Beiträge von Yael

    Welcher Austausch wird denn hier so schmerzlich vermisst ?

    Ich kann nur für mich sprechen und wie ich es empfinde. Von den Usern, mit denen ich öfter über Bücher diskutiert habe, sind viele schon lange nicht mehr aktiv. Ich vermisse tatsächlich einige, die seit Jahren nicht mehr hier waren, weil unser Buchgeschmack ähnlich war. Darum hab' ich mich auch ein bisschen zurückgezogen vom BT. Im Smalltalk-Bereich halte ich mich nicht (mehr) so häufig auf, den kann ich auch woanders haben. Aber die Diskussionen über gerade gelesene Bücher fehlen mir doch sehr, weil ich in RL niemanden habe, der meine literarischen Vorlieben teilt oder gern über Bücher spricht, die mich interessieren.


    Aber das ist natürlich auch schwierig, weil man ja dann spoilert.


    Dafür gibt es hier eine supertolle Spoilerfunktion, die einfach zu bedienen ist. Das Problem ist, dass jeder Leser Spoiler anders bewertet. Da weiß man dann nicht genau, ob man schon mit dem Werdegang einer Nebenfigur gespoilert hat, die für die Handlung nicht allzu relevant ist.

    Ich schreibe gerne Rezensionen, weil es für mich eine Art Abschluss ist, ein Resümee, und ich beim Verfassen noch einmal über den Inhalt nachdenken kann. Nicht für jedes Buch, das ich lese, aber den Großteil davon. Es handelt sich dabei weder um Gefälligkeitsrezensionen noch Rezi-Exemplare, sondern um Romane querbeet, neu oder alt. Die Rezensionen, die ich auf dem BT veröffentliche, befinden sich meist auch auf meinem Blog, so dass ich in vielen Jahren mal nachschlagen kann und sagen: Hey, diese Meinung hatte ich mal zu dem Roman, das ist ja interessant.


    Wäre mein Blog nicht, würde mir das Verfassen von Rezis vermutlich keinen Spaß mehr machen. Als langjähriges Mitglied beim BT fällt mir immer mehr die Diskussionsunlust auf, die zu meinen Anfängen vor zehn Jahren praktisch nicht vorhanden war. Selbst zu älteren Romanen haben sich viele geäußert, wenn sie denselben Roman bereits gelesen hatten, den man rezensiert oder zu dem man seine Meinung geschrieben hat. Heute kommt kaum eine Reaktion mehr, und man freut sich schon über ein Like als "zur Kenntnis genommen." Irgendwie schade, doch da Rezensionen offenbar ja eher unbeliebt sind, egal auf welcher Plattform, wundert es mich eigentlich nicht.

    Geschafft! Innerhalb von zwei Wochen habe ich den dritten und letzten Teil der Saga gelesen und muss sagen, dass ich im Nachhinein über mich selbst erstaunt bin, denn normalerweise hätte ich Bücher mit derart hohem Ekelfaktor schon lange vorher abgebrochen. Da mich aber keiner gewarnt hat und ich Artus / Arthur als Figur einfach nur toll finde, wollte ich wissen, wie es denn endet in Cornwalls "realistischer Fassung" der Legende.


    Inhalt: Der Auftakt zwingt den Leser förmlich, dranzubleiben: auf den ersten Seiten knüpft Band 3 nahtlos an den zweiten an, der mit einem Cliffhanger endet. Merlin und seine Komplizin und Gefährtin Nimue haben Arthurs Sohn Gwydre gekidnappt, um ihn bei einem großen Fest als Versöhnungsgabe den Göttern zu opfern. Die sollen dadurch in die Geschicke Britanniens eingreifen und das Land vom Christentum befreien. In letzter Sekunde vereitelt Arthur den perfiden Plan, doch der gutgläubige und unschuldige Gawain findet ein schreckliches Ende, das nicht einmal eines der Kleinodien wiedergutmachen kann: der Kessel, dem Gawain geopfert wird, kann diesen wider Erwarten nicht zum Leben erwecken, und Gwydre - das wertvollere Opfer als Sohn eines Herrschers - ist gerettet. Nimue ist stinkig. Merlin irgendwie auch, obwohl er fast so etwas wie Reue empfindet, als Arthur ihn zornig zur Rede stellt.


    Nach dieser recht vielversprechenden Szene geht es weiter wie gehabt: Bedrohungen durch die Sachsen, Streitereien zwischen Königreichen. Arthur ist des Kämpfens müde und träumt vom einfachen Landleben und einer Karriere als Hufschmied. Solides Handwerk will er ausüben statt Kriegskunst, auch wenn die inzwischen zu ihm zurückgekehrte Guinevere sich und Arthur zu Höherem berufen fühlt. Trotzdem raufen sich die beiden wieder zusammen, Guinevere schwört ihrer Sekte ab und steht im Kampf an der Seite von Erzähler Derfel als Bogenschützin ihren Mann. Natürlich wird auch reichlich herumorakelt durch neu eingeführte Charaktere wie den hellsichtigen Barden Taliesin, gezaubert, und vor allem wieder Rache geübt. Nicht nur das Ende von Gawain hat mich schockiert, der sogar noch als abschreckende Leiche von Merlin in eine Schlacht geführt wird, sondern auch das von Lancelot. Vielleicht mag ihn Cornwell nicht, weil er in der Sage so gnadenlos perfekt ist, doch das ist kein Grund, einen echten Loser aus ihm zu machen, der machtgeil, verräterisch und skrupellos seine Ziele verfolgt. Apropos skrupellos: Mordred, der rechtmäßige König, für den Arthur seinen letzten Schwur halten möchte und am Ende doch versagt, war mir irgendwie viel zu nebulös und nicht wirklich präsent. Zwar wurde er nach allen Mitteln der Kunst als widerlich dargestellt, aber das half mir nicht über die etwas lächerliche Vorstellung von Peter Ustinov als Nero in "Quo Vadis?" hinweg - und das entspricht überhaupt nicht meinem Bild eines raffinierten und zielstrebigen Mordred.


    Im vierten Teil des Buches geht dann alles Schlag auf Schlag, durchsetzt von immer wiederkehrendem Schlachtengetümmel und Gemetzeln an diversen Hauptcharakteren. Teilweise war es mir zu viel, und dann - als das Ende des Helden naht - wurde ich von der Sang- und Klanglosigkeit, mit der er verschwindet, irgendwie enttäuscht. Nach einer letzten Bitte an Derfel, sein magisches Schwert Excalibur im Meer versinken zu lassen, hinter dem Merlin und Nimue als eine der Göttergaben her waren, verschwindet der verhinderte König Britanniens auf Nimmerwiedersehen. Wie in der märchenhaften Sage. Keine Überraschungen hier. Allerdings muss ich zugeben, dass mir schon ein bisschen das Herz geblutet hat, als Arthur schwer verwundet zu Boden geht.


    Meinung: Trotz aller Kritik haben mich Cornwells Arthur-Chroniken einigermaßen gut unterhalten. Das liegt vor allem an der Figur des Arthur, der Cornwell aus den Überlieferungen treu geblieben ist: freundlich, aufmerksam, charismatisch und dennoch ein rücksichtsloser Gegner für potientielle Eroberer seines Landes, träumt er von einer besseren Welt und scheitert doch an den hochgesteckten Idealen, die von seinen Mitmenschen nicht immer mit Wohlwollen aufgenommen werden - etwas, das der ungekrönte Herrscher überhaupt nicht verstehen kann. Er war es, der mich durch die Chroniken getragen hat. Andere historische Romane des Autors werde ich nicht wieder zur Hand nehmen. Dazu ergeht sich Cornwell zu oft in Weitschweifigkeit, heroischem, kriegerischem Imponiergehabe und Wiederholungen von Personenbeschreibungen, die er scheinbar bei der Länge des Werks vergessen hat. Wie oft mir Tewdric, der zum Christentum konvertierte König a.D. über den Weg lief und nackte, wild zuckende Druiden mit dungverklebten Haaren auf abgetrennte Köpfe gepisst haben, kann ich nicht zählen. Es gab einige Stellen, die mich tatsächlich berührt haben und von denen ich es am wenigsten erwartet hätte. Dazu gehören Szenen zwischen Derfel und seiner Frau Ceiwyn, die in diesem Band ziemlich harte Schicksalschläge erleben.


    Fazit: Ich bevorzuge den märchenhaft-fantastischen Artus von Gillian Bradshaw. Da niemand mit Sicherheit sagen kann, ob es einen Herrscher wie ihn wirklich gegeben hat, kommt es mir sinnvoller vor, ihn im Reich der Mythen und Märchen zu wissen, in dem er schlummert bis zum heutigen Tag.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5:

    Nachdem ich nun die ersten beiden Teile gelesen habe und mich nach wie vor etwas schwer tue mit der Reihe, bin ich am Überlegen, ob ich "Arthurs letzter Schwur" zwecks Schonung meiner Nerven nicht abbrechen soll - auf Seite 480 (!). Irgendwas ist aber an der Geschichte, das mich trotz aller Kritik nicht loslässt. Und es liegt ganz sicher nicht an Cornwells Art, zu schreiben, die mir leider nicht zusagt. Vielleicht ist es die Neugier auf den Ausgang und die vollkommen neue Interpretation, die ich so gar nicht kenne. Und dass Arthur trotzdem immer noch edel ist. Denn anders als meine Vorgängerin Henriette66 kann ich mich über mangelndes Kopfkino nicht beklagen. Im Gegenteil - ich beklage es. :wink:


    Zunächst einmal finde ich, dass man das Buch mindestens 100 Seiten hätte kürzen können. Detailiertes Kampfgetümmel und endlos ausgeklügelte Feldstrategien, und sei die Schlacht noch so legendär, langweilen mich, und das männliche Imponiergehabe sowieso. Wie oft schon kreischende nackte Magier mit Dungstacheln als Haare angetanzt kamen und der Erzähler Derfel auf Eisen geklopft und gespuckt hat, um das Böse abzuwenden, will ich gar nicht zählen. Um nicht zu viel zu verraten, setze ich das Folgende in Spoiler.



    Am Ende des zweiten Teiles war ich optimistisch, dass die Reihe besser wird, doch mir graut vor den Zauberern Merlin und Nimue und der verblümten Verurteilung des Christentums, die Cornwell genüsslich in fast jede Zeile legt und jeden Anhänger dieser Religion im Buch als so engstirnig darstellt, als wären Tier- und Menschenopfer des Heidentums dagegen ein - Achtung Wortwitz! - Heidenspaß.


    Vielleicht kann mir jemand, der die Bücher komplett gelesen hat, ein bisschen Mut machen, es zu Ende zu lesen. Grundsätzlich finde ich die Charaktere nicht unspannend und vor allem Arthur gefällt mir sehr gut.

    Obwohl mich der erste Band nicht wirklich in seinen Bann gezogen hat, wollte ich dem zweiten Teil noch eine Chance geben. Irgendwie mag ich die Art, wie Cornwell den edlen und vernünftigen Arthur porträtiert (kann man einen so großartigen Kerl überhaupt unsympathisch schreiben?), und tatsächlich kam mir auch der unfreiwillige Sachse und Erzähler Derfel im "Schattenfürst" ein wenig näher; wahrscheinlich, weil man einiges über sein Familienleben und seine Herkunft erfährt. Ich hatte den Eindruck, er war ein bisschen weicher und nicht mehr gar so kriegerisch. Immerhin brechen im zweiten Teil die Tage von Camelot an, was bedeutet, dass es lange Zeit Frieden gab im Land.


    Inhaltlich ist mir "Der Schattenfürst" in der Rückschau trotzdem weniger präsent als "Der Winterkönig." Der Titel spielt auf Merlin an, der mir fast zuwider ist in seiner gewollt coolen Art, und dessen Abgeklärtheit im starken Widerspruch dazu steht, dass er die dreizehn Kleinodien Britanniens vereinen möchte, um die alten Götter zu rufen, damit sie die Unordnung auslöschen, die das Christentum ins Land gebracht hat. Ihm zur Seite steht die hysterische Nimue, die zwar nicht immer Merlins Meinung ist, darum aber nicht weniger fanatisch. Wirklich berührt hat mich das Schicksal von Tristan und Isolde (ich wollte schon immer wissen, welchen Platz die beiden in der Artus-Sage einnehmen. Cornwell ist diese Interpretation gut gelungen, finde ich), und - wie bereits erwähnt - auch das von Derfel, der unter seiner harten Schale doch ein ganz Netter ist und seiner Ceiwyn treu ergeben, mit der er in einfachen Verhältnissen lebt und drei Töchter hat.


    Gestört hat mich die Geringschätzigkeit, fast schon Verachtung, mit der Cornwell über das Christentum schreibt. Ja, er legt diese Dialoge seinen Protagonisten in den Mund und will wohl unpartteiisch bleiben, doch irgendwie blitzt immer wieder durch, dass heidnische Rituale einer Religion vorzuziehen seien. So jedenfalls habe ich es verstanden. Ich möchte nicht sagen, dass Religionen gut sind, denn sie führen immer wieder zu Kriegen und Missverständnissen. Und dennoch hätte ich mir weniger religiöse Voreingenommenheit im "Schattenfürst" gewünscht. Der einzige, der mir diesen Wunsch erfüllt hat, war Arthur, der sich auf seinen Verstand und sein Urteilsvermögen verlässt. Mir gefällt, dass er an das Gute glaubt und weder Heiden noch Christen verdammt. Leider war er zum Schluss dann doch der Dumme, denn seine Frau - immer noch glühende Isis-Anhängerin - entpuppt sich als untreu, sowohl was Arthurs Privatleben als auch seinen Herrscherstatus angeht. Sie stellt ihre Sekte über die Solidarität zu ihrem Mann, der von Nimue (Merlins Gefährtin) als Narr bezeichnet wird, weil er in politischen Belangen nie auf Guinevere gehört und sich demnach die Suppe selbst eingebrockt hat.


    Prompt wird das kluge promiskure Weib an einen "christlichen Ort" verbannt und als Hure Babylons verunglimpft, die noch froh sein kann, dass sie nicht auf dem Scheiterhaufen endet. Überhaupt, die Gewalt wieder... für mich oft einfach zu plakativ. Natürlich sind einem Verbrecher nicht sympathisch und müssen bestraft werden, doch auf die Details, die Cornwell seinen Derfel fast genüsslich schildern lässt, hätte ich hin und wieder gern verzichtet.


    Aber ich muss zugeben, dass mich der Roman nach anfänglichen Schwierigkeiten besser unterhalten hat als "Der Winterkönig." Daher werde ich demnächst den letzten Teil in Angriff nehmen.


    Bewertung: :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:

    Da wären zumindest Fußnoten hilfreich gewesen. :wink:


    Der Erzähler verwendet eigentlich eine recht moderne Sprache, so dass ein Glossar sich wohl nicht gelohnt hat. "Zeitigen" kannte ich nicht, hat m. M. auch nichts mit "zeigen" zu tun, aber das sind halt die Veränderungen über die Jahrhunderte. Und was "Pützen" angeht, so hat mir das gut gefallen, wirkt für mich nach der Erklärung aber ein bisschen gewollt, denn die Speerkämpfer (zu denen der Erzähler gehört) sind alles andere als Seebären.

    Ich muss gerade ein bisschen grinsen: In Bernard Cornwells "Schattenfürst" werden neue Begriffe bzw. Wörter erfunden. Auf "was keine Wirkung zeitigte" bin ich schon zweimal gestoßen, und vorhin mussten die Speerkämpfer beim Überqueren der Meeresbucht um ihr Leben pützen. :loool:

    Dem sage ich, das ist ein Genussleser denn, es ist absolut nicht wichtig was man liest, Freude soll es bereiten.

    Und das ist es, was ich irgendwie vermisse. Sowohl bei mir selbst (eben weil mich durch den "Einheitsbrei" (ich verwende den Begriff ungern) nur noch wenig wirklich begeistern kann) als auch bei denjenigen, die ein Buch nur lesen, um ihr Pensum zu schaffen und nicht, um anderen davon zu erzählen oder eine aussagekräftige Rezension zu schreiben. Es kommt nicht darauf an, ob der Roman anspruchsvoll oder leichte Unterhaltung ist. Wichtig finde ich, dass er mit Wertschätzung gelesen wird.


    Den zögerlichen potentiellen Rezensenten möchte ich ein bisschen Mut machen. Egal, welches Genre, ob ernst oder humorvoll: wenn euch der Inhalt bewegt und gefreut hat, vergebt doch fünf Sterne. Das tut keinem weh, im Gegenteil.

    Wir können uns nicht auf der einen Seite Gedanken machen, wie man andere zum Lesen ermuntert und animiert und dann auf der anderen Seite vorschreiben, was sie zu lesen hätten.


    Marie : ich verstehe nicht ganz, was du meinst. Aber da ich das Thema gestartet habe, möchte ich darauf gern antworten. Falls es bei dir so ankommt, dass ich Leute zu "anspruchsvoller" Literatur und zu "Genuss-Lesern" bekehren will, tut es mir leid, dass wir uns missverstehen. Ich habe eine Entwicklung geschildert, die mir vor allem in den sozialen Medien auffiel und die ich einfach mal aus meiner Sicht hier niedergeschrieben habe, um eure Meinungen zu hören. Wenn ich in meine Buchhandlung vor Ort gehe, macht sich die mangelnde Vielfalt schon deutlich bemerkbar - ich bilde mir das nicht nur ein, und es liegt nicht nur am großen A. Einige haben meinen Eindruck ja auch bestätigt.

    Nehmen wir die ganze Sache doch einfach nicht so todernst. Wir reden über unser LieblingsHOBBY, und das ist nichts, was die Welt zum Überleben braucht. Und ob Bücher die Welt verändern / verbessern, darüber streiten sich die Gelehrten und Experten bis heute. Aber das ist ein anderes Thema.


    Nein, das tun wir nicht. Ich freue mich aber, dass das Thema für ordentlich Gesprächsstoff sorgt und wünsche mir außerdem ein abwechslungsreiches Bücherangebot für jeden. Denn nach meinem Empfinden gute Bücher machen schon einen großen Teil meiner Lebensqualität aus. Und da gehen wir bestimmt konform. :)

    Ich denke, dass du hier einen Punkt ansprichst, der eine große Rolle spielt. Konzentration und Zeit haben, das ist eigentlich fast schon Luxus für viele. Evtl. geht darum auch der Trend - so wie ich ihn beobachte - zu kurzweilgen Kurzgeschichten.

    Ich glaube nicht, dass Facebook repräsentativ für alle Gesellschaftsmitglieder ist.

    Nicht für alle. Aber doch für einen großen Teil. Auch die von Magdalena angesprochenen Blogger promoten dort ihre Schätzchen. Dagegen ist nichts zu sagen, und trotzdem möchte ich kurz ein Beispiel nennen, das mich erstaunt hat. Vor längerem nahm ich an einer sechs Wochen langen Blogger- und Autorenaktion teil. Jeder Blogger/Autor durfte sich einen Tag vorstellen, meist im Zusammenhang mit einer Verlosung des Lieblingsbuches oder dem eigenen Roman. Ich habe jeden Tag reingeschaut, und obwohl ich den Mädels alles Gute wünsche und mir kein Urteil über ihre Vorlieben und Bücher bilde, war ich doch verblüfft, dass jedes (!) Buch ähnlich aussah und ähnliche Themen behandelte.

    Aber wenn ich irgendwann nur noch Gestaltenwandler und Young Adult nach Schema F im Regal stehen sehe, betrifft das auch mich. Vielleicht eine etwas übertriebene Reaktion, doch da ich ohnehin einen recht eigenen Buchgeschmack habe, wird es mit der Zeit immer schwieriger, Romane zu finden, die mich begeistern und aus denen ich Inspiration in welcher Form auch immer schöpfe.

    aber liegt dann das Grundproblem nicht

    1. in der Flut an Neuerscheinungen, die es einfach schwieriger machen, das für sich passende Buch zu finden

    2. an deinem Buchgeschmack per se

    Vor ein paar Tagen hatte ich zehnjähriges Jubiläum auf dem BT (*Fanfare und Tusch*). Als Neuling und lange Zeit danach war ich fasziniert von den vielen verschiedenen Buch(geheim-)tipps, die ich hier bekam und auch durch euch Genres entdeckt habe, die ich nicht kannte. Mein Buchgeschmack hat sich, glaube ich, nicht viel geändert über die Jahre, und trotzdem merke ich, dass es nicht mehr so einfach ist, ein für mich passendes Buch zu finden, weil allein oft schon die rosa-lila Cover und Klappentexte sich ähneln. Auf FB bin ich seit ca. vier Jahren aktiv und stelle eben fest, dass mysteriöse Prinzessinnen und gutaussehende Millionäre und Gestaltwandler Hochkonjunktur haben. Daher habe ich mir erlaubt, meinen persönlichen Eindruck zu posten. Dass der nicht positiv ist, tut mir leid. Am meisten für mich selbst. :wink:


    Dass der Thread so viel diskutiert wird, finde ich gut! :thumleft:

    Was genau ist es also "mit Genuss" lesen?

    Und die Zusatzfrage: Warum sollte dieser von jedem Leser für sich selbst definierte Genuss davon bedroht sein, dass andere "anders" lesen bzw. dass man das dank Social Media überhaupt erst einmal wahrnimmt? :-k

    Was ein "Genuss-Leser" ist, entscheidet jeder für sich selbst. Ich kann wohl noch hundertmal schreiben, dass es mir nicht auf die Geschwindigkeit und die Anzahl ankam - entweder man versteht mein Anliegen nicht oder will es nicht verstehen. Ich bezog mich auf Leute, die ein Buch nach dem anderen lesen, ohne wirklich den Inhalt aufzunehmen, ihn dann vergessen - und wenn der anders ist als die gewohnte Kost, es ablehnen (über 500 Seiten, Geschichte, die zum Nachdenken anregt).


    Facebook - man mag es verteufeln oder nicht - spiegelt die Meinung der Gesellschaft wider, und da ich immer häufiger auf solche Posts stoße wie schon beschrieben (die für viele von euch ein Novum zu sein scheinen), wollte ich dazu eine Diskussion anstoßen. Du hast recht, Jean van der Vlugt , es könnte mir eigentlich egal sein. Aber wenn ich irgendwann nur noch Gestaltenwandler und Young Adult nach Schema F im Regal stehen sehe, betrifft das auch mich. Vielleicht eine etwas übertriebene Reaktion, doch da ich ohnehin einen recht eigenen Buchgeschmack habe, wird es mit der Zeit immer schwieriger, Romane zu finden, die mich begeistern und aus denen ich Inspiration in welcher Form auch immer schöpfe.

    Ebenso wenig will ich den "Massengeschmack" schlechtreden. Mein Beispiel mit den markanten Schriftstellern war ein bisschen unglücklich. Ich habe nur vor längerem einen historischen Roman gelesen, dessen Stil und Sprache von vielen Rezensenten auf Amazon zwar lobend erwähnt, aber als "außergewöhnlich" eingestuft wurde. Da habe ich mich schon ein wenig gewundert, denn ich fand die Sprache angemessen und keineswegs exotisch.

    Auch das mit Sprache, ist für mich wieder eine Empfindungssache. Hier wurde die Sprache von den meisten Rezensenten als außergewöhnlich betitelt. Was ist daran jetzt falsch wenn sie es so empfunden haben?

    Falsch ist das nicht, nur verwunderlich für mich. Bei dem Roman handelte es sich um einen Gay Historical, der - gemessen an den Büchern, die ich lese - keinen so außergewöhnlichen Stil hatte. Die Sprache war angenehm und gut zu lesen, auch sehr niveauvoll, und ich habe mich dann eben gefragt, ob das wirklich so außergewöhnlich ist.

    Wäre interessant, wenn jemand mal die Frage stellen würde: Wieso liest du denn so wenig, oder so langsam? O:-)

    Die Antwort ist bei mir zumindest ganz einfach. Weil ich ja auch noch etliche andere Hobbies habe und nicht nur lesen als Einziges. :)


    Aber ich glaube die Diskussion geht wieder in den alten und immerwährenden Disput Wenig- vs. Vielleser über was gar nicht das Anliegen von Yael war.

    Danke dafür! :friends:Die Diskussion - so interessant sie ist - dreht sich tatsächlich hauptsächlich um die Lesegeschwindigkeit und die Anzahl der gelesenen Bücher. Nun bin ich auch nicht mehr irritiert, warum hier gesagt wird "ein altes Thema, das immer wieder hochkommt." Es geht mir aber nicht um Schnell oder Langsam.


    Mir kam die Frage in den Sinn, weil ich in diversen FB-Gruppen des öfteren auf Postings stoße, in denen Leute quasi beim Lesen den Kopf ausschalten, um möglichst viele Bücher im Monat zu schaffen. Und da dieses Verhalten scheinbar Kreise zieht, passt sich in einigen Genres und bei Selbstpublishern / Verlagen die Qualität der Veröffentlichungen an. Viele Romane behandeln dasselbe Thema nur mit anderen Figuren, und mehr wird von der Leserschaft auch nicht erwartet. Im Gegenteil: je weniger Abwechslung, je besser. Das zumindest ist der Eindruck, der bei mir entsteht. Dazu kommt, dass ich in der Tat nicht mehr so viele interessante Bücher finde wie früher (früher heißt für mich: als alles besser war :wink: ).

    Mir ging es um Leute, die kopflos durch Bücher hasten und besinnungslos zum nächsten greifen, ohne sich auf das Gelesene einzulassen.

    Aber woher glaubst du denn überhaupt zu wissen dass diese anderen Leute das Lesen so handhaben?

    Sagen die das von sich selber, oder interpretierst du das nur in die Anzahl ihrer gelesenen Bücher hinein? :-k

    Da verlasse ich mich nicht auf meine Interpretation, sondern auf das, was die Leute dort schreiben. Aber wie Marie schon sagte, vergisst man eben schnell Dinge, die nicht so wichtig sind oder in den gelesenen Büchern auf unterschiedliche Weise in mehr oder weniger ähnlicher Form geschrieben werden. Ich persönlich fände es unbefriedigend, einem Buch meine Zeit zu widmen (die ebenfalls nicht unendlich ist) und sofort hinterher nicht mehr zu wissen, worum es ging. Wenn mich ein Buch nicht gut unterhält und mir so gar nichts sagt, breche ich es ab. Aber das soll jeder so handhaben, wie er möchte.

    ...allerdings wäre ich in solch einem Forum längst nicht mehr aktiv dabei.

    Aktiv bin ich dort nicht, nur Gruppenmitglied. Sollte ich vielleicht mal ändern. :wink:

    pralaya : Mir gefällt es auch, dass diskutiert wird. :) Ich finde es allerdings schade, dass sich eine Gruppe angegriffen fühlt, die ich nicht gemeint habe.


    Statistiken und Challenges sind für viele Leser toll und ein Ansporn, zu lesen - das ist doch positiv! Mir ging es um Leute, die kopflos durch Bücher hasten und besinnungslos zum nächsten greifen, ohne sich auf das Gelesene einzulassen. Und das ist bei dir und den anderen Schnelllesern ja nicht der Fall.

    Und das Führen einer Lesestatistik, die in einer Zahl mündet, wieviel man pro Monat oder Jahr gelesen hat, eine Zahl, die, wenn die Statistik von einem Vielleser geführt wird, langsameren Lesern (die hier etwas vereinfachend Genussleser genannt werden) sicherlich gerne mal ein überraschtes Erstaunen abringt, ist auch nicht automatisch der Wunsch, zu prahlen oder die Lektüre auf reine Zahlen zu vereinfachen.


    Ich habe ja geahnt, dass der Thread kontrovers werden würde, aber ich möchte doch noch mal betonen, dass für mich langsame Leser nicht automatisch "Genussleser" sind und schnelle Leser generell nicht fähig, sich den Inhalt der gelesenen Bücher zu merken. Das, was ich geschildert habe, sind rein persönliche Erfahrungswerte, die ich auf einem Forum so mitbekommen habe. Und ganz ehrlich, wenn man den Inhalt sofort wieder vergisst (was in der Tat bei vielen der Fall ist), welchen Sinn hat es dann überhaupt, ein Buch in die Hand zu nehmen? Da geht es halt nur um das Schneller-sein und möglichst viele Bücher in einem Monat zu "verschlingen."


    Warum muss der Lese-Genuss immer an einer bestimmten Qualität "hochwertiger" Lektüre festgemacht werden? Jeder Leser ist anders, legt Wert auf unterschiedliche Dinge und warum wird den Lesern der "breiten Masse" der Genuss am Lesen abgesprochen?


    Ebenso wenig will ich den "Massengeschmack" schlechtreden. Mein Beispiel mit den markanten Schriftstellern war ein bisschen unglücklich. Ich habe nur vor längerem einen historischen Roman gelesen, dessen Stil und Sprache von vielen Rezensenten auf Amazon zwar lobend erwähnt, aber als "außergewöhnlich" eingestuft wurde. Da habe ich mich schon ein wenig gewundert, denn ich fand die Sprache angemessen und keineswegs exotisch.

    Und ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass irgendjemand, der viele Bücher liest, das ohne Freude tut, denn sonst würde er es bleiben lassen :wink:


    Auch der Wettbewerb und sportlicher Ehrgeiz können Freude und Genugtuung bringen. :wink: Ich glaube wie du, dass der Großteil der Vielleser, die an Challenges teilnehmen oder sich ein Pensum von fünfzehn Büchern / Monat setzen, tatsächlich Spaß am Lesen hat. Trotzdem sieht für mich das nicht gerade nach Freizeit und Entspannung aus. Vor allem dann nicht, wenn ich mich aufgrund oberflächlichen und schnellen Lesens bald nicht mehr an den Inhalt erinnern kann.


    Oder wenn ein Buch mit über 500 Seiten unbesehen abgelehnt wird, weil man sonst mit der auferlegten Challenge ins Hintertreffen gerät. Und das ist es eben, was mir in letzter Zeit vermehrt auffiel. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist da vermutlich auch das Kindle Unlimited Programm, bei dem man sich möglichst viele Bücher im Monat runterlädt, damit es sich lohnt. Ich bin wie viele hier eher die Schneckentempo-Leserin und denke auch gerne noch lange über eine Geschichte nach, die mich begeistert hat oder spreche mit anderen darüber, bevor ich die nächste anfange.


    Danke jedenfalls für eure Antworten und Meinungen!

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