ich es nicht übers Herz, sie wegzuwerfen. Vielleicht findet sich unter euch jemand, der Interesse an einer düsteren Familiengeschichte hat, in der es hauptsächlich um Männer geht.


    Ich verschicke das Buch innerhalb Deutschlands umsonst und lege eine Karte der original Flower Fairy-Zeichnungen von Mary C. Barker bei. Bei Interesse meldet euch hier im Thread oder kontaktiert mich über PN.

    Danke für die ausführliche Rezension! Da ich mich selbst seit einiger Zeit mit dem Thema beschäftige und es auch in manchen TV-Serien gut umgesetzt fand (Beispiele House MD und Hannibal), ist mir das Buch schon ein paar Mal über den Weg gelaufen.


    Bisher war ich Büchern mit diesem Thema gegenüber skeptisch, da man häufig entweder "Wunderkinder" im Asperger/Autisten-Spektrum erwartet oder eben jene, deren Gefühle vermeintlich verflacht sind. Wie grausam muss da die Reiztherapie gewesen sein! Ertappt sich hin und wieder nicht jeder dabei, wie einem die Flut an Eindrücken von Umwelt und Medien zu viel wird und man am liebsten einen Schalter umlegen möchte, um dem nicht mehr ausgesetzt zu sein? Es ist gut, dass man heute einen differenzierten Blickwinkel hat. Das Buch leistet dazu offenbar einen guten Beitrag. Ab auf die WL damit.

    Hallo und herzlich willkommen beim Büchertreff! :winken:


    Tja, das mit der Motivation ist so eine Sache... dein - leider recht wirrer - Beitrag klingt echt verzweifelt. ich würde allerdings vorschlagen, dass du dich erst mal weiter zum Lesen motivierst statt zum Schreiben, denn dadurch verbessern sich erfahrungsgemäß die schriftlichen Feinheiten, die deiner Anfrage leider völlig abgehen. Wenn deine Geschichten genauso fehlerhaft und konfus sind wie dieser Beitrag, haben deine zukünftigen Leser keinen Spaß daran, sie zu lesen.


    Ich möchte dir nicht zu nahe treten und kann gut verstehen, dass es dich in den Fingern juckt, eine Idee auszuarbeiten. Aber zum Schreiben gehört auch Handwerk, das du scheinbar nicht so gut beherrschst, wie du möchtest bzw. es sein sollte. Darum wäre mein Rat einfach mal entspannt zurücklehnen und ein Buch zur Hand nehmen. Man kann viel daraus lernen. :friends:

    , denn auch dort gibt es lesenswerte Romane.

    ... was Hiyanha auch nicht bezweifelt. Sie hat nur keine Lust, ebendiese lange zu suchen, wenn es Verlagsbücher gibt, bei denen sie sicher sein kann, dass sie ihren Kriterien entsprechen und die sie nicht lange suchen muss.


    Bei mir halten sich Verlagsbücher zu Selfpublishererscheinungen die Waage. Indie-Bücher lese ich meist als E-Book, während ich mir Verlagsveröffentlichungen überwiegend in Papierform zu Gemüte führe. Ich gebe zu, dass ich mit selbst verlegten Büchern oft kritischer umgehe als mit Verlagsbüchern. Das beginnt schon vor dem Kauf. Es passiert mir nur noch selten, dass ich ein Indie-Buch herunterlade, ohne vorher die Leseprobe gelesen zu haben. So lässt sich am besten feststellen, ob ich mit dem Bucherzeugnis kompatibel bin :lol: Dann gibt es zumindest weniger Enttäuschungen.

    Darum ging es mir auch gar nicht. Es ging um die Frage, ob jeder gute Autor von einem Verlag genommen wird, wenn er es nur hartnäckig und lange versucht.


    Und was das Suchen angeht, so finden die meisten Leser ihre Interessensgebiete doch gezielt übers Internet. Leseproben kannst du von Verlagsbüchern genauso wie von Selfpublishern abrufen. Ich jedenfalls bin froh, dass Selfpublisher auch den Mut haben, Nischen zu eröffnen und Geschichten abseits des Mainstreams erzählen. Ein Beispiel ist das Genre Gay Romance, das - wie ich glaube - erst durch Eigenverlage im deutschsprachigen Raum "salonfähig" wurde.

    Ein Autor der wirklich schreiben kann, kommt auch früher oder später zu einem Verlag (und damit meine ich keinen Eigenverlag :-# ).

    Nicht unbedingt. Um zu einem Verlag zu kommen, braucht es mehr als gutes Handwerk, man muss als Autor auch mit seinem Buch zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Und ich möchte gar nicht wissen, wie viele hervorragende Manuskripte von den Verlagen abgelehnt werden, weil sie nicht dem entsprechen, was nach deren Ansicht gerade "in" ist.


    Was mich persönlich betrifft, ist der Herausgeber kein Bewertungskriterium. Klappentext, Leseprobe, sachliche Rezensionen, das sind für mich die Grundlagen, wenn ich mir überlege, ob ich ein Buch kaufe oder nicht.

    Darum finde ich es gut, dass es die Möglichkeit gibt, im Eigenverlag bzw. Selfpublishing zu veröffentlichen, denn auch dort gibt es lesenswerte Romane.


    Ich glaube auch, dass man als Leser allgemein die Schwierigkeiten unterschätzt, die einem angehenden Autor in den Weg gelegt werden. Von Druckkostenzuschussverlagen will ich gar nicht reden. Aber eine Absage liegt (meist) nicht an der Qualität des Manuskripts, sondern an der Masse von Neuerscheinungen / Übersetzungen, die ein renommierter Verlag zu bewältigen hat. Einen Blick wirft bei seriösen Verlagen kaum jemand in ein Manuskript, das von unbekannten Autoren geschickt wird. Oder es passt halt "nicht ins Programm", einen Blick reingeworfen oder nicht.

    Es gibt eigentlich keinen Text, der nicht verbessert werden könnte, nicht einmal dann, wenn der Autor in allem sehr gut ist. Darum ist es immer besser, wenn der Autor das noch mal in fremde, fachlich kompetente Hände gibt. Erst dadurch entfaltet ein Werk sein volles Potenzial.

    Volle Zustimmung. Es ist ja nicht so, dass ein Autor, der freiwillig oder unfreiwillig auf ein Lektorat verzichtet, alles selbst macht oder machen muss. Da ein professionelles Lektorat eben auch eine Kostenfrage ist, gibt es Autoren, die sich vor Veröffentlichung ihres Romans im Freundes- oder Bekanntenkreis nach kritischen, ehrlichen Lesern umsehen, die den Text auf Rechtschreib- und Inhalts- bzw. Logikfehler überprüfen, im Idealfall mehrmals. Meine Korrektorin / Lektorin habe ich hier über den BT kennengelernt, und ich habe viel durch diese Zusammenarbeit gewonnen, auch neue Einsichten.


    Ich kenne jedoch auch Autoren im Selfpublishing, die gemeinsam mit anderen Schriftstellern arbeiten und damit durchaus Erfolg haben.

    Merkwürdig, dass (fast) niemand Autodidakten zutraut, anständige Ware abzuliefern. Ständig muss es von Fachleuten kontrolliert und verbessert werden, damit es auch "was taugt". Ich sage nicht, dass das verkehrt und im Selfpublishing ein Lektorat per se nicht nötig ist. Aber ich möchte auch daran glauben, dass jemand, der mit Herz bei der Sache ist und seinem Werk Zeit gibt, gute Arbeit leistet, weil ihm das Ergebnis genauso wichtig ist wie dem potentiellen Kunden, sei das nun ein stabiler Tisch oder ein weitgehend fehlerfreies Buch.


    Und wie gesagt, wirklich gravierende und häufig wiederkehrende Fehler und / oder schlechter Stil habe ich bei Indie-Büchern noch keine gehabt. Grottige Bücher in diesem Sinn erkennt man ja schon an den Leseproben. Das ist aber meine ganz persönliche Erfahrung.

    Da ich selbst bei Amazon veröffentlicht habe, schaue ich mir gern Romane von Kollegen an. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass mich bisher wenig angesprochen hat - sei es die Thematik oder die allzu saloppe Sprache, mit der ich nichts anfangen kann. Rechtschreibfehler oder ein fehlendes Lektorat finde ich nicht so tragisch; viele Verlagsbücher lesen sich ebenfalls ein bisschen sperrig. Aber vielleicht sind mir auch noch keine so haarsträubenden Exemplare untergekommen wie die, von denen schon berichtet wurde.


    Meine Perle unter den Selfpublishern ist dieses Buch:

    Welcher Austausch wird denn hier so schmerzlich vermisst ?

    Ich kann nur für mich sprechen und wie ich es empfinde. Von den Usern, mit denen ich öfter über Bücher diskutiert habe, sind viele schon lange nicht mehr aktiv. Ich vermisse tatsächlich einige, die seit Jahren nicht mehr hier waren, weil unser Buchgeschmack ähnlich war. Darum hab' ich mich auch ein bisschen zurückgezogen vom BT. Im Smalltalk-Bereich halte ich mich nicht (mehr) so häufig auf, den kann ich auch woanders haben. Aber die Diskussionen über gerade gelesene Bücher fehlen mir doch sehr, weil ich in RL niemanden habe, der meine literarischen Vorlieben teilt oder gern über Bücher spricht, die mich interessieren.


    Aber das ist natürlich auch schwierig, weil man ja dann spoilert.


    Dafür gibt es hier eine supertolle Spoilerfunktion, die einfach zu bedienen ist. Das Problem ist, dass jeder Leser Spoiler anders bewertet. Da weiß man dann nicht genau, ob man schon mit dem Werdegang einer Nebenfigur gespoilert hat, die für die Handlung nicht allzu relevant ist.

    Ich schreibe gerne Rezensionen, weil es für mich eine Art Abschluss ist, ein Resümee, und ich beim Verfassen noch einmal über den Inhalt nachdenken kann. Nicht für jedes Buch, das ich lese, aber den Großteil davon. Es handelt sich dabei weder um Gefälligkeitsrezensionen noch Rezi-Exemplare, sondern um Romane querbeet, neu oder alt. Die Rezensionen, die ich auf dem BT veröffentliche, befinden sich meist auch auf meinem Blog, so dass ich in vielen Jahren mal nachschlagen kann und sagen: Hey, diese Meinung hatte ich mal zu dem Roman, das ist ja interessant.


    Wäre mein Blog nicht, würde mir das Verfassen von Rezis vermutlich keinen Spaß mehr machen. Als langjähriges Mitglied beim BT fällt mir immer mehr die Diskussionsunlust auf, die zu meinen Anfängen vor zehn Jahren praktisch nicht vorhanden war. Selbst zu älteren Romanen haben sich viele geäußert, wenn sie denselben Roman bereits gelesen hatten, den man rezensiert oder zu dem man seine Meinung geschrieben hat. Heute kommt kaum eine Reaktion mehr, und man freut sich schon über ein Like als "zur Kenntnis genommen." Irgendwie schade, doch da Rezensionen offenbar ja eher unbeliebt sind, egal auf welcher Plattform, wundert es mich eigentlich nicht.

    Geschafft! Innerhalb von zwei Wochen habe ich den dritten und letzten Teil der Saga gelesen und muss sagen, dass ich im Nachhinein über mich selbst erstaunt bin, denn normalerweise hätte ich Bücher mit derart hohem Ekelfaktor schon lange vorher abgebrochen. Da mich aber keiner gewarnt hat und ich Artus / Arthur als Figur einfach nur toll finde, wollte ich wissen, wie es denn endet in Cornwalls "realistischer Fassung" der Legende.


    Inhalt: Der Auftakt zwingt den Leser förmlich, dranzubleiben: auf den ersten Seiten knüpft Band 3 nahtlos an den zweiten an, der mit einem Cliffhanger endet. Merlin und seine Komplizin und Gefährtin Nimue haben Arthurs Sohn Gwydre gekidnappt, um ihn bei einem großen Fest als Versöhnungsgabe den Göttern zu opfern. Die sollen dadurch in die Geschicke Britanniens eingreifen und das Land vom Christentum befreien. In letzter Sekunde vereitelt Arthur den perfiden Plan, doch der gutgläubige und unschuldige Gawain findet ein schreckliches Ende, das nicht einmal eines der Kleinodien wiedergutmachen kann: der Kessel, dem Gawain geopfert wird, kann diesen wider Erwarten nicht zum Leben erwecken, und Gwydre - das wertvollere Opfer als Sohn eines Herrschers - ist gerettet. Nimue ist stinkig. Merlin irgendwie auch, obwohl er fast so etwas wie Reue empfindet, als Arthur ihn zornig zur Rede stellt.


    Nach dieser recht vielversprechenden Szene geht es weiter wie gehabt: Bedrohungen durch die Sachsen, Streitereien zwischen Königreichen. Arthur ist des Kämpfens müde und träumt vom einfachen Landleben und einer Karriere als Hufschmied. Solides Handwerk will er ausüben statt Kriegskunst, auch wenn die inzwischen zu ihm zurückgekehrte Guinevere sich und Arthur zu Höherem berufen fühlt. Trotzdem raufen sich die beiden wieder zusammen, Guinevere schwört ihrer Sekte ab und steht im Kampf an der Seite von Erzähler Derfel als Bogenschützin ihren Mann. Natürlich wird auch reichlich herumorakelt durch neu eingeführte Charaktere wie den hellsichtigen Barden Taliesin, gezaubert, und vor allem wieder Rache geübt. Nicht nur das Ende von Gawain hat mich schockiert, der sogar noch als abschreckende Leiche von Merlin in eine Schlacht geführt wird, sondern auch das von Lancelot. Vielleicht mag ihn Cornwell nicht, weil er in der Sage so gnadenlos perfekt ist, doch das ist kein Grund, einen echten Loser aus ihm zu machen, der machtgeil, verräterisch und skrupellos seine Ziele verfolgt. Apropos skrupellos: Mordred, der rechtmäßige König, für den Arthur seinen letzten Schwur halten möchte und am Ende doch versagt, war mir irgendwie viel zu nebulös und nicht wirklich präsent. Zwar wurde er nach allen Mitteln der Kunst als widerlich dargestellt, aber das half mir nicht über die etwas lächerliche Vorstellung von Peter Ustinov als Nero in "Quo Vadis?" hinweg - und das entspricht überhaupt nicht meinem Bild eines raffinierten und zielstrebigen Mordred.


    Im vierten Teil des Buches geht dann alles Schlag auf Schlag, durchsetzt von immer wiederkehrendem Schlachtengetümmel und Gemetzeln an diversen Hauptcharakteren. Teilweise war es mir zu viel, und dann - als das Ende des Helden naht - wurde ich von der Sang- und Klanglosigkeit, mit der er verschwindet, irgendwie enttäuscht. Nach einer letzten Bitte an Derfel, sein magisches Schwert Excalibur im Meer versinken zu lassen, hinter dem Merlin und Nimue als eine der Göttergaben her waren, verschwindet der verhinderte König Britanniens auf Nimmerwiedersehen. Wie in der märchenhaften Sage. Keine Überraschungen hier. Allerdings muss ich zugeben, dass mir schon ein bisschen das Herz geblutet hat, als Arthur schwer verwundet zu Boden geht.


    Meinung: Trotz aller Kritik haben mich Cornwells Arthur-Chroniken einigermaßen gut unterhalten. Das liegt vor allem an der Figur des Arthur, der Cornwell aus den Überlieferungen treu geblieben ist: freundlich, aufmerksam, charismatisch und dennoch ein rücksichtsloser Gegner für potientielle Eroberer seines Landes, träumt er von einer besseren Welt und scheitert doch an den hochgesteckten Idealen, die von seinen Mitmenschen nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen werden - etwas, das der ungekrönte Herrscher überhaupt nicht verstehen kann. Er war es, der mich durch die Chroniken getragen hat. Andere historische Romane des Autors werde ich nicht wieder zur Hand nehmen. Dazu ergeht sich Cornwell zu oft in Weitschweifigkeit, heroischem, kriegerischem Imponiergehabe und Wiederholungen von Personenbeschreibungen, die er scheinbar bei der Länge des Werks vergessen hat. Wie oft mir Tewdric, der zum Christentum konvertierte König a.D. über den Weg lief und nackte, wild zuckende Druiden mit dungverklebten Haaren auf abgetrennte Köpfe gepisst haben, kann ich nicht zählen. Es gab einige Stellen, die mich tatsächlich berührt haben und von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Dazu gehören Szenen zwischen Derfel und seiner Frau Ceiwyn, die in diesem Band ziemlich harte Schicksalschläge erleben.


    Fazit: Ich bevorzuge den märchenhaft-fantastischen Artus von Gillian Bradshaw. Da niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es einen Herrscher wie ihn wirklich gegeben hat, kommt es mir sinnvoller vor, ihn im Reich der Mythen und Märchen zu wissen, in dem er schlummert bis zum heutigen Tag.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Nachdem ich nun die ersten beiden Teile gelesen habe und mich nach wie vor etwas schwer tue mit der Reihe, bin ich am Überlegen, ob ich "Arthurs letzter Schwur" zwecks Schonung meiner Nerven nicht abbrechen soll - auf Seite 480 (!). Irgendwas ist aber an der Geschichte, das mich trotz aller Kritik nicht loslässt. Und es liegt ganz sicher nicht an Cornwells Art, zu schreiben, die mir leider nicht zusagt. Vielleicht ist es die Neugier auf den Ausgang und die vollkommen neue Interpretation, die ich so gar nicht kenne. Und dass Arthur trotzdem immer noch edel ist. Denn anders als meine Vorgängerin Henriette66 kann ich mich über mangelndes Kopfkino nicht beklagen. Im Gegenteil - ich beklage es. :wink:


    Zunächst einmal finde ich, dass man das Buch mindestens 100 Seiten hätte kürzen können. Detailiertes Kampfgetümmel und endlos ausgeklügelte Feldstrategien, und sei die Schlacht noch so legendär, langweilen mich, und das männliche Imponiergehabe sowieso. Wie oft schon kreischende nackte Magier mit Dungstacheln als Haare angetanzt kamen und der Erzähler Derfel auf Eisen geklopft und gespuckt hat, um das Böse abzuwenden, will ich gar nicht zählen. Um nicht zu viel zu verraten, setze ich das Folgende in Spoiler.



    Am Ende des zweiten Teiles war ich optimistisch, dass die Reihe besser wird, doch mir graut vor den Zauberern Merlin und Nimue und der verblümten Verurteilung des Christentums, die Cornwell genüsslich in fast jede Zeile legt und jeden Anhänger dieser Religion im Buch als so engstirnig darstellt, als wären Tier- und Menschenopfer des Heidentums dagegen ein - Achtung Wortwitz! - Heidenspaß.


    Vielleicht kann mir jemand, der die Bücher komplett gelesen hat, ein bisschen Mut machen, es zu Ende zu lesen. Grundsätzlich finde ich die Charaktere nicht unspannend und vor allem Arthur gefällt mir sehr gut.

    Obwohl mich der erste Band nicht wirklich in seinen Bann gezogen hat, wollte ich dem zweiten Teil noch eine Chance geben. Irgendwie mag ich die Art, wie Cornwell den edlen und vernünftigen Arthur porträtiert (kann man einen so großartigen Kerl überhaupt unsympathisch schreiben?), und tatsächlich kam mir auch der unfreiwillige Sachse und Erzähler Derfel im "Schattenfürst" ein wenig näher; wahrscheinlich, weil man einiges über sein Familienleben und seine Herkunft erfährt. Ich hatte den Eindruck, er war ein bisschen weicher und nicht mehr gar so kriegerisch. Immerhin brechen im zweiten Teil die Tage von Camelot an, was bedeutet, dass es lange Zeit Frieden gab im Land.


    Inhaltlich ist mir "Der Schattenfürst" in der Rückschau trotzdem weniger präsent als "Der Winterkönig." Der Titel spielt auf Merlin an, der mir fast zuwider ist in seiner gewollt coolen Art, und dessen Abgeklärtheit im starken Widerspruch dazu steht, dass er die dreizehn Kleinodien Britanniens vereinen möchte, um die alten Götter zu rufen, damit sie die Unordnung auslöschen, die das Christentum ins Land gebracht hat. Ihm zur Seite steht die hysterische Nimue, die zwar nicht immer Merlins Meinung ist, darum aber nicht weniger fanatisch. Wirklich berührt hat mich das Schicksal von Tristan und Isolde (ich wollte schon immer wissen, welchen Platz die beiden in der Artus-Sage einnehmen. Cornwell ist diese Interpretation gut gelungen, finde ich), und - wie bereits erwähnt - auch das von Derfel, der unter seiner harten Schale doch ein ganz Netter ist und seiner Ceiwyn treu ergeben, mit der er in einfachen Verhältnissen lebt und drei Töchter hat.


    Gestört hat mich die Geringschätzigkeit, fast schon Verachtung, mit der Cornwell über das Christentum schreibt. Ja, er legt diese Dialoge seinen Protagonisten in den Mund und will wohl unpartteiisch bleiben, doch irgendwie blitzt immer wieder durch, dass heidnische Rituale einer Religion vorzuziehen seien. So jedenfalls habe ich es verstanden. Ich möchte nicht sagen, dass Religionen gut sind, denn sie führen immer wieder zu Kriegen und Missverständnissen. Und dennoch hätte ich mir weniger religiöse Voreingenommenheit im "Schattenfürst" gewünscht. Der einzige, der mir diesen Wunsch erfüllt hat, war Arthur, der sich auf seinen Verstand und sein Urteilsvermögen verlässt. Mir gefällt, dass er an das Gute glaubt und weder Heiden noch Christen verdammt. Leider war er zum Schluss dann doch der Dumme, denn seine Frau - immer noch glühende Isis-Anhängerin - entpuppt sich als untreu, sowohl was Arthurs Privatleben als auch seinen Herrscherstatus angeht. Sie stellt ihre Sekte über die Solidarität zu ihrem Mann, der von Nimue (Merlins Gefährtin) als Narr bezeichnet wird, weil er in politischen Belangen nie auf Guinevere gehört und sich demnach die Suppe selbst eingebrockt hat.


    Prompt wird das kluge promiskure Weib an einen "christlichen Ort" verbannt und als Hure Babylons verunglimpft, die noch froh sein kann, dass sie nicht auf dem Scheiterhaufen endet. Überhaupt, die Gewalt wieder... für mich oft einfach zu plakativ. Natürlich sind einem Verbrecher nicht sympathisch und müssen bestraft werden, doch auf die Details, die Cornwell seinen Derfel fast genüsslich schildern lässt, hätte ich hin und wieder gern verzichtet.


    Aber ich muss zugeben, dass mich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten besser unterhalten hat als "Der Winterkönig." Daher werde ich demnächst den letzten Teil in Angriff nehmen.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Da wären zumindest Fußnoten hilfreich gewesen. :wink:


    Der Erzähler verwendet eigentlich eine recht moderne Sprache, so dass ein Glossar sich wohl nicht gelohnt hat. "Zeitigen" kannte ich nicht, hat m. M. auch nichts mit "zeigen" zu tun, aber das sind halt die Veränderungen über die Jahrhunderte. Und was "Pützen" angeht, so hat mir das gut gefallen, wirkt für mich nach der Erklärung aber ein bisschen gewollt, denn die Speerkämpfer (zu denen der Erzähler gehört) sind alles andere als Seebären.

    Ich muss gerade ein bisschen grinsen: In Bernard Cornwells "Schattenfürst" werden neue Begriffe bzw. Wörter erfunden. Auf "was keine Wirkung zeitigte" bin ich schon zweimal gestoßen, und vorhin mussten die Speerkämpfer beim Überqueren der Meeresbucht um ihr Leben pützen. :loool:

    Dem sage ich, das ist ein Genussleser denn, es ist absolut nicht wichtig was man liest, Freude soll es bereiten.

    Und das ist es, was ich irgendwie vermisse. Sowohl bei mir selbst (eben weil mich durch den "Einheitsbrei" (ich verwende den Begriff ungern) nur noch wenig wirklich begeistern kann) als auch bei denjenigen, die ein Buch nur lesen, um ihr Pensum zu schaffen und nicht, um anderen davon zu erzählen oder eine aussagekräftige Rezension zu schreiben. Es kommt nicht darauf an, ob der Roman anspruchsvoll oder leichte Unterhaltung ist. Wichtig finde ich, dass er mit Wertschätzung gelesen wird.


    Den zögerlichen potentiellen Rezensenten möchte ich ein bisschen Mut machen. Egal, welches Genre, ob ernst oder humorvoll: wenn euch der Inhalt bewegt und gefreut hat, vergebt doch fünf Sterne. Das tut keinem weh, im Gegenteil.

    Wir können uns nicht auf der einen Seite Gedanken machen, wie man andere zum Lesen ermuntert und animiert und dann auf der anderen Seite vorschreiben, was sie zu lesen hätten.


    Marie : ich verstehe nicht ganz, was du meinst. Aber da ich das Thema gestartet habe, möchte ich darauf gern antworten. Falls es bei dir so ankommt, dass ich Leute zu "anspruchsvoller" Literatur und zu "Genuss-Lesern" bekehren will, tut es mir leid, dass wir uns missverstehen. Ich habe eine Entwicklung geschildert, die mir vor allem in den sozialen Medien auffiel und die ich einfach mal aus meiner Sicht hier niedergeschrieben habe, um eure Meinungen zu hören. Wenn ich in meine Buchhandlung vor Ort gehe, macht sich die mangelnde Vielfalt schon deutlich bemerkbar - ich bilde mir das nicht nur ein, und es liegt nicht nur am großen A. Einige haben meinen Eindruck ja auch bestätigt.

    Nehmen wir die ganze Sache doch einfach nicht so todernst. Wir reden über unser LieblingsHOBBY, und das ist nichts, was die Welt zum Überleben braucht. Und ob Bücher die Welt verändern / verbessern, darüber streiten sich die Gelehrten und Experten bis heute. Aber das ist ein anderes Thema.


    Nein, das tun wir nicht. Ich freue mich aber, dass das Thema für ordentlich Gesprächsstoff sorgt und wünsche mir außerdem ein abwechslungsreiches Bücherangebot für jeden. Denn nach meinem Empfinden gute Bücher machen schon einen großen Teil meiner Lebensqualität aus. Und da gehen wir bestimmt konform. :)

    Ich denke, dass du hier einen Punkt ansprichst, der eine große Rolle spielt. Konzentration und Zeit haben, das ist eigentlich fast schon Luxus für viele. Evtl. geht darum auch der Trend - so wie ich ihn beobachte - zu kurzweilgen Kurzgeschichten.

    Ich glaube nicht, dass Facebook repräsentativ für alle Gesellschaftsmitglieder ist.

    Nicht für alle. Aber doch für einen großen Teil. Auch die von Magdalena angesprochenen Blogger promoten dort ihre Schätzchen. Dagegen ist nichts zu sagen, und trotzdem möchte ich kurz ein Beispiel nennen, das mich erstaunt hat. Vor längerem nahm ich an einer sechs Wochen langen Blogger- und Autorenaktion teil. Jeder Blogger/Autor durfte sich einen Tag vorstellen, meist im Zusammenhang mit einer Verlosung des Lieblingsbuches oder dem eigenen Roman. Ich habe jeden Tag reingeschaut, und obwohl ich den Mädels alles Gute wünsche und mir kein Urteil über ihre Vorlieben und Bücher bilde, war ich doch verblüfft, dass jedes (!) Buch ähnlich aussah und ähnliche Themen behandelte.

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